Das erste Auftauchen der Kosaken fällt, wenn nicht ins Ende des XIII.,
so doch in den Anfang des XIV. Jahrhunderts, in das Jahrhundert, wo der
starke Glaubenseifer in Europa noch nicht erloschen war, und wo sich
plötzlich fast an allen Orten Brüderschaften und Ritterorden bildeten,
ganz im Widerspruch zu der damaligen allgemeinen Zersplitterung; diese
Genossenschaften legten sich mit bewunderungswürdiger Selbstverleugnung
alle möglichen Opfer auf, entsagten den gewöhnlichen Lebensgewohnheiten
der Ehe und wurden zu unbeugsamen Hütern der geistigen Güter der Welt,
und zu ehernen Beschützern des christlichen Glaubens. Je schwächer der
Zusammenhang der damaligen Staaten untereinander war, desto mächtiger
wuchs die furchtbare Macht dieser Verbindungen an. Die Verbreitung des
Islam und das Erstarken der jungen, mächtigen mohammedanischen Völker,
die schon in Europa eingedrungen waren, trugen auch zu ihrem Wachstum
bei. Der Geist dieser Brüderschaften drang überallhin -- er faßte nicht
nur unter den Rittern Fuß -- aber allerdings waren ihre Ziele und Zwecke
nicht immer dieselben. Um diese Zeit entstand in der Nähe der
Stromschnellen ein Städtchen, oder eine Ansiedlung mit Namen
Tscherkassy, die von kühnen Einwanderern gegründet war; ihr Name
erinnert an Bewohner des Kaukasus, denen auch von vielen die Gründung
des Städtchens zugeschrieben wird, denn dies war der Hauptsammelplatz
und Aufenthaltsort der Kosaken. Anfänglich zwangen die häufigen Einfälle
der Tataren in den nördlichen Teil der Ukraine die Bewohner, sich durch
die Flucht zu retten, sich den Kosaken anzuschließen und ihre Zahl zu
vergrößern. Das war ein bunter Haufen der allerverwegensten Vertreter
der angrenzenden Nationen. Wilde Bergbewohner, verarmte Russen,
polnische Leibeigene, die sich dem Despotismus ihrer Herren entzogen
hatten, ja sogar abtrünnige Mohammedaner oder Tataren haben vielleicht
den ersten Grund zu dieser merkwürdigen Gesellschaft am anderen Ufer des
Dnjepr gelegt, die sich später, gleich den Ordensrittern, den
beständigen Kampf mit den Ungläubigen zum Ziel setzte. Dieser
Menschenhaufen besaß keine Befestigungen und keine einzige Burg.
Erdhütten, Höhlen und allerhand Schlupfwinkel zwischen den Felswänden
des Dnjepr, die häufig unter dem Wasser, oder auf den Inseln, oder im
dichten Steppengras gelegen waren, dienten ihnen zum Versteck für sich
selbst und die zusammengeraubten Schätze. Die Nester dieser Räuber waren
unsichtbar; sie kamen plötzlich herangeflogen, bemächtigten sich ihrer
Beute und verschwanden dann wieder. Sie bekämpften die Tataren mit deren
eigenen Waffen, das heißt, sie wandten dabei die Kriegsführung der
Asiaten an und führten Überfälle auf sie aus. Da ihr Leben unter dem
beständigen Druck der Angst stand, wollten auch sie ihrerseits ein
Schreckbild für ihre Nachbarn sein. Die Tataren und Türken mußten jeden
Augenblick eines Überfalls seitens dieser unerbittlichen Bewohner der
Stromschnellen gewärtig sein. Die mohammedanischen Nachbarn wußten
nicht, welchen Namen sie diesem verhaßten Volk geben sollten. Wenn einer
dem anderen seine tiefste Verachtung ausdrücken wollte, so nannte er ihn
einen Kosaken.