Heute gelangten wir den ganzen Tag nicht aus dem Nebel. Eine Art
Blindheit befiel die Augen, und als wir nach vier Uhr in Koczmás
ankamen, erfuhr ich ein Verfließen äußeren und inneren Gesichts, von dem
ich mir guten Gewissens berichte, weil der Geist frei blieb und der
Täuschung gelassen zusah. Ich hatte mich bei einem Fußkranken
aufgehalten, fand mich schließlich allein auf der Straße und suchte auf
einem Seitenweg mein Quartier, dessen Richtung mir bezeichnet worden
war. Als ich einmal stehenblieb, um mich zurechtzufinden, hörte ich ein
Rauschen in der Nähe; es klang wie der Brunnen vor dem Hause der Mutter
in S., und gleich kamen mir Weg, Zaun und Nebelbäume bekannt vor. Jeden
Pfahl, jeden Stein hatte ich früher schon einmal gesehen, und nun hörte
ich auch das breite Brausen der Donau. Ein Haus aber, das verschwommen
im Dunst erschien, formte sich bis in Einzelheiten zu dem mütterlichen
Häuschen aus. Kaum eine Viertelminute dauerte der angenehme Trug; ich
folgte dem Rauschen, das sich aber auf einmal abschwächte, und als ich
vor der Haustür stand und meinen Namen las, den der Quartiermacher mit
Kreide daran geschrieben hatte, war alles vorüber. Eine ganz alte Frau
trat heraus und führte mich in ein Stübchen, das ich mit Leutnant T.
teilen soll. Später brachte sie sonderbare Milchspeise, die mit einer
dicken Zimt- und Zuckerkruste überzogen war, dazu sehr scharfen, mir
ungenießbaren Schafkäse. Ich habe mich beim Stab entschuldigen lassen
und esse mit T. zu Abend, helfe ihm auch wieder beim Zensieren der
Briefe. Die alte Frau erscheint von Zeit zu Zeit, stellt sich mit
verschränkten Armen in die Tür und betrachtet uns unverwandt. Ihre
Mienen sind kummervoll, ihr Blick ungesammelt, und wenn ich der Frau von
Szentlélek gedenke, muß ich mich fragen, ob es hierzulande nicht mehr
verwirrte und entrückte Menschen gibt als anderswo. Dann und wann kommt
eine stämmige blonde Tochter, stellt die Alte wegen ihres zudringlichen
Verweilens zur Rede und führt sie wie ein unverbesserliches Kind immer
wieder hinaus.