2. Die Einteilung.

§ 66. Das Wesen der Einteilung.

_Die Einteilung ist die vollständige Angabe der Teile des Umfangs eines

Begriffs._ Der Gattungsbegriff wird in die Artbegriffe zerlegt, die im

Verhältnis der _Disjunktion_ zueinander stehen. Die sprachliche Form der

Einteilung ist das _divisive_ Urteil: Die Vögel sind teils Luftvögel,

teils Erdvögel, teils Wasservögel.

Die _Voraussetzung_ einer solchen Differenzierung eines Gattungsbegriffs

in seine Artbegriffe ist, daß er noch in einem oder mehreren seiner

Merkmale _unbestimmt sei_. Dasjenige Merkmal, in welchem die

Unterschiede hervortreten, auf welchem also die Einteilung beruht, heißt

_Einteilungsgrund_ (%fundamentum sive principium divisionis%).

Die Einteilung geschieht entweder durch _innere Entwickelung schon

vorhandener Merkmale_ oder _Hinzunahme neuer_. _Im ersten Fall_ liegt

der Einteilungsgrund in dem gegebenen Begriffe selbst; so ist mit dem

Begriff der Linie das Merkmal der Richtung schon gegeben, die als

Bewegung vorgestellt wird und entweder, wie bei der geraden Linie,

gleichbleiben kann, oder wie bei der krummen, sich stetig ändert. _Im

zweiten Fall_ geschieht die Determination durch ein neues Merkmal, das

im ursprünglichen Begriff nur als unbestimmte Möglichkeit gegeben war.

So kann der Begriff der Flüssigkeit nach Geschmacksunterschieden

eingeteilt werden, während das Merkmal des Geschmacks ihm gar nicht

notwendig zukommt. Daher kann auch das Fehlen eines Merkmals einen

Unterschied begründen.

§ 67. Arten und Fehler der Einteilung.

Je nach der Zahl der Einteilungsglieder heißt die Einteilung

_Dichotomie_, _Trichotomie_, _Tetrachotomie_, _Polytomie_. Oft verlieren

sich die Arten in eine unendliche Reihe, z. B. der Begriff des Vielecks

schließt in sich die Arten des Vierecks, des Fünfecks, des Sechsecks

u. s. w. Man unterscheidet auch zwischen _natürlicher_ Einteilung, die

sich auf alle wesentlichen Merkmale eines Begriffes stützt, und

_künstlicher Einteilung_, bei welcher ein einzelnes Merkmal als

Einteilungsgrund benützt wird, doch womöglich so, daß die Modifikationen

dieses Merkmals in ursächlichem Zusammenhang mit den Modifikationen der

anderen Merkmale stehen. Im Gegensatz zur natürlichen Einteilung steht

z. B. Linnés Einteilung des Pflanzenreiches nach der Zahl und Stellung

der Staubgefäße in 24 Klassen.

Es macht ferner einen Unterschied, ob bei der Einteilung von dem

_logischen Umfang_ eines Begriffes oder von dem _empirischen Umfang_

desselben ausgegangen wird. Es müßten z. B. bei der logischen Einteilung

der Menschen nach Farben sämtliche Farben vertreten sein, auch blau oder

grün, während die empirische nur nach den tatsächlich vorhandenen Farben

klassifiziert. Aber auch wenn der ganze empirische Umfang eines Begriffs

erschöpft wird, ist damit noch keine Garantie für logische

Vollständigkeit gegeben.

Die hauptsächlichen _Fehler_ der Einteilung sind folgende:

1. Die Einteilung ist zu _weit_, wenn sie zu viel, zu _eng_, wenn sie zu

wenig Einteilungsglieder enthält. Zu weit ist z. B. die Einteilung der

Dreiecke in rechtwinklige, schiefwinklige und gleichwinklige.

2. Die Glieder der Einteilung müssen _einander ausschließen_, dürfen

sich nicht kreuzen, z. B. die Einteilung der Neigungen in Selbstliebe,

Neigung zu andern und gegenseitige Neigung.

3. Es dürfen nicht verschiedene _Einteilungsgründe vermischt werden_,

sonst wird die Einteilung _verworren_, z. B. die der Menschen in

Europäer und Schwarze.

Psychologie und Logik: zur Einführung in die Philosophie · 第 63 / 73 题