XV.

Der Jungfrau Todtenfeier.

Es wallen edle Trauergäste,

Und Pilger strömen ohne Zahl,

Nach _Treiden_ hin, zum _Todtenfeste_,

Zur _Jungfrau_, nach dem Rittersaal.

* * *

Im Schmuck' der Fürstengruft erscheinen

Die Wände, wie der Säule Rund;

Und gold'ne Todesengel weinen

Danieder, von dem schwarzen Grund'.

Kristall'ne Kronen, Kerzengarben,

Versenden wie ein Strahlenmeer,

Ein Sonnenlicht von allen Farben,

Im weiten Trauersaal umher.

Und mitten dort im Saal' vollendet

Ein _Rosenhain_ den Zauberkreis;

Der ringsum reiche Düfte sendet,

Von tausend Blüthen, roth und weiss.

Und mitten, hoch im Rosenhaine:

Im Sarge von Cypressenholz,

Da thronet _sie_, die Makelreine,

Der Jungfrau Zier, der Frauen Stolz!

Ein _Engel_ ruht auf Mund und Wangen,

Den Liebreiz noch gefangen hält:

Sie hat den grossen _Tod_ empfangen,

Wie einen _Kuss von jener_ Welt.

* * *

Im zarten Lilien-Gewande,

Den Myrthenkranz im blonden Haar;

Umgürtet mit dem Rosabande,

Das ihr Geleit' zum Tode war:

So schlummert _sie_, dem Tod' zum Hohne;

Der Traum ist lieblich, wundersam!

Ein _Cherub_ zeigt die Palmenkrone;

Ein _Seraph_ ist ihr Bräutigam.

Sie mag den Freier nicht betrüben,

Und spricht, dem Engel zugewandt:

Ich will in dir den _Bruder_ lieben,

Mein _Liebster_ wohnt im _Erden_land.

So scheint im Traume sie zu sagen,

Nur sagt es ihre Lippe nicht;

Und so mag Liebe nie verzagen,

Wenn auch der Tod das Leben bricht.

Zu Häupten ihr, an Rosenzweigen,

Sich neigend auf ihr Todtenbild:

Darf sich das _Tuch_ der _Liebe_ zeigen,

Ihr Schlachtpanier und Ehrenschild.

Es zeugt von ihrem Heldenmuthe,

Der ihrem Kampfe _Sieg_ verleiht;

Es ist geweiht von ihrem _Blute_,

Es ist von ihrem _Tod'_ geweiht.

* * *

Zu ihren Füssen kniet der _Arme_:

Der alles Glück mit ihr verlor!

Sein Leben wohnt in seinem Harme;

Sein Reichthum ist -- ein _Trauerflor_!

* * *

_Wer_ wankt herbei an seinem Stabe,

Der Erde satt, dem Himmel reif? --

_Der sie_ gerettet aus dem Grabe;

Das ist der alte Vater _Greif_!

Die _Mutter_ weint auf ihrem Bette,

Von Schmerzen wund, zum Tode müd';

Sich sehnend nach der Schlummerstätte,

Zu der voran die _Holde_ schied!

Und alles Volk, und alle stöhnen,

Die _sie_, die _Liebende_ geliebt:

Bezeugen nun im Strom von Thränen,

Wie tief der Schlag ihr Herz betrübt.

Doch draussen weilt ein _Trauerwagen_;

Und horch, die Gräberstunde schlug!

Zur _Kirche_ wird sie fortgetragen,

Bestrahlt von hellem Fackelzug. --

Choral, Gebet und Hymne wühlen,

Es wühlt der klagende _Sermon_:

In Seelentiefen und Gefühlen;

Und Alles wird nur Klageton.

* * *

Dann endet sich das Fest der Trauer;

Das Leben senkt den Tod hinab! --

Zur Linken an der Tempelmauer,

Da gähnt der Schlund von ihrem Grab'!

Das _Amen_ folgt dem Priestersegen! --

Die _Uhr_, die Jeder schlagen hört:

Ist nur das _Herz_, mit seinen Schlägen;

Ist nur der Schmerz, der sich empört!

Es regnet _Kränze_! dann entrollen,

Wie Würfel aus verweg'ner Hand,

Hinab zu Grab', die Gräberschollen;

Bis _Rosa_ mit dem Sarg -- _verschwand_.

* * *

Dann bringt ihr _Heil_ ein Kreuz von Eisen:

Das soll der Heldin _Orden_ sein:

Dann bringt die Welt -- den Stein der Weisen,

Den inhaltschweren _Todtenstein_.

Mit Felsen würfeln Erdvulkane,

Mit _Steinen_ würfelt auch die Luft;

Und _Steine_ wirft der Mensch im Wahne,

Auf Bruderglück und seine Gruft!

* * *

Zeitlose _Du_, nicht Zeitenlose!

Dein Wandel geht durch _alle_ Zeit.

Von Dornen frei, Du, keusche _Rose_,

Bist _Rosa_ nun, der Ewigkeit!

Der _Maienrose_ Duft und Leben:

Sie locken Wurm und Tod herbei;

Indess nun Engel Dich umschweben,

Und treu Dich pflegen, _Rosa Mai_!

Die Jungfrau von Treiden · 第 23 / 27 题