Am 19. März verließen wir unser Nachtlager. Nach etwa zweistündiger

Fahrt hörten wir ein deutliches Brausen, wie von einem Bergstrome

herrührend, welches vor uns aus einer durch einen langen von Norden nach

Süden sich hinziehenden, durch einen Baumstreifen gekennzeichneten

Vertiefung zu kommen schien. Wir fanden dies auch bestätigt und in jener

engen 20-35 Fuß messenden Tiefe drängte sich der durch die in der

gleichnamigen Hügelkette gefallene Regenmenge angeschwollene

Maqwasi-River. Sein Bett ist meist steinig und steil, so auch seine

Ufer, und zeigt oft, wie unterhalb der von uns benützten Furth,

anmuthige Scenerie, wenn auch im beschränkten Maßstabe, wie es ein enges

Flußbett und ein ebenso enges Thal nur bieten kann; der Fluß ist durch

mehrere der Wintermonate bis auf einige der tieferen, felsigen Löcher

trocken und ziemlich fischreich. Seine Ufer, und dies gilt namentlich

von den felsigen, zerklüfteten Partien, sind von Fischottern,

Wildkatzen, einer Wieselart, der Genetta und anderen kleinen

Raubthieren, den Rohrrüßlern und auch von Wasserleguanen bewohnt. An der

Furth, welche durch die steile Ab- und Auffahrt schwer zu passiren war,

fanden wir das Wasser etwa drei Fuß hoch; am rechten Ufer trafen wir

einige Transportwägen, welche Waaren im Gewichte von 6-7000 Pfund

aufgeladen hatten, deren Fuhrleute den angeschwollenen Fluß nicht zu

durchfahren wagten und das Fallen des Wassers in einer in der Nähe

liegenden Cantine abwarteten. Ich entschloß mich jedoch, den Versuch zu

wagen, der auch bis auf einen kleinen Unfall, der uns einen Theil

unseres Kochgeschirres kostete, gelang.

[Illustration: Rückkehr von der Gnu-Jagd.]

Noch bevor die Sonne im Zenith stand, hatten wir die hier vom Norden

nach Süden vorbringenden Maqwasihöhen an ihrem südlichsten Abhange

erreicht, welche nicht nur dem Botaniker, sondern auch dem Mineralogen

eine höchst lohnende Ausbeute, letzterem prachtvolle Quarzit-Porphyre

bieten. Hasen und Trappen fanden sich auf der Ebene nach dem Süden,

während der nahe Teich des Farmers, der sich am Fuße der Höhen

angesiedelt hatte, von schwarzen Blaßhühnern, von Tauchern, Wildenten,

Ibissen und Fischreihern wimmelte.

Am Nachmittage machte uns der Sohn des Farmers einen Besuch und ich

staunte über die Fertigkeit, mit welcher dieser Mann meinen Revolver zu

handhaben wußte. Schuß auf Schuß traf das Ziel. Gegen Abend verließen

wir die Farm und zogen über eine weite Ebene, welche von zwei Fuß hohem,

üppigem Graswuchs bedeckt, zahlreiches Wild beherbergte. Etwa sechs

englische Meilen von unserem mittägigen Lagerplatze entfernt, am Abhange

der Höhen, mußten wir anhalten, strömender Regen hinderte uns an der

Weiterfahrt. Wir befanden uns in einem kleinen isolirten

Mimosenwäldchen, das eine Farm umgab. Der außerordentliche Reichthum der

Ebene an mancherlei Wild gab uns Veranlassung, hier einen ganzen Tag zu

verweilen.

Bei Tagesanbruch wurde ich durch einige in der Nähe gefallene Schüsse

aus meinem kurzen Schlummer gerissen. Die Schüsse schienen auf der Ebene

nach Süden abgefeuert worden zu sein. Später, als wir beim Frühstücke um

unsere Eisentöpfe saßen, wurde uns die Erklärung dazu geboten. Zwei

Holländer kamen auf unscheinbaren, allein sehr ausdauernden Ponies

herbeigeritten, und nachdem sie uns gefragt, ob der »Bas« (Hausherr)

daheim sei, eine Frage, auf die wir keine Antwort hatten, ritten sie auf

das mit Stroh gedeckte Häuschen zu, um sich hier vom Nachbarn, »Ohm«

(gewöhnlicher Titel eines holländischen Farmers), einen Wagen zu

entlehnen, mit dem sie die zwölf diesen Morgen auf seiner Farm erlegten

Antilopen (Spring- und Bläßböcke) nach ihren, einige Meilen abliegenden

Farmen schaffen konnten.

Jene holländischen Bauern, welche nahe an Städten wohnen, bringen die

erlegten Thiere, meist nachdem sie dieselben ausgeweidet, und ihnen die

Köpfe abgeschnitten, die sie draußen im Felde den Schakalen und Geiern

überlassen, aufgeschnitten zu Markte. Jene, die entfernter wohnen,

zerstückeln ihre Beute, nachdem sie selbe abgehäutet und die Häute zum

Trocknen auf der Erde ausgespannt haben. Von Springböcken werden die

Felle von den Farmern blos getrocknet, viereckig zugeschnitten und 8-12

solcher Häute zu Fußdecken zusammengenäht, eine Arbeit, in welcher sie

von den Eingebornen weitaus übertroffen werden.

Die Felle des Bläßbockes und des in den Wäldern oder auf den bebuschten

Höhen wohnenden Kudu werden in ähnlicher Weise ausgearbeitet und zu dem

hinteren stärkeren Vorschlag (dem Achterschlag) der aus Giraffenhaut

verfertigten Peitsche benützt. Auch gerben sie in sehr primitiver Weise

die Bläßbock-, Gnu- und Quaggafelle, und verkaufen das so gewonnene

Leder den in Städten ansäßigen oder herumziehenden Kaufleuten. Zum

Gerben benützt man die Rinde mehrerer auf Höhen wachsenden Bäume, so

z.B. des Waggonhout-Baumes und anderer, und wo diese mangeln, einiger

der gewöhnlichen, doch größeren, meist an Flußufern wachsenden

Mimosenarten. Solche, die das Gerben als Nebengewerbe betreiben, kaufen

gewöhnlich die ungegerbten Felle den Jägern ab, bezahlen in der Regel

3-4 Shillinge für ein Bläßbockfell und verkaufen es gegerbt um 10

Shilling.

Aermere Farmer, die bei Freunden oder Verwandten wohnen, bereiten aus

den halbgegerbten Gnufellen die Sohlen, aus Bläßbock-, Kudu-,

Hartebeest-Fellen etc. das Oberleder zu einer unscheinbaren, allein auf

Reisen in Süd-Afrika sehr bequemen Fußbekleidung, den sogenannten

Feldshoen, welche an Ort und Stelle mit 6-8, bei den städtischen

Kaufleuten mit 10-14 Shillingen verkauft werden.

Das Fleisch des Wildes wird in lange Stückchen geschnitten, etwas

eingesalzen oder bei mäßiger Tageshitze auf Riemen aufgehangen

getrocknet und als Beltong steinhart auf den Tisch gebracht. Zubereitet,

d. h. abgerieben und dann in Butter gesotten, gibt es einen delicaten

Imbiß. Ein Pfund von diesem getrockneten Fleische wird mit 6 Pence bis 1

Shilling bezahlt und von manchem Farmer in größeren Mengen auf den Markt

gebracht.

Der große Wildreichthum der Umgebung des Gehölzes verhalf auch unserer

Küche zu manchem Leckerbissen und meiner Sammlung zu schönen Bälgen.

Unter Anderem gewann ich einen prächtigen Uhu, einen Hühnergeier, zwei

Falken, eine Zwergeule, einen Wiedehopf, kleinere Spechte u.s.w.

Mein Enthusiasmus wurde indeß plötzlich abgekühlt, als der Farmer mich

plötzlich mit seiner unmelodischen und schnarrenden Stimme zur Rede

stellte. Es war ein vollbärtiger Boer, der grimmigen Blickes mich und

meinen Gefährten F. frug, wo wir »del manier« gelernt hätten, »Finks,

Falke, Eule und mar all det Vogels dot to skeuten« ohne daß man erst

»will Mynheer permittiere« angesucht hätte. Die Entrüstung des Farmers

hatte sich jedoch bald gelegt, als er erfuhr, daß ich ein Doctor sei,

denn ein solcher ist dem holländischen Farmer stets ein willkommener

Gast; ja er wurde später sogar noch so liebenswürdig, uns für einen

Shilling eine reichliche Quantität frischer Milch zu überlassen.

Am folgenden Tage verließ ich das Gehölz und zog weiter nach Osten. Die

Strecke von diesem Gehölze bis zum Estherspruit ist durch

außerordentlichen Wildreichthum ausgezeichnet. Ich zählte zu beiden

Seiten des Weges nicht weniger als zwanzig Antilopenheerden (Springböcke

und Bläßböcke). Zahlreiche Aasgeier hatten sich in geringer Entfernung

unseres Weges über einen angeschossenen Bläßbock zum Fraße

niedergelassen; daß es an solchen Gelegenheiten auf dieser weitläufigen

Ebene nicht fehle, bewies uns ihre große Zahl.

Wir kamen nach einiger Zeit zu einem nach Süden sich hinziehenden

grabenartigen Spruit, an welchem aus dem Dickicht eines kleinen

Mimosengehölzes in der Ferne ein weißgetünchtes Farmhaus uns

entgegenschimmerte. Hier wohnte ein Holländer, Namens Rensburg, ein

freundlicher, ältlicher Mann, den wir später kennen lernten.

