Am nächsten Tage.
(Zu Treiden.)
Auf, _Gericht_, bei Morgenroth!
Oeffne deine Schranken!
Und es sei der _Jungfrau Tod_
Seele der Gedanken!
Fern dem Wahne, fern der Scheu,
Wirf den Schein danieder;
Und vernimm, der Wahrheit treu,
Zeugen für und wider!
Dort die Leiche, dort das Beil,
Dort das Blut im Staube!
Hier die _Klage_, hier der _Heil_,
Hier gesunk'ner Glaube! --
* * * * *
Und sofort zu Kampfe zog,
Wider _Heil_, die _Klage_;
Und des Landes _Richter_ wog
Mit der _Themis_ Waage.
_Heil_, der Jüngling, trat hervor,
Todesbleich die Wangen;
Wie der Mond den Schein verlor,
Von Gewölk umfangen.
Tief gesunken und zerstört,
Heldenthum's Ruine;
Schmerz-gebrochen, Gram-verzehrt,
Stand er auf der Bühne.
Und der hohe _Richter_ spricht:
»Lass' dich, _Jüngling_, fragen!
Kennst du _diese Waffe_ nicht,
Und, wer sie getragen?
_Dich_ erkennt an solcher Spur,
Wer sie aufgefunden;
Und mit _solcher_ Waffe nur
Schlägt man _solche_ Wunden. --
War es nicht der Bote dein:
Der, von Dir verblendet,
Deine _Braut_, durch leeren Schein,
In den _Tod_ gesendet?
Gieb das zarte _Kind_ zurück:
Das, durch _dich_ entschwunden;
Dessen Spur auch _Vater_-Blick
Nirgend noch gefunden!« --
* * *
_Heil_, im Auge seine _Braut_,
Die der Mord erschlagen:
Schien mit allem Tod' vertraut,
Nicht mit solchen Klagen.
Nun, bekannt mit seinem Loos,
Rings um sich Verderben,
Sprach der _Jüngling_, ruhig gross,
Wie der Held im Sterben:
»Jenes _Beil_, mein _Kläger_ hier,
Meine Lieblingshabe:
Wie es frommte mir und _Ihr_,
Folg' es mir zu Grabe!
_Solch_ ein Werkzeug nur allein
Sollte mich begleiten:
_Ihr_, im weichen Sandgestein,
Obdach zu bereiten.
Zürne nicht, verklärte _Braut_!
Wenn ich _nicht_ verhehle:
Dass ich nur für _Dich_ gebaut
Jene zweite _Höhle_.
_Was_ dem Blicke dort erstand,
Stufen und Gelände:
Schuf das _Beil_ in meiner Hand;
Schufen diese Hände.
Sank denn _Heil_ so tief herab:
Sich ein Werk voll Grauen, --
Seiner _Braut_ ein frühes Grab --
Schmachvoll zu erbauen? --
Doch, wir stehen vor _Gericht_;
Und die Richter sagen:
Jenes Beil im Blute spricht,
_Er_ hat sie erschlagen!...
Höret nun von mir Bescheid,
Auf die _zweite_ Klage!
Neues Weh' und neues Leid
Weckt die _Boten_-Frage.
Glaubet! meine Seele weiss
Noch von keinem _Boten_:
Der die _Braut_, auf mein Geheiss,
Sandte zu den _Todten_.
Nur bei Tages _Untergeh'n_
War es uns beschieden:
Dort zu feiern Wiederseh'n,
In der Höhle Frieden.
_Also_ war es Fug und Brauch
Für die Zwei geblieben;
_So_ betrat ich, _gestern_ auch.
Meine Bahn zur _Lieben_:
Noch zu enden war ein Theil,
Hoch am Grottenrande;
Und ich zog mein liebes Beil
Aus dem Gürtelbande.
Aber, als ich wohlgemuth
Mein _Asyl_ erreiche:
Weh', da lag, in ihrem Blut',
Meiner Jungfrau _Leiche_!
Da entsank das Beil der Hand;
Kraftlos sank ich nieder;
Und -- am Eis der Todten fand
Mein Gefühl sich wieder!...
Von dem _Kinde_ weiss ich nur
_Dieses_ zu gestehen:
Dass von _Leutha_ keine Spur.
Gestern war zu sehen.« --
* * * * *
So erklang des _Jünglings_ Wort,
Aus der Seele Tiefen!
Wahrheit riss die Menge fort,
Furcht und Wahn entschliefen.
Eine Todten-Pause trug
Tod in _Feindes_-Leben;
Und das Herz der _Freunde_ schlug,
_Wie_ bei Fieber-Beben.
Doch -- der strenge _Richter_ spricht:
»Wahrheit lebt in _Zeugen_!
Wem der _Zeugen_ Mund gebricht,
Muss der _Qual_ sich beugen!
_Zeugen_, oder _Folter_-Qual,
Will der Zeiten Sitte;
Dich befreit, von solcher Wahl,
Thräne nicht, noch Bitte.
Fühllos, wie die Weltenuhr
Schlägt den Takt der Zeiten:
Mag Gesetz dem Rechte nur
Kraft und Sieg bereiten.
