X.

Desselben Tages, noch spät am Abend.

Bericht und Klage, aus der Burg von Treiden: an den Landrichter, zu

Neuhof.

Versammelt war das _Landgericht_,

Zu _Neuenhof_, bei _Treiden_:

Um über Klage von Gewicht

So eben zu entscheiden.

Da kam, entsandt von diesem Schloss,

Wie Sturm, ein Reiter, hoch zu Ross;

Und brachte, spät am Tage,

Noch diese Schauerklage:

»Erschlagen hat, in blinder Wuth,

Ein wildes _Ungeheuer_:

Ein _Mägdlein_, fromm und engelgut,

Uns Allen werth und theuer!

Sie war die _Braut_ vom Gärtner _Heil_;

Im Blute lag das kurze _Beil_,

Das _er_, in diesen Tagen,

Im Gürtel stets getragen.

Ihr Blut bedeckt den Bodenstaub

Der _ihr_ geweihten _Höhle_;

Nicht aber sann auf schnöden Raub

Die freche Mörderseele.

Der Mörder will nicht Räuber sein;

Nicht Perle fehlt, noch Edelstein;

Wir fanden ihr Geschmeide,

Und ihr Gewand von Seide.

Doch zeugen Spuren, am Gewand',

Von Kämpfen um ihr Leben;

Und Beilschlag, von verruchter Hand,

Hat ihr den Tod gegeben.

Ein _Rosatuch_, von Blut befleckt,

Das, faltenreich, den _Hals_ bedeckt:

Kann, von _demselben_ Eisen,

Des Schlages Kraft beweisen.

Will aber diese Waffe zwar

Den jungen _Heil_ verrathen:

So zeugt dagegen, offenbar,

Ein Heer von Edelthaten.

Sein Leben leuchtet makelrein!

Und reiner mag kein Engel sein:

Wie _er_, von uns gepriesen,

In Wort und That bewiesen.

Er übte magische Gewalt,

Und flocht nur _Liebes_bande;

Den _Edlen_ ehrte Jung und Alt,

Und Herr und Knecht im Lande.

Die Töchter blickten, nah' und fern,

Nach ihm, wie nach dem Morgenstern;

Und er gewann Vertrauen,

Bei Männervolk und Frauen.

Er eilte, wie sein _Herz_ gebot:

Dem Armen, wie dem Reichen,

Bei Sturmesnacht, bei Todesnoth,

Die Bruderhand zu reichen.

Er half, mit jedem Tage neu,

Geschäftig, ohne Mühenscheu;

Und ohne _Dankes_-Ehren,

Noch _Lohnes_ zu begehren.

Kein Wunder, wenn die _schönste Maid_,

Für die sein Herz entbrannte,

Ihr liebes Weh' und süsses Leid,

Auch _ihm_, wie _er_, bekannte!

Der blasse _Neid_, bei stillem Groll,

War _selber_ doch des _Lobes_ voll:

Es sei, sich zu verbinden,

Kein schön'res Paar zu finden.

Und Vater _Greif_ und sein _Gemahl_,

Ein Paar, so fromm und bieder:

Sie sahen auf so edle Wahl

Mit Segenblick danieder.

Gegeben war der _Treue_ Ring;

Und bei Trompetenschall beging

Die alte Burg von Treiden --

_Verlobungfest_ der _Beiden_.

* * *

Der Gartenkünste Meister liess,

Bei nimmermüdem Streben,

Für _Segewold_ ein Paradies

Auf Oeden sich erheben.

Und noch ein _neues Werk_ erstand,

Von seiner Kunst und Meisterhand:

Die _Grotte_ sein, auf Höhen,

Soll ferne Zeit noch sehen.

Die _Liven-Grotte_ schuf _Natur_;

Die _seine_, hoch daneben:

Sieht unter sich, in Thalesflur,

Der Landschaft Reiz und Leben.

Da mass die Jungfrau _Segewold_;

Und sah, bestrahlt von Abendgold,

Den Liebling täglich eilen,

Sein Glück mit ihr zu theilen.

Hier mochte sie, auf grüner Bank,

Den Bräutigam erwarten:

Der, wenn sein Tag hinuntersank,

Verliess den Blüthengarten.

Mit _Blumen_ war, von ihm gepflückt,

Die Grotte täglich neu geschmückt;

Bis ihr von Rosenstunden

Die _letzte_ heut' geschwunden!