Am Ufer der Spruit machten wir Halt. Während wir uns beim Mittagsmahle

gütlich thaten, näherte sich uns ein eigenthümliches Gespann, das unsere

Aufmerksamkeit für einige Zeit gänzlich in Anspruch nahm. Zwei

bewaffnete Betschuana's escortirten ein Doppelgespann von Ochsen, welche

eine aus Mimosenholz verfertigte schlittenartige, mit Aesten überdeckte

Gabel schleppten, auf welcher ein frisch erlegter Gnu-Stier lag. Es war

ein schwarzes Gnu, welches von den Eingebornen, die es erlegt hatten,

ihrem Brodherrn überbracht wurde. Rensburg hielt sich mehrere

Eingeborne, die mit ihren Familien in der Nähe seines Wohngebäudes in

Hütten wohnten. Die Frauen halfen in der Haushaltung des Farmers, die

dunklen Männer aber jagten für ihn. Diesen Stier hatte einer der Männer

im Morgengrauen, nachdem er die ganze Nacht hindurch hinter einem kaum 2

Fuß hohen Termitenbau gelauert, aus unmittelbarer Nähe erlegt. Da das

Fell des Thieres nicht bedeutend verletzt war, gab ich ihnen den

Auftrag, ihren »Bas« von mir grüßen zu lassen und ihn zu bitten, mir das

Gnufell zu überlassen, um es für meine Sammlungen präpariren zu können.

Sie versprachen es und zogen ab. Nach einiger Zeit kehrten die Männer

mit der Botschaft zurück, der Farmer überlasse mir das Fell um den Preis

von 5 Shillingen, ein Vorschlag, auf den ich bereitwillig einging.

Der Besuch eines Boers, der, in entgegensetzter Richtung reisend, in der

Nähe unseres Wagens Siesta hielt, verzögerte unsere Abreise und es war

bereits ziemlich dunkel, als wir Estherspruit verließen.

Die Dunkelheit machte allen Jagdversuchen ein Ende, ich wurde indessen

durch den Fund eines Exemplares der Ringhalsschlange von seltener

Schönheit reichlich entschädigt. So oft mich später Farmersleute

besuchten, zeigten sie einen unverkennbaren Schrecken beim Anblicke

dieses schwarzen giftigen Reptils.

Die Straße, deren guter Zustand mich vor dem Estherspruit überrascht

hatte, nahm bald ein Ende, wir waren plötzlich auf eine morastige Ebene

gerathen. Alle Mühe und Anstrengung, unseren Wagenkoloß aus dem

sumpfigen Boden herauszubringen, waren vergeblich, und so mußte ich

denn, wenn auch mit Widerwillen, an dieser gesundheitsschädlichen Stelle

den Morgen abwarten.

Nach Mitternacht wurde es heller, so hell, daß wir die ungemein dreist

gewordenen Schakale in unserer unmittelbaren Nähe sehen konnten. So

gerne ich die freche Zudringlichkeit dieser argen Kläffer gezüchtigt und

mich in den Besitz einiger schöner Schabrackenfelle gesetzt hätte, stand

ich davon ab, da mir der Farmer am Estherspruit hievon abgerathen hatte,

und durch die Schüsse das Wild verscheucht worden wäre.

Am folgenden Morgen ging es weiter; schon nach 200 Schritten kamen wir

zum Klipspruit, einem kleinen, damals fließenden, doch bald nach der

Regenzeit bis auf einige Tümpel austrocknenden Flüßchen, welches nach

heftigen Regengüssen zu einem 50-100 Schritte sich ausbreitenden Strom

anschwillt. Wir überschritten es und schlugen auf einige Tage am

gegenüberliegenden Ufer unser Lager auf.

Es war ein herrlicher, des Waidmann's Herz entzückender Anblick, als der

anbrechende Tag uns einen Ausblick in die Ferne nach allen Richtungen

hin vergönnte. Wohin wir auch das Auge wenden mochten, überall erfreute

uns der Anblick kleinerer und größerer Gazellen- und Gnuheerden, die

nächsten etwa 400 Schritte vor uns, und manche wieder nur als dunkle

Punkte am Horizonte, der nach Westen, Süden und Osten unbegrenzten Ebene

erkennbar. Während die Springböcke gruppenweise grasten, hielten sich

die Bläßböcke in langen Ketten hinter- oder neben einander grasend. Von

mehreren Seiten klang der langgezogene Ton des Trappengeschreies zu uns

herüber; jedes Plätzchen um uns athmete Leben. Als ich an jenem Morgen

des 23. März 1873 die mir unvergeßliche Rundschau von meinem Wagen aus

hielt, da kam es mir in den Sinn, mir einen größeren Landbesitz in

diesen Gegenden zu wünschen, der umzäunt, dem von allen Seiten

verfolgten Wilde als Hort dienen könnte; doch leider, dieser Wunsch wird

sich wohl nie erfüllen! Nicht das Klima, der beschränkte Raum in den

zoologischen Gärten ist einer der Hauptgründe, daß so viele Thiere der

Gefangenschaft erliegen. Jene wandernden Menagerien werden mit der Zeit

aufhören müssen, je mehr stabile entstehen, die sich rasch mehren, denn

der notorischen Thierquälerei der ersteren, dem sogenannten

Gefängnißsystem, muß einmal die sich mehr und mehr entwickelnde

Veredelung des menschlichen Geistes ein Veto gebieten.

Am Klipspruit wollte ich einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen, nicht um

eine Razzia unter dem Wilde zu halten, sondern, wenn möglich, zu

beobachten und von den hervorragenden Wildspecies je ein Fell für meine

Sammlung zu gewinnen. Leider war der Zufall selbst diesem bescheidenen

Wunsche nicht hold und heute bin ich zufrieden, daß es so geschah. Wir

blieben bis zum 27. März. Den ersten Tag beschäftigten wir uns mit dem

Präpariren des erkauften Gnufelles--eine mühevolle Arbeit. Am zweiten

verfolgten wir den Lauf des Spruit, der sich grubenartig durch die Ebene

wand und nur stellenweise in Tümpeln Wasser aufwies, um ein geeignetes

Versteck in seinem Bette zu finden und das Wild aufscheuchen zu können.

Mehrere Wägen, die Transvaal-Farmern angehörten, welche mit Getreide

theils nach den Diamantenfeldern zogen, theils von daselbst kamen, und

die uns begegneten, hatten bis drei Stück Wild unter und an dem Wagen

befestigt. Das Wild ließ denselben oft bis auf 300 Schritte Nähe

vorüberfahren, was dann von den vortrefflichen holländischen Schützen

benützt wurde, um auf der anderen Seite vom Wagen zu springen, sich in's

nahe Gras zu werfen und auf die arglosen Thiere anzuschlagen. Von je

drei Schützen traf in der Regel einer tödtlich und so bot man uns

Springbockgazellen mit Fleisch und Haar für 1 Shilling bis 1 Shilling 6

Pence, Bläßböcke für 2-3 Shillinge und Gnus für 7-8 Shillinge an. Ich

erstand zwei der ersteren Thiere.

[Illustration: Von schwarzen Gnu's überrascht.]

Doch weder mir noch meinen weißen Gefährten war Waidmannsglück jetzt

hold; schon waren drei Tage resultatlos verflossen, den letzten Tag (27.

März) beschloß ich noch einmal, mein Glück zu versuchen, und unternahm

einen Ausflug, am Spruit abwärts.

Auf meinen an den früheren Tagen nach dieser Richtung hin unternommenen

Ausflügen war mir eine Stelle in dem etwas verbreiterten Flußbette

aufgefallen, die von dem Wilde als Tränkstelle benutzt zu sein schien.

Neben ihr führte quer durch das sonst trockene Bett ein zu beiden Seiten

von einem Tümpel (der Tränkstelle) umsäumter Pfad, den das Wild und

namentlich nach den Spuren zu urtheilen, Gnu's zum Ueberschreiten des

Bettes zu wählen schienen. Ich hielt es für das Beste, an diesem Pfade

im Anstand zu liegen und das Herannahen des Wildes zu erwarten.

Ich verließ den Wagen nach Sonnenaufgang und legte kriechend die etwa

zwei englische Meilen entfernte Strecke zurück. Es mochte jedoch schon

11 Uhr gewesen sein, bevor ich es zu Stande gebracht, denn stellenweise

war das eigentliche Bett sehr seicht und ein sich in demselben vorwärts

bewegender Mensch konnte leicht vom Wilde von der Ebene aus beobachtet

werden. Der Pfad war eng, zu einer Seite Tümpel mit Schilf umsäumt. Der

Fluß war, wie ich schon erwähnt, ziemlich breiter, flacher und seichter,

als es sonst am Laufe des Klipspruit zu beobachten war. Ich mochte eine

Stunde an dem Pfade gelegen haben, die Sonne brannte heiß und machte mir

meine Lage recht unbequem, als von Nordosten her in weiter Entfernung

einige Schüsse fielen; theilweise durch einen Grasbusch gedeckt, lugte

ich nach Osten zu aus, sah jedoch nichts, außer mehreren ruhig grasenden

Heerden von Springböcken, Bläßböcken und Gnu's. Von den letzteren fiel

mir die eine dadurch auf, daß die Thiere, eines hinter dem andern

trottend, eine bestimmte Richtung, und zwar gerade nach mir zu,

eingeschlagen zu haben schienen. Ich wandte mich deshalb auch gegen

dieses Ufer und machte mein Gewehr schußbereit. Da jedoch die Gnu's noch

weit entfernt waren und sich langsam vorwärtsbewegten, kehrte ich meinen

Kopf nach der entgegengesetzten Seite, wohin ich zuvor ausgelugt, und

staunte nicht wenig, eine zahlreiche Bläßbockheerde im schnellen Laufe

aus derselben Richtung, aus welcher die Schüsse gefallen waren,

herannahen zu sehen. Die Thiere waren mir näher als die langsam

schreitenden Gnu's, und da sie dieselbe Richtung, d.h. nach dem Pfade

eingeschlagen zu haben schienen, wurde ich den letzteren untreu, kroch,

mich flach auf den Boden legend, bis zur Mitte des Bettes; bis zum

gegenüberliegenden flachen Rande zu gelangen war mir keine Zeit mehr

geblieben.

