des Buddho hier genommen hat; kaum eine allerschwächste Spur den Weg,
den hier sein sonst so köstlich unbeirrter Wille einschlug. Aber
wenn diese Spur auch wirklich fast verweht erscheint im Flugsand der
Wanderwüste ‚Zeit‘, so wird sie sich vielleicht für unser Auge doch
etwas verstärken, sobald wir weiterrätselnd uns entsinnen, daß die
Unterscheidung, aus welcher das Bewußtsein stammt und in welcher das
Bewußtsein zu verwinden wäre, ihrerseit aus dem Nichtwissen stammt
und unleugbar den Stempel des Nichtwissens trägt. Gotamo, der die
Unterscheidung verwirft, die auf der Tätigkeit unserer aufnehmenden und
verarbeitenden Erkenntniswerkzeuge beruht, verwirft die Unterscheidung,
weil sie Nichtwissen ist. Die Unterscheidung entsteht ihm aus
dem Nichtwissen, das Nichtwissen bedingt ihm die Unterscheidung:
folglich steht ihm groß und unverrückbar der Zielgedanke eines
nichtunterscheidenden Wissens im Gegensatz zu einem unterscheidenden
Nichtwissen vor dem innern Blicke! Das mag ein überraschendes, am
Ende sogar befremdliches Ergebnis sein, welches jedoch manches, wenn
nicht das meiste von seiner Seltsamkeit abstreifen und verlieren
dürfte, falls wir abermals weiterrätselnd uns entsinnen, daß eine
ähnliche Zweiheit einander widersätzlicher Wissensauffassungen auch
unserer abendländischen Scholastik durchaus vertraut gewesen ist. Auch
wir abendländischen Menschen kennen seit den Enneaden des Plotinos
ein Wissen, welches Unterscheidungen setzt und voraussetzt, Merkmal
nach Merkmal durchläuft, Inhalt nach Inhalt durchmustert, Begriff an
Begriff reiht, Urteil an Urteil knüpft, Schluß an Schluß kettet, --
und ein bei weitem anderes Wissen, welches den vollen Weltgehalt zumal
anschaut und unterschiedlos in eins sichtet. Auch wir abendländischen
Menschen kennen ein durchlaufendes, aufreihendes, auseinanderfaltendes,
aneinanderstückendes Wissen, welches unsere Scholastik diskursiv
genannt hat, und ein ineinanderschauendes, vereinfachendes,
zusammenfaltendes, unzerstücktes Wissen, welches unsere Scholastik
simplex genannt hat. Und während nach europäischer Meinung das erstere
wesentlich dem Menschen und seiner eingeschränkten Vernunft vorbehalten
blieb, galt das letztere für göttlich. Und wenn dabei der Abendländer
nicht so weit zu gehen wagte wie der Buddho, der das erstere Wissen
kurzer Hand als Nichtwissen geringschätzt, ja entwertet, so hat er doch
in seinen besten Zeiten nie einen Hehl daraus gemacht, wie unendlich
überlegen das simplexe Wissen Gottes unserm diskursiven Wissen wäre...
Den _dis-cursus_ also hätte der gotamidische Asket, wenn anders wir mit
abendländischen Formeln indische Auffassungen bezeichnen dürfen, nach
besten Kräften zu überwinden, -- wie alles übrigens, was der Lateiner
mit der Silbe ‚_dis_‘ auszudrücken pflegte. Das _dis_ im _cursus_
hätte der Asket zu überwinden, um mit dieser endgültigen Überwindung
das Nichtwissen zu überwinden, das Unterscheiden zu überwinden,
das Bewußtsein zu überwinden, die Doppelheit Bild-und-Begriff zu
überwinden, die Berührung zu überwinden, das Gefühl zu überwinden,
den Durst zu überwinden, das Anhangen zu überwinden, das Werden zu
überwinden, die Geburt zu überwinden, das Leiden zu überwinden...
