XVI.

Heil, noch einmal vor dem Richter.

Der Jüngling _Heil_, nun _Mann_ geworden,

Durch _Leiden_, die er _gross_ bestand:

Er sehnt sich aus dem Land des Norden,

Zur Heimath, in sein Wiegenland.

Doch eh' das Grabmal seiner Freuden

Von ihm empfing die letzte Pflicht:

Da trat er, sonder Groll zu scheiden,

Noch, _also_ sprechend, vor _Gericht_:

»Es ward ein theures Blut vergossen,

Der Mörder fand verdientes Grab;

_Nun_ -- habet Ihr den Tod beschlossen,

Auf einen, der mir Leben gab.

Denn, wäre _Skudritz_ Euch entflüchtet,

So wie es stand in seiner Macht:

So hätte _Folter_ mich vernichtet,

Und _Schande_ mir der Tod gebracht.

Dann auch bedenket Eure Lage,

Vor Thron, Gewissen und der Welt:

Wenn _Gott_ die Wahrheit hier zu Tage,

Den Frevel an das Licht gestellt!

Der _Skudritz_ war, an seiner Stelle,

Berückt, bethört, von blindem Wahn;

Nur Sklave blieb der Mordgeselle,

Und stets dem Mörder unterthan.

So lasset Huld ihm angedeihen! --

Den _Schatz_, der mir im Grabe ruht,

Soll _nicht_ unreines Blut entweihen;

Nicht schänden mir das edle Blut.« --

* * *

Dem _Richter_ wollte nicht behagen,

Was _Heil_ gesprochen, allzukühn;

Doch will er Gnade nicht versagen,

Da _Greif_ um gleiche Gunst erschien.

Dem _Jüngling_ war _zu weh'_ geschehen;

Vergeben wurde, _wie_ er sprach;

Der Richter liess den Spruch ergehen,

Und _Milde_ folgt dem _Rechte_ nach.

»Der _Skudritz_ mag im Thurm' noch büssen,

Für seine Schuld, die er bekannt;

Dann sei er aus dem Land' gewiesen,

Und ende _fern_, von hier _verbannt_!« --

_So_ sprach der _Richter_, vor dem Scheiden

Von dem durch Mord entweihten Ort';

Erfreuend _so_ das Herz der _Beiden_,

Mit seiner That, mit seinem Wort'.

Die Jungfrau von Treiden · 第 24 / 27 题