Soll _Gesetz_ im Staatenspiel'
Bahn der Wahrheit brechen:
Darf nicht Mitleid und Gefühl
Richter-Wort bestechen.
Darum, _Knechte_, führet ihn,
Ob er sich bedenke,
Nach den Thurm-Gewölben hin,
Vor die Marter-Bänke!
Dort, wo Heide oder Christ,
Schrecken fühlt und Grauen:
Mag' er jedes Qualgerüst',
Nach der Stufe, schauen!
Zeig't ihm jedes Marterholz,
_Wie_ der Grad sich nenne!
Dass vielleicht gebeugter Stolz,
Frei, die Schuld bekenne.« --
* * * * *
_Heil_, ob Gram und Kummerlast
Tief das Herz bewegen,
Warf dem _Richter_, schnell gefasst,
_Dieses Wort_ entgegen:
»_Göttlich_ war das _Urgesetz_
Für der Menschheit Leben;
_Menschlich_ war das _Nachgesetz_,
Das der _Mensch_ gegeben.
Doch -- das Gold von gold'ner Zeit,
Die uns Lieder preisen:
Sank herab, im Völkerstreit';
Wurde Blei und Eisen!
Und der Zeiten Stahl und Blei,
Würgend um die Wette:
Brach des Ringes Gold entzwei
An der Menschen-Kette!
_So_, wie _Brennus_ nach dem Sieg',
Einst am _Römer_-Tage:
Warf ihr Schwert, wenn _Zweifel_ stieg,
_Themis_, in die Waage. --
_Also_ leg't Ihr _Herzen_ ein,
In die _Folter_-Schrauben;
Bis zu _Thaten_ wird der Schein,
Und der Wahn zum _Glauben_. --
Aber, weises _Landgericht_!
_Heil_ und seine Ehre
Fürchten Eure Folter nicht!
Nicht der Qualen Schwere!
Bitt're Qual, die mich bedroht,
Soll mir _süss_ erscheinen!
Denn mich wird ein _Martyr-Tod_
Mit der _Braut_ vereinen.
Da sie fiel, durch Mörderstahl,
Die mir _Gott_ gegeben:
Find ich nur im Leben Qual,
Und im Tode Leben.
Möge denn, an meinem Muth',
Euer Holz und Eisen
Seine Kraft und seine Wuth,
Wie an _Ihr_, beweisen!...
_Einen_ Wunsch, auf Erden hier.
Hab' ich noch zu nennen:
Wollet nur ein Grab mit _Ihr_,
Gnädig mir vergönnen!
Wenn das Opfer Euch erlag:
Soll der Vorhang schwinden!
Kommen wird ein _Rächer-Tag_,
Und den Mörder finden.
Oh, die _Ahnung_ sagt mir laut,
_Wer_ die That begangen;
Und, von _Wessen_ Stahl die _Braut_
Solchen Tod empfangen!
Eine _Geisterstimme_ tönt,
Wie aus Gräberhallen:
»_Die_ das Leben dir verschönt,
Ist _für dich_ gefallen!«
_Braut_, wir horchen deinem Ruf'!
_Einig_ sind die _Beiden_!
Wer die Zwei zu _Einem_ schuf,
Wird sie nimmer scheiden. --
Erdenleib, im Erdenrund',
Fröhnt der _Mutter_-Scholle;
Und der _Geist_, im Körper _wund_,
Uebt nur _Sklaven_-Rolle.
_Droben_, in der _Geister_-Bahn,
Herrschen _Geister_-Mächte;
_Sonnen_ sind dir unterthan,
Und Planeten _Knechte_.
_Wie_, und _Erde_ soll den _Geist_
Weg von _Dir_ verbannen? --
_Nein_, mit _Einem_ Tritte weist
Sie der Muth von dannen!
_Bess're_ Welt ist aufgethan
Allem Erdenblicke;
Thaten brechen dir die Bahn,
Leiden sind die Brücke.
Auf nun, _Henker_, sei bereit!
Sieh die Qual mich tragen;
Doch den Sieger auch im Streit
Sein Geschick erschlagen!" --
* * * * *
_Also_ spricht er, und entschwebt.
Laut beweint von Allen:
Wie er frei und schön gelebt,
Frei und gross zu fallen.
* * *
Und die Knechte führen ihn,
Ob er sich bedenke,
Nach den Thurmgewölben hin,
Vor die Marterbänke.
Dort, wo Heide oder Christ
Schrecken fühlt und Grauen:
Soll er jedes Qualgerüst',
Nach der Stufe, schauen.
_Folter_, die auch Felsen bricht,
Oeffnet ihre Schrauben:
Blut und Mark, nur Ehre nicht,
Peinvoll ihm zu rauben.
Und ein Sichel-Mühlwerk steigt,
Knirschend, auf und nieder;
Und die Eisenjungfrau zeigt
Ihre Stachelglieder.
Eine Hölle zieht herbei,
Seinem Muth' entgegen;
Doch -- er lächelt, wie der _Mai_
Unter Blüthenregen.
Himmelfriede, Seelenruh',
Sind ihm treu verbunden;
Und -- sein _Schicksal_ ruft ihm zu:
"Du hast überwunden!"