V.

Von Lekatlong nach Wonderfontein.

Batlapinenleben.--Webervögel und ihre Nester.--Zuckerrohr-Pflanzungen.

--Spitzkopf.--Mitzima's Dorf.--Schlauheit der Batlapinenweiber.

--Termitenbauten.--Reisende Batlapinen.--In Lebensgefahr.

--Springbockfontein.--Transvaal-Emigranten.--Gassibone und

seine Residenz.--Tauschhandel.--Wanderheuschrecken.--Ein seltsamer

Labetrunk.--Am Vaal-River.--Wasser- und Landleguane.--Christiana, die

westlichste Transvaal-Stadt.--Einfache Rechtspflege.--Landschaftlicher

Contrast der beiden Vaalufer.--Bloemhof.--Ein gefährlicher Nachtmarsch

bei Gewittersturm.--Waidmann's Eldorado.--Königskraniche.--Gnu

und Bläßbock.--Romberg's Farm.--Von schwarzen Gnu's

überrascht.--Hühnervögel.--Klerksdrop.--Potschefstroom.--Das

Moi-Riverthal.--Geognostische Entdeckungen--Wonderfontein und seine

Grotten.

Die Hauptstadt des südlichsten der Batlapinenstämme, Lekatlong (der Name

bedeutet Vereinigung, wohl in Bezug auf die beiden Flüsse), die Residenz

des Fürsten Jantsche, bestand aus circa 160-200 Hütten, welche drei

größere Gehöftgruppen bildeten, in welchen je 2-4 Hütten zu einem Gehöft

vereinigt waren. Die einzelnen Gehöfte waren von einem 4-6 Fuß hohen,

aus dürren Zweigen hergestellten Zaune umgeben. Die Hütten der mittleren

Gehöftgruppe zeigten die emsigste Arbeit, auch reichte die Gruppe bis an

den Fluß. In ihrer Mitte standen auf einem freien Platze die Ruinen

eines Missionsgebäudes, welches einige Jahre zuvor abgebrannt war. Zur

Zeit meines Besuches hielt sich hier kein Missionär auf, in neuerer Zeit

soll jedoch von der »London Missionary-Society«, in deren Wirkungsbezirk

Lekatlong gehört, ein solcher dahin delegirt worden sein. In einiger

Entfernung vom Missionshause erhob sich die Kirche, ein längliches, aus

ungebrannten Backsteinen aufgeführtes, unscheinbares Gebäude, dessen

Giebeldach mit dürrem Grase gedeckt war.

Vom rechten Ufer aus gesehen bot die Stadt mit ihren regelmäßig

aneinander gereihten Gehöftgruppen einen ganz netten Anblick. In den

Straßen, d.h. den freien Räumen zwischen den einzelnen Gehöften

herrschte reges Leben, hier sah man Frauen, welche, große thönerne

Gefäße auf dem Kopfe tragend, zum Flusse eilten, dort wieder Frauen, die

unter der Last großer schwerer Bündel dürren Grases oder Gestrüppe

seufzend nach Hause gingen, während eine Schaar nackter Kinder sich

spielend am Flußufer ergötzte, andere wieder mit den ihrer Obhut

anvertrauten Heerden auf die Weide zogen. Zu diesem Bilde emsiger

Thätigkeit der Frauen contrastirte das dolce far niente der Männer

auffällig, man sah sie allerorts müßig auf der Erde liegen, sich einer

gesättigten Schlange gleich im Freien sonnend und von den Anstrengungen

des eingenommenen Mahles erholend.

[Illustration: Tauschhandel am Wagen.]

Einige der Männer hatten aus europäischen Stoffen, andere aus

weichgegerbten Fellen gearbeitete Jacken und Hosen an; ihre Köpfe

bedeckten kleine, aus Gras oder Binsen gearbeitete Hütchen. Die Männer

waren meist von Mittelgröße, ihr Wuchs war aber weder so schön wie jener

der Zulu's, noch so kräftig wie jener der Fingo's, auffallend hell

schien mir ihre Hautfarbe. Ihre Gesichtszüge waren durch eine anormale

Breite der Nase nicht wenig verunstaltet--eine Mißbildung, welche durch

den Gebrauch kleiner, die Stelle des Taschentuchs vertretender

Eisenlöffel hervorgerufen wird. Ihr Ruf als notorische Faullenzer war

wohl begründet, denn obwohl ihr Gebiet sehr fruchtbar ist, verwendeten

sie sehr wenig Mühe auf den Anbau von Cerealien und waren auch auf dem

Markte von Kimberley seltene Gäste.

In moralischer Hinsicht war der Ausgang des letzten Krieges zwischen den

Engländern und einem Bruderstamme dieser Batlapinen, den Botlaros, von

wohlthätiger Wirkung. Vor dem Kriege, besonders aber zur Zeit der

Entdeckung der River-Diggings kannten Jantsche's Hochmuth und seine

Prätensionen keine Grenze, seine Unterthanen verübten zahlreiche

Einfälle in die Provinz und ließen die berittene englische Polizei am

Vaalflusse nie zur Ruhe kommen. Diesem Allen machte der Sieg der

Engländer ein schnelles Ende.

Nachdem wir das Weichbild der Stadt Jantsche's verlassen hatten,

betraten wir wieder einsamere Partien des Hart-Riverthales, in welchen

erst in größerer Entfernung flußaufwärts zwei bedeutendere

Eingebornenstädte liegen. Es sind dies Taung (nach dem früheren

Herrscher »Mahura's Stadt« genannt), circa 70 Meilen von der Mündung des

Hart-River's entfernt, und Mamusa, die Residenz eines freien

Korannafürsten. Zur Zeit meiner ersten Reise (auf welcher ich jedoch die

Stadt nicht besuchte) regierte daselbst ein Greis, der Maschon hieß, von

den Boers jedoch Tibusch, d.h. Zerbusch genannt wurde, und welcher nach

einer Version 112, nach einer andern 130 Jahre alt war. Mamusa liegt

gegen 40 engl. Meilen flußaufwärts von Taung entfernt, welches, nebenbei

erwähnt, der Sitz des unabhängigen Batlapinenfürsten Mankuruane ist.

Außer diesen beiden Städten finden wir zwischen Lekatlong und Mamusa

zahlreiche Eingebornendörfer, welche zu 90 Percent von Batlapinen,

zwischen Taung und Mamusa auch von Barolongen und nur ostwärts und

gegenüber von Mamusa von Koranna's bewohnt werden. Diese Dörfer sind mit

Ausnahme der von Koranna's bewohnten zumeist auf den Gipfeln der

niedrigen, an den Hart-River herantretenden und begrasten Höhen oder

unmittelbar unter dem Gipfel dieser Höhen erbaut und bestehen gewöhnlich

aus zwei bis acht Gehöften. Nur wenige, darunter das größte dieser

Dörfer, Mitzima genannt, liegen im Thale; dieses zählt etwa 30 Hütten.

Die von den Bewohnern dieser Dörfer bebauten Felder und Gärten liegen

theils im Flußthale, theils an den Abhängen. Außer Kafirkorn und Mais

wird auf diesen Grundstücken auch Zuckerrohr gebaut, dessen Schaft 7-8

Fuß Höhe erreicht.

Wir setzten im Thale des Hart-Rivers unsere Reise fort; die zahlreichen,

unseren Weg kreuzenden, tiefen Schluchten nöthigten uns zu zeitraubenden

Umwegen und bereiteten uns mancherlei Schwierigkeit. Einige Meilen

hinter Lekatlong sah ich mich genöthigt Rast zu halten; es währte nicht

lange, so kamen aus dem nahen Gehöfte ein Junge und ein Greis, welche

mit uns Makoa (Weißen) in Tauschhandel traten. Ich war über ihre hohen

Forderungen überrascht, fand aber bald die Erklärung; die Eingebornen

kannten hier bereits den Werth des englischen Geldes.

Auf der Weiterreise fanden wir in den reichbebuschten und mit hohem Gras

bedeckten Thalpartien nicht minder wie in den Ufergebüschen, günstige

Jagdgelegenheiten. In den letzteren trafen wir vier Arten von Trappen,

darunter zwei Zwergtrappenarten und eine Art von seltener Größe, die

beiden ersteren in größeren Gruppen, die beiden größeren Arten nur

paarweise aus den Büschen auffliegend; in der Nähe der niedrigen

Dornbüsche fanden wir das große Cap-Perlhuhn paarweise in der Erde

scharrend. An sandigen Uferstellen und mit Flugsand bedeckten Partien

der Thalabhänge sonnten sich Steppenhühner, die dicht beschilften Ufer

des Flusses, das Versteck großer Schwärme von Wildenten, lieferten uns

manche Beute. Die freieren Uferstellen waren zumeist mit den

herabhängenden Aesten der Mimosen überhangen, deren dünne Endzweige von

den schönen gelben, mit einem schwarzen Flecke an der Kehle geschmückten

Webervögeln entblättert waren, und an welchen diese ihre kunstvollen

Nester erbaut hatten, welche herabhängenden Früchten ähnelten. Sie waren

platt gedrückt, hatten einen elliptischen Querdurchmesser von 6-10 und

12-15 Centimeter und eine Höhe von 12-25 Centimeter. Der Eingang befand

sich an der unteren, ebenen Seite des Nestes.

[Illustration: Nest des Webervogels.]

Diese Eingangsöffnungen haben eine halbmondförmige Gestalt und sind nur

so groß, daß ein Thier hineinzuschlüpfen vermag. Die obere Nestfläche

läuft kegelförmig zu, so zwar, daß das Nest mit der Kegelspitze an den

Zweigen befestigt ist. Die Nester waren aus frischem biegsamen Grase

gewoben. Die Bauart des Nestes ist eine kunstreiche zu nennen, die

einzelnen Grashalme sind sehr geschickt ineinander verwoben und der Bau

so fest, daß er allen Stürmen vollkommen Widerstand zu leisten vermag.

