Gemeinsamer Obersatz: Wenn etwas B ist, ist es A -- nicht X

1. Figur: Untersatz C (alles, einiges, ein C) ist B

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Schlußsatz C (alles, einiges, ein C) ist A -- nicht X

2. Figur: Untersatz C (alles, einiges, ein C) ist nicht A -- ist X

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Schlußsatz: C (alles, einiges, ein C) ist nicht B

Doch darf die Bedeutung des Syllogismus auch _nicht unterschätzt_

werden. Dies geschieht besonders auf Grund von zweierlei Einwänden gegen

seine Brauchbarkeit.

Es wurde darauf hingewiesen, in dem Schlusse: alle Menschen sind

sterblich, Sokrates ist ein Mensch, also ist Sokrates sterblich, müsse

der Schlußsatz im Obersatz schon vorausgesetzt werden: solange es noch

ungewiß wäre, ob Sokrates sterblich ist, könnte auch der allgemeine

Satz: alle Menschen sind sterblich, nicht ausgesprochen werden, der

Schlußsatz setze also _das schon voraus, was er beweisen wolle_. Diesen

Einwand gab J. St. Mill zu und wich ihm aus, indem er den allgemeinen

Satz überhaupt fallen ließ und an Stelle des Syllogismus den Schluß vom

Besonderen auf das Besondere setzte. Der Schluß auf die Sterblichkeit

des Sokrates würde also nicht von dem Grundsatz der allgemeinen

Sterblichkeit ausgehen, sondern nur von der Beobachtung, daß eine Anzahl

Menschen sterblich sind. Der Syllogismus selbst, mit seinem allgemeinen

Satz, dient nach Mill nur zur Sicherung des Verfahrens.

Vom Standpunkt der Psychologie aus ist allerdings nicht zu leugnen, daß

_tatsächlich das bewußte Schließen vielfach nur von Besonderem auf

Besonderes übergeht_, aber für die logische Betrachtung ist es außer

Zweifel, daß die Richtigkeit und Allgemeingültigkeit des Schlusses immer

von der richtigen Verwendung des allgemeinen Satzes abhängig ist. Jener

Widerspruch aber ist nur gültig, wenn von den tatsächlichen Bedingungen

des menschlichen Denkens abgesehen wird. Wer _den allgemeinen Satz mit

seiner Anwendung auf alle einzelnen Fälle beständig gegenwärtig hätte_,

der bedürfte keines Schlusses; wenn aber tatsächlich einmal der

_Versuch_ sich einstellt, _dem allgemeinen Satz gegenüber eine Ausnahme

gelten zu lassen_, wie z. B. gegen jenen allgemeinen Satz von der

Sterblichkeit in der Sage vom ewigen Juden, dann wird die Regel ins

Gedächtnis gerufen und auf den einzelnen Fall angewendet.

Damit hängt ein zweites Bedenken gegen die Brauchbarkeit des Syllogismus

zusammen: im wirklichen Leben werden die Schlüsse _nie mit dieser

Umständlichkeit vollzogen_, der Syllogismus könne also in keiner Weise

das richtige Denken unterstützen. Jedenfalls ist richtig, daß wir uns

beim Denken selten der einzelnen Bestandteile des Schlusses nach der

Tafel der Syllogismen bewußt sind. Nach den psychologischen Gesetzen der

Übung und Gewöhnung ist dies aber auch nicht zu erwarten. Vielmehr ist

im voraus anzunehmen, daß auch bei diesen unzähligemal verwendeten

Formen _die Mittelglieder dem Bewußtsein entfallen_ (vgl. § 28), so daß

ganze Reihen von Schlüssen mit mechanischer Schnelligkeit vollzogen

werden. _Nur bei Fehlern und Schwierigkeiten_ wird Glied für Glied

berücksichtigt; mancher Streit im täglichen Leben dreht sich um unklar

gedachte logische Gesetze. Die Wissenschaft geht diesen halbbewußten

Elementen nach und stellt sie heraus; und sie leistet damit auch dem

Denken einen wichtigen Dienst, denn nur auf Grund dieser Kenntnis kann

es seine Irrwege als solche erkennen und mit stetiger Sicherheit

fortschreiten.

§ 57. Der hypothetische Schluß.

Der hypothetische Schluß ist ein _Schluß, in welchem_ mindestens der

_Obersatz ein hypothetisches Urteil_ ist. Ein Schluß heißt _rein_, wenn

die Prämissen gleiche Relation haben, im andern Fall _gemischt_. So

versteht man unter _gemischtem hypothetischen Schluß_ gewöhnlich

denjenigen Schluß, dessen Obersatz ein hypothetisches, und dessen

Untersatz ein kategorisches Urteil ist, von der Form:

Wenn A gilt, so gilt X

A gilt oder X gilt nicht

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also gilt X also gilt A nicht.

Der gemischte hypothetische Schluß ist also die einfache Anwendung des

Grundgesetzes, daß mit dem Grund die Folge gesetzt (%modus ponens%), mit

der Folge der Grund aufgehoben ist (%modus tollens%).

Z. B.: Wenn es geregnet hat, so ist es naß.

Nun hat es geregnet

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Also ist es naß,

aber nicht umgekehrt:

nun ist es naß

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also hat es geregnet,

ebensowenig:

nun hat es nicht geregnet

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also ist es nicht naß,

dagegen richtig:

nun ist es nicht naß

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also hat es nicht geregnet,

oder, bei verneinendem Nachsatz:

Wenn es einen Zufall gibt, so gibt es keine Vorsehung.

Nun gibt es eine Vorsehung

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Also gibt es keinen Zufall,

oder, bei Verneinung der Bedingung und des Bedingten (%conditio sine qua

non%):

Wenn dieser Satz nicht richtig ist, so kann die ganze Beweisführung

nicht aufrecht erhalten werden.

Nun ist dieser Satz nicht richtig.

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Also kann die ganze Beweisführung nicht aufrecht erhalten werden.

Der _reine hypothetische Schluß_ hat zwei hypothetische Prämissen.

Daraus, daß etwas Folge des Grundes ist, wird geschlossen, daß es auch

Folge dessen sein muß, dessen Folge der Grund ist. Der _Schlußsatz_ ist

dann also selbst _hypothetisch_, nach dem Schema:

Wenn A gilt, so gilt M

Wenn M gilt, so gilt X

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Also wenn A gilt, so gilt X.

Das Gesetz dieses reinen hypothetischen Schlusses läßt sich auch kurz so

ausdrücken: _Die Folge der Folge ist auch Folge des Grundes_.

Z. B.: Wenn sich die Temperatur erhöht, so verlängern sich die

Pendel der Uhren.

Wenn die Pendel der Uhren sich verlängern, so werden die

Schwingungen verlangsamt.

Wenn die Schwingungen verlangsamt werden, so gehen die Uhren nach.

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Also: Wenn die Temperatur sich erhöht, so gehen die Uhren nach.

§ 58. Der disjunktive Schluß.

Der disjunktive Schluß ist ein Schluß, _dessen Obersatz ein disjunktives

Urteil_ ist. Der Schluß beruht auf dem in der Disjunktion

ausgesprochenen Verhältnis der Glieder.

Psychologie und Logik: zur Einführung in die Philosophie · 第 58 / 73 题