Nichtwissen überwunden habend, würde der Asket zum Wissen aufgestiegen
sein: als Wissender aber würde er die Erlösung, die Errettung, die
Entledigung bewirkt haben im Wissen. Was also, ihr Christen, ist für
den vollkommen Erwachten und Erhabenen -- das Wissen? Was also, ihr
Christen, ist für den vollkommen Erwachten und Erhabenen das Wissen:
was ist das Wissen nicht allein für ihn, sondern für jene ganze Welt
des alten Indiens, die er für uns am weithin sichtlichsten vertritt?
In der Chândogya-Upanischad ersucht der höchste jener brahmanischen
Rischis, welche die Hymnen des Veda dichteten und sangen (wie einst
auch die griechischen Aoiden die Epen des Homeros gedichtet und
gesungen haben) den Kriegsgott Sanatkumâra um Belehrung. „‚Belehre
mich, Ehrwürdiger!‘ -- Mit diesen Worten nahte sich Nârada dem
Sanatkumâra. Der sprach zu ihm: ‚Bringe nur vor, was du schon weißt,
so werde ich dir das darüber hinaus Liegende kundmachen‘. Und jener
sprach: ‚Ich habe, o Ehrwürdiger, gelernt den Rigveda, Yajurveda,
Sâmaveda, den Atharvaveda als vierten, die epischen und mythologischen
Gedichte als fünften Veda, Grammatik, Manenritual, Arithmetik,
Mantik, Zeitrechnung, Dialektik, Politik, Götterlehre, Gebetlehre,
Gespensterlehre, Kriegswissenschaft, Astronomie, Schlangenzauber und
die Künste der Halbgötter; -- das ist es, o Ehrwürdiger, was ich
gelernt habe; und so bin ich, o Ehrwürdiger, zwar schriftkundig,
aber nicht âtmankundig; denn ich habe gehört von solchen, die dir
gleichen, daß den Kummer überwindet, wer den Âtman kennt; ich aber,
o Ehrwürdiger, bin bekümmert; darum wollest du mich, o Herr, zu dem
jenseitigen Ufer des Kummers hinüberführen!‘ -- Und er sprach zu ihm:
‚Alles, was du da studiert hast, ist nur Name (nâman). Name ist der
Rigveda, Yajurveda, Sâmaveda, der Atharvaveda als vierter, die epischen
und mythologischen Gedichte als fünfter Veda, Grammatik, Manenritual,
Arithmetik, Mantik, Zeitrechnung, Dialektik, Politik, Götterlehre,
Gebetlehre, Gespensterlehre, Kriegswissenschaft, Astronomie,
Schlangenzauber und die Künste der Halbgötter, -- das ist alles Name.
Den Namen mögest du verehren! Wer den Namen als das Brahman verehrt, --
soweit sich der Name erstreckt, soweit wird dem ein Umherschweifen nach
Belieben zu teil, darum daß er den Namen als das Brahman verehrt.‘ --
‚Gibt es, o Ehrwürdiger, ein Größeres als den Namen?‘ -- ‚Wohl gibt es
ein Größeres als den Namen.‘ -- ‚Das wollest du, o Herr, mir sagen!‘
-- ‚Die Rede (_vâc_), fürwahr, ist größer als der Name‘...“ Die Rede
ist größer als der Name: der vernünftige Wille (_manas_) aber größer
als die Rede, fährt der Kriegsgott Sanatkumâra in seiner Erläuterung
fort. Und wiederum ist der Entschluß (_samkalpa_) größer als der
vernünftige Wille; der Gedanke (_cittam_) größer als der Entschluß; die
Innenbetrachtung (_dhyânam_) größer als der Gedanke; die Erkenntnis
(_vijñânam_) größer als die Innenbetrachtung; die Kraft (_balam_)
größer als die Erkenntnis; die Nahrung (_annam_) größer als die
Kraft; das Wasser (_âpas_) größer als die Nahrung; die Glut (_tejas_)
größer als das Wasser; der Äther (_âkâça_) größer als die Glut; die
Erinnerung (_smara_) größer als der Äther; die Hoffnung (_âçâ_) größer
als die Erinnerung; das Leben (_prâna_) größer als die Hoffnung; die
Unbeschränktheit (_bhûman_) größer als das Leben und alles übrige...
