II.

Meine Reise nach den Diamantenfeldern.

So verließ ich denn in den ersten Tagen des August 1872 Port Elizabeth,

um über Grahamstown, Cradock, Colesberg und Philipolis, Fauresmith zu

erreichen.

Von vier kleinen Pferden gezogen, legten wir die 86 englische Meilen

betragende Strecke nach Grahamstown, der drittgrößten Stadt der

Cap-Colonie, in einem zweirädrigen Karren in 11 Stunden zurück.

Diese Strecke ist in Bezug auf die Schönheit der Scenerie und der

Vegetation gewiß die anziehendste. Heute gelangt man nach jenem Orte

mittelst Bahn, auch diese führt durch reizende Partien, wenn ich ihnen

auch jene, die man früher per Achse passirte, vorziehe. Der größte Theil

des Weges führt längs den Abhängen der Zuur-Berge, welche bebuscht und

bewaldet mit ihren Schluchten und Thälern, mit den eingeschlossenen

Lagunen und den begrenzenden Bergwiesen, dem Künstler wie Naturliebhaber

viel des interessantesten Stoffes bieten. Ich möchte sagen, daß wir auf

dieser Strecke den mannigfachen Typen größerer Landstriche aller

Welttheile begegnen. Weite Ebenen, zum Theil mit hohem Grase bedeckt,

erinnern uns lebhaft an eine Pußta, nur daß die bekannten, unbeholfenen

Ziehbrunnen fehlen; kurzbegraste Flächen rufen uns ein Bild der Steppe

in's Gedächtniß, während einige wenige mit spärlichem Graswuchs

bewachsene Sandflächen an die Wüste mahnen. Mancher hochbegraste Abhang

gewährt mit den hunderten ihn bedeckenden riesigen und armleuchterartig

geformten Euphorbien ein fesselndes Bild, doch den anziehendsten Anblick

bieten die bebuschten und mit Niederwald bedeckten Partien.

Die Gebüsche stehen bald gruppenweise, auf Wiesenpartien dichte Knäuel

bildend, ein Vegetationsbild, das namentlich weiter im Innern

Süd-Afrika's ganze Landstriche charakterisirt; doch bei weitem der

größte Theil der Strecke Port Elizabeth-Grahamstown ist von einem

sozusagen undurchdringlichen Gebüsche bedeckt, das theils von

eigentlichen Büschen, theils von Zwergbäumchen gebildet wird. Manche

derselben scheinen wahre Riesen an Alter zu sein, während andere wieder

von gewissen Insectenarten befallen, in kurzer Zeit absterben und

unaufhaltsam der Fäulniß unterliegen.

Oft führte uns der Weg an Abhängen vorüber, deren weißberindete Bäumchen

mit Schüssel- und Baumflechten über und über bedeckt, einen

eigenthümlichen Anblick darboten und an niederschlagreiche Gegenden

mahnten; besonderen Reiz und eine anmuthende Erinnerung an die Wälder

des Nordens gewährte das massenhafte Auftreten einer Bartflechte

(Usnea), welche mit ihren grau-grünen, fußlangen und dichten Zotten,

einer Draperie gleich, die Queräste der Bäume schmückt und ihnen einen

ehrwürdigen Anblick verleiht. An anderen Stellen wieder überschaut das

Auge auf Meilen hin mit Zwergbüschen bedeckte Abhänge, aus denen uns

sofort mehrere Arten der rothblüthigen Aloë, riesige baumartige,

zahlreiche strauchartige und krautartige Wolfsmilcharten, mit ihren

wundervollen, meist cactusförmig gebildeten Formen auffallen

und das Herz eines Botanikers hoch entzücken. Zahlreiche

Solanum-(Nachtschatten-)Species, bald niedrig, bald strauchartig an den

Bäumchen emporrankend, mit gelben, weißen, violetten und blauen Blüthen

beladen, gestalten mit anderen üppigwuchernden Schlinggewächsen

einzelne, durch hochstämmigere Bäumchen ausgezeichnete Partien zu einem

förmlich undurchdringlichen Dickicht, während vor Allem die Menge von

Gras und Binsen, Erica- und Ranunculusarten unser Staunen erregt.

[Illustration: Euphorbiaceen-Bäume.]

Den kaleidoskopartig wechselnden Landschaftsbildern entspricht auch die

Vegetation; kahle, niedrige, oder aber mit Hochgras bestandene Flächen,

Busch- und Miniaturhaine, marschige Stellen, Sümpfe, Bergabhänge und

Ebenen zeigen uns immer wieder neue Liliaceen, Papilionaceen und

Mimosen.

Hie und da finden wir eine Farm in der Mitte einiger Acker bebauten

Landes, an der Wegseite ein aus galvanisirtem Eisen oder aus Backsteinen

erbautes Hotel; Hotel heißt es immer, ob es den Namen eines solchen

verdient oder blos aus zwei Zimmern und einem Krämerladen besteht.

Nicht minder artenreich als die Flora ist die Fauna auf dieser Strecke.

Wir finden hier ein mannigfaltigeres Thierleben, als selbst im ganzen

Raume der nächsten zehn Breitengrade nach Norden, also gegen das Innere

Süd-Afrika's. Auf den kahleren, grasarmen Ebenen tummeln sich

Scharrthierchen und Erdeichhörnchen; beide Thiere leben in

gemeinschaftlichen Bauen, und solche Stellen sind dann etwas erhaben und

zeigen bis zwanzig Ein- und Ausgangslöcher, so breit, daß man bequem

eine Faust einführen könnte. Wo die Erdeichhörnchen hausen, da finden

sich auch zahlreiche große Spitzmäuse vor. (Die Gewohnheiten dieser

Thiere will ich hier nicht beschreiben, aber späterhin bei der

Schilderung meiner drei Reisen in's Innere Afrika's, wo einzelne der

eben noch zu nennenden Thiergattungen bestimmte Landstriche bewohnen,

ihrer dann ausführlicher gedenken.) Die hochbegrasten Gegenden zeigen

uns zahlreiche Bauten von Maulwürfen, des Schabrakenschakal, des

Mäusehundes (das afrikanische Stinkthier), von Springhasen und

Stachelschweinen, Blindmäusen, dem interessanten Erdferkel und

kurzschwänzigen Schuppenthier. An den Moorstellen beobachten wir

Fischottern, eine Wieselart und mehrere Rattenarten. Die felsigen

Abhänge weisen zahlreiche Pavianheerden, Rohrrüßler, schwarzgefleckte

Genetta's, Tharikatzen, Karakal's, Springmäuse, eine besondere

Kaninchenart, röthliche Roibockgazellen und zahlreiche Klippschliefer

auf. An hochbegrasten Strecken, wo sich, wie schon erwähnt, stellenweise

gruppenförmig dichte Gebüsche vorfinden, finden wir nebst den schon

bisher erwähnten Zahnarmen (Edentata), Deuker und Steinbockgazellen.

Dichte, niedere, meilenweite Flächen bedeckende Gebüschstrecken

beherbergen die gestreifte und gefleckte Hyäne, sowie den Strandwolf

(Hyëna brunea) und unter zahlreichen Nagethieren eine riesige Wühlmaus;

ferner zwei Arten von Gazellen, darunter namentlich den schönen

Buschbock. Hochstehende, die weiten Abhänge bekleidende Büsche, sowie

der Niederwald dienen Pavianen und Meerkatzen, grauen Wildkatzen und

Füchsen und dem Leoparden, der Kudu-Antilope, dem Buschsark und

Blacksark, dem Büffel und dem Elephanten (der größten von den drei

afrikanischen Varietäten) sowie einem auf Bäumen lebenden Hyrax (einer

besonderen Art) zum Aufenthaltsorte.