Nach einigen Sekunden erhebe ich ein wenig den Kopf, die Thiere mußten

nun schon in unmittelbarer Nähe sein. Doch welche Enttäuschung! Die

Bläßböcke mußten mich bemerkt haben, denn etwa 200 Schritte vor mir

hatten sie sich zur Flucht gewendet. Die letzten Thiere der Heerde waren

eine Gais und ein kleines Böcklein, das lebend zu erlangen, mein

lebhaftester Wunsch war; ich wollte es daher versuchen, die Gais zu

verwunden und mich dann des Böckleins zu bemächtigen. In den rechten

Lauf geschossen, bäumte die Gais auf, hinkte anfangs, allein bald war

sie wieder in vollem Lauf, unmittelbar von dem Böcklein gefolgt und

hatte die enteilende Heerde eingeholt.

Ich kroch nach meiner früheren Stelle zu, an den westlichen Rand, bückte

mich nieder, um rasch noch einmal laden und einen der schönen Böcke

erlegen zu können. Ich führte eben die Kugel ein, als ich über mir ein

Pusten und Fauchen vernahm. Aufblickend, erschrak ich wie selten zuvor.

Ohne mich zu bemerken, war die von mir beobachtete Gnuheerde im vollen

Laufe nach dem Durchgangspfade herangeraunt gekommen, die bemähnten

Köpfe tiefgesenkt, den weißen Schwanz hochgehoben, kamen sie wie ein

Sturmwind herangebraust. Noch einige Momente und ich lag unter ihren

Hufen. Da ich mich nach der näheren Bekanntschaft mit ihren Hörnern und

spitzen Hufen durchaus nicht sehnte, sprang ich rasch auf, um mit lautem

Geschrei und durch das Abfeuern des Gewehres, die Thiere zu erschrecken,

zum Stillstand, wo möglich zur Rückkehr zu zwingen.

Gesagt, gethan. Aufspringend und das Gewehr schwingend schrie ich laut

auf. Da stutzten die Thiere. Die struppigen Köpfe richteten sich auf

mich--ein Schuß und der vorderste Stier wandte sich, den Kopf

tiefgesenkt und laut aufbrüllend, zweimal im Kreise herum, dann nach

rechts, gefolgt von der Heerde, nach etwa 10 Schritten drehte er sich

wieder um, beschrieb einen Kreis, abermals von der ganzen Heerde

gefolgt, und dieses Manier von Zeit zu Zeit wiederholend, entfernte sich

die Heerde mit hochgehobenen Schwänzen und laut brummend.

Bevor jedoch die Thiere zum zweiten Male sich im Kreise gewendet hatten,

sandte ich ihnen eine wohlgezielte Kugel nach, mir ein halberwachsenes

Thier der Heerde auswählend. Trotzdem, daß ich das Geschoß einschlagen

hörte, schien sich das Thier, ohne Schaden gelitten zu haben, zu

entfernen. Da ich meines Schusses auf's Blatt, wie ich glaubte, sicher

war, folgte ich den Thieren im Schweiße meines Angesichts in der

brennenden Sonne etwa vier englische Meilen nach--doch vergebens; das

Thier blieb wohl das letzte in der Heerde, allein die Entfernung

zwischen mir und den Thieren wurde immer größer, auch war ich derart

ermüdet, daß ich endlich die Verfolgung aufgeben und enttäuscht zum

Wagen zurückkehren mußte.

Nachdem ich mich etwas gestärkt, machte ich mich mit Gert auf, um der

Spur des angeschossenen Gnu zu folgen; es war nicht schwer, sie zu

finden, wir folgten der Spur der Heerde von der Stelle, die ich bei dem

Anpralle der Gnu's innehatte und wohl bis zwei Meilen weiter als ich

früher die Verfolgung aufgegeben--es waren im Ganzen fünf Stunden seit

dieser Zeit verflossen--fanden wir, schon halb abgenagt, den Cadaver

eines jungen Gnu-Stieres, den wir den zahlreich versammelten Geiern als

Beute überlassen mußten. Ich wurde jedoch durch diesen Mißerfolg so

verstimmt, daß ich am selben Tage das Lager abbrach und unsere Reise

nach dem Innern der Transvaal-Republik fortsetzte.

Als Ziel meiner Reise hatte ich mir die am oberen Moi-River gelegenen

Wonderfonteiner Felsenhöhlen gewählt, von wo ich den Rückweg nach den

Diamantenfeldern anzutreten gedachte. Als wissenschaftliche Ausbeute

brachte mir der Aufenthalt am Klipspruit einen hübschen jungen

Wasserleguan, einige Fischottern, Insecten, Skolopender und Pflanzen,

namentlich Gramineen, und einige Grünsteinvarietäten ein.--Wir fuhren

spät in die Nacht hinein und hielten an einer Ebene etwa vier Meilen

nordöstlich von der Klipspruit-Furth an. Die Nacht war schön, ziemlich

hell und während wir beim Abendfeuer sitzend unsere Erlebnisse an den

Ufern des genannten Spruit besprachen, hörten wir wiederholt in einer

mäßige Entfernung das Brummen der Gnu-Stiere, manchmal auch einen

dumpfen Schlag, der sich dann einige Male wiederholte, ein Schall, der

von den Anpralle der übermüthigen, sich mit ihren breiten Hörnern

anrennenden Thiere herrührte. Das am Abende von allen Seiten beginnende,

dann sich von Mitternacht an bis gegen Morgen wiederholende

Schakalgebell und jenes langgezogene häßliche Hyänengeschrei zeigten,

daß die wildreichen Gegenden auch zahlreiche hundeartige Raubthiere

beherbergten.

Auch die Reise am 27. März führte uns durch wildreiche Gegenden, nur daß

jetzt die Senken, in denen sich die Spruits wanden, tiefer wurden und

stellenweise mit Buschwerk bestanden waren. Manche der letzteren

beherbergten die von der südlichen Meeresküste bis über den Zambesi

hinaus verbreiteten Perlhühner.

Dieser wild lebende Hühnervogel gehört unstreitig zu den

interessantesten Erscheinungen der afrikanischen Vogelwelt und da er in

den bewaldeten Gegenden ziemlich häufig vorkommt, mehrt er sich rasch,

trotzdem er vielfach gejagt wird. Der liebste Aufenthalt des Vogels, der

in Ketten zu 10-40 Stück haust, sind bebuschte und bewaldete Gegenden in

der Nähe von Flüssen oder nie versiegenden stehenden Gewässern. Von

unserem Perlhuhn unterscheidet er sich namentlich durch seinen

hornartigen Auswuchs auf der Stirn. Ich will vorläufig nur der Jagdweise

Erwähnung thun, die ihn uns bekannt machte.

Am Vaal-, Hart-River und den anderen Nebenflüssen des ersteren jagt man

diese Vögel mit dem besten Erfolge 1½-2 Stunden vor Sonnenuntergang, zur

Zeit wo die Thiere von der Weide aus der hie und da bebuschten Ebene, in

anderen Gegenden aus den Büschen und Wäldern zur Tränke eilen, woselbst

sie dann gewöhnlich auf den höheren Uferbäumen übernachten. Es läßt sich

fast mit Sicherheit die Tränkstunde auf 4 Uhr Nachmittags für alle

Jahreszeiten feststellen. Gewöhnlich wählen die Thiere einen und

denselben Pfad; hat man sich nahe an diesem Pfade versteckt und blickt

man etwa um ½ 4 Uhr von dem Gewässer landeinwärts, so wird man, wenn es

die Witterung gestattet, eine Staubwolke sich herannahen sehen, einige

Minuten später vernimmt man die ersten Gackerlaute, ohne die Vögel

selbst noch zu erblicken. Die Staubwolke wird dadurch erzeugt, daß die

zur Tränke eilenden Thiere noch auf ihrem Wege unausgesetzt im Sand oder

Thonboden nach Insecten und Samen scharren. In dichtem Grase erleichtern

die übrigen Vögel den Hühnern die Arbeit dadurch, daß sie alle

zeitweilig ihr Köpfchen erheben und für einige Sekunden Rundschau

halten; ist das Gras 3 und über 3 Fuß hoch, so beobachtete ich, daß die

Führer 10-15 Schritte weit voraus eilten und von Zeit zu Zeit aufflogen,

richtiger gesagt aufsprangen, um sich umsehen zu können. Hatten sie

etwas Verdächtiges gesehen, oder näherte sich ein Mensch oder ein

Raubthier von vorne her, so ergriffen sie mit lautem Gackern die Flucht,

und leisteten darin wahrhaft Unglaubliches. Ich kenne wenig Vögel,

welche so schnell laufen können; es geht so rasch im Wildpfade vorwärts,

daß der mit den Gewohnheiten dieser Thiere wenig vertraute Jäger sie

während des ganzen Tages nicht mehr zu Gesicht bekommt. Kennt man jedoch

ihre schnelle Flucht und sendet man ihnen Hunde nach, oder hat man sich

versteckt gehalten und tritt man plötzlich ihnen entgegen, so fliegen

sie auf und da sie einen schweren Flug haben, so ist es für einen

halbwegs guten Schützen leicht, mit jedem Schusse eines der Thiere

herunterzuholen. Von den Eingebornen droht ihnen, wie auch dem übrigen

Wildgeflügel, keine große Gefahr. Ich beobachtete, daß blos die

Koranna's den Vögeln einigermaßen nachzustellen pflegten, sie mit Hilfe

ihrer Hunde aufstöberten und dann--ohne Schrot--mit den harten Körnern

des »Blue-bushes« (eine eßbare kleine Frucht) niederschossen.

Am Nachmittage des 27. März gelangten wir zum Matheusspruit. Trotz der

regenreichen Jahreszeit war der Spruit ziemlich ausgetrocknet und neben

dem Wege ein kleiner Damm quer über sein Bett errichtet und dadurch ein

Teich gebildet. An einem nahen Abhange breitete sich ein dichtes Gebüsch

aus, in dem einige verarmte Boers-Familien wohnten, welche über die

Vorüberreisenden wie Raubvögel herfielen und sie in folgender schlauer

Weise auszubeuten suchten.

