durch irgend welche Veränderung im Wasser nicht täuschen lassen. Ich
wiederhole: Wasser ist überall dasselbe, ob es nun aus dem Ozean oder
aus der Kerzenflamme herstammt. Wo ist denn das Wasser, welches wir von
unserer Kerze erhielten? Indes – ich muß hier ein wenig vorweggreifen.
Es ist ganz augenscheinlich, daß das Wasser von der Kerze kommt.
Aber war es denn in der Kerze schon vorhanden? Nein. Es ist nicht
in der Kerze und nicht in der umgebenden Luft, welche die Kerze zur
Verbrennung gebraucht; es ist weder in der einen, noch in der andern,
sondern es entsteht aus ihrer wechselseitigen Einwirkung; der eine
Teil stammt aus der Kerze, der andere aus der Luft. Dies nun ist die
Spur, die wir genau zu verfolgen haben, um zum vollen Verständnis des
chemischen Vorganges zu gelangen, welcher stattfindet, wenn die Kerze
vor uns auf dem Tische brennt. Wie sollen wir dazu gelangen? Ich weiß
Wege genug, aber ich möchte, daß Ihr es durch eigene Überlegung, durch
Nachdenken über das bereits Gesagte auffändet. Ich traue Euch in dieser
Beziehung schon einen ziemlich hellen Blick zu.
[Sidenote: Reaktion von Kalium, Eisen und Zink auf Wasser.]
Bei einem früheren Versuche, den uns Humphry Davy gelehrt, sahen
wir, wie ein Körper, nämlich das Kalium, auf Wasser einwirkte. Um es
Euch ins Gedächtnis zurückzurufen, will ich jetzt das Experiment auf
diesem Teller wiederholen. Wir haben es mit einem Ding zu tun, das
sehr vorsichtig behandelt sein will; denn Ihr seht, wenn ich die Masse
nur mit einem kleinen Tröpfchen Wasser bespritze, so gerät sie sofort
teilweise in Brand; und wenn die Luft frei hinzutreten könnte, so
würde das Ganze schnell in Feuer aufgehen. Es ist dies ein schönes und
glänzendes Metall, welches in der Luft und, wie Ihr wißt, im Wasser
sich äußerst rasch verändert. Ich werde nun ein Stückchen auf Wasser
legen und Ihr seht es wundervoll brennen, indem es eine schwimmende
Lampe bildet, wobei es Wasser anstatt Luft verbraucht. Nehmen wir
ferner ein wenig Eisenfeil- oder Drehspäne und legen sie in Wasser, so
finden wir, daß sie ebenfalls eine Veränderung erleiden. Sie verändern
sich zwar nicht so rasch wie das Kalium, aber im ganzen in derselben
Weise. Sie werden rostig und zeigen eine Einwirkung auf das Wasser, und
wenn auch der Grad derselben ein geringerer ist, als beim Kalium, so
ist doch die Art ihrer Einwirkung auf das Wasser im großen und ganzen
dieselbe. Ich muß Euch bitten, diese verschiedenen Punkte genau zu
merken. Hier habe ich ein anderes Metall, Zink, und als wir uns mit
der festen Masse beschäftigten, die bei seiner Verbrennung entsteht,
hatten wir Gelegenheit, zu sehen, daß es brennbar ist; ich glaube
nun, wenn ich einen kleinen Streifen von diesem Zink nehme und über
die Kerzenflamme halte, so werdet Ihr ein Mittelding vom Verbrennen
des Kalium und von der Einwirkung des Eisens auf Wasser beobachten –
seht, es findet eine Art von Verbrennung statt. Es ist verbrannt, und
das Produkt ist eine weiße Asche. Auch dieses Metall übt eine gewisse
Wirkung auf das Wasser aus.
Nach und nach haben wir gelernt, die Wirkungen dieser verschiedenen
Körper zu beherrschen und sie zu zwingen, uns zu sagen, was wir
wissen wollen. Zunächst noch etwas vom Eisen. Es ist eine gewöhnliche
Erfahrung bei allen chemischen Prozessen, daß sie durch Anwendung
der Wärme gefördert werden, und wenn wir die Wirkung der Körper auf
einander genau und sorgsam studieren wollen, so müssen wir stets den
Einfluß der Wärme mit berücksichtigen. Ihr werdet wohl noch wissen,
daß Eisenfeilspäne sehr schön in der Luft brennen; aber ich will Euch
noch ein anderes Experiment zeigen, welches Euch das Verständnis dessen
erleichtern wird, was ich von der Einwirkung des Eisens auf Wasser
sagen will. Wenn ich eine Flamme nehme und sie hohl mache – Ihr wißt,
warum: ich will ihr Luft sowohl von innen als von außen zuführen – und
streue dann Eisenfeilspäne in die Flamme, so seht Ihr sie recht hübsch
brennen. Diese Verbrennung wird natürlich durch den chemischen Prozeß
bewirkt, der bei der Entzündung dieser Teilchen vor sich geht. Und so
wollen wir nun weiter fortschreiten und untersuchen, was das Eisen tut,
wenn es mit Wasser in Berührung kommt. Es wird uns seine Geschichte so
schön, so stufenweise und regelmäßig erzählen, daß ich glaube, es wird
Euch sehr gefallen.
[Illustration: Fig. 14.]
[Sidenote: Zerlegung des Wasserdampfs.]
Ich habe hier einen Schmelzofen, durch den eine eiserne Röhre, ein
Flintenlauf, geht; diesen Lauf habe ich mit blanken Eisendrehspänen
vollgestopft und ins Feuer gelegt, um ihn rotglühend zu machen. Wir
können entweder Luft durch den Lauf streichen lassen, um sie mit den
Drehspänen in Berührung zu bringen, oder wir können aus diesem kleinen
Kochgefäß am Ende des Laufs Wasserdampf hindurchschicken. Hier ist
ein Hahn, der den Dampf so lange vom Laufe abschließt, bis wir ihn
hindurchlassen wollen. In diesen Glasgefäßen links ist etwas Wasser,
welches ich blau gefärbt habe, damit Ihr besser seht, was darin vor
sich geht. Nun wißt Ihr doch recht gut, daß der Dampf, wenn ich ihn
durch diesen Lauf und alsdann durch das kalte Wasser leite, sich
eigentlich wieder verdichten müßte; denn Ihr habt gesehen, daß der
Wasserdampf seine Gasform nicht behalten kann, sobald er abgekühlt
wird. Ihr saht, wie er hier [auf den eingedrückten Blechzylinder[10]
zeigend] sich auf einen so kleinen Raum zusammenzog, daß das Gefäß von
der äußeren Luft eingedrückt wurde. Also – lasse ich Dampf durch den
Lauf hindurchgehen, so wird er kondensiert werden – vorausgesetzt,
daß der Lauf kalt geblieben wäre. Aber um das Experiment machen zu
können, das ich Euch jetzt zeigen will, ist er eben erhitzt worden.
Ich lasse nun den Dampf in kleinen Mengen durch den Lauf hindurch, und
Ihr sollt selbst sagen, ob es noch Dampf ist. Der Dampf läßt sich zu
Wasser verdichten; setzt man seine Temperatur herab, so verwandelt er
sich zurück in flüssiges Wasser; nun habe ich doch die Temperatur des
Gases, welches ich in diesem Gefäß aufgefangen, dadurch verringert,
daß ich es nach seinem Austritt aus dem Flintenlauf durch Wasser
gehen ließ, und trotzdem will es nicht wieder zu Wasser werden. Ich
will noch einen andern Versuch damit anstellen. [Ich halte das Gefäß
umgekehrt, damit mir das Gas nicht entwischt.] Wenn ich ein Licht an
die Öffnung des Gefäßes bringe, so fängt dessen Inhalt mit gelindem
Geräusch Feuer. Dies sagt Euch, daß es kein Wasserdampf ist; Dampf
löscht ein Licht aus, brennt aber nicht, während Ihr doch das, was ich
in dem Gefäße habe, brennen seht. Wir können dieses Gas ebenso aus dem
Wasser erhalten, welches aus der Kerze oder auf andere Art gewonnen
wurde. Wenn es durch Einwirkung der Eisenspäne auf den Wasserdampf
entsteht, so bleibt das Eisen in einem ähnlichen Zustande zurück,
wie die Feilspäne, wenn sie verbrannt werden. Das Eisen hat dabei an
Gewicht zugenommen. So lange das Eisen in der Röhre allein bleibt, und
ohne Zutritt von Luft oder Wasser erhitzt und wieder abgekühlt wird,
verändert es sein Gewicht nicht; ist aber ein solcher Dampfstrom
darüber hinweggegangen, so wird es schwerer, weil es einen Bestandteil
des Dampfes in sich aufgenommen hat, während der andere Bestandteil
weiterging und hier von uns aufgefangen wurde. Und nun, da wir noch ein
anderes Gefäß voll haben, will ich Euch daran eine sehr interessante
Erscheinung zeigen. Es ist ein brennbares Gas, und ich könnte den
Inhalt des Gefäßes auf einmal anzünden, um Euch das zu beweisen;
aber ich will Euch mehr zeigen, wenn es geht. Es ist auch eine sehr
leichte Substanz. Es steigt in der Luft empor und läßt sich nicht wie
Wasserdampf verdichten. Ich nehme ein anderes Glasgefäß, welches nichts
als Luft enthält; wenn ich es mit einem Wachsstock untersuche, finde
ich, daß nichts als Luft darin ist. Ich nehme nun dieses Gefäß mit
unserm neuen Gase und verfahre mit demselben, als ob es ein leichter
Körper wäre. Ich halte zunächst beide Gefäße neben einander, die
Mündungen nach unten. Nun kehre ich das mit dem neuen Gas gefüllte um,
so daß seine Mündung aufwärts und gerade unter die Mündung des mit Luft
gefüllten kommt. Das, welches vorhin das Gas enthielt, was enthält es
jetzt? Ihr findet, daß es nur Luft enthält. Aber seht! Hier in dem
andern Gefäß ist das brennbare Gas, das ich also aus einem Gefäß in das
andere, und zwar aufwärts ausgegossen habe. Es besitzt noch gänzlich
seine vorigen Eigenschaften und verharrt in seiner Selbständigkeit; und
es ist für unsere weiteren Untersuchungen über die Verbrennungsprodukte
der Kerze von großem Wert.
[Illustration: Fig. 15.]
[Illustration: Fig. 16.]
[Sidenote: Wasserstoff.]
Wir können aber die Substanz, welche wir eben durch die Einwirkung
des Eisens auf Dampf oder Wasser bereitet haben, auch mit Hilfe
jener anderen Körper darstellen, die Ihr bereits so schön auf Wasser
habt wirken sehen. Wenn ich ein Stück Kalium nehme, und die nötigen
Vorkehrungen treffe, so gewinne ich dasselbe Gas; und wenn ich dafür
ein Stück Zink anwende, so finde ich bei genauer Untersuchung, daß es
zunächst in gleicher Weise einwirkt. Aber das nächste Produkt dieser
Einwirkung hüllt das Zink gleichsam wie ein Mantel ein, so daß das
metallische Zink nicht mehr direkt mit Wasser in Berührung steht. Wir
können deshalb, wenn wir nur Zink und Wasser in unser Gefäß tun, keine
großen Resultate erhalten; und in der Tat zeigen diese beiden Körper
für sich allein nur wenig Einwirkung. Nehme ich aber jenen Überzug
hinweg, löse ich die einhüllende Substanz ab, was ich durch ein wenig
Säure leicht bewerkstelligen kann, so finde ich sogleich, daß das
Zink gerade so auf das Wasser wirkt wie Eisen, aber bei gewöhnlicher
Temperatur. Die Säure ermöglicht dieses, indem sie mit dem Zinkoxyd,
das sich gebildet hat, in Verbindung tritt. Ich habe jetzt die Säure in
das Glas gegossen, und es ist gerade, als hätte ich den Inhalt erhitzt,
um dies scheinbare Aufkochen zu bewirken. Es steigt nun etwas vom Zink
auf, sehr reichlich; das ist aber kein Dampf. Hier habe ich ein Gefäß
voll davon, und Ihr werdet finden, daß ich genau dieselbe brennbare
Substanz habe, die auch in dem Gefäß bleibt, wenn ich es umkehre, wie
die, welche ich bei dem Experiment mit dem Flintenlauf gewann. Dieses
aus dem Wasser dargestellte Gas ist wiederum dasselbe, wie es in der
Kerze enthalten ist.
[Illustration: Fig. 17.]
Versuchen wir nun, den Zusammenhang zwischen diesen beiden
Erscheinungen genau zu bestimmen. Hier ist Wasserstoff – ein Körper,
den man in der Chemie unter die sogenannten Elemente zählt, das sind
Körper, die man nicht weiter in verschiedenartige Stoffe zerlegen
kann. Eine Kerze ist kein Element, denn wir können aus ihr Kohle
darstellen; wir können ferner aus ihr, oder doch aus dem Wasser, das
sie liefert, Wasserstoff darstellen. Der Wasserstoff wird nach dem
Griechischen auch _Hydrogen_ genannt, weil er das Element ist, das in
Verbindung mit einem anderen Wasser erzeugt (ὕδωρ, Wasser – γεννάω, ich
erzeuge). Nachdem nun Herr Anderson zwei oder drei Gefäße mit dem Gase
gefüllt hat, werde ich Euch jetzt ein paar Experimente damit zeigen.
