Mit höchster Fahrt fuhren wir in die allernächste Nähe des Segelbootes,

um alles weitere mündlich durch Zuruf abzumachen. Soviel war uns

selbstverständlich gleich klar, daß wir unseren Kameraden einen kleinen

Liebesdienst erweisen konnten.

Schon konnten wir die Gesichter des uns wohlbekannten Kommandanten und

der übrigen Offiziere erkennen und winkten uns freudig zu. Nunmehr

schwand auch unser allerletzter Argwohn zu unserer Freude. Nur unsere

Geschützführer waren traurig, sie hätten gar zu gerne noch die letzten

drei Granaten auf einen Feind verschossen.

In Rufweite angekommen, tauschten wir kurz unsere Erlebnisse aus.

Als wir hierbei erfuhren, daß unser „Meteor” nach kühner glücklicher

Ausführung anderer Aufgaben noch einen englischen Hilfskreuzer versenkt

hatte und dann, von gewaltiger englischer Übermacht verfolgt, seinen

kleinen Dampfer, fast vor den Augen verfolgender englischer Kreuzer,

kurz entschlossen versenkt und die gesamte Besatzung bis auf den

letzten Mann glücklich und unversehrt auf das längsseit gerufene

schwedische Fischerboot gerettet hatte, da erschollen so kräftig,

wie wir es konnten, unsere dreifachen Hurras auf unsere geretteten

Kameraden von S. M. S. „Meteor” und ihre Taten über das weite Wasser

der Nordsee.

Auch wir mußten natürlich gleich erzählen, woher wir kamen, und als

wir ihnen dann auch von unserer schönen Beute auf der soeben beendeten

Fahrt Mitteilung gemacht hatten, schallten ihre Hurrarufe auf unser

Boot zu uns in gleicher Weise zurück.

Dann ging es an die Arbeit. Vor allem hieß es, den ermüdeten und

hungrigen Kameraden schnell etwas zu essen zu verschaffen und sie

möglichst bald an Land zu bringen.

Unsere eigenen, nur noch knappen Proviantvorräte hätten jedoch kaum

eine Einladung von hundertfünfzig Gästen zu einer Mittagsmahlzeit

gestattet, auch wurde dieses dankend von ihnen abgelehnt, da sie „noch

etwas Hartbrot” an Bord hätten. Viel lieber wollten sie möglichst rasch

an Land, um dort verpflegt zu werden. Dies war auch das Richtigere,

denn je länger wir uns noch auf See aufhielten, desto größer war die

Möglichkeit, daß die noch nach dem versenkten „Meteor” suchenden

englischen Streitkräfte uns begegneten.

Es herrschte absolute Windstille, sodaß das Segelboot noch

unberechenbare Zeit auf See hätte herumtreiben müssen, bevor es ihm

möglich geworden wäre, irgend einen Hafen zu erreichen, dann aber

hätten die schon ziemlich ausgehungerten Leute sehr unter Hunger zu

leiden gehabt.

Bei uns an Bord konnten wir unmöglich die hundertfünfzig Passagiere

aufnehmen, es blieb also nichts anderes übrig, als den Segler ins

Schlepptau zu nehmen, um so zu versuchen, möglichst schnell einen

deutschen Hafen erreichen zu können.

Nachdem die Schlepptrosse dann beide Schiffe verband, fuhren wir in

schnellster Fahrt der deutschen Küste zu.

Viele unvergeßliche und komische Bilder spielten sich nun noch

unterwegs ab, als einzelne Leute von beiden Fahrzeugen sich gegenseitig

als alte Bekannte und Freunde erkannten. Manch scherzhafte Bemerkung

flog dabei von Boot zu Boot herüber:

„Mensch, hast du dir verändert!” rief einer unserer Unteroffiziere

einem Kameraden des „Meteor” zu, der mit schöner, dicker, warmer,

wollener schwedischer Matrosenmütze mit rotbrauner Klunker darauf

sich die Sonne auf den Kopf scheinen ließ. Doch dieser gab es ihm

schlagfertig wieder, indem er zurückrief: „Na, Heinrich, in dem Kostüm

kannst du aber auch nicht auf ein Tanzvergnügen gehen!” So sahen unsere

Leute nach der mehrwöchigen Fahrt allerdings nicht aus, als ob sie

gleich auf ein Tanzvergnügen gehen wollten. Sie hätten in ihrem Aufzuge

sicherlich bei der „Damenwahl” sehr schlechte Geschäfte gemacht.