Zog ein Boer aus dem Transvaal-Gebiete nach den Diamantenfeldern, um

seine Producte auf den Markt zu bringen, oder kehrte er zurück, oder

waren es--damals begann schon die Auswanderung--Unzufriedene aus den

Diamantenfeldern, welche die Leydenburger Goldfelder aufzusuchen im

Begriffe waren, so kamen wie zufällig einer oder zwei dieser Boer's aus

dem Gebüsche heraus und auf den Wagen zu, knüpften ein Gespräch an, und

gaben sich den Anschein, in Tauschhandel treten zu wollen, worauf sie

dann auf die gute Weide und auf das _schöne_ Dammwasser hinzuweisen

nicht vergaßen und zum »Utspannen« (ausspannen) einluden; half dies

nichts, so wußten sie die Wasserarmuth der nächsten Strecke bis

Klerksdorp in den düstersten Farben zu schildern. Gaben die Reisenden

nach, so waren sie bald darauf von drei und mehreren _Ohmen_, ihren

Frauen und einem Rudel schmutziger Kinder umringt und ihre Vorräthe

gebrandschatzt. Auch ich ging ahnungslos in die Falle.

Als wir ausgespannt hatten, fanden sich nicht weniger als 17 Köpfe an

meinem Wagen ein. Zuerst wurde um Tabak gebettelt, leider willfahrte ich

ihrem Ansuchen und so kam dann rasch Zucker, Kaffee, Thee, Blei,

Schießpulver etc. an die Reihe. Bevor wir noch abzogen, wurden wir noch

daran gemahnt, daß für das Tränken unserer Thiere am Teiche ein Shilling

zu bezahlen sei. Kaum war dies geschehen, da kam der ganze Troß zum

zweiten Male wieder und zwar um sich ärztlichen Rath von mir einzuholen,

nachdem sie zuvor im Laufe des Gesprächs erfahren hatten, daß ich ein

Arzt sei. Da hatte einer kranke Augen, jenem that der Kopf weh u.s.w.

Ich hörte sie an, ertheilte den ärztlichen Rath während wir einspannten,

und pries den Augenblick glücklich, als Gert, der »Wagentriber«, ohne

sich um die uns Umlagernden zu kümmern, mit einem lauten »Fatt mer«

(fasset nun, ziehet an) das Gespann in Bewegung setzte.

Vom Mattheusspruit gegen den Estherspruit war der Zustand des Fahrweges

ein wahrhaft erbärmlicher. Theils führte er über felsigen Grund, theils

durch derart aufgeweichten Boden, daß wir alle Augenblicke stecken

blieben. Am 29. März erreichten wir den Estherspruit, ruhten hier in der

Nähe einer gastlichen Farm etwas aus und erreichten am Abend desselben

Tages den Jagdspruit. Die landschaftliche Szenerie vom Mattheusspruit

(auch Matjesspruit genannt) bis hieher glich anfangs jener vom

Maqwasi-River bis zu diesem Spruit, rechts und links von uns meilenweite

Grasebenen, im Norden von den Maqwasihöhen, im Süden vom Vaalflusse

begrenzt, von dem wir uns jedoch nach und nach so weit entfernt hatten,

daß wir sein eigentliches Thal nicht mehr wahrnehmen konnten. Gegen den

Jagd- (der Holländer spricht »Jach-«) Spruit zu änderte sich die

Scenerie insofern, als die Höhen zur Linken näher Herantraten, sich

sogar zwischen diesem Spruit und Klerksdorp (Klerksdorf) quer über den

Weg nach dem Vaal-River ziehen und bei Klerksdorp einige interessante

Höhengruppen bilden.

Der folgende Morgen war schön und warm. Die aufgehende Sonne beleuchtete

die Ostabhänge der felsigen Klerksdorper Höhen, welche theilweise kahl,

theilweise mit Büschen überwachsen, die einen kegel- oder brodlaibförmig

am Ufer des Schoenspruit isolirt, die anderen zu Hügelketten mit

scharfen Felsenkämmen gruppirt sind. Zwischen uns und diesen Höhen

breitete sich eine mäßige Niederung, ein etwa zwei Meilen breites

offenes Thal aus, welches einige Meilen nach abwärts in das enge Thal

des Schoenspruit einzumünden schien. Jenseits einer quer über den Weg

sich hinziehenden Felsenkette sollte Klerksdorp, die älteste

Niederlassung in der Transvaal-Provinz, liegen. Der angenehme schöne

Morgen lud mich zu einem Spaziergange auf der Ebene ein, wobei mich

unwillkürlich die artenreichen Kinder Flora's zum Botanisiren

aufforderten.

Schon am Wege fand ich mehrere sammelnswerth, unter diesen eine in

Unmasse, förmlich als Unkraut wachsende Cinna mit dunkelziegelrothen

oder rosafarbigen Blüthen; sie bildet dichte, doch kleine, 12-40

Zentimeter hohe, meist zwei- doch auch hie und da mehrblüthige Stöcke.

In einem nahen Gebüsche zur Linken fand ich reichliche Ausbeute an

kleinen Prachtkäfern (Buprestidae), Blattkäfern (Chrysomelidae) und

mittelgroßen Bockkäfern (Capricornia), auch an zahlreichen großen, gelb-

und schwarzgescheckten Spinnen, welche große, unseren Kreuzspinnen

ähnliche Gewebe zwischen den Bäumchen und Büschen ausgespannt hatten.

Zwei Deukergazellen sprangen durch den Eindringling erschreckt auf, und

verschwanden ebenso rasch in dem Dickicht.

Von diesem kleinen Morgenausfluge zurückgekehrt, machte mich Freund E.

auf einen großen Vogel aufmerksam, der auf unseren Wagen loszulaufen

schien. Es war eine große Trappe; ich legte an, ziele nach dem Halse,

der Schuß kracht und der Vogel stürzt zur Erde. Es war ein prächtiges

Thier, und zwar eines der größten seiner Art. Kaum 30 Fuß von der

Rohrmündung entfernt, hatte sie den ganzen Schuß in die vordere

Brusthöhle bekommen, so zwar, daß der Balg für meine Sammlung ganz

unbrauchbar war, hingegen war das Fleisch eine werthvolle Acquisition

für die Küche. Außer einem noch größeren Trappenpärchen derselben Art,

welches ich auf der dritten Reise am linken Limpopo-Ufer beobachtete,

sah ich nie wieder ein so großes Exemplar in Süd-Afrika.

Einen Gebirgssattel übersetzend kamen wir in das eigentliche Thal des

Schoenspruit, den man füglich River nennen könnte, weil er in

gewöhnlichen Jahren meist fortwährend fließt, nur in sehr trockenen den

Charakter eines Spruit zeigt. Im Allgemeinen gehört dieses Flußthal zu

den interessanteren Thälern des südafrikanischen Hochplateau's und auch

zu einem der fruchtbarsten und bestbebauten. Im Thale des Schoenspruit

reiht sich Farm an Farm; prachtvolle Weideplätze für das Hornvieh, längs

den Höhen und den Abhängen zum Flusse, erhöhen noch den Werth des

Landbesitzes am Schoenspruit und im Moi-Riverthale. Bei Entfaltung

einiger Energie und einer rationellen Bearbeitung des Bodens könnte

leicht das Zehnfache des gegenwärtigen Ertrages an Cerealien erzielt

werden.

Klerksdorp oder Klerksdorf bestand im Jahre 1873 aus einer Hauptstraße,

in der ich, wenn ich nicht irre, 25 Häuser zählte; seitdem hat es sich

vergrößert und verspricht unstreitig neben Potschefstroom die

bedeutendste Stadt des südwestlichen Transvaal-Gebietes zu werden. An

jedem Hause fand ich einen Garten mit Obstbäumen, namentlich Pfirsichen,

Orangen etc. und die Zäune aus Quitten und Granatbäumchen gebildet.

Jener Theil des Schoen-Riverthales, in dem Klerksdorp erbaut ist, gehört

überdies zu den günstigsten, namentlich in Bezug auf Wasserfülle des

Flusses. Das Thal ist bei Klerksdorp von beiderseits aufzeigenden Höhen

eingeengt, und durch einen isolirt stehenden Höhenzug flußaufwärts nach

dieser Seite hin ziemlich geschützt.

Da wir mit dem Ueberschreiten des Schoenspruit eine andere

Bodenformation betreten, welche sich bis Wonderfontein im centralen

Transvaal-Gebiete verfolgen läßt, so will ich noch mit wenigen Worten

der geologischen Struktur der Strecke vom Bamboesspruit bis zum

Schoenspruit gedenken. Die Hauptmasse des sichtbaren Gesteins auf der

Ebene bilden in Bezug auf Farbe, Consistenz und die schon in den

Gegenden weiter vaalabwärts beobachteten mandelartigen Einschlüsse,

verschiedene Varietäten des Grünsteins. An manchen Stellen finden wir

ihn sehr hart und fest, riesige Platten bildend, an anderen ist er

bröcklich und dann zeigt die Oberfläche viele quarz- (Milch- und

Rosenquarz) und chalcedonartige Einschlüsse. Hie und da finden wir

Thonschiefer, an andere eisenhaltige Schiefergeschiebe aufgelagert und

manche der die Wildebene umsäumenden Höhen werden von Porphyr gebildet.

Ich durchstreifte die nächste Umgebung von Klerksdorp und war namentlich

mit der Pflanzenausbeute zufrieden. In einigen der brach liegenden

Gärten fand ich eine Malvacee, welche in veschiedenen Varietäten

vorkommt, deren Verbreitungsbezirk von der südlichen Meeresküste bis

über den Zambesi hinaus reicht und schöne, große, schwefelgelbe Blüthen

besitzt.