Bei dem leisesten Winde fingen die schönen Nester zu schaukeln an und

diese Bewegungen spiegelten sich in der ruhigen, durch zarte, in der

Tiefe wuchernde Algenformen verdunkelten Fluth treu wieder, ein Bild,

das dadurch noch an Anmuth gewann, daß sich einer der einfliegenden

Vögel zuweilen längere Zeit an der Oeffnung festklammernd schaukelte.

Dann erschien am Wasserspiegel ein sich hin- und her wiegender schön

gelbgefärbter Punkt, der wie ein schimmernder Edelstein über die hellen

und dunklen Grottenpartien am Grunde des Flusses zu gleiten schien.

Diese Webervögel zeigten nicht die geringste Scheu, so daß wir sie

namentlich gegen Abend leicht im Neste fangen konnten. Hatten wir uns

von dem Neste entfernt, und waren die bei unserer Annäherung entflohenen

Sänger wieder nach ihren Wohnungen zurückgeflogen, so beobachteten sie

mit anmuthiger Neugierde längere Zeit hindurch jede unserer Bewegungen.

[Illustration: Reisende Batlapinen.]

Am dritten Tage unserer Reise erblickten wir im Osten einen aus Süden

hervortretenden, in das Thal des Hart-Rivers tief eindringenden

Höhenzug, der uns als zum Gebiete des Chefs Mitzima gehörig bezeichnet

wurde. Den äußersten vorgebirgsartigen Ausläufer dieses Höhenzuges

nannten die Boers Spitzkopf. Die von uns durchzogene Ebene glich auf

weite Strecken hin einem carminrothen Teppich, welcher bei näherer

Besichtigung aus einer Unzahl mehrblüthiger Lilien bestand. An anderen

Stellen der Ebene trafen wir schöne, dunkelgrüne, auf der Erde wuchernde

Blätter einer anderen Liliacee, welche mit verschiedenen

Rüsselkäfer-Species förmlich bedeckt waren.

In der Nähe einer Zuckerrohrpflanzung begegneten uns vier arbeitende

Frauen--ich benützte diese Gelegenheit, um noch vor unserem Eintreffen

in Mitzima's Stadt unsern Milchbedarf zu decken und sprach die Frauen in

dieser Absicht an. Sie zeigten sich überaus gefällig, ihre Hauen im

Stiche lassend, eilten sie lachend und schreiend ihren mehr denn 300

Schritte entfernten Hütten zu und es währte nicht lange, so waren sie

wieder da, zwei von ihnen mit irdenen Töpfen, die dritte, ein altes

hageres Weib mit einem großen Holzgefäße, gefüllt mit köstlich frischer

Milch. Als Kaufpreis forderten auch sie ein Stück Tabak, mein Erstaunen

wuchs, als sie mir durch Gert, meinen Dolmetscher, zu verstehen gaben,

daß sie leidenschaftliche Consumenten von Schnupftabak wären. Um mir

jeden Zweifel zu benehmen, machten sie die Pantomime des Zerreibens und

ließen mit dem Rufe »Monati« (d.h. das ist schön) den Tabak in den

breiten Höhlen ihrer Nasen verschwinden.

Am Nachmittag fuhren wir an einem aus drei Hütten bestehenden Gehöfte,

dessen Sauberkeit mir sogleich auffiel, vorüber. Auch auf meiner zweiten

Reise unter den verschiedenen Batlapinenstämmen fand ich kein zweites,

das sich mit ihm hätte messen können. Die Hütten waren geräumig und aus

starken Pfählen erbaut, auch stand in einem aus Schilfrohr gearbeiteten

Schuppen ein gut erhaltener schwerer Lastwagen und im Hofe ein

kleinerer, an dem eben, was mir noch mehr auffiel, der Hausherr mit

einem Diener Verbesserungen vornahm. Außerdem fehlte auch ein Pflug

nicht--im Batlapinenlande war dies im Jahre 1873 noch eine große

Seltenheit--und ein halbes Dutzend der ledernen Milchsäcke hing an der

für das Vieh bestimmten Umfriedung. Im Schatten des Wagenschuppens saßen

zwei andere Batlapinen, damit beschäftigt, aus Segeltuch ein neues

Wagendach zusammenzunähen; ich habe nie wieder Leute dieses Stammes so

eifrig an der Arbeit gesehen als diese beiden.

Im geräumigen Hofraume des Gehöftes tummelten sich 15 muntere

dunkelgefärbte Kinder umher, welche bis auf ein kaum blattgroßes

Lederschürzchen splitternackt waren. Den größeren oblag es, die Heerden

an den Ufern des hier eine englische Meile entfernten Hartflusses zu

hüten. Alles zeigte den Segen und die Früchte der Arbeit und des

Wohlstandes.

Im Laufe des Nachmittags hatten wir uns den am Morgen erblickten Höhen

genähert. Sie sind die nördlichsten Ausläufer des bei Hebron am rechten

Vaalufer beginnenden Höhenzuges; ich fand sie namentlich durch die Form

der sie bildenden Felsen interessant. Bald sind es senkrechte Blöcke,

Menschengestalten nicht unähnlich und säulenartig aneinander gereiht,

bald liegen sie stufenförmig übereinander und erwecken die Vorstellung

einer gigantischen Treppe.

Als wir das diesseits vom Spitzkopf liegende Mitzima erreichten, waren

wir, kaum angelangt, von den Neugierigen umringt, deren größtes

Contingent das schöne Geschlecht und die hoffnungsvolle zarteste Jugend

des nach seinem gegenwärtigen Besitzer genannten Eingebornendorfes

stellten. Sie setzten sich in der nächsten Umgebung des Wagens

gemüthlich nieder und begannen zuerst die Makoa (die Weißen) selbst,

dann den Wagen und unsere ganze Ausrüstung auf das lebhafteste zu

kritisiren. Ihr von oft höchst komischen Gesticulationen begleitetes

Gespräch erregte die Lachlust unserer Diener im höchsten Grade, während

wir im Zweifel waren, ob das Mienen- und Geberdenspiel Bewunderung oder

abfällige Kritik zum Ausdruck bringe. Mein Begleiter K., dem böse Zungen

Eitelkeit zum Vorwurfe machten, hielt es für das erstere, wofür auch die

Thatsache sprach, daß F. ihn mehrmals mit dem Pennyspiegel in der Hand

überraschte.

Während F., der die Kinderschuhe noch nicht abgelegt hatte, in das

Lachen und das Mienenspiel mit einstimmte, behauptete E., wie immer,

sein Pfeifchen schmauchend, stoische Ruhe. Seine Miene und sein ganzes

Benehmen zeigten Verachtung, deren Ausdruck ihn aber zur besonderen

Zielscheibe der Spötteleien des schönen Geschlechtes machte, während

manch' wohlwollender Blick auf den netten K. gerichtet war.

Die anwesenden Frauen waren sämmtlich, wahrscheinlich um den Weißen

ihren Reichthum zu zeigen, in Kattunröcken erschienen und hatten Brust

und Hals mit zahlreichen Perlenschnüren geschmückt. Unter ihnen stachen

zwei Mädchen durch bemerkenswerthe Häßlichkeit der Gesichtszüge hervor,

die durch die rothen Ockerstriche im Gesichte keineswegs gemildert

wurde.[1]

1: Im Allgemeinen gebrauchen die Batlapinenfrauen jedoch nicht so

viel Ocker, um sich Gesicht, Hals und Brust zu beschmieren, als die

Frauen der Hottentottenrace und der in der Cap-Colonie wohnenden

Kaffernstämme.

Das schöne Geschlecht, der passiven Haltung müde, ging bald zum Angriff

über und eine der Frauen ließ uns durch Gert bedeuten, unsere Waaren zur

Schau auszulegen, da sie uns für reisende Händler hielten. Die mit

ausgestreckter Hand uns entgegen gehaltenen Schnupftabakdosen waren eine

stumme aber directe Aufforderung, dieselben zu füllen. Da wir keine

Miene machten, ihren Wünschen nachzukommen, beschlossen einige unter den

Frauen einen neuen Angriff, dessen Ziel unsere beiden Begleiter F. und

K. waren, deren Lächeln sie den Frauen als die Zugänglichsten erscheinen

ließ. Nach abgehaltener Berathung trat die Häßlichste und Aelteste der

Frauen zu F. heran und machte ihm eine so aufrichtige und herzliche

Liebeserklärung, daß es Gert, der hierbei als Dolmetsch fungirte, kaum

möglich war, seine Lachmuskeln im Zaume zu halten. Die Scene rang uns

Allen ein helles Lachen ab, während es F. in Wuth versetzte.

Um unseren Neckereien zu entgehen, wagte er die Behauptung, es sei

Mitzima's jüngstes Weib, die hübscheste des ganzen Dorfes gewesen.

Als die Frauen bemerkt hatten, daß aller Minne Mühe vergeblich war,

entfernten sie sich vom Wagen und legten den Rückweg tanzend zurück; im

eigentlichen Sinne des Wortes war es kein Tanz, sie hüpften vielmehr,

sie bewegten sich dabei in kleineren Gruppen zuerst in einem Halbkreise

nach links, dann in einem Halbkreise nach rechts, dann machten sie einen

etwa zwei Schritte langen Doppelsprung nach vorne, drehten sich um, und

begannen die Bewegung von Neuem.