Denn _heut'_, in früher Morgenstund',

(Was nie bisher geschehen!)

Liess _Heil_ an sie, durch _Boten_-Mund,

Den lauten _Wunsch_ ergehen:

Sie möge nach dem Mittagmahl',

Zum Gange nach dem Höhlenthal',

In Liebe sich bequemen,

Und -- »_Scheidegruss_« vernehmen!

Er habe noch der Arbeit Viel

Am Abend, zu besorgen;

Und -- Fahrt ins Weite sei das Ziel,

Schon für den nächsten Morgen.

Er wolle, wenn sein Glück entweicht,

Die Braut, zum _letzten_ Mal vielleicht,

In seiner Grotte schauen;

Und And'res -- _Gott_ vertrauen.

Die _Eltern_, um ihr Wort befragt,

Den Gang ihr zu gewähren:

Sie mögen, was sie _nie_ versagt,

Auch heute nicht verwehren. --

Ob _Ahnung_, ob es _Laune_ war:

Geschmückt, wie vor dem Traualtar,

Erscheint, im Festgewande,

Die schönste Braut im Lande.

Und sieh, der letzte Gang beginnt!

Er nimmt sie fort von _Treiden_!

Sie aber wandelt still und sinnt,

Und weilet noch im Scheiden! --

Dann, wie der Sonne Majestät

In Wolken freundlich untergeht,

Und stirbt, im Abendrothe:

Geht _Rosa-Mai_ -- zum _Tode_!...

* * *

Die _Freude_ sieht die Stunde nur

Wie _Augenblick_ entschwunden;

Der _Sehnsucht_ -- dehnt die Zeitenuhr

Zu Tagen oft Sekunden!

Vergebens fleht der _Alten_ Blick

Die Tochter ihrem Haus zurück!

_Sie_ wandelt hoch -- und ferne --

Auf unbekanntem Sterne!

Nicht heiter, wie der Bach entweicht,

Nicht, wie die Quelle munter:

Nur trüb', wie Sumpfgewässer, schleicht

Der träge Tag hinunter! --

Der Westen glüht, die Sonne sinkt;

Und Schattenkühl im Thale winkt:

Da schmachtet Herzverlangen,

Die _Töchter_ zu empfangen!

* * *

Nun wird es laut am Eisenthor!

Und sieh, empört, voll Grauen:

Tritt _Heil_ von _Segewold_, hervor,

Gespenstern gleich zu schauen!

Wie Donner, trifft sein Wuthgeschrei:

»Herbei, du _Vater Greif_, herbei!

Im Blute liegt, erschlagen,

Die du zur Welt getragen!« --

* * *

Die _Hölle_ flammt in seinem _Wort_!

Ihr _Hohn_ ertönt im Schalle!

Dann eilig stürmt der _Wilde_ fort;

Und hinter ihm -- wir Alle.

Wir folgen seiner Tritte Spur,

Den Berg hinab, in Thales Flur;

Empor dann, am Gelände,

Zum Werke seiner Hände.

Und _dort_ -- in _seiner_ Grotte lag:

Die weiland Segenreiche!

Die _Jungfrau_, todt durch Mörderschlag,

Nun Marmor-starre Leiche!

Sie lag in Blut, von Blut bedeckt;

Und -- von _demselben_ Blut befleckt

Lag jenes _Beil_ daneben,

Das ihr den Tod gegeben!

Wer solches Beil sein _eigen_ nennt:

Kann _Mehr_ vom Morde sagen;

_Wer_ aber, der den Jüngling kennt,

Darf hier ein _Urtheil_ wagen? --

Es ist, was ihm Verdammniss droht,

Sein _Werkzeug_ hier, von Blute roth:

Wenn volle Thatenreihen

Ihn dort zum _Helden_ weihen. --

Und so verlangt die erste Pflicht:

Uns, _Herr_! an _Euch_ zu wenden;

_Euch_ -- werden seine _Thaten_ nicht,

Noch hier sein _Eisen_, blenden.

Wir leben sorgvoll, ohne Ruh'!

Und senden Euch den _Wagen_ zu;

Bei _Bitte_, nicht zu weilen,

Nach _Treidens_ Burg zu eilen!«

Die Jungfrau von Treiden · 第 18 / 27 题