Koczmás, 25. Oktober 1916

Heute gelangten wir den ganzen Tag nicht aus dem Nebel. Eine Art

Blindheit befiel die Augen, und als wir nach vier Uhr in Koczmás

ankamen, erfuhr ich ein Verfließen äußeren und inneren Gesichts, von dem

ich mir guten Gewissens berichte, weil der Geist frei blieb und der

Täuschung gelassen zusah. Ich hatte mich bei einem Fußkranken

aufgehalten, fand mich schließlich allein auf der Straße und suchte auf

einem Seitenweg mein Quartier, dessen Richtung mir bezeichnet worden

war. Als ich einmal stehenblieb, um mich zurechtzufinden, hörte ich ein

Rauschen in der Nähe; es klang wie der Brunnen vor dem Hause der Mutter

in S., und gleich kamen mir Weg, Zaun und Nebelbäume bekannt vor. Jeden

Pfahl, jeden Stein hatte ich früher schon einmal gesehen, und nun hörte

ich auch das breite Brausen der Donau. Ein Haus aber, das verschwommen

im Dunst erschien, formte sich bis in Einzelheiten zu dem mütterlichen

Häuschen aus. Kaum eine Viertelminute dauerte der angenehme Trug; ich

folgte dem Rauschen, das sich aber auf einmal abschwächte, und als ich

vor der Haustür stand und meinen Namen las, den der Quartiermacher mit

Kreide daran geschrieben hatte, war alles vorüber. Eine ganz alte Frau

trat heraus und führte mich in ein Stübchen, das ich mit Leutnant T.

teilen soll. Später brachte sie sonderbare Milchspeise, die mit einer

dicken Zimt- und Zuckerkruste überzogen war, dazu sehr scharfen, mir

ungenießbaren Schafkäse. Ich habe mich beim Stab entschuldigen lassen

und esse mit T. zu Abend, helfe ihm auch wieder beim Zensieren der

Briefe. Die alte Frau erscheint von Zeit zu Zeit, stellt sich mit

verschränkten Armen in die Tür und betrachtet uns unverwandt. Ihre

Mienen sind kummervoll, ihr Blick ungesammelt, und wenn ich der Frau von

Szentlélek gedenke, muß ich mich fragen, ob es hierzulande nicht mehr

verwirrte und entrückte Menschen gibt als anderswo. Dann und wann kommt

eine stämmige blonde Tochter, stellt die Alte wegen ihres zudringlichen

Verweilens zur Rede und führt sie wie ein unverbesserliches Kind immer

wieder hinaus.

Rumänisches Tagebuch · 第 17 / 64 题