Ein großer Teil dieser Gesellschaft bestand aus den ursprünglichen
autochthonen Bewohnern des südlichen Rußland. Ein Beweis dafür ist ihre
Sprache, die, obwohl sie viele tatarische und polnische Worte in sich
aufgenommen, immer ihren reinen südslawischen Charakter bewahrt hat, der
dem damaligen russischen sehr ähnlich war, und ein fernerer Beweis ist
ihr Glaube, der immer der griechisch-katholische blieb. Jeder hatte
freien Zutritt zu dieser Gemeinschaft, nur mußte er unbedingt den
griechischen Glauben annehmen. Diese Gesellschaft trug alle Merkmale,
die einer Räuberbande eigen sind, an sich; aber wenn wir näher zusehen,
so finden wir hier Keime eines politischen Organismus und eines
charaktervollen Volkes, das sich gleich zu Anfang seiner Existenz ein
wichtiges Ziel gesetzt hatte, -- den Kampf mit den Ungläubigen und die
Reinerhaltung der eigenen Religion. Das waren jedoch keine strengen
katholischen Ritter, sie erlegten sich weder Gelübde noch Fasten auf;
sie kasteiten sich nicht durch Enthaltsamkeit und Abtötung des
Fleisches; sie waren unbändig wie die Stromschnellen ihres Dnjepr und
vergaßen die ganze Welt bei ihren wilden Gelagen und wüsten Festen. Die
enge Verbrüderung, die unter den Mitgliedern einer Räuberbande herrscht,
verband auch sie miteinander. Alles war Gemeingut -- der Wein, das Geld
und ihre Wohnstätten. Die ewige Angst, die ewige Gefahr flößte ihnen
eine eigentümliche Lebensverachtung ein. Der Kosak kümmerte sich mehr um
sein volles Maß Wein, als um sein Schicksal. Aber bei ihren Überfällen
bewiesen sie Gewandtheit, Schärfe des Geistes und eine große
Geschicklichkeit, aus jedem Umstande Nutzen zu ziehen. Man mußte diesen
Bewohner der Stromschnellen in seiner halb tatarischen und halb
polnischen Tracht, die so recht den Grenzbewohner verrieten, sehen, wenn
er mit asiatischer Gewandtheit auf seinem Roß dahinsprengte, im dichten
Steppengras verschwand, dann wieder mit der Schnelligkeit eines Tigers
aus seinem unsichtbaren Schlupfwinkel hervorstürzte oder ganz in
Schlingpflanzen und Schlamm gehüllt als Schreckgespenst aus dem Sumpf
oder Fluß vor dem fliehenden Tataren auftauchte. Nach solch einem
Überfall bummelte und zechte derselbe Kosak mit seinen Kameraden herum,
vergeudete und verschleuderte die erbeuteten Schätze, war sinnlos
betrunken und lebte sorglos dahin, bis zu einem neuen Kriegszug, wenn
nicht die Tataren ihn überrumpelten, die Sorglosen im betrunkenen
Zustand auseinandertrieben und ihre Ansiedlung bis auf den Grund
zerstörten. Doch bald entstand, wie durch ein Wunder, die Ansiedlung
aufs neue, und ein verheerender, furchtbarer Ausfall gegen die Tataren
rächte die erlittene Schmach. Und wieder begann das alte sorglose und
zügellose Leben.