Eine andere nette Antwort gab ein Offizier des „Meteor” einem ihm

befreundeten Offizier von uns auf dessen Frage zurück, was er

eigentlich auf dem Fischerboot für eine Stellung einnähme: „Ich bin

hier an Bord Funkentelegraphie-Offizier.”

In munterer Fahrt, bei prächtigem, ruhigem Wetter und hellstem

Sonnenscheine fuhren wir dann, alle sichtbar froh in dem Gedanken, in

kurzer Zeit wieder heimischen Boden betreten zu können, der deutschen

Küste zu.

Rasselnd fielen dann zur Mittagszeit unsere beiden Anker in den Grund

des glücklich erreichten Hafens.

[Illustration: Auftauchendes U-Boot im Hafen von Ostende.]

Schiffsuntergänge und Schiffshebungen

Im Laufe des Krieges haben wir Gelegenheit gehabt, dem Untergange von

Schiffen der verschiedensten Größen und Bauarten zuzuschauen.

Meist hat es nicht lange gedauert, bis ein Schiff, nachdem es eine

tödliche Wunde erhalten hatte, auch völlig versunken war.

Selbst große Dampfer haben wir des öfteren schon nach vier, sieben

oder zehn Minuten nach der Explosion des Torpedoschusses oder nach dem

Einschlagen einer Granate in oder unter ihrer Wasserlinie nicht mehr

an der Oberfläche des Wassers gesehen. Andere wiederum schwammen noch

viele Stunden lang, bis auch sie auf den Grund des Meeres hinabgezogen

wurden.

Es ist klar, daß die Zeit des Versinkens eines Dampfers nach

der erhaltenen Schußverletzung wesentlich von seiner inneren

Schotteinteilung, der Einteilung in die verschiedenen, wasserdicht

voneinander abgeschlossenen einzelnen Räume des Schiffes, abhängt.

Bei modernen Kriegsschiffen ist diese Einteilung in viele kleine

wasserdichte Räume, besonders bei den allerneuesten großen Schiffen,

in sehr weitgehendem Maße durchgeführt. Das Kriegsschiff muß nämlich

imstande sein, selbst nach dem Vollaufen mehrerer dieser wasserdicht

voneinander getrennten Räume, noch weiter kämpfen zu können.

