VII

Das erste Auftauchen der Kosaken fällt, wenn nicht ins Ende des XIII.,

so doch in den Anfang des XIV. Jahrhunderts, in das Jahrhundert, wo der

starke Glaubenseifer in Europa noch nicht erloschen war, und wo sich

plötzlich fast an allen Orten Brüderschaften und Ritterorden bildeten,

ganz im Widerspruch zu der damaligen allgemeinen Zersplitterung; diese

Genossenschaften legten sich mit bewunderungswürdiger Selbstverleugnung

alle möglichen Opfer auf, entsagten den gewöhnlichen Lebensgewohnheiten

der Ehe und wurden zu unbeugsamen Hütern der geistigen Güter der Welt,

und zu ehernen Beschützern des christlichen Glaubens. Je schwächer der

Zusammenhang der damaligen Staaten untereinander war, desto mächtiger

wuchs die furchtbare Macht dieser Verbindungen an. Die Verbreitung des

Islam und das Erstarken der jungen, mächtigen mohammedanischen Völker,

die schon in Europa eingedrungen waren, trugen auch zu ihrem Wachstum

bei. Der Geist dieser Brüderschaften drang überallhin -- er faßte nicht

nur unter den Rittern Fuß -- aber allerdings waren ihre Ziele und Zwecke

nicht immer dieselben. Um diese Zeit entstand in der Nähe der

Stromschnellen ein Städtchen, oder eine Ansiedlung mit Namen

Tscherkassy, die von kühnen Einwanderern gegründet war; ihr Name

erinnert an Bewohner des Kaukasus, denen auch von vielen die Gründung

des Städtchens zugeschrieben wird, denn dies war der Hauptsammelplatz

und Aufenthaltsort der Kosaken. Anfänglich zwangen die häufigen Einfälle

der Tataren in den nördlichen Teil der Ukraine die Bewohner, sich durch

die Flucht zu retten, sich den Kosaken anzuschließen und ihre Zahl zu

vergrößern. Das war ein bunter Haufen der allerverwegensten Vertreter

der angrenzenden Nationen. Wilde Bergbewohner, verarmte Russen,

polnische Leibeigene, die sich dem Despotismus ihrer Herren entzogen

hatten, ja sogar abtrünnige Mohammedaner oder Tataren haben vielleicht

den ersten Grund zu dieser merkwürdigen Gesellschaft am anderen Ufer des

Dnjepr gelegt, die sich später, gleich den Ordensrittern, den

beständigen Kampf mit den Ungläubigen zum Ziel setzte. Dieser

Menschenhaufen besaß keine Befestigungen und keine einzige Burg.

Erdhütten, Höhlen und allerhand Schlupfwinkel zwischen den Felswänden

des Dnjepr, die häufig unter dem Wasser, oder auf den Inseln, oder im

dichten Steppengras gelegen waren, dienten ihnen zum Versteck für sich

selbst und die zusammengeraubten Schätze. Die Nester dieser Räuber waren

unsichtbar; sie kamen plötzlich herangeflogen, bemächtigten sich ihrer

Beute und verschwanden dann wieder. Sie bekämpften die Tataren mit deren

eigenen Waffen, das heißt, sie wandten dabei die Kriegsführung der

Asiaten an und führten Überfälle auf sie aus. Da ihr Leben unter dem

beständigen Druck der Angst stand, wollten auch sie ihrerseits ein

Schreckbild für ihre Nachbarn sein. Die Tataren und Türken mußten jeden

Augenblick eines Überfalls seitens dieser unerbittlichen Bewohner der

Stromschnellen gewärtig sein. Die mohammedanischen Nachbarn wußten

nicht, welchen Namen sie diesem verhaßten Volk geben sollten. Wenn einer

dem anderen seine tiefste Verachtung ausdrücken wollte, so nannte er ihn

einen Kosaken.

Sämmtliche Werke 6: Arabesken, Prosaschriften, Rom · 第 17 / 32 题