Wir waren froh, der lästigen Besucher los geworden zu sein--unsere

Freude war aber leider nicht von Dauer, denn bald kam eine noch größere

und zudringlichere Gruppe und umstellte den Wagen. Diesmal half uns eine

List aus der Noth, ich erstieg den Wagen und begann das Schrotgewehr zu

reinigen. Beim Anblick desselben machten die Angekommenen eine

unwillkürliche Bewegung nach rückwärts, und ehe ich es vermuthete, war

das Feld geräumt.

In später Nachmittagsstunde verließen wir Mitzima's Dorf, das Passiren

mehrerer Schluchten nahm so viel Zeit in Anspruch und ermüdete die

Zugthiere derart, daß wir noch diesseits des Spitzkopfes, in 1½ Meilen

Entfernung von Mitzima, in der Nähe von drei kleinen Batlapinengehöften,

Halt machen mußten.

Ein in unserem Rücken aufsteigendes Gewitter hatte uns auf dieser Straße

bange Sorge gemacht, denn ein halbstündiger Platzregen hätte genügt, um

jede dieser Schluchten, die zu überwinden wir große Anstrengungen machen

mußten, in einen reißenden und gefahrbringenden Regenstrom zu

verwandeln. Unsere Ankunft bei den erwähnten Gehöften war trotz

vorgerückter Abendstunde nicht unbemerkt geblieben, es stellte sich auch

bald Besuch ein.

Die Nacht, die wir hier zubrachten, war eine besonders helle und schöne,

aber auch empfindlich kalte. Die Felsenbildungen am Abhange der Höhen

glichen phantastischen Gestalten, deren dunkle Schatten weit in die

Ebenen hinausragten. Der niedrige Spitzkopf schien einem Riesen gleich

über uns Wache zu halten, aus der Nähe und Ferne klangen die hellen Töne

der Batlapinengesänge zu uns herüber.

Am nächsten Morgen tauschten wir von dem Ortsvorstande der naheliegenden

Gehöfte einige Kürbisse ein und brachen weiter nach Norden auf. Je

weiter wir den Hart-River hinaufzogen, desto fruchtbarer schienen mir

die Gefilde des Batlapinenlandes zu sein. Namentlich erregten die

kleinen Zuckerrohr-Pflanzungen auf den Feldern und in den Gärtchen mein

Erstaunen. Was mir aber besonders auffiel, war, daß die Eingebornen

diese Zuckerrohrart nicht anders benützen, als daß sie den unteren und

mittleren saftreichen Theil des Stengels in kleine Stücke schneiden und

zerkauen.

Wir durchschritten zunächst eine baum- und buschlose Ebene, auf welcher

mir namentlich ganz eigenthümlich geformte Termitenbauten auffielen.

Diese Termitenbauten stellen statt der gewöhnlichen, manche der

südafrikanischen Ebenen zu Tausenden bedeckenden halbkugel- und

brodlaibförmigen bis 4 Fuß hohen Hügel, an dessem Rande zwei bis drei

kleine Eingangslöcher in das Innere führen--eine aus der Erde

hervorstehende bis zu 6 Fuß hohe und 3-10 Zoll im Durchmesser haltende

gebrechliche, aus Thonerde und Sandkörnern mit Hilfe des Speichels der

Thiere zusammengekittete Röhre dar. Wir beobachteten den Boden in einem

Umkreise von 10-48 Fuß etwas wenig gehoben und meist kahl; aus der Mitte

einer solchen Stelle erhoben sich in der Regel eine oder drei, doch auch

mehrere nach oben zu offene Röhren, während im weiteren Umkreise die

Anfänge zu solchen Röhren lagen, die oft in großer Menge als kleine

kegelförmige nach oben zu geschlossene Erdaufwürfe zu Tage treten.

Gegen Mittag hielten wir in der Nähe des Flusses und mußten uns mit dem

sehr trüben Wasser begnügen, das wir in einigen Lachen in seinem Bette

vorfanden, welches überdies durch das Eintreiben der Heerden von Seite

der Eingebornen sehr verunreinigt worden war. Auch das mit diesem trüben

Wasser bereitete Mahl wollte nicht munden. Während unseres Mahles kamen

hoch auf gehörnten Saumthieren einige Batlapinen von einem der nahen auf

einem kleinen Höhenrücken zu unserer Rechten gelegenen Dörfchen

herbeigeritten. Sie sprangen ab und machten sich's in der Nähe unseres

Feuers bequem. Die Saumthiere blieben, kaum abgesattelt, wie an die Erde

angewurzelt stehen. Man kann sich des Lachens nicht erwehren, wenn man

eine solche Batlapinengruppe heranziehen sieht; ohne angetrieben zu

werden, eilen die Ochsen dahin, wie wenn sie miteinander um die Wette

liefen. Die Nasenscheidewand ist an den Nüstern durchbohrt und ein

Holzpflöckchen durchgesteckt, an welches, an beiden Enden

eingeschnitten, ein etwa 2 Meter langer Riemen, der Zaum, befestigt ist.

Ueber den Rücken des Thieres ist in der Regel ein Sack oder eine Decke,

oder ein Stück Leder geworfen, welches den Sattel vorstellen soll. Zu

beiden Seiten hängen Riemen mit eisernen oder ledernen Steigbügeln. Die

Ankömmlinge zeigten sich sehr freundlich und einer derselben antwortete

auf meine Frage, wie weit es noch nach Springbockfontein sei, schnell

gefaßt, indem er auf die über uns stehende Sonne wies: »Wenn Ihr jetzt

diese Stelle mit Eurem Wagen verlaßt, so werdet Ihr zur Zeit, wenn sich

jener Gebieter da droben zur Ruhe gelegt, mit der klaren Fluth des

Wassers, in dem die Springböcke ihren Durst stillen, auch Eure

Wassergefäße füllen können.«

Die nahen Mais- und Kürbißfelder boten mir Gelegenheit, meine Sammlungen

zu bereichern, namentlich durch einige schöne Species von Sandkäfern

(Cicindelidea). In meinem Eifer bemerkte ich nicht, daß ein Gewitter

bereits dem Ausbruche nahe war, und erst als ein tüchtiger Regenschauer

mich durchnäßte, eilte ich zum Wagen. Ein Blitzstrahl fuhr in diesem

Momente einige hundert Schritte thalabwärts in einen der Maisgärten

nieder; am Wagen angekommen, fand ich, daß meine Begleiter es

unterlassen hatten, einige zum Trocknen an die Sonne gesetzte

Pflanzenpräparate, sowie auch die an einem nahen Busche angelehnten

Gewehre vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Der fremden Besucher

saßen nur noch drei am halberloschenen Feuer, doch rückten sie nun, um

etwas Schutz gegen den Regen zu suchen, auch näher an den Wagen heran.

In den Wagen springend ersuchte ich meine Freunde, mir rasch die

Pflanzen und dann die Gewehre zu geben.

[Illustration: Unfall im Hart-Riverthale.]

Einer meiner Begleiter hatte mir die ersteren gereicht, und war eben

daran, mir auch die Gewehre zu übergeben, als ein Blitzstrahl in

unmittelbarer Nähe hinter dem Wagen zur Erde niederfuhr. Ich hatte in

diesem Momente das Gewehr mit der linken Hand am Laufende erfaßt, um es

im Innern des Wagens an die gehörige Stelle zu legen (die Gewehre sind

stets an der Innenwand des Wagens gebrauchsbereit angeschnallt). Durch

den plötzlichen nahen Donnerschlag außer Fassung gebracht, ließ mein

Freund das Kolbenende fallen, dabei hatte sich der eine Hahn (es war ein

Doppellauf) an der Deichsel aufgespannt und als ich eben mit der

Absicht, das Gewehr im Wagen zu bergen, dasselbe an mich heranzog,

entlud sich der mit Hasenschrot geladene rechte Lauf. Ich weiß mich nur

noch zu erinnern, daß in dem Augenblicke, wo der Blitzstrahl die ganze

Umgebung grell beleuchtete, eine heftig auflodernde, von starker

Detonation begleitete Feuererscheinung unmittelbar folgte. Ich fühlte

heftigen Schmerz in der linken Augengegend, und theils durch den

Schreck, theils betäubt von dem Schusse, verlor ich das Gleichgewicht

und fiel vom Wagen herab. Meine Freunde hielten mich im ersten

Augenblicke für todt, glücklicher Weise war meine Verwundung keine

tödtliche. Die Schrote waren durch die linke Hohlhand von unten nach

aufwärts gegangen und hatten die linke Schläfe so gestreift, daß sie die

Hutkrämpe durchbohrt und die so erzeugten Löcher in derselben mit meinen

Haaren ausgefüllt hatten.

Da jedoch der Schuß in solcher Nähe der linken Gesichtshälfte abgefeuert

worden war, so war auch das Aeußere des linken Auges bedeutend verletzt.

Ich blieb auf zwei Tage auf diesem Auge vollkommen blind und litt noch

vierzehn Tage an einer äußeren Augenentzündung. Unmittelbar nach dem

Schusse waren auch die Eingebornen aus ihrem Verstecke gesprungen und

wunderten sich nicht wenig über das Ereigniß, das sich vor ihren Augen

abgespielt hatte. Im Momente desselben war ein Batlapinengreis zu dem

Wagen herangekommen, der bei seiner Annäherung auch ein Zeuge dieser

Scene gewesen. Bevor meine Freunde noch eingespannt hatten, um

wenigstens noch an diesem Tage Springbockfontein zu erreichen, kamen

noch einige Eingeborne zu Besuch, wovon einer, der Anrede nach zu

schließen, der Sohn des alten Mannes zu sein schien, und von diesem

folgende weise Ermahnung erhielt: »Sieh hinein in den Wagen, dort liegt

ein todter »Bas« (Gebieter, Meister). Mein Herz sagt es mir, daß es ein

sehr böser Mann gewesen sein mußte, denn als er vorne am Wagen stand,

und seine Freunde, die ihm langsam die Gewehre reichten, mit lauten

zornigen Worten schalt, da schlug ihn »Morena« (der Herr der Wolken) mit

Donner und Blitz, so daß er vom Wagen herabrollte, und wenn er nicht

schon todt ist, gewiß nicht mehr lange Mais essen und das Zuckerrohr

aussaugen wird.«

Obwohl Springbockfontein nicht mehr weit entfernt war, mußten wir es mit

Rücksicht auf meinen Zustand aufgeben, denselben Abend noch hinzukommen.

