Der Fürst lachte bitter: »Ihr!«

Als Wallenstein sondiert wurde, geschah das, was in der Tat nur Eggenberg

vermutet hatte: er gab eine geradezu abenteuerliche Summe an, die er in

Kürze dem Kaiser vorstrecken würde. Es zeigte sich, daß ihm das Geld nichts

bedeutete, und daß er dem Kaiser mit aller Habe ergeben war. Der Oberst

ließ sich nicht beirren durch das zaghafte Verhalten seiner ehemaligen

Konsorten. Es erwies sich bei dieser Gelegenheit für die Herren seines

Verkehrs zum erstenmal schneidend, daß er offenbar für ihre Existenz kein

Gefühl hatte und ihre Ermahnungen gar nicht in Betracht zog. Ihnen grauste

davor, daß er sich so exponierte; sie fürchteten alle wieder für sich

selbst.

Michna warf sich hündisch an ihn heran. Ihm imponierte die unverständliche

Art, mit der Wallenstein den von Wartenberg behandelt hatte, diese Härte,

die sich hätte vermeiden lassen; Wartenberg war Volksgenosse des Fürsten,

hatte nichts rechtlich verschuldet, man hätte mit ihm über die Grundstücke

verhandeln können. Der Oberst war reich genug, statt dessen zog er nur die

Folgerungen aus der Situation. Michna, der neugierig den Gang dieses

Prozesses verfolgte, fand den Oberst verblüfft über die Frage, warum er den

von Wartenberg nicht schone oder glimpflich behandele. Ja, warum? Warum

sollte er das? Sei er denn ein Kind oder ein Dummkopf? Was möchte wohl

einer von ihm denken: er sei im Vorteil und ließe ihn aus den Händen? Sein

Volksgenosse, gewissermaßen sein Verwandter? Michna sollte sich nicht

lächerlich machen, sie seien von Adam und Eva her allesamt verwandt. Und

Michna fiel in das schallende Lachen des Soldaten ein, freute sich über

dessen festes Auge und das folgende Gespött über das Prinzeßchen Sabine.

Verängstigt lief Michna zu seinem Todfeind, dem Judenprimas Bassewi; aber

sonderbarerweise wußte auch der nichts von den Einzelheiten. Bassewi war

offenbar ebenso beunruhigt über Wallensteins Vorhaben wie sein Gast; sie

suchten sich gegenseitig auszuhorchen, trauten sich zum erstenmal. Michna

schüttete dem Juden sein Herz aus: ob der Oberst etwas gegen ihn plane. In

dem alten Juden, der an Wallenstein hing, regte sich eine Spur Mißtrauen,

das er auch gegen seinen besten Klienten nicht los wurde, weil er ein

Christ war. Wie plante Wallenstein jene ungeheuerliche Summe flüssig zu

machen, von der er zu den Wiener Vertretern gesprochen hatte. Wen hatte er

im Hintergrund. Neue Rebellenopfer gab es nicht mehr. Vielleicht die

Judenschaft, deren Geldverhältnisse er gut kannte, vielleicht plötzlich

Front gegen seine ehemaligen Konsorten, Liechtenstein oder diesen Michna.

Man konnte nicht wissen, wessen man sich von ihm zu versehen hatte. Michna

spionierte; er stellte fest, daß Wallensteins Agenten draußen im Reich

herumreisten, zu erkunden suchten, wie groß die feindlichen Heere seien, wo

die Musterplätze, wieviel Sold man bot. Es konnte alles nur

bramarbasierendes Geschwätz des Obersten gewesen sein, den es im übrigen

nach Kriegsehren gelüstete.

Zum zweitenmal fuhr Graf Meggau, der Obersthofmeister, nach Prag, das

Terrain zu sondieren. Wallenstein tat, als erinnerte er sich seines

Vorschlags gar nicht, schien zurückziehen zu wollen, kam unversehens damit

heraus: welche Sicherheit ihm vom Kaiser geboten würde. Meggau war

überrascht; das war sonst nicht die Art des Fürsten. Im übrigen zeigte es

sich, daß Wallenstein kein Interesse etwa an der Verpfändung eines

Landstücks hatte; er erklärte, die Regierung und planmäßige Bewirtschaftung

seines Areals genüge ihm völlig. So war die Situation völlig unklar.