Wir setzen hier beiseit die Wunderlichkeit in dieser sechzehnfach
gestaffelten Führung zum ‚echten‘ Wissen, zum Brahman-Bhûman-Wissen.
Wir setzen beiseit diesen für unser abendländisches Verständnis
haltlosen und haltunglosen Wechsel von seelischen Grundbeschaffenheiten
und Haupteigenschaften zu welthaften Urgegebenheiten und Urstoffen und
wiederum von diesen zu jenen zurück, ehe über das alles die Woge der
Allschrankenlosigkeit hinwegspült. Dies und was sonst noch hierher
gehört, ihr Christen, lassen wir beiseit und fragen uns erst alsdann
dringend: Was ist nach dieser heiligen Urkunde -- Wissen? Und was ist
nach dieser Urkunde Wissen -- nicht? Das Wissen ist eine Emporstufung,
Empormenschung, Emporgottung hier, ihr Christen: das ist der klare Sinn
der Antwort, die der Kriegsgott sowohl dem fragenden Brahmanen wie dem
fragenden Abendländer zu geben geruht. Was an Erfahrung, Forschung,
Einsicht, Kenntnis, Urteil, Gedanke, Prüfung, Tatsache und Gesetz
dieser Emporstufung zu dienen geeignet ist, ist Wissen. Was jedoch
lediglich um seiner selbst betrieben wird, was der Anhäufung bloßer
Gelehrsamkeit förderlich sein soll, das ist Wissen nicht, das ist ganz
einfach Nichtwissen. Es kann einer alles wissen, was im Umkreis einer
angetretenen Menschheitgesittung überhaupt zu erwerben ist, und es kann
einer im Vollbesitz sein sämtlicher Kenntnisse auf theologischem und
kosmologischem, auf philosophischem und logischem, auf mathematischem
und grammatischem, auf astronomischem und astrologischem, auf rituellem
und theurgischem, auf historischem und ästhetischem, auf strategischem
und politischem Gebiet, -- und vor Gott Sanatkumâra weiß er nichts
als die Namen und ist wie der Brahmane Nârada innig von seiner
Unwissenheit durchdrungen. Nicht darum zwar von ihr durchdrungen, weil
er sich überzeugt hätte von der grundsätzlichen Unvollständigkeit
und Ergänzungbedürftigkeit des Wissens überhaupt oder gar von der
Unzulänglichkeit und Begrenztheit der menschlichen Vernunft. Vielmehr
darum, weil er erfahren hat, daß alles erreichbare Wissen auch bei
massenhafter Aneignung nicht schon von sich aus den Wissenden auf einen
würdigeren Zustand hebt. Das Wissen ist keine Tugend und ist noch
weniger ein Heil oder das Heil. Aber es liegt im Begriff des Wissens,
wie er hier gefaßt und vertreten wird, zur Tugend, ja zum Heil zu
führen. „Denn ich habe gehört von solchen, die dir gleichen, daß den
Kummer überwindet, wer den Âtman kennt, ich aber, o Ehrwürdiger, bin
bekümmert!“... Wer also noch bekümmert ist, wer noch am Dasein krankt,
wer seine Angst noch nicht verlernte, wer noch unterm Schicksal seufzt,
der ist noch nicht ein Wissender geworden, selbst wenn er alles weiß.
Wer nach Erwerb des Wissens menschlich auf der Stufe des Unwissenden
verharrt, der zählt nicht zu den Wissenden; wer im Genuß des Wissens
des Lebens noch nicht Rat weiß, der ist kein Wissender. Er gleicht
da etwa einem Geizigen, der das Geld sammelt, aber nicht in Umlauf
setzt. Oder einem Kranken, der die Arznei schluckt, aber nicht an ihr
genest. Oder einem Zecher, der den Wein schlürft, aber durch ihn nicht
fröhlicher wird. Ob mithin wirklich einer wisse oder nicht wisse, das
hängt davon ab, in welchen Zustand ihn das Wissen brachte. Wie das Geld
erworben wird, um umgesetzt zu werden, wie die Arznei genommen wird,
um Gesundheit zu bringen, wie der Wein getrunken wird, um sorgenfrei
zu machen, so soll das Wissen gewußt werden, um den Wissenden als eine
menschliche Steigerung und Erhöhung des Unwissenden zu verwirklichen.