Das Handelsschiff hat dagegen die wasserdichte Unterteilung seiner

inneren Räume in der Hauptsache nur dazu nötig, bei Verletzungen des

Schiffsbodens infolge von Grundberührungen, oder bei Verletzungen

seiner Seitenwände infolge von Zusammenstößen mit anderen Schiffen,

Eisbergen oder dergleichen sich noch schwimmfähig zu erhalten und

die eindringenden Wassermassen eben so weit zu beschränken, wie es

für diesen Zweck nötig ist. Ein etwas tieferes Eintauchen und vor

allem ein Überliegen des Schiffes nach einer Seite infolge hier

eingedrungenen Wassers kann ein Handelsschiff schon viel eher als ein

Kriegsschiff in den Kauf nehmen, wenn es nur nicht so stark wird, daß

etwa das sichere Erreichen des Hafens in Frage gestellt wird. Ein

stark überliegendes Kriegsschiff ist dagegen im Kampfe schon sehr im

Gebrauche seiner Geschütze behindert, deren Bedienung in der schrägen

Lage erklärlicherweise sehr erschwert wird; abgesehen von diesen für

die Dauer des Gefechtes sehr ungünstigen Einwirkungen bei zu großem

Wassereinbruche an einer Stelle, muß das moderne Kriegsschiff aber

auch eine größere Anzahl von Schußverletzungen unter Wasser vertragen

können, ohne zu versinken. Außerdem erfordert der hohe Wert eines

großen Schlachtschiffes natürlich auch schon an und für sich die

Bedingung eines möglichst weitgehenden Unterwasserschutzes durch

Unterteilung der Innenräume. Für die wertvollen großen Schnelldampfer,

deren Baukosten auch gewaltige Summen erfordern, tritt diese Forderung

in ähnlichem Maße auf. Wir finden daher auch bei diesen wertvollen

Schiffen eine ähnliche wasserdichte Inneneinteilung wie bei den großen

Kriegsschiffen. Die Baukosten des versenkten englischen Riesendampfers

„Lusitania” betrugen z. B. fünfunddreißig Millionen Mark, während

die Kosten der neuesten Riesenschiffe unserer Hamburg-Amerika-Linie,

„Imperator”, „Vaterland” und „Bismarck”, noch weit höhere gewesen sein

sollen.

Der gewöhnliche Handelsdampfer hat nun außer dem, oft nur unter den

größten Innenräumen des Schiffes vorhandenen doppelten Schiffsboden

nur quer durch das Schiff gezogene Schotten, die von einer Bordwand

zur anderen gehen und so das Schiff in einige größere Abteilungen

teilen. Der Höhe nach kommen an einigen Stellen noch die verschiedenen

Wohndecks als Unterteilung in Frage. Diese sind aber meist nicht

wasserdicht von den darunter oder darüber liegenden Decks abgeteilt, so

daß das vorher erwähnte eigentliche Querschott die einzige wasserdichte

Trennung der Schiffsräume bildet. In den großen Laderäumen fallen

diese Decks nun überhaupt meist weg, so daß hier gewaltige Räume

von Schiffsseite zu Schiffsseite, oft in der ganzen Höhe des

Dampfers bestehen. Dieses ist für ein schnelles und bequemes Beladen

und Entladen der Frachtschiffe auch erforderlich. Eine besondere

wasserdichte Abschottung haben auf derartigen Frachtdampfern dann nur

noch die Maschinen- und die Heizräume aufzuweisen sowie die meist um

die Maschine oder die Heizräume herumgelegten Kohlenbunker, die dadurch

bei Verletzungen an diesen Stellen die Maschinen- oder Kesselräume vor

dem Vollaufen bewahren sollen.

Wer jemals nun in so einen gewaltigen Laderaum eines Dampfers

hinabgeschaut hat, wird es ohne weiteres verstehen, daß der Dampfer,

sobald dieser Raum vorne oder hinten voll Wasser gelaufen ist, sich

nach dem vollgelaufenen Schiffsende überlegen muß, während das andere

Schiffsende sich höher aus dem Wasser hervorhebt.

Dieses sind denn auch die bei weitem am häufigsten zu beobachtenden

Arten der Schiffsuntergänge. Mächtig strecken oft selbst die größten

Schiffe ihr Vorder- oder Hinterteil kurz vor dem Versinken aus dem

Wasser in die freie Luft hinaus, fast kerzengerade sich aufrichtend,

bis dann das immer stärker in die eingetauchten Schiffsräume

eindringende Seewasser sie mehr und mehr hinunterzieht. Schneller und

schneller sackt dann das Schiff herunter, um schließlich mit mächtiger

Fahrt in die Tiefe zu sausen. Oft haben wir es beobachten können, daß

hierbei die Luft aus allen möglichen Löchern der sich nunmehr auch mit

Wasser füllenden, bisher noch leeren Räume herausgedrückt wird mit laut

pfeifendem Geräusche, das mit den schrillen Lauten einer Dampfsirene zu

verwechseln ist. Prächtig ist dieses Schauspiel jedesmal wieder.