Die Erschütterungen des Wagens verursachten mir die heftigsten

Schmerzen. Nach zweistündiger Fahrt machten wir auch Halt.

Am folgenden Vormittage erreichten wir die sogenannte Ansiedelung der

Weißen, welche aus mehreren Zelten und Schilfhütten bestand und von vier

holländischen Familien, Flüchtlingen aus der Transvaal-Republik, bewohnt

waren, die wahrscheinlich Schulden halber ihre früheren Wohnsitze

verlassen hatten.

Ich fand ähnliche Ansiedelungen auch in den anderen Betschuanaländern,

deren Bewohner sich meist theils durch die Jagd, theils als Gerber,

Holzschläger oder als Händler ernähren. Im Allgemeinen führen diese

Menschen ein elendes Dasein und gehören wohl zu dem ungebildetsten

Theile der holländischen Bevölkerung in Süd-Afrika. Ihre Lage ist

furchtbar, wenn sie, von Krankheiten heimgesucht, ohne Rath und Mittel

darnieder liegen.

Die Springbockquellen sind sehr schwach und durchfließen einen kleinen

Morast, bevor ihr Wasser den Hart-River erreicht; in dem kleinen Moraste

fand ich die gewöhnliche südafrikanische Wasserschildkröte zahlreich

vertreten.

Am folgenden Morgen, als ich mich etwas besser fühlte, verließen wir den

Ort und zogen thalaufwärts weiter; ich hatte im Sinne, das Gebiet des

damals noch unabhängigen Batlapinenfürsten Gassibone zu bereisen; leider

hatten uns die an den Quellen wohnenden Holländer eine falsche Richtung

angegeben, was wir erst spät Abends von zwei vorübergehenden Eingebornen

erfuhren. Unsere Reise an diesem Tage war eine recht beschwerliche, wir

zogen theils durch sehr dichtes Buschland, theils über sandigen Boden,

und mußten sehr oft halten und den Thieren Rast gönnen. Je weiter wir

nach Nordosten vordrangen, desto waldreicher schien die Gegend, d.h. das

Land war mit schwachen Beständen von Kameeldornbäumen bedeckt.

Nach und nach hatten wir uns vom Hart-River entfernt und mußten, nachdem

wir von den beiden vorübergehenden Eingebornen die wahre Richtung von

Gassibone's Stadt erfahren, denselben Weg bis zu dem Hart-River

zurückgehen; reichliche Jagdbeute entschädigte uns indeß für diesen

Zeitverlust.

Wir schlugen nunmehr eine ostsüdöstliche Richtung ein und zogen quer

durch den Wald nach der das Hart-Riverthal im Osten begleitenden

Höhenkette, an welcher der Hauptkraal Gassibone's liegen sollte. Der Weg

war einer der beschwerlichsten, die wir auf der ganzen Reise

zurückzulegen hatten, und erheischte die größte Vorsicht, um Wagen und

Gespann vor Schaden zu behüten. Anfangs führte derselbe durch ein

monotones Buschland, später durch einen Mimosenwald, in dem uns einige

Batlapinen, Unterthanen Gassibone's, begegneten, die uns in freundlicher

Weise den kürzesten Weg nach des Häuptlings Kraal zeigten. Ueber eine

tiefe Einsattelung im Höhenrücken gelangten wir nun in ein

kesselförmiges Thalbecken; im Hintergrunde, da wo mehrere Höhenzüge

sternförmig zusammenstießen, lag theilweise in dem Hauptthale, theils in

einem der einmündenden Querthäler, die Stadt Gassibone's. Das Hauptthal,

vor dessen Eingang wir standen, war ziemlich gut angebaut.

Der lange beschwerliche Ritt hatte uns alle ziemlich abgespannt, ich

beschloß daher, da der Kraal des Häuptlings noch ziemlich entfernt lag,

hier das Nachtlager aufzuschlagen.

Früh Morgens ließen wir die Thiere grasen und dann ging es aufwärts nach

Gassibone's Residenz. In den Maisgärten waren schon die Frauen emsig

beschäftigt und die Jungen trieben nach allen Richtungen hin die Heerden

in die Berge auf die Weide. Es war ein schöner warmer Morgen und die

gesammten Mitglieder der Expedition (Weiße und Farbige) im besten

Humor.--Der volle Titel des Königs dieses Batlapinenlandes, der sich

zwei Jahre später der Transvaal-Republik freiwillig unterwarf,

gegenwärtig aber, seit der Annexion derselben durch die Engländer, ein

englischer Unterthan wurde, ist Morena Botlazitse Gassibone. Seinem

Charakter nach ist er ein Mann, der vielen Lastern, besonders aber dem

Trunke ergeben ist. Die Häuser der Stadt zeigten denselben Charakter wie

jene Lekatlongs, die Stadt mochte ungefähr 2500 Einwohner zählen. Meine

Absicht war, von der Stadt aus eine südliche Richtung nach dem

Vaal-River zu nehmen und dann nordöstlich nach der Transvaal-Provinz

vorzudringen. Da in dieser Richtung kein Weg nach derselben führte, so

sandte ich zum König um einen Wegweiser und betraute mit dieser Mission

den hoffnungsvollen F., der überdies den Auftrag erhielt, vom König

einige Töpfe Milch zu erstehen. Um dem Ueberbringer meiner Botschaft

mehr Ansehen zu verleihen, wurde ihm ein Revolver um den Leib gehängt

und ein Paar hohe Stiefel angezogen. F. fühlte sich durch die Mission so

geehrt, daß sein ganzes Gesicht mit dunkler Röthe überzogen war und

seine Augen leuchteten, seine imponirende Haltung flößte nicht nur den

Eingebornen, die ihm begegneten, demuthsvolle Scheu ein, sondern gewann

ihm auch das zuvorkommendste Benehmen Seiner schwarzen Majestät, so daß

dieser nicht nur seiner Bitte um Ueberlassung einiger Töpfe Milch zu

willfahren versprach, sondern sich auch noch erbot, mir für einen

zweiten Shilling einen Führer zur Verfügung zu stellen, der uns durch

die Schluchten auf die freie Ebene bringen sollte. Ja der Fürst ging

noch so weit, um dem martialisch aussehenden Jüngling einen Ausdruck

seines besonderen Wohlgefallens zu geben, daß er ihm von dem Gerichte

anbot, mit dem eben eine seiner Königinnen ihren Batlapinen-Appetit

stillte.

Die cylindrische, etwa 5 Meter im Durchmesser haltende und bis zum

Giebel des kegelförmigen Daches etwa 3 Meter hohe Hütte war durch einen

Mimosenbaum gestützt, der bis zur Höhe des Daches reichte. Am Fuße

dieser Säule saß die erwähnte schwarze Schönheit in ein europäisches

Kattunkleid gehüllt und auf ihrem Schooße hielt sie eine Holzschüssel,

gefüllt mit einem beliebten Batlapinengerichte. Unser wackere Herold

wollte, nachdem er des Königs Antwort durch meinen Diener, der ihm als

Dolmetsch beigegeben war, erfahren, vom Anerbieten Gebrauch machen, und

griff mit voller Hand zu. Erschreckt zog er die Hand zurück, denn die

Schüssel enthielt getrocknete Heuschrecken, nach deren Genuß es unserem

Freund durchaus nicht gelüstete. Zum Wagen zurückgekehrt, versicherte

F., ähnliche Gesandtschaftsdienste zu anderen Betschuanakönigen nicht

mehr annehmen zu wollen.

Die königliche Hütte war inwendig mit Thonerde überschmiert und der

Boden glatt cementirt, an den Wänden hingen ringsum auf Pfählen aus den

Fellen des Proteles, des grauen Fuchses, des Schabrakenschakals und der

schwarzgefleckten Genetta gearbeitete Carossen. Dem Eingange gegenüber

hing an der Säule ein amerikanischer Hinterlader; auf der Erde längs der

Wand lagen Schaf- und Ziegenfelle ausgebreitet--die primitiven

Ruhebetten. Während des Gespräches mit F. hatte Gassibone sich

entschuldigt, daß die Kürbisse auf den Feldern noch nicht reif seien,

und daß er mir auch kein Fleisch übersenden könne, weil seine Heerden

der Wassernoth halber am Vaal-River weideten. Ich konnte mich auch

späterhin überzeugen, daß es zu jener Jahreszeit im Jahre 1873 zwischen

dem Vaal- und Hart-River kein trinkbares Wasser gab. Selbst in

Gassibone's Stadt floß die Quelle so spärlich, daß sie fortwährend von

Batlapinenfrauen umlagert wurde und blos eine nach der andern zum Wasser

gelangen konnte. Als unser Diener zur Quelle kam, wurde er von den

Frauen so angeschrieen, daß er es vorzog, sich schleunigst mit dem

leeren Eimer zurückzuziehen. Uns blieb nichts übrig, als uns welches von

den Eingebornenfrauen zu kaufen oder uns mit einer entsprechenden Menge

einer mispelartigen, wildwachsenden Obstart zu versehen, um unseren

Durst zu stillen.