Die Leoparden sind in diesen Gegenden gefährlicher als in den

menschenleeren Gegenden des Innern, wo sie weniger an den Knall des

Feuerrohres gewohnt sind. Da sie als Feinde, namentlich wenn verwundet,

sehr gefährlich werden, tödtet man sie in diesen bewaldeten Gegenden

meist mit Gift, oder fängt sie in Eisen. Die Elephanten sind durch ein

Gesetz vor den Nachstellungen geschützt, so daß wir in der Cap-Colonie

noch einige wilde Heerden[1] (je zu etwa 20-30 Stück) zählten, während

sie im Oranje-Freistaat, den Transvaal- und in den südlichen

Betschuanaländern schon vollkommen ausgerottet sind. Weil sie jedoch

nicht gejagt werden, sind diese Thiere recht übermüthig geworden, was

uns sofort auffällt, wenn wir sie mit ihren Brüdern im nördlichen

Süd-Afrika und in Central-Afrika vergleichen. Dort bringt ein Schuß

(wenn er auch in einer Entfernung von 2-3 englischen Meilen abgefeuert

wurde) eine Elephantenheerde sofort zur schleunigen Flucht und die

Thiere legen dann meistens 20-30 englische Meilen zurück, bevor sie sich

eine Rast gönnen; daß dort ein Elephant ungereizt den Menschen angreifen

würde, gehört zu den größten Seltenheiten, trotzdem in den letzten

zwanzig Jahren allein von den Europäern mehr denn 7500 Elephanten erlegt

wurden. Hingegen muß man in den Gegenden zwischen Grahamstown und Port

Elizabeth, wo sich die Elephanten aufhalten, vorsichtig sein, um nicht

den hin- und herwandernden Kolossen zu begegnen. Bevor ich auf der

Heimreise Port Elizabeth erreichte, ereignete sich eben ein trauriger

Fall in dem Niederwalde am Zondags-River, der theilweise die genannten

Waldpartien durchfließt. Ein farbiger Diener war von seinem Herrn

ausgeschickt worden, um einige Ochsen zu suchen, welche sich verirrt

haben mochten; da der Mann nicht wieder heimkehrte, forschte man nach

ihm, fand aber blos seinen verstümmelten Körper. An den Spuren ringsum

konnte man sehen, daß ihn eine vorbeipassirende Elephantenheerde

ausgewittert, sich von ihrem Pfade ab auf ihn gestürzt und ihn zertreten

hatte. Nur mit Erlaubniß des Gouvernements ist man berechtigt, eines der

Riesenthiere zu erlegen.

1: Siehe Seite 25.

Von den Vögeln die mannigfachen Species zu erwähnen, würde zu weit

führen. Ein etwa sechsmonatlicher Aufenthalt würde hier dem Ornithologen

eine reichhaltige Sammlung verschaffen. Ich will nur bemerken, daß dem

Jagdliebhaber mehrere Trappenarten, Perlhühner, Reb-, Hasel- und

Steppenhühner, Schnepfen und Regenpfeifer, Wildenten und Wildgänse,

sowie Taucher und Schlangenhalsvögel täglich seine und seines Dieners

Jagdtasche füllen können. Bewundern wir auf der Jagd oder auf einem

Ausfluge in dieser Gegend die, die verschiedenen Strecken

charakterisirende Pflanzenwelt, so sind es namentlich die Vögel und

Insecten, welche den schönen, oft wundervollen Pflanzenformen doppelten

Reiz verleihen. Da sind es langschwänzige Kolibris und Honigsucher,

welche bald in den prächtigen kelchförmigen Schwertblüthen, bald in den

weithin schimmernden carminrothen Aehrenblüthen der Aloëarten nach

Insecten haschen. Dort wiederum winken uns die hellglänzenden

dunkelgrünen Blätter eines Zwergstrauches, wir fühlen nicht den

leisesten Windhauch, der sie bewegen würde--und immer nicken die zarten

Aestchen wie mit Befriedigung einander zu. Doch siehe da, ein ganzer

Schwarm kleiner, gelblich-grünlicher, unserem Goldhähnchen nicht

unähnlicher Singvögel tummelt sich emsig in der Krone des Strauches

umher, um Käferchen von der Innenseite der Blätter aufzupicken.

Von der Spitze des Waggonbaumes halten Falken und zahlreiche schön

gefiederte Würger ihre Rundschau--ein jeder hat ein kleines Reich um

seinen hohen Wohnsitz eigen--und hat jener eine Blindschleiche oder ein

Mäuschen, dieser einen summenden Käfer erspäht, stürzt er sich auf die

arglose Beute herab und da schnellt sich immer wieder das Aestchen, auf

dem er saß und mit ihm die nächsten Zweige, rasch empor, scheinbar froh,

von der Bürde befreit zu sein. Die reichblättrigen Mimosen, mit

hellglänzenden Insecten bedeckt, locken gar manchen Vogel an, doch auch

die schilfigen Partien sind nicht weniger reich an befiederten Bewohnern

der Lüfte. Rohrsänger, gelbe und feuerrothe Finken und Webervögel halten

die schlanken Rohrstengel in fortwährender Bewegung, während die kleinen

Thälchen von ihrem Gezwitscher wiederhallen.

Von den Reptilien finden wir den Wasserleguan (riesige Eidechsen) in

jedem fließenden Gewässer; von Schildkröten eine reiche Auswahl auf dem

Lande und eine Art in stehendem und fließendem Wasser, von Schlangen

sehr viele und sehr giftige Species, namentlich Bussadern, Cobras,

Hornvipern, Korallenschlangen etc. etc. und von Wasserschlangen schöne

harmlose grüne Species, doch auch sehr giftige Seeschlangen, die

manchmal vom Meere aus die Flüsse heraufzuschwimmen pflegen.

Spät in der Nacht desselben Tages, an dem ich Port Elizabeth verließ,

gelangten wir nach Grahamstown, und verließen es schon zeitlich am

nächsten Morgen. Wir stiegen in einem Hotel ab; die gewöhnlichen

Logispreise waren und sind geblieben 2 Shillings und 6 Pence für ein

Bett und ebensoviel für ein jedes Mahl.

Grahamstown liegt malerisch an den Abhängen einiger Sandsteinhöhen, dem

Quellgebiete des Kowie-Rivers, es hat seinen eigenen doch offenen Hafen

an der Mündung dieses Flusses, Port Alfred genannt.[1] Ich bemerkte

schon, daß wir hier den besten der botanischen Gärten in Süd-Afrika

antreffen, indem außer afrikanischen Pflanzen meist Bäume aus

Australien, Acacien und Eucalyptusarten, sowie Kasuarinen, ferner

Gewächse aus Mauritius, Madagascar und Süd-Amerika mit dem besten

Erfolge gepflegt werden. Von einheimischen Gewächsen sah ich namentlich

schöne Exemplare des wundervoll geformten »Elephantenfußes« und mehrere

Encephalartos-Arten sehr gut gedeihen. In dem geräumigen Glashause fand

ich unter andern Prachtformen riesige Exemplare südafrikanischer

Farrenbäume.

1: Siehe Anhang 3.

Nach zwei Tagen angenehmer Fahrt in einer bequemen amerikanischen

Kalesche hatten wir die 25 geographische Meilen lange Strecke zwischen

Grahamstown (The Town of the Settlers) und Cradock zurückgelegt. Die

durchreiste Strecke war zu Beginn schluchten- und waldreich, wie jene

zwischen Grahamstown und Port Elizabeth, hierauf ein Hochplateau, das

mit zahlreichen isolirten Tafel- und Spitzbergen besäet, von Bergkämmen

und Höhenzügen im fernen Nordost und Nordwest begrenzt war. Die ersteren

erhoben sich 200 bis 500 Fuß über das sie umgebende Flachland und sind

meist mit niederem Gebüsch, namentlich dem Nahrung spendenden Speckbaume

bewachsen. Die Thäler zeigen Dornenbäume und Sträucher, die Warte-bichi,

den Heckenstich und andere Mimosenarten im Ueberfluß, welche

Thalbewaldung weiter nach Norden über Cradock hinaus abnimmt und erst

wieder gegen den Vaalfluß und von da nach Norden zu, häufiger auftritt.

