IX.

Von Musemanjana nach Moschaneng.

Aufbruch nach Moschaneng.--Quaggaflats.--Hyänenjagd bei

Mondschein.--Makalahari-Reiter--Konana.--Barolongenstolz.--Acht

Löwen.--Eine Begegnung mit Löwen am Setlagole.--Thierleben auf der

Hochebene.--Gnujagd bei Nacht.--Boly verirrt sich.--Zebrajagd.

--Skeletthügel.--Eine abenteuerliche Gansjagd.--Südafrikanischer

Frühling.--An Ufer des Molapo.--Molema's Town.--Rev. Webb und die Mission

daselbst.--Chef Meloma.--Kranken-Ordination.--Siedlersperlinge.

--Huß-Höhe.--Ankunft in Moschaneng.--Hohe Gäste.

Abends fand sich der Schmied mit seinem Meisterstücke ein, das kaum zur

Noth brauchbar war. Als man im Dorfe unsere Vorbereitungen wahrnahm,

kamen die Leute herbeigeströmt und ein Jeder begehrte ein Geschenk; nur

die, welche uns behilflich waren, bekamen etwas Tabak und je ein

färbiges Tuch. Als wir schon eingespannt hatten, kam noch der Chef mit

einem Ansuchen. »Mein Kind (der ihm verwandte Schwarze) geht mit Euch,

er war einer meiner Diener, deshalb verliere ich einen Arbeiter, ich

kann ihn nicht ziehen lassen, bevor Ihr mir nicht 8 Shilling bezahlt,

d.h. so viel, als Ihr ihm wöchentlich Lohn gebt!« Um nur loszukommen und

die ausgeglichenen Differenzen nicht vielleicht im letzten Augenblicke

durch andere erneuert zu sehen, gab ich dieser Erpressung nach und wir

zogen ab.

Unter der Führung des oben erwähnten Dieners setzten wir unsere Reise

fort und machten erst in später Nachtstunde Halt. Beim Anzünden des

Lagerfeuers hatten wir viel Mühe, um einen Grasbrand zu verhüten, da

sich der Wind zu einem wahren Orkan gesteigert hatte. Dagegen war der

folgende Morgen (21. November) schön und warm, wir begegneten einigen

Makalahari- und Barolongfrauen, welche junge, kaum aus den Puppen

gekrochene Heuschrecken emsig sammelten. Nach einer 3½ stündigen Tour

erreichten wir eine seichte Vertiefung, in welcher wir in einigen

Löchern schönes klares Trinkwasser fanden. Unsere Weiterfahrt führte uns

in einer nordöstlichen Richtung über unabsehbare, sehr spärlich

bebuschte Ebenen. Das trockene Gras verbreitete einen angenehmen

Heugeruch, frisches Gras sproßte allenthalben unterhalb der trockenen

Stengel. Der Boden war nach allen Richtungen von den Eingängen zu den

unterirdischen Bauten der Springhasen, Stachelschweine und Erdferkeln

durchfurcht. Doch mangelte es auch nicht an solchen der Schakale,

während die Hyänen die von den Erdferkeln verlassenen Löcher bezogen

hatten. In diesen von Weißen unbewohnten Gegenden werden die Schakale,

die Kaamafüchse und die Proteleswölfe ihres Balges halber, der zu

Carossen verarbeitet wird, von den Eingebornen häufig gejagt. In den

wildreichen, von Weißen bewohnten Localitäten sind es wieder die Hyänen,

die meist mit Strychnin ausgerottet werden.

[Illustration: Barolongmädchen Heuschrecken sammelnd.]

Nachdem wir 14 englische Meilen zurückgelegt, kamen wir in ein zweites,

doch breiteres Thal, das wieder zahlreiche Wasserlöcher aufwies. Man

hatte hier das Gras im September niedergebrannt, das frische stand schon

12 Zoll hoch. In diesem Thale trafen wir auch die äußerste von Chef

Hendriks Ansiedlungen, d.h. Viehposten, und an dieser allein zählten wir

über 100 Rinder. Um uns nach allen Seiten hin erstreckte sich die Ebene

bis an den Horizont.

Wir betraten die Quaggaflats und damit Montsua's Gebiet. Der nächste Tag

war schön und warm, auch hatte sich der Wind gelegt, dagegen hatten wir

auf dem die ganze Strecke entlang morastigen Boden mit zahllosen

Schwierigkeiten im Fortkommen zu kämpfen. Wir begegneten aus Marokana

kommenden und auf die Jagd ausgehenden Barolongen und knüpften mit ihnen

Verhandlungen über den Austausch einiger Zugthiere an, die indeß

resultatslos waren, da die Barolongen in einem Athem ihre Forderungen

hinaufschraubten und Schließlich 8 £ St. für je ein Thier begehrten.

Am folgenden Tage, den 23., verließ ich, von F. und einem unserer

Schwarzen (Boy) begleitet, den Wagen, um zu jagen. Ich beobachtete auf

diesem Jagdausfluge, daß die Springbockgazelle ihre Kälbchen den Tag

hindurch sich selbst überläßt, oft sich auf weite Strecken entfernt und

erst gegen Abend zu den Kleinen zurückkehrt und dann bis gegen

Sonnenaufgang bei ihnen verbleibt. Geht man ruhig durch das zwei Fuß

hohe Gras jener Ebenen, so kann man sich den im Grase verborgenen

Thieren bis auf 20-25 Schritte nähern, ohne im Geringsten ihre Gegenwart

zu bemerken. Die schönen Thierchen bleiben, ohne sich gleich den

Orbekigazellen, um dem Beobachter zu entgehen, flach ausgestreckt auf

den Boden zu legen, selbst im kurzen Grase völlig unbemerkt.

Nachmittags kamen wir auf einen nach Norden führenden Weg, der sich

später als die Verbindungsstraße zwischen Mamusa und Konana

herausstellte und dem wir auch folgten. Dieser Weg bestand in einem

vielleicht vor drei Monaten zuletzt befahrenen Geleise und schien auch

häufig als Fußpfad von den Eingebornen benutzt zu sein. Wir waren an den

Rand einer von Osten nach Westen unabsehbaren, nach Norden zu in ihrer

Mitte von Höhenkuppen begrenzten und nach dieser Richtung in der

Entfernung einiger Meilen von isolirten Gehölzen unterbrochenen Ebene

gelangt. Abend und Nacht waren ungewöhnlich schön, der bleiche Mond mit

einem Nebelkreis um seine runde Scheibe lächelte so freundlich und die

flimmernden Sternlein blickten so hell zur Erde, daß ich trotz der

Müdigkeit stundenlang die Pracht dieser Nacht bewunderte. Meine

Gefährten hatten einer nach dem Andern sich in Morpheus Arme geworfen.

Nur die Hunde blieben bei mir, ich konnte mich von der dunklen, mit

einem grauen Schimmer--dem Abglanz von Luna's Strahlen--übergossenen

unabsehbaren Fläche und dem leuchtenden Gestirn über mir nicht trennen.

Eine plötzliche Bewegung Niger's riß mich aus meinen Gedanken. Von

»Onkel«, einem zweiten Hunde gefolgt, sprang Niger einige Schritte

vorwärts und fing an zu knurren. Ich sollte über die Ursache dessen

nicht lange im Zweifel bleiben. In die Stille der Nacht tönte von der

etwas niedriger liegenden Ebene vor mir ein langgezogenes, äußerst

unangenehmes, klagendes Geheul. Der häßliche Laut, dieses tiefe,

entfernte Stöhnen einer gefleckten Hyäne fiel wie ein Mißton in die

Idylle der schönen Nacht um mich. Eben im Begriffe, es meinen Gefährten

gleichzuthun, die alle bereits im Reiche der Träume lebten, wurde ich

durch die gesteigerte Unruhe der Hunde auf die Annäherung der Raubthiere

aufmerksam und faßte den Entschluß, auf diese lästigen Ruhestörer Jagd

zu machen. Ich kroch zu Pit und Boy, rüttelte sie auf und hieß sie die

Hunde halten, holte dann Gewehr und Munition aus dem Wagen, weckte F.

auf und ohne mich mehr nach ihm umzusehen, hielt ich nach der Richtung

zu, von der mir das Geheul zu kommen schien. Die Hunde am Wagen gaben

aber den Dienern tüchtig zu schaffen, da die afrikanischen Hunde die

Hyäne stets als ihren Erzfeind betrachten und sie anzugreifen suchen.

Theils gebeugt, theils auf Händen und Füßen vorwärts schleichend, hatte

ich etwa 100 Schritte zurückgelegt, als mir ein dumpfes Knurren auffiel.

Ich hielt an, legte mich flach hinter einen der niedrigen Termitenhügel

und nachdem ich mich umgesehen, ob alles auch hinter mir in Ordnung sei,

legte ich den Hinterlader zum Schusse bereit neben mir nieder. Das

Knurren kam näher, doch schien es mir mehr wie ein Scharren denn ein

Knurren--vielleicht ein Stachelschwein oder Erdferkel? »Hu--hu,« tönt es

plötzlich vor mir, und das »Hu--hu« wiederholt sich, noch ein zweites

und tieferes, dann ein Scharren und Knurren, alles klar und deutlich

hörbar und doch vermag ich nichts zu sehen.

[Illustration: Hyänenjagd.]

Vergebens beuge ich mich mit dem halben Körper über den Hügel, ich sehe

nichts als Termitenhügel--es wird stille. Das Knurren und Scharren hört

auf und ich mußte annehmen, daß ich durch meine Unvorsichtigkeit die

Raubthiere verscheucht hatte--ich hocke mich wieder hinter den Erdhügel

nieder und verhalte mich still, um selbst die leiseste Annäherung der

Thiere wahrnehmen zu können. Doch ich harre vergebens, einige Termiten

machen mir das Liegen recht unbequem, ja unmöglich. Plötzlich erschallt,

kaum einige Dutzend Schritte vor mir das Doppelgeheul und das grunzende

Stöhnen abscheulicher wie je--doch trotz Mondscheins und der äußersten

Anstrengung meiner Sehkraft kann ich nichts erspähen, nichts als

Termitenhaufen starren mich an. In diesem spannungsvollen Momente

vernahm ich ein Rauschen, ein Knurren und Fauchen hinter mir, mich

umwendend, will ich schon losdrücken, ich sehe eben einen dunklen

Gegenstand an mir vorübergleiten, als glücklicher Weise ein bekanntes

Gebell mich rechtzeitig an den Irrthum mahnt, den ich mit dem

Niederstrecken eines meiner Hunde begangen hätte. Bei dem letzten Geheul

der Hyäne hatte sich Niger losgerissen und Boy, fürchtend, daß die Hyäne

den Hund erwürgen könnte, hatte sofort auch dem starken Onkel die

Freiheit gegeben, der nun in Sätzen nach Niger gesprungen kam. Sie

jagten die Ebene weit nach abwärts, doch die Hyänen waren rechtzeitig

geflüchtet und verdrießlich mußte ich den Rückzug antreten.

[Illustration: Von acht Löwen überrascht.]

Unter den südafrikanischen Raubthieren ist die gefleckte Hyäne in Bezug

auf Lebenskraft das zäheste Thier, sowohl dem Hunger, als auch den

schlimmsten Verwundungen setzt ihr Organismus zähen Widerstand entgegen.

In einem Falle war einer Hyäne am Schascha-River (Matabele-Land) durch

einen Streifschuß der Unterleib aufgeschlitzt worden, so daß die

Eingeweide heraushingen, trotzdem lief sie noch lange, mindestens die

doppelte Zeit als es ein anderes Säugethier ausgehalten hätte, um

dieselbe Einfriedigung, aus welcher der Schuß gefallen war. Die in

Gangrän übergegangene Wunde eines durch eine Löwin verwundeten

Bamanquato hatte sie angezogen. Ich werde noch mehrmals Gelegenheit

haben, auf diese Raubthiere zurückzukommen.