Im Allgemeinen schien es mir, daß diese Batlapinen ihr Oberhaupt nicht

besonders respectiren. In den letzten Jahren (seit dieser ersten meiner

Reisen) kam es zwischen Gassibone einerseits und Mankuruan und Jantsche

andererseits zu Reibungen, welche größtentheils auf zwei Gründen

beruhten: erstens behauptete Gassibone wie Mankuruan, daß jeder der

Paramontchief (oberster Fürst oder der eigentliche König) der Batlapinen

sei, zweitens bewies sich Jantsche wie Mankuruan den Engländern und

Missionären gewogen, während Gassibone gegen dieselben eingenommen, den

Holländern stets gewogen war. Darum trat er auch sein Land an die

Transvaal-Republik ab, als Mankuruan daran dachte, sich der englischen

Regierung zu unterwerfen. Als nun die Transvaal-Republik von den

Engländern annectirt wurde, belästigte er die holländischen Boers, die

er nunmehr als englische Unterthanen haßte, derart, daß gegen ihn ein

Commando abgesendet werden mußte, dem gegenüber er sich ebenso feig als

vorher prahlerisch bewies.

[Illustration: Mein Gesandter bei König Gassibone.]

[Illustration: Batlapinen bei der Arbeit.]

Wie in allen Eingebornendörfern hatten wir auch hier eine Belagerung von

Seite der Eingebornen auszuhalten, die an Lärm nichts zu wünschen übrig

ließ; es wurde geschrieen, gesungen und gelacht, dabei Tauschhandel

getrieben, alte und frische Raubthierfelle, Ziegen- und Ochsenhäute,

Holzlöffel und stumpfe unbrauchbare Assagayen, Mais und unreife

Kürbisse, geröstete Heuschrecken und Honig zum Kaufe angetragen. Der

Eine bettelte, der Andere bat, ein Dritter klagte, daß ihm alles

mögliche fehle, dazwischen kreischte eine weibliche Stimme, ob ich auch

ein Medicinmann sei, wie ihr einer meiner Diener berichtet, sie wolle

eine Medicin kaufen, welche ihr zu einem Kinde verhelfen würde; sie

hätte weder Sohn noch Tochter. »Ich habe aber einen Mann und mehrere

andere Frauen wohnen in demselben Gehöfte und die haben Kinder, aber ich

keine.« Je bereitwilliger man sich aber diesen Leuten gegenüber zeigt,

desto ärger und unverschämter werden sie in ihren Forderungen; je

zurückhaltender man ist, ohne jedoch barsch mit den Leuten zu verfahren,

desto bessere Resultate erzielt man.

Nachdem wir etwas Mais von den Leuten erstanden, machten wir uns auf den

Weg. Unsere Frage, ob wir unsere Fässer mit Wasser füllen sollten,

verneinte der uns vom Könige mitgegebene Führer mit der Bemerkung, wir

würden an vielen Stellen des Wegs hinreichend Wasser antreffen. Da wir

den Mann als Führer erhielten, glaubten wir ihm vollkommen trauen zu

dürfen, allein wir wurden bitter enttäuscht. Wir fanden auf der ganzen

Strecke zum Vaalflusse kein Wasser, und hatten, da wir diesen und den

folgenden Tag in brennender Sonnenhitze reisen mußten, viel Durst zu

leiden. Das Land zwischen Gassibone's Stadt und dem Vaalflusse ist eine

einzige Hochebene, theilweise bewaldet und bebuscht, theilweise, und

namentlich in feuchten Jahren, hochbegrast.

Auf dieser Ebene dahinziehend, fiel uns ein eigenthümlicher grauer sich

rasch nähernder Wolkenstreifen auf, der den westlichen Horizont

bedeckte. Je näher er kam, desto mehr ähnelte er von der Erde

aufsteigenden, stellenweise dichteren Rauchsäulen. Es war eine

Heuschreckenwolke. Diese Wanderheuschrecken erscheinen oft während der

südafrikanischen Sommerszeit in meilenlangen Schwärmen, alles Grün in

der Vegetation vernichtend, wo sie einfallen. Ihr Flug ist aber ein

ununterbrochenes Einfallen, d.h. während sich der eine Theil zum Fraße

niederläßt, fliegen die bereits gesättigten Thiere über die Ersteren

hinweg, so lange, bis sie der Hunger zum abermaligen Niederlassen

zwingt.

Unser Führer bezeichnete uns in der grasreichen Ebene, in der ich zehn

Monate später durch einen Brand beinahe eine aeronautische Excursion

unternommen hätte, eine binsenreiche, durch einen hohen Kameeldornbaum

gekennzeichnete Stelle in genau südlicher Richtung, wohin wir gegen

Sonnenuntergang kommen und Wasser finden sollten. Als wir jedoch am

Nachmittag an Ort und Stelle waren, fanden wir eine sehr seichte, bis

auf einige wenige, kaum je einen Becher Wasser enthaltende Stellen,

vollkommen ausgetrocknete Regenlache. Wasser konnte man es eigentlich

nicht nennen; es war vielmehr ein grünlich-dickes reichlich mit

Kaulquappen, Insectenlarven und Infusorien versetztes und stark nach

Ammoniak riechendes, wässeriges Fluid. Es bedarf wohl keiner besonderen

Versicherung, daß uns bei dem bloßen Gedanken an den Genuß dieses Fluids

anfänglich Ekel erfaßte, allein der Durst besiegte schließlich alle

Bedenken. Die Flüssigkeit wurde aus einigen der Löcher mit einem Löffel

geschöpft und damit eine Serviette gefüllt, in der sicher Millionen von,

dem bloßen Auge unsichtbaren und eine Unzahl von handgreiflichen

thierischen Gebilden herumtummelte, und das Wasser mühselig

durchfiltrirt. Das ganze Experiment ergab etwa 1½ Becher einer

dicklichen Flüssigkeit, welche Menge in fünf gleiche Theile getheilt

wurde.

Nach einer zweistündigen Rast, während welcher wir trotz brennenden

Durstes keinen zweiten Filtrirungsversuch machten, brachen wir wieder

auf. Im selben Maße als wir uns dem Vaalflusse näherten, schwanden die

Büsche und Bäume, das Gras wurde niedriger--ein ausgezeichneter

Weideplatz für große Heerden. Wir sahen nichts von den Gnu's und

Gazellen, die wir nach der Angabe der Bewohner von Gassibone's Residenz

auf der genannten Strecke hätten finden sollen; wir begegneten nur

wenigen Batlapinen, welche blos mit Stöcken bewaffnet und von mehreren

afrikanischen Windhunden begleitet, auf Niederwild jagten.

Tags darauf, als sich die Sonne bereits hinter dem bewaldeten

Freistaatufer des Vaalflusses zu bergen begann, wurden wir von einem

kleinen Batlapinenjungen, der auf der weiten Grasebene Ziegen hütete,

auf die bewaldeten Hügel aufmerksam gemacht, hinter welchen sich der

Fluß hinschlängelte. In der angegebenen Richtung sahen wir einige

Hütten, wo Gassibone's Viehhüter wohnten, welche Früh und Abends die auf

der Ebene weidenden Rinder nach dem Flusse zur Tränke zu führen hatten.

Der Vaal-River gehört unstreitig zu einem der trügerischesten Flüsse

Süd-Afrika's. Seine Ufer, weniger sein Bett, sind so schlammig, daß die

zur Tränke gehenden Zugthiere einsinken und eines elenden Hungertodes

sterben; und dies namentlich ältere Thiere, welche der längs des Flusses

fahrende Gespann- und Wageninhaber (Rider) wegen Abmattung an einer oder

der anderen Stelle bis zu seiner Rückkehr von der eben unternommenen

Geschäftsreise oder bis zu einem vielleicht mehrere Monate später

erfolgenden Besuche zurücklassen muß. Auch ich machte mehrmals bittere

Erfahrungen in dieser Hinsicht.

Während sich meine Begleiter daran machten, die Tränkestelle der

Batlapinenrinder aufzusuchen, wandte ich mich mit dem Gewehre

stromabwärts, um einige Wildenten für unsern Nachtimbiß zu erhaschen. Es

wurde allmälich dunkel. Ich trat so leise wie nur möglich, auf den

härteren Bodenstellen blos mit den Fußspitzen auf, und wo ich vor mir

trockene Büsche an dem steilen Uferabhange zu berühren glaubte, da

beugte ich mich nieder, um sie zu beseitigen und so jedes Geräusch durch

ein Zertreten derselben zu vermeiden. Da, ein lautes Geschnatter--mir

schon bekannt--zu meiner Linken, dann ein schwerer Flügelschlag und über

das Wasser stromabwärts bewegten sich zwei der ersehnten Wildgänse

(Chenalopa). Unwillkürlich knieete ich nieder, um desto besser sehen und

dem Flügelschlage lauschen zu können; die tiefe über dem schönen hier so

ruhig, so langsam dahinfließenden Strome herrschende Stille durch einen

Schuß zu unterbrechen, schien mir ein Frevel zu sein. Der breite Fluß

schimmerte matt vor mir nach dem Westen zu, wie ein riesiges, glänzendes

Band; und in der Seele tauchte--unbewußt und ungesucht--ein ähnlich Bild

aus weiter, weiter Ferne auf! Ein schönes, fast ähnliches Band, das den

Fuß des Mittelgebirgs umsäumt, und an dem ich so manchen Abend und

manche Nacht fischend durchgeträumt! In seiner Nähe, aus einem kleinen

bescheidenen Häuschen, pflegte ein Licht in die dunkle Nacht mir

entgegen zu schimmern!--Schimmert es nun auch jetzt,--wo ich hier in der

Abendstille am Ufer eines afrikanischen Stromes weile? O, theures

Vaterherz, o, liebe Mutter denkt ihr meiner?--Zürnet nicht, daß ich euch

verlassen, ich komme wieder und dann ist ja Alles gut!--Und so saß ich

stundenlang unter den hohen Weiden am Ufer des Garip. Nur undeutlich

hoben sich die schattigen Bäume am Horizonte des jenseitigen Ufers ab.