Ich habe kein Bedenken, sie Euch zu zeigen; denn ich wünsche sogar,
daß Ihr sie nachmacht, wenn Ihr es nur mit Vorsicht und Aufmerksamkeit
und unter Zustimmung Eurer Umgebung tut. Je weiter wir in der Chemie
vorrücken, desto häufiger sind wir genötigt, mit Stoffen umzugehen, die
an unrechter Stelle leicht Unheil anrichten können; die Säuren, die
leicht entzündlichen Stoffe, die wir gebrauchen, auch das Feuer, können
verletzen, wenn sie sorglos gehandhabt werden. Wenn Ihr Wasserstoff
darstellen wollt, so könnt Ihr das ganz leicht mittelst Zinkstückchen,
Schwefel- oder Salzsäure und Wasser. Hier habe ich, wie man sie früher
nannte, eine »Philosophen-Lampe«. Es ist ein kleines Fläschchen mit
einem Kork und einer Glasröhre durch denselben. Ich tue jetzt ein paar
kleine Stückchen Zink hinein. Dieser kleine Apparat ist sehr nützlich
für unsere Demonstration; ich werde Euch zeigen, wie Ihr damit Hydrogen
machen und einige Experimente zu Hause anstellen könnt. Ich will Euch
sagen, warum ich die Flasche so sorgfältig fast voll, aber doch nicht
ganz voll mache. Ich tue es, weil das herausströmende Gas, von dem
Ihr wißt, daß es sehr leicht brennt, explodieren und dadurch Unheil
anrichten würde, wenn es beim Anzünden noch mit Luft vermischt wäre,
wenn ich es also an der Öffnung der Röhre entzündete, bevor alle Luft
aus dem Raume über dem Wasser verdrängt ist. Ich tue nun Schwefelsäure
hinein. Ich wähle das Mengenverhältnis von Zink, Schwefelsäure und
Wasser so, daß ich einen regelmäßigen Strom erhalte – nicht zu schnell
und nicht zu langsam. Wenn ich jetzt ein Glas nehme und es verkehrt
über das Ende der Röhre halte, so wird es sich mit Wasserstoffgas
füllen, und ich denke, dasselbe wird sich, weil es leichter ist als
Luft, einige Zeit darin halten. Wir wollen jetzt den Inhalt unseres
Glases prüfen, um zu sehen, ob es Wasserstoff enthält – nun, ich denke
wir können sagen, wir haben es [indem er es anzündet] – da ist’s,
seht![11] Ich werde es nun am oberen Ende der Röhre anzünden. Seht,
der Wasserstoff brennt. Da haben wir unsere Philosophenkerze. Es ist
nur ein ärmliches, schwächliches Flämmchen, mögt Ihr sagen; es ist
aber so heiß, daß kaum eine andere gewöhnliche Flamme eine so große
Hitze liefert. Es brennt regelmäßig weiter, und ich will diese Flamme
nun unter einer besonderen Vorrichtung brennen lassen, damit wir
ihre Verbrennungsprodukte prüfen und den möglichsten Nutzen aus dem
Versuche ziehen können. Da doch die Kerze Wasser entwickelt und dieses
Gas aus dem Wasser kommt, so wollen wir nun sehen, was uns dieses
durch denselben Verbrennungsprozeß liefert, dem die Kerze unterlag,
als sie an der atmosphärischen Luft brannte, und ich setze die Lampe
deshalb unter diesen Apparat, um das zu verdichten, was aus der
Wasserstoffflamme in denselben aufsteigt.
Nach kurzer Zeit werdet Ihr die Feuchtigkeit im Zylinder erscheinen
und Wasser an den Wänden herablaufen sehen, und dieses Wasser aus
unserer Wasserstoffflamme wird ganz eben dieselben Wirkungen auf unsere
Prüfungsmittel ausüben, wie wir sie früher bei demselben Verfahren
beobachtet haben.
[Illustration: Fig. 18.]
Der Wasserstoff ist so leicht, daß er andere Körper emporhebt; er
ist bedeutend leichter als die atmosphärische Luft, und ich werde
Euch das an einem Experiment zeigen, welches wohl Einige von Euch bei
einiger Sorgfalt nachmachen können. Hier ist unser Wasserstofferzeuger,
und hier ist etwas Seifenwasser. Ich habe einen Kautschukschlauch
mit dem Wasserstoffapparat verbunden und am Ende der Röhre eine
Tonpfeife angebracht. Ich kann die Pfeife in das Wasser stecken und
mit Hilfe des Wasserstoffs Seifenblasen machen. Ihr seht, daß die
Blasen herabfallen, wenn ich sie mit meinem warmen Atem aufblase; nun
aber bemerkt den Unterschied, wenn ich sie mit Wasserstoff aufblase!
[Der Vortragende macht einige Wasserstoffblasen, die an die Decke des
Zimmers emporsteigen.] Da seht Ihr, wie leicht das Gas sein muß, da es
nicht allein die Seifenblase selbst, sondern auch noch einen großen
Tropfen, der unten daran hängt, mit in die Luft nimmt. Ich kann seine
Leichtigkeit auf noch bessere Weise zeigen; auch größere Blasen als
diese können so emporgehoben werden, und man gebrauchte es in der Tat
früher zum Füllen der Luftballons. Herr Anderson wird diese Röhre an
unsern Apparat befestigen, und wir werden hier einen Wasserstoffstrom
erhalten, mit dem wir diesen Ballon aus Kollodium füllen wollen.
Ich brauche mir auch gar keine große Mühe zu geben, alle Luft aus
dem Ballon zu verdrängen, denn die Hebekraft des Gases ist sehr
bedeutend. [Zwei Kollodiumballons werden gefüllt und losgelassen, von
denen der eine an einer Schnur gehalten wird.] Hier ist ein anderer,
größerer Ballon, aus ganz dünnem Häutchen verfertigt, den wir füllen
und aufsteigen lassen wollen. Ihr werdet sehen, daß sie so lange
herumfliegen, bis alles Gas daraus entwichen ist.
Die außerordentliche Leichtigkeit des Wasserstoffs wird Euch noch
deutlicher werden, wenn wir sein Gewicht mit dem eines anderen
bekannten Stoffes, z. B. des Wassers, vergleichen. 1 Liter Wasser wiegt
wie Ihr wißt, 1 Kilogramm oder 1000 Gramm; 1 Liter Wasserstoffgas wiegt
– unter gewöhnlichen Umständen – noch nicht ¹/₁₀ Gramm! Und während
1 Kilogramm Wasser den Raum von 1 Liter einnimmt, würde 1 Kilogramm
Wasserstoff, wie wir ihn hier auffangen, mehr als 11000 Liter erfüllen.
Der Wasserstoff erzeugt keine Verbindung, die während der Verbrennung
oder später als Verbrennungsprodukt fest wird; wenn er verbrennt,
so liefert er nur Wasser; wenn wir ein kaltes Glas nehmen und es
über die Flamme halten, so wird es undurchsichtig, und wir erhalten
augenblicklich Wasser in merklicher Menge; und nichts anderes wird bei
seiner Verbrennung erzeugt, als eben dasselbe Wasser, welches Ihr bei
der Verbrennung der Kerze entstehen saht. Es ist wichtig festzuhalten,
daß Wasserstoff der einzige Körper in der Natur ist, welcher Wasser als
das einzige Produkt seiner Verbrennung erzeugt.
[Sidenote: Volta’sche Säule.]
Wir sind jetzt genötigt, noch einige nachträgliche Versuche über
die allgemeinen Eigenschaften und die Zusammensetzung des Wassers
anzustellen, weswegen ich Euch noch eine kurze Zeit in Anspruch nehmen
muß; wir sind dann bei unserer nächsten Zusammenkunft besser auf den
Gegenstand vorbereitet. Wir haben es in der Gewalt, das Zink, welches
Ihr mit Hilfe von Säure auf das Wasser wirken sahet, so in Tätigkeit zu
setzen, daß sich alle Kraft an den Ort wendet, wohin wir es wünschen.
Ich habe hinter mir eine Volta’sche Säule und will Euch zum Schluß des
heutigen Vortrags ihre eigentümlichen Kräfte zeigen. Ich halte hier die
Drahtenden, welche die Kraft fortleiten, und will sie auf Wasser wirken
lassen.
Wir haben früher gesehen, was das Kalium für eine Verbrennungskraft
besitzt, ebenso das Zink und die Eisenfeilspäne; aber bei keinem
zeigt sich so energische Kraft wie hier. [Der Vortragende läßt die
beiden Enden der Leitung sich berühren, und es zeigt sich ein
glänzendes Licht.] Dieses Licht ist durch die Kraft von 40 Zinkplatten
hervorgebracht; es ist eine Kraft, die ich durch diese Drähte ganz nach
meinem Belieben leiten kann, obwohl sie mich, wenn ich sie auf meinen
Körper wirken ließe, im Augenblick vernichten würde, und so groß ist
die Kraft, die Ihr hervorgebracht seht, während Ihr 5 zählt, [indem er
die Pole in Berührung bringt und das elektrische Licht erzeugt], daß
sie der Gewalt manchen Gewitters gleich zu schätzen ist. Damit Ihr eine
Anschauung von dieser ihrer Energie bekommt, will ich die Drahtenden
nehmen, welche die Kraft von der Batterie hierherleiten, und seht:
diese Eisenfeilspäne kann ich damit verbrennen! Nun, diese gewaltige
chemische Kraft werde ich bei unserer nächsten Zusammenkunft auf Wasser
wirken lassen, und Ihr werdet sehen, was der Erfolg sein wird.
Fußnoten:
[7] Kondensieren gleich verdichten.
[8] Brunnen-, Fluß- oder Meerwasser enthält stets mehr oder
weniger feste Stoffe aufgelöst, das Meerwasser Salz,
sogenanntes hartes Wasser Kalk. Um es davon zu befreien und
»reines Wasser« im Sinne des Chemikers zu erhalten, wird
es _destilliert_, d. h. in Dampf verwandelt und wieder zu
flüssigem Wasser verdichtet (siehe weiter unten).
[9] Dies bewirkt der Druck der Luft, welcher von außen auf das
Gefäß wirkt. So lange dasselbe mit Wasserdampf gefüllt war,
drückte dieser von innen dagegen und hob die Wirkung des
äußeren Luftdruckes auf; nach der Verdichtung zu flüssigem
Wasser hört aber dieser innere Gegendruck auf, und die
Folge ist das Zerknicken des Zylinders.
[10] Siehe Fig. 12, Seite 91.
[11] Für diese Probe wähle man ein kleines, nicht zu weites
Glas, z. B. ein Likörgläschen. Wenn dasselbe reines, also
luftfreies Wasserstoffgas enthält, so entzündet sich sein
Inhalt beim Annähern eines brennenden Körpers und mit einem
leichten Knall. Tritt statt dessen ein Pfeifen, oder gar
ein stärkerer Knall auf, so ist dies ein Zeichen, daß dem
Gase noch Luft beigemengt war; in diesem Falle darf das aus
der Röhre ausströmende Gas durchaus noch nicht angezündet
werden.
Vierte Vorlesung.
Chemische Wirkungen des elektrischen Stroms. Zerlegung des
Wassers durch denselben. Wiederbildung von Wasser durch
Entzündung des Knallgases. Sauerstoff, der zweite Bestandteil
des Wassers. Quantitative Zusammensetzung des Wassers.
Darstellung und Eigenschaften des Sauerstoffs. Seine Rolle bei
den Verbrennungserscheinungen.
Wir haben an unserer brennenden Kerze gefunden, daß sie Wasser erzeugt,
welches genau dem Wasser gleich ist, das wir in der Natur um uns
her antreffen; und bei weiterer Untersuchung dieses Wassers fanden
wir darin jenen merkwürdigen Körper – den Wasserstoff, jene leichte
Substanz, von der wir dort in dem Gefäße noch etwas vorrätig haben. Wir
sahen darauf die Glühhitze, mit der das Wasserstoffgas brennt, und daß
dabei Wasser entsteht. Und zuletzt habe ich Eure Aufmerksamkeit auf
einen Apparat gelenkt, von dem ich kurz sagte, er sei eine Anordnung
von gewaltiger chemischer Kraft, und zwar so eingerichtet, daß er
seine Kraft durch diese Drähte uns zuführt; auch sagte ich noch, ich
würde seine Kraft auf das Wasser einwirken lassen. Das nun will ich
jetzt tun, um das Wasser in seine Bestandteile zu zerlegen, damit wir
sehen, was außer dem Wasserstoff noch im Wasser enthalten ist; denn wir
bekamen damals, als wir den Wasserdampf durch den glühenden Flintenlauf
streichen ließen, durchaus nicht das Gewicht des Wassers zurück,
welches wir in Dampfform angewandt hatten, obgleich wir eine große
Menge Gas gewannen. Wir müssen nun also sehen, was für eine andere
Substanz noch darin enthalten ist.
[Sidenote: Wirkungen der Volta’schen Säule.]