Schon den folgenden Tag nach unserer Ankunft brach ich wieder auf, um

meine Reise gegen Potschefstroom, der bevölkertsten Stadt der

Transvaal-Republik, fortzusetzen. Auf dieser 34 Meilen langen Strecke

überschritt ich drei trockene Spruits, den Kockemoer, den Matchavis und

den Bakenspruit, welche gleich den vorhergenannten so ziemlich parallel

von Norden nach Süden dem Vaal-River zuströmen. Das Land ist mehr

hügelig als jenes zwischen Bloemhof und Klerksdorp; die flacheren wie

die tieferen Thäler scheinen sehr fruchtbar zu sein. Zwischen Klerksdorp

und den Kockemoerspruit überschritten wir eine stellenweise morastige

Hochebene, welche unserem raschen Vorwärtskommen Schwierigkeiten

bereitete. Zwei tief in den Modder (Morast) eingefahrene Wägen mahnten

uns zu größter Vorsicht. An manchen Stellen mußten wir den Schlamm

ausschaufeln, dann Steine in die so erzeugte Mulde werfen, um einen

harten Untergrund zu gewinnen und dann rasch mit lautem Peitschengeknall

und Geschrei die Zugthiere zum Anspannen ihrer ganzen Kräfte aufmuntern.

An anderen Stellen hieß es, die unliebsamen Strecken zu umfahren; dies

gelang zuweilen an einer, jedoch fanden wir an anderen den Wiesengrund

so aufgeweicht, daß sich die Räder tief einschnitten, als wenn die

breiten Eisenbänder mit scharfen Schneiden versehen gewesen wären.

Zur Zeit meines Besuches geschah für die Communicationswege in der

Transvaal-Republik fast nichts. In der unmittelbaren Nähe von

Potschefstroom fand ich die Wege im schlechtesten Zustande.

Am nächsten Tage führte uns der Weg am Fuße eines höheren Felsenhügels

vorüber; die Scenerie der Landschaft auf diesem Punkte war nebst jener

bei Klerksdorp die anziehendste auf der Gesammtstrecke meiner ersten

Reise. In dem flachen hochbegrasten Thale des Bakenspruit war eine

zahlreiche Heerde von grauen Kranichen mit der Heuschreckenjagd

beschäftigt, auch einige ruhig zwischen den Vögeln grasende

Springbockantilopen fielen uns auf. Nimrod F. versuchte sein Müthchen an

den arglos weidenden Thieren zu kühlen, doch wie bisher ohne anderen

Erfolg, als ob seiner staunenswerthen Ungeschicklichkeit von uns

herzlich ausgelacht zu werden.

An der etwas morastigen Furth fanden wir Tausende von Schwalben, welche

sich auf dem nassen Grunde niedergelassen hatten. In höherem Grade als

unsere Hausschwalben sind die südafrikanischen Species wahre

Menschenfreunde und so zutraulich, daß sie sich nicht nur in den Gängen

eines Hauses, die eine stets offene Communication mit Außen verbinden,

sondern auch in bewohnten Zimmern, in denen die Fenster durch längere

Zeit offen gelassen waren, anzubauen versuchen. Ich habe mehrere

derartiger Fälle beobachtet. Die Nester der südafrikanischen Schwalben

sind auch kunstvoller als jene der europäischen _Hirundo_ erbaut, indem

sie frei an einer horizontalen Decke angeheftet, mit einem bis zwei Fuß

langen geraden oder unbedeutend geschlängelten bedeckten Gange versehen

sind, so zwar, daß Gang und Nest ein Ganzes darstellen. Die

südafrikanischen Schwalben-Arten, sowie die Ziegenmelker-

(_Caprimulgus_) Species sind zahlreicher als die europäischen vertreten,

allein ich beobachtete bei keiner der ersteren eine so starke und doch

so melodische Stimme, wie sie die europäische Hausschwalbe auszeichnet.

Vom Bakenspruit fuhren wir über eine Felsenstraße und hatten einen

Bergsattel zu überschreiten, von dem wir in ein Seitenthal des

Moi-Rivers einfuhren, welch' letzteres über der Einmündungsstelle zu

einer weiten Ebene sich ausbreitend, zum Aufbaue einer Niederlassung

hinreichenden Raum bot, auf dem sich gegenwärtig Potschefstroom oder das

neue Moi-Riverdorp erhebt. Die Abhänge, an denen entlang der Felsenweg

führte, lohnten reichlich die Mühe des Botanikers und nach den

zahlreichen in den Höhen zur Linken, von denen die höchste etwa 4000 Fuß

über dem Meere sich erhebt, theils Vieh- und Ziegenheerden hütenden,

theils Holz sammelnden Eingebornen dachte ich auf eine Eingebornenstadt

in diesen westlichen Potschefstroomhöhen schließen zu müssen. Als ich

darüber fragte, theilte man mir mit, daß daselbst eine Stadt der

Mohavis, eines Betschuana- (Barolong?) Stammes liege.

Aus dem hochbegrasten Seitenthale in das geräumige, an beiden Ufern in

der Entfernung einiger englischen Meilen von Höhenketten und isolirt

stehenden Höhenkuppen begrenzte Thal des Moi-Rivers--eines stets

fließenden Gewässers--einbiegend, sahen wir Potschefstroom vor uns

liegen. Aus der Entfernung erscheint es dem Besucher bedeutend kleiner

als es wirklich ist, was sich wohl dadurch erklärt, daß sich die Stadt

in einer Ebene ausbreitet, ein Parallelogramm bildet und die Straßen so

wie die Gärten an den Häusern mit dichtbelaubten Bäumen bepflanzt sind.

Schon zur Zeit meines Besuches im Jahre 1873 war Potschefstroom eine der

bedeutendsten Städte Süd-Afrika's, seither hat sie sich noch bedeutend

entwickelt und gehoben.

Sie war die Gartenstadt der Republik und wird diesen Rang auch in der

Transvaal-Colonie behaupten, so wie sie bis heutigen Tages die

bedeutendste Handelsstadt des Landes ist und nur durch den Bau der

Delagoa-Middleburg-Bahn von Pretoria überflügelt werden würde. Zur Zeit

meines Besuches schätzte ich die Einwohnerzahl auf etwas über 4000

Seelen, welche Zahl sich jedoch höher herausstellt, wenn wir das

sogenannte alte Moi-Riverdorp, d.h. die dicht aneinander liegenden, am

nördlichen Stadtende beginnenden und flußaufwärts im Thale des

Moi-Rivers an beiden Ufern meilenweit sich hinziehenden Farmen in

Betracht ziehen. Der Fluß, ziemlich stark strömend und viele

dichtbeschilfte Sümpfe bildend, umfließt die Stadt an ihrer östlichen

Seite. Sein Wasser ist die meiste Zeit hindurch klar und beherbergt

zahlreiche Vaal-Riverfische und Krabben, seine Ufer Fischottern,

Wildkatzen und Leguane. Von dem Flusse aus, und auch, wenn ich nicht

irre, von den Höhen von Westen her versieht eine Wasserleitung die

Gärten der Stadt, sie an ihrer westlichen Seite umfließend, von welchem

Hauptstrome kleine Bächlein zu den zahlreichen Häusergruppen geleitet

sind.

In der Sommerszeit wuchert in den weniger bewohnten Straßen üppiges

Gras, allein selbst in der Trockenzeit gleicht die Stadt, ob der vielen

immergrünen, meist ausländischen und hier eingeführten Bäume,

Cupressineen, Eucalyptusarten, Epheu etc., welche im Moi-Riverthale sehr

gut gedeihen, mit ihren reinlich angetünchten, schmuck aus dem dunklen

Grün hervorblickenden, theils flachdachigen, theils begiebelten Häusern,

einem Garten, der sich namentlich aus der gelblichen Grundfarbe des

ringsum auf dem weiten Thalboden vertrockneten Grases ausdrucksvoll

hervorhebt. Sind jedoch--wie es zur Zeit meines ersten und zweiten

Besuches (1873 und 1874) der Fall war--die entfernten, mäßig hohen Hügel

und die breite Thalebene mit hohem, üppigem Gras bedeckt und haben sich

die Ufer des Flusses in zwei, mit weißen, feuerrothen und gelben Blüthen

bedeckte Blumenbeete verwandelt, dann ist die wahre Zeit gekommen, wo

Potschefstroom, im schönsten Schmucke prangend, den Ehrentitel der

Blumenstadt des Transvaal-Gebietes verdient.

Die Straßen sind gerade--die Stadt ist in »Blocks« ausgemessen--mehrere

geräumige Plätze, von denen der bedeutendste theilweise als Markt und

Auctionsstätte dient, finden sich an der Bereinigung mehrerer Straßen.

Unter den Kirchen bietet das englische, epheuumringte Kirchlein ein

schönes idyllisches Bild. Sonst finden wir an öffentlichen Gebäuden

nicht eines, das über das Niveau der gewöhnlichen, neueren

südafrikanischen Städtebauten hervorragen würde. Die Stadt ist der Sitz

eines Magistrats, des portugiesischen Consuls, einiger Volksschulen, und

treibt regen Handel mit Natal; mehrere Mühlen und Lohgerbereien sind

außerhalb der Stadt angelegt. Die Haupt-Ausfuhrartikel sind Mehl,

Getreide, Tabak und Schlachtvieh nach den Diamantenfeldern, nach Natal

Tabak, Vieh, Häute und Carossen, auch etwas Straußenfedern und

gegenwärtig nur wenig Elfenbein. Ein guter Theil der Handelswaren aus

Natal, dem Oranje-Freistaat und den Diamantenfeldern hat auf seinem Wege

in das Innere des Landes Potschefstroom zu passiren.

Ohne daß die Gebäude der Stadt durch architektonischen Schmuck

hervorragen, sind doch sowohl die Geschäftslocale feste, ihren Zwecken

vollkommen entsprechende, geräumige Bauten, als auch die Wohngebäude

nett und niedlich, viele gleich eleganten Villen eingerichtet. Was

speciell oft jedem einzelnen, ja sogar einfachen Häuschen besonderen und

der Stadt einen allgemeinen Reiz verleiht, das sind die sie

umschließenden Obst- und Gemüsegärten und Gärtchen, sowie die vielen,

mit Hunderten und Tausenden, hier hellen, dort dunkelrothen Blüthen

geschmückten dichten Rosenhecken und Zäune aus hohem Feigengebüsch oder

solche von der in einem schönen, glänzenden, dunklen Blattkleide und mit

feuerrothen Blüthen prangenden, späterhin mit faustgroßen Früchten

überladenen Granatäpfelstaude gebildet. Ueberall grünt, blüht und duftet

es und mehrere Monate hindurch winken reife Früchte an den Hecken,

Büschen und Bäumen. Ohne große Mühe können die Gehöftbesitzer ihren

jährlichen Bedarf an Grünzeug und Obst ziehen, ohne dabei ihrem Ländchen

den Reiz des Blumengartens zu benehmen.