Auf dieser Strecke nach Cradock beobachtete ich auch zuerst jene großen

Ebenen, die zur feuchten Jahreszeit ein unabsehbarer hellgrüner (wenn

von Gras), dunkelgrüner (wenn von dem Kapbusche gebildet) Teppich, zur

Zeit der Dürre ein einförmiger brauner oder röthlicher Wüstenstrich

sind, wie wir sie in der westlichen Cap-Colonie, dem Freistaate, im

westlichen Griqua-Lande, der Transvaal-Colonie und dem Batlapinenlande

vorfinden, und welche den Zwergtrappen, den Spring- und Blaßbockgazellen

sowie dem schwarzen Gnu zum Aufenthaltsorte dienen. Da wo diese Thiere

wenig gejagt werden, finden sie sich noch zu Tausenden. Auf meiner Reise

nach Cradock beobachtete ich nur die erstgenannten, doch die

zierlichsten unter den größeren Gazellen. Sie nehmen auf den Ebenen nach

Norden zu ab, und ich beobachtete sie nicht über das Salzseebecken im

centralen Süd-Afrika hinaufreichend, während sie längs der Westküste bis

zu den portugiesischen Besitzungen ausschwärmen.

Die Springbockgazelle (A. Euchore) gehört unstreitig zu den schönsten

Gazellenarten, die wir kennen. Sie besitzt außer allen Vorzügen einer

Gazelle eine seltene Sprungkraft in ihren stählernen Muskeln und ihr

edles zierliches Köpfchen schmückt ein so schönes, lyraförmig

geschwungenes Hörnerpaar, daß man ihr wohl den Vorzug unter den

mittelgroßen ihrer Familie einräumen muß. Dieses ungewöhnlich reizende

Thier hat so graziöse Bewegungen, namentlich wenn es spielt, oder

aufgescheucht die Flucht ergreift, daß man in Verlegenheit geräth, selbe

zu beschreiben. Selbst wenn sie gejagt wird und in Angst dahinfliegt,

scheint sie es darauf angelegt zu haben, durch ihre Coquetterie des

Jägers Mordlust zu beschwichtigen. Leider findet sie für ihre Schönheit

abgestumpfte Nimrode in mehr als hinreichender Zahl und dies namentlich

unter den holländischen Farmern und den Eingebornen, welche dafür

sorgen, daß sie täglich seltener wird. Ihre Sprünge ähneln dem

Ausschnellen einer Uhrfeder. Sie läßt namentlich gewöhnliche Jagdhunde,

mit Ausnahme der Windspiele, ziemlich nahe kommen; sie schaut die

anrennenden, laut kläffenden Köter so gleichgültig an, wie wenn sie

geduldig erwarten würde, bis sie zu ihr gekommen und ihr Alles gesagt,

was sie zu sagen hätten. Plötzlich, wenn nach ihrer Berechnung die Zeit

zur Flucht gekommen, schnellt sie sich wie eine losgelassene Uhrfeder in

die Höhe, um etwa 6-8 Fuß weiter die Erde mit ihren zarten, spitzen

Klauen zu berühren, allein kaum daß dies geschehen, so ist sie schon

wieder über derselben, und so macht sie fünf bis zehn Sprünge sehr rasch

hintereinander und dem Emporschnellen eines auf harten Boden

auffallenden Gummiballes nicht unähnlich; es scheint, als ob sie die

Erde gar nicht berühren würde, kaum senkt sich der Körper zur Erde, hat

er sich auch schon wieder emporgeschnellt. So in einem überraschend

kurzen Zeitraume von dem Verfolger weit entfernt bewegt sie sich

plötzlich eine Minute langsam im Schritte vorwärts, wiederum dem Hunde

Zeit gönnend sich zu nähern, dann wiederholen sich die Sprünge, und so

neckt das Thier seine Verfolger mehrmals, bis es endlich, gleichsam des

Spielens müde geworden, in weiten, großen Sätzen, in wilder Flucht

davonjagt, bis es sich vollkommen sicher glaubt, und man sie in einigen

Augenblicken in der weitesten Entfernung auf der Ebene als winzigen,

weißlichen, beweglichen Punkt wahrnimmt, welcher dem Jäger die Richtung

angibt, in der das schnellfüßige Thier seinen Lauf, oder besser gesagt,

seinen Flug genommen. Allein selbst seine fabelhafte Schnelligkeit

rettet es nicht vor dem Tode. Die Entdeckung der Diamantenfelder hat

Tausenden dieser Thiere, wie auch ihren Verwandten, dem Bläßbock und dem

schwarzen Gnu, Verderben gebracht. Die holländischen Farmer als Besitzer

der Striche, auf welchen die edlen Thiere weiden, und als vortreffliche

Schützen, sind ihre ärgsten Feinde. Sie kamen periodisch auf die

Diamantenfelder und immer mit reicher Beute versehen. Ich hatte während

meines dortigen Aufenthaltes beobachtet, daß in den Wintermonaten von

Mai bis September ganze Wagenladungen mit solchen erlegten Thieren zu

Markte gebracht wurden; doch auch sonst ist dies Wildpret nicht selten

zu haben. Namentlich sind es der öffentliche Auctionsmarkt, der jeden

Morgen in Kimberley und Dutoitspan abgehalten wird, wo sie an den

Meistbietenden überlassen werden. Da liegen sie vor uns, der Köpfe und

Füße beraubt, oft zu Dutzenden nebeneinander in langen Reihen! Der Preis

wechselt je nach der Jahreszeit und der Größe des Thieres zwischen 3-7

Shillinge.

Nicht uninteressant ist die Jagdweise dieser Thiere. Man jagt sie zu

Pferde, erlegt sie auf dem Anstande und hetzt sie mit Windhunden zu

Tode. Die gewöhnlichste ist jene zu Pferde. Der Jäger setzt im stärksten

Galopp den Thieren nach; die auf jenen begrasten Ebenen geborenen und an

die Löcher der vielen Erdthiere sowie die niedrigen Termitenhaufen

gewöhnten Pferde eilen im schnellen Laufe in der ihnen angegebenen

Richtung dahin, so daß sie dem Jäger wenig Mühe verursachen, ihm

vielmehr gestatten, seine ganze Aufmerksamkeit den fliehenden Gazellen

zuzuwenden. Etwa zweihundert bis hundert Schritte nach einem 1½-2

Meilen (engl.) langem Ritte den Thieren nahe gekommen, bringt oft schon

ein leichter Druck mit den Knieen das im wilden Galopp dahinjagende

Pferd zum plötzlichen Stillstand, der Jäger springt ab, legt an und

schießt. Es sind namentlich holländische Bauern, welche in dieser

Jagdweise Unglaubliches leisten. Ich habe Fälle beobachtet, wo der Jäger

mit seinem Hinterlader zwei fliehende Gazellen mit einem Schusse

erlegte, auch Fälle, wo die ersten beiden Schüsse fehl gingen oder sonst

etwas dem Jäger seinen zweiten Schuß so spät abzufeuern erlaubte, daß

die Gazellen erst nachdem sie 600 bis 800 Schritt weit abgekommen waren,

stehen blieben. Während sie dann nach dem Jäger zurückblickten kniete

dieser nieder, wies sich umwendend mit den Worten: »det rechte kantsche

bock, Mynheer« auf eines der Thiere und streckte eben das bezeichnete

mit der Kugel seines Carabiners nieder.