Damit Ihr die Eigentümlichkeiten der Volta’schen Säule kennen und die
Vorteile, die sie uns bietet, schätzen lernt, wollen wir jetzt etliche
Experimente anstellen. Wir wollen zuerst einige Substanzen ihrer
Einwirkung aussetzen, die wir kennen, und dann sehen, was unser Apparat
mit ihnen vornimmt. Hier ist etwas Kupfer (beobachtet die verschiedenen
Veränderungen, die es erleiden kann!) und hier ist Salpetersäure, Ihr
werdet nun finden, daß die letztere, da sie ein starkes chemisches
Agens ist, bedeutend auf das Kupfer einwirkt, wenn ich sie damit
zusammenbringe. Ihr seht jetzt einen schönen roten Dampf aufsteigen;
aber da wir diesen Dampf nicht gebrauchen und ihn auch nicht einatmen
wollen, so wird Herr Anderson das Gefäß einige Zeit unter den Rauchfang
halten, damit wir Nutzen und Schönheit des Experiments zugleich haben
ohne die Belästigung. Das Kupfer, welches ich in die Flasche gelegt
habe, löst sich auf, es verwandelt die Säure und das Wasser in eine
blaue Flüssigkeit, die Kupfer und andere Dinge enthält, und ich
will Euch dann zeigen, wie die Volta’sche Batterie damit verfährt.
Inzwischen aber wollen wir einen anderen Versuch anstellen, der Euch
die Kraft derselben zeigen soll. Hier ist eine Substanz, die uns wie
Wasser erscheint, d. h. sie enthält Bestandteile, die wir jetzt noch
nicht kennen, ebenso wie das Wasser einen Bestandteil enthält, den wir
noch nicht kennen. Diese Auflösung eines Salzes will ich nun auf Papier
bringen, darauf ausbreiten und dann die Kraft der Batterie darauf
wirken lassen. Paßt auf, was geschieht! Drei oder vier wichtige Dinge
geschehen, von denen wir Nutzen ziehen wollen. Ich lege dieses nasse
Papier auf ein Stück Zinnfolie, die sich zu diesem Zweck gut eignet.
Ihr sehet, die Lösung ist durchaus nicht verändert worden, weder durch
das Papier, worauf ich sie geschüttet, noch durch die Zinnfolie, noch
durch irgend etwas anderes, was ich damit in Berührung gebracht habe;
es steht uns also frei, unsern Apparat darauf wirken zu lassen. Indes
wollen wir erst zusehen, ob dieser ganz in Ordnung ist. Hier sind die
Drähte. Wir wollen doch einmal sehen, ob er sich noch in dem Zustande
wie das letzte Mal befindet. Das können wir bald erfahren. Wenn ich die
Drahtenden jetzt zusammenbringe, so erhalten wir keine Kraftäußerung,
da die Leiter (die wir Elektroden nennen), die Durchgänge oder Wege
für die Elektrizität, unterbrochen sind; aber jetzt hat mir Herr
Anderson hierdurch [indem er sich auf einen plötzlich aufleuchtenden
Blitz bezieht], telegraphiert, daß alles bereit ist. Ehe wir unsern
Versuch beginnen, soll Herr Anderson wieder den Kontakt an der Batterie
hinter mir unterbrechen, und wir wollen einen Platindraht zwischen
die Pole spannen, und dann, wenn ich finde, daß ich diesen Draht in
ziemlicher Länge glühend machen kann, sind wir des Erfolges bei unserm
Experimente sicher. Sogleich werdet Ihr die Kraft in Tätigkeit sehen.
[Die Verbindung wird hergestellt, und der zwischenliegende Draht wird
rotglühend.] Die Kraft geht wundervoll durch den Draht hindurch, und
nun, da wir ihrer Gegenwart sicher sind, wollen wir zu ihrer Anwendung
bei Untersuchung des Wassers schreiten.
Hier habe ich zwei Platinbleche[12], und wenn ich sie auf dieses Stück
Papier lege (das angefeuchtete Papier auf der Zinnfolie), so werdet
Ihr durchaus keine Wirkung sehen; ich nehme sie in die Höhe, und Ihr
seht, daß keine Veränderung eingetreten, sondern alles noch ist, wie
zuvor. Jetzt indessen seht, was geschieht: wenn ich diese beiden Pole
(d. i. die Enddrähte der Batterie) nehme und einen oder den andern
jeden besonders auf die Platinplättchen lege, so richten sie gar
nichts aus – beide sind vollständig ohne Wirkung; wenn ich sie aber
beide in demselben Augenblicke in Kontakt damit setze – seht her,
was sich ereignet! [Ein dunkler Fleck erscheint unter jedem Pole der
Batterie.] Ihr seht, daß sich von dem Weißen etwas abgetrennt hat –
etwas Dunkles.[13] Ich zweifle nicht, daß, wenn ich den einen Pol an
die Zinnfolie auf der andern Seite des Papiers anbringen würde, ich
eine ebenso schöne Wirkung auf dem Papier bekomme, und ich möchte wohl
versuchen, ob ich damit nicht schreiben kann, etwa ein Telegramm. [Der
Vortragende schreibt mit dem einen Draht das Wort »Jüngling« auf das
Papier.] Seht, zu welch wunderschönen Resultaten wir gelangen!
Ihr seht, wir haben aus dieser Lösung etwas gezogen, was wir vorher
nicht kannten. Jetzt wollen wir diese Flasche aus Herrn Anderson’s
Hand nehmen und zusehen, was wir daraus abscheiden können. Sie
enthält, wie Ihr wißt, eine Flüssigkeit, welche wir soeben aus Kupfer
und Salpetersäure selbst dargestellt haben, indes wir unsere andern
Versuche vornahmen. Obwohl ich das Experiment etwas zu hastig machen
muß und dabei gern mancher kleine Fehler unterläuft, so will ich Euch
doch lieber zusehen lassen, was ich mache, als alles schon im voraus zu
bereiten.
Nun paßt auf, was geschieht! Diese zwei Platinplatten sind die beiden
Enden des Apparats (oder vielmehr, ich werde sie gleich dazu machen),
und ich will sie in Berührung mit jener Lösung bringen, gerade, wie
wir oben mit dem Papier gemacht haben. Es kümmert uns nicht, ob die
Lösung in dem Papier oder in dem Gefäß ist, wenn wir nur die Enden des
Apparats mit derselben in Berührung bringen. Wenn ich diese beiden
Platinbleche allein hineintauche, so kommen sie so rein wieder heraus,
wie sie hinein kamen [indem er sie in die Flüssigkeit taucht, ohne
sie mit der Batterie zu verbinden]; wenn wir aber die Kraft unserer
Batterie hinzunehmen, und sie nun hineinlegen [die Bleche werden
mit der Batterie verbunden und wieder hineingetaucht], so seht Ihr
[indem er eins der Bleche herausnimmt], daß dieses plötzlich in Kupfer
verwandelt zu sein scheint, wie wir es ursprünglich hatten; es ist wie
ein kleiner Kupferteller geworden; dieses Blech hingegen [indem er das
andere Platinblech herausnimmt] kommt ganz rein heraus. Wenn ich das
verkupferte Stück auf die andere Seite nehme, so geht das Kupfer von
der rechten zur linken Seite; die früher verkupferte Fläche erscheint
nun rein, und die Fläche, welche früher rein war, kommt jetzt mit
Kupfer bekleidet heraus; und so seht Ihr, daß wir dasselbe Kupfer,
welches wir in die Lösung brachten, auf diese Weise mit unserm Apparat
wieder herausnehmen können.
[Illustration: Fig. 19.]
[Sidenote: Zerlegung des Wassers durch Elektrizität.]
Lassen wir nun aber das Kupfer bei Seite und sehen zu, welche Wirkung
der Apparat auf das bloße Wasser ausübt. Hier sind zwei kleine
Platinplatten, welche ich zu den Enden der Batterie machen werde, dies
kleine Gefäß (~C~) ist so beschaffen, daß ich es in Teile zerlegen und
Euch seine Konstruktion zeigen kann. In diese zwei Schälchen gieße
ich Quecksilber, welches die Enden der Drähte ~A~ und ~B~ berührt,
die mit den Platinplatten verbunden sind. In das Gefäß ~C~ gieße ich
Wasser, das ein wenig Säure enthält (was nur geschieht, um die Wirkung
zu erleichtern, sonst aber keinen Einfluß auf den Prozeß ausübt),
und verbinde mit der Öffnung des Gefäßes eine gebogene Röhre (~D~),
welche Euch an die Röhre erinnern mag, die mit dem Flintenlauf in
unserem Ofen-Experiment verbunden war, und die jetzt unter dem Gefäß
~F~ mündet. Unser Apparat ist nun fertig, und wir wollen jetzt auf
eine oder die andere Weise auf das Wasser einzuwirken suchen. In dem
früheren Falle ließ ich das Wasser durch eine rotglühende Röhre gehen;
jetzt dagegen lasse ich Elektrizität durch den Inhalt des Gefäßes
gehen. Vielleicht bringe ich das Wasser zum Kochen; wenn es kocht,
erhalte ich Dampf; Ihr wißt, daß Wasserdampf sich verdichtet, wenn er
kalt wird, und werdet daraus erkennen, ob ich das Wasser koche oder
nicht. Vielleicht aber bringe ich es gar nicht zum Kochen, sondern rufe
eine andere Wirkung hervor. Ich will Euch das Experiment vormachen,
paßt auf! Den einen Draht will ich auf dieser Seite (~A~) und den
andern auf jener (~B~) anbringen, und Ihr werdet sehen, ob irgend
eine Veränderung eintritt. Hier scheint es aufzukochen; aber kocht
es? Wir wollen nachsehen, ob es in Dampfform austritt oder nicht. Ich
glaube, Ihr würdet das Gefäß (~F~) bald mit Dampf gefüllt sehen, wenn
das, was vom Wasser aufsteigt, Dampf wäre. Aber kann das Dampf sein?
O gewiß nicht! Ihr seht ja, es bleibt unverändert. Es bleibt da über
dem Wasser stehen, kann also kein Dampf sein, sondern wir müssen da
irgend ein permanentes Gas[14] vor uns haben. Was aber ist es? Ist
es Wasserstoff? Ist es etwas anderes? Nun, wir wollen es prüfen. Wenn
es Wasserstoff ist, wird es brennen. [Der Vortragende zündet einen
Teil des gesammelten Gases an, welches mit einer Explosion verbrennt.]
Es ist sicherlich etwas Brennbares, aber nicht in derselben Weise
brennbar wie Wasserstoff, denn Wasserstoff würde kein solches Geräusch
gemacht haben; aber die Farbe des Lichtes, das sich beim Brennen
zeigte, glich der des Wasserstoffs. Dabei ist aber noch besonders
merkwürdig: es brennt ohne Zufuhr von Luft. Um Euch die besonderen
Eigentümlichkeiten dieses Vorganges zu zeigen, habe ich noch einen
andern Apparat aufgestellt. An Stelle eines offenen Gefäßes habe ich
ein geschlossenes genommen, und ich will Euch zeigen, daß dieses Gas,
was es auch sein mag, die Fähigkeit besitzt, ohne Luft zu brennen und
sich in dieser Beziehung von der Kerze unterscheidet, die ohne Luft
nicht brennen kann. Wir machen dies folgendermaßen: Ich habe hier ein
Glasgefäß (~G~), welches mit zwei Platindrähten (~K~ und ~I~) verbunden
ist, durch die ich einen elektrischen Funken überspringen lassen kann;
wir können das Gefäß auf eine Luftpumpe setzen und die Luft auspumpen,
und wenn dies geschehen, können wir es hierher bringen, auf dem Gefäß
(~F~) befestigen und durch Oeffnen der Hähne ~H~ ~H~ ~H~ das Gas
hineinlassen, welches durch die Einwirkung der _Volta_’schen Säule
auf das Wasser entstand, und welches wir also durch eine Verwandlung
des Wassers aus diesem erhielten – denn ich kann so weit gehen und
in der Tat sagen, wir haben durch unser Experiment das Wasser in
Gas verwandelt. Wir haben nicht nur seine Beschaffenheit verändert,
sondern es auch wirklich und vollständig in diese gasförmige Substanz
übergeführt. Wenn ich nun also das Gefäß (~G~) auf das Gefäß (~F~)
aufschraube, indem ich die Röhren gut verbinde, und dann die Hähne
öffne, so werdet Ihr an dem Steigen des Wassers in (~F~) sehen, daß das
Gas nach oben geht. Jetzt ist das Gefäß (~G~) ganz damit angefüllt;
ich schließe nun die Hähne, nehme das Gefäß vorsichtig herunter und
will jetzt einen elektrischen Funken aus der Leydener Flasche (~L~)
hindurchschlagen lassen, wodurch das Gefäß, welches jetzt ganz klar
ist, trüb werden wird. Es wird dadurch nicht zertrümmert werden, denn
es ist stark genug, um die Explosion auszuhalten. [Der Vortragende
läßt einen Funken hindurchschlagen, durch den die explosionsfähige
Mischung entzündet wird.] Saht Ihr das glänzende Licht? Wenn ich dieses
Gefäß nun wieder an das untere Gefäß anschraube und die Hähne öffne,
so werdet Ihr am Nachsteigen des Wassers erkennen, daß das Gas zum
zweiten Male steigt. [Die Hähne werden geöffnet.] Das zuerst in dem
Gefäß gesammelte und eben durch einen elektrischen Funken entzündete
Gas ist verschwunden, wie Ihr seht; sein Platz ist leer, und neues Gas
geht hinein. Es hat sich Wasser gebildet, und wenn wir unsere letzte
Operation wiederholen, werden wir abermals einen leeren Raum bekommen,
wie Ihr am Steigen des Wassers sehen könnt. Nach der Explosion bekomme
ich immer ein leeres Gefäß, weil der Dampf oder das Gas, in welches
das Wasser durch die Batterie verwandelt wurde, beim Durchschlagen des
Funkens explodiert und wieder zu Wasser wird; und nach und nach werdet
Ihr in dem oberen Gefäße einige Tropfen an den Seiten herabrinnen und
sich am Boden sammeln sehen.