Ich machte mich endlich auf den Heimweg. Die Dunkelheit erschwerte mir

diesen Versuch mehr als ich dachte. Oft stieß ich mit dem Kopfe an einen

quer gegen den Fluß reichenden Ast der Trauerweide oder ich stolperte

über ihre Wurzeln. Einige Eulen schienen wohl am jenseitigen Ufer eine

Meerkatzenheerde aufgeschreckt zu haben, denn zuerst plötzlich und

mehrstimmig, dann nur in Pausen scholl das kurze, schwache Geschrei der

Meerkatzen zu mir herüber, welche die Gipfel der höheren Bäume zu ihrem

Nachtlager gewählt haben mußten. Mehrmals überraschte mich auch ein

plötzlicher Fall in's Wasser, es waren flüchtende Wasserleguane

(Polydaedalus), riesige, fünf Fuß und darüber lange Eidechsen, welche

die Uferlehnen nach Mäusen, Kerbthieren etc. durchsuchend, geräuschlos

bei meiner Annäherung bis an das Wasser geschlichen und dann plötzlich

untergetaucht waren. Diese Riesenechsen wählen sich meist ein stetig

oder wenigstens periodisch fließendes Gewässer zu ihrem Aufenthaltsorte,

sowohl in der Nähe menschlicher Wohnungen als auch in der Wildniß. Ihr

Gebiß ist für Thiere, die größer als ihr Schlund sind, ungefährlich,

allein sie haben eine gewaltige Kraft in ihren Kiefern und eine noch

bedeutendere in ihrem langen Ruderschwanze, der ihnen namentlich beim

Fange von Wasserthieren von sehr großem Nutzen ist. Ein solcher Leguan

wartet in der Regel am Rande eines Baches, flach auf der Erde oder auf

einem überhängenden Baumstamme platt liegend, wie ein Stück Holz, so daß

man ihn kaum bemerkt, und oft stundenlang unbeweglich auf Beute. Nichts

verräth in dem dunkelbraunen Thiere, dessen Schuppenleib von zahlreichen

grünen und gelblichen Querstreifen bedeckt ist, Leben, als die winzigen

Augen, die sich ununterbrochen öffnen und schließen, bis sie eine

nahende Beute erspäht und dieser ihre Aufmerksamkeit zollen. Mäuse,

Frösche und Kerbthiere und alles was er bewältigen kann--also was unter

Säugethieren die Größe einer Ratte, unter Vögeln die Größe eines Huhnes

etc. erreicht--wird seine Beute. Eine besondere Vorliebe scheint er für

Krabben und Eier zu haben. Doch glaube ich, daß jene Vorliebe für das

Krabbenessen, die wir häufig beobachten konnten, eigentlich nur ein

Gebot der Nothwendigkeit ist und daß die Echse nur aus Mangel an anderer

Beute dieses durch ganz Süd-Afrika und auch weit nach dem Norden zu

vorkommende Krustenthier aus seinen Löchern herausholt. An solchen

Bächen und Flüssen werden wir eine Menge der zerkauten Schalenüberreste

gewahr, so daß wohl eine beträchtliche Zahl von Krabben für die

täglichen Mahlzeiten des schuppigen Wasserbewohners nothwendig sein mag.

An fließenden Gewässern mit hochbegrasten Ufern liegende Gehöfte haben

von den Leguanen viel zu leiden, weil sie nur zu gerne die Hühnerställe

besuchen und dem Menschen das Einsammeln der Eier ersparen. Ja, sie

gehen in dieser Vorliebe auch so weit, daß sie sogar hohe Bäume

erklettern, um nach Vogelnestern zu fahnden, wie ich dies in der

Missionsstation Limkana am Matebe-Flüßchen beobachtete. Doch werden sie

im Baumklettern von ihren nahen Verwandten, den Landleguanen, bedeutend

übertroffen. Ich fand die Wasserleguanen von der südlichen Meeresküste

bis in das Marutse-Reich verbreitet. In Flüssen, wo sich Krokodile

vorfinden, bewohnen sie die Stromschnellen, weil diese von den ersteren

gemieden werden.

Nächst dem Wasserleguan finden wir auch in Süd-Afrika eine ähnliche,

doch nie im Wasser lebende Species, den schon nebenbei erwähnten

Landleguan. Diese Art ist breiter gebaut, unbeholfener, hat einen

bedeutend kürzeren Schwanz als jene und wird im Ganzen 4-5 Fuß lang. Man

findet sie auf grasarmen wie auf hochbegrasten Ebenen, in Felsenpartien,

in Gebüschen, wie auch in Wäldern. Sie suchen kleine Vögel, Mäuse,

Ratten, Asseln und Insecten zu ihrer Nahrung auf, auch das Nestausnehmen

ist ihnen eine beliebte Sache und die Bäume sind für sie das, was für

die Polydaedalus das flüssige Element ist. Wittern sie Gefahr, so

klettern sie rasch auf ihren luftigen Wohnsitz und legen sich dann flach

auf einen der Queräste nieder; sind sie jedoch am Boden, so verkriechen

sie sich rasch in ein verlassenes Erdthierloch, oder wenn sie diese

Zufluchtsstätte nicht finden, versuchen sie es, sich an den Boden

anzuschmiegen und bewegungslos zu verharren. So wie man sie jedoch

berührt, kommt plötzlich Leben in die anscheinend schlafenden Thiere.

Sich aufrichtend, strecken sie sich, fauchen laut, und schreiten langsam

und gravitätisch--man möchte sagen, blos auf ihren Nagelspitzen einher;

ebenso dick als sie uns früher, auf der Erde liegend, erschienen, ebenso

dünn und zu wahren Gerippegestalten werden sie nunmehr. Im Unterleibe

dieses Pachysauriers trifft man eine reiche lappige Fettansammlung,

welche von mehreren südafrikanischen Eingebornenstämmen als Heilmittel

für verschiedene Krankheiten gebraucht wird.

Erst gegen Mitternacht war ich wieder zu meinen Begleitern am Wagen

zurückgekehrt, welche durch mein langes Fernbleiben beunruhigt,

wachgeblieben waren.

Am folgenden Morgen brachen wir, nachdem wir uns die Wohlthat eines

Bades im Vaalflusse gegönnt, in ostnordöstlicher Richtung nach der

Transvaal-Republik auf. Eher als ich es erwartet, stießen wir schon nach

zweistündiger Fahrt auf einige Gebäude am rechten Vaalufer. Näher

kommend fanden wir ein längliches Ziegelhaus mit Eisenblech bedeckt,

einen zweiten aus Erde und Pfählen aufgeführten Kunstbau, der jeden

Augenblick einzustürzen drohte und ein drittes aus gebrannten

Backsteinen erbautes Häuschen mit flachem Dache. Diese an drei

verschiedenen Enden der ausgemessenen, zukünftigen Stadt aufgeführten

»Gebäude«, 2 Zelte und 13 Korannahütten, bildeten im Jahre 1872 das

Häusermeer der westlichsten der Städte der Republik, das später durch

die Unruhen im Lande Gassibone's und unter den nahe anwohnenden

Koranna's in Süd-Afrika ziemlich bekannt gewordene Christiana. Das

erstgenannte Haus war die Wohnung des Landdrostes und zugleich das

Comptoir der höchsten Civil- und Militärgewalt des Districtes Bloemhof,

in dem zweiten kleinen, mit flachem Ziegeldach bedeckten war ein

Kaufmannsladen und in dem baufälligen Hause wohnten, wenn ich nicht

irre, der Sheriff, ein Notar etc. In dem einen Zelte die dem Sheriff

unterstehende Polizeiarmee für die Städte Christiana und Bloemhof und

für den ganzen District--in Summa _ein_ Schwarzer. In dem zweiten Zelt

hatten sich ein paar Maurer einlogirt, welche ein öffentliches Gebäude,

ich glaube ein fensterloses Gefängniß, errichten sollten.

Seit jener Zeit meines ersten Besuches der Transvaal-Provinz hat sich

auch in Christiana viel und zum Bessern verändert, so daß das Städtchen

gegenwärtig an Bedeutung mit Bloemhof rivalisirt, welches im Jahre 1876

etwa 30 Häuser zählte. Die rasche Entwickelung Christiana's ist,

abgesehen von der günstigen Lage der Stadt auf der aus Griqualand nach

der Transvaal-Provinz führenden Straße, wesentlich ein Verdienst seines

Landdrostes, dessen Bekanntschaft ich zu machen später das Vergnügen

hatte, und ich kann nur sagen, daß er unter der Republik seiner

schwierigen Stellung als Grenznachbar mehrerer unruhiger

Eingebornenstämme in der besten Weise gerecht wurde, so daß er selbst

nach der Annexion von Seite der Engländer in seinem Amte belassen wurde.

