Tuschzeichnung im Museum zu Basel.]

[Illustration: Abb. 43. +Vornehme Baselerin in Tuchkleid und gestickter

Haube.+

Tuschzeichnung im Museum zu Basel. (Nach einer Originalphotographie von

Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)]

[Illustration: Abb. 44. +Baseler Bürgerfrau.+ Tuschzeichnung im Museum

zu Basel.]

Mehrmals wurde an Holbein, nachdem er sich in Basel niedergelassen,

die Aufgabe gestellt, seine in Luzern bewährte Kunst auch hier zu

bethätigen, die Straßenseite eines Hauses durch malerischen Schmuck

zu beleben. Von diesen Straßenmalereien hat sich nichts erhalten. Nur

ein paar Originalentwürfe zu einzelnen Stücken (Abb. 41) und einzelne

spätere Abbildungen geben uns eine Vorstellung von deren Art und

Weise. Mit kühner Phantasie und mit genialer Ausnutzung der durch

die unregelmäßigen Fensterstellungen gegebenen verschiedenartigen

Flächen umkleidete er die schlichten Häuser mit säulenreichen

Renaissancearchitekturen und belebte die gemalten Balkone und luftigen

Hallen mit geschichtlichen, mythologischen, sinnbildlichen und

volkstümlichen Gestalten. Am berühmtesten war die übermütig lustige

Darstellung eines Bauerntanzes, nach welchem das Haus, an dem sie sich

befand, „zum Tanz“ genannt wurde. Wie dieses Gebäude in seiner Bemalung

ausgesehen hat, davon gibt außer den erhaltenen Originalentwürfen

einzelner Stücke eine alte Durchzeichnung des Gesamtentwurfs Kunde.

Es war ein dreistöckiges Eckhaus; die Malerei erstreckte sich über

beide Seiten und war in ihrer Perspektive so angeordnet, daß sie

auf einen Standpunkt des Beschauers schräg der Ecke gegenüber, von

wo aus man beide Seiten sah, rechnete. Im Erdgeschoß war an der

Hauptseite eine von Säulen getragene Bogenlaube gemalt; mit großem

Geschick hatte Holbein die in der Wirklichkeit vorhandene gotische

Form von Thür und Fenstern in der Art verwendet, daß die in seinen

Stil nicht passenden Spitzbogen wie das Ergebnis der perspektivischen

Überschneidung, welche die jenem Standpunkt entsprechende schräge

Ansicht der gemalten Rundbogenwölbungen mit sich brachte, erschienen.

Darüber, in dem Raum unterhalb der nächsten Fensterreihe, sah man

die farbigen Gestalten der tanzenden Bauern, die sich vor der hier

scheinbar weiter zurücktretenden Architektur, ihre Schlagschatten auf

die Wand werfend, auf einem Bretterboden tummelten. An der anderen

Seite des Hauses war ein großer Teil der Wand so bemalt, als ob man in

einen hohen, den ersten Stock mit durchbrechenden Thorweg hineinsähe.

Jenseits desselben war wieder eine Bogenlaube gemalt; davor sah man

einen Stallknecht mit einem Pferde stehen; deren Füße waren, da es

nicht anging, das Aufstehen derselben auf der Straße zu malen, durch

eine die Straße entlang gehend gedachte niedrige Mauer verborgen.

Weiter oben, zwischen den Fenstern des ersten Stocks, sah man eine

farbige Figur des Bacchus. Die oberen Geschosse waren an beiden

Hauswänden mit einer phantastischen Architektur übersponnen. Bald

scheinbar hervortretend in Balkonen, auf denen sich bunte Gestalten

bewegten, bald tief zurückgehend, durchbrochen von Durchblicken

in die blaue Luft unter schattigen Bogen, mit Steinfiguren und

Medaillons geschmückt, zeigte dieses künstlerische Spiel eine Fülle der

mannigfaltigsten Formgedanken. Selbst die Unregelmäßigkeiten, welche

in der Stellung der Fenster vorhanden waren, wurden ausgenutzt, indem

der Anschein hervorgerufen wurde, als ob die Ungleichheiten durch

die Perspektive bedingt wären. Über dem gemalten Thorweg erblickte

man den Marcus Curtius, der, aus einer tiefen Halle hervorsprengend,

sich anschickt, mit seinem mächtigen, aufbäumenden Schimmel auf die

Straße hinabzustürzen. Es fehlte auch nicht ein kleiner Scherz des

Malers: ganz oben stand auf einem Gesims ein Farbentopf, wie wenn er

dort vergessen worden wäre und nun nicht mehr heruntergeholt werden

könnte. -- Eine bis zur Augentäuschung gehende Körperhaftigkeit war ein

Hauptwitz bei den Straßenmalereien Holbeins. Die alten Berichterstatter

haben verschiedene darauf bezügliche Geschichtchen der Aufzeichnung für

wert gehalten.

[Illustration: Abb. 45. +Christus im Grabe.+ Ölgemälde von 1521. Im

Museum zu Basel.]

