VI.

Victor Heil, der Fremdling.

(Vom Lande Würtemberg.)

Ein _Jüngling_, wie ein Göttersohn

Aus weiland gold'nen Tagen,

In dessen Auge seinen Thron

Gott _Amor_ aufgeschlagen;

Der Kraft und Schönheit Conterfei,

Geschaffen, um zu siegen;

Wie Tanne schlank, wie Ceder frei,

Im Sturme sich zu wiegen:

Ein _solcher Jüngling_, hehr und mild,

Und frei von allem Fehle:

War _Victor Heil_, das _Musterbild_,

Von dem ich nun erzähle.

* * *

In _Würtemberg_, dem _Schlosse_ nah',

Von dessen Blumenhügel

Der _Ruhm_ von _Stauffen_ niedersah,

Und schwang die Weltenflügel:

_Da_ war dem jungen Heil die Zeit

Der _Kindheit_ hingeschwunden;

_Da_ grub in seine Seligkeit

Sein _Loos_ -- auch _Todes_-Wunden!

Im _Vaterhause_ früh gewöhnt

Zu Regelmaas und Fleisse;

Der Schule Vorbild, und gekrönt

Mit manchem Ehrenpreise:

Beschloss er, wach für jeden Keim,

Der Kenntniss zum Gedeihen,

Die volle Kraft dem _Musenheim_

Von _Tübingen_ zu weihen.

* * *

Da -- zehrte _Brand_ am _Vaterhaus_!

Und -- _Staub_ war seine Habe! --

Dann starben ihm die Freuden aus,

An seiner _Eltern Grabe_!

* * *

Ein _Oheim_, der die _Gartenkunst_

In Meisterschaft betrieben:

War noch, in langbewährter Gunst,

Dem Jüngling _hold_ geblieben.

Sein liebes Thal-_Asyl_ umwand

Ein _Garten_, sonder Gleichen;

Denn alle Gärten, weit im Land',

Sie mussten diesem weichen.

Und _hier_, in ländlicher Natur,

Gewiegt auf ihrem Throne;

Vertraut mit Blumen jeder Flur,

Mit Blüthen jeder Zone!

_Hier_, in der besten Schule war

Die _Probe_ bald gelungen;

Der _Jüngling_ sah, nach Einem Jahr,

Den Meistergrad errungen!

* * *

Dann rief es ihn zu Wanderlauf,

Nach aller Deutschen Weise,

Gen _Westen_ wie gen _Süden_ auf,

Zur langersehnten Reise.

Gewandert viel, mit Forscherblick,

Beschloss er, Mehr zu wagen;

Bis Glückesruf und Missgeschick

Nach _Norden_ ihn getragen.

* * *

Da hielt _Livona's_ Blumenkranz

Den _Jüngling_ bald gefangen;

Es war ein _Stern_ von Wunderglanz

Am Himmel aufgegangen!

Der holde _Stern_ gefiel sich dort,

Und wollte nimmer scheiden;

Und Zauber trug den Jüngling fort,

Es war -- der _Stern_ von _Treiden_!

Wie Pilger nach dem _Gnadenbild'_,

Zu flehen dort um Segen:

So pilgert _Heil_, im Thalgefild',

Dem nahen Schloss entgegen.

Der _Stern_, im _Rosa_-Farbenspiel,

War sein Geleit' geblieben;

Die _Burg_ umfing sein _Wonneziel_!

Er kam -- und sah -- zu lieben!

* * *

Das Götterbild der Phantasei,

Es prangt in vollem Leben!

Der _Schatten_ soll, in _Rosa Mai_,

Zu _Wahrheit_ sich erheben.

Er schien mit ihrem Blick vertraut,

Mit jedem Zug der Mienen;

Es war ihm ja die Todesbraut

In Träumen oft erschienen.

Der _Holden_ klang sein Abendgruss,

Wie Lied von gold'nen Zeiten;

Und _Beiden_ kam ihr _Genius_,

Mit allen Seligkeiten.

* * *

Dem _Alten_ war, gesehen kaum,

Der Jüngling _werth_ erfunden;

Und _diesem_ schwand, wie Engeltraum,

Die seligste der Stunden.

Der _Mutter_ kam ihr _Sohn_ zurück;

Und lautlos horchten Alle:

Da _Victor_ sprach von Jugendglück',

Und von des Glückes Falle.

* * *

Darauf im Dichterfluge mass

Der Jüngling noch die _Reise_;

Und bei dem Abendbrot' vergass

Der Frohe Trank und Speise.

Denn ihm zur Seite strahlte _Sie_,

Gleich einem Prachtjuwele:

Das Kleinod seiner Phantasie!

Das Leben seiner Seele!

* * * * *

Und zögernd schloss der _Sehnsucht Wort_

Den Sabbath stiller Pause:

»Mir ist so wöhlig hier am Ort',

Wie fern im Vaterhause!

O, lasset mich ein ödes Land

Auf Eurem Grunde finden!

Dann soll Euch meine _Gärtnerhand_

Ein _Paradies_ begründen.«

* * * * *

Und _Greif_, dem jungen Eifer hold,

Entgegnet, ohne Säumen:

»Es fehlt, im nahen _Segewold_,

Dir nicht an öden Räumen.

Da führen an das off'ne Thor

Noch Reste von Alleen;

Auch war ein reicher Blumenflor,

Dem Schlosse nah', zu sehen.

Doch seit ihr _Pfleger_ sank dahin,

Zu frühen Grabes Frieden:

War auch die Blumenkönigin

Von Segewold geschieden.

Der _Schlossherr_, dessen hoher Gunst

Die Meinen sich erfreuen:

Will durch Genossen Deiner Kunst

Die alte Pracht erneuen.

Er hält den Mann aus _Deinem_ Land',

Vor Allen, hoch in Ehren;

Und wer die Probe treu bestand,

Kann reichen Lohn begehren.

So pflege denn für diese Nacht

Der Ruhe noch in Treiden!

Der nächste Tag, der uns erwacht,

Soll über Dich entscheiden.«

Die Jungfrau von Treiden · 第 14 / 27 题