Die Entscheidung.
Während, in der Henker Mitte,
_Heil_ durch alle Schrecken zieht;
Und, mit jedem neuen Schritte,
Neuer Qual entgegensieht:
Schwanket noch die Richterwaage;
Zweifel wandelt rings im Kreis:
_Ob_ auch hier die _Marter_-Frage
Mag erpressen Schuldbeweis.
* * *
Aber, eh' sie noch entscheiden,
Mahnend sich an ihre Pflicht:
Tritt der _Castellan_ zu Treiden,
_Also_ sprechend, vor Gericht.
»Weise Richter dieser Lande!
Säumet mit dem Folterspruch!
Denn, statt Ehren, zeugt er Schande,
Und noch später Zeiten Fluch.
Was vor Unbill uns bewahren,
Und den Jüngling retten soll:
Mag dem Richter offenbaren
Ein Bekenntniss, grauenvoll!
Elf der Monde, trüb und heiter,
Sanken in der Zeiten Meer:
Seit ich _zwei_ der _Lanzenreiter_
Aufnahm, aus dem _Polen_-Heer.
_Adam Jakubowski_ nannte
Sich der Eine, Frag'-gerecht;
_Peter Skudritz_, so bekannte
Seine Schrift den zweiten Knecht.
Beide waren, jung von Jahren,
Flüchtig aus dem Polenstreit',
Kriegeskundig, diensterfahren,
Mir zu dienen, schnell bereit.
Manchem Raubthier, unverdrossen,
Folgten sie, bei Nacht und Tag';
Doch -- das _Herz_ der Jagdgenossen
Bald dem _bösen Feind'_ erlag!
Nur dem Zank' und Trunk' ergeben,
Höhnend Strafen und Gericht;
Schonten sie der Hütte Leben,
Wie das Burggesinde nicht.
_So_, nach vielen Schuldbeweisen,
Sann ich endlich nur darauf:
Sie aus meinem Dienst' zu weisen,
Nach vollbrachtem Jahreslauf'.
Doch -- wie Espenzweige beben,
Buhlt ein West im Blätterdach:
_So_, mit Zittern, trat so eben
_Skudritz_ ein, in mein Gemach.
Höllenqual im Schuldgewissen,
Wie sie nur ein _Gott_ erweckt:
Haben ihm das _Wort_ entrissen,
Das den _Mörder_ aufgedeckt.
Draussen weilt er, rufgewärtig,
Sein Verbrechen zu gesteh'n;
Und, zu seinem Ende fertig,
Nur um schnellen _Tod_ zu fleh'n.«
* * * * *
Und der _Richter_, ohne Säumen,
Sendet nun den _Frohn_ sogleich:
Nach des Thurmgewölbes Räumen,
In der Folter Qualenreich.
»Lass den Jüngling eilig führen,
Nach dem Kerker, unversehrt!
Bis er frei wird, nach Gebühren,
Wenn der Tag ihn frei erklärt.«
Spricht es; und der Pfortenschwelle
Sind die Blicke zugeneigt:
Wo der grause _Mordgeselle_
Ein Gespenst der Gräber zeigt.
Beben zuckt durch alle Glieder;
Tod im Blicke, schreckenbleich:
Sinkt er vor den Schranken nieder,
Seiner Wildes-Beute gleich!