Die Felsengrotte des Victor Heil.
_Dort_, im Schattenkühl der _Guttmann'shöhle_,
Deren Felsendach die Eiche _ziert_;
_Wo_, seit _Rosen's_ Heimgang, _Philomele_
Tief, wie Schwermuth, Dir die Seele rührt;
_Wo_ der _Live_ seinem _Freudengotte_,
Gern und einsam in der Sommernacht,
Gaben senkend in den Quell der Grotte,
Seine Dankesopfer dargebracht:
_Dort_ auch fanden, nach der Tage Sorgen,
Unter Blüthenduft im Abendschein,
_Sich_ vertrauend und der Welt verborgen,
_Victor Heil_ und _Rosa Mai_ sich ein.
* * *
_Amor_ lieh sein Flügelpaar den _Beiden_,
Wann der Sonnengott zu Bette ging;
_Ihm_ von Segewold und _Ihr_ von Treiden,
Bis die Grotte dann ihr Glück umfing.
_Greifen's Tochter_ war der Braut Geleite;
Kind, das kaum den neunten Frühling sah:
Blieb sie gern den _Lieben_ an der Seite;
Winkes harrend, ihrem Wunsche nah',
* * *
Aus der _Ferne_ schon die _Maid_ zu schauen,
War der _Jüngling_ bald bei Nacht bemüht:
Noch ein _zweites_ Höhlenwerk zu bauen,
Das der Fremdling noch zur Stunde sieht.
_Droben_, dem _Naturgebäu_ zur Linken,
Das sich _unten_ wölbt, in Thalesgrund:
Seh'n wir heute _Victors Höhle_ winken,
Denn _sein Name_ schmückt ihr Felsenrund.
* * *
Fleiss der Liebe, Fleiss der Hände schufen:
Was gen _Segewold_ den Blick gewährt;
Doch so manche, sonst bequeme Stufen
Haben Zeiten und ihr Sohn zerstört!
* * *
Welche Freude kam auf ihre Seele:
Da die _Holde_ nun dem Ziele nah',
Droben aus dem Bauwerk seiner Höhle,
Den _Geliebten_ in der Ferne sah!
Und so weilte sie, bei Tagesneige,
Mit der _Schwester_, an der _Grotte_ Rand':
Bis sie, schauend durch das Grün der Zweige,
Ihren _Freund_ auf seinem Wege fand.
Wie das ew'ge Licht der Kathedrale,
Hing der Abendstern am Himmelsdom;
Widerstrahlend, längs dem Zauberthale,
Sah der Vollmond aus dem Silberstrom.
Unten sang ihr Lied die Grottenquelle;
Ferne sprach der Mühle Wasserfall;
Und im Laubdach auf der Felsenzelle
Schlug die Flötenuhr der Nachtigall.
Und die _Lieben_ sassen, wonnetrunken,
Hand in Hand, auf moosig weichem Pfühl,
In der _Liebe_ Seligkeit versunken,
Voll der Andacht, voll von Dankgefühl!
* * *
Gleich dem Blüthenthal vor ihrem Blicke,
Gleich des Stromes ungetrübtem Lauf':
Fern dem Unheil, fern dem Missgeschicke,
Ging die Zukunft ihren Träumen auf.
Keine Ahnung jener Schicksalmächte,
Die dem Glücke liefern blut'ge Schlacht:
Weckte noch den süssen Schlaf der Nächte;
Trübte noch der Tage Rosenpracht!
_Ach_, -- und _morgen_, eh' dem Sonnenwagen
Folgt der Abendröthe letzte Gluht:
Hat Dich, _Rosa_, schon der _Mord_ erschlagen!
Trank die Erde schon Dein Heldenblut!