Und diese Auffassung des Wissens ist eine so eingefleischt indische,
daß es beinahe gleichgültig ist, ob das Gespräch zwischen Nârada
und Sanatkumâra in den Upanischaden aufgezeichnet steht oder in den
Reden Gotamo Buddhos: es könnte ebensogut hier geschrieben stehen,
als es in der Tat dort geschrieben steht. Unter allen Umständen
hätte der Buddho dem Frager dem Sinne nach dieselbe Antwort gegeben
wie der vedische Kriegsgott, auch wenn er selbstverständlich die
Aufwärtsstufung im einzelnen beträchtlich anders geführt hätte und
wirklich auch anders geführt hat. Bewährt sich doch auch ihm im
Gegensatz zum Nichtwissen das Wissen nur dadurch, daß es das Leiden
verwindet und dem Wissenden das lösende Wort zu sprechen gestattet:
„Nicht mehr, o Ehrwürdiger, bin ich bekümmert!“... Und so gehört es
zu den unwiderleglichen Zeugnissen der tiefgewurzelten Einheit und
Einheitlichkeit aller indischen Religionen, daß ihnen im wesentlichen
die Leistung des Wissens stets die nämliche und gleiche bleibt. Wo
das Wissen nicht zur Erlösung aufsteigen läßt, hat es seinen wahren
Zweck verfehlt, der im Gegensatz zu unserer abendländischen Auffassung
nicht das Wissen selbst ist, sondern die Beschaffenheit und der Rang
des Wissenden. Wir Europäer haben ja mit der Gebärde unwillkürlicher
und darum auch untrügerischer Selbstoffenbarung über unser Wissen das
Wort gesprochen: Wissen ist Macht, Wissen ist Bewältigung, Wissen ist
Beherrschung, -- aber wohlbemerkt nicht unserer selbst, sondern der
Natur! Mit einer nicht minder offenbarenden Geste hat der gotamidische
und der vedische Mensch, und das ist in manchem Betracht schon fast
der asiatische Mensch, das Gegenwort verlautbart: Wissen ist Erlösung,
Wissen ist Errettung, Wissen ist Überwindung, -- aber nicht der Natur,
sondern unserer selbst! Diese Einstellung ist eine gesamtindische und
bringt sich der europäischen Einstellung gegenüber mit einer ebenso
großartigen wie eintönigen Strenge zur unbedingten Geltung. Und wenn
Indien bis zu dieser Stunde von dem unmenschlichen Bruderzwist zwischen
Religion und Philosophie, zwischen Glauben und Wissen, zwischen Kirche
und Schule, zwischen Weisheit und Wissenschaft, zwischen Erziehung
und Unterricht, zwischen Bildung und Gelehrsamkeit, zwischen Seele
und Geist, zwischen Geistigkeit und Geistlichkeit verschont geblieben
ist, dann verdankt es diese höchste Gunst und Gnade nicht zum
wenigsten seiner Auffassung vom Wissen, die für solche Zuspitzungen,
Gegensetzungen, Ausschließungen keinen Vorwand liefert. Wie nach des
Buddho geflügelter Redeformel ‚im Erlösten die Erlösung ist‘, -- ‚ψυχὴ
οἰκητήριον δαίμονος‘ heißt es gleichsinnig bei Demokritos von Abdera!
-- so ist im Wissenden das Wissen, dient es dem Wissenden, fördert es
den Wissenden, bringt es Heil dem Wissenden.
In dem Gespräch zwischen Nârada und Sanatkumâra ist das Sanskritwort
‚_dhyânam_‘ gefallen, welches ich etwas eigenmächtig mit
‚Innenbetrachtung‘ wiederzugeben mich erdreistet habe, indes es von
Deussen unverbindlicher mit ‚Sinnen‘ verdeutscht wird. Wohlan denn!