Als ich damals, im Jahre 1873, dem mich am Wagen besuchenden Kaufmann

(Kaufmann, Großhändler, Waffenschmied, Hotelbesitzer, Fleischer und

Bäcker zugleich) mein Erstaunen an den Tag legte, daß sich in Christiana

die Gesetzeskraft blos auf einen Polizisten stützen könne und man auch

kein »Arrestlocal für gemeingefährliche Individuen« besäße, antwortete

mir der Mann (der Nationalität nach ein Deutscher), daß man kein

Gefängniß brauche, da es keinen Sträfling gebe. Die Einnahmen des

Landdrostamtes von Christiana waren damals noch so klein, daß man schon

an und für sich nicht darauf erpicht war, »Gefangene« zu machen; aber

hätte man auch einen »Vogel« ertappt, wo hin mit ihm? Der Herr Notar

konnte ihn unmöglich zu sich in sein Zimmer nehmen, er theilte es ja mit

dem Sheriff, aus dem Zelte wäre er mühelos entwischt, ihn im Hause des

Kaufmannes unterzubringen, ging auch nicht an, hier wäre ihm die

Versuchung zu nahe gelegen, sich für die Flucht noch mit Proviant gratis

zu versehen. Das waren alles wichtige Momente, die man berücksichtigen

mußte, zudem hatten die Boers es gewöhnlich dem Herrn Landdrost

erleichtert, daß sie den Schuldigen unter ihrem »Volke« (schwarzen

Dienern) den Schambock (Hippopotamos-Peitsche) zu verkosten gaben,

sobald sich einer eines Diebstahls etc. zu Schulden kommen ließ, und

wobei jede Mühe (das Transportiren des Diebes zum Gerichte und die

Tagfahrten) sowie Geld (all' die mit dem gerichtlichen Verfahren

verbundenen Kosten) erspart wurden.

Wir hatten unser Lager unmittelbar am Ufer des Vaal aufgeschlagen, das

hier ziemlich hoch ist und einen guten Einblick in die zahlreichen

Inseln und Stromschnellen des Flusses gewährt. Unstreitig ist die

Flußscenerie bei Christiana recht interessant und für den Ornithologen

ein Besuch der Inseln sehr lohnend. Ich habe hier die prachtvollen,

langschwänzigen Mandelkrähen an ihrer südlichsten Verbreitungsgrenze

beobachtet.

Auch in Christiana wurden Diamanten gesucht, doch nur spärlich gefunden.

Am nächsten Tage (13. März 1873) verließen wir die »Stadt« und zogen

weiter flußaufwärts nach Bloemhof. Die zwischen beiden Städten sich

erstreckende Gegend gehört zu den kahlsten und ödesten des

Transvaal-Gebietes und trägt ganz den Charakter einer Karoo-Ebene. Zu

dem trostlosen Anblicke des Transvaalufers bildet das jenseitige

Freistaatufer einen scharfen Contrast. Dichte Kameeldornbäume bedecken

das Ufer auf weite Strecken hin und in den Fluthen des Vaal spiegeln

sich zahlreiche Farmen ab, welche seine Gelände säumen.

[Illustration: Gefährlicher Nachtmarsch.]

Von Wild sahen wir blos drei flüchtige Springbockgazellen, einige der

kleinsten Zwergtrappen und an den kahleren, felsigen Stellen

Erdeichhörnchen und Scharrthiere (Rhyzaena), die letzteren in großer

Menge, 15-20 je einen Bau bewohnend. Kaum hatten sie das Wagengerassel

gehört, eilten sie schon von ihren nicht weit vom Baue unternommenen

Ausflügen, die ersteren um nach Wurzeln, die letzteren um nach Käfern,

Larven, Scorpionen etc. zu graben, zu ihrem Baue zurück. Sie sind nicht

besonders behend im Laufen und können leicht von einem Hunde, wenn sie

auch vor ihm einen bedeutenden Vorsprung haben, eingeholt werden. Beim

Laufen halten sie in der Regel den Schweif hochgehoben, die Eichhörnchen

ihre Fahne entfaltet: letztere kehren sich nicht eher um, als bis sie

über ihren Löchern sitzend, noch einmal nach dem Störenfried ausschauen,

während die Scharrthiere sich oftmals umsehen, stehen bleiben und dabei

verdrießlich knurren. Während die ersteren scheue und furchtsame Thiere,

sind die Rhyzaena als Raubthiere muthig und vorsichtig. Von jenen

beobachtete ich nur eine, von den letzteren mehrere Arten. Da, wo ich

die Erdeichhörnchen auf der Reise nach Norden zu vermissen begann und wo

die prairienartigen Ebenen dem Walde wichen, wurden diese Thierchen

durch eine kleine, gelbbräunliche, auf Bäumen lebende Art ersetzt. Die

Eingebornen, mit Ausnahme der Hottentotten, essen das Fleisch beider

Thiere.

Am Nachmittag des 15. März gelangten wir nach Bloemhof, welches damals

blos aus einer Straße bestand und das uns zu keinem Aufenthalte

einladend erschien; die Scenerie ringsum bot ein dürftig-trauriges Bild,

seitdem jedoch hat das Städtchen zusehends gewonnen.

Seitdem wir Klipdrift verlassen hatten, war uns fast ausnahmslos

heiteres schönes Wetter hold gewesen, doch kaum hatten wir Bloemhof im

Rücken, als sich der Horizont immer mehr zu umwölken begann. Mit der

zunehmenden Dunkelheit wurde es durch das inzwischen losgebrochene

Unwetter rings um uns so schwarz, daß wir auf 20 Schritte nicht sehen

konnten und ich bedauern mußte, nicht im Weichbilde der Stadt

übernachtet zu haben. Anfangs gingen wir vor dem Gespann, da der das

Leitpaar am Riemen führende Koranna behauptete, den Weg vor sich von dem

gleich dunkel aussehenden Boden zu beiden Seiten nicht hinreichend

unterscheiden zu können. Der heftige Regen, der uns durchnäßte, im

Verein mit dem kalten Winde, trieb uns jedoch in den Wagen hinein;

hundert Schritte weiter und die Zugthiere blieben stehen; sie glitschten

fortwährend aus, was mich auf den Gedanken brachte, daß wir vielleicht

vom Wege abgekommen, auf einen Abhang gelangt waren, und dann konnte

dies nur nach dem Flusse zu sein. An eine Fortsetzung des gefährlichen

Nachtmarsches war unter solchen Umständen nicht zu denken, wir mußten

hier das Morgengrauen abwarten.

Die Recognoscirung unseres unfreiwilligen Lagerplatzes führte zu einer

Entdeckung, die mich tief erschreckte. Als ich den Wagen im strömenden

Regen zum zweiten Male, diesmal in einem etwas größeren Radius umging,

schien es mir, als wenn sich etwa 20 Schritte vor den Zugthieren eine

dunkle Stelle befände. Mir däuchte es ein Erdloch, und so holte ich den

»Triber« (sprich Trajbr) herbei, um gemeinschaftlich bei der Helle des

nächsten Blitzes die Stelle zu untersuchen. Das erwünschte natürliche,

elektrische Licht blieb auch nicht lange aus und wir sahen zu unserer

Ueberraschung eine Regenschlucht, die zu dem Flusse führen mußte. Wären

wir noch 20 Schritte weiter gegangen, wir hätten es theuer gebüßt. Am

Morgen zeigte sich eine Schlucht mit schroff abfallenden, etwa 16 Fuß

hohen Lehmwänden.

Es war eine äußerst ungemütliche Nacht, die wir hier zubrachten, der

Regen durchdrang selbst die Leinwandhülle des Wagens, der kalte Wind

ließ uns erstarren und führte uns die Thatsache zu Gemüthe, daß wir uns

4000 Fuß ober dem Meere, auf dem Plateau des südlichen Transvaalgebietes

befanden. Nur David und Gert ließen sich durch das Unwetter nicht im

Mindesten in ihrer Vorliebe für Morpheus stören, unbekümmert darum, daß

sie förmlich in einer Regenlache schwammen, waren sie bald in tiefen

Schlaf verfallen, aus dem sie nur am kommenden Morgen (das Unwetter

hatte sich nach Mitternacht verzogen) die warmen Strahlen des

Tagesgestirns weckten.

Das jenseitige Freistaatufer ist durch eine sandige, mit Mimosenbäumen

stellenweise spärlich, stellenweise ziemlich dicht bewaldete und

bebuschte Bodenerhebung gebildet. Viele der vermögenden Farmer, die

südlich vom Flusse wohnen, haben sich hier Farmen, d.h. je etwa 3000

Morgen Land gekauft, um in der trockeneren Jahreszeit daselbst ihr Vieh

zu halten. Sie klagten mir über bedeutende Verluste, die sie durch

Hyänen (H. crocuta) erlitten, welche Fohlen, Kälber und Maulesel

getödtet hätten, so daß die Farmer Strychnin zu Hilfe nehmen mußten und

damit tüchtig unter den nächtlichen Räubern aufräumten. Dem Sohne des

Farmers Wessel hatten die Raubthiere in einem Winter 18 Stück Hausthiere

getödtet und unter seinen Notizen halte ich namentlich einen Fall

nennenswerth. Sein Diener hatte, um ein leichtes Ueberwältigen der

Maulesel zu verhüten, zwei derselben mit einem Riemen zusammengekoppelt;

als man sie nach einiger Zeit suchte, fand man den einen neben der

Leiche seines Gefährten, beide noch mit dem Riemen verbunden und nach

den zahlreichen Spuren mußte man schließen, daß einer derselben von den

Hyänen getödtet und halb abgenagt worden war, während sich der

Ueberlebende, durch stete, jedoch fruchtlose Versuche sich loszureißen

müde geworden, wohl in sein Schicksal ergeben haben mußte. Seit jener

Zeit ließ man nur Rinder und erwachsene Pferde ohne Hirten auf die

Weide.

Einige Stunden östlich von Bloemhof erreichten wir eine große seichte,

schon aus der Ferne weiß schimmernde Salzpfanne, an der eine Farm lag.

Wie immer war eine Stelle des Ufers der Pfanne von einem Hügel überragt,

während die anderen, mit Gras überwachsenen, fruchtbaren und moorigen

Stellen zum Ackerbau wohl geeignet sein mochten.

