VII.

Victor's kurze Nacht in Treiden.

Die Schlossuhr kündet Mitternacht,

Und Schlaf regiert im Hause;

Nur _Heil_ und seine _Liebe_ wacht

Noch einsam in der Klause.

Die Geisterstunde ging und schwand,

Wie Augenblicke schwinden;

Doch -- was die volle Brust empfand,

Liess keine Ruhe finden!

Die Schatten der Vergangenheit,

Bald heller und bald trüber:

Sie zogen aus dem Grab' der Zeit,

An seinem Blick vorüber.

Dann voll der _Zukunft_-Sorge, schlug

Der Geist an ihre Pforte;

Und sandte dem Gedankenflug',

Geflügelt nach, die _Worte_:

»Hinweg denn mit dem Wanderstab!

Mein Schicksal ist entschieden!

Du Wiegenland und Vätergrab',

O, grünet fort, im Frieden!

Du Paradies der Heimathflur!

Des Neckar-Landes Auen!

Der Jüngling wird im _Traume_ nur

Hinfort euch wieder schauen.

Der _Gärtner_ zog durch Länder hin,

Um fern, im Rosengarten,

Der zarten Blumenkönigin

Zu pflegen und zu warten.

Und leb' ich nur vereint mit _Ihr_,

Der _Einzigen_ auf Erden:

Soll auch die starre _Wüste_ mir

Ein Garten _Gottes_ werden!« --

* * *

Mit _solcher Tröstung_ schien dem Gast'

Der Wünsche Ziel gefunden;

Und einer Zukunft Weltenlast

War seinem Traum geschwunden.

Doch _draussen_ ging sein _Wunderstern_,

Von Trauerflor umhangen!

Und dräuend war, im Osten fern,

Sein _Schicksal_ aufgegangen.

Die Jungfrau von Treiden · 第 15 / 27 题