VIII

Ein großer Teil dieser Gesellschaft bestand aus den ursprünglichen

autochthonen Bewohnern des südlichen Rußland. Ein Beweis dafür ist ihre

Sprache, die, obwohl sie viele tatarische und polnische Worte in sich

aufgenommen, immer ihren reinen südslawischen Charakter bewahrt hat, der

dem damaligen russischen sehr ähnlich war, und ein fernerer Beweis ist

ihr Glaube, der immer der griechisch-katholische blieb. Jeder hatte

freien Zutritt zu dieser Gemeinschaft, nur mußte er unbedingt den

griechischen Glauben annehmen. Diese Gesellschaft trug alle Merkmale,

die einer Räuberbande eigen sind, an sich; aber wenn wir näher zusehen,

so finden wir hier Keime eines politischen Organismus und eines

charaktervollen Volkes, das sich gleich zu Anfang seiner Existenz ein

wichtiges Ziel gesetzt hatte, -- den Kampf mit den Ungläubigen und die

Reinerhaltung der eigenen Religion. Das waren jedoch keine strengen

katholischen Ritter, sie erlegten sich weder Gelübde noch Fasten auf;

sie kasteiten sich nicht durch Enthaltsamkeit und Abtötung des

Fleisches; sie waren unbändig wie die Stromschnellen ihres Dnjepr und

vergaßen die ganze Welt bei ihren wilden Gelagen und wüsten Festen. Die

enge Verbrüderung, die unter den Mitgliedern einer Räuberbande herrscht,

verband auch sie miteinander. Alles war Gemeingut -- der Wein, das Geld

und ihre Wohnstätten. Die ewige Angst, die ewige Gefahr flößte ihnen

eine eigentümliche Lebensverachtung ein. Der Kosak kümmerte sich mehr um

sein volles Maß Wein, als um sein Schicksal. Aber bei ihren Überfällen

bewiesen sie Gewandtheit, Schärfe des Geistes und eine große

Geschicklichkeit, aus jedem Umstande Nutzen zu ziehen. Man mußte diesen

Bewohner der Stromschnellen in seiner halb tatarischen und halb

polnischen Tracht, die so recht den Grenzbewohner verrieten, sehen, wenn

er mit asiatischer Gewandtheit auf seinem Roß dahinsprengte, im dichten

Steppengras verschwand, dann wieder mit der Schnelligkeit eines Tigers

aus seinem unsichtbaren Schlupfwinkel hervorstürzte oder ganz in

Schlingpflanzen und Schlamm gehüllt als Schreckgespenst aus dem Sumpf

oder Fluß vor dem fliehenden Tataren auftauchte. Nach solch einem

Überfall bummelte und zechte derselbe Kosak mit seinen Kameraden herum,

vergeudete und verschleuderte die erbeuteten Schätze, war sinnlos

betrunken und lebte sorglos dahin, bis zu einem neuen Kriegszug, wenn

nicht die Tataren ihn überrumpelten, die Sorglosen im betrunkenen

Zustand auseinandertrieben und ihre Ansiedlung bis auf den Grund

zerstörten. Doch bald entstand, wie durch ein Wunder, die Ansiedlung

aufs neue, und ein verheerender, furchtbarer Ausfall gegen die Tataren

rächte die erlittene Schmach. Und wieder begann das alte sorglose und

zügellose Leben.

Sämmtliche Werke 6: Arabesken, Prosaschriften, Rom · 第 18 / 32 题