An den meist von stetig fließenden Bächlein durchrieselten Straßengräben

stehen riesige, in heißer Sonnenhitze erquickenden Schatten spendende

Trauerweiden, welche mit dem lichteren Grün ihrer Blätter und den

schwermüthig herabhängenden, dünnen, doch mit dichtem Blattwuchs

beladenen Zweigen deutlich und um so anmuthiger von den dunkel

nüancirten Kronen der Obstbäume, den noch dunkleren Eucalyptusblättern,

den spitz zulaufenden Blättern des Lebensbaumes und dem dunklen Grün der

Cypressenbäume abstechen.

Wir hatten nicht weit von den Friedhöfen in unmittelbarer Nähe der Stadt

ausgespannt und wechselten uns bei dem Besuche derselben ab, um den

Wagen nicht ohne Aufsicht zu lassen. Unsere Ankunft war nicht unbemerkt

geblieben, bald hatte sich einer der dunkelfarbigen Konstabler

eingestellt, um sich über unsere Absichten und den Inhalt des Wagens zu

informiren. Ihn folgte bald der Clerk (Gehilfe) des Marktmeisters, der

auch öffentlicher Auctionär war, um nachzusehen, da er eben des Weges

vorbeiging, ob der Besitzer des hier ausgespannten Wagens nicht

vielleicht Schlachtochsen oder sonst andere Artikel mit sich führe,

deren er gerne los werden wolle. »Sein Chef,« meinte er, »wäre _a

capital Auctionar_ und er bringe die Sachen, die er verkaufen solle, so

gut an den Mann, daß die Leute weit und breit seine Hilfe in Anspruch

nahmen.--»Kommt wohl von den Diamantenfeldern und wollt es nun in den

Goldfeldern versuchen?« war seine Frage. Die Goldfelder im Leydenburger

District fingen im Jahre 1873 an, sich merklich in der öffentlichen

Meinung zu heben, im selben Maße, als die Diamantenfelder zu sinken

begannen; gegen das Ende des Jahres 1873 und im folgenden Jahre fand ein

Massenauszug von den letzteren nach den Goldfeldern statt.

Am Nachmittage bekamen wir neue Besucher, einige Deutsche, von denen

einer bei der Polizei angestellt, einer ein Maurer und die anderen

Gärtner waren. Freund E. war mit ihnen in der Stadt zusammengetroffen.

Sie hatten in jener, in der Mitte der Fünfziger Jahre von der englischen

Regierung in Süd-Afrika nach der östlichen Provinz des Caplandes

eingeführten »deutschen Legion« gedient, deren Mitglieder unter dem

Namen der Legionäre ziemlich bekannt sind. Viele derselben haben sich in

den Districten East-London, King-Williams-Town und Queens-Town

angesiedelt und leben daselbst als Farmer. Diese waren die ruhigeren

Elemente der Legion. Die energischeren traten in Geschäfte als

Handlanger, als Storekeeper ein, avancirten zu Klerks (Buchhaltern und

Geschäftsführern) und einige haben sich zu wohlhabenden Kaufleuten

emporgeschwungen. Eine gute Anzahl, denen das Ansiedlerleben nicht

gefiel, und die eine vagirende Lebensweise vorzogen, zerstreuten sich

über die Cap-Colonie, Natal, den Freistaat und die Transvaal-Provinz, um

hier als Maurer, dort als Zimmerleute etc. zu arbeiten, wobei sie in der

Regel den Erlös noch im Orte verjubeln, um dann wieder weiter zu ziehen,

eine neue Arbeit aufzunehmen, wochenlang hart und anstrengend bei

zurückgezogener Lebensweise zu arbeiten, und kaum, daß sie mit dem

Accord fertig geworden und die 20-40 £ St. empfangen haben, diese ebenso

wie die frühere Summe in Saus und Braus aufgehen zu lassen. Daß es bei

solchen Trinkgelagen oft allzu lustig und lärmend herging und man sich

zuweilen auch dabei brutal betrug, ist nicht zu verwundern; so kam es,

daß namentlich im Freistaat und in der Transvaal-Provinz die Legionäre,

trotzdem sie als gute Arbeiter gepriesen werden, sich sonst keines guten

Rufes erfreuen. Wir müssen hier jedoch eine scharfe Grenze zwischen den

in der Colonie ansäßigen, Ackerbau oder Geschäfte betreibenden und den

herumwandernden Legionären ziehen.

[Illustration: Nachtlager.]

Einige mit ihren Wägen vorüberziehende Boers blieben kurze Zeit an

unserem Wagen stehen, um der althergebrachten Sitte gemäß uns Weißen die

Hand zu schütteln und mit einfachen Worten nach dem Ziele unserer Reise

zu fragen. »_Uns chat nach Wonderfontein to um det wonderljike chate to

kiek_« (Wir gehen nach Wonderfontein um die wunderlichen Höhlen zu

sehen) war die Antwort in unserem gebrochenen Holländisch. Die sich

Verabschiedenden meinten, die Erdhöhlen wären es werth, besichtigt zu

werden. Je mehr ich von diesen Wonderfonteiner Felsenhöhlen hörte, desto

begieriger war ich, sie zu sehen, und um so größer meine Enttäuschung,

als ich sie später sah.

Bevor ich mich auf diese erste Versuchsreise begab, wurde ich darauf

aufmerksam gemacht, daß sich in Potschefstroom ein Herr dem

Insectenstudium widme und der portugiesische Consul, Herr Foßmann, sein

Möglichstes zu der geologischen Erforschung des südlichen

Transvaal-Gebietes beitrage, ich solle sie gewiß besuchen. Doch ich

hatte mich auf diese erste Reise so einfach ausgerüstet, daß ich mich

nicht im Stande fühlte Staatsvisiten zu machen. Und so hieß es, nachdem

wir uns mit Proviant versorgt, der Stadt Valet zu sagen.

Wir brachen Abends auf und schlugen eine ostnordöstliche Richtung nach

dem Moi-River zu ein. Es war ein hartes Stück Arbeit, um--nachdem wir

die Stadt durchfahren--die kurze, blos einige hundert Schritte lange vom

Nordende der Stadt bis zu der damals noch sehr primitiven Moibrücke

reichende Strecke zurückzulegen. Obwohl die Stelle ziemlich breit, war

sie doch durch die Feuchtigkeit des Bodens und in Folge der letzten

Regen sowie durch die Sorglosigkeit der Bürger von Potschefstroom in

einen einzigen, stellenweise bis 1½ Fuß tiefen Morast verwandelt worden.

Mit geringen Unterbrechungen hatten wir die nächsten Stunden hindurch

mit immer wiederkehrenden Passage-Schwierigkeiten zu kämpfen; die

Erschöpfung der Thiere zwang mich endlich, an einer keineswegs

einladenden, sumpfigen Stelle Rast zu halten.

Der nächste Morgen führte uns durch ein breites, nach mehreren Seiten

hin offenes Thal, in dem eine aus mehreren Häusern bestehende und in

gutem Zustande gehaltene, von Aeckern und Gärten umgebene Farm lag. Wir

erstanden hier einige Kürbisse und fuhren weiter nach Osten, gelangten

auch bald auf eine Hochebene, die gegen Süden von einer theilweise von

Bäumen bedeckten Höhenkette umsäumt, nach Osten, Norden und Nordwest

einen freien Einblick in das Moi-Riverthal mit seinen zahlreichen Farmen

und den sie umgebenden dunklen Gärten gestattete. Es war einer der

herrlichsten Anblicke die ich genoß, in weiter Ferm zeigten sich

einzelne Höhen und Höhenrücken, der Abfall des Blue-Bank-Hochplateaus

und am fernen Nord-Horizonte die Umrisse der Magalies-Berge.

Auf der Hochebene, nach der wir unseren Weg nahmen, fielen mir

trichterförmige, von Weitem schon durch dichten Baumwuchs auf den

Grasebenen gekennzeichnete 25-60 Fuß tiefe Bodenvertiefungen auf. Ich

fand später, daß solche Bodentrichter im Transvaal-Gebiete in manchen

Strichen zwischen dem Hart-River und dem Molapo und zwischen dem unteren

Molapo und dem Vaal-River, im Barolong- und Batlapinen-Gebiete und im

Bereiche von Griqualand-West (im westlichen Theile der Division of Hay)

ziemlich zahlreich verbreitet sind und ein Charakteristicum des

Riesenbettes eines oberflächlich liegenden, seltener in dünnen Lagen

aufliegenden, oft jedoch mächtig bis Hunderte von Fuß tief in die Erde

eingreifenden, stellenweise von Sand und weißen, schäligem Kalksteinen,

an anderen Punkten von Granitblöcken und Schieferlagen überdeckten

Kalksteins bilden. Sie sind die weiten Oeffnungen von mehreren sich

vereinigenden, den Felsen in der Tiefe spaltenden Rissen. Dieses

Riesenbett des Kalksteins, welches deutliche, oft prachtvolle,

wellenartige Lagerung und Schichtung besitzt, zeigt meist von außen den

Einfluß der Einwirkung des Wassers und ist in seiner Hunderte von Meilen

Fläche bedeckenden Masse geborsten und gesprengt, doch mußte das Gestein

ob seiner Härte und Massen-Ausdehnung den Erdrevolutionen einen großen

Widerstand entgegengesetzt haben, so daß 90 Percent der geborstenen

Theile, mit Ausnahme der entstandenen Klüftungen und der daraus

erfolgten verhältnißmäßig _geringen_ Verschiebungen, keine nennenswerten

Umwälzungen erlitten haben.