Die Schnelligkeit, mit der ein Schiff beim Vollaufen eines Laderaumes

versinkt, hängt natürlich außer von der Größe des Laderaumes auch von

dessen Abstande von dem Schwerpunkte des Schiffes ab. Es ist klar,

daß eine Wassermasse auf das Niederziehen des Schiffes stärker wirken

muß, wenn sie nahe den Schiffsenden angreift, als wenn sie näher an

dem ungefähr in der Mitte des Schiffes angenommenen Schwerpunkt in das

Schiff eingedrungen sein sollte.

Nun haben wir es auf See aber nur selten mit Schiffen mit leeren

Laderäumen zu tun. Meist werden diese völlig oder doch möglichst weit

mit den verschiedensten Gütern angefüllt sein. Es kann dann also

eigentlich nur so viel Wasser in das Schiff eindringen, wie außer der

Ladung noch Platz, noch Luft vorhanden ist. Diese vorhandene Luft,

die entweder bei nicht ganz vollen Laderäumen oben über der verstauten

Ladung vorhanden sein mag, oder die dem Wasser Zutritt zwischen die

einzelnen Ballen, Kisten und anderen Packgefäße gestatten mag, muß

aber nach irgendwohin entweichen, bevor das Wasser in größeren Mengen

nachströmen kann. Wir wollen bei dieser Betrachtung davon absehen, daß

gewisse Arten von Ladungen wie Wolle, Getreide und andere auch bis zu

einem gewissen Grade eindringendes Wasser aufzusaugen imstande sind.

Die Luft muß also aus vorhandenen Löchern nach außen entweichen können,

oder es kann nur so lange Wasser nachströmen, bis das eingedrungene

Wasser die Luft in dem Schiffsraume so weit zusammengedrückt hat, daß

der Druck, mit dem das Wasser von unten einströmt, dem Luftdrucke im

Schiffsraume gleicht.

Es ist denkbar, daß ein Laderaum so gut nach außen abgedichtet ist,

daß keine Luft aus ihm heraustreten kann, wenn es in der Praxis

wohl auch kaum vorkommen dürfte. Häufig sind jedoch die vorhandenen

Luftentweichungslöcher in ihrem Querschnitte so gering, daß die Luft

nur sehr langsam aus ihnen entweicht und das Wasser demgemäß auch nur

äußerst langsam nachströmen kann. Das Sinken eines Schiffes würde

unter diesen Umständen immer recht lange dauern. Dieses sonst wohl sehr

erwünschte langsame Wegsacken eines verletzten Schiffes ist uns im

Kriege bei feindlichen Schiffen natürlich ganz und gar nicht angenehm.

Denn erstens hält uns da das Abwarten des Versinkens solcher Schiffe zu

lange auf, während wir sonst vielleicht schon weiter arbeiten könnten,

und zweitens wäre es immerhin denkbar, daß andere Schiffe dem sinkenden

Fahrzeuge noch Hilfe brächten.

Es empfahl sich immer, wenn man es konnte, oben in die Ladeluken große

Löcher mit Äxten hineinzuschlagen, falls man die Lukendeckel nicht

schnell ganz entfernen konnte, oder, sofern es die Umstände nicht

anders erlaubten, auch noch einige Löcher in die oberen Teile des

Dampfers oberhalb des Laderaumes mit einer Kanone hineinzuschießen,

damit die Luft bequem entweichen konnte und das Wasser dann möglichst

schnell nachzuströmen imstande war. Dieses Mittel haben wir jedenfalls

bei vielen Dampfern, die nicht schnell genug sinken wollten, mit sehr

gutem Erfolge angewandt.

Nun kommt es aber auch häufig vor, daß ein Schiff eine schwimmfähige

Ladung hat, die auch kein Wasser schnell in größeren Mengen in sich

aufsaugt, z. B. Holz. In diesem Falle ist ein Schiff durch Eintritt

von Wasser nur in den Laderaum überhaupt nicht zu versenken. Das

Schiff schwimmt so gewissermaßen auf seiner Ladung. Man muß dann in die

Maschine und die Kesselräume oder sonstige Räume vorne und hinten, die

diese schwimmfähige Ladung nicht enthalten, Wasser eindringen lassen,

um das Schiff überhaupt zum Sinken zu bringen.

