XI.

Am nächsten Tage.

(Zu Treiden.)

Auf, _Gericht_, bei Morgenroth!

Oeffne deine Schranken!

Und es sei der _Jungfrau Tod_

Seele der Gedanken!

Fern dem Wahne, fern der Scheu,

Wirf den Schein danieder;

Und vernimm, der Wahrheit treu,

Zeugen für und wider!

Dort die Leiche, dort das Beil,

Dort das Blut im Staube!

Hier die _Klage_, hier der _Heil_,

Hier gesunk'ner Glaube! --

* * * * *

Und sofort zu Kampfe zog,

Wider _Heil_, die _Klage_;

Und des Landes _Richter_ wog

Mit der _Themis_ Waage.

_Heil_, der Jüngling, trat hervor,

Todesbleich die Wangen;

Wie der Mond den Schein verlor,

Von Gewölk umfangen.

Tief gesunken und zerstört,

Heldenthum's Ruine;

Schmerz-gebrochen, Gram-verzehrt,

Stand er auf der Bühne.

Und der hohe _Richter_ spricht:

»Lass' dich, _Jüngling_, fragen!

Kennst du _diese Waffe_ nicht,

Und, wer sie getragen?

_Dich_ erkennt an solcher Spur,

Wer sie aufgefunden;

Und mit _solcher_ Waffe nur

Schlägt man _solche_ Wunden. --

War es nicht der Bote dein:

Der, von Dir verblendet,

Deine _Braut_, durch leeren Schein,

In den _Tod_ gesendet?

Gieb das zarte _Kind_ zurück:

Das, durch _dich_ entschwunden;

Dessen Spur auch _Vater_-Blick

Nirgend noch gefunden!« --

* * *

_Heil_, im Auge seine _Braut_,

Die der Mord erschlagen:

Schien mit allem Tod' vertraut,

Nicht mit solchen Klagen.

Nun, bekannt mit seinem Loos,

Rings um sich Verderben,

Sprach der _Jüngling_, ruhig gross,

Wie der Held im Sterben:

»Jenes _Beil_, mein _Kläger_ hier,

Meine Lieblingshabe:

Wie es frommte mir und _Ihr_,

Folg' es mir zu Grabe!

_Solch_ ein Werkzeug nur allein

Sollte mich begleiten:

_Ihr_, im weichen Sandgestein,

Obdach zu bereiten.

Zürne nicht, verklärte _Braut_!

Wenn ich _nicht_ verhehle:

Dass ich nur für _Dich_ gebaut

Jene zweite _Höhle_.

_Was_ dem Blicke dort erstand,

Stufen und Gelände:

Schuf das _Beil_ in meiner Hand;

Schufen diese Hände.

Sank denn _Heil_ so tief herab:

Sich ein Werk voll Grauen, --

Seiner _Braut_ ein frühes Grab --

Schmachvoll zu erbauen? --

Doch, wir stehen vor _Gericht_;

Und die Richter sagen:

Jenes Beil im Blute spricht,

_Er_ hat sie erschlagen!...

Höret nun von mir Bescheid,

Auf die _zweite_ Klage!

Neues Weh' und neues Leid

Weckt die _Boten_-Frage.

Glaubet! meine Seele weiss

Noch von keinem _Boten_:

Der die _Braut_, auf mein Geheiss,

Sandte zu den _Todten_.

Nur bei Tages _Untergeh'n_

War es uns beschieden:

Dort zu feiern Wiederseh'n,

In der Höhle Frieden.

_Also_ war es Fug und Brauch

Für die Zwei geblieben;

_So_ betrat ich, _gestern_ auch.

Meine Bahn zur _Lieben_:

Noch zu enden war ein Theil,

Hoch am Grottenrande;

Und ich zog mein liebes Beil

Aus dem Gürtelbande.

Aber, als ich wohlgemuth

Mein _Asyl_ erreiche:

Weh', da lag, in ihrem Blut',

Meiner Jungfrau _Leiche_!

Da entsank das Beil der Hand;

Kraftlos sank ich nieder;

Und -- am Eis der Todten fand

Mein Gefühl sich wieder!...

Von dem _Kinde_ weiss ich nur

_Dieses_ zu gestehen:

Dass von _Leutha_ keine Spur.

Gestern war zu sehen.« --

* * * * *

So erklang des _Jünglings_ Wort,

Aus der Seele Tiefen!

Wahrheit riss die Menge fort,

Furcht und Wahn entschliefen.

Eine Todten-Pause trug

Tod in _Feindes_-Leben;

Und das Herz der _Freunde_ schlug,

_Wie_ bei Fieber-Beben.

Doch -- der strenge _Richter_ spricht:

»Wahrheit lebt in _Zeugen_!

Wem der _Zeugen_ Mund gebricht,

Muss der _Qual_ sich beugen!

_Zeugen_, oder _Folter_-Qual,

Will der Zeiten Sitte;

Dich befreit, von solcher Wahl,

Thräne nicht, noch Bitte.

Fühllos, wie die Weltenuhr

Schlägt den Takt der Zeiten:

Mag Gesetz dem Rechte nur

Kraft und Sieg bereiten.

