Victor's kurze Nacht in Treiden.
Die Schlossuhr kündet Mitternacht,
Und Schlaf regiert im Hause;
Nur _Heil_ und seine _Liebe_ wacht
Noch einsam in der Klause.
Die Geisterstunde ging und schwand,
Wie Augenblicke schwinden;
Doch -- was die volle Brust empfand,
Liess keine Ruhe finden!
Die Schatten der Vergangenheit,
Bald heller und bald trüber:
Sie zogen aus dem Grab' der Zeit,
An seinem Blick vorüber.
Dann voll der _Zukunft_-Sorge, schlug
Der Geist an ihre Pforte;
Und sandte dem Gedankenflug',
Geflügelt nach, die _Worte_:
»Hinweg denn mit dem Wanderstab!
Mein Schicksal ist entschieden!
Du Wiegenland und Vätergrab',
O, grünet fort, im Frieden!
Du Paradies der Heimathflur!
Des Neckar-Landes Auen!
Der Jüngling wird im _Traume_ nur
Hinfort euch wieder schauen.
Der _Gärtner_ zog durch Länder hin,
Um fern, im Rosengarten,
Der zarten Blumenkönigin
Zu pflegen und zu warten.
Und leb' ich nur vereint mit _Ihr_,
Der _Einzigen_ auf Erden:
Soll auch die starre _Wüste_ mir
Ein Garten _Gottes_ werden!« --
* * *
Mit _solcher Tröstung_ schien dem Gast'
Der Wünsche Ziel gefunden;
Und einer Zukunft Weltenlast
War seinem Traum geschwunden.
Doch _draussen_ ging sein _Wunderstern_,
Von Trauerflor umhangen!
Und dräuend war, im Osten fern,
Sein _Schicksal_ aufgegangen.