Diese unterirdischen Risse und meilenlangen Spalten dienen

unterirdischen Gewässern zum Abfluß, welche sich dann in kleinen Spalten

an den Abhängen tiefer, steiler Thäler, wie am oberen Molapo, nach außen

Bahn brechen. Ein Theil des Moi-Rivers fließt in dieser Weise unter der

Erde fort, ja er verschwindet theilweise an manchen Stellen ganz und

kommt weiter thalabwärts wieder zum Vorschein. Diese Spalten vereinigen

sich und an diesen Vereinigungsstellen finden sich dann jene auch schon

erwähnten (in tieferen und höheren Partien des Hochplateaus liegenden)

nach oben trichterförmig sich erweiternden Oeffnungen, welche an ihrer

oberen Mündung einen Umfang von 24-180, selbst bis zu 240 Meter

erreichen. Sie erscheinen rundlich, weil die Wand oft mit Geröll und

Erde bedeckt ist, doch bei näherer Untersuchung zeigen sie sich

viereckig, die Mehrzahl jedoch dreieckig. Manche dieser Felsentrichter

besitzen kahle Felsenwände, selten sind dieselben steil, häufiger mit

Geröll überlagert oder durch Felsenblöcke gebildet; meist sind diese

Blöcke mit Erde bedeckt, oder die Fugen und die Zwischenräume damit

ausgefüllt, so daß diese von einer ziemlich üppigen Vegetation,

namentlich aber Bäumen und Sträuchern überwuchert werden und da die

höheren Bäume dann über diese Vertiefungen auf der begrasten, wenig oder

gar nicht bebuschten Ebene hervorragen, weithin erkennbar sind.

[Illustration: Felsentrichter.]

Da wo die am Boden solcher Felsentrichter sich vereinigenden oder von

hier austrahlenden Risse entsprechend breit sind, kann man einige Fuß,

bei manchen tief senkrecht hinabsteigen und dann oft Hunderte von Metern

weit, die Risse als niedrige, mehr oder minder hohe und geräumige

Spalten verfolgen. Manche der trichterförmigen Oeffnungen sind mit

krystallklarem Wasser gefüllt und ich konnte nicht umhin, eine

derselben, welche eine Wassertiefe von über 140 Fuß zeigte und die ich

auf der Rückkehr von meiner dritten Reise am linken Ufer des Molapo

untersuchte, einen Miniatur-Felsensee zu nennen.--Ohne sie gesehen zu

haben, glaube ich, daß Herrn Hübner's Klipdachs-Schlucht in die

Kategorie dieser eigentümlichen Bodenbildungen gehört. So fand ich, daß

viele Flüßchen im Gebiete des Vaal, Hart-River, Molapo und Marico (wohl

auch des oberen Limpopo) ihren Ursprung in solchen engen Felsenlöchern

nehmen, also da, wo das unterirdische Wasser nicht abfließen konnte und

sich durch eine der trichterförmigen Oeffnungen nach oben Bahn brach.

Wenn wir zu Farmen kommen, in deren Nähe sich solche Quellbächlein

befinden, so wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß diese

Bächlein oft meilenweit, oft aber nur einige hundert Schritte weiter

aufwärts, an einer marschigen Stelle entspringen und sich in deren Mitte

neben anderen aufsprudelnden Quellen ein umschriebenes, 50 und mehr Fuß

tiefes Loch wie im Felsen eingebohrt befindet. An allen diesen Stellen,

selbst an solchen, welche blos unterirdischen Abfluß hatten, fand ich

stets dieselben Fischspecies vor. Auf den wildreichen Ebenen zwischen

dem Hart-River und dem Molapo lernte ich einen beschilften Sumpf kennen,

der nach keiner Seite hin Abfluß zeigte und äußerst fisch- und

vogelreich war; nach der beinahe die Mitte desselben einnehmenden größte

Tiefe desselben zu schließen, hielt ich auch diesen für eine ähnliche

Felsenöffnung. Der diese Felsenformation bedingende Kalkstein zeigt

außer Quarzadern und anderen quarzhaltigen Mineralien Einschüsse von

Blei, Kupfer, Eisen und Silber.

Am dritten Tage nach unserem Aufbruche von Potschefstroom erreichten wir

Wonderfontein, mit welchem Namen die Boers die »wonderlichen« Grotten

und Höhlen in den Felsen bezeichnen. Es ist nicht, wie in der Regel, der

Name einer Farm, sondern der Sammelname für eine Anzahl solcher, welche

nahe aneinander in ausgezeichneten Weidetriften im Thale des Moi-Rivers

liegen. Es sind meist steinerne, ebenerdige, doch hohe, luftige

Wohngebäude mit einem angebauten Wagenschuppen und in der Regel einer

oder zwei meist aus Schilfrohr verfertigten zum Trocknen des hier eifrig

cultivirten Tabaks gebrauchten Hütten. Von diesen Farmen wird jene, auf

die wir zusteuerten, d.h. in deren Nähe sich der Eingang zu den Höhlen

befindet, das eigentliche Wonderfontein genannt.

Die Ufer des Moi-Rivers, der hier einen breiten Bach darstellt und dem

von beiden Seiten zahlreiche Quellen zuströmen, sind stellenweise sehr

sumpfig und von Schilfrohrdickicht umsäumt, die für den Ornithologen ein

förmlich unerschöpfliches Arbeitsfeld abgeben. Ein tausendstimmiges

Pfeifen und Singen, Gezwitscher und Gackern tönt an unsere Ohren und

versetzt uns in Verlegenheit, wohin zuerst unsere Schritte lenken.

Mit der Erlaubniß des Farmers schlugen wir unseren Lagerplatz unter

hohen und schattigen seinen Pfirsichgarten umsäumenden Trauerweiden auf.

Als wir jedoch nach dem Eingange der Höhle fragten, gab man uns zu

verstehen, daß der Eingang wohl zu finden sei, daß man sich aber leicht

in den Höhlen verirren könnte und es darum gerathen sei, den Besuch der

Höhlen nur mit einem Führer zu unternehmen, wozu sich uns die Söhne des

Farmers gegen ein Honorar von 1 £ St. per Person anboten. Da ich ja

hauptsächlich der Höhlen halber nach Wonderfontein gekommen war, ließen

wir uns diese Erpressung gefallen und nachdem sich auch einige bei dem

Farmer zu Besuche weilende Verwandte desselben uns angeschlossen,

machten wir uns auf den Weg.

Zwei Söhne des Farmers, die sich mit einem Bündelchen von Talglichtern

versehen hatten, waren unsere Wegweiser. Wir überschritten das Flüßchen

an seiner breiten, sehr seichten Furth, und hatten das rechte, felsige

und bewaldete Ufer zu erklimmen. Nach einer Viertelstunde kamen wir zu

einem uns entgegen gähnenden, senkrecht nach abwärts führenden

Felsenloche, eine der engeren, doch tieferen trichterförmigen, vorher

beschriebenen Felsenklüfte. Obgleich mir der Eintritt in die

unterirdischen Höhlen theilweise die Berstungen im Felsen deutlich vor

Augen führte, muß ich doch gestehen, daß ich mich schon durch diesen

Eingang zur Höhle sehr enttäuscht fühlte. Ich dachte eine jener Höhlen

zu finden, in welcher ich Knochenablagerungen von Thieren, der letzten

geologischen Periode finden und so diese Lücke in der Geologie

Süd-Afrika's ausfüllen hätte können.

Aus den Wänden des Trichters hervorragende Felsenblöcke ermöglichten es

uns, den Boden der sich nach unten bis zu einer schmalen Spalte nach

Nordnordwest verengenden und in schräger Richtung nach abwärts gegen

(und untere) das Flußbett fortsetzenden Felsenöffnung zu gewinnen. Wir

drangen in das Spaltengewirre ein; anfänglich waren es enge, niedrige

Gänge, kaum so hoch, daß wir Einer nach dem Andern auf allen Vieren

durchkriechen konnten, später verbreiterten sich dieselben bis zu 4 und

8 Fuß und erreichten dabei bis zu 10 Fuß Höhe. Beinahe alle verengten

sich nach oben zu dünnen Spalten, aus denen das Wasser herabrieselnd und

sickernd Stalaktiten erzeugte, ohne daß sich diese durch auffallende

oder große Formen ausgezeichnet hätten. Leider hatten frühere Besucher

schon die meisten abgeschlagen oder beschädigt, deren Bruchstücke

bedeckten den Boden. An jenen Stellen--und deren gab es viele, denn die

unterirdischen Felsenspalten, in denen wir uns bewegten, zeigten die

Felsenmasse nach allen Richtungen gesprengt--wo sich zwei kreuzend

begegneten, erhob sich über dem Beschauer eine Art Kuppe, etwas höher

als die Zerklüftungen, doch auch nichts Bemerkenswertes bietend. Die

Wände waren dunkelgrau, meist kahl und ziemlich glatt. Die Hälfte

unserer unterirdischen Wanderung legten wir barfuß zurück, denn das von

Osten nach Westen durch die Grotten strömende und plätschernde Bächlein

floß in der Gesammtbreite des Ganges und wir konnten sein Murmeln schon

beim Eintritte in die unterirdischen Spalten vernehmen. Je weiter wir

nach Westen und Norden vordrangen, um so tiefer wurde das Wasser und

gerade von jenen Gängen her schimmerten schöne, unbeschädigte

Stalaktiten herüber, doch wir mußten das weitere Vordringen, der

Weigerung unserer Führer wegen, aufgeben.

Ohne allzugroße Mühe, könnte man die engen Stellen zwischen den

breiteren Zerklüftungen und dem Eingange, die schräg nach abwärts

führende Partie des unterirdischen Ganges erweitern und ein kleines,

kurzes Boot einführen und auf diese Art möglicher Weise das Ende der

Gänge oder vielleicht größere Höhlenräume erreichen. Mir schien es, als

ob auf der vom Flusse abgewandten Seite weniger gangbare und meist nur

dünne, spaltenförmig sich fortsetzende Gänge liegen, die breiteren

dagegen nach dem Flusse zu führen würden, so daß hier das eingeströmte

Wasser die an und für sich engen Spalten vielleicht weiter und breiter

ausgewaschen haben mußte.