Ich sammelte einige, der mit Salz incrustirten Steine und

vegetabilischen Stoffe, während sich meine Gefährten daran machten, die

zahlreichen, am reinen Kiesgrunde der Pfanne reichlich aufliegenden,

hirse- bis erbsengroßen Salzkrystalle zu sammeln. Wir betraten nunmehr

das eigentliche südwestliche Wildrevier des Transvaal-Gebietes, das sich

von den Ufern des Bamboesspruit bis zum Schoenspruit über eine

ununterbrochene, im Süden vom Vaal-River, im Norden von den Maqwasihöhen

begrenzte und von mehreren meist von Norden nach Süden oder Südosten

laufenden periodisch fließenden Spruits und einem Flusse

durchschnittene, hochbegraste Ebene erstreckt.

Seit meinem Besuche dieser Gegend im Jahre 1873 hat das Wild bedeutend

abgenommen, doch ist zu hoffen, daß die neue Regierung zu seinem Schutze

die nöthigen Maßregeln ergreifen wird. Bei einer vernünftigen Jagdweise

kann sich das übrig gebliebene rasch vermehren und dennoch den Farmern

einen ergiebigen Ertrag sichern.

Während meiner ersten Reise beobachtete ich das gemeine schwarze Gnu in

Heerden von 5-30 Stück, Bläßböcke in Heerden von 15-300 Stück,

Springböcke, Deuker und Steinböcke von 10-150 Stück, nahe an den

bebuschten Partien nur paarweise; ferner eine Menge von den

rothlöffeligen Hasen, eine Unzahl von Springhasen und Stachelschweinen,

Schuppenthiere und Erdferkeln--doch fehlten auch Raubthiere und Hyänen,

Schakale und Proteles, an den Spruits Fischottern und im hohen Ufergras

Wildkatzen nicht; während mehrere Trappenarten, Wildenten und Gänse,

Wachteln (eine kleine Art) und in den bebuschten Partien Perlhühner

zahlreich vertreten waren.

Bevor wir noch den Bamboesspruit (18. März) erreichten, erblickten

wir zuerst einige einzelne, später eine kleine Heerde von

Bläßbock-Antilopen, so genannt, weil sie auf ihrer Stirne eine weiße

»Bläße« zeigen, die gut zu der dunkelrothbraunen Behaarung des Körpers

paßt. Die Hörner sind nach hinten geneigt, gegen die Spitzen

auseinanderlaufend, weder so zierlich noch so schön wie jene der

Springbock-Antilopen, wie denn auch der Bläßbock, im Ganzen stärker

gebaut und eine längere Verfolgung, ohne dabei zu großen Sprüngen seine

Zuflucht zu nehmen, auszuhalten im Stande ist.

Zahlreiche Kranichheerden jagten im hohen Grase nach Heuschrecken. Nahte

man ihnen, so flogen sie nach einem kurzen Anlaufe auf, um knapp über

dem Grase hinreichend, einige hundert Schritte weiter wieder

einzufallen. So wie sie aufflogen, ließen sie ihre prächtige, weithin

hörbare Stimme ertönen.

Heftige Regenschauer nöthigten uns, schon in den ersten

Nachmittagsstunden an einer Regenpfütze, einige Meilen östlich vom

Bamboesspruit, Halt zu machen. Dazu trat noch eine allgemeine Ermattung

der ganzen Expedition ein, in Folge der letzt erlebten Nacht und des

Genusses von Salz aus der vorerwähnten Salzpfanne.

Der heftige Regen und unser Unwohlsein ließ uns eine recht unangenehme

Nacht zubringen, erst gegen Morgen ließ der Regen etwas nach und wir

versuchten etwas Schlaf unter dem Wagen, da die Ausdünstung der in dem

Wagen naß gewordenen Gegenstände nicht einladend war.

Während der Nacht ließen sich Hyänen und Schakale oft nahe am Wagen

vernehmen, allein wir konnten weder in der Dunkelheit hinreichend klar

sehen, noch wollten wir uns auch in dem feuchten Wetter unserer in

Lederhüllen aufbewahrten Gewehre bedienen. Das Liegen auf dem feuchten

Grase wurde uns jedoch bald unbehaglich und so waren wir schon vor

Sonnenaufgang bereit, die Weiterreise anzutreten.

Während sich meine Gefährten nun im Feueranmachen versuchten, hielt ich

eine Rundschau über die nur nach Norden in der Ferne von Höhen begrenzte

Grasebene, konnte jedoch nichts erspähen; am Himmel hingen noch schwere,

dunkle und tiefgehende Wolken, der Tag versprach so trübe zu werden, wie

es die Nacht gewesen. Während ich noch Rundschau hielt, hörte ich vor

mir--es schien von zwei, circa 600 Schritte vor mir vorüberfliegenden

storch- oder kranichartigen Vögeln zu kommen--schöne, melodische,

harfengleich klingende, sich mehrmals wiederholende Töne, welche auch

die Aufmerksamkeit meiner Begleiter auf sich zogen. »Das ist

schön!«--»o, prachtvoll!«--»hört Ihr die Aeolsharfe!«--so zollte ein

Jeder von uns seine Bewunderung, kaum daß jene Töne verklungen waren.

Nur Gert, der edle Korannajüngling, schien ungerührt. Von uns Allen um

Auskunft bestürmt--wobei er recht erschrocken von seinem

Frühstückstöpfchen auffuhr--woher diese Laute kämen, ob von Vögeln,

anderen Thieren, oder was sie sonst erzeuge, schaute er über die Ebene

hin, konnte aber nichts sehen, dann beugte er sich nieder, um längs der

Grasspitzen besser in die Ferne sehen zu können, plötzlich faßte er mich

bei der Hand, zog mich zu sich herab und sagte:

»Siehst Du, Bas, dort fern von hier fliegen zwei Vögel, da--da setzen

sie sich nieder, das sind, das mußten die Schreier gewesen sein, sie

sind solche Vögel wie die »groten Springhanvogels« (graue Kraniche),

allein sie haben schön weißrothe Flügel und auf dem schwarzen Kopfe

tragen sie schöne gelbliche Kronen und diese Kronen«--dabei war er, als

er das Erstaunen in unseren Mienen gemerkt, aufgestanden und hatte sich

zur Stärkung nach seiner diesmal so ungewöhnlich wortreichen Rede mit

einem neuen Stückchen Kautabak gelabt--»ja, diese Kronen sind nicht

Federn, sondern lange, gelbe steife Haare. Alle Menschen kennen sie in

Afrika und viele Farmer im Oranje-Freistaat und der Transvaal-Provinz

halten sie zahm auf ihren Höfen.«--»Und ihr Name?« fragte

ich--»M[=a]-hems, Sir, nennt man sie.«

Nun waren wir so klug wie zuvor. Stelzenvögel waren es wohl, allein

wohin sie einreihen, wußte ich nicht, bis ich zwei Tage darauf das Glück

hatte, drei davon auf einer Farm lebend zu finden. Es waren die

gekrönten oder Königskraniche (Balearia regulorum), von denen ich ein

Pärchen auch heimbrachte. Seine kaiserliche Hoheit, unser

durchlauchtigster Kronprinz Rudolph, erwies mir die hohe Ehre, das

Pärchen gütigst anzunehmen und die Vögel dem kaiserlichen Thiergarten zu

Schönbrunn einverleiben zu lassen.

Auf der durch mehrere kleine, trockene Salzpfannen charakterisirten

Ebene tummelten sich auch zahlreiche große Trappen. Wir überschritten

den Bamboesspruit, welcher nur an sehr wenigen Stellen in seinem

schlammigen Bette kleine Wasserlachen zeigte und zogen weiter ostwärts

gegen den zu ihm parallel laufenden und stetig fließenden Maqwasi-River.

Das Land stieg etwas nach dieser Richtung hin und war auch stellenweise

mit kleinen Beständen von Mimosen, zumeist Kameeldornbäumen bedeckt.

Am Rande des ersten kleinen Gehölzes blieben wir über Mittag liegen und

da meine Freunde mit dem Trocknen der durch den letzten Regen naß

gewordenen Sachen die Hände voll zu thun hatten, ergriff ich ein Beil,

um Holz für unsere Küche herbeizuschaffen. Da meine linke Hand noch von

dem Unfall mit dem Gewehre her nicht völlig geheilt war, fiel mir die

Arbeit schwer, und mein Ungeschick brachte mir nur eine neue

schmerzhafte Wunde am Schienbein des rechten Fußes ein. Wenige Minuten

darauf schwebte ich wieder in ernster Lebensgefahr.

Um nicht unverrichteter Dinge zu meinen Gefährten zurückkehren zu

müssen, trachtete ich, wenigstens die trockene Rinde von den

abgestorbenen Stämmen abzulösen. Bei diesem Beginnen sah ich plötzlich

etwas vor meinen Augen glitzern und im selben Momente verspürte ich ein

Gefühl von Kälte an meinem linken Unterarme. Eine Viper hatte sich, wie

dies häufig vorkommt, unter der Baumrinde verkrochen und war mir nun in

den linken Aermel gefallen. Mit dem Verhalten in solchen Fällen

vertraut, blieb ich unbeweglich, um das Thier nicht zum Bisse zu reizen.

Die Schlange hatte sich nun ausgestreckt, und dabei ragte glücklicher

Weise das Schweifende aus dem Aermel heraus. Rasch entschlossen ergriff

ich dieses und schleuderte das Thier weit von mir.

Die folgende Nacht war ebenso unangenehm wie die vorhergehende. Es

regnete so stark, daß wir an Schlaf nicht denken konnten, wozu übrigens

das Hyänen- und Schakalconcert nicht ermuntern konnte.

[Illustration: Lager am Bamboesspruit.]

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879). · 第 19 / 37 题