Da man nun oft nicht weiß, ob ein Schiff derartige schwimmfähige

Ladung an Bord hat, ist es von vorneherein in allen Fällen am besten,

es gleich auf das Vollaufen der großen Maschinenräume abzusehen, nach

deren Füllung mit Wasser ein beladener Dampfer sich nur noch in den

allerseltensten Fällen schwimmfähig erhalten kann.

Kriegsschiffe haben nun meistens außer den quer durch das Schiff

gehenden Schotten auch noch sogenannte Längsschotte, die wenigstens in

der Mitte des Schiffes dieses der ganzen Länge nach in zwei Hälften

teilen, oder sogar noch mehrere weitere Schotte in der Längsrichtung

des Schiffes, die die beiden Längshälften wiederum in Unterabteilungen

trennen.

Bei Handelsschiffen ist diese Unterteilung durch Längsschotte, wieder

abgesehen von den großen Schnell- und Passagierschiffen, viel seltener

durchgeführt.

Immerhin haben wir auch einige Schiffe erlebt, bei denen dieses der

Fall war.

Das Sinken derartig getrennter Schiffe vollzieht sich nun, wie leicht

zu verstehen ist, in der Weise, daß das Schiff sich mehr und mehr auf

die Seite legt, an der das Wasser eindringt, bis es schließlich ganz

auf die Seite fällt und mit dem Kiele (untersten Teil des Schiffes)

nach oben zeigend versinkt. Ein Schiffsuntergang auf diese Weise wird

in der Seemannssprache als Kentern bezeichnet.

Alle übrigen Verhältnisse bei dieser Art des Versinkens eines Schiffes

sind natürlich die gleichen wie bei der vorher beschriebenen Art des

Wegsackens über den Bug oder das Heck. Selbstredend gibt es auch noch

Mittelfälle, bei denen sich ein Schiff nach hinten oder vorne, unter

gleichzeitigem Legen auf eine Seite senkt.

Der außerdem noch theoretisch denkbare Fall, daß ein Schiff auf

parallelem Kiele einfach horizontal immer tiefer und tiefer sinkt, bis

es ganz unter Wasser verschwindet, kommt in der Praxis nicht vor.

Hierzu müßten schon vor und hinter dem Schwerpunkte des Schiffes

absolut gleich große Wassermassen in derselben Zeit und in dem gleichen

Abstande von dem Schwerpunkte in das Schiff eindringen. Die kleinsten

Verschiebungen hätten hierbei aber schon den ausschlaggebenden Erfolg

des Tiefertauchens einer Seite oder eines Endes des Schiffes. Sobald

dieses aber eingetreten wäre, würde das Wasser in die auch nur etwas

tiefer eintauchende Stelle des Schiffes immer schneller und schneller

eindringen, da die Einbruchsstelle des Wassers tiefer unter Wasser

kommt als die Einbruchsstelle auf der anderen entsprechenden Seite von

dem Schwerpunkte des Schiffes. Je tiefer eine Wassereinbruchsstelle

aber unter der Oberfläche des Wassers liegt, desto schneller muß das

Wasser hier einströmen, da der Druck der über ihr lastenden Wassersäule

ein höherer geworden ist.

Einen Punkt möchte ich hierbei noch kurz streifen. In Seeromanen

wird häufig von dem gefährlichen Strudel gesprochen, der sich über

einem sinkenden Schiffe bildet und alles in seiner Nähe mit sich

hinunterzieht. Dieses ist natürlich sehr übertrieben. Wohl können

einzelne schwimmende Menschen von den Wasserwirbeln, die sich bei

dem Wegsacken von Schiffen bilden, mit hinabgerissen werden. Für

einigermaßen seetüchtige und richtig gehandhabte Rettungsboote besteht

meines Erachtens aber kaum jemals eine Gefahr durch diesen Strudel.

Ich möchte glauben, daß infolge dieser vielverbreiteten, auch bei

einer großen Anzahl von alten Seeleuten vorhandenen, zum mindesten

übertriebenen Angst vor diesen Strudeln schon oft ein Rettungsboot

zu früh von dem sinkenden Schiffe abgestoßen ist und manches

Menschenleben so verloren ging, zu dessen Rettung wohl noch Zeit und

Gelegenheit gewesen wäre.