Nächsten Morgens fanden wir uns am Rande eines die eben durchschrittene

Ebene nach Norden begrenzenden Gehölzes. Wir fanden hier einige elende

Hütten aus in die Erde eingetriebenen und mit Gras überworfenen Aesten

errichtet, welche von Jochoms, einem Zweigstamme der Makalahari, bewohnt

wurden. Diese Eingebogen waren Vasallen eines eine Stunde weit ab in

einem anderen Gehölze wohnenden Barolongen, mit Namen Mokalana, beide

Gehöftgruppen führten auch den Namen des Besitzers. Es wiederholt sich

unter den Betschuana's häufig, daß neue Städte und Dörfer, nach dem

Erbauer oder Besitzer benannt werden, eine Gepflogenheit, die oft zu

Irrungen Anlaß gibt, indem ein Ort zuweilen zwei bis drei Namen, seinen

herkömmlichen, den nach dem letzten und den nach dem gegenwärtigen

Häuptling führt, oder daß der Häuptling seinen Wohnsitz ändert und

einige Meilen weit ab eine zweite gleichnamige Stadt erbaut. Die Jochoms

hatten eine Heerde Kühe und Schafe zu hüten und zugleich für ihren Herrn

und Gebieter zu jagen. Zu letzterem Zwecke hatten sie einige Pferde zu

Gebote und schienen sich weit besser im Sattel zu fühlen als je ein

Betschuana.

Für das Geschenk eines Taschenmessers bewog ich einen der Eingebornen zu

dem »Baß« zu reiten und ihn zu ersuchen, mir gegen Geldentschädigung und

Munition einige junge Ochsen gegen unsere matteren auszutauschen.

Während unseres Imbisses sahen wir einen Makalahari hoch zu Rosse von

der Jagd heimkehren. Der nur in glatt gargearbeitete Lederstücke

gehüllte und mit Assagaien, die mit ihrem unteren Schaftende in eine

Ledertasche am Steigbügel eingelassen waren, bewaffnete rothbraune Sohn

der südafrikanischen Hochebene sah ganz stattlich aus, er ritt eine

starke Fuchsstute und hatte vorne über seinen primitiven Sattel und den

Nacken des Pferdes einen Bläßbock liegen. Dem von Jugend auf an die

Ebene, ihr hohes meist in Büscheln wachsendes Gras, ihre zahllosen,

kleinen und größeren Löcher gewöhnten Pferde die Zügel lassend, jagt der

Reiter der flüchtigen Heerde nach (Springböcke sind zu rasch für ihn, um

sie vollkommen einzuholen), bis er sie nach einem halbstündigen Ritte

eingeholt, dann ist der Assagaie auch schon wurfbereit und bohrt sich in

das Thier, an dem er vorübersaust; der Jäger begnügt sich mit diesem

einen und verfolgt fast nie ein zweites, sondern wendet das Pferd und

wirft seinen zweiten Wurfspeer, der dem flüchtigen Thiere meist den

Garaus macht. Je weniger Wunden, desto gnädiger wird das Fell von dem

Baß entgegen genommen.

Da der ausgesandte Bote nicht kam, ließ ich einspannen. Kaum hatten sich

jedoch meine Diener an diese Arbeit gemacht, als einer der Makalahari

den von der Ferne ankommenden Genossen entdeckte. Die Antwort lautete

dahin, daß der Baß nur ein Gespann (Zug) Ochsen hätte, die er selbst

benöthige, daß er uns aber ein Schaf für einen Becher Schießpulver

(etwas über ein Pfund) geben wolle. Ich nahm dieses Anerbieten an und

erhielt einen feisten »Fettschwanz« für die geforderte Quantität

Schießpulver, dem ich einige Kleinigkeiten (Feuerdosen, Kettchen, Nadeln

etc.) als Geschenk beifügte, das zu entgegnen die Makalahari sich

beeilten und mir einige Protelesfelle und einige Bläßbock- und

Hartebeesthörner überbrachten.

Der Morgen des folgenden Tages brachte mir eine sehr unangenehme

Ueberraschung, eines der Zugthiere war verendet, es blieb mir nun nichts

übrig, als die schwere Last des Wagens den übrigen drei Zugthierpaaren

aufzubürden. In das Thal, das wir nun verfolgten, mündeten einige

Querthäler, deren Sohle bebaute Felder bedeckten; nach einigen Meilen

gelangten wir in ein von Süden nach Norden sich erstreckendes Thal, das

uns von einigen vorübergehenden Koranna's als das des Konana-Rivers,

welcher sich durch ein Höhenland nach dem Maretsane zuwendet, bezeichnet

wurde. Dieses Höhenland wird von Koranna's und Barolongen sowie deren

Vasallen bewohnt und steht unter der Gerechtsame des Häuptlings Schebor,

der selbst wieder Montsua's Unterthan ist.

[Illustration: Jochom-Makalahari einen Bläßbock jagend.]

Nach einer einige englische Meilen langen Fahrt kamen wir zu dem sich in

einem Höhensattel und am Abhange mit Bäumen bestandener Höhen

ausbreitenden, an 1000 Einwohner zählenden Konana. Auf einer freien, von

der Stadt nach Osten und nach dem tiefen, engen Thale des Konana-Rivers

abfallenden Lehne sich ausbreitenden Rasenstelle hielt ich an, um mit

meinem Wagen besser die Aufmerksamkeit der Bewohner auf uns zu lenken,

denn ich hoffte hier einige frische Zugthiere eintauschen zu können. Es

währte auch nicht lange und wir waren von zahlreichen Besuchern

belagert, unter welchen die Koranna's das Hauptcontingent stellten. Ich

hatte vor dem Wagen einige der auszutauschenden, ursprünglich für den

Kauf von ethnographischen Gegenständen bestimmten Waaren ausgebreitet.

Es waren ein guter Plüsch-Anzug, ein Paar Schuhe, zwei bunte Wollhemden,

ein Hut, ein halbes Dutzend Taschentücher und eine halbe Rolle Tabak.

Der Häuptling des Dorfes kam selbst, um die Waaren zu besehen, und trank

eine Tasse Kaffee mit uns, doch die Leute zeigten keine Neigung, auf

meinen beabsichtigten Tausch einzugehen. Von einem der Barolongen kaufte

ich für ein Kalikohemd eine Holzschüssel, von einem Anderen für einen

Becher Schießpulver zwei Kiri's und zwei Schakalfelle, von einer Frau

zwei aus Glasperlen gearbeitete Schmucksachen. Von einigen der Besucher

erfuhren wir, daß die umliegenden Höhen, wie auch jene am Setlagole- und

Maretsane-Flüßchen zahlreiche Löwen beherbergen. Die Löwen waren hier so

dreist und dies namentlich (was ich bestätigt fand), weil sie oft den

Knall des Gewehres zu hören bekamen und an des Menschen Anblick gewöhnt

waren. Obgleich die Umgegend von Wild wimmelte, bekundeten die Könige

des Waldes trotzdem eine besondere Vorliebe für die Heerden des

Menschen.

Einer der Barolongen brachte mir das Fell eines nicht vollkommen

ausgewachsenen Löwen, für das er 3 £ St. in Gold begehrte. Ich bot einen

alten Rock dafür, doch er bestand auf dem geforderten Preis, da er schon

früher ein anderes Löwenfell in Klipdrift für 3 £ St. verkauft hatte.

Ich rieth ihm an, es auf den Rücken zu nehmen und damit nach Klipdrift

zu wandern, eine Zumuthung, die den Barolongen in Aufregung versetzte.

Um mich vielleicht nachgiebiger zu stimmen, begann sein Freund mir in

wahrhaft mustergiltigem Holländisch zu erzählen, auf welche Art der

schmollende Gefährte zu diesem Löwenfelle gekommen sei.[1]

1: Ich lasse hier absichtlich den vollen Wortlaut dieser Erzählung

folgen, um die Umständlichkeit der Eingebornen bei solchen Anlässen

zu charakterisiren.

»Der Mann,« meinte unser Vis-à-vis und zeigte auf den grollenden Helden,

»hatte blos eine Kuh, die Kuh war sein, auch hat er zwei Frauen und ein

gutes Stück Feld. Ein Hirt, der noch andere Rinder aus dem Dorfe zu

beaufsichtigen hatte, hütete auch die Kuh. Dieser Junge kommt nun eines

Tages gelaufen und klagt unter Heulen, daß ein Löwe die Kuh erwürgt

hätte. Mein Gefährte lud schweigend sein Gewehr und folgte dem Jungen,

der das Pulverhorn tragen mußte. An einer Stelle, von welcher man den

Löwen und sein Opfer erblicken konnte, kroch mein Freund auf einen Baum,

um Rundschau zu halten. Ja, dort sah er die Kuh liegen, aber keinen

Löwen dabei. Mein »Bruder« näherte sich deshalb und kroch mit dem Jungen

auf einen nahen Baum, von welchem herab er den Räuber wie eine Meerkatje

(Scharrthier) todtschießen wollte. Mein armer »Bruder« hatte bis zum

nächsten Morgen auf dem Baume zu sitzen, er wollte gegen den Abend

heruntersteigen, da es ihm auf dem Dornbaume--er saß da drinnen (der

Erzähler ahmte mit ausgespreizten Fingern eine Gabel nach)--nicht gefiel

und sein Körper »hart« (steif) wurde, doch dachte er wieder auf die

Abends aus den Gebüschen ausbrechenden Löwen und so blieb er mit dem

Jungen, der, weil ihm die Füße von dem Stehen auf einem dünnen Aste

schmerzhaft geworden waren, fürchterlich heulte. In der Nacht kamen sie,

»_nicht einer_« (der Erzähler warf sich in die Brust), sondern viele (er

begann von dem kleinen Finger der linken Hand nach rechts zu zählen),

acht Löwen, he Makoa (Weißer)--acht Löwen!« Dabei sah er sich nach

meinen Gefährten und den Dienern um, ob es wohl auch alle gehört hätten

und wiederholte »acht Löwen«, wobei er sich etwas bückte, den Körper

vorstreckte und beide Hände vor sich haltend mit acht Fingern die Zahl

noch deutlicher zu verdolmetschen suchte, während sein Freund finster

dareinblickend, noch immer ob der vorerwähnten Zumuthung beleidigt,

unaufhörlich etwas in sich hineinmurmelte, wovon nur die Worte dree

pund--dree pund (drei Pfund) hörbar waren.

Nachdem sich der Erzähler vergewissert hatte, daß wir alle die acht

Löwen begriffen hatten, setzte er seinen Bericht fort. »Mein Bruder am

Baume und das Kind bei ihm wollten keinen Löwen vor Tagesanbruch

todtschießen; erst dann schoß der Mann auf einen, dessen Haut hier liegt

und der zu dem Baume gekommen war, um sich mit dem Schädel daran zu

reiben. Mein Bruder hielt sich mit den Füßen auf dem Baume und nachdem

er dem Jungen zugeschrieen, sich mit Hand und Fuß festzuhalten, um nicht

durch den Schrecken, den in ihm der Schuß hervorrufen könnte, herunter

zu fallen, legte er an. »Tla-bumm« (hier folgte ein tüchtiger Schnalzer

mit den Fingern, der den Schuß versinnlichen sollte) und (der Erzähler

ahmte nun das Fallen nach) det Leu wat dod, morsh dod (der Löwe war

todt, mausetodt). Die Andern aber grollten und brüllten und wiesen

meinem Bruder und dem Kinde die Zähne so grimmig, daß dieses wieder zu

heulen begann. Allein als die Sonne warm wurde und sie die Kuh abgenagt

hatten, liefen sie davon. Mein Freund aber sprang herab, ließ den Jungen

als Schildwache auf dem Baume und zog die Haut des geschossenen Löwen

ab, die er dann heimbrachte und für die er 3 £ St. bekommen mut (muß),

weil die Löwen seine einzige Kuh erwürgt haben, er konnte nicht einmal

ihr Fell brauchen. Zudem bekam mein Bruder 3 £ St. für das Fell eines

Löwen, welcher _keine_ Kuh getödtet hatte.«

[Illustration: Erzählender Barolonge.]

[Illustration: Der Betschuana findet seinen zerfleischten Bruder.]