Die zweite Art, die Springböcke zu jagen, ist jene auf dem Anstande. In

der Nähe der Wassertümpel, zu welchen die Gazellen trinken kommen, oder

auch an den Lachen in einem bis auf diese ausgetrockneten Flußbette,

gräbt man muldenförmige Gruben, in der Tiefe von 1½-3 Fuß und 3 Fuß im

Durchmesser haltend. In diese Grube kauert sich der Jäger und schießt

die zur Tränke kommenden Thiere nieder. Diese Jagdweise ist

namentlich in trockenen Wintern sehr üblich, wo es nur wenige

Wasserstellen gibt, an denen die armen Thiere ihren Durst stillen

können. Die südlichsten der Betschuanen, die Batlapinen und Barolongen,

lieben eine ähnliche Jagdweise, welche jedoch mehr eine Treibjagd

genannt werden muß. Sie thun dies auch, weil sie als schlechte Schützen

sonst dem Wilde nicht gefährlich werden könnten. Mehrere Männer legen

sich in das etwa 2 Fuß hohe Gras, welches die Ebenen zwischen dem

Hart-River und dem Molapo bedeckt, oder hinter die Termitenhügel platt

auf die Erde, und da sie in der Regel nur gewöhnliche Musketen (_Pavion

boute_) besitzen und somit der Erfolg von _einem_ Schusse abhängt,

700-900 Schritte windabwärts von einer grasenden Springbockheerde, und

zwar jeder Schütze etwa 50, wenn es nur wenige sind, etwa 200 Schritte

von einander entfernt. Hier warten sie oft stundenlang, bis ihre

zahlreichen Genossen im weiten Bogen die Heerde umgangen, und sie

halbmondförmig einschließend, nach den Schützen zu gedrängt haben. Sind

es nur wenige Eingeborne, die sich auf eine solche Jagd begaben, so

warten sie ruhig einen ganzen Tag im Grase liegend, bis sich das

grasende Wild ihnen allmälich genähert. Ich beobachtete Fälle, wo sechs

Schützen auf ein Thier anlegten, sechs Donnerbüchsen (denn ihre Musketen

sind wahre Donnerbüchsen) ließen die Erde erzittern und als sich der

Rauch verzog, da schauten hoch aufgerichtet ebensoviel dunkle Gestalten

verwundert, eine flüchtige Springbockgais schnellfüßig das Weite

suchend--alle Schüsse waren fehl gegangen.

[Illustration: Springbockjagd bei Colesberg.]

Mir selbst geschah etwas Aehnliches. Auf dem Anstande stundenlang in

einer kurzgrasigen Ebene, nahe an einem Salzsee drei Springbockgazellen

erwartend, sah ich endlich die schönen Thiere einige 20 Schritte vor

mir, allein mir schien's ein Verbrechen, ihnen ein Leid anzuthun; nur

der Gedanke, daß wir Nahrung brauchten, brachte mich dahin, von meinem

_Snider-rifle_ Gebrauch zu machen; allein die Hand zitterte--ich konnte

mich nicht des Gedankens erwehren, daß ich einen Mord begehe, möglich,

daß man in größerer Entfernung hartherziger ist--und so legte ich die

Hand an den Drücker und die Thiere, erschreckt durch den plötzlichen

Knall, flogen in weiten Sätzen von dannen. Livingstone erwähnt in seinen

südafrikanischen Reiseberichten, bei Gelegenheit als er die Jagd auf

Gazellen bei den Betschuanen beschreibt, der sogenannten Hopofalle. Ich

sah sie nicht mehr im Gebrauch, sie ist auch heutzutage nicht mehr gut

möglich. Zu seiner Zeit war das Wild in jenen Gegenden weniger scheu und

in größeren Massen vorhanden.

[Illustration: Antilopenfalle.]

Die dritte Jagdweise auf den Springbock ist die von den Engländern

eingeführte und besteht darin, daß man das Thier, ohne sich des

Feuergewehrs zu bedienen, mit Windhunden zu Tode hetzt. Die

Jagdgesellschaft jagt den Thieren mit verhängten Zügeln auf guten,

allein weniger an das Terrain gewöhnten Pferden nach, bis es entweder

den Hunden gelingt die Gazellen einzuholen, oder die letzteren einen

solchen Vorsprung gewinnen, daß die Verfolger, müde geworden, die

Verfolgung aufgeben müssen.

Auch in Cradock[1] währte unser Aufenthalt nur einen Tag.--Cradock liegt

am linken Ufer des Fish-River, eines Flusses, der oft monatelang bis auf

einzelne Tümpel versiegt. Treten jedoch starke Regengüsse ein, so

genügen einige Stunden, um das Flußbett mit chokoladfärbigen

Wasserfluthen zu füllen, die mit tausendfachen Trümmern bedeckt,

Verderben und Entsetzen auf beiden Ufern verbreiten. Kommt man zur Zeit

der Dürre zu einer der großen Brücken, von denen auch eine bei Cradock

das Flußbett überspannt, so konnte man leicht versucht sein, die

Zweckmäßigkeit derselben zu bezweifeln, wir erfahren aber, daß selbst

diese große Brücke im Jahre 1874 von dem tückischen Gewässer zertrümmert

wurde, und der neue Brückenträger um mehr als 6 Fuß höher gelegt wurde

als der frühere. Die solide und schwere Eisen-Construction war von den

Pfeilern gehoben und weggespült, die Pfeiler gleichfalls arg mitgenommen

worden.[2]

1: Siehe Anhang 4.

2: Siehe Anhang 5.

[Illustration: Gegend bei Cradock.]

Am zweiten Tage nachdem wir Cradock verlassen, langten wir in der Stadt

Colesberg an, da wir aber mit Windeseile vorwärts ritten, fand ich kaum

mehr die Muße, die Physiognomie der Landschaft in's Auge zu fassen. Auf

meiner sieben Jahre später erfolgten Heimreise, auf der ich mit einem

Ochsengespann der Dürre wegen langsam reisen mußte, hatte ich

Gelegenheit, die Strecke theilweise geologisch zu durchforschen und

dabei einige recht interessante vom Wege abseits liegende Partien kennen

zu lernen. Gegen Colesberg zu nehmen die isolirten, tafelförmigen

Erhebungen allmälich an Zahl und Höhe ab, dagegen geht das Land nach

Norden zu in ein Hochplateau über. Eine der schönsten Partien ist

New-Port, ein Paß, an dem sich die Wasserscheide der nach dem Süden

fließenden Gewässer und der Nebenflüsse des Oranje-River befindet. Die

Höhen im Colesberg- und Cradockdistrict beherbergen viele Pavianheerden,

mehrere kleine Gazellenarten, kleinere katzenartige Raubthiere, sowie

Leoparden, und bei Cradock auf den flachen Häuptern einiger Tafelberge

finden sich noch mehr denn 50 der eigentlichen Quaggas, ich glaube die

einzige Art, die wir noch in Süd-Afrika antreffen. Mit Freuden

beobachtete ich, daß sie von einigen der Farmer geschont werden; vor

etwa zehn Jahren waren sie schon bis auf 15 Stück herabgeschmolzen.[1]

1: Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, jenen einsichtsvollen

holländischen Farmern von Seite zoologischer Gesellschaften und der

Thierschutzvereine einige Anerkennung zukommen zu lassen, damit sie

nicht nur bei ihrem vernünftigen Entschlusse verharren, sondern auch

ihre Freunde in der Umgegend die Thiere schonen und ihre

Berufsgefährten in den anderen civilisirten Theilen Süd-Afrika's

bezüglich anderer auch schon stark abnehmender, unschädlicher

Vierfüßler ein Gleiches beobachten mögen. Und wenn es auch nur

einfache Belobungsdecrete wären, sie würden eine gute Wirkung nicht

verfehlen.

Der Cradocker-, Colesberger- und der benachbarte District von

Graaf-reynet sind ausgezeichnet durch Lager fossiler Ueberreste,

namentlich Dicynodonlager und der dieser Periode angehörenden fossilen

Flora.

Colesberg selbst ist durch einen gleichnamigen Berg ausgezeichnet, an

dem wir die Schichtung der einzelnen Gesteine, welche den District

charakterisiren, vor uns aufgethürmt sehen. Die Stadt ist etwas kleiner

als Cradock und liegt in einem ziemlich engen Felsenthale. Die Höhen,

die sie umschließen, sind meist nur mit Gras und so kleinen Zwergbüschen

bedeckt, daß sie dem Beschauer fast von aller Vegetation entblößt

erscheinen. Die meist kahlen Blocke, welche sie bedecken, werden zur

Sommerszeit gewöhnlich so ausgeglüht, daß sie die zwischen ihnen

liegende Stadt zu einem förmlichen Backofen, und den Aufenthalt daselbst

nicht besonders angenehm machen.[1]

1: Siehe Anhang 6.