Meggau, im dunklen Gefühl, hier noch nicht zu Ende zu sein, reiste nicht

ab. Der Fürst erklärte, prüfend den wächsernen eleganten Grafen

betrachtend, eines Morgens, er werde für den Kaiser fünf sechs Regimenter

anwerben, sie installieren und ein Jahr aushalten. Bassewi, Michna fuhren

zu dem Fürsten, boten sich ihm an; der Kaiser sei wieder in Not. Friedland

schien übellaunig; dann erklärte er höflich undurchdringlich, er werde dem

Kaiser als Soldat dienen; wenn es sein sollte, würde er drei Regimenter

aufstellen und unterhalten. Bassewi schüttelte den Kopf; wie man sich in

Menschen täuschen könne; Michna kam aus der Flauheit nicht heraus.

Es waren kaum zwei Tage vorbei, daß Meggau strahlend bei de Witte eintrat,

der mit Michna und Bassewi über eine Transaktion zugunsten des Kaisers

verhandelte und ihnen, stehend, die Arme verschränkend, die abenteuerliche

Mitteilung machte: Wallenstein habe ihm formell, erst schriftlich, darauf

mündlich den Vorschlag gemacht, er werde dem Kaiser eine ganze Armee

aufstellen. Eine ganze Armee.

Der plumpe Michna faßte sich zuerst; wenn Wallenstein dies gesagt hätte, ob

es nicht Abend gewesen sei bei einem Gelage, oder ob er nicht vorher seinen

Wutanfall gehabt hatte. Dann sei alles denkbar.

Meggau, rosig angeglühte Backen, bat um Wein, wiederholte, daß Wallenstein

sich in Ruhe mit ihm auseinandergesetzt hatte, so wie sie jetzt; daß er

zahlreiche Pläne und Berechnungen vor sich gehabt hatte, daß er ihn durch

seinen Kanzler Elz habe zu sich einladen lassen; näheres wolle der Fürst

erst später von sich geben.

Die drei Herren in der Gaststube sahen sich an, suchten in ihren Augen:

»Woher hat er das Geld?« In diesem Augenblick hatten sie alle drei Furcht

und waren bereit, sich gegen Wallenstein zusammenzuschließen.

Bassewi sagte vorsichtig: »Eine Armee ist keine Kleinigkeit; mit einer

Armee kann man viel Unglück anrichten. Wer Soldaten hat, hat die Macht.« De

Witte, mit den Fingern spielend, beruhigte sich: »Wallenstein ist treu

gegen seine Geschäftsfreunde. Er ist der zuverlässigste, klügste Herr, der

mit mir gearbeitet hat.«

»Ist er,« lachte herausfordernd Michna; »aber er war auch einmal gegen

Smirsitzky, sein Mündel, untreu.«

»Das alte Lied«, schüttelte de Witte den Kopf.

Michna bekam grelle Blicke, schrie: »Herr Graf Meggau, Ihr vertraut dem

Obersten Wallenstein so blind. Hat er Euch verraten, woher er das Geld

nehmen will, um den Kaiser zu bezahlen, um ein Heer auf den Fuß zu stellen.

Rechnet Euch aus: was kostet eine Kompagnie, Anrittgeld, Laufgeld,

Equipierung, Proviant, ein Regiment, Berittene, fünftausend Mann mit

Bagage, Artillerie, Brückenzeug, zehntausend Mann, zwanzigtausend. Dann

Werber, Werberlöhne, Beamte, Zahlmeister, woher nimmt er das Geld?«

»Ich hab' ihn nicht gefragt,« schluckte der Graf augenschließend an seinem

Sektbecher, »dies alles ist eben seine Sache. Die Römische Majestät wird

auch nicht danach fragen. Uns liegt daran, daß er sein Wort hält.«

Wallenstein. 1 (of 2) · 第 23 / 34 题