Wir haben hier eine neue Bildung des Wassers herbeigeführt, bei welcher
die Atmosphäre gar nicht in Betracht kommt. Das Wasser aus der Kerze
hatte sich unter Mitwirkung der Atmosphäre gebildet; auf diesem Wege
aber entsteht es unabhängig von der Luft. Demnach müßte im Wasser jene
andere Substanz enthalten sein, welche die Kerze aus der Luft entnimmt
und durch deren Verbindung mit Wasserstoff Wasser entsteht.
[Illustration: Fig. 20.]
Nun saht Ihr eben, daß das eine Ende der Batterie das Kupfer an sich
zog, welches es in jenem Gefäß aus der blauen Flüssigkeit ausschied.
Das wurde durch diesen Draht bewerkstelligt; und wenn die Batterie auf
eine metallische Lösung eine solche Kraft ausübt, die wir beliebig in
Wirksamkeit oder außer Wirksamkeit setzen können, sollten wir da nicht
auch fragen dürfen, ob es vielleicht möglich ist, die Bestandteile
des Wassers von einander zu scheiden und sie beliebig zu versetzen?
Versuchen wir’s! Ich nehme die Pole – die metallischen Enden dieser
Batterie – und nun paßt einmal auf, was mit dem Wasser in diesem
Apparat geschehen wird, wo wir die Pole weit von einander getrennt
haben. Ich bringe den einen hierher (nach ~A~), den andern hierher
(nach ~B~), und hier habe ich kleine Brettchen mit Löchern, die ich
auf jeden Pol setzen und so anbringen kann, daß das, was von den Enden
der Batterie ausgeht, als getrenntes Gas erscheint; denn Ihr saht ja
vorhin, daß das Wasser nicht in Dampf, sondern in Gas überging. Die
Drähte sind jetzt in vollkommener Verbindung mit dem Gefäß, welches
das Wasser enthält, und Ihr seht Blasen emporsteigen; wir wollen sie
sammeln und untersuchen. Hier ist ein Glaszylinder (~O~); den fülle ich
mit Wasser und stelle ihn über das eine Ende (~A~); ich nehme einen
zweiten (~H~) und setze ihn über das andere Ende (~B~). Und so haben
wir einen doppelten Apparat, in welchem an beiden Stellen Gas frei
wird. Beide Gefäße werden sich mit Gas füllen. Seht, jetzt fangen sie
schon an, das rechts (~H~) füllt sich sehr rasch, das links (~O~) nicht
so rasch; und obwohl ich einige Blasen habe entweichen lassen, geht
der Prozeß doch ziemlich regelmäßig vor sich, und wenn nicht das eine
Gefäß größer ist als das andere, so werdet Ihr sehen, daß ich in dem
einen (~H~) dem Raume nach doppelt so viel bekomme wie in dem anderen
(~O~). Beide Gase sind farblos; sie stehen über dem Wasser, ohne sich
zu verdichten, sie scheinen sich durchaus gleich zu sein – ich meine,
wie man’s so mit den Augen sieht. Aber wir haben ja nun die schönste
Gelegenheit, diese Körper zu untersuchen und ihre wirkliche Natur zu
bestimmen. Ihre Masse ist groß genug, daß wir leicht Versuche mit ihnen
anstellen können. Ich nehme dieses Gefäß (~H~) zuerst und fordere Euch
auf, Euch bereit zu halten, den Wasserstoff wiederzuerkennen.
[Sidenote: Sauerstoff.]
Erinnert Euch aller seiner Eigenschaften – das leichte Glas, welches
sich gut in umgekehrten Gefäßen hielt, mit einer blassen Flamme an der
Mündung der Flasche brannte – und nun seht zu, ob dieses Gas nicht all
diese Bedingungen erfüllt. Ist es Wasserstoff, so bleibt er hier, so
lange ich das Gefäß umdrehe. [Der Vortragende hält ein Licht daran und
der Wasserstoff entzündet sich.] Was ist nun in dem anderen Gefäße?
Ihr wißt, daß beide zusammen eine explodierende Mischung ausmachten.
Aber was kann das sein, was wir als den anderen Bestandteil im Wasser
finden und welches demnach die Substanz sein muß, die den Wasserstoff
zum Brennen brachte? Wir wissen, daß das Wasser, welches wir in das
Gefäß brachten, aus zwei Dingen bestand. Wir finden, eines von diesen
ist Wasserstoff: was muß nun das andere sein, das vor dem Versuche in
dem Wasser war, und das wir nun hier für sich besonders angefangen
haben? Ich stecke diesen brennenden Holzspan in das Glas. Seht, das
Gas selber brennt nicht, macht aber den Span lebhafter brennen. Seht,
wie es die Verbrennung beschleunigt! Das Holz brennt darin viel besser
als an der Luft. Nun seht Ihr daraus auch, daß der andere im Wasser
enthaltene Stoff, wenn das Wasser beim Brennen einer Kerze gebildet
wird, aus der Atmosphäre genommen sein muß. Wie wollen wir nun diesen
Körper nennen, ~A~, ~B~ oder ~C~? Wir wollen ihn ~O~ – wollen ihn
Oxygen, _Sauerstoff_ nennen; es ist dies ein ganz bezeichnender Name
für ihn. Sauerstoff ist also dies hier, was wir als zweiten Bestandteil
aus dem Wasser abgeschieden haben.
Wir gewinnen nun schon allmählich einen etwas tieferen Einblick in
unsern Gegenstand, und wir werden bald begreifen, _warum_ eine Kerze an
der Luft brennt. Bei der Analyse des Wassers, d. h. bei der Zersetzung
desselben in seine Bestandteile, erhalten wir zwei Raumteile
Wasserstoff und ein Raumteil Sauerstoff. Dieses Verhältnis ist in der
folgenden Zeichnung dargestellt und zugleich das Gewicht eines jeden
Körpers beigefügt, woraus wir denn ersehen, daß der Sauerstoff viel
schwerer ist als der Wasserstoff.
1 8
Sauerstoff
Wasserstoff
Sauerstoff 88,9
Wasserstoff 11,1
-------
Wasser 100,0
[Illustration: Fig. 21.]
Nachdem wir nun gesehen, wie wir den Sauerstoff aus dem Wasser
abscheiden können, will ich Euch auch zeigen, wie er leicht in großer
Menge darzustellen ist. Sauerstoff ist, wie Ihr Euch nun leicht
vorstellen werdet, in der Atmosphäre vorhanden; denn wie könnte sonst
eine brennende Kerze Wasser liefern, welches ja Sauerstoff enthält? Das
wäre ja ganz unmöglich; Wasser erzeugen ohne Sauerstoff – das ist eine
chemische Unmöglichkeit. Können wir Sauerstoff aus der Luft darstellen?
Nun, es gibt einige sehr weitläufige und schwierige Prozesse, durch
die das möglich ist; aber wir kennen viel bessere Wege. Da habe ich
eine Substanz, namens _Braunstein_, ein ganz unansehnliches, aber
sehr brauchbares Mineral. Wird dieser Braunstein rotglühend gemacht,
so liefert er Sauerstoff. Hier ist eine eiserne Flasche, in der sich
Braunstein befindet, und in ihren Hals ist ein Leitungsrohr eingefügt.
Das Feuer ist bereit, und Herr Anderson wird nun die Retorte[15]
hineinbringen; sie wird die Hitze schon aushalten, denn sie ist ja von
Eisen. – Hier habe ich ein Salz, chlorsaures Kali genannt, das jetzt
in größeren Mengen in der Feuerwerkerei, zu chemischen, medizinischen
und manchen anderen Zwecken gebraucht wird. Davon mische ich etwas mit
dem Braunstein (Kupferoxyd oder Eisenoxyd würden dieselben Dienste tun
wie Braunstein), und wenn ich diese Mischung in die Retorte bringe,
so ist bedeutend weniger als Rotglühhitze nötig, um den Sauerstoff
daraus zu entwickeln. Ich beabsichtige nicht sehr viel zu machen,
sondern ich will nur genug zu unserem Experimente haben; doch darf
ich nicht zu wenig hineintun, weil das zu Anfang entwickelte Gas in
der Retorte mit Luft vermischt ist, und ich deshalb gezwungen bin,
diesen ersten Teil zu opfern; ich muß also das erste Gas entweichen
lassen. Ihr werdet finden, daß hier eine gewöhnliche Spiritusflamme
hinreichend ist, den Sauerstoff zu entwickeln, und so haben wir nun
zwei Prozesse zu seiner Darstellung im Gange. Seht nur, wie reichlich
das Gas aus jener kleinen Menge der Mischung entweicht. Wir wollen es
nun prüfen und seine Eigentümlichkeiten untersuchen. Wie Ihr seht,
erhalten wir auf diesem Wege ein Gas, ganz gleich demjenigen, welches
uns der Versuch mit der Batterie lieferte, durchsichtig, unlöslich
in Wasser, mit den gewöhnlichen sichtbaren Eigenschaften der Luft.
(Da dieses erste Gefäß Luft enthält, die zusammen mit den ersten
Portionen Sauerstoff entwichen war, so schaffen wir es fort und
sind somit vorbereitet, unsere Versuche in völlig regelmäßiger und
zuverlässiger Weise auszuführen.) An dem Sauerstoff, den wir soeben
mittelst der _Volta_’schen Batterie aus dem Wasser abschieden, sahen
wir ganz auffällig die Fähigkeit, das Brennen eines Holzspans, einer
Kerze und dergl. zu begünstigen, und wir dürfen erwarten, dieselbe
Eigentümlichkeit hier wiederzufinden. Versuchen wir es! Seht her: so
brennt jetzt der Wachsstock in der gewöhnlichen Luft, und hier, wenn
ich den Wachsstock in das Gefäß halte, seine Verbrennung in diesem
Gas! Seht, wie hell und schön er brennt! Aber Ihr könnt noch mehr als
dieses sehen, – Ihr bemerkt, daß es ein schweres Gas ist, während der
Wasserstoff wie ein Ballon in die Höhe geht, oder vielmehr rascher als
ein Ballon, wenn er nicht das Gewicht der Umhüllung zu tragen hat. Ihr
begreift wohl, wenn wir aus dem Wasser auch zweimal so viel Wasserstoff
als Sauerstoff dem Umfang nach erhalten haben, so folgt daraus nicht,
daß der erstere auch zweimal so schwer ist; das eine ist eben ein
schweres, das andere ein sehr leichtes Gas. Wir haben Mittel, Luft-
oder Gasarten zu wägen; aber ohne mich jetzt mit Auseinandersetzung
derselben aufzuhalten, will ich Euch gleich sagen, wie groß ihr Gewicht
ist. Der Unterschied ist sehr bedeutend: 1 Kubikfuß Wasserstoff
wiegt ¹/₁₂ Unze, 1 Kubikfuß Sauerstoff aber wiegt 1¹/₃ Unze[16].
Der Sauerstoff ist also 16mal so schwer als ein gleicher Raumteil
Wasserstoff.
[Illustration: Fig. 22.]
Um die besondere Eigentümlichkeit des Sauerstoffs, die Verbrennung
zu unterhalten, noch besser im Vergleich mit der Luft zu zeigen, mag
uns dieses Stückchen Kerze dienen, obwohl das Ergebnis etwas roh
ausfallen wird. Hier brennt unsere Kerze an der Luft; wie wird sie im
Sauerstoff brennen? Ich habe hier ein Gefäß mit Sauerstoff und werde
es jetzt über die Kerze halten, damit Ihr die Wirkung dieses Gases
mit der der Luft vergleichen könnt. Paßt auf; es sieht beinahe so aus
wie das Licht an den Polen der Batterie, das Ihr vorhin saht. Wie
gewaltig muß doch diese Wirkung sein! Und dennoch wird während des
ganzen Prozesses weiter nichts erzeugt, als was sich beim Brennen in
der Luft entwickelt. Wir haben dieselbe Bildung von Wasser – ganz genau
denselben Vorgang – mögen wir die Kerze in der Luft oder in diesem Gase
verbrennen.
[Illustration: Fig. 23.]