Auf meiner Weiterreise von Colesberg nach Norden zu, gelangten wir nach

zweistündigem Ritte zu dem Oranjeflusse, welcher die Grenze zwischen dem

Oranje-Freistaat und der Cap-Colonie bildet. Wir übersetzten den an

Wassergehalt der Elbe gleichkommenden Strom in einer Fähre, welche die

Communication der beiden Ufer vermittelte und noch vermittelt; doch

steht schon heute einige hundert Schritte stromaufwärts eine

Eisenbrücke, und drei andere erleichtern den Verkehr zwischen beiden

Staaten stromauf- und abwärts. Der erste Tag, den ich in der Republik

verlebte, wollte mir nicht recht gefallen, und ich erinnere mich noch

heute lebhaft aller jener kleinen Zwischenfälle, die ich auf der Strecke

vom Oranjefluß bis Fauresmith erlebte. Der Weg zum Flusse bis Philipolis

wurde in etwa zwei Stunden zurückgelegt. Hier mußten wir der

Passagierkutsche Valet sagen und hatten den Rest des Weges nach

Fauresmith in einem Postkarren zurückzulegen. Philipolis bot einen

äußerst traurigen Anblick. Die Winterdürre hatte das Gras im Thale

ringsum, sowie an den umliegenden Höhen verbrannt, so daß die ganze

Gegend braun und kahl erschien; ebenso traurig war das Bild einiger

sechzig viereckiger, flachgedeckter, in der Mehrzahl nicht

eingefriedeter Häuser; nur an einer mit einigen seichten Wasserlachen

bedeckten Schlucht, dem Rinnsale eines jetzt ausgetrockneten Bächleins,

standen einige Bäume, deren fahles Laub den traurigen Anblick des

Städtchens nicht zu heben vermochte. Die Oede desselben wurde noch durch

die Stille des Ortes verschärft, kaum daß das Auge einem lebenden Wesen

begegnete, denn die Mehrzahl der Häuser war unbewohnt.

Da wir hier einige Stunden auf den Postkarren warten mußten, nahm ich

mit meinem Freunde, Herrn Michaelis, in dem Postgebäude Zuflucht. Es war

zugleich der Sitz der politischen Behörde und des Polizei-Commissariats

des Districts Philipolis. Denken wir uns ein kleines, etwa 14 Meter

langes und 6 Meter breites Steinhäuschen, durch eine dünne Bretterwand

in einen dem öffentlichen Dienste gewidmeten und Privatraum getheilt,

von welchem letzterer nicht nur die Kanzlei der politischen Behörde (des

Landdrostes), sondern zugleich das Amtslocale des Sheriffs (der

Polizeibehörde) und des Postmeisters bildet. Ein mit einem Tuche

behangener Tisch auf einem Podium, ein Stuhl dahinter, zwei Holzbänke

und ein mit Latten abgesonderter, etwa einen Quadratmeter umfassender

Raum vor demselben das ganze Meublement des ersterwähnten Raumes

bildend, läßt uns dessen Bestimmung als Gerichts-, Sitzungs- und

Wahlversammlungs-Saal des Districts errathen. Die Schilderung des

Posthauses dürfte die geehrten Leser auch mit der Natur der Postkarren

vertraut machen.[1]

1: Der Postdienst ist in Süd-Afrika zumeist an Privatleute vergeben,

welche gegen eine fixe Subvention die Verbindung zwischen den

einzelnen Städten (ein- bis dreimal die Woche) herzustellen sich

verpflichten.

[Illustration: Fahrt in die Diamantenfelder.]

In dichter bewohnten Gegenden, wo der Posthalter auf Passagiere rechnen

kann, sind diese Karren gedeckt und mit Polstersitzen versehen, wo er

jedoch auf diesen Nebenverdienst verzichten muß, sind dieselben sehr

primitiver Natur; ein roher, viereckiger, gelbangestrichener und auf

zwei hohen Rädern ruhender Holzkasten. Die Wohlthat eines solchen

Vehikels mußten wir nun durch drei Stunden rascher Fahrt genießen.

Selbst auf einer glatten, asphaltirten Chaussee, bei herrlichem Wetter

einer Folterstrafe zu vergleichen, war unsere Fahrt mit einem solchen

Vehikel bei dem damaligen Zustande der Straße ein waghalsiges Beginnen.

Wir kamen in Verlegenheit, für den Weg von Philipolis nach Fauresmith

selbst in Mexico und anderen durch den erbärmlichen Zustand der Straßen

bekannten Ländern eine Analogie zu finden. Dazu beliebte es dem Kutscher

die Schnelligkeit seiner Pferde im günstigsten Lichte zu zeigen.

Es bedurfte des Aufwandes aller Kraft und Balancirkunst, um bei dieser

tollen Fahrt über einen von hunderten von Rinnsalen und Felsadern

durchsetzten, mit Blöcken und Wasserlöchern überreich bedeckten Weg (oft

ist derselbe das natürliche Rinnsal des abfließenden Wassers einer

größeren Fläche des Hochlandes) nicht vom harten Sitze herabgeschleudert

zu werden und bei dem durch die Fahrt verursachten Getöse nicht

unbemerkt in Verlust zu gerathen. Fälle, wo Kutscher und Passagiere

lebensgefährliche Verletzungen davontragen, sind nicht selten.[1]

1: So geschah es, daß vor wenigen Jahren in der Nähe von Cradock ein

Postbote mit vier Pferden ertrank und in einer Schlucht zwischen

Cradock und Grahamstown ein Anderer umwarf, wobei die meisten seiner

Passagiere umkamen. In beiden Fällen hatten Regenfluthen und der

schlechte Weg das Unheil verschuldet. Leider wird diesem Uebelstande

noch für lange Zeit in vielen Theilen der südafrikanischen Colonie

nicht abgeholfen werden, da man trotz der großen Opfer, die man

schon gebracht, noch nicht so viel Capital verwenden konnte, um die

langen Strecken gegen die Einflüsse der plötzlichen Regengüsse zu

schützen. Es ist jedoch zu hoffen, daß der Eingeborne in Süd-Afrika

sich mehr an die Arbeit gewöhnt, als es jetzt der Fall ist, und daß,

wenn dann ausgiebige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, alle diese

Arbeiten auch viel leichter und mit geringeren Kosten ausgeführt

werden können.

Unsere Lage war noch dadurch erschwert, daß wir auch noch unser Gepäck

ängstlich behüten mußten; da saßen wir drei auf einer ungefähr einen

Meter langen und einen halben Meter breiten Fläche. Ein eisiger Wind

wehte uns entgegen, so daß unsere Hände bald erstarrten. Zudem ging es

langsam bergan und doch mußten die armen Thiere zum scharfen Trabe

angehalten werden. Zum Ueberflusse fing es, als wenn sich Alles gegen

uns verschworen hätte--eine Seltenheit in jenen Gegenden--zu schneien

an. Wir hatten etwa zwei Drittel der Strecke in diesem eisigen

Schneegestöber zurückgelegt, weiter, das fühlte ich, konnte diese

Marterfahrt nicht ausgedehnt werden, denn Mensch und Thier waren der

Erschöpfung nahe.

Lieblichste Musik däuchte uns in dieser Lage das Gebell eines Hundes,

denn er bedeutete die Nähe einer Wohnstätte und Ruhe. Die elendeste

Kaffernhütte wäre uns willkommen gewesen und mein Begleiter schwur, ein

£ St. für ein Nachtlager, wenn auch nur in einer geräumigen Hundehütte,

bieten zu wollen.