Soll _Gesetz_ im Staatenspiel'

Bahn der Wahrheit brechen:

Darf nicht Mitleid und Gefühl

Richter-Wort bestechen.

Darum, _Knechte_, führet ihn,

Ob er sich bedenke,

Nach den Thurm-Gewölben hin,

Vor die Marter-Bänke!

Dort, wo Heide oder Christ,

Schrecken fühlt und Grauen:

Mag' er jedes Qualgerüst',

Nach der Stufe, schauen!

Zeig't ihm jedes Marterholz,

_Wie_ der Grad sich nenne!

Dass vielleicht gebeugter Stolz,

Frei, die Schuld bekenne.« --

* * * * *

_Heil_, ob Gram und Kummerlast

Tief das Herz bewegen,

Warf dem _Richter_, schnell gefasst,

_Dieses Wort_ entgegen:

»_Göttlich_ war das _Urgesetz_

Für der Menschheit Leben;

_Menschlich_ war das _Nachgesetz_,

Das der _Mensch_ gegeben.

Doch -- das Gold von gold'ner Zeit,

Die uns Lieder preisen:

Sank herab, im Völkerstreit';

Wurde Blei und Eisen!

Und der Zeiten Stahl und Blei,

Würgend um die Wette:

Brach des Ringes Gold entzwei

An der Menschen-Kette!

_So_, wie _Brennus_ nach dem Sieg',

Einst am _Römer_-Tage:

Warf ihr Schwert, wenn _Zweifel_ stieg,

_Themis_, in die Waage. --

_Also_ leg't Ihr _Herzen_ ein,

In die _Folter_-Schrauben;

Bis zu _Thaten_ wird der Schein,

Und der Wahn zum _Glauben_. --

Aber, weises _Landgericht_!

_Heil_ und seine Ehre

Fürchten Eure Folter nicht!

Nicht der Qualen Schwere!

Bitt're Qual, die mich bedroht,

Soll mir _süss_ erscheinen!

Denn mich wird ein _Martyr-Tod_

Mit der _Braut_ vereinen.

Da sie fiel, durch Mörderstahl,

Die mir _Gott_ gegeben:

Find ich nur im Leben Qual,

Und im Tode Leben.

Möge denn, an meinem Muth',

Euer Holz und Eisen

Seine Kraft und seine Wuth,

Wie an _Ihr_, beweisen!...

_Einen_ Wunsch, auf Erden hier.

Hab' ich noch zu nennen:

Wollet nur ein Grab mit _Ihr_,

Gnädig mir vergönnen!

Wenn das Opfer Euch erlag:

Soll der Vorhang schwinden!

Kommen wird ein _Rächer-Tag_,

Und den Mörder finden.

Oh, die _Ahnung_ sagt mir laut,

_Wer_ die That begangen;

Und, von _Wessen_ Stahl die _Braut_

Solchen Tod empfangen!

Eine _Geisterstimme_ tönt,

Wie aus Gräberhallen:

»_Die_ das Leben dir verschönt,

Ist _für dich_ gefallen!«

_Braut_, wir horchen deinem Ruf'!

_Einig_ sind die _Beiden_!

Wer die Zwei zu _Einem_ schuf,

Wird sie nimmer scheiden. --

Erdenleib, im Erdenrund',

Fröhnt der _Mutter_-Scholle;

Und der _Geist_, im Körper _wund_,

Uebt nur _Sklaven_-Rolle.

_Droben_, in der _Geister_-Bahn,

Herrschen _Geister_-Mächte;

_Sonnen_ sind dir unterthan,

Und Planeten _Knechte_.

_Wie_, und _Erde_ soll den _Geist_

Weg von _Dir_ verbannen? --

_Nein_, mit _Einem_ Tritte weist

Sie der Muth von dannen!

_Bess're_ Welt ist aufgethan

Allem Erdenblicke;

Thaten brechen dir die Bahn,

Leiden sind die Brücke.

Auf nun, _Henker_, sei bereit!

Sieh die Qual mich tragen;

Doch den Sieger auch im Streit

Sein Geschick erschlagen!" --

* * * * *

_Also_ spricht er, und entschwebt.

Laut beweint von Allen:

Wie er frei und schön gelebt,

Frei und gross zu fallen.

* * *

Und die Knechte führen ihn,

Ob er sich bedenke,

Nach den Thurmgewölben hin,

Vor die Marterbänke.

Dort, wo Heide oder Christ

Schrecken fühlt und Grauen:

Soll er jedes Qualgerüst',

Nach der Stufe, schauen.

_Folter_, die auch Felsen bricht,

Oeffnet ihre Schrauben:

Blut und Mark, nur Ehre nicht,

Peinvoll ihm zu rauben.

Und ein Sichel-Mühlwerk steigt,

Knirschend, auf und nieder;

Und die Eisenjungfrau zeigt

Ihre Stachelglieder.

Eine Hölle zieht herbei,

Seinem Muth' entgegen;

Doch -- er lächelt, wie der _Mai_

Unter Blüthenregen.

Himmelfriede, Seelenruh',

Sind ihm treu verbunden;

Und -- sein _Schicksal_ ruft ihm zu:

"Du hast überwunden!"

Die Jungfrau von Treiden · 第 19 / 27 题