Ich will Euch noch einige Experimente zeigen, an denen sich die
wirklich wunderbare Kraft des Sauerstoffs, die Verbrennung zu
unterhalten, noch deutlicher zeigt. Hier habe ich z. B. eine Lampe,
die ich trotz ihrer Einfachheit das Muster zu vielen Arten von Lampen
nennen möchte, die zu den verschiedensten Zwecken gebaut worden sind
– für Leuchttürme, mikroskopische Beleuchtung usw.; wenn wir nun
beabsichtigten, sie sehr hell brennen zu lassen, so könntet Ihr wohl
fragen: »Wenn eine Kerze besser im Sauerstoff brennt, warum nicht auch
eine Lampe?« Nun, sie tut’s in der Tat. Herr Anderson wird mir eine
Röhre geben, die von unserem Sauerstoff-Reservoir kommt, und ich werde
sie in diese Flamme bringen, die ich absichtlich schlecht brennen
lasse. Da kommt der Sauerstoff – ha, welch’ prächtige Wirkung! Wenn ich
ihn aber wieder absperre, was wird aus der Lampe? [Der Sauerstoffstrom
wird unterbrochen, und die Lampe fällt in ihre vorige Dunkelheit
zurück.] Es ist wirklich wundervoll, wie wir durch den Sauerstoff
die Verbrennung beschleunigen können. Und nicht etwa blos bei der
Wasserstoffflamme, bei der brennenden Kerze oder Kohle, sondern bei
allen gewöhnlichen Verbrennungen zeigt sich das. Ihr habt z. B. schon
etwas Eisen in der atmosphärischen Luft brennen sehen; nehmen wir diese
Verbrennung auch einmal mit Sauerstoff vor. Hier ist eine Flasche voll
Sauerstoff, und da habe ich einen Eisendraht – es könnte aber auch ein
Stab so dick wie ein Handgelenk sein, er würde ebenso brennen. Ich
befestige erst ein Stückchen Holz an den Draht, zünde das Holz an, und
lasse sie nun zusammen in das Gefäß hinab. Das Holz hat jetzt Feuer
gefangen und brennt so, wie eben Holz in Sauerstoff brennen muß; aber
bald wird die Verbrennung auch das Eisen ergreifen. Seht, da brennt das
Eisen ganz prächtig und wird lange Zeit so weiter brennen. Wenn wir
fortwährend frischen Sauerstoff hinzuführen wollten, könnten wir die
Verbrennung des Eisens unterhalten, bis es gänzlich verzehrt ist.
Doch lassen wir das jetzt beiseite, um noch die Verbrennung einiger
anderer Substanzen zu beobachten; denn wir müssen mit der uns
zugemessenen Zeit haushalten. Wir wollen ein Stück Schwefel nehmen;
Ihr wißt, wie der Schwefel in der Luft brennt; nun bringen wir ihn
in Sauerstoff, und Ihr werdet wiederum sehen, daß ein Körper, der
an der Luft brennen kann, mit ungleich größerer Lebhaftigkeit im
Sauerstoff brennt. Und diese Erfahrung muß Euch auf den Gedanken
bringen, daß die atmosphärische Luft ihre Fähigkeit, die Verbrennung zu
unterhalten, einzig und allein diesem Gas verdankt. Der Schwefel brennt
jetzt ganz ruhig in dem Sauerstoff; aber Ihr könnt keinen Augenblick
die gesteigerte Lebhaftigkeit bei dieser Verbrennung verkennen, im
Vergleich zu dem Brennen des Schwefels in gewöhnlicher Luft.
[Illustration: Fig. 24.]
Auch die Verbrennung des Phosphors will ich Euch hier noch zeigen; ich
kann das hier besser tun, als Ihr es selbst zu Hause imstande seid. Wie
Ihr wißt, ist der Phosphor sehr leicht entzündlich, und ein Körper,
der schon in der Luft so leicht brennt, wie lebhaft wird der vollends
in reinem Sauerstoff brennen! Ich darf Euch den Vorgang gar nicht in
seiner vollen Heftigkeit zeigen, weil dabei unser ganzer Apparat in
die Luft fliegen würde, und auch so schon werde ich das Zersprengen
dieser Flasche vielleicht nicht vermeiden können. Ihr seht, wie sich
der Phosphor an der Luft entzündet und brennt. Aber welch prachtvolles
Licht strahlt er jetzt im Sauerstoff aus! Seht, wie da einzelne
Stückchen abspringen, emporgeschleudert werden und jedes für sich
heftig aufflammt, wodurch eben dieses glänzende Licht entsteht.
So viel für jetzt von der Fähigkeit des Sauerstoffs, die Verbrennung
anderer Körper aufs lebhafteste zu unterhalten. Unsere nächste Aufgabe
wird jetzt sein, sein Verhältnis zum Wasserstoff näher ins Auge zu
fassen.
[Sidenote: Sauerstoff und Wasserstoff.]
Ihr erinnert Euch, wie wir das Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff
zerlegten, dann die Mischung dieser beiden entzündeten und dabei
eine kleine Explosion erhielten. Ihr erinnert Euch ferner, daß wir
Sauerstoff und Wasserstoff in einem Gefäß mit einander verbrannten,
wobei sich wenig Licht, aber sehr große Hitze entwickelte. Hier nun
habe ich die beiden Gase genau in dem Verhältnis gemischt, in welchem
sie im Wasser vorhanden sind, und diese Mischung will ich entzünden.
Das Gefäß hier enthält genau ein Raumteil Sauerstoff und zwei Raumteile
Wasserstoff; die Mischung ist also genau wie in dem Gas, das wir
vorhin durch Zersetzung des Wassers mittelst der elektrischen Batterie
erhielten. Weil ich aber nicht gleich die ganze Menge entzünden will –
das wäre viel zu viel auf einmal –, so habe ich mir hier Seifenwasser
zurechtgestellt, in das ich die Gasmischung einleite, um Seifenblasen
zu bekommen, die damit gefüllt sind, und diese Seifenblasen will ich
dann anzünden; auf diese Art können wir sehr einfach die Verbrennung
des Wasserstoffs mit Sauerstoff beobachten. Versuchen wir also
zunächst, Seifenblasen zu bekommen. Ich leite die Gasmischung durch
die Tonpfeife in das Seifenwasser und seht, da kommt das Gas, da habe
ich schon eine Blase. Ich will sie auf der Hand auffangen. Ihr denkt
vielleicht, das ist recht unvorsichtig von mir; aber ich will Euch nur
zeigen, daß man sich aus bloßem Lärm und Geknalle nichts zu machen
braucht. [Der Vortragende läßt durch Annäherung eines brennenden
Hölzchens die Blase auf der Hand explodieren.] Ich muß mich aber sehr
hüten, eine Blase gleich beim Austritt aus der Tonpfeife anzuzünden,
weil dann die Explosion durch die Röhre rückwärts in das Gefäß
schlagen und dieses in Trümmer zerschmettern würde. Der Sauerstoff
vereinigt sich also, wie Ihr hier gesehen und an dem Knall gehört
habt, mit größter Lebhaftigkeit mit dem Wasserstoff; und dabei werden
seine eigentümlichen Kräfte ebenso wie die des Wasserstoffs völlig
aufgehoben. Man sagt: die Eigenschaften des Sauerstoffs und die des
Wasserstoffs _neutralisieren_ sich gegenseitig.
Nunmehr darf ich wohl annehmen, daß Ihr die innere Beziehung
zwischen der chemischen Natur des Wassers, des Sauerstoffs und der
atmosphärischen Luft genauer zu durchschauen vermögt. Ein Stück Kalium,
das ich auf Wasser lege – wie ich es jetzt noch einmal tue – warum
zersetzt es das Wasser? Weil es Sauerstoff in dem Wasser findet. Und
was wird dabei frei? Wasserstoff wird frei, und dieser Wasserstoff
brennt, während das Kalium selbst sich mit dem Sauerstoff verbindet;
dieses Stück Kalium nimmt also, indem es das Wasser zersetzt – sehen
wir es für Wasser an, das bei Verbrennung einer Kerze gebildet wurde –
es entnimmt, sage ich, den Sauerstoff ebenso aus dem Wasser, wie ihn
die Kerze aus der Luft entnahm, und läßt dabei den Wasserstoff frei
werden. Und diese schöne verwandtschaftliche Zuneigung des Sauerstoffs
und des Kaliums zu einander zeigt sich selbst dann, wenn ich ein
Stückchen Kalium auf Eis lege – augenblicklich, seht Ihr, wird das
Kalium vom Eis in Brand gesetzt.
Ich wollte Euch das alles heute noch zeigen, um Eure Einsicht in diese
Vorgänge zu erweitern und damit Ihr seht, wie sehr die Erscheinungen
von den Umständen abhängen. In Berührung mit dem Kalium bringt das Eis
eine Art von vulkanischer Wirkung hervor.
Da ich jetzt dergleichen ungewöhnliche Erscheinungen einmal berührt
habe, so wird es bei unserer nächsten Zusammenkunft meine Aufgabe sein,
Euch zu zeigen, daß uns von keiner derselben Gefahr droht, daß wir von
ihnen nichts zu befürchten haben, wenn wir nur, wie beim Gebrauch der
Kerze im Zimmer oder des Leuchtgases auf den Straßen oder der Feuerung
im Ofen, stets die Naturgesetze zu unserer Richtschnur nehmen, denen
sie unterworfen sind.
Fußnoten:
[12] Platin ist ein edles Metall, ähnlich dem Silber.
[13] Der im Texte beschriebene Versuch setzt voraus, daß das
Papier mit einer Auflösung von Bleizucker (oder einem
ähnlichen Metallsalze) getränkt ist. Der Vorgang ist nicht
ganz einfach und entzieht sich einer näheren Besprechung an
dieser Stelle. – Wendet man statt des genannten Bleizuckers
eine wässrige Auflösung von Jodkalium an, der ein wenig
dünnen Stärkekleisters beigefügt ist, so erscheint unter
dem einen Pol ein schön blauer Fleck.
[14] d. h. ein nicht verdichtbares Gas.
[15] Eine Retorte ist ein Gefäß, welches wie die obige Flasche
mit einem Rohre versehen ist, um Gase oder Dämpfe die sich
beim Erhitzen seines Inhaltes entwickeln, ableiten und
auffangen zu können.
[16] Unze ist ein englisches Gewicht, von dem 16 auf ein Pfund
(engl.) gehen.
Fünfte Vorlesung.
Die atmosphärische Luft, eine Mischung aus Sauerstoff und
Stickstoff. Eigenschaften des Stickstoffs. Quantitative
Zusammensetzung der Luft. Das Wägen der Gase. Luftdruck.
Elastizität der Luft. – Kohlensäure als Verbrennungsprodukt der
Kerze. Erkennung der Kohlensäure. Ihr Vorkommen in der Natur.
Darstellung und Eigenschaften der Kohlensäure.
Wir haben gesehen: beim Verbrennen einer Kerze gewinnen wir Wasser, und
aus diesem Wasser können wir Wasserstoff und Sauerstoff darstellen. Der
Wasserstoff, wißt Ihr, stammt von der Kerze her, und der Sauerstoff
tritt aus der Luft hinzu. Da könnt Ihr nun mit Recht fragen: »Wie
kommt’s denn aber, daß die Kerze nicht gleich gut in Luft und in
Sauerstoff brennt?« Ihr erinnert Euch recht gut, wie ich ein brennendes
Stückchen Kerze in Sauerstoff brachte (vergl. Fig. 22, S. 126), daß
da die Verbrennung eine ganz andere, nämlich viel lebhafter war, als
in der atmosphärischen Luft. Nun, warum das? Diese Frage ist von
der höchsten Wichtigkeit für uns, sie berührt ganz unmittelbar die
Natur der atmosphärischen Luft, und ich werde mich bemühen, sie Euch
verständlich zu beantworten.
[Sidenote: Atmosphärische Luft.]
Die lebhaftere Verbrennung der Körper im Sauerstoff kann uns als
Erkennungsmittel dieses Gases dienen. Ihr habt gesehen, wie eine
Kerze an der Luft und wie sie in Sauerstoff brennt; Ihr habt dasselbe
beobachtet beim Phosphor und ebenso bei Eisenfeilspänen. Es gibt indes
noch verschiedene andere Mittel für denselben Zweck, und um Eure
Erfahrung und Eure Einsicht zu bereichern, werde ich Euch noch etliche
vorführen. Hier habe ich ein Gefäß voll Sauerstoff; daß solcher darin
ist, muß ich Euch freilich erst nachweisen: ich bringe einen schwach
glimmenden Span hinein, und die Erfahrungen, die Ihr das vorige Mal
gesammelt habt, lassen Euch den Erfolg mit Bestimmtheit voraussagen
– seht her: durch diese lebhafte Verbrennung ist die Anwesenheit des
Sauerstoffs unzweifelhaft nachgewiesen. Und nun eine andere und zwar
sehr merkwürdige und nützliche Probe auf Sauerstoff. Da habe ich zwei
Gefäße; beide sind mit Gasen gefüllt und zwischen ihnen befindet
sich eine Platte, damit die Gase sich nicht berühren können. Die
Platte nehme ich jetzt weg, und die beiden Gase kriechen nun förmlich
ineinander. »Was geschieht denn da?« fragt Ihr; »Es findet ja keine
Verbrennung statt, wie wir’s bei der Kerze gesehen haben!« Und dennoch
sollt Ihr in dieser Verbindung des einen Gases mit dem anderen einen
Beweis für die Gegenwart von Sauerstoff kennen lernen. Seht das
schön rotbraun gefärbte Gas, welches auf diese Weise entstanden ist!