Wir waren auf das Freudigste überrascht, anstatt einer dürftigen Hütte

die erleuchteten Fenster eines Farmhauses zu entdecken. Wir fanden eine

überaus freundliche Aufnahme und, als wenn sich auch der Himmel mit uns

aussöhnen wollte, ließ, bevor wir noch die Pferde ausgespannt hatten,

das Gestöber etwas nach. Bald saßen wir am gastlichen Tische des

holländischen Farmers und hatten alle ausgestandene Pein vergessen, so

vollständig, daß ich, als wir nach einer Weile vor die Thüre tretend, um

nach dem Wetter zu sehen, kreischende Vogelstimmen hörten, mich

entschloß, mein Jagdglück zu versuchen. Der Himmel hatte sich etwas

aufgeklärt und ließ das Licht des Mondes matt durchscheinen. Nach

Südosten hing es noch dunkel; es war die Richtung des abziehenden

Unwetters. Mir war schon, während wir bei Tische saßen, das hundertfache

Vogelgeschrei aufgefallen und auf meine Anfrage antwortete mir mein

freundlicher Wirth, daß es von »Det grote springhan Vogl« herrühre. Die

Holländer nennen nämlich den grauen, südafrikanischen Kranich (C.

Stanleyi), von welchem ich ein Exemplar dem Prager Stadtpark widmete, ob

seines großen Nutzens, den er durch das Vertilgen der Wanderheuschrecken

bringt, den großen Heuschreckenvogel; zum Unterschiede von einer anderen

Art, welche sie den kleinen Heuschreckenvogel nennen, der in großen

Schwärmen diesen Insecten folgt, während die südafrikanischen Kraniche

ihre ständigen Quartiere nicht verlassen.

Langsam schlich ich mich an, allein ich machte die Erfahrung, daß diese

Thiere sehr wachsam sind, denn die ganze Gesellschaft erhob sich

kreischend in die Lüfte; da ich nicht in den ganzen Schwarm feuern

wollte, zog ich mich wieder zurück. Später machte ich die Beobachtung,

daß diese Vögel, so wie die Kronenkraniche (_Balearia regulorum_), auch

Reiher und mehrere Storcharten, zur Nachtzeit stehende Gewässer

aufsuchen und hier übernachten. Dieser Aufenthalt schützt sie vor den

Nachstellungen der Hyänen, Schakale, Füchse, dem Hyänenhund (_Canis

pictus_) und verschiedenen Katzenarten. Man findet oft große Heerden

vermiedener Abarten dieser Stelzenvögel in den genannten Gewässern

versammelt, bei Anbruch der Dunkelheit stellen sie sich in langen Zügen

ein und erst bei Sonnenaufgang verlassen sie das schützende Versteck.

Was mir besonders bei meinen häufigen nächtlichen Jagdausflügen zu den

Salzseen und in der Nähe ähnlicher doch süßwasserhaltiger Gewässer in

Süd-Afrika auffiel, war, daß sich die Vogelschaaren in den Gewässern

nicht außer aller Gefahr hielten. Sie haben Wachen ausgestellt, welche

sie von Zeit zu Zeit ablösen. Diese Wachen erheben etwa viertel- und

halbstündlich ein kurzes Geschnatter, etwas ähnliches beobachtete ich

auch im Transvaalstaate bei den gewöhnlichen und schwarzen Störchen, bei

den grauen Fischreihern am Molapoflusse, bei den kleinen weißen

Reiherarten in den Sümpfen des Limpopothales, bei dem Riesenreiher im

Sibananie-Walde und den Purpurreihern und Sporngänsen im Zambesithale.

Nach einer beschwerlichen Fahrt von mehreren Stunden erreichten wir,

nachdem wir die gastliche Farm verlassen, die Stadt Fauresmith. Sie

zeigte den Charakter aller Städte des Freistaates; obschon sie kaum 80

Häuser zählte, dehnte sie sich doch über eine beträchtliche Fläche aus;

die reinlich getünchten Häuser mit ihren flachen Dächern, aus den sie

theilweise umgebenden Gärten hervorlugend, gewährten uns einen

freundlichen Anblick. Fauresmith ist der Sitz eines Landdrosten und im

Allgemeinen eine der bedeutenden Städte der Republik. Der gleichnamige

District, dessen einzige Stadt eben Fauresmith ist und der zu den

reichsten des ganzen Freistaates zählt, verdient weiters noch durch

seine Pferdezucht und den nahe der Stadt gelegenen Diamanten-Fundort

»Jagersfontein«, in dem der Abbau etwas rationell betrieben wird,

besondere Erwähnung.[1]

1: Siehe Anhang 7.

Fauresmith, sowie die meisten südafrikanischen Städte, bieten viermal

des Jahres, wenn die holländischen Farmer zur Andachtsübung und

Erfüllung ihrer religiösen Pflichten (hauptsächlich um das heilige

Abend- und Nachtmahl, wie es hier genannt wird, zu empfangen) und auch

zur Besorgung ihrer En gros-Einkäufe und Abrechnung mit ihren

Geschäftsfreunden nach der Stadt kommen, ein ungewöhnlich belebtes Bild,

das zur gewohnten Stille und Einsamkeit einen grellen Contrast bildet.

Eine Unzahl der bekannten südafrikanischen Riesenwägen durchzieht dann

die Straßen und campirt theils in denselben, theils außerhalb der Stadt.

Im Gefolge der Wagen fanden wir immer einige Reiter, theils

Farmerssöhne, theils farbige Diener. Die bemittelteren der Farmer

besitzen ihre eigenen Häuser in der Stadt und wo es die künstliche

Bewässerung erlaubt auch ein Gärtchen dazu; die weniger wohlhabenden

miethen sich von den letzteren für die Zeit ihres Aufenthaltes ein bis

zwei Zimmer, oder wohnen--was jedoch nur die Aermsten thun--außerhalb

der Stadt für die kurze Dauer ihres Besuches in ihren großen Wägen.

Diese Besuche der holländischen Farmer sind für die dortigen

Geschäftsleute heiß ersehnte Tage und erinnern in mancher Hinsicht an

die europäischen Messen. Auch der Arzt findet in dieser Zeit eine

vermehrte Beschäftigung, da die Farmer sehr oft bei allen nicht

besonders gefährlichen Krankheiten mit ihrer Consultation bis zum

Besuche der Stadt warten. Unter der nicht besonders zahlreichen

Bevölkerung dieser Städte bilden die Prediger, der Landdrost, der Arzt,

die Kaufleute und der Notar die Crême der Gesellschaft.

Ich erwähnte bereits, daß ich meine Reise nach Fauresmith mit den

schönsten Hoffnungen und in gehobener Stimmung antrat. War ich doch hier

dem ersehnten »Innern« viel näher als in Port Elizabeth, konnte ich doch

über den Umfang und die Details meiner nöthigen Ausrüstung belehrt

werden, endlich sollte ich hier die Gelegenheit finden, mir die

Geldmittel zu meinen geplanten Reisen in das Innere zu verschaffen. Dies

Alles war mir von dem Fauresmither Geschäftsmann so leicht, in solch'

schönen Farben geschildert worden, daß ich es ja glauben mußte, und ich

vertraute um so zuversichtlicher, als ich mich so alleinstehend, so

fremd und weil mittellos, so verlassen in dem mir fremden Welttheile

fühlte. Ein Ertrinkender faßt mit ganzer Kraft und Zuversicht nach dem

schwächsten Zweige, der ihm erreichbar ist, von ihm erhofft er seine

Rettung; wäre er am Ufer, er würde allerdings solche Hoffnungen thöricht

schelten.

Enttäuschung ist wohl einer jener so oft im Leben wiederkehrenden, wenig

angenehmen Momente, die den Menschen zum Sammeln aller seiner Kräfte und

Fähigkeiten zwingen, wenn er nicht muthlos verzagen will. Dieser

ungebetene Gast sprach aber bei mir so oft vor, daß er mich heute nicht

mehr überraschen würde. Wir haben ihn gewiß alle ohne Ausnahme kennen

gelernt, vielleicht bin ich jedoch häufiger mit ihm zusammengekommen,

als Andere. Kannte ich ihn doch schon aus meiner frühen Jugend, aus den

Anfängen meiner »Forschungsreisen« im Mittelgebirge und im Egerthale,

aus meinen Universitätsstudien in Prag, aus dem Beginne und aus der

Entwickelung meines Unternehmens.