Dieses _dhyânam_, das unter den sechzehn Staffeln des Wissens eine
einzige bedeutet und bezeichnet, die zwischen Gedanke (_cittam_) und
Erkenntnis (_vijñânam_) ihre Stelle hat, -- dieses _dhyânam_ umspannt
dem Buddho geradezu alles wesenhafte Wissen selber, wofern es in
Wahrheit dem Wissenden die Erlösung bringt. Dieses _dhyânam_, nur
wenig abweichend _jhânam_ in der Mundart des Pâli lautend, erschöpft
in sich genau die Emporstufung des Wissens, die der Wissende in sich
vollziehen muß. _Jhânam_, das ist die erlernte und geübte Fähigkeit
der Seele, sich ohne Ablenkung auf sich selbst zu sammeln, in sich
selbst hineinzusenken, unter sich selbst hinabzutauchen, sich in sich
selbst zu verankern, in sich selbst zu feiern, in sich selbst zu
andächtigen, sich in sich selbst zu einigen... Wie der römische Augur
auf der grenzenlosen Erdfläche sich ein Viereck herausschnitt, welches
er bei seiner vorsätzlichen Auskundung der Götterzeichen betrat und
_templum_ nannte; wie derselbe Augur nicht allein aus dieser Erde,
sondern obendrein aus dem unendlichen Himmel mit seinem Krummstab
ein Stück abermals als das _templum_ herausschnitt, innerhalb dessen
Gottes Blitz und Donner recht eigentlich erst gelten sollte, -- so
schneidet Gotamo aus der unbegrenzbaren Erden- und Himmelsfülle aller
Wißbarkeiten und Gewißheiten einen heiligen Bezirk heraus, um darin
jenes Wissen, welches allein not tut, gleichsam zum Vollzug zu bringen.
Von dem _templum_ römischer Auguren leitet sich sprachlich das Zeitwort
_contemplari_ her, welches somit in seinem ursprünglichen Sinn nichts
anderes bedeutet als „den heiligen Bezirk auf der Erde und am Himmel
mit dem Blick einfassen“, -- welches somit in seinem ursprünglichen
Sinn nichts anderes bedeutet als eben diese Tätigkeit, welche sich der
Buddho als das _jhânam_ angelegen sein läßt: nur anstatt nach außen
streng nach innen hin gewendet. Mit dem Blick einfassen den heiligen
Bezirk, der sich hier zwar nicht am Himmel oder auf der Erde, aber
in der Seele selbst befindet, und den jeder in sich selbst als sein
eigener Zeichendeuter abzustecken fähig ist, das heißt das _jhânam_
üben, heißt Andacht, Versenkung, Einkehr bewirken. So verstanden war es
schließlich mehr als ein purer Zufall, wenn europäische Gelehrte das
buddhistische _jhânam_ nicht selten mit der lateinischen _contemplatio_
übersetzten. Denn diese Römer, von sämtlichen bekannten Völkern des
sogenannten Altertums die ärmlichsten an Religion und dennoch das
Wort _religio_ prägend („_Vinculo pietatis obstricti Deo et religati
sumus, unde ipsa religio nomen accepit_“), -- sie prägen auch den
Sprachausdruck _contemplatio_, obschon von sämtlichen bekannten
Völkern des Altertums am wenigsten mit der Neigung zu dieser irgendwie
behaftet. Was alsdann bei ihnen nach auswärts gerichtet _contemplatio_
heißt, ist im Buddhismus nach einwärts gerichtet _jhânam_, und wie
jenes _templum_ in seiner Ausdehnung durch vier sich schneidende Gerade
bestimmt wird, ist das _jhânam_ in seiner Hinaufstufung durch vier
ansteigende Grade bestimmt. Vier Grade oder Weihen innerlicher Schauung
gibt es, ja vier Schauungen oder _jhânâni_ selber gibt es, die in den
Reden stets mit derselben formelhaften Wendung wiederkehren: in den
berühmten vier _jhânâni_ staffelt der Buddho das Wissen in die Höhe,
welches zuletzt mit der Erlösung eins ist.