[Illustration: Grotte von Wonderfontein.]

Trotz unseres kurzen Aufenthaltes hatten wir in den Höhlen so manchen

Begleiter gefunden, denn als wir sie verließen, da gaben uns diese in

Unzahl bis zum Felsenausgang hinauf ihr treues Geleite und als Andenken

sowohl an die Wonderfonteiner Höhlen, wie um meine Sammlung der Mamalia

zu mehren, nahm ich zwei derselben zum nicht geringen Staunen unserer

Führer mit, welche die flatternden Fledermäuse (Vespertiliones) nicht

anzurühren wagten.

Wonderfontein ist einer jener Orte in Süd-Afrika, an welchen der

Forscher getrost längere Zeit verweilen kann; seine Mühe wird hier

reichlich belohnt. Thiere, Pflanzen wie Mineralien sind hier des

Sammelns werth. Leider war mein Aufenthalt wegen der schon erwähnten

Gründe nur auf drei Tage beschränkt und so konnte ich nur einen Einblick

in die Natur der nächsten Umgebung gewinnen. Große wilde Vierfüßler gab

es hier nicht mehr, sie waren seit etwa 15 Jahren ausgerottet, doch

fanden sich noch Caloblepas Gorgon, Antilope albifrons und Euchore in

Menge auf den nördlich sich erstreckenden Ebenen, während im hohen

Ufergras, in seinen Binsen und den beschilften, doch trocken liegenden

Partien einzeln oder paarweise, die schön gelblichbraune, mit ihren nach

vorwärts gerichteten, kurzen, etwas hakenförmig gebogenen Hörnern

versehene Rietbockgazelle ziemlich häufig anzutreffen war.

Unser Farmer bewies sich die Zeit unseres Aufenthaltes hindurch äußerst

freundlich und lud uns mehrmals ein, seine auf die Jagd gehenden Söhne

zu begleiten. Auf den Ebenen zur Rechten und Linken zeigten nicht selten

frisch »eingefahrene« Löcher die Gegenwart der Schabrakenschakale, des

Proteles und der gestreiften Hyäne, häufig waren Stachelschweine,

Springhasen und kurzschwänzige Schuppenthiere zu finden. Zwischen dem

Gestein bemerkte ich Genetta's und eine schwarz gestreifte Wieselart.

Auf einem meiner mit Freund E. am jenseitigen Ufer unternommenen

Ausflüge, als wir beide unsere Gewehre abgelegt, dem Treiben einiger

großer Finkenarten im Röhricht unsere Aufmerksamkeit schenkten, hörte

ich einige Schritte vor mir, dort wo eine Oeffnung im Schilfe den Blick

auf eine Flußstelle freigab, ein Plätschern in dem klaren, murmelnden

Gewässer. Es rührte von vier sich rasch stromaufwärts bewegenden, neben

und hintereinander schwimmenden Fischottern her. Bevor wir unsere etwas

hinter uns an einem Felsen angelehnten Gewehre ergreifen und benützen

konnten, waren die Thiere im dichten Schilfe vor uns verschwunden. Die

braunen Fischottern der südafrikanischen Flüsse sind gedrungener und

kürzer als die europäische Art, haben ein weniger werthvolles Fell und

halten sich an allen beschilften, fließenden Gewässern oder auch in den

Tümpeln der Spruits auf. An den zahlreichen Stromschnellen, sowie in den

tiefen Lachen, welche nach der Austrocknung der Flüßchen in ihrem Bette

zurückbleiben und sehr zahlreiche Fische bergen, ist ihnen Gelegenheit

geboten, feist zu werden, indem ihnen fast nie nachgestellt wird, außer

wenn sie zufällig am Flusse angetroffen oder durch das Geschrei der

Hähne zu einem Besuche menschlicher Wohnungen angelockt, von den Hunden

angegriffen und getödtet werden, letzteres jedoch ein seltener Fall. Nur

wo Eingeborne etwas dichter das Flußufer bewohnen, scheinen sie seltener

zu sein, da ihnen diese, sowie deren Hunde (letztere des Fraßes halber)

eifrig nachstellen. In den Flüssen des südlichen mittleren, westlichen

und nördlichen Transvaal, wo selbst die Thäler der Flüsse marschig, und

von ausgedehntem Röhricht bedeckt sind, finden die Thiere ihre besten

Schlupfwinkel. Selten beobachtete ich sie in stabilen Wohnplätzen, meist

jagen sie über größere Strecken, wobei ihre Jagd in den seichten Sümpfen

nach Fischen und Crustaceen, auf dem hochbegrasten Ufer nach Mäusen und

Ratten und in den mit Schilf dicht bestandenen tieferen Morast- und

Flußpartien nach Vögeln äußerst lohnend sein muß.

In den Schilfdickichten beobachteten wir hängende Nester von

Rohrfängern, von zinnoberrothen, schwarz gefleckten Feuer- und von dem

schönen langschwänzigen Königsfinken (Vidua capensis). Diese schöne und

wohl eine der größten Finkenarten besitzt ein bräunliches Winterkleid

und ein schön sammtschwarzes Sommergewand. Die Schultern tragen je einen

orangefarbenen Fleck, der sich namentlich auf dem dunkelfärbigen

glänzenden Sommergewande prachtvoll ausnimmt. Doch außer dieser

Auszeichnung, mit der die Natur den schmucken Vogel für die Periode des

üppigen Lebens in der südlichen Hemisphäre bedacht, hat sie ihm noch

eine andere zukommen lassen. Während im Winter der Schwanz des Vogels

von normaler Länge ist, wächst er mit der zunehmenden Schwärze des

Federgewandes im Sommer zu einem Busche von bis zu 18 Zoll langen

Federn, welche den Vogel im Fluge hindern, ihm namentlich beim windigen

Wetter den Flug so erschweren, daß er sich windabwärts tragen lassen

muß. Dieser schöne Finke ist wie alle die im Röhricht lebenden

Finkenarten ein sehr munterer Vogel, oft sieht man ihn sich im oberen

Drittel der Schilfstengel wiegen und ausäugeln oder über den Morästen

flattern; sowie er sich unbeachtet wähnt, läßt er sich in die unteren

Schilfpartien herab, aus denen sein Gezwitscher ertönt. Wird er durch

etwas in Aufregung versetzt, ist es ein anderer Finke, der sich an sein

Nest wagt, oder eine plötzlich vor ihm sich aufrichtende Schlange, oder

wird er als Gefangener von den Menschen geneckt, so bläst er seinen Hals

auf, faucht, richtet die schönen, melirten Halsfedern zu einer Krause

auf und trachtet mit seinem scharfen Schnabel Hiebe auszutheilen.

Unstreitig gehört er zu den interessantesten Erscheinungen der

südafrikanischen Vogelwelt.

Langohrige Eulen--echte Sumpfeulen fliegen auf, um sich nach kurzem

Fluge am Rande des Sumpfes niederzulassen. Am meisten sind jedoch

Wasservögel, Schwimm- wie Stelzenvögel, vertreten. Wir finden mehrere

Arten der Strandläufer, Rohrdommel, kleine Silber- und gewöhnliche

graue, doch auch Purpurreiher, eine Species Kampfhähne, ferner

Blaßhühner, mehrere Wildentenarten und Taucher. Während der Forscher im

Kahne nach Nestern und Eiern dieser Thiere fahnden kann, ist es den ihm

längs der Ufer Folgenden möglich, die auffliegenden Thiere zu

beobachten, oder die von ihm bezeichneten zu erlegen. Der reiche

Blumenflor an den feuchteren Thalpartien begünstigt auch die

Entwickelung einer vielartigen Insectenwelt und so sind denn die kleine

Insecten wie Körner fressenden Vögel, Kolibris, Bienensauger und

Schwalben zahlreich vertreten, die hier über den schönblüthigen Blumen,

dort im Gebüsche, in den Gärten und bewaldeten Partien sich

herumtummeln.

Als der Farmer meinen Eifer bemerkte, mit dem ich den gesuchteren der

hier lebenden Vögelspecies nachstellte, gab er mir den Rath, mich hinter

seinem Wagenschuppen zu bergen, weil sich auf dem über diesen

erhebenden, theilweise verdorrten Baum ein »besonderlik Vogel« zu sonnen

pflege. Ich folgte seinem Rathe und hatte die Freude denselben, einer

kleinen Schlangenhalsvogelart angehörend, zu erlegen.

Die feuchten Wiesen bargen eine reiche Fülle verschiedenartigster

Insecten, doch hatte das Sammeln derselben manche Schwierigkeit und

Gefahr. Erstlich wimmelten diese Wiesen von Mosquitos, welche uns nicht

nur Abends belästigten, sondern selbst in der Sonnenhitze Gesicht und

Hände wund stachen; außerdem waren dieselben reich an Schlangen, unter

denen ich eine noch nie beobachtete schwarzgraue, fast gleichmäßig

fingerdicke, unten schwefelgelbe und etwa zwei Fuß lange Art erhaschte.

Aus einem Gespräche mit dem Farmer entnahm ich, daß auch mein College

Mauch diese Höhlen aufgesucht und sich hier eine Zeit lang aufgehalten

hatte und im Ganzen schien der Besitzer sehr stolz auf die »wondeljike

chate« (Höhlen) zu sein. So oft Jemand von uns im Hause vorsprach, wurde

er sofort mit einer Tasse Kaffee und einem Stück Zwieback bewirthet und

unser freundliche Wirth bedauerte nur, daß wir zu viel det slechte Chut

(Reptilien u.s.w.) sammelten, unsere Zeit unnützer Weise

verschleuderten, während wir bei ihm sitzen und über die

Diamantenfelder, Duits-land und Osteriek sprechen sollten.

Manche der Farmer destilliren aus den Pfirsichen eine Art Branntwein,

welcher namentlich im Transvaal-Gebiete als Perschke-Branntwein

»verrufen« und bedeutend schwächer und billiger ist als jener unter dem

Namen Cango in der westlichen Cap-Colonie aus Weintrauben bereitete.

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879). · 第 20 / 37 题