Alle Hoffnungen, die ich auf den Aufenthalt in Fauresmith gesetzt hatte,

zerrannen in wenigen Tagen; ich hatte wahrgenommen, daß ich auch dem,

der mich zur Reise hierher bewogen, zur Last fiel; er kam mit seinem

älteren Freunde, einem in Fauresmith wohnenden Arzte, meinethalben in

Collision, schließlich siegten seine älteren Sympathien über die mir

zugedachte Gewogenheit, doch gab er mir den wohlmeinenden Rath, die

Diamantenfelder aufzusuchen, in welchen ich, wie er sich ausdrückte, am

rechten Platze und der rechte Mann wäre. Mir blieb nichts übrig, als

diesem »wohlmeinenden« Rathe zu folgen und so brach ich wieder auf. Ich

hatte kaum die nöthigsten Kleider auf dem Leibe, meine Fußbekleidung war

in Brüche gegangen und da meine Mittel nicht hinreichten, mir neue

Kleider zu kaufen, mußte ich versuchen, sie creditirt zu erhalten. Dies

gelang mir, und so zog ich weiter, mein Stolz verbot es mir, den Mann,

der in Port Elizabeth den guten Willen gezeigt hatte, mir zu helfen, an

sein Versprechen zu erinnern. Wie von Port Elizabeth nach Fauresmith, so

war auch von Fauresmith nach den Diamantenfeldern Herr Hermann Michaelis

mein guter Helfer. Für jene Strecke hatte er mir das nöthige Geld

vorgestreckt, auf dieser nahm er mich als seinen Gast mit, da er eben

auch nach den Diamantenfeldern gehen und sie besichtigen wollte. Wir

fanden nun noch einen Reisegefährten in Herrn Rabinsvitz, dem

Oberrabbiner für Süd-Afrika, der mir ein sehr freundliches

Entgegenkommen bewies. So schied ich denn von Fauresmith, ohne Groll und

muthig der Zukunft entgegenblickend. Dem Kaufherrn in Fauresmith sei

hier für die gewährte Gastfreundschaft mein Dank ausgesprochen.

Die Gegend zwischen Fauresmith und den Diamantenfeldern ist recht

eintönig. Nur die Strecke längs des Riet-River und im Thale des

Modder-River, welches wir zu durchkreuzen hatten, bot eine etwas

anziehendere Scenerie dar. Hier zeigte sich mir auch eine günstige

Jagdgelegenheit, und ich benützte die wenigen freien Minuten während

einer Ruhepause, nach eingenommenen Mahle, die nächste Umgebung zu

durchstöbern. Der Riet-River floß in einem tiefen Bette als ein dünner

Faden nach Nordwest, um sich mit dem Modder- (Sumpf-, Schlamm-) River zu

verbinden. Wie in den meisten Flüssen Süd-Afrika's zur Trockenzeit

(Winter) hatten sich auch hier mehrere die ganze Breite des Flußbettes

einnehmende, bis drei Meter tiefe, fischreiche Tümpel gebildet.

Der großen Mannigfaltigkeit von Landschaftstypen entspricht auch eine

große Mannigfaltigkeit von Thierformen, namentlich Vierfüßlern, und

selbst in den zur Trockenzeit wüstenartig erscheinenden Gegenden bietet

sich dem Zoologen wie dem Jäger ein reiches Arbeitsfeld. Diese

Mannigfaltigkeit ist besonders bei den niederen Thierformen ausgeprägt,

und ich fand schon in der Cap-Colonie viele Schmetterlings- und

Käferarten oft auf kleine, durch zwei parallel laufende Flüsse begrenzte

Striche beschränkt.

Mit einzelnen interessanten Arten von Federwild wurde ich eben jetzt in

dem mit Trauerweiden (_Salix babylonica_) dicht bewachsenen

Riet-Riverthale näher bekannt. Mein Jagdglück versuchend, war ich

thalaufwärts vorgedrungen und wollte mich eben durch ein dichtes Gebüsch

drängen, um eine bessere Rundschau über die Tümpel im Flußbette zu

gewinnen, als ein wohl hundertstimmiges Geschrei und ein leises Rascheln

in den überhängenden Zweigen mir die befiederte Gesellschaft verrieth.

Zurücktretend, scheuchte ich die Thierchen vollends auf, welche mit

lautem Gezwitscher in ein nahegelegenes Dorngebüsch einfielen. Es waren

die zierlichen, beschopften und durch lange schmale Schwänzchen

ausgezeichneten Wiriwa (Colius leucotis), von denen ich später noch zwei

weitere Arten kennen lernte. Eines der Thiere hatte auf dem höchsten

Zweige Posto gefaßt, wohl um den fremden Ruhestörer im Auge zu behalten,

die übrigen hatten sich in das Innere des Busches zurückgezogen, so daß

sie meinen Blicken vollends entzogen waren. Es sind sehr muntere Thiere,

doch schwer in Gefangenschaft zu erhalten, die einzig lebenden fand ich

in Grahamstown, wo sie ein Vogelliebhaber mit Finkenarten in einem

großen Käfig gefangen hielt und sie mit Orangen ernährte.

Das Gros der Vogelwelt im Riet-Riverthale bildeten die Vertreter zweier

Arten von Turteltauben, der eigentlichen südafrikanischen,

bläulichgrauen Turtur und der Lachtaube, welchen wir bis zum Zambesi und

darüber hinaus begegnen, Vögel, die jeder Thierfreund, wenn er sie in

der Nähe beobachten kann, liebgewinnt. Ich hatte mir mehrere derselben,

die ich im Fluge leicht angeschossen, jahrelang erhalten, und mir damit

manche vergnügte Stunde verschafft. Schon um 3 Uhr Morgens ließen sich

die Männchen mit ihrem Girren und dann mit ihrem Silbergelächter hören;

und als sie so ihren Morgengruß den neben ihnen sitzenden Täubchen

gespendet, da antworteten diese, allein so leise und zart, daß es wie

aus der Ferne, doch äußerst melodisch und lieblich herüberklang. Leider

fielen sie der Nachlässigkeit eines meiner schwarzen Diener zum

Opfer.[1]

1: Siehe Anhang 8.

Auf der Ebene an den beiden Flußufern fand ich als das gewöhnlichste

Wild Süd-Afrika's eine Zwergtrappenart, den Knurhahn, dessen Geschrei

uns vom ersten bis zum letzten Tage, so lange wir in der Karroo im

Freistaate[1] und Transvaalstaate reisen, begleitet und selbst einem

minder geübten Schützen täglich gute Mahlzeiten sichert. Bemerkt diese

Trappe den Jäger, so bewegt sie ihren Kopf neugierig nach allen Seiten,

duckt sich plötzlich nieder und hebt sich mit lautem, kreischendem,

weithin hörbarem Geschrei in die Lüfte, setzt ihren unbeholfenen Flug

etwa bis 200 Meter fort, um langsam mit eingezogenen Flügeln und

herunterhängenden Beinen sich wieder niederzulassen. Ihr Obergefieder

ist schön braun melirt, das Gesicht, mit Ausnahme je eines weißen

Streifens an den Wangen, Kehle und Unterleib schwarz, die Füße gelb. Ihr

Verbreitungsbezirk endigt in den waldbedeckten, nördlicheren Gebieten

Süd-Afrika's; gleich den vorhergehenden Repräsentanten der Vogelwelt ist

auch sie nur sehr schwer in der Gefangenschaft zu erhalten.

1: Es ist damit stets der Oranje-Freistaat gemeint.

[Illustration: Hotel am Riet-River.]

Unser Weg führte uns nun weiter im Thale des Riet-Rivers über

Coffeefontein, nächst Jagersfontein bei Fauresmith, die zweite

Diamanten-Fundgrube des Freistaates, woselbst kleine aber schöne und

weiße Brillanten gefunden werden. Spät am Abend des ersten Tages unserer

Reise gelangten wir zu der Furth des genannten Flusses, die wir

benützten, und übernachteten in einem am jenseitigen Ufer stehenden

Hotel.