Wir können das Experiment in derselben Weise auch mit gewöhnlicher
Luft machen, wenn wir sie mit diesem Prüfgas[17] mischen. In diesem
Gefäß hier ist nur Luft – dieselbe Luft wie die, in welcher die Kerze
brannte – und diese Flasche enthält unser Prüfgas; ich lasse sie über
Wasser zusammenkommen, und nun seht das Ergebnis: der Inhalt der
Versuchsflasche fließt in das Gefäß über, welches nur Luft enthielt;
wir beobachten genau denselben Vorgang, wie soeben beim Sauerstoff
und schließen daraus wiederum, daß der Sauerstoff auch in der Luft
vorhanden ist – ganz derselbe Sauerstoff, den wir schon aus dem von der
Kerze entwickelten Wasser darstellten. Aber warum brennt denn nun die
Kerze in der Luft doch nicht so gut wie in Sauerstoff? Nun, wir werden
sogleich auf diesen Punkt kommen. Hier habe ich zwei Gläser; beide sind
bis zu derselben Höhe mit Luftarten gefüllt, die ganz gleiches Aussehen
haben, und in der Tat weiß ich augenblicklich nicht, welches von beiden
Gefäßen Sauerstoff und welches atmosphärische Luft enthält – nur daß
sie mit diesen Gasen sorgsam gefüllt wurden, weiß ich bestimmt. Indes,
da habe ich ja unser Prüfgas von vorhin; das will ich auf beide Gefäße
einwirken lassen, um zu sehen, ob sich an dem Braunwerden dieses Gases
in den beiden anderen Gasen eine Verschiedenheit zeigt. Ich lasse das
Gas also in eins der Gläser einfließen und sehe zu, was sich ereignet.
Da seht, es wird sofort braun – also ist Sauerstoff darin! Nehmen
wir nun das andere Gefäß vor. Ihr seht, das wird nicht so rasch und
nicht so entschieden braun als das erste. Dabei zeigt sich aber noch
folgender merkwürdige Umstand: Wenn ich diese beiden Gase mit Wasser
gut durchschüttle, so nimmt das Wasser das braune Gas in sich auf,
löst es, und wenn ich dann von neuem etwas Prüfgas hineinlasse, so daß
abermals braunes Gas entsteht, und schüttle wieder, so wird es wiederum
aufgelöst, und das kann ich so lange fortsetzen, als noch eine Spur
Sauerstoff in dem Gefäß vorhanden ist.
Wenn ich das Prüfgas in die Luft bringe, so ist der Vorgang ein
anderer. Zuerst entsteht auch hier das braune Gas; sobald ich dann
Wasser hineinbringe, verschwindet das braune Gas, und ich kann so fort
und fort von unserem Prüfgas mehr hinzufügen, bis ich zu einem Punkt
komme, wo durch diesen eigentümlichen Körper, der die Luft und den
Sauerstoff braun färbt, keine Bräunung mehr hervorgerufen wird. Woher
kommt das? Ihr seht es im Augenblick: weil außer dem Sauerstoff noch
etwas anderes in der Luft enthalten ist, was zuletzt übrig bleibt. Ich
will noch ein wenig Luft in das Gefäß einlassen, und wenn dann wieder
eine Bräunung erfolgt, so könnt Ihr daraus schließen, daß von dem
braunfärbenden Gas noch etwas darin war, daß also auch nicht der Mangel
desselben das Zurückbleiben jener Luftart bedingte.
Nunmehr werdet Ihr leichter imstande sein, das zu verstehen, was
ich eigentlich zu sagen habe. Als ich Phosphor in einem Gefäß
verbrannte[18], saht Ihr, als sich der aus Phosphor und dem Sauerstoff
der Luft gebildete Rauch abgesetzt hatte, daß etwas aus der Luft in
ziemlicher Menge unverbraucht übrig geblieben war – ganz so, wie hier
das Prüfgas etwas unberührt zurückläßt; und wirklich ist es ein und
dasselbe Gas, welchem dort der Phosphor wie hier das braunfärbende Gas
nichts anhaben konnte, und dieses Etwas ist eben kein Sauerstoff, und
doch ein Bestandteil der atmosphärischen Luft.
[Sidenote: Stickstoff.]
Da haben wir also ein Mittel gefunden, die Luft in die beiden Stoffe
zu zerlegen, aus denen sie zusammengesetzt ist – in Sauerstoff, der
die Kerze, den Phosphor und alles andere verbrennen macht, und in
den andern Körper, der keine Verbrennung bewirkt, den _Stickstoff_,
_Nitrogen_. Dieser andere Bestandteil ist in weit überwiegender Menge
in der Luft enthalten. Bei seiner Prüfung werden wir ganz sonderbare
Eigenschaften an ihm entdecken; es ist ein ganz merkwürdiger Körper,
obwohl er Euch vielleicht ganz uninteressant vorkommt. In mancher
Hinsicht mag er dies freilich scheinen, z. B. darin, daß er keine
glänzenden Verbrennungserscheinungen bewirkt. Wie den Wasserstoff
und den Sauerstoff, will ich auch ihn zunächst mit meinem Wachslicht
prüfen. Da seht, er entzündet sich nicht, wie es der Wasserstoff tat,
und er läßt den Wachsstock nicht fortbrennen, wie wir’s beim Sauerstoff
sahen; ich mag’s anstellen, wie ich nur will, er tut weder dies noch
jenes; er selbst fängt nicht Feuer, und den brennenden Wachsstock
verlöscht er gar; jede Flamme löscht er aus, mag brennen, was da will;
es gibt nicht _einen_ Körper, der unter gewöhnlichen Umständen darin
zu brennen vermag. Der Stickstoff riecht nicht, er schmeckt nicht, er
löst sich nicht im Wasser, er ist weder sauer, noch alkalisch, er ist
so völlig indifferent gegen alle unsere Sinne, wie es nur irgend etwas
sein kann. Da möchtet Ihr vielleicht sagen: »Mit dem ist nichts – der
ist unsrer Aufmerksamkeit gar nicht wert – was tut denn der in der
Luft?« Doch halt! Laßt uns nur etwas genauer zusehen, ob wir an ihm
nicht ganz wichtige und schöne Beobachtungen machen können. Nehmen wir
einmal an, die Luft bestände aus lauter Sauerstoff, statt aus einer
Mischung von Stickstoff mit Sauerstoff – was würde da aus uns werden?
Ihr wißt, daß ein glühendes Stück Eisen in einem Gefäß mit reinem
Sauerstoff vollständig verbrennt; nun seht den eisernen Rost auf dem
Herd im Feuer – wo würde er bleiben, wenn die Luft nur aus Sauerstoff
bestände! Der Rost würde fast ebenso schnell verbrennen als die Kohlen;
denn auch das Eisen des Rostes hat große Neigung zum Verbrennen, d. h.
es hat eine sehr bedeutende Verwandtschaft zum Sauerstoff. Das Feuer in
einer Lokomotive würde ein Feuer mitten in einem Holzmagazin sein, wenn
die atmosphärische Luft aus lauter Sauerstoff bestände. Der Stickstoff
aber bändigt das Feuer, macht es uns dienstbar, und außerdem nimmt er
die andern Verbrennungsprodukte mit sich fort, wie Ihr sie auch bei der
Kerze habt aufsteigen sehen, zerstreut sie in der weiten Atmosphäre und
leitet sie an Stellen hin, wo sie einem andern herrlichen Zwecke zum
Wohle des Menschen dienen, nämlich zur Unterhaltung der Vegetation.
Und so seht Ihr, daß dieser Stickstoff, den Ihr anfänglich für so
uninteressant hieltet, uns ganz wunderbare Dienste leistet.
Der Stickstoff ist in seinem gewöhnlichen Zustand ein völlig
indifferentes Element; auch die stärkste elektrische Kraft veranlaßt
ihn kaum, und jedenfalls nur in sehr geringem Grade, eine direkte
Verbindung mit dem anderen Bestandteil der Luft, mit dem Sauerstoff,
oder mit irgend einem andern Körper einzugehen; er ist ganz und gar
indifferent, und ich möchte ihn deshalb einen Sicherheitsstoff nennen.
Bevor wir indes in unserer Betrachtung fortfahren, muß ich von der
atmosphärischen Luft selbst noch einiges sagen. Ich will hier die
Zusammensetzung von 100 Teilen Luft anschreiben:
Raumteile. Gewichtsteile.
Sauerstoff 21 23
Stickstoff 79 77
---- ----
100 100
Das ist genau das Verhältnis des Sauerstoffs und des Stickstoffs in der
atmosphärischen Luft, wie es uns die Analyse ergibt; wir finden, daß
5 Raumteile atmosphärischer Luft ungefähr 4 Raumteile Stickstoff auf
1 Raumteil Sauerstoff enthalten. Eine so überwiegende Menge Stickstoff
ist also erforderlich, um den Sauerstoff so weit in seiner Wirkung zu
mäßigen, daß unsere Kerze ordentlich brennt, und ferner die Luft in
einen solchen Zustand zu versetzen, daß unsere Lungen ruhig und gesund
darin atmen können. Denn beides, unser Atmen sowohl wie das Brennen der
Kerze oder der Feuerung im Ofen, hängt gleichmäßig von diesem richtigen
Mischungsverhältnis des Sauerstoffs und des Stickstoffs in der Luft ab.
Nun muß ich Euch aber auch das _Gewicht_ dieser Gase selbst angeben. Es
wiegt:
1 Kubikmeter (1000 Liter) Stickstoff 1256 Gramm.
1 Kubikmeter (1000 Liter) Sauerstoff 1430 Gramm.
1 Kubikmeter (1000 Liter) atmosph. Luft 1293 Gramm.
[Illustration: Fig. 25.]
[Sidenote: Das Wägen der Gase.]
Ich habe schon mehrmals die Frage von Euch gehört und mich gefreut, daß
Ihr sie tatet: »Wie wägt man Gase?« Ich will es Euch zeigen. Es ist
ganz einfach und leicht. Hier habe ich eine Wage und hier eine kupferne
Flasche; diese ist so dünn und leicht als möglich gemacht, doch so,
daß sie noch fest und stark ist, zugleich vollkommen luftdicht und
auf der Drehbank sauber abgedreht. Sie ist mit einem Hahn versehen,
den man leicht schließen und öffnen kann; jetzt steht er offen, läßt
also die Luft frei in die Flasche eintreten. Hier nun habe ich meine
feine, sehr empfindliche Wage, und ich denke, die Flasche in ihrem
gegenwärtigen Zustande wird gerade von dem Gewicht gehalten werden, das
auf der anderen Schale liegt. Ferner habe ich hier eine Pumpe, mittelst
welcher wir Luft in die kupferne Flasche pressen können, und zwar
wollen wir eine gewisse Anzahl von Raumteilen Luft hineinpressen, denen
der Stiefel der Pumpe als Maß dient. Wir wollen jetzt gleich zwanzig
solcher Raumteile in die Flasche hineinpumpen. – So! – Nun schließen
wir den Hahn fest und bringen die Flasche auf die Wage. Seht, wie sie
sinkt! Sie ist jetzt bedeutend schwerer geworden. Wodurch? Nun, durch
die Luft, die wir mit der Pumpe hineingepreßt haben. Es ist nichts als
Luft darin, die Luft darin nimmt auch keinen größeren Raum ein, aber
wir haben _schwerere_ Luft in demselben Raum, weil wir eben die Luft
zusammengepreßt haben. Damit Ihr nun auch erfahrt, wieviel dem Raum
nach die eingepreßte Luft beträgt, habe ich hier eine Flasche voll
Wasser, deren Hals genau in den der Kupferflasche paßt und ebenfalls
mit einem Hahn versehen ist. Ich schraube sie beide sorgfältig
aufeinander und öffne die Hähne, so daß nun die durch 20 Pumpenzüge
komprimierte Luft in die Glasflasche übertreten und sich ungehindert
zu ihrem ursprünglichen Umfang wieder ausdehnen kann. Um nun sicher zu
sein, daß wir bei unsrer Arbeit ganz richtig zu Werke gegangen sind,
wollen wir die kupferne Flasche wieder auf die Wage legen; wird sie von
dem Gewicht auf der andern Schale – es ist noch dasselbe wie vorhin
– auch jetzt wieder genau im Gleichgewicht gehalten, so war unser
Experiment richtig. Seht, die Wage steht ganz gleich. Auf diese Weise
also können wir das Gewicht der Luftmenge ermitteln, die wir mittelst
der Pumpe hineinpressen und daraus dann das Gewicht eines Kubikmeter
Luft zu 1293 Gramm bestimmen. Doch kann solch ein Experiment im kleinen
Euch unmöglich die ganze Bedeutung dieses Gegenstandes vor Augen
führen. Es ist wahrhaft wunderbar, wie viel auffälliger sie wird, wenn
man solche Versuche mit größeren Luftmengen ausführt. Dieses Volumen
Luft hier – das ist ein Liter – wiegt nicht ganz 1¹/₃ Gramm. Wie hoch
schätzt Ihr den Inhalt des Kastens dort, den ich eigens zu diesem Zweck
habe machen lassen? Die Luft darin wiegt gerade ein Pfund, ein volles
Pfund. Auch das Gewicht der Luft in diesem Saale habe ich berechnet;
sie wiegt – Ihr werdet’s kaum denken – aber sie wiegt wirklich über
eine Tonne (d. i. 1000 Kilogramm). Seht, so ungeheuer wachsen da
gleich die Zahlen an, und von solcher Bedeutung ist die Gegenwart
der atmosphärischen Luft und des Sauerstoffs und Stickstoffs in ihr,
woraus wir wiederum auf die Größe des Nutzens schließen können, den sie
uns schafft, indem sie Stoffe hin und her, von einem Ort zum andern
versetzt und schädliche Dünste dahin bringt, wo sie nützlich wirken
statt zu schaden.
