»Mylord! Da die Unterredung, welche ich die Ehre hatte,
mit Eurer Herrlichkeit zu führen, mir Gelegenheit gab, die
Ansichten kennen zu lernen, welche Eure Lordschaft über
Gelehrtenpensionen im allgemeinen hegen, so fühle ich mich
veranlaßt, eine derartige Begünstigung, welche Eure Lordschaft
mir zudenkt, hiermit ehrfurchtsvoll abzulehnen; denn ich
fühle, daß es keinerlei Genugtuung für mich wäre, aus Eurer
Lordschaft Händen etwas zu empfangen, was unter der äußeren
Form einer Anerkennung eine ganz andere, von Eurer Lordschaft
so nachdrücklich bezeichnete Bedeutung haben würde.«
Den weiteren Verlauf der Sache schildert _Tyndall_ mit folgenden Worten:
»Der gutmütige Edelmann sah die Sache anfänglich als einen
ausgezeichneten Scherz an, späterhin aber wurde er veranlaßt,
sie ernster aufzufassen. Eine vortreffliche Dame, welche sowohl
mit Faraday als mit dem Minister befreundet war, versuchte
die Sache wieder ins Geleise zu bringen, allein sie fand es
sehr schwer, Faraday aus der einmal angenommenen Stellung
herauszubringen. Nach vielen erfolglosen Anstrengungen bat sie
ihn, anzugeben, was er von Lord Melbourne verlangen würde, um
seinen Entschluß zu ändern. Er erwiderte: ›Ich würde einen
Wunsch ausdrücken, dessen Gewährung ich weder erwarten, noch
fordern kann, nämlich eine schriftliche Entschuldigung über
die Ausdrücke, welche er sich mir gegenüber zu gebrauchen
erlaubte‹. Die verlangte Entschuldigung wurde aufrichtig und
vollständig gegeben, und gereicht meiner Ansicht nach sowohl
dem damaligen Premier als dem Gelehrten zur Ehre.«
Ganz besonders wohltuend berührt sein Verhältnis zu dem Prof.
_Tyndall_, dem wir so viele pietätvolle Aufzeichnungen über
_Faraday_ verdanken. Auch _Tyndall_ ist einer der ausgezeichnetsten
Naturforscher; er hat sich durch zahlreiche vortreffliche Arbeiten
berühmt gemacht, u. a. durch eine Reihe vorzüglicher Untersuchungen
über die Gletscher, die er auf mühsamen und oft gefahrvollen
Expeditionen in den Hochalpen belauschte. _Tyndall_ ist um viele Jahre
jünger als _Faraday_; aber beide Männer schlossen eines jener innigen
Freundschaftsbündnisse, wie sie die Geschichte nur in wenigen Fällen
verzeichnet hat. Die folgenden Aufzeichnungen Tyndall’s, welche aus
diesem vertrauten Umgange hervorgegangen sind, mögen die vorstehende
Skizze beschließen.
Von _Faraday’s_ äußerer Erscheinung schreibt _Tyndall_: »Ich habe
_Faraday_ bei meiner Rückkehr von Marburg im Jahre 1850 zum ersten Male
gesehen ... Ich bemerkte sofort den Ausdruck von Freundlichkeit und
Intelligenz, den seine Gesichtszüge auf das Wunderbarste wiedergaben.
So lange er gesund war, dachte man nie an sein Alter; und blickte man
in seine klaren, vor Heiterkeit strahlenden Augen, so vergaß man völlig
sein graues Haar«.
_Faraday_ war von einfachen Gewohnheiten. Aber »es war – wie _Tyndall_
sagt – keine Spur des Asketen in seiner Natur. Er zog den Wein und
das Fleisch des Lebens den Heuschrecken und dem wilden Honig vor«.