Der pompöse Ausdruck Hotel wird bei den geehrten Lesern leicht

irrthümliche Vorstellungen erwecken. Die folgende Skizze wird am besten

diesem Irrthume vorbeugen. Denken wir uns zwei mit Segeltuch überspannte

Bretterhäuschen, die zugleich als Wohnstätte und als Geschäftslocal

dienen, einige auf der Erde ausgebreitete Ziegen- und Schaffelle und wir

haben ein Bild der äußeren und inneren Ausstattung des sogenannten

Hotels. Ein ungemüthlicher Aufenthalt fürwahr, besonders da ein heftiger

Wind, durch die Fugen eindringend, die in Fetzen herabhängenden Reste

einer Stofftapete, deren Aussehen kaum mehr ihre Provenienz errathen

ließ, in schwingende Bewegung versetzte und uns mit einem dichten

Staubregen bedeckte; dazu eine empfindliche Kälte während der Nacht, die

mich in Versuchung führte, die Tapetenlappen vollständig abzureißen und

sie als Decke zu benützen.

An Schlaf war in dieser angenehmen Situation nicht zu denken, und so

erhob ich mich zeitlich des Morgens, nahm ein Gewehr und schlich mich

in's Freie, die Richtung nach dem nahen Flusse einschlagend. Kaum

angelangt, hörte ich stromaufwärts das mir schon bekannte,

weithintönende Geschrei der Kraniche; ein Zug kam den Fluß abwärts

geflogen. Es war mir leid, auf eines der Thiere anzuschlagen, allein die

Aussicht, einen schönen Balg zu gewinnen, den ich vielleicht in den mir

Tags zuvor als nahe bezeichneten Diamantenfeldern präpariren konnte,

besiegte alle Bedenken. Als die Schaar mir beinahe über dem Kopfe

hinflog, sandte ich eine Schrotladung hinauf, die Thiere wichen rechts

und links aus dem Zuge, nur einer schien mir zu schwanken, senkte sich,

und im nächsten Augenblick fiel er an einer seichten Stelle todt in den

Fluß herab. Da war auch schon der kalte Morgen vergessen, rasch

entledigte ich mich der Stiefel und watete in den Fluß, um mir meine

Beute zu holen.

Von einem Rudel heißhungriger Köter begleitet, die der Schuß aus dem

Hotel und den nahen Hütten der Koranna's herbeigelockt, kehrte ich, die

Jagdbeute hochhaltend, zum Hotel zurück. Nach beendetem

Morgenimbiß--einigen auf Kohlen gerösteten Fleischstücken und

Zwieback--brachen wir auf, froh, diesem wenig einladenden Hotel den

Rücken gekehrt zu haben. Nachmittags hatten wir das Städtchen Jakobsdaal

erreicht, das mit seinen 25 ärmlichen, über eine von der Hitze

ausgetrockneten Ebene zerstreuten Häuschen ein trostloses Bild bot.

Schon am folgenden Morgen verließen wir auch dieses letzte der

Freistaat-Städtchen und erreichten nach mehrstündiger Fahrt die

Central-Diamantenfelder. Je näher wir denselben kamen, desto trauriger

wurde die Gegend, die Büsche schwanden zusehends, blos hie und da war an

den niedrigen Höhen zu beiden Seiten des Weges etwas trockenes Gras zu

erspähen. Ich muß eingestehen, daß mir der Tag, an dem ich die

Diamantenfelder erblickte, unvergeßlich bleiben wird. Wir fuhren mit

unserem vierspännigen Karren rasch die Höhen von Scholze's Farm herab;

mein Gefährte wies auf eine, etwa zwei Stunden vor uns liegende kahle,

nur im Osten in der Entfernung von bläulichem Gebirge begrenzte Ebene

und bedeutete mir, daß sich unter dem auf ihr ruhenden, uns sichtbaren

Dunstkreise meine neue Heimat befinde. Ein kalter Wind strich von den

Höhen nach der Ebene hin und ließ uns in dem luftigen, hohen Karren,

trotzdem, daß wir uns in unsere Mäntel gehüllt hatten, den

südafrikanischen Winter recht unangenehm empfinden. So weit der Himmel

reichte, hingen an ihm dichte, graue Wolken, welche die ohnehin

trostlose und wenig anmuthende Landschaft noch trauriger erscheinen

ließen. Unser Wagen rollte schnell nach dem gepriesenen Eldorado von

Tausenden aus aller Herren Länder, welche der Reiz eines reich

entlohnenden Erwerbszweiges angezogen. Je näher wir kamen, desto mehr

sank mein Muth, einen so deprimirenden Eindruck übte die trostlose

Gegend auf mich. Der graue Dunstkreis, den wir früher von der Höhe

erblickt, war endlich erreicht und Gesicht und Geruch des Besuchers

konnten ihn nur zu leicht analysiren. Es waren dies dichte Staubwolken,

die der Westwind aus dem röthlich-gelben Sande, der den Boden auf der

Ebene bedeckt, aufwirbelte, und der sich mit den losen Theilchen der

überall zwischen den primitiven Wohnungen und um die Diamantengruben

angehäuften kalkhaltigen Erdmassen mischend, die Atmosphäre erfüllten,

so daß es keiner besonders erregten Phantasie bedurfte, um sich in das

Wüthen eines Sandsturmes in der Sahara zu versetzen. Der Zeltstadt nahe

gekommen, jagte uns der Sturmwind eine so dichte Staubwolke entgegen,

daß wir uns vorsichtshalber, da wir auf 30 Schritt nicht sehen konnten,

nur langsam vorwärts bewegen mußten. Bald waren Gesicht und Kleider grau

incrustirt, kein Wunder, daß wir uns--wie alle Neulinge--in dieser

Atmosphäre, bevor wir das Geschäftslocale des Fauresmither Kaufmannes

(er hatte in einem der Fundorte eine Geschäftsfiliale), das noch etwa

1000 Schritt im »Camp« entfernt lag, erreicht hatten, sehr unwohl

fühlten; selbst die Pferde schnaubten und schienen dem reichsten

Minendistrict der Erde keinen Geschmack abgewinnen zu können. Die aus

dem eisen- und kalkhaltigen Sande bestehende Wolkenmasse schien die

beiden Ortschaften in den Diamantenfeldern Bultfontein und Dutoitspan

förmlich zu bedecken und erfüllte bis zu einigen hundert Fuß Höhe die

Luft, alles in ein undurchdringliches Dunkel hüllend. Hie und da

erblickte ich, rechts und links von uns--so weit es eben die

staubgeschwängerte Atmosphäre erlaubte, einfache runde und längliche

Zelte, Zelthäuser und aus geripptem Eisenblech errichtete, doch

geschlossene Verkaufslocale. Die Zeltstangen bogen sich unter der Gewalt

des Sturmwindes, der so heftig an den Stricken zerrte, daß man jeden

Augenblick befürchten mußte, die luftigen Behausungen im Sturmwinde

verschwinden zu sehen. Von den Dächern der eisernen Häuschen halb

losgelöste Blechplatten kreischten mit dem heulenden Sturme um die Wette

und vervollständigten den entmuthigenden Anblick. Gewiß ein seltsamer

Willkommengruß für den Ankömmling! Hie und da hatten sich die Pflöcke,

mit denen die Zelte zur Erde gehalten werden, losgelöst oder die Oesen

hatten sich ausgerissen und das halbe Zelt flatterte wie eine Fahne

lustig im Winde, hie und da lugten einige dunkle Körper aus dem

Hintergrunde des flatternden Zelthäuschens hervor, die sich bei näherer

Besichtigung als auf der Erde liegende, schlafende oder ausruhende

halbnackte Gestalten der in den Diamanten-Fundorten arbeitenden

Eingebornen entpuppten.

Sieben Jahre in Süd-Afrika. Erster Band. Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879). · 第 16 / 37 题