Das zweite nicht minder Merkwürdige war aber, daß am nächsten kleinen
Trinktische, ohne die Ankommenden irgend zu bemerken oder zu grüßen, der
elegante Herr Erich Tänzer saß, ein intimes Mitglied der Brüderschaft des
Cénacle und Karl Hamelts besonderer Herzensfreund. Er hatte einen Becher
helles Bier halb ausgetrunken vor sich stehen und in das Bierglas eine
gelbe Rose gestellt; dazu rollte er langsam seine großen, ein wenig
hervorstehenden Augen und sah zum ersten Mal in seinem Leben albern aus.
Zuweilen bog er seine stattliche Nase gegen die Rose hin und roch an ihr,
wobei er einen nahezu unmöglichen Schielblick nach dem fremden Mädchenkopf
hinüberlenkte, ohne daß hierdurch der Ausdruck seines Gesichtes wesentlich
gewonnen hätte.
Und als dritte Absonderlichkeit saß neben Erich mit großer Ruhe der alte
Drehdichum, hatte einen Pfiff Kulmbacher vor sich stehen und eine von des
Kronenwirts Kubazigarren im Munde.
»Zum Teufel, Herr Drehdichum,« rief aufspringend Hermann Lauscher, »wie
kommen Sie hieher? Sah ich Sie doch soeben um den obern Wall davonlaufen
. . .«
»Und haben Sie mir doch eben noch in der größten zitternden Wut Ihre Faust
in den Magen gebohrt!« rief Ludwig Ugel.
»Nichts für ungut,« rief der Philosoph mit dem gewinnendsten Lächeln
zurück, »nichts für ungut, lieber Herr Ugel! Ich empfehle Ihnen das
Kulmbacher, meine Herren!« Damit leerte er ruhig sein Glas.
Indessen rief Karl Hamelt seinen Freund Erich an, der gegenüber noch immer
entrückt und schlaff vor seiner ins Bierglas gesteckten gelben Rose saß.
»Erich, schläfst du?«