[Illustration: Fig. 26.]
[Sidenote: Luftdruck.]
Nachdem wir nun diese kurze Betrachtung über das Gewicht der Luft
angestellt haben, wollen wir auch gleich einige Folgerungen ziehen,
ohne welche Ihr so manches andere, zu dem wir noch gelangen werden,
nicht recht verstehen würdet. Erinnert Ihr Euch vielleicht eines
ähnlichen Experimentes? Habt Ihr noch nichts dergleichen beobachtet?
Ich will einmal eine ähnliche Pumpe nehmen, wie ich sie kürzlich
benutzte, um Luft in die kupferne Flasche hineinzupressen, und will
einen Apparat damit verbinden, dessen Öffnung ich mit der Hand bedecken
kann. Wir können die Hand in freier Luft so leicht hin und her bewegen,
daß wir kaum glauben, etwas dabei zu fühlen; es erfordert schon eine
sehr rasche Bewegung, um einen Widerstand der Luft gewahr zu werden.
Wenn ich aber meine Hand hierher lege, auf den sogenannten Rezipienten
der Luftpumpe, und nun die Luft herauspumpe – seht da, was geschieht!
Warum ist meine Hand auf einmal an den Apparat gefesselt, so daß
ich die ganze Luftpumpe mit herumziehen kann, da ich sie doch gar
nicht anfasse und halte? Seht, ich kann die Hand kaum wieder davon
losmachen. Nun, was ist die Ursache? Es ist das Gewicht, der Druck der
Luft – das Gewicht der _darüber_ befindlichen Luft drückt meine Hand so
fest auf den leeren Raum darunter.
[Illustration: Fig. 27.]
Ich will noch ein anderes Experiment machen, welches Euch darüber
noch besser Aufklärung geben wird. Über diesen Zylinder ist eine
Schweinsblase ausgespannt und festgebunden; ich bringe den Zylinder auf
die Luftpumpe und pumpe die Luft heraus – Ihr werdet gleich den Erfolg
sehen, jetzt ist die Blase flach ausgespannt; setze ich aber die Pumpe
ein wenig in Bewegung – seht, wie sie einsinkt, wie sie nach unten
eingedrückt wird; seht, wie sie tiefer und immer tiefer niederwärts
geht, bis sie vermutlich zuletzt durch die Gewalt der darauf drückenden
Luft zersprengt werden wird. [Die Blase zerspringt zuletzt mit einem
lauten Knall.] Das geschah einzig und allein durch die darauf drückende
Last der darüber stehenden Luft, und dieser Hergang ist ganz leicht zu
verstehen. Die Luftschichten können wir uns übereinander aufgestapelt
denken, wie die fünf Würfel hier auf einander stehen. Nun seht Ihr
doch, daß die vier oberen von diesen Würfeln von dem fünften, der auf
dem Boden aufliegt, getragen werden, und wenn ich diesen wegnehme,
so müssen die oberen heruntersinken. Gerade so ist’s auch bei der
atmosphärischen Luft. Die oberen Luftschichten werden von den untersten
getragen, ruhen auf ihr, und wenn diese untere Luftschicht weggepumpt
wird, so müssen eben Wirkungen eintreten, wie Ihr sie an meiner auf
den Recipienten gefesselten Hand und am Zersprengen der Blase gesehen
habt, und wie Ihr sie jetzt noch besser beobachten sollt. Über dieses
Gefäß hier habe ich eine Gummihaut gespannt und werde nun die Luft
herauspumpen. An diesem Gummi, der also eine Scheidewand zwischen
der untern Luftschicht und der obern bildet, könnt Ihr den Druck
sehr deutlich beobachten. Jetzt kann ich schon die ganze Hand in das
Gefäß hineinlegen. Und dieses Resultat wird einzig bewirkt durch den
gewaltigen Druck der oberen Luftschichten. Wie schön zeigen sich da
diese wunderbaren Verhältnisse!
[Illustration: Fig. 28.]
Hier habe ich einen kleinen Apparat, an dem Ihr nachher, wenn ich
meinen Vortrag geschlossen habe, Eure Kraft im Ziehen erproben könnt.
Er besteht aus zwei hohlen Halbkugeln von Messing, deren Ränder genau
auf einander passen; die eine ist mit einer Röhre versehen, an der
sich ein Hahn befindet, so daß man die Luft herauspumpen und dann
abschließen kann. Seht, die beiden Hälften lassen sich jetzt, wo Luft
darin ist, ganz leicht auseinandernehmen; wenn wir aber die Luft
herauspumpen, so werdet Ihr nachher sehen, daß je zwei von Euch mit
allem Kraftaufwande nicht im Stande sind, sie auseinanderzuziehen.
Jeder Quadratzentimeter der Oberfläche der geschlossenen und
ausgepumpten Kugel hält einen Druck von ungefähr einem Kilogramm aus,
und Ihr mögt nun Eure Stärke versuchen und zusehen, ob Ihr dieses
Luftdruckes Herr werdet.
Hier hab’ ich noch ein anderes hübsches Ding – einen Sauger für
Kinder, nur etwas verbessert von der Wissenschaft. So junge Leute,
wie wir, sind ganz in ihrem Recht, nach Spielzeug zu greifen und es
zum Gegenstand ihrer Forschung zu machen, wie ja auch manchmal die
Wissenschaft zur Spielerei gemacht wird. Hier ist also unser Sauger;
er besteht aus Gummi. Wenn ich ihn auf den Tisch aufklappe, seht, da
steht er auf einmal fest. Nun, warum tut er das? Ich kann ihn auf dem
Tische gleiten lassen; will ich ihn aber emporheben, so scheint er den
Tisch mit in die Höhe ziehen zu wollen; ich kann ihn ganz leicht von
einer Stelle zur andern schieben, aber nur wenn ich ihn an die Kante
des Tisches bringe, läßt er sich wegziehen. Auch dieser Sauger wird
nur durch den Luftdruck so fest gehalten. Hier hab’ ich mehrere; da
nehmt ein Paar und drückt sie aneinander! Ihr werdet sehen, wie fest
sie zusammenhalten. Sie können wirklich ganz gut zu dem Zweck gebraucht
werden, zu dem man sie in Vorschlag gebracht hat, nämlich sie an
Fenstern oder glatten Wänden zu befestigen und allerlei kleine Sachen
daran aufzuhängen; sie werden einen ganzen Tag daran festhalten. Ich
weiß indes, daß Kinder besonders solche Experimente gern sehen, die
sie zu Hause leicht nachmachen können, und darum will ich Euch noch
ein recht hübsches zur Veranschaulichung des Luftdruckes zeigen. Hier
ist ein Glas voll Wasser; wenn ich Euch nun frage, ob Ihr das Glas so
umdrehen könnt, daß das Wasser nicht herausläuft, aber ohne daß Ihr’s
mit der Hand zuhaltet – es soll nur durch den Luftdruck darin gehalten
werden – würdet Ihr das machen können? Nehmt ein Weinglas, ganz oder
halb voll Wasser, legt ein glattes Stück Papier oben auf, dreht es
vorsichtig um, wie ich’s hier mache, und nun seht zu, was mit dem
Wasser und dem Papier wird. Die Luft kann nicht hinein, weil das Wasser
vermöge seiner kapillaren Anziehung Papier und Glasrand ringsherum
fest zusammenhält. Und das Wasser fließt nicht heraus, da es durch den
äußeren Luftdruck zurückgehalten wird.
Ich hoffe, das Ihr durch alles dieses eine richtige Vorstellung von dem
Gewichte, also auch von der Körperlichkeit der Luft bekommen habt,
und wenn ich Euch sage, daß der Kasten dort ein Pfund Luft enthält und
dieses Zimmer mehr als eine Tonne, so wird es Euch wohl begreiflich
sein, daß die Luft ein ganz gewichtiger Körper ist. Ich will noch ein
anderes Experiment zeigen, um Euch ihre Widerstandsfähigkeit darzutun.
Die Knallbüchse kennt wohl jeder, die man so leicht aus einem Federkiel
oder irgend einer ähnlichen Röhre herstellen kann; aus einem Kartoffel-
oder Apfelscheibchen wird mit dem Kiel selbst ein Pfropfen ausgestochen
und an das andere Ende hingeschoben, wie ich es hier mache, so daß der
Ausgang dicht verschlossen wird; nun steche ich ein zweites Stückchen
aus und schiebe es hinein; jetzt ist also die Luft im Innern der Röhre
vollständig eingeschlossen, ganz wie wir’s zu unserm Zweck gebrauchen.
Nun aber zeigt es sich, daß keine Kraft imstande ist, dieses zweite
Pfröpfchen vollständig auf das erste aufzutreiben; das ist eine völlige
Unmöglichkeit. Bis zu einem gewissen Grad läßt sich die Luft wohl
zusammenpressen, doch lange vor der Berührung der beiden Pfropfen
wird die eingezwängte Luft den vorderen Pfropfen mit einem Knall
hinaustreiben; die Wirkung ist hier ähnlich wie beim Schießpulver,
dessen Kraft zum Teil von denselben Umständen abhängig ist, welche Ihr
hier erläutert seht.
Neulich sah ich einem Versuch zu, der mir sehr gefiel und den ich
gleich für unsern Zweck zu benutzen gedachte. Freilich, um des Erfolges
sicher zu sein, hätte ich ein paar Minuten schweigen sollen, ehe
ich mich an die Ausführung mache; denn die Lungen müssen bei diesem
Experiment das meiste tun. Es handelt sich darum, dieses Ei durch
meinen Atem aus dem einen Eierbecher in den andern zu treiben; ich bin
allerdings des Erfolges nicht ganz sicher, weil ich jetzt schon zu viel
gesprochen habe, und wenn mir’s nicht gelingt, so hat das also seinen
guten Grund.
[Der Vortragende macht den Versuch, und es glückt ihm, das Ei aus dem
einen Becher in den andern hinüber zu blasen.]
Ihr seht, die Luft dringt zwischen dem Ei und der Becherwand abwärts,
sie übt auf das Ei von unten einen Druck aus, welcher das Ei zu heben
imstande ist, obwohl ein ganzes Ei doch im Verhältnis zur Luft sehr
schwer ist. Wenn Ihr den Versuch nachmachen wollt, so tut Ihr gut, das
Ei vorher hart zu kochen; dann könnt Ihr es ruhig versuchen, es von
einem Becher in den andern hinüber zu blasen, und bei einiger Vorsicht
wird es Euch auch gelingen.
Doch genug für jetzt von dem Druck und dem Gewichte der Luft, um
noch eine andere wichtige Eigenschaft an ihr kennen zu lernen. Ihr
saht soeben bei der Knallbüchse, wie ich den zweiten Pfropfen ½ bis
¾ Zoll weit hineintreiben konnte, ehe der vordere hinausflog, daß
also die eingeschlossene Luft bis zu einem gewissen Punkte dem Druck
nachgab; ebenso saht Ihr, wie sich die Luft in der kupfernen Flasche
mittelst der Pumpe so bedeutend zusammenpressen ließ. Nun, das hängt
von einer wunderbaren Eigenschaft der Luft ab, nämlich von ihrer
_Elastizität_. Ich werde Euch diese Eigenschaft der Luft möglichst
gut zu veranschaulichen suchen. Eine Blase aus Gummihaut, wie ich sie
hier habe, eignet sich vortrefflich dazu. Sie ist luftdicht, d. h. sie
läßt weder Luft ein- noch austreten; aber sie kann sich ausdehnen und
wieder zusammenziehen, so daß sie der darin eingeschlossenen Luft in
jeder Weise nachgibt, und daher gleichsam als Maßstab ihrer Elastizität
dienen kann. Ihr seht, die jetzt schlaffe Blase enthält nur wenig Luft.
Ich binde sie fest zu, bringe sie unter die Glocke der Luftpumpe und
pumpe aus dieser die Luft heraus, hebe also den Druck der letzteren auf
die in der Blase befindliche Luft auf. Seht, wie sie jetzt fort und
fort sich ausdehnt, weiter und immer weiter, bis sie nun den ganzen
Innenraum der Glocke ausgefüllt hat. Und lasse ich nun die Luft wieder
in die Glasglocke eindringen, seht da, so geht auch die Luft in der
Blase wieder auf ihren ursprünglichen Umfang zurück. Dies zeigt uns
deutlich die wunderbare Eigenschaft der Luft, welche man Elastizität
nennt. Vermöge derselben ist sie in so hohem Grade befähigt, sich
zusammendrücken zu lassen und sich auszudehnen, und gerade hierdurch
ist sie ganz besonders zu ihrer wichtigen Rolle im Haushalte der Natur
geeignet.