[Illustration: Abb. 46. +Kopf des Totenbildes im Baseler Museum+ (s. d.

vorige Abb.).

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

Die Stadt Basel muß durch die zahlreichen von Holbein bemalten

Hausfassaden förmlich etwas von dessen persönlichem Stil aufgedrückt

bekommen haben. Aber der Einfluß des jungen Malers mit seinem

ausgebildeten Geschmack beschränkte sich nicht auf den Schmuck der

Häuser, er erstreckte sich auch auf die äußere Erscheinung der

Menschen. Unter den Holbeinzeichnungen im Baseler Museum befindet

sich eine Anzahl von Entwürfen zu Damenanzügen. Es ist nicht recht

annehmbar, daß Holbein diese in sorgfältiger Tuschzeichnung ziemlich

groß ausgeführten Blätter gemacht haben sollte, um der Nachwelt zu

berichten, wie die Baselerinnen zu seiner Zeit sich kleideten; vielmehr

hat er seine Erfindungsgabe, die innerhalb des die Gotik verdrängenden

„antikischen“ Stils neue Bau- und Zierformen spielend gestaltete,

auch angewendet, um im Rahmen des herrschenden Modegeschmacks

Musterbilder weiblicher Kleidung zu schaffen. Und zweifellos haben

die jungen Damen sehr gut ausgesehen, welche diese Vorbilder durch

ihren Schneider in die Wirklichkeit übersetzen ließen. Die Trachten

bieten viel Abwechselung. Da sehen wir eine vornehme Dame in einem

Kleid aus reichem schweren Seidenstoff mit weiten Puffärmeln, unter

denen mehrfach gepuffte Unterärmel aus feinem Weißzeug hervorkommen,

mit einem breiten Hut, der ganz mit wallenden Straußenfedern besetzt

ist (Abb. 42). Dann eine Dame in häuslicher Festkleidung, mit einem

Tuchkleid, das mit breiten Sammetbesätzen und mit verschiedenartigen

Puffen und gefälteltem Weißzeug an Brust und Ärmeln verziert ist, mit

besticktem Unterrock und besticktem Häubchen, mit einer Menge von

Goldschmuck über dem durchsichtigen Stoff, der die Schultern leicht

verschleiert (Abb. 43). Weiter das sehr hübsche Bild einer Bürgerfrau

in gefälteltem Kleid und durchsichtiger Haube. Dann die sogenannte

Wirtin, eine junge Dame, die mit einem Humpen in der Hand dargestellt

ist, als ob sie eben des Amtes walte, einen Ehrentrunk zu überreichen;

dementsprechend trägt sie die häusliche Schürze, die aber in ihrer

feinen Fältelung auch ein Putzstück ist, über dem reichfaltigen

Schleppkleid, dessen Ärmel in mehrere weite, gefältelte Puffen

abgeteilt sind; auf dem Kopfe trägt sie einen schräg aufgesetzten

ganz flachen Hut, dessen Rand ein Kranz von Straußenfedern umgibt,

und den Ausschnitt des Kleides hat sie zum größten Teil unter einem

sammetbesetzten Schulterkragen, nicht unähnlich dem heutigen „Cape“,

verborgen. Die künstlerisch schönste unter all diesen Zeichnungen zeigt

eine Bürgerfrau in halber Rückenansicht, in verhältnismäßig einfacher,

aber darum nicht weniger kleidsamer Tracht; der einzige Schmuck des

Kleides von schwerem Tuch besteht in Sammetbesätzen am Ausschnitt und

an den glatten, nur an den Ellenbogen von Weißzeugpuffen unterbrochenen

Ärmeln; über Hals und Schultern schmiegt sich ein dünner gefältelter

Stoff, und das Haar ist unter einer ebenfalls halbdurchsichtigen

Haube verborgen; keinerlei metallener Schmuck, nur die am Gürtelband

hängende kunstreich gearbeitete Büchse für das Nähgerät (Abb. 44).

Bei einer sechsten Modezeichnung, welche ein ziemlich leichtfertig

aussehendes junges Mädchen im Federhut, mit unverschleiertem sehr

tiefen Ausschnitt des Kleides zeigt, erscheint der Holbeinsche Ursprung

zweifelhaft. Was bei all diesen weiblichen Trachtenbildern den heutigen

Beschauer so befremdlich berührt, das Zurückbiegen des Oberkörpers mit

stark ausgehöhltem Rücken, war eine modische Angewöhnung der Zeit,

die durchaus zum guten Ton gehörte, und die ihren thatsächlichen

Entstehungsgrund wohl in dem Umstand hatte, daß der mitunter sehr

schwere Rock, da er vorn ebenso weit auf den Boden hinabreichte wie

hinten, beim Gehen beständig vorn aufgehoben werden mußte.

[Illustration: Abb. 47. +Madonna von Solothurn.+ Ölgemälde von 1522. Im

Privatbesitz in Solothurn.

(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach

i. E. und Paris.)]

[Illustration: Abb. 48. +Die heilige Ursula.+ Ölgemälde von 1522.

Holbein der jüngere · 第 24 / 39 题