Er faßte ihn vor der Stuhllehne um die Taille. Pavel, ohne sich zu bewegen,
steif wie ein Baumstamm, wurde wenig angehoben. Dann stieß er dem
stöhnenden Mann den Degenkorb gegen die Schläfen.
Der ließ aufschreiend los.
Dighby spuckte im ruhigen Anschreiten den Stock auf den Boden, klopfte
Pavel auf die Schulter: »War gut so, Herr.«
Drei Tage blieb Rusdorf darauf unsichtbar. Kam lärmend heraus, in alle
Ecken sich umblickend. Was inzwischen geschehen sei. Stünde noch alles auf
demselben Fleck wie früher. So mache man Geschichte.
»Der Herr Bruder hat keinen Grund sich zu ereifern.«
Und der Graf von Bristol, immer frisch hinter den Hunden und dicken Weibern
her; Wirtschaft, saubere Wirtschaft. Frech kreischte er, als Dighby um
Mittag erschien. Der ließ es sich schmecken, ohne ihn zu beachten,
konversierte mit Pavel. Nur beim Abschied konnte sich der Graf nicht
enthalten, auf der Schwelle den erregten Rat mit einem kleinen
Peitschenhieb abzuwehren.
»Lustig getäuscht!« duckte sich der, »noch einen, recht, noch einen.«
Als er noch zur Vesperzeit fluchte rumorte, verließ ihn auch Pavel.
Nach schrecklichster Überwindung, fast berauscht vor Angst, betrat dicht
hinter ihm Rusdorf die Gasse. Seine hitzigen Blicke, sein Lippenbeben,
halblautes Selbstgespräch, die englische Tracht fielen auf; die Jungen, die
nachliefen, schrie er an; die Männer Handwerker Studenten suchte er über
Straßen Wege auszuforschen, verließ sie lächelnd mitten in der Antwort.
Verzweifelnd schritt er an der Spitze eines kleinen Volkshaufens, wußte
sich nicht Rat, als sich betrunken zu geben, unter wildem Gejohl nach
Stunden wieder vor dem Quartier zu erscheinen, heraufgeholt von Dighby, der
ihm finster die Kleider abnahm.
Nunmehr ging er frisch im eigenen Kleid öfter aus, begegnete ihm nichts.
Setzte sich weiter in Bewegung. Und eines Tages erfuhr der Lord den
unverhofften Besuch eines Geheimschreibers des kaiserlichen Hohen Rats, von
dem er zu seinem Erstaunen hörte, daß seine Bemühungen im erfreulichen
Einklang mit den Absichten Seiner Majestät wären und daß der Anberaumung
einer Audienz nichts mehr im Wege stände.
An den Haaren zog der Lord den lachenden Rusdorf heraus aus der Kammer:
»Hinter meinem Rücken agiert! Ohne mich zu fragen, ohne mich zu
informieren. Ihr! Ihr! Wer ist die Pfalz. Ich würg den Herrn.« Entzückt
kläffte Rusdorf dagegen. Wildes Lamentieren Dighbys, der davonrannte.
Pavel, der zugegen war, schleppte seine schwermütige Gestalt durch den
Raum, voll Ekels über den Briten und seinen Gefährten. Der Triumph des
andern klang kaum an seine Ohren. Als ihn abends Dighby aufstöberte, roh
schreiend, ob der Herr auch etwas gegen ihn im Sinne habe, sagte Pavel
matt, er würde den Herren beiden nicht lange mehr zur Last fallen, der Herr
möchte nichts von ihm befürchten.
Rusdorf, der sich an Pavel drängte, las abends entsetzt die auf dem Tisch
ausgebreiteten Papiere, Abschiedsbriefe; ruhig ließ ihn der gewähren. Als
aber Rusdorf nach seiner Hand greifen wollte, fuhr der andre wie gestochen
zurück, leise scharf ausstoßend: »Scheusal. Viehisches. Schmieriges. Nicht
mich angerührt.«