1. Die Quantität.

Nach der Quantität unterscheidet man 1. _allgemeine_ Urteile, wo das

Prädikat von dem ganzen Umfang des Subjekts gilt: alle S sind P; alle

Menschen sind sterblich; 2. _besondere oder partikuläre_ Urteile, wo das

Prädikat nur von einem Teil des Umfangs des Subjekts gilt: einige S sind

P; einige Könige waren Philosophen; und 3. _einzelne oder individuelle_

Urteile, wo das Prädikat von einem einzelnen Individuum gilt: S ist P;

Bismarck ist ein großer Mann.

Soll diese Einteilung festgehalten werden, so bedarf sie jedenfalls der

_Ergänzung_. Es wurde mit Recht angeführt, das _individuelle_ Urteil

könne auch als allgemeines betrachtet werden, da auch bei ihm das

Prädikat vom ganzen Umfang des Subjekts gelte. Doch ist dieser Fall,

daß das Prädikat, wenn auch vom ganzen Umfang des Subjekts, so doch nur

von einem Individuum gilt, eigenartig genug, um als solcher eine

besondere Art zu begründen. Das _partikuläre_ Urteil kann als

selbständiges nur festgehalten werden, wenn es näher bestimmt wird, so

daß es entweder lautet: _nur_ einige S sind P, oder: _mindestens_ einige

S sind P. Das ganz unbestimmte partikuläre Urteil: einige Menschen sind

sterblich, ist wertlos; nur wenn es entweder das entsprechende allgemein

vorbereitet, z. B.: (mindestens) einige Fixsterne haben eigene Bewegung,

oder ein allgemeines verneint, z. B.: (nur) einige Planeten haben Monde,

hat es selbständige Berechtigung. Beim _allgemeinen_ Urteil muß

unterschieden werden zwischen dem empirisch allgemeinen und dem

unbedingt allgemeinen. Beim _empirisch allgemeinen_ beruht die

Behauptung, daß das Prädikat in allen Subjekten vorkommt, auf Erfahrung

und Zählung, z. B. in dem Urteil: alle Geladenen sind gekommen, auf

einer Vergleichung der Zahl der Gekommenen mit der Zahl der Geladenen.

Beim _unbedingt allgemeinen_ Urteil wird das Prädikat auf Grund eines

Wesenszusammenhanges im voraus auch von denjenigen Subjekten ausgesagt,

an denen es noch nicht beobachtet wurde, z. B.: alle Rechtecke haben

gleiche Diagonalen.

Psychologie und Logik: zur Einführung in die Philosophie · 第 25 / 73 题