Es kann also

I. _von der Gültigkeit eines bestimmten Gliedes auf die Ungültigkeit der

übrigen geschlossen werden_ (%modus ponendo tollens%):

A ist entweder B oder C oder D

A ist B

----------------

Also ist A weder C noch D;

II. _auf die Gültigkeit eines Gliedes von der Ungültigkeit aller

übrigen_ geschlossen werden (%modus tollendo ponens%):

A ist entweder B oder C oder D

A ist weder C noch D

----------------------------

A ist B.

Z. B.: Dieses Dreieck ist entweder rechtwinklig oder spitzwinklig oder

stumpfwinklig.

Nach I. Nun ist es rechtwinklig

--------------------------------------

Also weder spitzwinklig noch stumpfwinklig.

Nach II. Nun ist es weder spitzwinklig noch stumpfwinklig

-----------------------------------------------

Also ist es rechtwinklig.

Ist die Disjunktion eine _mehrgliedrige_, so ergibt sich für den Fall I.

ein konjunktiv verneinendes Urteil, für den Fall II. eine um ein Glied

verkleinerte Disjunktion. Bei einer _zweigliedrigen_ Disjunktion ergibt

sich im ersten Fall das einfach verneinende, im zweiten Fall das einfach

bejahende Urteil.

Eine besondere Art des disjunktiven Schlusses ist das _Dilemma_,

_Trilemma_, _Polylemma_ (%syllogismus cornutus%). Hier wird aus der

Verneinung aller Glieder der Disjunktion die Verneinung ihrer

gemeinschaftlichen Voraussetzung erschlossen.

Wenn A gilt, so gilt entweder B oder C

Nun gilt weder B noch C

----------------------------

Also gilt auch A nicht;

oder kategorisch gefaßt:

A ist entweder B oder C

Nun ist S weder B noch C

-----------------------------------

Also ist S auch nicht A.

Ein Trilemma ist z. B. die folgende Beweisführung von Leibniz:

Wäre die wirklich existierende Welt nicht die beste unter allen

möglichen Welten, so hätte Gott die beste entweder nicht gekannt,

oder nicht hervorbringen und erhalten können, oder nicht

hervorbringen und erhalten wollen; nun aber ist (infolge der

göttlichen Weisheit, Allmacht und Güte) weder das erste, noch das

zweite, noch das dritte wahr,

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also ist die wirkliche Welt die beste unter allen möglichen Welten.

§ 59. Die zusammengesetzten und die verkürzten Schlüsse.

Im _zusammengesetzten Schluß_ sind mehrere Schlüsse durch gemeinsame

Glieder zu einem Ganzen vereinigt. Sind die einzelnen Schlüsse so

angeordnet, daß der Schlußsatz des ersten Schlusses zu einer Prämisse

des zweiten, und der Schlußsatz des zweiten zu einer Prämisse des

dritten wird, so entsteht die _Schlußkette_ (%syllogismus concatenatus%).

Derjenige Schluß, in welchem der gemeinsame Satz Schlußsatz ist, heißt

der _Vorschluß_ (Prosyllogismus) im Verhältnis zum folgenden, dem

_Nachschluß_ (Episyllogismus). Bewegt sich die Schlußkette in der

Richtung vom Vorschluß zum Nachschluß, so heißt sie _episyllogistisch_

oder _progressiv_, im andern Fall _prosyllogistisch_ oder _regressiv_.

Z. B. 1. Der Tugendhafte ist anspruchslos

Der Anspruchslose ist zufrieden

---------------------------------

Der Tugendhafte ist zufrieden.

2. Der Tugendhafte ist zufrieden

Der Zufriedene ist glücklich

------------------------------

Der Tugendhafte ist glücklich.

progressiv in der Richtung: 1. 2.

regressiv in der Richtung: 2. 1.

Ein Schluß, der durch Weglassung einer der beiden Prämissen verkürzt

ist, heißt ein _Enthymem_; z. B.: er muß gestraft werden, denn er hat

ein Verbrechen begangen.

Wird in einem einfachen Schluß zu einer der beiden Prämissen eine

Begründung hinzugefügt, so entsteht das _Epicherem_.

Wenn in einer progressiven Schlußkette alle Schlußsätze außer dem

letzten weggelassen werden, so entsteht eine einfachere Form, die

_Kettenschluß_ oder _Sorites_ genannt wird. Man unterscheidet nach dem

Verhältnis, in welchem die Begriffe aufeinander folgen, zwischen dem

_aristotelischen_ und dem _goklenischen Sorites_ (zuerst behandelt 1598

von dem Marburger Professor Goklenius). Bei dem _aristotelischen

Sorites_ fehlen diejenigen Schlußsätze, welche in dem folgenden

Syllogismus Untersätze werden, er schreitet also von den niederen

Begriffen zu den höheren fort und hat folgende Form:

Untersatz A ist B der Tugendhafte ist anspruchslos

Obersatz B ist C der Anspruchslose ist zufrieden

-----------

(Schlußsatz A ist C)

(Untersatz A ist C)

Obersatz C ist D der Zufriedene ist glücklich

------------------------------------------

Schlußsatz A ist D der Tugendhafte ist glücklich.

Bei dem _goklenischen Sorites_ fallen diejenigen Schlußsätze aus, welche

in dem folgenden Syllogismus Obersätze werden, es wird von den höheren

Begriffen zu den niederen weitergegangen, er hat also folgende Form:

Obersatz C ist D der Zufriedene ist glücklich

Untersatz B ist C der Anspruchslose ist zufrieden

-----------

(Schlußsatz B ist D)

(Obersatz B ist D)

Untersatz A ist B der Tugendhafte ist anspruchslos

-------------------------------------------

Schlußsatz A ist D der Tugendhafte ist glücklich.

§ 60. Fehlschlüsse und Trugschlüsse.

Ein unrichtiger Schluß wird _Fehlschluß_ (%paralogismus%) genannt, wenn er

auf Irrtum beruht, _Trugschluß_ (%sophisma%), wenn er aus der Absicht, zu

täuschen, hervorging.

Solche Schlußfehler beruhen teils auf einer _Mißachtung_ der _Gesetze

des Schließens_, insbesondere der für die Schlußfiguren geltenden

Regeln, teils auf der _Mehrdeutigkeit eines Begriffs, besonders des

Mittelbegriffs_. Es sind dann statt der drei Begriffe vier, aus denen

der Schluß gezogen wird (%quaternio terminorum%).

Von den folgenden Beispielen enthält 1. und 5. Fehler gegen die Gesetze

des Schließens, 2. 3. 4. eine %quaternio terminorum%, 6. und 7. eine

sophistische Verwendung des Dilemmas.

1. Der Kaukasier hat Menschenrechte

Der Neger ist kein Kaukasier

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Folglich hat er keine Menschenrechte.

2. Herodes war ein Fuchs

Alle Füchse haben vier Füße

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Also hatte Herodes vier Füße.

Psychologie und Logik: zur Einführung in die Philosophie · 第 59 / 73 题