Schon häufig ist jetzt die Frage aufgeworfen worden, ob es wohl möglich

sein wird, alle oder einen Teil der im Laufe des Krieges versenkten

Schiffe wieder zu heben.

Die Möglichkeit des Hebens eines gesunkenen Schiffes hängt in erster

Linie davon ab, ob die Wassertiefe, auf der das Schiff liegt, den

Tauchern noch Arbeiten auf dem Grunde gestattet.

Schon früher wurde kurz erwähnt, daß der Druck des Wassers von zehn

zu zehn Meter größerer Tiefe um eine Atmosphäre (ein Kilogramm pro

Quadratzentimeter) zunimmt. Während der Taucher also auf zehn Meter

Wassertiefe unter einem Überdrucke von nur einer Atmosphäre arbeitet,

hat er auf zwanzig Meter schon zwei Atmosphären, auf dreißig bis drei,

vierzig bis vier und in fünfzig Metern Wassertiefe schon unter dem

gewaltigen Überdrucke von fünf Atmosphären zu arbeiten!

Dieses darf wohl ungefähr als die größte Tiefe bezeichnet werden,

auf der bisher Taucher überhaupt gearbeitet haben. Wenn auch Taucher

manchmal noch einige Meter tiefer hinunterstiegen (sechzig Meter

Tiefe ist aber meines Wissens noch von keinem Taucher der Welt

bisher nennenswert überschritten worden), so spielt das praktisch

keine Rolle, da auf Tiefen zwischen vierzig und fünfzig Meter selbst

die besten Taucher kaum noch imstande sind, schwere Arbeiten zu

verrichten. Auch können sie sich kaum länger als höchstens bis zu

ungefähr einer halben Stunde Zeitdauer auf diesen großen Tiefen

aufhalten. Das Tauchen auf Tiefen über vierzig Meter stellt daher

schon immer eine ganz besondere tauchtechnische Leistung dar, die nur

hervorragende Taucher überhaupt ausführen können. Die meisten Taucher

werden auf diesen Tiefen also auch nur leichte Arbeiten für kurze

Zeit verrichten können. Die schweren für das Anbringen von Hebeketten

erforderlichen Arbeiten werden auf derartig großen Wassertiefen nur

in den allerseltensten Ausnahmefällen, unter den denkbar günstigsten

Nebenumständen vorgenommen werden können. Schiffshebungen auf Tiefen

über dreißig Meter müssen schon als sehr gute Leistungen angesprochen

werden, wohingegen Hebungen unter dreißig Meter Wassertiefe wohl von

den Bergungsgesellschaften, falls nicht gerade allzu ungünstige Strom-

oder Grundverhältnisse vorliegen sollten, im allgemeinen übernommen

werden dürften und auch Erfolg versprechen.

Es ist einleuchtend, daß ein starker Strom dem Taucher bei seiner

Arbeit sehr hinderlich ist und unter Umständen sogar jegliche

Taucharbeit unmöglich macht, da dann der Taucher schon alle Mühe hat,

sich überhaupt in dem Strome auf der Stelle zu halten, wo er arbeiten

muß. In der offenen See wechselt die Stromrichtung bei dem Übergange

von der Ebbe zur Flut und umgekehrt ab. Ungefähr zur Zeit dieses

Wechsels der Stromrichtung -- dem Kentern des Stromes -- herrscht die

geringste Stromstärke, die theoretisch für einen Augenblick auf „Null”,

auf ein absolutes Stillstehen des strömenden Wassers hinauslaufen muß.

Um diese Zeiten herum muß der Taucher also bei vorhandenem Strome

versuchen, seine Arbeit auszuführen.

