VIII.

Die Felsengrotte des Victor Heil.

_Dort_, im Schattenkühl der _Guttmann'shöhle_,

Deren Felsendach die Eiche _ziert_;

_Wo_, seit _Rosen's_ Heimgang, _Philomele_

Tief, wie Schwermuth, Dir die Seele rührt;

_Wo_ der _Live_ seinem _Freudengotte_,

Gern und einsam in der Sommernacht,

Gaben senkend in den Quell der Grotte,

Seine Dankesopfer dargebracht:

_Dort_ auch fanden, nach der Tage Sorgen,

Unter Blüthenduft im Abendschein,

_Sich_ vertrauend und der Welt verborgen,

_Victor Heil_ und _Rosa Mai_ sich ein.

* * *

_Amor_ lieh sein Flügelpaar den _Beiden_,

Wann der Sonnengott zu Bette ging;

_Ihm_ von Segewold und _Ihr_ von Treiden,

Bis die Grotte dann ihr Glück umfing.

_Greifen's Tochter_ war der Braut Geleite;

Kind, das kaum den neunten Frühling sah:

Blieb sie gern den _Lieben_ an der Seite;

Winkes harrend, ihrem Wunsche nah',

* * *

Aus der _Ferne_ schon die _Maid_ zu schauen,

War der _Jüngling_ bald bei Nacht bemüht:

Noch ein _zweites_ Höhlenwerk zu bauen,

Das der Fremdling noch zur Stunde sieht.

_Droben_, dem _Naturgebäu_ zur Linken,

Das sich _unten_ wölbt, in Thalesgrund:

Seh'n wir heute _Victors Höhle_ winken,

Denn _sein Name_ schmückt ihr Felsenrund.

* * *

Fleiss der Liebe, Fleiss der Hände schufen:

Was gen _Segewold_ den Blick gewährt;

Doch so manche, sonst bequeme Stufen

Haben Zeiten und ihr Sohn zerstört!

* * *

Welche Freude kam auf ihre Seele:

Da die _Holde_ nun dem Ziele nah',

Droben aus dem Bauwerk seiner Höhle,

Den _Geliebten_ in der Ferne sah!

Und so weilte sie, bei Tagesneige,

Mit der _Schwester_, an der _Grotte_ Rand':

Bis sie, schauend durch das Grün der Zweige,

Ihren _Freund_ auf seinem Wege fand.

Wie das ew'ge Licht der Kathedrale,

Hing der Abendstern am Himmelsdom;

Widerstrahlend, längs dem Zauberthale,

Sah der Vollmond aus dem Silberstrom.

Unten sang ihr Lied die Grottenquelle;

Ferne sprach der Mühle Wasserfall;

Und im Laubdach auf der Felsenzelle

Schlug die Flötenuhr der Nachtigall.

Und die _Lieben_ sassen, wonnetrunken,

Hand in Hand, auf moosig weichem Pfühl,

In der _Liebe_ Seligkeit versunken,

Voll der Andacht, voll von Dankgefühl!

* * *

Gleich dem Blüthenthal vor ihrem Blicke,

Gleich des Stromes ungetrübtem Lauf':

Fern dem Unheil, fern dem Missgeschicke,

Ging die Zukunft ihren Träumen auf.

Keine Ahnung jener Schicksalmächte,

Die dem Glücke liefern blut'ge Schlacht:

Weckte noch den süssen Schlaf der Nächte;

Trübte noch der Tage Rosenpracht!

_Ach_, -- und _morgen_, eh' dem Sonnenwagen

Folgt der Abendröthe letzte Gluht:

Hat Dich, _Rosa_, schon der _Mord_ erschlagen!

Trank die Erde schon Dein Heldenblut!

Die Jungfrau von Treiden · 第 16 / 27 题