»Und warum hat denn Dein »Bruder« nicht alle die Löwen erschossen?«--Der

Berichterstatter wandte sich nach den nach immer grollend dastehenden

Gefährten und dieser, der sich durch die Frage beleidigt hielt,

antwortete in der Setschuana mit vor Zorn entstellten Zügen. »Sagte

nicht das Kind als es zu mir kam. »Ra« (Vater, Herr), ein Löwe hat Deine

Kuh erwürgt? Und so nahm ich _eine_ Kugel mit.« Darauf ergriff er seine

Löwenhaut und trug sie von dannen.

Auch Schebor, der später hinzutretende Häuptling, betätigte, daß die

Löwen in den Büschen und auf den Höhen an den drei Flüssen Konana,

Setlagole und Maretsane »schlimm« (böse) seien und ihm schon so Manchen

seines Volkes, so manches seiner Rinder getödtet hätten. Er ermahnte

uns, namentlich während der Auffahrt auf die gegenüberliegenden

bebuschten Höhen vorsichtig zu sein, da diese ein besonders beliebter

Aufenthalt der Löwen seien. Er berichtete mir folgenden traurigen Fall,

der sich an diesen Flüssen zugetragen und der mir auch später in

Linokana (Stadt der Baharutse) wiedererzählt wurde.

Eine Schaar Eingeborner aus der Nähe von Maraba (Maraba's Stadt)

passirte auf ihrem Wege nach den Diamantenfeldern jene Gegend. Diese

Menschen, die oft ihre Heimat (z.B. das Makalakaland, von den

Diamantenfeldern über 800 englische Meilen entfernt) nur mit einem

Assagai und einem Stück Fell ausgerüstet verlassen und sich auf der

ganzen langen Strecke bis nach den Diamantenfeldern nur von Wurzeln,

wilden Früchten, nur hie und da vom Fleische kleinerer Wildbeute

ernähren, bieten häufig dem Reisenden, der mit ihnen auf seiner

Wanderung nach Norden zusammentrifft, einen Anblick, der den

Hartherzigen erweichen müßte. Es sind förmlich zu Skeletten abgemagerte,

oft tagelang hungernde Gestalten, die ihres Weges dahinschleichen und

die den Hunger dadurch bekämpfen, daß sie die Leibriemen, die meist

neben dem Stückchen Fell ihre einzige Bekleidung bilden, fester

zusammenziehen. Eine solche Schaar war auf ihrem Marsche bis an den

benachbarten Setlagolefluß gekommen. Wie gewöhnlich folgte Einer dem

Andern auf dem von den Eingebornen dieser Gegend benützten Pfade. Der

Kräftigste, noch Ungebeugteste, übernahm die Führung, die Schwächeren

blieben zurück, der schwächste, oder ein Kranker _sich selbst

überlassen_, gewöhnlich als letzter weit hinter seinen Genossen. Bei

dieser Schaar befanden sich zwei Brüder, von denen der eine seit acht

Tagen schon der »letzte« war. Am Ufer des Setlagole angekommen, wollte

sich die Schaar etwas ausruhen und fahndete nach rübenartig geformten

Knollen, die auf Kohlenfeuer gebraten, den ersehnten Nachtimbiß liefern

sollten. Das Ufer des Flusses erwies sich an solchen so ergiebig, daß

man hier zu übernachten beschloß. Der gewöhnliche Kreis schloß sich

jedoch diesen Abend nicht vollkommen--einer der dunklen Männer fehlte.

Sie sahen sich gegenseitig an, worauf Einer, des Vermißten leiblicher

Bruder, aufstand, seine und des Bruders Knollen in sein kleines Fell

nahm, das er sich von der Schulter zog, den Assagai ergriff und seinen

Bruder suchen ging. Die Uebrigen setzten sich näher zum Feuer, schlossen

den Kreis, verzehrten ihren Imbiß und nachdem sie mehrere Feuer

errichtet, legten sie sich zwischen diese und ein Gebüsch zur

wohlverdienten Ruhe.

Der kranke, durch Hunger geschwächte, von wunden Füßen gequälte

Betschuana (ein Batloka) mußte häufig ausruhen und so war er vom rechten

Pfade abgekommen und einem gefolgt, der in einen felsigen, durch

zahllose Kareebäume und Büsche zu einem stellenweisen Dickicht

umgewandelten und unter den Eingebornen als Löwenhöhle notorisch

bekannten Thalstrich führte. Unter einer blühenden, schattigen Mimose

ausruhend, wurde der Arme durch einen plötzlichen Sprung von einem dem

ganzen Schwarm seiner Freunde und ihm unbemerkt folgenden Löwen

niedergeworfen und im nächsten Momente auch getödtet.

Sein Bruder geht den Pfad zurück, läuft im Grase, um desto deutlicher

die Stelle zu erkennen, an der die Fußspuren den Pfad verlassen, er

findet die Stelle und den Irrpfad, den der Kranke eingeschlagen, doch er

sieht auch schon des Löwen Spur im Sande. Statt umzukehren und die Hilfe

der Genossen anzusprechen, eilt er vorwärts--er hat ja eine Waffe, doch

was ist diese Waffe in der Hand eines Halbverhungerten gegen einen

Löwen, der schon warmes Menschenfleisch genossen und Blut gerochen? So

kommt er zu der Stelle wo der Bruder ohne Gegenwehr von dem Löwen

getödtet wurde, des Bruders Stock liegt auf der Erde--die Leiche selbst

mußte von dem Löwen fortgeschleppt worden sein--er blickt herum, geht

einige Schritte--dort des Bruders aus Stroh geflochtener Hut und sein

Kürbißgefäß, er springt näher, um einen Baum herum--unter diesem liegt

die halbbenagte Leiche des Gesuchten. Ein Schrei dringt durch die Stille

des Abends am Setlagole-Ufer. Aber auch der Löwe, der den Ankömmling

schon lange bemerkt, hatte sich hinter ein nahes Gebüsch in Hinterhalt

gelegt und sein zweites Opfer in dem Momente erfaßt, als es sich über

den zerfleischten Körper seines Bruders zu werfen im Begriffe war.

Am folgenden Morgen als die Batloka's aufwachten und sich zur

Weiterreise rüsteten, vermißte man die beiden Brüder. Nichts Gutes

ahnend, liefen erst einige zu einem, am anderen Ufer einige hundert

Schritte abseits liegenden Barolongen-Gehöfte, um sich Hilfe, d.h.

Männer mit Gewehren zu erbitten, die man ihnen auch bereitwilligst

mitgab. Man folgte dem Pfade, fand die Löwenspur theilweise von den

Fußspuren des zweiten Bruders verwischt und endlich beide Leichen; die

Leute konnten auch deutlich wahrnehmen, daß das Raubthier erst vor sehr

kurzer Zeit, wahrscheinlich vor den lärmenden Menschen zurückweichend,

den Ort verlassen haben mußte. Man nahm nun seine Spur auf und folgte

ihr 500 Schritte weit längs des Flußufers. Bei einer Biegung glaubten

einige in den Vaalbüschen einen gelbschimmernden Gegenstand zu sehen,

riefen die Uebrigen herbei und obgleich man den Gegenstand nicht für

einen Löwen hielt, schlugen sämmtliche Schützen auf das kleine Gebüsch,

respective das gelb durchscheinende Object an und drückten los. Das

Erstaunen aber war groß, als sie einen ausgewachsen, männlichen, von

sechs Kugeln durchbohrten Löwen todt im Gebüsche vorfanden.[1]

1: Siehe Anhang 16.

Drei Meilen von Konana auf dem gegenüberliegenden Abhange (nachdem wir

den zur Zeit unseres Besuches bis auf einige Lachen trockenen Fluß

durchschritten hatten) wählten wir uns einen Lagerplatz aus und trafen

alle nöthigen Vorkehrungen, um etwaigen Ueberraschungen von Seite der

Löwen vorzubeugen. Am nächsten Morgen--es war ein wahrhaft lieblicher,

klarer Morgen--drangen die goldenen Strahlen warm durch die Zweige über

uns und ermunterten die in diesen Zweigen sich tummelnde gefiederte Welt

zur Eröffnung ihres Concertes. Namentlich zahlreich waren Würgerarten,

kleinere Singvögel und Tockus plavirostris (Tukans) vertreten.--Die

Fahrt ging sehr langsam von statten, da wir den Zugthieren oft einige

Rast gönnen mußten und die dichtbebuschte Strecke nur vorsichtig

durchfahren werden konnte. Ohne eines der königlichen Thiere auch nur

ansichtig zu werden, traten wir nach einigen Stunden aus der bebuschten

Partie des Weges heraus. Unvergeßlich wird mir und meinen Gefährten der

Ausblick auf die Gegend bleiben, der sich uns nun darbot, als wir einen

freien Ueberblick über die sich vor uns ausbreitende Hochebene gewannen.

Tage wie der 26. November 1873 werden mir, als Jagdfreund, doch in

höherem Grade als Beobachter des freien Thierlebens, mein ganzes Leben

hindurch in frischem, unvergeßlichem Angedenken bleiben und mich manche

bittere Erfahrung vollkommen vergessen lassen, sie mögen auch dem

geehrten Leser meine Sehnsucht, nach jenen Gefilden zurückzukehren,

begreiflich erscheinen lassen.

Auf die Höhe des Plateaus gelangt, sahen wir eine etwa 20 Meilen lange,

von Süden nach Norden sich hinziehende, nach Osten von einigen

Mimosengehölzen begrenzte und hier durch freie Zwischenräume mit einer

nachbarlichen zusammenhängende, 6-7 englische Meilen breite Grasebene.

Dieser mit zahllosen röthlichbraunen, niedrigen Termitenhügeln bedeckte

und von frischem, kurz zuvor aufgesproßtem und nur stellenweise, wie in

der Nähe der Wassertümpel, aus hohem Gras gebildete, dunkelgrüne Teppich

war durch Tausende von Thieren aller Gattungen belebt. Dunkelbraun und

schwarz, rothbraun und hellbraun, gelblich und gescheckt waren die

Farben der Roben, mit denen Mutter Natur die hier versammelte

Gesellschaft bekleidet hatte. Es waren meist schwarze und gestreifte

Gnu's, Bläßböcke und Hartebeest-Antilopen, Springbockgazellen und

Zebra's (Quagga's). Die einen grasend, die andern einander neckend und

spielend, dort eine Heerde Gnu's eines hinter dem andern wie in tiefes

Nachdenken versunken gemächlich dahinschreitend. In ähnlicher Weise

grasten mehrere Bläßbockheerden, während eine uns zunächst stehende,

etwa 150 Thiere starke Zebraheerde, sich in weitem Bogen langsam nach

dem Süden zu bewegte. Zahllose Hartebeeste weideten in kleineren Heerden

und, wie immer, näher an den Gebüschen, schwarze Gnu's in Rudeln von

10-80 Stück über die ganze Ebene zerstreut, während es zwischen ihnen

und den Zebra's, ja überall, wohin man auch sehen mochte, von

Springbockgazellen wimmelte. Eine artenreiche Vogelwelt brachte in

dieses reizende Bild erhöhte Bewegung. Vor Allem waren es die großen

Trappen Eupedotis Kaffra und Kori zwei der schon oft erwähnten

Zwergtrappen, Chenalopes, Enten, Kibitze, Ibise, Kraniche, Fischreiher,

Regenpfeifer und viele andere, welche durch ihr buntes Gefieder und ihre

schlanken Gestalten, durch ihren meist nahe über den Boden

dahinstreichenden Flug und durch ihr in allen Modulationen ertönendes

Gepfeife und Geschnatter in die Augen sprangen.

Obwohl ich auf der ersten Reise so manche Scene südafrikanischen

Thierlebens gesehen, dieses Bild auf dem zwischen der von mir

Jungmanns-Pfanne benannten Salzpfanne und dem Konanaflüßchen gelegenen

Hochplateau übertraf die kühnste Phantasie, es mußte selbst den

Gleichgiltigsten zum Naturfreunde machen. Nachdem wir uns--unsere armen,

müden Zugthiere völlig vergessend--wohl eine Stunde lang an diesem

Anblick geweidet hatten, beriethen wir uns über die Wahl eines

geeigneten Lagerplatzes. Der eben genossene Anblick hatte in mir den

Entschluß gereift, hier einige Tage zu verweilen.