Vielfach wird nun mit dem Strome viel Sand auf dem Grunde des

Meeres mit fortgerissen. Besonders an den hervorragenden Teilen

eines versunkenen Schiffes wird bald durch die infolge des Stromes

einsetzende Kreiselbildung im Wasser der Sand des Grundes ausgewählt

und hüllt dann das Schiff derartig ein, daß die Arbeit des Tauchers

sehr erschwert oder gar unmöglich wird. In solchen Fällen wird man von

einer Bergung des Schiffes Abstand nehmen müssen. Das Schiff versandet.

Nun liegen nach meiner Schätzung mindestens achtzig Prozent aller

versenkten feindlichen Schiffe auf Tiefen über fünfzig Meter, ja bis zu

vielen Hunderten von Metern und darüber hinaus, so daß deren Hebung

von vornherein ausgeschlossen ist.

Da die tiefstgehenden Schiffe heutzutage einen Tiefgang von noch nicht

zehn Meter haben, würden also alle versenkten Schiffe, die mit ihren

höchsten Stellen mehr als zehn Meter unter der Oberfläche des Wassers

liegen, beiläufig keinerlei Gefahr für die friedliche Schiffahrt

bedeuten können.

Von den übrigen zwanzig Prozent, auf Tiefen unter fünfzig Meter

liegenden Schiffen mögen wieder die Hälfte, zehn Prozent, noch so

liegen, daß auch bei ihnen eine Hebung keinen Erfolg versprechen oder

die hohen Kosten nicht verlohnen würde, falls man überhaupt die meist

unbekannte Liegestelle gefunden haben sollte.

Von den verbleibenden zehn Prozent liegt sicher ein großer Teil, z. B.

so ziemlich alle im Kanale versenkten Schiffe, in Gegenden, wo sie

schnell stark versanden und auch der starke Strom Taucherarbeiten

ziemlich ausschließt. Zumal, da diese Arbeiten hier im Kriege wohl kaum

in Angriff genommen werden können, kommt eine Hebung dieser Schiffe

also auch nicht in Frage; nach dem Kriege sind sie aber sicher lange

versandet.

Möglich wäre es dagegen wohl, daß ein oder das andere Schiff gehoben

wird, das an der englischen Ostküste versunken ist, wo die Wassertiefen

geringer und die Stromverhältnisse für Taucherarbeiten bedeutend

günstigere sind als in den stark strömenden Gewässern an der englischen

Südküste.

Immerhin liegen aber hier nur die weniger kostbaren kleineren Schiffe,

und es muß sehr bezweifelt werden, ob deren Hebung die Bergekosten

verlohnen würde, besonders, da es zum mindesten sehr fraglich ist, ob

die Art ihrer Verletzung durch Torpedoschuß oder Minen den Schiffen

noch eine derartige Festigkeit gelassen haben wird, daß sie beim Heben

nicht auseinanderbrechen.

Es wird wohl kaum mir der Hebung irgend eines im Kriege versenkten

feindlichen Schiffes zu rechnen sein.

Das Meer wird also wohl so ziemlich alle die Schiffe behalten, die es

im Laufe des Völkerringens verschlungen hat. -- --

Schlußwort

Die vorstehenden Zeilen sollten und konnten nicht bezwecken, eine

genaue Beschreibung und Handhabung unserer U-Boote zu geben.

Hierüber ist verschiedentlich schon vieles in die Öffentlichkeit

gedrungen oder an anderen Stellen zu erfahren möglich. Ich wollte

hier keine theoretische oder wissenschaftliche Abhandlung über die

verschiedenen Fragen des U-Boots-Baues und U-Boots-Lebens geben.

Nur kurz sollte in erzählender Form versucht werden, einige nette

Episoden aus unserem Leben auf dem U-Boote, besonders zu Kriegszeiten,

vorzuführen.

Zum besseren Verständnisse hierfür erschien es mir nötig, hier und dort

auf einzelne Dinge einzugehen, die mit zu den Grundbedingungen des

gesamten U-Boots-Lebens gehören, dem Fernerstehenden aber oft nicht

ohne weiteres erklärlich erscheinen werden.

Als U-Boots-Kommandant gegen England · 第 10 / 11 段