Am meisten hatte Südrußland unter den Tataren zu leiden gehabt.
Niedergebrannte Städte und Felder, verkohlte Wälder, das alte Kiew in
Trümmern, menschenleere Wüsten -- das war der Anblick den dies
unglückliche Land darbot. Die erschrockenen Einwohner flohen nach Polen
oder nach Litauen; zahlreiche Edelleute und Fürsten wanderten nach dem
Norden Rußlands aus. Schon früher war die Zahl der Bevölkerung in dieser
Gegend sichtlich zurückgegangen. Kiew war längst nicht mehr die
Hauptstadt, und die bedeutenderen Fürstentümer hatten sich nach Norden
hinaufgezogen. Es schien, als hätte das Volk seine eigene Nichtigkeit
erkannt, denn es verließ die Plätze, wo die bunte Natur ihre
Erfindungskraft zu entfalten beginnt; herrliche, unübersehbare Steppen
breiten sich hier aus und die verschiedenartigsten Gräser von
gigantischer Höhe bedecken sie; hie und da steigen unvermittelt ganz mit
wilden Kirschbäumen und Edelkirschen übersäte Hügel auf, oder es tut
sich ein blumengeschmückter Abgrund vor uns auf, viele rauschende Flüsse
schlängeln sich durch das Land und bilden entzückende Landschaftsbilder,
gewaltig gleitet der Dnjepr wie ein leuchtendes Band mit seinen
unersättlichen Stromschnellen zwischen großartigen, steilabstürzenden
Ufern und durch unübersehbare Wiesen dahin -- und dies alles erwärmt der
milde Odem des Südens. -- Das Volk verließ diese Gegenden und drängte
sich nach den Teilen Rußlands, wo die Oberfläche der Erde einförmig
glatt und eben, fast immer sumpfig ist, und wo ein paar elende Kiefern
und Fichten aus dem Boden ragen; hier gibt es kein frischpulsierendes
Leben voller Bewegung, sondern nur ein dumpfes Vegetieren, das wie ein
schwerer Druck auf dem Geiste lastet. Es ist, als wäre damit die
Wahrheit des Satzes bewiesen, daß nur ein starkes, lebens- und
charaktervolles Volk Gegenden von großartiger Naturbeschaffenheit
aufsucht, oder daß nur gewaltige und großartige Naturszenerien ein
kühnes, leidenschaftliches, charaktervolles Volk hervorbringen können.