Diese Ebene reicht mit anderen zusammenhängenden bis gegen den oberen

Hart-River nach Osten, bis zum Maretsane-Fluß nach Norden und bis gegen

Mamusa nach Süden, bedeckt einen riesigen Flächenraum und gehört zum

größten Theile zum Gebiete des Königs Montsua. Sie hat keinen merklichen

Abfall, kaum hinreichend, daß das überschüssige Regenwasser mit Ausnahme

der unmittelbaren Uferpartien einen Abfluß nach dem Hart-River, dem

Maretsane, Konana und Mokara findet, daher treffen wir auf derselben

zahlreiche größere und kleinere Salzseen und eine Unmasse seichter

Vertiefungen, die zur Regenzeit durch Wasserlachen gefüllt sind. Diese

Salzpfannen scheinen zum Gedeihen des Wildes wesentlich beizutragen.

Eine solche Vertiefung, etwa drei Meilen von der Stelle, wo wir standen,

wurde zum Lagerplatze auserwählt. Als wir mit unserem Wagen durch die

Ebene zogen, waren es zuerst die Zebra's und die Bläßbockantilopen,

welche die Flucht ergriffen; einige der zahlreicheren Heerden, wie die

Zebra's, jagten gegen eines der Gehölze, um durch eine der vielen

Lichtungen in demselben auf die nächste Ebene zu flüchten.

Am Nachmittag machte ich mit E. und B. einen Ausflug in südlicher

Richtung, wobei wir Gelegenheit hatten, die Gnu's ziemlich nahe

beobachten zu können, einige der Thiere blieben ohne Scheu stehen,

andere rannten südwärts, als wir auf der Rückkehr etwas näher an das

eine Gehölz herantraten, setzten sich sämmtliche Thiere--eine wenigstens

300 Stück zählende Gnuheerde--eine hohe Staubwolke aufwirbelnd, in

Bewegung und wandten sich an uns vorbei nach Süden (windabwärts). Das

interessante Schauspiel wiederholte sich auch am folgenden Morgen und

war durch eine nicht weniger anziehende Fata Morgana noch erhöht, welche

die einzelnen Thiere riesig gestaltete und die hüpfende Bewegung ihres

Laufes in den über dem fernen Horizonte liegenden Luftschichten

widerspiegelte.

Am folgenden Abend beschlossen wir an einem der zahlreichen, von den

Regenlachen gebildeten, seichten Löcher auf den Anstand auszugehen.

Deutlich konnten wir das Brummen der Gnu-Stiere hören, die ihre Heerden

nach den Lachen zur Tränke führten. Am Morgen versuchten wir im

südlichen Theile der Ebene eine Treibjagd, doch ohne Erfolg. F. und Pit

hatten eine falsche Richtung eingeschlagen, und das Wild benützte eine

entstandene, etwa 360 Schritte breite Lücke, um durchzujagen.

Zum Wagen zurückgekehrt fanden wir einige Barolongen, die von Konana

kamen und auf eines der Mimosengehölze lossteuerten, in dem schon ihre

Gefährten bei der beabsichtigten Treibjagd harrten. Sie trugen uns ihre

Hilfe an, von der ich jedoch keinen Gebrauch machte, da ich weniger der

Jagd als vielmehr der Beobachtung der Wildspecies obliegen wollte.

Endlich kam der Abend und mit ihm eine Nacht, die mir ebenso

unvergeßlich bleiben wird, wie der vorhergehende Tag, unstreitig die

schlimmste Nacht in der ersten Hälfte meiner zweiten Reise. Bei Anbruch

der Nacht war ich mit Boly ausgegangen, wir hielten uns nahe an unserem

Bestimmungsorte und Jeder von uns suchte es sich in dem engen Erdloche

so bequem wie möglich zu machen. Da ich mich kriechend einer Lache

genähert, gelang es mir, meinen Platz einzunehmen, ohne die Vögel an dem

Gewässer aufzuscheuchen. Dieser Vielen vielleicht unscheinbar dünkende

Umstand ist aber für den Jäger auf den südafrikanischen Ebenen insoferne

wichtig, als die aufgescheuchte Vogelwelt solch ein Zetergeschrei

erhebt, daß das Wild, auf eine nahende Gefahr aufmerksam gemacht wird

und dann die gewöhnlichen Pfade meidet.

[Illustration: Wild auf den Quaggaflats.]

Die Nacht war ziemlich dunkel, im Norden blitzte es unaufhörlich, ein

Gewitter zog dort nach Osten zu. Außer dem zeitweiligen Gepfeife und

Geschnatter in dem Gewässer vor mir war die Stille um mich nicht

unterbrochen; einigemale schien es mir, als ob ich das Grunzen des

schwarzen Gnu's hören würde, doch es mochte nur Einbildung sein, die

meine Gedanken in der Erwartung dieser Thiere eben nur auf sie

concentrirte. Einmal hörte ich deutlich das Schlürfen von Wasser,

ähnlich wie es die Hunde thun, ich strengte mich an, den Gegenstand zu

erkennen, doch war dies nicht möglich, es mochte wohl ein Schakal sein,

der sich mir windabwärts genähert hatte.

Ich lauschte noch in der Stille der Nacht hin, als ich plötzlich das

erwartete Grunzen vernahm. Ich richtete mich etwas auf, um desto

deutlicher hören zu können, richtig, ja das sind schwarze Gnu's; ich

lege das Ohr an eine vom Gras entblößte harte Stelle und vernahm

deutlich den dumpfen Schall, den eine auf dem Wildpfade dahinschreitende

Gnuheerde hervorbringt.

Freudig und in gehobener Stimmung ducke ich mich wieder nieder, sowie

ich jedoch wieder aufschaue und mit dem Blicke die Richtung suche, in

der ich die Annäherung des Wildes erwartete, blizt es ziemlich hoch am

nördlichen Himmel auf, dort, wo ich zuvor das Gewitter beobachtet.

Ich unterschied ein mehrstimmiges Brummen und etwas später erschien ein

dunkler Gegenstand am gegenüberliegenden Ufer der Lache. Das Gnu ging um

das Gewässer nach mir zu, kehrte um, kam wieder zurück und nun sah ich

es von mehreren anderen gefolgt. Sie standen eine geraume Zeit, ohne

sich zu nähern, dann trat der Leitstier von einem zweiten Thiere

begleitet vor und kam auf das sandige Ufer zu. Da steht das Thier einige

Schritte vor mir mit dem Kopfe nach mir zugekehrt, daß ich nur diesen

Theil und die Lache darunter sehe. Ich ziele so wie es die Dunkelheit

erlaubte, auf den Schädel und mit einem lauten Krach schlägt die Kugel

ein. Ich springe auf, um meine Jagdbeute zu suchen, ohne mich weiter um

die enteilende Heerde zu kümmern. Doch ich sehe nichts, ich reibe mir

die Augen, mit dem Gewehrlaufe auf der Erde herumtastend, hoffte ich

jeden Augenblick den Körper des gefallenen Thieres zu finden.--Doch

alles war Täuschung. Der Schuß traf, trotzdem war das verwundete Thier

noch mit den anderen geflohen. Das Aufleuchten des Blitzes am nördlichen

Firmament brachte mich wieder zur Besinnung. Ich mußte für diese Nacht

das Jagen aufgeben und zum Wagen zurückkehren.

Boly, der mit mir auf den Anstand gezogen, war noch nicht zurückgekehrt.

Ich ließ F. mit einem Feuerbrande etwa 200 Schritte aufwärts gehen, um

damit den vielleicht irre Gehenden sein richtiges Ziel zu weisen. Allein

F. schwenkte den Feuerbrand bis es zu regnen anfing und noch immer war

von B. nichts zu hören und zu sehen. Der Wind hatte sich inzwischen

gesteigert und bald raste ein wahrer Orkan über die Ebene hin.

Theilweise kam uns nun--und auch später als Blitz auf Blitz auf die

Ebene niederfuhr--unsere etwas tiefere Lage zu Gute, allein sie hatte

auch ihre Schattenseiten. Das Wasser fiel nicht allein in Strömen, es

floß auch in solchen von der Ebene herab in die Tiefe und machte unsere

Lage recht unbequem. Doch es war weniger diese, die uns beunruhigte,

Boly's Zustand machte uns Alle sehr besorgt, sogar die Schwarzen

sprachen von nichts Anderem, als wo doch der Baß B. sein möge. Blitz

folgte auf Blitz, kaum war der Nachhall des einen Donners verhallt,

folgte schon ein anderes Donnergebrüll und dazwischen schlug der Regen,

von der rasenden Windsbraut getragen, so heftig gegen den Wagen an, daß

wir uns kaum durch Schreien einander vernehmbar machen konnten. Die

Atmosphäre war auch bedeutend abgekühlt worden, welcher Temperaturfall

uns nach der furchtbaren Tageshitze und bei den bis auf den Leib

durchnäßten Kleidern durchaus nicht willkommen war.

[Illustration: Gnujagd bei Nacht.]

Stunde auf Stunde verrann, das Gewitter war vorübergezogen, Regen und

Wind hatten sich gemäßigt, endlich hörte der Regen gänzlich auf. Die

Sorge um Boly's Schicksal ließ uns kaum zwei Stunden der Ruhe pflegen,

zu der uns die Müdigkeit zwang. Am frühen Morgen sandte ich einen der

schwarzen Diener nach Boly aus. Schon nach einigen hundert Schritten sah

dieser den Gesuchten kommen, er war über und über mit Koth bedeckt und

sah recht erbärmlich aus. Sein Körper zitterte vor Kälte, doch was uns

alle erstaunte, war, daß er das Gewehr so rein zurückbrachte wie er es

mitgenommen. Der Aermste hatte an einem Termitenhügel zusammengekauert

das Unwetter über sich ergehen lassen müssen und hatte überdies, um

seine Waffe schußbereit zu erhalten, dieselbe mit seiner Jacke

umwickelt.

Am Abend fanden sich einige berittene Barolongen bei uns ein, welche uns

ein Zebra für einen Sack Pulver (5 Pfund Gewicht) und zwei Stangen Blei

(12 Pfund) zum Kaufe anboten. Sie hatten eine Treibjagd veranstaltet,

dabei eine Zebraheerde »eingejagt« und von ihren Pferden eines mit den

Assagaien so verwundet, daß das Thier zurückblieb und von den zu Fuße

mit Gewehren nacheilenden Genossen erlegt wurde. Schon wollte ich den

Kauf eingehen, als ich noch rechtzeitig bemerkte, daß das Fell sehr

beschädigt und zum Präpariren ungeeignet war.

Die gesammten bis nach Mamusa reichenden Ebenen sind von etwa 70, in der

Regel 100-300 Schritte breiten, 200-800 Schritte langen Mimosengehölzen

bedeckt. Beinahe in jedem dieser Gehölze stoßen wir auf eine

Eingebornentruppe, welche über dem Winter oder Sommer auf den

wildreichen Ebenen der Jagd obliegt; trotzdem wird, da die Barolongen

und Batlapinen meist schlechte Schützen sind, höchstens alle 2-4 Tage

ein Stück Wild erlegt.

Die Formation dieser Ebene ist der harte, graue, im südlichen

Transvaal-Gebiete erwähnte Kalkstein, dem hie und da das Vaalgestein

aufliegt, im Gerölle sind häufig Rosenquarzstücke zu finden. An den

Abhängen zum Konanaflusse sah ich mäßige Quarzitadern, einige Fuß hoch

jenen Kalkstein durchbrechend, weithin in ihrer weißlichen Farbe

schimmern.

Am 29. November Morgens machte ich einen Ausflug und kehrte mit einem

Hyänenschädel heim. Im Allgemeinen hatten wir hier eine große Anzahl von

Gnu-, Bläßbock- und Springbock-Schädeln gesammelt. Um Mittagszeit

verließ ich den Ort und zog nach Osten, um den vom östlichen Taung nach

Molema's Town führenden Weg zu treffen und auf diesem meine Reise nach

Norden fortzusetzen. Nach einer sechs Meilen langen Tour hielten wir in

einem Mimosengehölze Rast und trafen mehrere Barolongen, außerdem sahen

wir zahlreiche verlassene Hütten. Um diese Hütten lagen förmliche

Knochenhügel; mit Ausnahme der Hörner waren alle Knochen zerschlagen, es

mußte wohl unzähligen der auf den Ebenen ringsum flüchtigen Thieren das

Leben in den letzten Jahrzehnten gekostet haben, bevor diese

Knochenhaufen aufgestapelt werden konnten. Ich suchte unter den

Knochenresten nach pathologischen Mißformen und fand nur zwei

verunstaltete Hörner. Beide Hörner waren durch Kugelschüsse

abgeschossen, die entstandene Wundfläche zugeheilt und durch neuen

Hornüberzug bedeckt worden; ich fand außerdem ein zum Lederarbeiten von

den Eingebogen gebrauchtes, zugespitztes und durchlöchertes, an einem

Riemchen hängendes Hornstück.

Bei einbrechender Dunkelheit schlugen wir an einem dicht bebuschten, in

der Nähe eines Salzsees sich erhebenden Hügel, unter einigen schattigen

Kaameeldornbäumen unser Nachtlager auf. Der sich unter uns ausbreitende

Salzsee war trocken, allein an seinem Ufer, am Abhange des Hügels und

der Ebene, fanden sich überall süße Quellen, die uns mit reinem

Trinkwasser versahen. Zeitlich am nächsten Morgen machte ich einen

kleinen Gang durch das Gehölz und fand abermals Knochenstätten und

mehrere Gruppen verlassener Jagdhütten der Eingebornen; da ich auch

mehrfach Hasen, Perlhühner, Rebhühner und Deukerantilopen bemerkte,

entschloß ich mich, hier einen Tag zu bleiben. Der Tag war schön und

lohnte meinen Aufenthalt in jeder Beziehung. Vogelbälge, zahlreiche

Schlangen, Insecten und Krustenthiere, doch auch Pflanzen hatten am

Abend meine Sammlungen bereichert. Meine Gefährten erbeuteten so manchen

schönen Vogelbalg, darunter namentlich Bienenfänger, schwarze und kleine

graue Würger, Regenpfeifer etc., während es mir gelang eine Chenalopes

zu überlisten.

Der bewaldete Hügel erhob sich über der westlichen Ecke der Salzpfanne,

doch auch das südliche und nördliche Ufer waren von felsigen, niederen

Höhen begrenzt. Zwischen dem ersteren und den nördlichen Höhen öffnete

sich ein Thal und hier führte ein gegenwärtig trockener Bach von der

Ebene das überschüssige Regenwasser herab, der vorgestrige heftige

Regen, der uns kaum 12 englische Meilen von dieser Stelle entfernt

überraschte, hatte hier keine Spuren hinterlassen, war also, wie immer

in dieser Gegend, im engsten Sinne des Wortes local gewesen. Von der

Höhe herab vernahm ich das Geschnatter mehrerer egyptischer Gänse. Durch

einen Busch am Abhange gedeckt, übersah ich die gesammte Pfanne, folgte

dem Ufer und doch konnte ich nirgends das schreiende Thier zu Gesicht

bekommen. Erst nach langem Suchen erblickte ich das Thier auf dem

hervorragenden Aste einer halbvertrockneten Mimose. Da ich nur mit

kleinem Schrot geladen hatte, mußte ich mich näher anzuschleichen

trachten. Hier durch einen Busch, dort durch einen Block gedeckt, war es

mir gelungen, unbemerkt in das Thal hinabzusteigen. Das Thälchen war mit

niedrigen, blos stellenweise höheren, schütteren Büschen und einigen

wenigen Bäumen bewachsen, doch der Boden war steinig, und ich mußte nun

meine Fußbekleidung zurücklassen und barfuß weiter schleichen. Der Vogel

saß hochaufgerichtet auf dem dicken Aste, gegen den Stamm zu sah ich ein

Nest, welches ich später als das seine erkannte. Auf 60 Schritte

nahegekommen, feuerte ich und erlegte die Gans, deren schöner Balg

meiner Sammlung einverleibt wurde. Die Formation um diese Pfanne, welche

ich Jungmanns Salzsee oder Chuai Jungmann taufte, war ähnlich jener des

Vaalgesteins bei Bloemhof, die Grünsteinblöcke bis drei Kubikfuß groß.

[Illustration: Verlassener Jagdplatz der Barolongen.]

Nach Sonnenuntergang setzten wir unsere Reise wieder fort. Wir

übernachteten auf einer unabsehbaren Ebene, die deutliche Spuren von

Regenlosigkeit trug, der Boden war zersprungen, das Gras so trocken, daß

es bei der Berührung bröckelte, und selbst die dahinjagenden Springböcke

wirbelten Staubwolken auf. Der Wassermangel gab uns auch Veranlassung am

nächsten Tage tüchtig auszugreifen, so daß wir an diesem Tage 18

englische Meilen zurücklegten. Auch das Wild war in diesem wasserarmen,

nördlichen Striche recht spärlich geworden; zweimal trafen wir mit

Barolongentruppen zusammen, welche Schießpulver erhandeln wollten; sie

brachten Milch als Tauschartikel. In Folge ihrer Ungeschicklichkeit als

Jäger und ihrer Arbeitsscheu schauten die Leute recht verhungert aus;

wir gaben ihnen Schießpulver und etwas Beltong (getrocknetes

Wildfleisch). Die Entdeckung einer mit reichlichem Wasser gefüllten

Bodeneinsenkung gab das Signal, den heutigen Marschtag zu beschließen.

[Illustration: Barolongen Zebra's jagend.]

Am Morgen des 1. December wurden wir durch den Besuch eines Boers

überrascht, dessen Mitteilungen uns dahin belehrten, daß wir an der

westlichen Grenze der Transvaal-Republik angelangt waren. Der in der

Nähe unseres Lagers angesiedelte Boer wartete auf den Besuch des

Präsidenten Burger, von dem er endlich Abhilfe von den unausgesetzen

Grenzstreitigkeiten mit den Barolongen erwartete. Er theilte uns auch

mit, daß zwei seiner Söhne in das Innere auf Elephantenjagd ausgezogen

waren und ersuchte uns, ihnen im Begegnungsfalle seine Grüße zu

entbieten. Von dem gesprächigen Farmer scheidend, setzten wir unsere

Fahrt in nordwestlicher Richtung fort und gelangten auf eine reichlich

mit Mimosen bestandene Ebene, zwischen dem Molapo- und Maretsaneflusse,

dessen Quellen wir in der verflogenen Nacht, ohne es zu wissen, passirt

hatten.

Einige der weißdornigen Mimosen waren auf dieser Ebene in voller Blüthe,

mit hunderten und aber hunderten kleiner, grellgelber, kugelförmiger und

duftender Blüthen behangen. Die Blüthen wie Blätter der bis zu 18 Fuß

hohen Bäumchen waren äußerst zart und mit hunderten von

verschiedenartigen Blumenkäfern (Cetonidae), sowie einigen

rothgebänderten Holzböcken bedeckt; es wunderte mich, daß unter den

zahlreichen Bäumchen blos zwei von den Insecten ausgesucht wurden,

während an den Aesten zahlreiche weiße, über einen Zoll lange Puppen der

großen Cicade klebten, die allenthalben ihre laute Stimme erschallen

ließen, bei unserer Annäherung mit lautem Summen davonflogen und sich

mit einem hörbaren Schlag auf dem nächsten Mimosenbäumchen niederließen.

Auch buntfärbige Blattwanzen fehlten nicht und große stahlblaue

Raubwespen zogen summend und nach Fliegen haschend um die Büsche. In

gewohnter emsiger Weise schnurrend flogen zahlreiche Hummeln über den

kräftig emporsprießenden Grasteppich hin, um für sich und die im nahen

verlassenen Termitenhaufen eingenistete Brut Vorräthe zu sammeln.

[Illustration: Pürsch auf egyptische Wildgänse.]

Der südafrikanische Frühling war mit aller Macht in die Gegenden am

oberen Molapo eingezogen, all' das kleine Gethier fühlte seine

Herrschaft und war zum Leben erwacht, um ein neues Dasein zu beginnen;

fremd, weder ersehnt noch willkommen schien er dem Menschen am oberen

Molapo zu sein. Friede, neues Leben, vereinigtes Schaffen, Lust und

Freude, das war um mich her an jenem Morgen auf den Fluren am Molapo der

Hauch der verstandeslosen Natur. An Hader, Brand und blutige Thaten

dachten, davon sprachen und damit drohten--die Herren der Schöpfung.

Nach einer kurzen Fahrt am Morgen des 2. Decembers langten wir bei dem

Dorfe der Makuben an, welches am südlichen (linken) Ufer des Molapo

gelegen, zu Molema's Town (d.h. die Stadt Molema's, eines Bruders des

Königs Montsua) gehörte. Das Thal des oberen Molapo ist in den ersten 15

Meilen seiner Länge eng, von dem steilen Abfall des Hochplateaus

eingeengt, in seinem weiteren Verlaufe ist es flach, ein mäßiger

Einschnitt in die etwas nach Westen abfallende Hochebene. Wir hatten es

in der letzteren Partie zu überschreiten. Das Bett des Flusses war hier

von Kalktuff gebildet, der zahlreiche fossile Pflanzen enthält und

deutlich darauf hinweist, daß dieser Thaleinschnitt schon vor

Jahrtausenden als ein geräumigeres Flußbett benützt worden war. Dieser

Kalktuff wird von dem harten, grauen Kalkstein überlagert und ist durch

eine Unzahl kleiner Grotten, Höhlen, Löcher charakterisirt, welche die

Tümpel der fast monatelang trockenen Flußrinne bilden. Oberhalb dieser

Stellen und in den eingeengten oberen, wie auch in dem Bergthale ist das

Bett schlammig und sumpfig und dieser Umstand ist wohl der Grund, daß in

der trockenen Jahreszeit große Wassermengen verloren gehen und der Fluß

schon nach wenigen Meilen seines Oberlaufes versiegt.

In dem marschigen Theile des Thales finden sich die westlichsten, die

sogenannten Molapo-Farmen des Marico-Districtes, deren Besitzer ihre

Felder continuirlich irrigiren können; in dem mehr offenen Theile finden

sich die Niederlassungen der Barolongen[1], welche ihre hie und da nach

europäischem Vorbilde angelegten Grundstücke zu bewässern im Stande

sind.

1: Nach Westen erstreckt sich ihr Gebiet bis gegen Namaqualand.

Den Molapo (d.h. ein Fluß) überschreitend, lagerten wir an seinem

rechten Ufer in der Nähe einiger Wartebichi-Mimosen. Gegen

Sonnenuntergang blickend sahen wir Molema's Town vor uns, an einem

mäßigen Abfall der im Hintergrunde bewaldeten Hochebene; im Osten ist

die Stadt durch zwei interessante Felsenpartien begrenzt und im Schutze

der einen, zwischen ihr und dem Flüßchen, stand das geräumige, im Style

der Eingeborenen ausgeführte Missionshäuschen der Wesleyan

Missionsgesellschaft.[1]

1: Dieselbe besitzt in Molema's Town, in Lothlakane und Poolfontein

(zu der Zeit meines Besuches war die eine, die sich jetzt in

Lothlakane befindet, in Moschaneng) je eine Station, von denen

früher die in Molema's Town, gegenwärtig die in Lothlakane von einem

weißen Missionär dirigiert wird. Außerdem ist Poolfontein auch der

Sitz eines Predigers der deutschen Hermannsburger

Missionsgesellschaft, der jedoch unter den meist der Wesleyan'schen

Kirche angehörenden aus der südcentralen Transvaal-Republik nach der

Poolfonteiner Ebene (auf Montsua's Gebiet) verpflanzten Borolongen

eine schwierige Stellung hat. Poolfontein liegt zwischen Lothlakane

und Lichtenburg.

Die erwähnten Felsenpartien, das mit Bäumen bestandene Ufer des kaum

vier bis zehn Schritte breiten Flüßchens, sowie die vielen zwischen den

Gehöften sich erhebenden Karie-, Kameeldorn- und Weidenbäume, welche den

ganzen Abhang des Plateaus bedecken, verleihen Molema's Town eine der

schönsten Lagen unter den Eingebornenstädten des centralen Süd-Afrika.

Seine Gehöfte stehen weniger dicht aneinander und sind mit Zäunen

versehen, aus denen sich die spitzig zulaufenden mit den Stauden der

Kalebaß-Kürbisse überwucherten Dächer der Hütten erheben.

Zahlreiche Wägen zeugen von der zunehmenden Wohlhabenheit des Stammes,

die namentlich dem Umstände zugeschrieben werden darf, daß König Montsua

den Branntweinverkauf im Lande sistirte, eine Verfügung, welche Molema,

der Unterchef und Gouverneur von Molema's Town, mit seiner ganzen

Autorität zur Geltung brachte, ferner daß der früher hier ansäßig

gewesene Missionär, europäischen Getreidearten in Molema's Town Eingang

verschaffte.[1]

1: Siehe Anhang 17.

Was mich in Molema's Town besonders angenehm berührte, war das Verbot

Molema's, der nebenbei gesagt ein Christ und Prediger ist, im Bereiche

der Stadt keinen Baum zu fällen; wir hatten kaum unser Lager

ausgeschlagen, als ein Eingeborner (einen Polizisten vertretend) im

Namen des Fieldcornets (Sheriff, oberster Sicherheits-Beamter) bei uns

erschien, um uns Weideplätze für die Zugthiere anzuweisen und das eben

erwähnte Verbot zur Kenntniß zu bringen.

Bevor ich noch meinen Entschluß, Rev. Webb aufzusuchen, ausführen

konnte, kam aus dem Missionshäuschen ein blondbärtiger, untersetzter

Mann, ein kleines Mädchen an der Hand führend, auf mich zu. Es war der

Gesuchte. Wir waren bald in ein eifriges Gespräch über Molema's Town und

die Grenzfrage verwickelt. Von Montsua, dem Herrn des Landes, erfuhr

ich, daß er in Moschaneng, in einer im Gebiete seines königlichen

Freundes, des Banquaketse-Herrschers Chatsitsive, erbauten Stadt wohne

und entschlossen sei, sich in Poolfontein niederzulassen, wohin jedoch,

wohl um den unabhängigen Barolongenfürsten zuvorzukommen, die

Transvaal-Regierung ihr unterthane Barolongen bereits angesiedelt hatte.

Montsua war darüber sehr verdrießlich und im Begriffe, Moschaneng zu

verlassen und sich in seinem Gebiete eine andere Stelle zum Baue der

Residenz auszusuchen.[1]

1: Er hat dies auch später gethan, indem er der englischen Regierung

die Oberhoheit über sein Gebiet antrug.

Des Missionärs Häuschen war nur auf das Nothdürftigste eingerichtet,

denn aus den eben erwähnten Gründen betrachtete Rev. Webb seinen

Aufenthalt nur als provisorischen, überdies war Molema selbst Prediger

und den weißen Missionären nicht sehr gewogen. Rev. Webb und seine Frau,

die ihrem Lebensgefährten in dieser Abgeschiedenheit treu zur Seite

stand, riethen mir, baldigst nach Moschaneng aufzubrechen.

Herr Webb begab sich hierauf zum Chef Molema, um ihm meine Ankunft

anzuzeigen. Als er heimkehrte, kam er mit dem an Asthma leidenden alten

Manne zurück, der mich herzlich willkommen hieß und meinte, daß außer

dem Naka (Doctor) Livingstone noch kein Naka zu ihm gekommen sei, er

zeigte sich über meine Ankunft sehr erfreut, denn er hoffe, daß ich ihm

doch ein Molemo (Medicament) bereiten werde, das ihm den garstigen

Husten benehmen und ihm ein freieres Athmen gestatten würde. Zugleich

lud er mich ein, ihn am folgenden Morgen zu besuchen, sowie meinen

Aufenthalt auf einige Tage auszudehnen, er wolle mir als Gegenleistung

ein fettes Schaf senden.

Am Morgen des 2. Decembers machte ich einen Ausflug thalaufwärts und

fand dieses in allen, mächtige Humuslagen aufweisenden Partien dicht mit

Kafirkorn angebaut. Ich war durch die ersten Anzeichen einer von

Grahamstown bis zum Molapo vermißten tropischen Vegetation überrascht,

welche sich durch manche Species bemerkbar machte, anderseits traf ich

hier auch Pflanzen der gemäßigten Zone, in artenreicher Zahl, so

Campanula Saponaria, Veronicae, mehrere der doldenblüthigen

Euphorbiaceen und andere; auf den Wiesenflächen stand das Gras 4 Fuß

hoch. Ich erlegte einen Fischreiher, mehrere Finkenarten, darunter zwei

Feuerfinken und zwei Spornkibitze, die mich durch ihr lautes »Tik-Tik«

angelockt hatten. Die auf den Feldern arbeitenden Frauen sahen bedeutend

reinlicher als die Batlapinen aus und ich mußte auch später, als ich von

Molema's Town schied, diesen sogenannten nördlichen Barolongen eine

höhere Stufe als den Batlapinenstämmen und selbst als den Mokalana,

Marokana etc. oder südwestlichen Barolongen einräumen, obgleich sie im

Ackerbau und der Viehzucht von den südöstlichen Barolongen, die unter

Maroka in Taba Unschu und der Umgebung dieser über 10.000 Einwohner

zählenden Stadt wohnen, übertroffen werden; jenen kommt allerdings die

Pferdezucht zu Gute, welche am Molapo wie in der Transvaal-Republik

durch die grassirende Pferdekrankheit vereitelt wird.

[Illustration: Feldapotheke.]

[Illustration: Die Ueberbringer der Arznei.]

Ich bereite für Mrs. Webb und den Häuptling einige Medicamente, darunter

auch Pulver, bei welcher Manipulation ich von den zahlreichen uns

besuchenden Eingebornen angestaunt und bewundert wurde. Einer der Männer

setzte sich neben Pit am Feuer nieder und fragte hier mit gedämpfter

Stimme, was ich da thue, Pit meinte, ich bereite ein Medicament. Der

Fragesteller mischte sich nun sofort unter die gaffende Menge und

verbreitete unter ihr die Nachricht, daß ich ein Naka sei und eben ein

Molemo bereite. Das dadurch hervorgerufene Erstaunen war in den Zügen

Aller, der Männer, Frauen, ja selbst der Halberwachsenen deutlich zu

bemerken. Einer raunte dem Andern die Worte »Naka und Molemo« zu und man

konnte an den Lippenbewegungen beobachten, wie es sich die Einzelnen

wiederholten. Ich hatte damit bedeutend an Ansehen und Respect gewonnen

und es wurde so stille um mich, daß man jedes Wort der abseits am Feuer

sprechenden Diener vernehmen konnte. Jede, auch die geringste meiner

Bewegungen wurde mit dem größten Interesse verfolgt, am meisten jedoch

das Abwägen der gleichen Theile und das Einschütteln der Pulver in die

von F. am Wagenbrette zubereiteten Papierhülsen. Als ich meine Arbeit

beendet, frug ich, ob einer das Molemo zum Chef Molema tragen wolle;

Alle, die Männer wie die Knaben, schrieen durcheinander, manche eine,

manche beide Hände darnach ausstreckend. Jeder wollte der Ehre

theilhaftig werden, des weißen Naka's Medicin dem geliebten Häuptlinge

zu überbringen. Bei solcher Auswahl hatte ich die Laune, auch wirklich

wählerisch zu sein, ich suchte mir den Aeltesten im Haufen aus, ein

gebeugtes, weißhaariges Männchen, das gar nicht seinen Augen trauen

wollte, und gab ihm die zu einem Päckchen geformten Pulver; er wollte

sie jedoch nicht berühren, sondern bat mich, sie ihm an seinen Stock zu

binden, den er nun vor sich hertragen wollte. Da ihm dies jedoch,

beschwerlich fiel, so ergriff ich einen der zunächst stehenden Jungen,

seine Peitsche fassend befestigte ich an dieser das Päckchen und hieß

ihn dem Alten folgen, was diesem erwünscht war, und den Haufen um mich

zu befriedigen schien, denn wiederholt hörte ich den Ausruf monati,

monati (schön).

Am folgenden Tage hatte ich den Häuptling wieder zu besuchen. Molema

empfing mich in seinem Höfchen, stellte mir seine Frau und seine um ihn

herum wohnenden Söhne vor. Dann ließ er für mich und Herrn Webb je ein

hölzernes Stühlchen bringen und bat mich, ihm die letzten Ereignisse und

Tagesneuigkeiten aus der Cap-Colonie und den Diamantenfeldern

mitzutheilen, erkundigte sich nach den Verfügungen der englischen

Regierung im Süden, klagte über die Anmaßungen der Boers im Osten und

frug mich endlich, ob ich ein Engländer oder Boer wäre. Die ihm von

Herrn Webb ertheilte Antwort, daß ich ein Böhme (Bohemian) sei, konnte

er nicht begreifen und ließ, nachdem er noch nach meinem Namen gefragt,

die beiden ihm so fremd erscheinenden Worte von den im Höfchen

herumsitzenden alten Barolongen so oft wiederholen bis er sich dieselben

eingeprägt hatte. Als ich von ihm schied, mußte ich ihm versprechen, ihn

so oft ich in das Land der Barolongen käme, zu besuchen, ich würde ihm

stets willkommen sein. Ich traf hier auch den Häuptling Schebor von

Konana, der zu Molema auf Besuch gekommen war, und dieser entschuldigte

sich, daß seine Leute, von denen wir drei Ochsen für einen Hinterlader

eintauschen wollten, sich verspätet hatten, wodurch der Handel nicht zu

Stande kam.

Den kommenden Nachmittag verbrachten wir mit Fischfang, der ein äußerst

ergiebiger war (wir fingen nicht weniger als 42 Welse). Als Köder

benützten wir die überall häufigen, 1½ Zoll langen Grasheuschrecken. Das

Wasser in den Grotten der Tufffelsen war so klar, daß man auch jedes

größere Sandkörnchen auf eine Tiefe von 2½-6 Fuß unterscheiden konnte.

Wir hatten kaum unsere Angeln ausgeworfen, als die dunkle Gestalt eines

schildköpfigen Welses (Glanis siluris) aus einer der Seitengrotten

herauskam, den Köder langsam umschwamm und dann ahnungslos verspeiste.

Die Thiere wogen alle ¾-1 Pfund; als ich im Jahre 1875 während meines

zweiten Besuches an derselben Stelle fischte, fand ich nur kleine,

braune, 6 Zoll lange Thiere; die Trockenheit des Jahres 1874 hatte die

meisten der Grotten trocken gelegt und die Fische getödtet, die neue

Brut war mit den Regenfluthen aus den Sümpfen des oberen Molapo

herabgekommen.

Herr Webb versah mich mit zwei Briefen, an Herrn Martin, einen in

Moschaneng wohnenden Händler, und an den König Montsua, den ihm der

Erstgenannte vorlesen sollte. Montsua's Titel lautete: »Morena Montsua

(Montsiwe, Montsiva) Khoschi ca Barolong.« Außerdem machte mich mein

neuer Freund auf zwei alte, unter den Barolongen noch vor ihrer Kenntniß

des Christenthums geläufige Sagen aufmerksam. Die eine berichtet von

einem Chef, der nach Belieben die Gewässer eines Flusses theilen und

durch die so entstandene trockene Stelle schreiten konnte, und die

zweite erzählt von einem Chef, der gleich Salomon zwischen zwei Frauen

zu entscheiden hatte, von welchen jede ihr Mutterrecht an einem und

demselben Kinde geltend machen wollte.

Am 5. brachen wir endlich auf, und zogen nordwärts am Fuße einer

bewaldeten Erhebung. Die nächste Umgebung unserer Route bot mir

reichlich Gelegenheit, meine Insectensammlung zu bereichern; unter

anderen fand ich eine schöne große, mir bisher unbekannte

Schildkäferart, deren Flügeldecken grünlichgolden und braun punktirt

waren und die ich häufig an einer der gemeinsten Nachtschattenarten

Süd-Afrika's antraf. Meine Aufmerksamkeit war auch auf die zahlreichen,

den Weg säumenden Kameeldornbäume gerichtet, die mit den Nestern des

Siedelsperlings (Philetaerus socius) dicht bedeckt waren.

In einer Bodenvertiefung nahe einem nach Nordosten dem Taung oder

Notuani-River zufließenden Bache beendeten wir unsern heutigen Marsch.

Die zu einem förmlichen Niederwald angewachsen Kameeldornbestände

durchziehend stießen wir am nächsten Morgen auf ein Makalaharidorf,

dessen Insassen Hirten und Jäger Montsua's waren. Sie schilderten uns

den weiten Weg bis nach Moschaneng in sehr düsteren Farben und meinten,

wir würden mit den schwachen Zugthieren kaum die Königsresidenz

erreichen. Der Weg war auch thatsächlich äußerst beschwerlich, der tiefe

Sand ermüdete die Thiere in hohem Grade, dazu war der Wald von zahllosen

kleinen, 1-2 Fuß tiefen Senken (in der Regenzeit Tümpel) durchsetzt; der

von dem Sandboden aufsteigende Staub trocknete Mund und Luftröhre in

bedenklicher Weise aus und schmerzte im Gesichte. An einer kleinen der

eben genannten ausgetrockneten, mit frischem Gras überwachsenen Senken

fand ich zu hunderten eine metallischblau glänzende Lytta mit einem

rostrothen Flecke (ich traf sie später nur noch einmal und unter

ähnlichen Verhältnissen auf meiner dritten Reise im Schescheker Walde,

etwa 15 Meilen nordwestlich von Schescheke an), auch schoß ich einen

über uns kreisenden Honigbussard (Pernis apivorus).

Dieser Zustand des Weges blieb sich auch am folgenden Tage gleich und an

zwei zum größten Theil trockene Salzpfannen angelangt, schien es kaum

möglich, die mit 14 Zoll tiefem Sand bedeckten Pfannen zu passiren.

Unter Anwendung aller erdenklichen Auskunftsmittel und mit vereinten

Kräften gelang es nach stundenlanger Arbeit, das jenseitige bewaldete

Ufer zu erreichen. Die nun folgende Rast war redlich verdient. In dem

Walde fanden wir zwei eßbare Beerenfrüchte, und zwar die schon vom

Hart-River bekannte rostrothe Beere des Blaubusches (die Samenkerne

derselben werden von den Koranna's als Schrot verwendet) und gelbliche,

unseren Johannisbeeren nicht unähnliche Beeren, die von den Boers wilde

Granaten, von den Koranna's geip genannt und gerne genossen werden.

Wir näherten uns am nächsten Tage einem unseren Weg kreuzenden

Höhenzuge, der uns von vorbeiziehenden Barolongen als Malau's Höhen

bezeichnet wurde und dessen höchste, bisher namenlose Kuppe ich Hußhöhe

nannte. Ich hatte an diesem Tage Gelegenheit, meine Sammlungen um eine

Zwergeule und den Balg eines Milans zu vermehren. Am Fuße der Höhen

stießen wir auf zahlreiche Viehposten der Baharutse und Barolongen von

Moschaneng, welche ihr Vieh an Regenlachen tränkten, während sie selbst

ihren Wasserbedarf den natürlichen Felsencisternen entnahmen. Die

Abhänge der Höhen waren zum größten Theile hochbegraste Triften, zur

Viehzucht wie geschaffen. In der Nacht begegneten wir zwei mit Elfenbein

beladenen von Schoschong, der Stadt der östlichen Bamanquato kommenden

und von den Elfenbeinhändlern Francis and Clark nach Grahamstown

abgesandten Wägen.

[Illustration: Nest des Siedelsperlings.]

Am 9. hatten wir den Sattel der Malauhöhen erreicht und lagerten

zwischen grünen, gruppenweise zusammenstehenden mit Zaunrüben,

Cucurbitacaeen und Lianen überspannten Büschen, auch schattige

Kameeldornbäume fehlten nicht, in denen sich namentlich die

langschwänzigen, schwarzweiß gescheckten Würger bemerklich machten.

Große Turteltauben waren nicht selten und zum ersten Male vernahm ich

hier einen Pfiff, der einem Psittacus anzugehören schien. Dem Rufe

folgend hatte ich auch die Freude, ein Pärchen kleiner, graulicher, am

Kopfe und den Flügelwurzeln gelb gefleckter und an der Brust schön grün

gefärbter Papageien zu entdecken. Diese Species (Psittacus Rupelii) ist

bis über den Zambesi verbreitet, lebt meist paarweise und nistet in

Baumlöchern.

Auf unserer Weiterfahrt fand ich neben dem Wege einen getödteten

Schlangenadler, den wohl ein einfältiger Barolonge aus Muthwillen erlegt

und dann abseits vom Wege in den Busch geworfen haben mochte. Wir hatten

mehrere Thäler zu überschreiten und steile, äußerst steinige Höhen zu

erklimmen. Auf einem der Hügel hatte Niger eine Schlange entdeckt und

sie in einen Dornbaum gejagt; und da ich den Schlangen Süd-Afrika's,

nachdem man mir überall von den vielen Opfern, die jährlich den giftigen

Schlangen dieses Kontinentes anheimfallen, berichtet, ewige Feindschaft

geschworen hatte (alle, die nicht in Spiritus untergebracht werden

konnten, wurden abgehäutet oder wenigstens enthauptet und der Kopf

aufbewahrt), war ich auch bald mit dem Gewehre zur Stelle, um dem Hunde

beizustehen. Das von ihm verfolgte Reptil war mehr denn daumenstark,

grün und über vier Fuß lang und hatte sich in ein Bäumchen (Acacia

giraffe) geflüchtet, in dessen dichtem Geäste es sich blitzschnell auf-

und nieder bewegte. Ein Dunstschuß betäubte die Schlange, ohne sie zu

tödten, ich ergriff nun das Schwanzende des Thieres, um es aus dem

Dornengeäste herauszuziehen. Ich zerrte etwas heftiger--da gibt der

neben mir stehende Pit einen Schrei von sich, ich kehre mich nach ihm,

als durch ein schmerzliches Gefühl an meinem rechten Daumen meine

Aufmerksamkeit rasch zu dem Object zurückgeführt wurde. Die Schlange

hing mit ihren Kinnladen an meinem Finger. Mir wurde recht warm um's

Herz, ich riß an dem Schwanzende, daß ich beinahe die Schlange entzwei

gerissen hätte, wodurch das Thier vollends getödtet zur Erde fiel.

Sofort rief ich nach Salmiak, beugte mich jedoch gleichzeitig zu dem

Reptil nieder, um die Art zu bestimmen. Ist das nicht ein Bucephalus

viridis (cupensis)? Eine gift- und harmlose Schlange? Das Köpfchen

ergreifend öffne ich die Kinnladen, kein Giftzahn zu sehen, noch zu

fühlen. Auf F. hatte dieser Zwischenfall einen tiefen Eindruck gemacht

und ihn zum erbitterten Feinde aller Reptilien umgewandelt; während wir

unsere Fahrt fortsetzten, ließ er kein Akazienstämmchen unbehelligt,

seine Rache spähte eifrig nach einem Opfer, doch stundenlang mußte er

nur über sich selbst die Rache der Dornen ergehen lassen.

»Hurrah, Halloh, Hurrah,« und ebenso viele Luftsprünge von Seite F.'s

unterbrachen unseren Gedankenlauf; wir hielten den Wagen an, Weiß und

Schwarz eilte auf den vor Freude übersprudelnden Jüngling zu. Da stand

er, selbstbewußt, und wies siegesgewiß nach der Spitze des nächsten

Busches. Doch nur einen Augenblick währte sein vermeintlicher Triumph,

in das krampfhafte Gelächter, welches B. und E. mit den Schwarzen im

Chorus anstimmten, mußte auch ich einfallen, als ich ein harmloses

Chamäleon erblickt hatte. Der arme F. hatte aber auch entschiedenes

Unglück mit seinen Anläufen zu Heldenthaten.

Der Wassermangel wurde am nächsten Tage schon äußerst fühlbar und obwohl

wir von vorbeiziehenden Barolongen einige Töpfe mit Milch erstanden, war

unseren lechzenden Zugthieren nicht gedient. In einem breiten Thale nach

Norden bei Osten vordringend, hatten wir endlich die bewaldeten Abhänge

der Ausläufer der Malauhöhen erreicht, eine frische Brise fächelte uns

Armen Kühlung zu und zu unserer größten Freude versprach ein

aufsteigendes Gewitter das heißersehnte Naß zu spenden.

Unsere Hoffnung ward nicht getäuscht, ein mäßiger Regenschauer füllte

unsere Wassergefäße und gestattete die Thiere zur Noth zu tränken. Nun

hieß es frisch weiterziehen, da ich die Absicht hatte, noch am selben

Tage Moschaneng zu erreichen. Ein dumpfer Schall, der sich uns deutlich

zu nähern schien, verzögerte unsere Abfahrt. Ueber die Ursache desselben

wurden wir bald aufgeklärt.

[Illustration: Auffangen von Regenwasser.]

Es erschien ein berittener Barolonge und ihm folgte eine Heerde von

gegen 50 Pferden, welche von zwei anderen Barolongen angetrieben und

deren seitliches Ausweichen von je einem an jeder Seite in dem Gehölze

galoppirenden Eingebornen verhindert wurde. Unsere Ueberraschung, hier

eine solche Pferdetruppe zu sehen, war nicht gering. Einer der

Nachtreiber sprang auf einen Augenblick aus dem Sattel und berichtete

uns, daß dies Montsua's, des Barolongenkönigs, Pferde seien, die er

jährlich zu seinem Vetter Maroka nach dem Freistaat schicke, um sie

daselbst während der Dauer der in den Betschuanaländern grassirenden

Pferdekrankheit weiden zu lassen. »Hat denn Dein König so viel Pferde,

wie die Zahl derer beweist, die an uns vorbeigejagt hatte?«--O, Master.

Morena (der König) hat mehr denn diese, in der Stadt behält er sich nur

die gesouten (gesalzenen) Pferde, welche eben die werthvollsten sind.«

[Illustration: Wald am Fuße der Malau-Höhen.]

Nach einer kurzen Fahrt hielt ich eine Stunde Weges vor Moschaneng. Der

Regen hatte hier alle Vertiefungen mit Wasser gefüllt, und die Stelle

war ein anziehendes, gegen den Wind geschütztes, leicht bewaldetes, für

einen zweitägigen Aufenthalt wie geschaffenes Thal, so daß ich hier von

den Anstrengungen der Molapo-Reise auszuruhen und dann erst nach

Moschaneng zu gehen gedachte, wo ich außerdem recht beschäftigt zu sein

und für meine Zugthiere, der vielen in der Stadt gehaltenen Heerden

halber, keine gute Weide zu finden glaubte.

In dem Gehölze gab es schöne (von den Boers so genannte)

Buchenholzbäume, sowie die unter dem (fälschlichen) Namen wilde Syringa

bekannten, wilden Oliven- und Kareebäume, Mohatla- und Morethwabüsche,

Bäume und Sträucher mit ahornartigen, geflügelten Samen, mehrere Arten

von Mimosen (Acacia detinens, Acasia giraffe, Acacia horrida), an den

Höhen die von Süden her bekannten (doch wie es mir schien in neuen

Formen vertretenen) Aloën. Hier schoß ich auch einen großen, grauen Lori

(Go-away von den Engländern, grote Mausevogel von den Holländern

genannt), ferner eine braune Gabelweihe und zwei gelbgeschnäbelte

Tukane. Der erstere Vogel nistet auf den höchsten Spitzen der Bäume, von

wo er mit nach rechts und links bewegendem Köpfchen Alles ihm fremd

erscheinende beäugelt, und dabei so oft er sein häßliches Geschrei

go-a-wäh ausstößt, seinen Schopf hoch ausrichtet. Am 11. December machte

ich mehrere Ausflüge in die Umgegend, die meinen Sammlungen sehr zu

Statten kamen. Unter der Ausbeute befanden sich Papageien, sechs jener

Lori's, Witwen, Tukane und zwei Kukuksarten, eine kleine, grün und grau

melirte, rothbeschopfte Spechtart und Würger.

Unsere Ankunft führte, da ich F. nach der Stadt entsendet hatte, um den

dort ansässigen holländischen Schmied zu entbieten, bald mehrere

Besucher herbei, deren erste scheu hervorgebrachte Frage dem Feuerwasser

galt. Ihre Verlegenheit bewies mir, daß Montsua's Ruf als Gegner des

Branntweins begründet war.

Nachmittags erhielten wir einen andern Besuch aus Moschaneng, und zwar

den ehrendsten im Lande der Banquaketsen, deren Gebiet wir (ungefähr

unter 25° 10' südlicher Breite) etwa halben Weges zwischen Molema's Town

und dem jetzigen, 70 englische Meilen davon entfernten Aufenthalte

überschritten hatten. Ein gedeckter, zweirädriger mit vier Pferden

bespannter Karren kam angefahren, bog im Gehölze um und dann gerade auf

uns zu. Während Stephan die Pferde hielt, stiegen die Insassen, vier

Eingeborne, aus. Zuerst ein junger Mann von etwa 25-28 Jahren, der sich

uns als Mobili, den Sohn eines Basutohäuptlings vorstellte und der F.

von Kimberley aus kannte, wo er ob seiner englischen Erziehung und

seiner Fertigkeit in der englischen Sprache durch einige Zeit als

Dolmetsch bei dem Gerichtsamt angestellt und ein Lebemann

südafrikanischen Anstrichs war. Er war auf einer Rundreise unter den

Betschuanahäuptlingen begriffen und eben vor wenigen Tagen vom Könige

der Bakwena's angekommen. Mobili stellte uns nun, nachdem er mit F.

Händedrücke ausgetauscht, die übrigen drei Personen mit den Worten vor.

»These are two of the most distinguished Bechuana Kings (zwei der

hervorragendsten Betschuanakönige), Montsua, jener der Barolongen, of a

wealthy and mighty tribe (über einen wohlhabenden und mächtigen Stamm),

hier Chatsitsive, König der Banquaketsen und dort der Hauptrathgeber

oder der Vice-Kanzler des Banquaketse-Reiches.«

Montsua, ein Mann von über 50 Jahren, wohlbeleibt mit einem stets

lächelnden, gutmüthigen Gesicht, flößte mir sofort Zutrauen ein.

Chatsitsive, ein großer, hagerer Mann, zeigte deutlich, wie auch sein

Reichskanzler, daß sie ihr faltenreiches Antlitz den Umständen

anzupassen verstanden. Alle waren europäisch gekleidet, Chatsitsive mit

einem langen Ueberrock und Cylinder und sein Factotum mit einem

Mentschikoff. Nachdem wir während des Gesprächs, das Mobili und Pit als

Dolmetscher leiteten, scharf gemustert worden waren, meinte Montsua, daß

er mich im Weichbilde seiner Stadt willkommen heiße, er wäre wohl nicht

eigentlich auf seinem Gebiete, er lebe hier auf dem Boden seines

Freundes Chatsitsive und habe vor langer Zeit schon den Molapo

verlassen, weil er von den Boers bedrängt worden war; er sei nun aber

ihres Treibens satt und wolle Moschaneng verlassen, um sich am Molapo

oder in Poolfontein oder am Lothlakaneflüßchen eine Stadt zu bauen, dann

müsse ich kommen und ihn besuchen.

[Illustration: Königliche Besucher.]

Hierauf wurde ich über Ziel und Zweck meiner Reise befragt. Als Antwort

zeigte ich einige der Vogelbälge, welche mit Staunen betrachtet wurden.

Mobili verdolmetschte dem König die Bearbeitung des Balges, was dieser

jedoch nicht begreifen konnte und darüber unaufhörlich den Kopf

schüttelte. Als ich den König zur Vorsicht mahnte, da Gift in der Haut

des Balges enthalten sei (Mobile übersetzte es mit _molemo maschwe_,

schlechte, böse Medicin) stieß der alte König einen leisen Schrei aus

und ließ den Balg fallen; die Betschuana's fürchten nichts mehr als

künstlich zubereitetes Gift, jedes Medicament, das nicht hilft und eine

Verschlechterung des Kranken herbeiführt oder den Tod nicht verhüten

kann, wird als Gift betrachtet »O,« seufzte Montsua, und er wie seine

beiden Genossen besahen sich die Hände und fingen an, die Aermel ihrer

Röcke aufzuschlagen, um sich die Finger im Sande abzureiben. Ich ließ

Wasser und Seife bringen und holte eines meiner Handtücher, das Montsua

noch immer mit einem besorgten Gesichte annahm und sich nicht eher

beruhigte, als bis ich ihm durch Mobili die Wirkungslosigkeit des Giftes

auf der menschlichen Haut erklären ließ.

Größeres Erstaunen aber als der Vogelbalg, und laute Ausrufe selbst auch

von Seite des sich den Anschein eines Gelehrten gebenden Mobili folgten,

als ich zwei meiner mit Reptilien, Schlangen, Eidechsen, Fröschen und

Spinnen gefüllten Flaschen vorwies. Alle vier Besucher waren dabei

zurückgewichen und Montsua, seinen Kiristock gegen die Flasche

vorhaltend, wollte nicht näher herantreten. Bald mich, bald die Flasche

anstaunend beruhigte er sich erst, nachdem er sich überzeugt hatte, daß

die Schlangen in dem _Butshuala a Makao_ (im Biere des Weißen)

»schliefen« und nicht heraus konnten.

Inzwischen war ein Mokka fertig geworden und die Blechbecher wurden

herumgereicht. Unterdessen besah sich Montsua den Wagen, frug die Jungen

(Diener), woher sie kämen und mich endlich, was sein Bruder Molema thue,

ob er wohl sei; ich antwortete ihm, daß er an seinem alten Uebel leide

und daß ich ihm ein Molemo gab, was ihm wohl helfen dürfe. Montsua nahm

diese Nachricht mit beifälligem Schmunzeln auf.

Sowie sich auch Chatsitsive gesetzt, frug Mobili, ob ich den »hohen

Herren« keine andere Erfrischung zu bieten hätte. Ich verneinte, ich

wüßte nicht, _was_ ich ihnen antragen könnte. Mobili stand auf, kam zu

mir herüber und meinte, ich solle Pit und Stephan um Wasser schicken, er

wollte mir etwas sagen, die Diener dürften jedoch nicht dabei sein. Ich

that es und nun entpuppte sich das Geheimniß. Ich sollte jedem einen

Schluck Brandy anbieten. Ich that es und Montsua meinte, daß er seinen

Unterthanen Brandy anzubieten nicht gestatte, daß er ihn selbst nur ein

oder zwei Mal im Jahre und dann nur zu einem halben Glas Wein trinke.

Ich schenkte ein, Montsua trank etwa einen halben Löffel voll, griff

aber darauf sofort nach Wasser. Chatsitsive brachte zwei Löffel voll

hinunter, verzog aber dabei sein langes Gesicht derart, daß selbst

Montsua (mit uns) in ein krampfhaftes Lachen ausbrach. Chatsitsive ließ

etwa einen Löffel in dem Blechbecher übrig, reichte ihn dem

Vize-Kanzler, und dieser leerte ihn rasch, worauf er den Rest mit dem

Finger zu erhaschen sich bemühte. Mobili spülte den halben Becher hinab,

ohne eine Miene zu verziehen.

Nachdem die hohen Herren uns allen die Hände geschüttelt hatten, und

sogar die Diener mit einem Kopfnicken bedachten, stiegen die Besitzer

von einigen hundert deutschen Quadratmeilen Landes in ihren Karren,

Mobili nahm die Zügel zur Hand, um sich zur Abfahrt fertig zu machen; da

legte sich Montsua's Linke an seine Schulter, während er mir mit der

Rechten noch einmal an den Karren heranzukommen winkte. Mit zwei Sätzen

war ich an seiner Seite und der Dolmetscher frug mich in des Königs

Namen, wo ich den für ihn bestimmten »Rumela« (Empfehlungsbrief) des

Missionärs Webb habe. Ich holte beide Schreiben und bat nun den König,

den zweiten an seine Adresse zukommen zu lassen, konnte jedoch nicht

umhin, meiner Verwunderung Ausdruck zu geben, daß man am Hofe zu

Moschaneng schon von der Sache vernommen hatte. Montsua lachte. »Ja,«

meinte er, »ich weiß es seit drei Tagen, denn an Euch gingen eines

Tages, während Ihr schliefet, zwei Barolongen von Molema's Town vorüber,

welche mir die Nachricht von Deinem Besuche der Stadt, Deinem Thun

daselbst und von dem Zwecke Deiner Reise, von den beiden Briefen und der

guten Wirkung Deines Molemo an Bruder Molema zu berichten hatten.«

Am folgenden Morgen besuchte mich Herr Martin, einer der besten Männer

unter den Weißen, die ich unter den central-südafrikanischen Eingebornen

gefunden, zugleich mit Gentuña, dem Häuptling der Baharutsestadt, welche

den nördlichen, durch einen Bach getrennten Theil von Moschaneng bildet.

Wir hatten eine längere Unterredung, die mir sehr willkommen war.[1] Ich

benutzte jeden freien Augenblick zum Sammeln und war mit dem Aufenthalte

in dem traulichen Gehölze sehr zufrieden.

1: Kanja (Kanje) die Hauptstadt der Banquatetsen (oder

Ba-N'Quatetsen) und Chatsitsive's Residenz liegt neun englische

Meilen, Süd bei Ost, von Moschaneng; eine Tagreise weit

ostnordöstlich (zwischen 17 und 20 Meilen liegen die Ruinen der

früheren Residenz des Balwenakönigs Seschele, doch in ihrer Nähe,

nur durch ein Flüßchen entfernt, gegenwärtig zwei Eingebornenstädte,

die diesseitige, welche an Chatsitsive's Gebiet liegt von den Manupi

und eine zweite an Seschele's Gebiet grenzend, die von den Makhosi

bewohnt wird (seitdem sind die Makhosi ausgewandert). Herr Martin

sprach sich sehr lobend über Gentuña aus. Herr Martin hatte mit

einem anderen Händler auch einen Jagdzug nach dem westlichen

Matabeleland unternommen, dabei jedoch durch Krankheit, die Tsetse

und andere Unannehmlichkeiten viele Zugthiere und im Allgemeinen

sehr viel eingebüßt. Er war an die Tochter des vor Kurzem

verstorbenen Districtbeamten des Maricodistrict verheiratet und

seine Frau wohnte theils bei ihren Verwandten in Zeerust, theils

lebte sie mit ihm in einem kleinen Häuschen in Moschaneng, das er

mir gastlich zur Verfügung stellte.

Am 14. Nachmittags setzte ich meine Reise nach Moschaneng fort. Die

Fahrt dahin ging durch angebaute Felder und in einem offenen sich nach

Osten ausbreitenden, nach Westen durch Felsenhöhen und zu unserer Linken

nach Süden durch bebuschte Höhen begrenzten Thale; die letzteren

bildeten als die nördliche Kette von Malau's Rand die Höhen von

Moschaneng. Malau's Rand ist wiederum als der südcentrale Theil der

Banquaketsehöhen zu betrachten, welche durch die Lekhutsa und

Makarupuhöhen in östlicher Richtung mit dem westlichen Gebirgsknoten des

zentralen Süd-Afrika zusammenhängen.[1]

1: Ich unterscheide drei Gebigsknoten im centralen Süd-Afrika; einen

östlichen, die Magalisberge; einen westlichen, das Marico-Höhennetz;

und einen nördlichen, den im Matabeleland.

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879). · 第 23 / 37 题