Wir gelangen nunmehr zu einem anderen und zwar sehr wichtigen Teil
unseres Thema. Erinnern wir uns, was wir bereits an unserer brennenden
Kerze erforscht haben. Wir sahen, daß sie beim Brennen verschiedene
Stoffe entstehen läßt, und fanden Kohle in Gestalt von Ruß[19], Wasser
und etwas anderes, was wir noch nicht untersucht haben. Das Wasser
fingen wir auf, die übrigen Verbrennungsprodukte ließen wir bisher
ungehindert in die Luft entweichen. Diese nun müssen wir jetzt unserer
Forschung unterwerfen.
[Illustration: Fig. 29.]
[Sidenote: Kohlensäure als Verbrennungsprodukt der Kerze.]
Hier habe ich eine Vorrichtung, die uns bei unserer Untersuchung
die nötigen Dienste leisten wird. Unsere Kerzen setzen wir mitten
auf diesen Steg und darüber diesen gläsernen Schornstein – so! Die
Kerze wird ganz hübsch weiter brennen; denn die Luft hat ja unten und
oben ungehinderten Durchgang. Zunächst seht Ihr wieder die uns schon
bekannte Erscheinung, daß die Wandung des Glases feucht wird – es
ist das Wasser, zu welchem sich der in der Kerzenflamme entwickelte
Wasserstoff mit dem Sauerstoff der Luft verbindet; außerdem aber steigt
noch etwas anderes oben heraus: das ist keine Feuchtigkeit, kein
Wasser, es ist nicht verdichtbar; und es hat zudem sehr merkwürdige
Eigenschaften. Ich will eine Flamme an die Öffnung des Schornsteins
halten, und Ihr könnt sehen, daß sie von der austretenden Luft fast
verlöscht wird, und wenn ich sie vollständig dem Strom aussetze,
seht – da geht sie ganz und gar aus. Ihr werdet sagen: das ist so,
wie es sein muß; und ich vermute, Ihr denkt Euch, es müsse so sein,
weil von der Luft, welche zur Verbrennung gedient hat, nur Stickstoff
übrig bleibt und Stickstoff die Verbrennung nicht unterhält, also den
Span auslöschen muß. Gut; aber sollte nicht noch etwas anderes als
Stickstoff vorhanden sein? Hier muß ich freilich etwas vorgreifen –
das heißt, ich muß Euch aus meinen weiteren Kenntnissen die Mittel
darbieten, mit deren Hilfe Aufgaben wie diese gelöst, und dergleichen
Gase, wie wir hier haben, untersucht werden können. Also – ich nehme
eine leere Flasche, halte sie verkehrt über unsern Schornstein und
fange die Verbrennungsprodukte der Kerze darin auf; und wir werden uns
bald überzeugen, daß die aufgefangene Luftart nicht nur der Verbrennung
sehr ungünstig ist – seht, wie mein Wachsstock darin sogleich verlöscht
– sondern daß sie noch ganz andere Eigenschaften besitzt.
[Sidenote: Kalkwasser.]
Ich nehme hier ein wenig ungelöschten Kalk und gieße etwas gewöhnliches
Wasser darauf, rühre ein paarmal um, bringe nun die Mischung auf dieses
Papierfilter in dem Trichter, und nicht lange dauert’s, so läuft davon
ein ganz klares Wasser in das unterstehende Fläschchen ab, wie Ihr’s
da seht. Ich habe zwar dort eine ganze Flasche von diesem Wasser –
Kalkwasser – vorrätig stehen, das ich ebenso gut benutzen könnte; aber
Ihr wißt ja, ich habe eine Vorliebe dafür, meine Untersuchungen mit
Dingen anzustellen, die vor Euren Augen entstanden sind. Von diesem
schön klaren Kalkwasser nun gieße ich ein wenig in die Flasche, in
der wir die Luft von unserer Kerze aufgefangen haben, und nun seht,
welche Veränderung darin vorgeht! Seht Ihr, wie das Kalkwasser ganz
milchig geworden ist! Paßt auf, ich werde Euch zeigen, daß das mit
bloßer Luft nicht geschieht. Hier ist eine Flasche, in der sich, wie
Ihr seht, weiter nichts als atmosphärische Luft befindet; ich gieße
etwas Kalkwasser hinein und schüttle tüchtig um – es bleibt ganz klar;
weder der Sauerstoff, noch der Stickstoff der Luft, noch was sonst
in dieser Menge Luft enthalten sein mag, bringt jene Veränderung
in dem Kalkwasser hervor. Dieselbe Flasche mit demselben Kalkwasser
halte ich nun aber so an den Schornstein, daß die Verbrennungsgase
der Kerze hineinstreichen und mit dem Kalkwasser in Berührung kommen
können – seht, es dauert gar nicht lange, so ist’s milchig geworden.
Diese weiße Substanz nun kann sich aus nichts anderem gebildet haben,
als aus dem zum Kalkwasser verwendeten Kalk und etwas anderem, was
von der Kerze kommt – jenem zweiten Verbrennungsprodukt, dessen Natur
wir eben zu erforschen bemüht sind und von welchem ich heute zu Euch
sprechen will. Bis jetzt also wissen wir von seinem Vorhandensein nur
durch seine Wirkung auf das Kalkwasser, die für uns ganz neu war und
die, wie wir gesehen haben, weder dem Sauerstoff, noch dem Stickstoff,
noch auch dem Wasser zuzuschreiben ist. Dieses weiße Pulver, welches
aus Kalkwasser und den Verbrennungsgasen der Kerze entsteht, hat
anscheinend ganz die Eigenschaften der _Kreide_; und wenn man es näher
untersucht, so findet man, daß es wirklich genau derselbe Stoff ist
wie die Kreide. So sind wir denn in unserm Bestreben, den Vorgang bei
einer so alltäglichen Erscheinung wie das Brennen einer Kerze kennen
zu lernen, ganz unversehens Zeuge davon geworden, wie Kreide entsteht
und haben durch sorgfältige Beobachtung aller Umstände bei unserem
Experiment die Bedingungen ihrer Entstehung kennen gelernt. Wenn man
Kreide (am besten ein wenig feucht) stark erhitzt, so verwandelt sie
sich in gebrannten Kalk; es muß also der andere Bestandteil, den sie
außer dem Kalk enthält, dabei entweichen, und in der Tat ist dieses der
Fall. Beim Brennen von Kreide oder Kalk entweicht dasselbe Gas, welches
bei der Verbrennung einer Kerze entsteht und durch seine Verbindung mit
dem Kalk wiederum Kreide gibt.
[Sidenote: Kohlensäure.]
Um dieses Gas, welches wir _Kohlensäure_ nennen, in größerer Menge
darzustellen und seine Eigenschaften näher kennen zu lernen, bedienen
wir uns freilich eines bequemeren Verfahrens. Die Kohlensäure findet
sich in großer Menge in der Natur und zwar in vielen Fällen, wo Ihr sie
am wenigsten suchen würdet. Aller Kalkstein besteht zum großen Teil
aus demselben Gas, wie wir es hier aus der Kerze haben sich entwickeln
sehen; alle Kalk- und Kreidegebirge, alle Muschelschalen, Korallen und
dergl. enthalten große Mengen Kohlensäure. Wir finden diese merkwürdige
Luftart in so festen Gesteinsarten wie Marmor und Kalk mit fest
geworden, sie hat ihre luftige Natur darin aufgegeben und völlig die
Eigenschaften eines festen Körpers angenommen – deshalb hat sie _Black_
auch »fixe Luft« genannt.[20]
Aus dem Marmor können wir die Kohlensäure ganz leicht darstellen. In
dem Gefäß hier habe ich etwas Salzsäure, und darüber steht, wie Euch
mein Wachslicht anzeigt, nichts als atmosphärische Luft; seht, ich
gehe mit dem Licht bis auf den Grund hinab – das Gefäß enthält über
der Salzsäure nichts als Luft. Hier habe ich Marmor, und zwar von der
schönsten und feinsten Sorte, wovon ich nun etliche Stückchen in das
Gefäß bringe – sofort entsteht anscheinend ein gewaltiges Aufkochen.
Aber was da aufsteigt, ist nicht etwa Wasserdampf, sondern ein Gas,
das auf mein hineingehaltenes Wachslicht, wie Ihr seht, genau dieselbe
Einwirkung ausübt, wie vorher die aus dem Schornstein über unsrer Kerze
entweichende Luft – die Flamme verlöscht, und wir haben hier wie dort
genau dieselbe Erscheinung, bewirkt durch ein und dasselbe Gas, durch
die Kohlensäure. Auf diese Weise können wir Kohlensäure in großer Masse
darstellen; seht – jetzt schon ist das Gefäß bis obenan damit gefüllt.
(Dies wird dadurch bewiesen, daß der brennende Span verlöscht, sobald
er nur eben in das Gefäß eingetaucht wird.)
Das Gas ist aber keineswegs nur im Marmor enthalten. In dieses Gefäß
da habe ich etwas gewöhnliche Schlemmkreide getan – also Kreide, die
durch Auswaschen mit Wasser von groben Teilchen befreit ist, wodurch
sie zu Stuckatur- und dergleichen Arbeiten brauchbarer wird. In dem
großen Gefäß befindet sich Schlemmkreide mit Wasser, und in diesem hier
habe ich konzentrierte Schwefelsäure, die zu dem Experiment, das wir
jetzt vorhaben, geeignet ist; nur mit Schwefelsäure nämlich bildet der
Kalk beim Freiwerden der Kohlensäure wieder einen unlöslichen Körper,
während die Salzsäure, wie Ihr vorhin gesehen, eine lösliche Substanz
liefert, die das Wasser gar nicht trübt. Ihr werdet gleich sehen, warum
ich meine Vorrichtung zu dem beabsichtigten Experiment in dieser Weise
treffe – nämlich, damit Ihr im kleinen leicht nachmachen könnt, was
ich Euch hier in großem Maßstab zeigen werde. Wir haben hier wieder
ganz denselben Prozeß, wie bei der Einwirkung von Salzsäure auf Marmor;
ich entwickle in dem großen Gefäß hier die Kohlensäure, und sie zeigt
sich gegen alle Prüfungsmittel als ganz dasselbe Gas, welches wir bei
Verbrennung der Kerze in freier Luft erhielten. So verschieden auch
diese beiden Methoden der Darstellung erscheinen mögen – das Ergebnis
ist ganz dasselbe, hier wie dort wird ein und dieselbe Kohlensäure
gewonnen.
Gehen wir indes zu weiteren Versuchen mit unserem Gas über, um seine
Natur näher kennen zu lernen. [Einige Zylinder sind inzwischen über
Wasser mit dem Gase gefüllt worden.] Hier habe ich ein Gefäß voll
Kohlensäure, und wie wir’s bei den früher untersuchten Gasarten getan,
so will ich auch bei ihr zunächst fragen, wie sie sich in bezug auf die
Verbrennung verhält. Brennbar, seht Ihr, ist sie nicht und ebensowenig
unterhält sie die Verbrennung. [Ein brennender Wachsstock, der in
das Gas getaucht wird, verlöscht, und das Gas bleibt unentzündet.]
Sehr löslich im Wasser kann sie auch nicht sein; denn wir haben
sie ja dort ganz leicht über Wasser aufgefangen. Ferner haben wir
schon gesehen, wie sie auf Kalkwasser einwirkt, wie sie damit Kreide
bildet; sie wird ein Bestandteil dieser Kreide, welche man eben wegen
ihrer Zusammensetzung aus Kohlensäure und Kalk – ebenso wie Marmor,
Kalkstein, Korallen etc. – auch als kohlensauren Kalk bezeichnet.
Zunächst aber muß ich Euch nun zeigen, daß sie sich doch in geringer
Menge in Wasser löst, in dieser Beziehung also sich von Sauerstoff
und von Wasserstoff unterscheidet. Hier habe ich einen Apparat, mit
dessen Hilfe wir die Lösung bewerkstelligen können. Im unteren Teil
des Apparats befindet sich der Marmor und die Säure, im oberen kaltes
Wasser, und wie Ihr seht, sind beide so mit einander verbunden, daß das
entwickelte Gas aus dem einen in den andern gelangen kann; setze ich
ihn nun in Tätigkeit, so seht Ihr sofort das Gas in Blasen durch das
Wasser hindurchstreichen; das geschah schon vorher eine Zeitlang, und
wir werden jetzt finden, daß sich etwas davon im Wasser aufgelöst hat.
Ich nehme etwas Wasser heraus und koste es – es schmeckt säuerlich, es
ist mit Kohlensäure gesättigt; aber Ihr wißt, wie wir die Gegenwart von
Kohlensäure chemisch nachweisen, Ihr wißt, daß Kalkwasser ein sicheres
Erkennungsmittel für Kohlensäure ist – ich will also etwas hinzusetzen,
und seht, sofort wird es trüb und weiß.
Ferner habe ich von der Kohlensäure zu berichten, daß sie ein schweres
Gas ist, schwerer als die atmosphärische Luft. Zur Vergleichung
schreibe ich die Gewichte aller bisher von uns untersuchten Gase hier
auf: