der Diakonus N. den Trepak trat,
Dieser aber nicht geklagt,
Während dies der Inspektor tat!
Die Kerasivna starb, nachdem sie allgemeine Buße getan und der
versammelten Gemeinde alles das erzählte, was sie dem Vikarius
mitgeteilt.
Die Kasakendeputation machte sich auf den Weg in die Stadt zum Bischof,
nachdem vorher in allgemeiner Versammlung nochmals beraten und
beschlossen worden ist, was zu geschehen habe, wenn der Bischof ihrem
Wunsche nicht entsprechen und ihnen den Sava nicht zurückgeben sollte.
Es wurde einstimmig beschlossen, daß sie, wenn sie dann nach Hause
gekommen, allen Branntwein, welcher noch in den Schenken gefunden wird,
austrinken werden, damit Niemand nach ihnen denselben trinken könne,
dann werden sie Türken und jeder nimmt sich drei, die reicheren vier
Weiber — denn so lange unser guter lieber Sava lebt, wollen wir keinen
anderen Popen.
Es ist gar nicht denkbar, daß er ungetauft wäre, nachdem er so viele
Leute getauft, getraut, begraben hat und so viele zu ihm zur Beichte
gingen.
Wäre es denn möglich, daß alle diese Leute Ungläubige, Heiden wären?
Die Kasaken sind darin einig geworden, daß, wenn Sava wirklich nicht
getauft sei, ihn der Bischof in der Stille taufen solle, damit er
schließlich doch Pope bleiben könne … denn sonst werden sie alle …
Türken.
Zweiundzwanzigstes Kapitel.
Und wieder war es Winter, wieder gegen Abend, wieder um den Nikolai- und
Sava-Tag, etwa zu jener Zeit als fünf und dreißig Jahre zurück die
Kerasivna aus Paripsami nach Peregudi fuhr, um des alten Dukač
einzigen Sohn taufen zu lassen.
Von Peripsami nach der Gouvernementsstadt, dem Sitze des Bischofs, war
es beiläufig vierzig Werst.
Die zum Bischof behufs Befreiung ihres Sava abgesandte Kasakendeputation
berechnete, daß sie fünfzehn Werst, bis zur Schenke des Jossel, gehen,
dort sich stärken, wärmen, ausruhen werde, um so anderen Tages zeitlich
früh beim Bischof vorsprechen zu können.
Die Sache aber nahm einen anderen Verlauf.
Für die Kasakendeputation gestaltete sich das Wetter ebenso
unfreundlich, wie es gewesen war vor fünf und dreißig Jahren, als die
Kerasivna mit Agap zur Taufe mit dem Kinde fuhren; es entwickelte sich
ein heftiges Schneetreiben, so daß die Kasaken sich in der Steppe zu
verirren begannen; sie verloren alle ihnen sonst wohl bekannten
Merkzeichen, gerieten auf einen Abweg und wußten schließlich nicht, wo
sie sich befinden, bis auf einmal, es konnte wohl eine Stunde vor
Sonnenaufgang sein, sie von jemandem, nicht auf der Straße, sondern auf
dem Eise, angeredet wurden:
»Nu, Jungens, wohin so zeitlich? wo?«
Die Kasaken grüßten.
»Was führt euch bei einem solchen Hundewetter her; seht, es hätte nicht
viel gefehlt und ihr wäret ins Wasser gefallen.«
»So!« gaben sie zur Antwort. »Wir befinden uns in schlimmer Lage, und
gehen zum Bischof; wir möchten dort gerne eher vorsprechen, als unsere
Feinde und ihn fußfällig bitten zu unseren Gunsten zu entscheiden.«
»Und was soll er für euch tun?«
»Uns unseren ungetauften Popen lassen, denn, wenn dies nicht geschieht,
so werden wir aus lauter Gram und Schmerz Türken.«
»Warum wollt ihr gerade Türken werden? Die dürfen doch keinen Schnaps
trinken.«
»Den trinken wir früher allen aus.«
»Ach! ihr Teufelskerle!«
»Ja, was bleibt uns denn anderes übrig zu tun, wenn sie uns so schwer
kränken, daß sie uns unseren Popen nehmen.«
Der Unbekannte meinte:
»Erzählt mir doch die Geschichte von dem ungetauften Popen im
Zusammenhange.«
Und die Kasaken erzählten.
Und so, an der Wuhne stehend, haben sie alles der Ordnung nach recht
ausführlich dem Fremden mitgeteilt und immer und immer dabei
hervorgehoben, daß, wenn der Bischof ihrem Wunsche nicht entspricht und
ihnen den Sava nicht wieder zum Popen gibt, sie Türken werden.
Da meinte der Fremde:
»Seid ruhig, Jungens, seid ruhig und fürchtet nichts, ich glaube, der
Bischof wird schon das richtige treffen.«
»Ja, wir glauben es selbst,« sagten sie, »denn wer eine solche hohe
Würde bekleidet, sollte stets ein rechtes und gerechtes Urteil fällen,
aber wer kennt den Bischof, Gott allein!«
»Seid sicher, daß der Bischof das rechte Urteil geben wird, ich selbst
werde schon dazu beitragen, was möglich ist.«
»Du? … wer bist Du denn eigentlich? … Sag 'mal, wie heißest Du?«
»Ich? … ich heiße Sava.«
Und dieser Sava sagte ihnen weiters, sie wären gerade zur rechten Zeit
gekommen und gerade an die rechte Stelle, wohin sie gehörten und auf den
Berg zeigend, sagte er weiter: Seht, dort ist das Kloster, wo der
Bischof wohnt.
Sie schauten auf und bemerkten auf der anderen Seite, gerade vor sich,
das Kloster.
Die Kasaken waren darüber erstaunt, daß sie bei einem solchen
fürchterlichen Schneetreiben und so heftigem Sturm ohne jede Störung und
ohne jeden Aufenthalt vierzig Werst gegangen wären.
Nachdem sie den Berg erstiegen, setzten sie sich auf die Bank vor dem
Kloster, öffneten ihre Rucksäcke und zogen alles Eßbare heraus, was sich
darin befand und warteten, essend, bis die Glocken zum Frühgottesdienste
anschlagen und das Klostertor sich öffnen würde.
Sie gingen in die Kirche, hörten den Gottesdienst stehend an, worauf sie
zum Hause des Bischofs gingen, um Audienz zu erbitten.
Man kann nicht gerade behaupten, daß unsere hohen geistlichen
Würdenträger große Neigung zum niederen Volke hätten, denn es ist
außerordentlich schwierig vorgelassen zu werden, wenn man dem
sogenannten Volke angehört; diesesmal war das gerade Gegenteil der Fall:
unseren Kasaken wurden keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt, ja es
hatte sogar den Anschein, als wenn sie erwartet worden wären, denn man
führte sie, sowie sie ankamen, sofort in den Wartesaal, wo sie zwar sehr
lange stehen mußten, und wohin sich der Vikarius, der Peregudiner Pope
und Sava, sowie noch viele andere Personen einfanden.
Der Bischof trat später aus seinen Zimmern in den Wartesaal, sprach mit
den Anwesenden, schien jedoch den Vikarius und die Kasaken nicht zu
bemerken, erst nachdem alle anderen sich entfernt hatten, trat er an die
Kasaken heran und meinte:
»Na, Jungens, gekränkt hat man euch und beunruhigt? … den ungetauften
Popen wollt ihr haben?«
Und die Kasaken baten:
»Ja … Euer Gnaden … seien Sie so gut … so gütig … Hochwürdigster
Herr … wie sollen wir nicht gekränkt sein … einen solchen Popen, wie
unseren Popen, gibt es in der ganzen Welt nicht …«
Der Bischof lächelte:
»Recht habt' ihr … einen solchen zweiten gibt es nicht …« und sich
zu dem Vikarius wendend, meinte er:
»Geh' mal in die Sakristei; dort hat Sava ein Buch vorbereitet und
bringe es herein, dann lese uns vor, was auf der aufgeschlagenen Seite
steht.«
Der Bischof setzte sich.
Der Vikarius brachte das Buch und fing an zu lesen:
»Ich will Euch, Brüder, nicht sehen, wie unsere Väter, die immer unter
der Wolke stehend, durch das Meer gegangen und in Moses getauft worden
sind, in der Wolke und dem Meere. Alle haben dieselbe geistige Nahrung
genossen und dasselbe geistige Wasser getrunken aus einer Quelle, und
diese Quelle war Christus.«
An dieser Stelle unterbrach der Bischof den Lesenden:
»Hast Du verstanden, was Du gelesen?«
»Verstanden.«
»Und erst jetzt begriffen?«
Der Vikarius wurde verlegen und wußte nicht, was er zur Antwort geben
solle, deshalb sprach er so oben hin:
»Diese Stelle habe ich auch früher schon gelesen.«
»Wenn dieses der Fall gewesen, wie konntest Du es zulassen, daß diese
Leute in große Aufregung gebracht wurden? warum wurden diese guten
einfachen Leute beunruhigt, denen er ein guter und lieber und genehmer
Seelenhirt gewesen?«
Der Vikarius antwortete:
»Nach den Regeln der heiligen Väter …«
»Halt,« unterbrach ihn der Bischof, »halt! geh' nochmals zum Sava und
lasse Dir ein zweites Buch geben.«
Der Vikarius ging und kam mit einem neuen Buche in der Hand zurück.
»Lese!« befahl der Bischof.
»Wir lesen,« fing der Vikarius an, »beim heiligen Grigorij dem
Gottesgelehrten über den heiligen Vasilij, daß er für die Christen
solange ein Heide gewesen, bis er zum Seelenhirten geweiht wurde.«
»Bis was er wurde?« unterbrach ihn der Bischof.
Der Vikarius entgegnete:
»Ich tat dies alles aus Amtseifer, als es sich gezeigt hat, daß dieser
in einem solchen Amte ungetauft sei.«
Nun aber stieß der Bischof ungeduldig mit dem Fuße auf:
»Du wiederholst immer eines und dasselbe! Es scheint, daß Deiner Ansicht
nach man zum Moses durch die Wolke gelangen kann, um getauft zu werden,
nicht aber zum Christus? — Es ist schon gesagt worden, daß diese, die
Taufe suchten, durch die feuchte Wolke unter Todesfurcht drangen, daß
sie mit dem vom Himmel auf die Stirne des Kindes gefallenem und
aufgetautem Wasser dasselbe mit dem Zeichen des Kreuzes im Namen der
heiligen Dreieinigkeit in den Schoß der Kirche brachten. — Was willst
Du noch mehr? — Du bist ein streitsüchtiger, unduldsamer, zänkischer
Mann und taugst nicht für die Arbeit in Christo: an Deine Stelle setze
ich den Popen Sava; und ihr, Jungens, gehet ruhig nach Hause und
fürchtet euch nicht, der Pope Sava, der euch gut ist, ist auch mir gut
und Gott genehm. Geht mit Gott nach Hause.«
Die Kasaken fielen dem Bischof zu Füßen und dankten für seine Güte.
»Nun, seid ihr zufrieden?«
»Sehr, sehr zufrieden,« gaben sie einstimmig zur Antwort.
»Und werdet ihr auch jetzt noch Türken?«
»Tfu! werden nicht, Väterchen, werden nicht!«
»Und den Schnaps werdet ihr auch nicht allen auf einmal austrinken?«
»Nein, nein, nicht auf einmal, nach und nach; der Teufel soll ihn …«
»Nun, so geht mit Gott und lebt nach christlicher Art und Weise weiter.«
Und als sie schon im Begriffe waren den Wartesaal zu verlassen, da
winkte der eine von ihnen dem Bischof mit dem Finger, um ihn auf sich
aufmerksam zu machen und sagte ihm halblaut:
»Wären Euere Gnaden so gütig mit mir in ein Eckchen zu gehen?«
Der Bischof lächelte und sagte:
»Gut, gehen wir in ein Eckchen.«
Dort fängt nun der Kasake an:
»Erlaubt, Euer Gnaden, Euch zu fragen, wer erzählte Euch das alles, ehe
wir es Euch mitteilen konnten?«
»Geht es Dich 'was an?« meinte der Bischof.
»Gewiß, geht es uns an; vielleicht hat es Euch der Sava erzählt?«
Dem Bischof, welchem tatsächlich der ihm nahe stehende Sava alles dieses
erzählte, sah den Chochol an und entgegnete:
»Ja, Du hast es erraten — mir hat es der Sava mitgeteilt.«
Damit ging er aus dem Saale.
Jetzt begriffen die Kasaken alles.
Und seit dieser Zeit geht unter ihnen die Überlieferung, daß der
schwache Sava still und ruhig, dafür aber warm für sie eintrat und den
Moskauer Nikolaus, trotz seiner Macht, so hinterging, daß letzterer das
Spiel verlor.
»Was ist doch unser Sava für ein listiger Heiliger,« sagten sie, »was er
nicht alles ausdachte und alles bei Seite schieben mußte, um über den
Stärkeren und Mächtigeren zu siegen: selbst in die heiligen Bücher weiß
er Sachen zu bringen, die Niemand begreifen kann. — Gott allein weiß
es, ob er unseren Popen unter dem Pelze der Kerasivna taufte, oder ob er
alles dieses nur so knotete, damit es selbst der Bischof nicht auflösen
kann? — Daß aber diese Angelegenheit zu unseren Gunsten ausfiel, dafür
sei er bedankt.«
* * * * *
Vater Sava, sagt man, soll noch heute leben; um sein Dorf herum ist
alles zum Stundismus übergetreten; seine Kirche ist jedoch stets
übervoll von andächtigen Menschen …
Man weiß zwar nicht, ob der heilige Sava in Paripsami noch tätig
mithilft, soviel ist aber sicher, daß es in unseres Sava Bezirke keine
nackten Michalki und Potapki gibt.