Besonders empfänglich war er für das Glück der Freundschaft und die
Liebe der Menschen. »_Tyndall_ – sagte er einst – der süßeste Lohn für
meine Arbeit ist die Sympathie und die Anerkennung, welche mir aus
allen Teilen der Welt zufließen.«
Aus der Zeit des Alters schreibt _Tyndall_:
»Um jene Zeit, ehe er sich die Ruhe gönnte, welcher er sich
in den zwei letzten Lebensjahren hingab, schrieb er mir den
folgenden Brief – einen der vielen unschätzbaren Briefe, welche
jetzt vor mir liegen, worin sein damaliger Geisteszustand
besser geschildert ist, als dies eine andere Feder zu tun
vermöchte. Ich war zuweilen in seiner Gegenwart wegen meiner
Unternehmungen in den Alpen getadelt worden, allein seine
Antwort lautete immer: ›Laßt ihn nur gewähren, er wird sich
schon in acht zu nehmen wissen‹. In diesem Brief jedoch kommt
zum ersten Mal eine gewisse Ängstlichkeit in bezug hierauf zum
Vorschein:
Hampton Court, 1. August 1864. Lieber Tyndall! Ich weiß
nicht, ob mein Brief Sie erreichen wird, allein ich will es
immerhin wagen – obwohl ich mich recht wenig geeignet fühle,
mit Jemandem zu verkehren, dessen Dasein so voll Leben und
Unternehmungsgeist ist, wie das Ihrige. Allein Ihr lieber
Brief tat mir kund, daß ich, obwohl ich ganz vergeßlich werde,
doch nicht vergessen worden bin; und obwohl ich nicht imstande
bin, am Schlusse einer Zeile mich des Anfangs derselben zu
erinnern, so werden doch diese unvollkommenen Zeichen Ihnen
den Sinn dessen geben können, was ich Ihnen zu sagen wünsche.
Wir hatten von Ihrer Krankheit durch Miß Moore gehört, und ich
war deshalb sehr froh zu erfahren, daß Sie wieder hergestellt
sind. Seien Sie aber nicht allzu kühn, und setzen Sie Ihr Glück
nicht in das Bestehen oder Aufsuchen von Gefahren. Zuweilen bin
ich ganz müde, wenn ich nur an Sie und an das, was Sie jetzt
noch vornehmen, denke; und dann tritt wieder eine Pause oder
eine Änderung in den Bildern ein, allein ohne daß ich dabei
zur Ruhe käme. Ich weiß, daß dies in hohem Grade von meiner
eigenen erschöpften Natur herrührt; und ich weiß nicht, warum
ich dies schreibe; während ich Ihnen schreibe, muß ich jedoch
daran denken und diese Gedanken verhindern mich, auf andere
Gegenstände zu kommen ...«
Und weiter:
»Es war mein Streben und mein Wunsch, die Stelle Schiller’s
bei diesem Goethe einzunehmen; und er war zu Zeiten so freudig
und kräftig, körperlich so rüstig und geistig so klar, daß mir
oft der Gedanke kam, auch er werde, wie Goethe, den jüngeren
Mann überleben. Das Schicksal wollte es anders, und jetzt lebt
er nur noch in unser Aller Erinnerung. Aber wahrlich, kein
Andenken könnte schöner sein. Geist und Herz waren gleich reich
bei ihm. Die schönsten Züge, die der Apostel Paulus von einem
Charakter entworfen hat, fanden bei ihm die vollkommenste
Anwendung. Denn er war ohne Tadel, wachsam, mäßig, von gutem
Betragen, geneigt zur Lehre und nicht dem irdischen Gewinn
ergeben.«
Erste Vorlesung.
Die Kerze. Ihre Flamme. Schmelzen des Brennstoffs. Kapillarität
des Dochtes. Die Flamme ein brennender Dampf. Gestalt und Teile
der Flamme. Der aufsteigende Luftstrom. Andere Flammen.
Die Naturgeschichte einer Kerze wählte ich schon bei einer früheren
Gelegenheit zum Thema meines Vortrags, und stände die Wahl nur in
meinem Belieben, so möchte ich dieses Thema wohl jedes Jahr zum Ausgang
meiner Vorlesungen nehmen, so viel Interessantes, so mannigfache
Wege zur Naturbetrachtung im allgemeinen bietet dasselbe dar. Alle
im Weltall wirkenden Gesetze treten darin zutage oder kommen dabei
wenigstens in Betracht, und schwerlich möchte sich ein bequemeres Tor
zum Eingang in das Studium der Natur finden lassen.
Vorweg möchte ich mir die Bitte an meine Zuhörer erlauben, bei aller
Bedeutung unseres Gegenstandes und allem Ernst der wissenschaftlichen
Behandlung desselben doch von den Älteren unter uns absehen zu dürfen
und das Vorrecht zu beanspruchen, als junger Mann zu jungen Leuten zu
sprechen, wie ich es früher bei ähnlicher Veranlassung getan; und wenn
ich mir auch bewußt bin, daß meine hier gesprochenen Worte in weitere
Kreise hinausdringen, so soll mich dies doch nicht abhalten, den
früher gewohnten Familienton gegen die mir Nächststehenden auch in den
gegenwärtigen Vorlesungen anzuschlagen.
[Sidenote: Kerzenfabrikation.]
Zuerst muß ich Euch, meine lieben Knaben und Mädchen, wohl erzählen,
woraus Kerzen verfertigt werden. Da lernen wir denn ganz sonderbare
Dinge kennen. Hier habe ich etwas Holz, Baumzweige, deren leichte
Brennbarkeit Euch ja bekannt ist – und hier seht Ihr ein Stückchen von
einem sehr merkwürdigen Stoffe, der in einigen Moorsümpfen Irlands
gefunden wird, sogenanntes »Kerzenholz«; es ist dies ein vorzüglich
hartes, festes Holz, als Nutzholz vortrefflich verwendbar, da es sich
sehr dauerhaft zeigt, bei alledem aber so leicht brennend, daß man an
seinen Fundorten Späne und Fackeln daraus schneidet, die wie Kerzen
brennen und wirklich ausgezeichnetes Licht geben, so daß wir hierin die
natürlichste Kerze, eigentlich eine Naturkerze vor uns sehen.
Wir haben hier indes besonders von Kerzen zu sprechen, wie sie im
Handel vorkommen. Hier sind zunächst etliche sogenannte _gezogene
Lichte_. Dieselben werden auf folgende Weise verfertigt: baumwollene
Schnüre werden mit einer Schlinge an einem Stab aufgehängt, in
geschmolzenen Talg eingetaucht, herausgezogen und abgekühlt, dann
wieder eingetaucht, und dieses Verfahren so lange fortgesetzt, bis
eine genügende Menge Talg rings um den baumwollenen Docht hängen
geblieben ist, und so die Kerze die gewünschte Dicke erhalten hat.
Die große Verschiedenartigkeit der Kerzen könnt Ihr recht deutlich an
denen sehen, welche ich hier in der Hand halte; diese sind auffällig
dünn, sie wurden ehedem von den Bergleuten in den Kohlenbergwerken
gebraucht. In früheren Zeiten mußte sich der Bergmann seine Kerzen
selbst verfertigen; aus Sparsamkeit nun, besonders aber wohl, weil
man der Meinung war, die Grubengase würden von einer kleinen Flamme
nicht so rasch entzündet wie von einer großen, machte man die Kerzen
so dünn, daß 20, 30, 40, ja 60 auf das Pfund gingen. Statt ihrer kamen
die _Davy_’sche und verschiedene andere Sicherheitslampen in Gebrauch.
– Hier seht Ihr dagegen eine Kerze, welche Oberst _Pasley_ aus dem
untergegangenen Schiff »Royal-George« entnommen hat. Viele Jahre lang
auf dem Meeresgrund der Einwirkung des Seewassers ausgesetzt, überdies
geschunden und zerknickt, zeigt sie uns, wie gut sich eine Kerze
konservieren kann; denn angezündet brennt sie, wie Ihr hier seht, ganz
gleichmäßig fort, und der schmelzende Talg bewährt sich völlig in
seinen ursprünglichen Eigenschaften.
Herr _Field_ in Lambeth hat mir viele sehr gute Zeichnungen und
Materialien aus der Kerzenfabrikation zugestellt, mit denen ich Euch
bekannt machen werde. Hier zunächst ist _Nierenfett_, Rindertalg, ich
glaube russischer Talg, aus dem die gezogenen Lichte gemacht werden.
Dieser Talg wird nach einem von _Gay-Lussac_ herrührenden Verfahren
in die schöne Substanz verwandelt, die Ihr daneben liegen seht. Ihr
wißt, daß unsere jetzigen Kerzen nicht so beschmutzend abfetten, wie
diese Talglichter, sondern ganz sauber sind, und daß man herabgefallene
Tropfen abkratzen und pulverisieren kann, ohne etwas zu beschmutzen.
Das Verfahren ist folgendes: Der Talg wird zuerst mit gelöschtem
Kalk gekocht, wodurch eine Art Seife gebildet wird; diese Seife wird
dann durch Schwefelsäure zersetzt, welche den Kalk fortnimmt und das
veränderte Fett als Stearinsäure zurückläßt. Zugleich wird etwas
Glyzerin, eine syrupartige Flüssigkeit, gebildet. Durch Auspressen
wird sodann alles Ölige entfernt, und Ihr seht hier einige Preßkuchen,
an denen sich zeigt, daß die Unreinigkeiten je nach der Stärke des
Druckes allmählich mehr und mehr entfernt werden; die zurückgebliebene
Masse wird nun geschmolzen und zu Kerzen gegossen, wie sie hier vor uns
liegen. Die Kerze, welche ich hier in der Hand habe, ist eine auf dem
beschriebenen Wege hergestellte _Stearin-Kerze_. Daneben habe ich eine
_Wallrath-Kerze_, aus dem gereinigten Fett des Pottfisches verfertigt;
ferner seht Ihr hier gelbes und weißes _Wachs_, woraus Kerzen gemacht
werden; hier eine merkwürdige Substanz, das aus irischen Sümpfen
gewonnene _Paraffin_[4], so wie einige Paraffinkerzen, und endlich hier
noch eine Substanz, die aus Japan bei uns eingeführt wird, seitdem wir
den Zugang zu diesem fernen Lande erzwungen haben, eine Art _Wachs_,
welches mir ein guter Freund gesandt hat, und welches ein neues
Material für die Kerzenfabrikation bildet.
Wie werden nun diese Kerzen verfertigt? Soeben habe ich Euch von
_gezogenen_ Lichten erzählt und will Euch nun auch sagen, wie die
_gegossenen_ gemacht werden. Nehmen wir an, irgend eine dieser Kerzen
bestehe aus einem Material, das gegossen werden kann. »Gegossen«,
sagt Ihr. »Nun, eine Kerze ist doch ein Ding, das schmilzt, und was
sich schmelzen läßt, das läßt sich doch wohl auch gießen.« Durchaus
nicht! Es ist gar merkwürdig, wie sich im Verlauf der praktischen
Arbeit Hindernisse in den Weg stellen, die man vorher durchaus nicht
erwartete. Es kann nicht jede Art Kerzen gegossen werden. So ist z.
B. das Wachs eine Substanz, die sehr gut brennt und in einem Lichte
zwar leicht schmilzt, aber doch nicht gegossen werden kann; ich werde
nachher die Fabrikation der Wachskerzen kurz angeben, jetzt aber
zunächst bei den Materialien verweilen, die sich gießen lassen.
Hier ist ein Rahmen mit einigen Gießformen, in die zunächst der Docht
eingefügt wird. Hier habe ich einen geflochtenen Docht, der nicht
geputzt zu werden braucht, an einem kleinen Draht hängen; er reicht bis
unten hinab, wo er angepflöckt wird, so daß das Pflöckchen ihn zugleich
straff hält und die untere Öffnung völlig schließt, damit nichts
Flüssiges hindurch kann. Oben hat die Form einen Quersteg, der den
Docht richtig in der Mitte gespannt hält. Nun werden die Formen mit der
geschmolzenen Talgmasse vollgegossen. Nach dem Erkalten der Formen wird
der oben überstehende Talg glatt abgeputzt und die Enden des Dochtes
abgeschnitten, so daß jetzt nur die Kerzen in den Formen bleiben,
und um sie heraus zu bekommen, braucht man diese nur umzudrehen, wie
ich’s hier tue. Die Formen sind nämlich kegelförmig, d. h. oben enger
als unten, und da die Kerzen beim Erkalten sich noch dazu ein wenig
zusammenziehen, so fallen sie schon bei geringem Schütteln heraus.
Ganz ebenso werden auch die Stearin- und Paraffin-Kerzen gemacht.
Eigentümlich ist die Fabrikation der Wachskerzen. Baumwollene Dochte
werden, wie Ihr es hier seht, an einen Rahmen aufgehängt und ihre
Enden mit Metallhütchen bedeckt, damit sie von Wachs frei bleiben. Sie
werden in die Nähe des Ofens gebracht, in welchem das Wachs geschmolzen
wird. Wie Ihr seht, kann das Gestell gedreht werden, und letzteres
geschieht, während ein Arbeiter das geschmolzene Wachs an einem Docht
nach dem andern hinabgießt; die so gebildete erste Schicht um den Docht
herum wird nach dem Erstarren mit einer zweiten überzogen und so lange
auf diese Weise fortgefahren, bis die Kerzen die gewünschte Dicke
erlangt haben; alsdann werden sie abgenommen und auf einer polierten
Steinplatte glatt gerollt, die Enden beschnitten und abgeputzt. Die
Arbeiter erlangen dabei eine solche Fertigkeit, daß genau vier oder
sechs Kerzen, oder wie viel eben verlangt werden, auf das Pfund gehen.
Ich will beiläufig auch einen Luxus erwähnen, der in der
Kerzenfabrikation getrieben wird, teils in Farben, teils in Formen.
Seht, wie wunderschön diese Kerzen hier gefärbt sind! Malvenblau,
Magenta und alle die neu erfundenen prächtigen Farben sind hier
zur Verschönerung verwendet. In dieser Kerze hier zeigt sich in
wundervoller Form eine gekehlte Säule, und hier habe ich mit bunten
Blumen schön bemalte Kerzen, die angezündet oben eine strahlende Sonne
und darunter einen blühenden Garten darstellen. Indes, nicht alles
Schöne ist auch nützlich, und diese gekehlten Kerzen z. B. sind bei
ihrem schönen Ansehen doch schlechte Kerzen, und zwar gerade infolge
ihrer äußeren Form; durch dergleichen Verfeinerungen wird meistens die
Brauchbarkeit beeinträchtigt. Indes wollte ich Euch auch diese Kerzen,
welche mir gute Freunde von allen Seiten sandten, zeigen, damit Ihr
sehen könnt, was auch in dieser Hinsicht geleistet wird. Aber, wie ich
sagte, wenn wir diese Verfeinerungen wollen, so müssen wir einigermaßen
die Zweckmäßigkeit opfern.
[Sidenote: Die Kerzenflamme. Das Schälchen.]
Ich wende mich nunmehr zu unserem eigentlichen Thema, zunächst zur
_Flamme_ der Kerze. Wir wollen eine oder zwei anzünden und so in
Ausübung ihrer eigentümlichen Funktionen setzen. Ihr bemerkt, wie ganz
verschieden eine Kerze von einer Lampe ist. Bei einer Lampe hat man
den mit Öl gefüllten Behälter, in welchen der aus Moos oder Baumwolle
bereitete Docht gebracht wird; das Dochtende zündet man an, und wenn
die Flamme bis zum Öl hinabgekommen, verlöscht sie dort, brennt
aber in dem höher gelegenen Teile des Dochtes fort. Nun werdet Ihr
unzweifelhaft fragen, wie es kommt, daß das Öl, welches für sich nicht
brennen will, zur Spitze des Dochtes gelangt, wo es brennt; wir werden
das sogleich untersuchen. Aber bei dem Brennen einer Kerze geschieht
noch etwas weit Merkwürdigeres. Hier haben wir eine feste Masse, die
keinen Behälter braucht – wie kann wohl diese Masse da hinaufgelangen,
wo wir die Flamme sehen, da sie doch nicht flüssig ist? Oder, wenn sie
in eine Flüssigkeit verwandelt ist, wie kann sie dabei doch in festem
Zusammenhalt bleiben? Wahrlich ein merkwürdig Ding, so eine Kerze!
Wir haben hier einen starken Luftzug, der uns bei manchen Experimenten
förderlich ist, bei anderen aber schädlich sein kann. Um darin eine
Regelmäßigkeit zu erlangen und die Sache zu vereinfachen, werde ich
eine ganz ruhige Flamme herstellen; denn wie kann man einen Gegenstand
untersuchen, wenn Nebenumstände in den Weg treten, die gar nicht zu
demselben gehören? Hier können wir von den Marktweibern lernen, die
des Abends auf offner Straße feilhalten. Ich habe das oft bewundert.
Sie umgeben das Licht mit einem Zylinder, der von einer Art Galerie
getragen wird, welche die Kerze umklammert und nach Bedürfnis höher
oder niedriger gestellt werden kann. Mittelst dieses Zylinders erhält
man eine beständige Flamme, die man genau betrachten und sorgsam
untersuchen kann, wie Ihr es hoffentlich zu Hause tun werdet.
Da bemerken wir denn zunächst, wie die oberste Schicht der Kerze
gleich unter der Flamme sich einsenkt zu einer hübschen Schale. Die
zur Kerze gelangende Luft nämlich steigt infolge der Strömung, welche
die Flammenhitze bewirkt, nach oben und kühlt dadurch den _Mantel_ der
Kerze ab, also daß der Rand des Schälchens kühler bleibt und weniger
einschmilzt als die Mitte, während auf diese die Flamme am meisten
einwirkt, da sie so weit als möglich am Docht herabzulaufen strebt.
So lange die Luft von allen Seiten gleichmäßig zuströmt, bleibt
unser Schälchen vollkommen wagrecht, so daß die darin schwimmende
geschmolzene Kerzenmasse ebenfalls wagrecht darin stehen bleiben muß;
stelle ich aber einen seitlichen Luftstrom her, so wird alsbald das
Schälchen schief und läuft die flüssige Masse an der Seite herab –
jenes wie dieses nach demselben Gesetz der Schwere, welches die Welten
treibt und zusammenhält. Ihr seht also, daß die Schale durch den
gleichmäßig aufsteigenden Luftstrom gebildet wird, welcher das Äußere
der Kerze von allen Seiten umspielt und es dadurch kalt hält. Nur
solche Stoffe können zu Kerzen verwendet werden, welche die Eigenschaft
besitzen, beim Brennen ein derartiges Schälchen zu bilden. Ausgenommen
von dieser Regel ist das vorhin gezeigte irische Kerzenholz, welches
selbst gleich einem Schwamm seinen eigenen Brennstoff festhält. Ihr
könnt Euch nun auch selbst erklären, weshalb ich von der praktischen
Brauchbarkeit dieser schön geformten gekehlten Kerzen so ungünstig
sprach; bei ihnen kann ja das Schälchen nicht den vollkommenen Rand
haben, sondern muß abwechselnd Hebung und Einsenkung erhalten. Diese
schön aussehenden Kerzen brennen schlecht, sie träufeln ab, weil durch
die Unebenheit des Mantels die Gleichmäßigkeit des Luftstromes gestört
und dadurch wieder die regelmäßige Form des Schälchens verhindert wird.
Also nicht auf schönes Aussehen, sondern auf praktische Brauchbarkeit
kommt es hier an.
Wir können hier einige hübsche Beispiele für die Wirkung des
aufsteigenden Luftstroms beobachten, die Ihr Euch wohl merken könnt.
Hier ist ein wenig Abgeträufeltes an der Seite der Kerze herabgeflossen
und hat sie da etwas dicker gemacht als an anderen Stellen; während nun
die Kerze ruhig weiter herabbrennt, bleibt jenes an seiner Stelle und
bildet eine kleine, über den Rand der Schale hervorragende Säule; da
es immer höher zu stehen kommt als das übrige Wachs und weiter von der
Mitte entfernt ist, so kann die Luft besser dazu gelangen, es also auch
mehr abkühlen und somit geeigneter machen, der Einwirkung der Hitze in
so kleiner Entfernung zu widerstehen. So führen, wie in vielen anderen
Fällen, auch bei unserer Kerze selbst Mißgriffe und Fehler zu unserer
Belehrung, die wir auf anderem Wege vielleicht schwerlich erlangt
hätten. Wir werden so unwillkürlich zu Naturforschern; und ich hoffe,
Ihr werdet immer daran denken, daß Ihr bei jedem Vorgange, besonders
wenn er Euch neu ist, fragen solltet: »Was ist die Ursache? Wie geht
das zu?« und im Laufe der Zeit werdet Ihr den Grund finden.
[Sidenote: Die Kerzenflamme. Der Docht.]
Eine andere Frage, welche eine Antwort erfordert, ist: Wie gelangt
der Brennstoff der Kerze aus dem Schälchen den Docht hinauf an den
Verbrennungsort? Ihr wißt, daß bei Wachs-, Stearin-, Wallrath-Kerzen
die Flamme am brennenden Docht nicht herunterläuft zum Brennstoff
und diesen ganz fortschmilzt, sondern daß sie an ihrem Platze oben
bleibt, getrennt von dem Flüssigen darunter und ohne sich an dem Rand
der Schale zu vergreifen. Ich kann mir kein schöneres Beispiel von
Anpassung denken: um die beste Wirkung hervorzubringen, ist in der
Kerze jeder Teil dem andern dienstbar. Es ist mir ein wundervoller
Anblick, diesen brennbaren Stoff so allmählich abbrennen zu sehen, ohne
je von der Flamme ergriffen zu werden, zumal wenn man dabei erwägt,
welche Kraft der Flamme innewohnt, das Wachs zu zerstören, wenn sie ihm
zu nahe kommt.
[Sidenote: Die Kerzenflamme. Kapillarität des Dochtes.]
Wie aber erfaßt nun die Flamme den Brennstoff? Durch _kapillare
Anziehung_! »Kapillare Anziehung?« fragt Ihr. »Haarröhrchen-Anziehung?«
Nun, der Name tut nichts zur Sache – man hat ihn zu Zeiten gegeben,
wo man noch gar kein rechtes Verständnis von der Kraft hatte, die er
bezeichnen sollte. Die Wirkung dieser sogenannten Kapillaranziehung
ist, daß der Brennstoff an den Verbrennungsort hingeleitet und
abgesetzt wird, und zwar nicht von ungefähr, sondern hübsch ordentlich
gerade in die Mitte des Herdes, auf dem der Prozeß vor sich geht.
[Illustration: Fig. 1.]
Um Euch den Vorgang deutlicher zu machen, will ich etliche Beispiele
von kapillarer Attraktion anführen. Vermöge dieser Kraft können zwei
Körper, die nicht ineinander übergehen, doch aneinander haften. Wenn
Ihr Euch z. B. die Hände waschen wollt, so macht Ihr sie ganz und gar
naß, und findet, daß sie auch naß bleiben. Dies wird durch die Art
der Anziehung bewirkt, von welcher ich hier spreche. Ferner, wenn Eure
Hände nicht schmutzig sind – was sie freilich bei den gewöhnlichen
Verrichtungen meistens sein werden –, und Ihr steckt also einen reinen
Finger in warmes Wasser, so werdet Ihr bei ganz sorgfältigem Hinsehen
bemerken, wie das Wasser höher, als es im Gefäß steht, an dem Finger
emporkriecht. Hier habe ich auf dem Teller eine ganz poröse Substanz,
eine Salzsäule, und auf den Boden des Tellers gieße ich nicht etwa,
wie es Euch scheinen möchte, reines Wasser, sondern eine _gesättigte_
Salzlösung, die gar nichts mehr auflösen kann, so daß die Erscheinung,
die Ihr beobachten werdet, also unmöglich auf fernerem Lösen der
Bestandteile der Salzsäule beruhen kann. Nehmen wir an, der Teller sei
die Kerze, die Salzsäule der Docht und diese Lösung das geschmolzene
Wachs. Damit Ihr den Vorgang besser beobachten könnt, habe ich die
Lösung blau gefärbt. Ich gieße sie nun in den Teller, und Ihr seht,
wie sie in dem Salz nach und nach emporsteigt, wie sie höher und höher
hinaufkriecht, und sie wird sicherlich bis zur Spitze gelangen, wenn
die Säule inzwischen nicht etwa umfällt. Wäre diese blaue Lösung eine
brennbare Flüssigkeit, so würde sie – wenn in die Spitze der Säule
ein Docht eingesetzt wäre – beim Eintritt in diesen sich anzünden
lassen. Es ist gewiß höchst interessant, einen derartigen Vorgang mit
all seinen eigentümlichen Umständen zu beobachten. – Wie Ihr nach dem
Händewaschen ein Handtuch nehmt, das die Nässe von den Händen aufsaugt,
so saugt der Docht infolge derselben Attraktion das Wachs, Stearin etc.
in sich hinein und bis zur Flamme hinauf.
Ich kannte einige unordentliche Kinder (indes passiert so etwas
manchmal auch ordentlichen Leuten), die nach dem Abtrocknen der Hände
das Handtuch nachlässig über den Waschbeckenrand hinwarfen; nach
kurzer Zeit hatte das Tuch alles Wasser aus dem Becken auf die Dielen
geleitet, weil es zufällig so auf den Rand zu liegen gekommen war, daß
es als Heber wirken konnte. Damit Ihr deutlicher seht, in welcher Weise
dergleichen Wirkungen der Körper auf einander vor sich gehen, habe
ich hier ein Gefäß aus engmaschigem Drahtnetz mit Wasser angefüllt,
das Ihr in seinem Verhalten mit Watte oder mit einem Stück Kattun
vergleichen könnt, und man hat auch wirklich Dochte, die aus einem
derartigen Drahtgewebe angefertigt sind. Ihr seht, das Gefäß ist porös;
denn wenn ich oben etwas Wasser hineingieße, so läuft es unten gleich
wieder heraus; es ist aber auch voll Wasser, und doch sieht man das
Wasser zu gleicher Zeit hinein- und herausfließen, als ob es leer wäre.
Ihr würdet wohl in Verlegenheit kommen, wenn Ihr dieses auffällige
Verhalten meines Gefäßes erklären solltet.
Der Grund ist folgender: Die einmal naß gewordenen Fäden des Netzes
bleiben naß, und da die Maschen sehr eng sind, so wird das Wasser von
der einen zur anderen Seite so kräftig hingezogen und auf diese Weise
festgehalten, daß es nicht entrinnen kann, wiewohl das Gefäß an sich
porös ist. In gleicher Weise nun steigen beim Brennen die geschmolzenen
Wachsteilchen im Docht empor und gelangen in die Spitze; andere
Teilchen wandern infolge ihrer gegenseitigen Anziehung ihnen nach, und
die einen nach den andern werden, wie sie nach und nach in die Flamme
eintreten, so von dieser verzehrt.
Noch ein anderes Beispiel. Hier seht Ihr ein Stöckchen Spanischrohr.
Daß ein solches in seiner Längsrichtung durchgehende Kanäle hat, also
Kapillarität besitzt, kann man gelegentlich auf der Straße an Jungen
sehen, die gern wie Männer aussehen möchten; sie zünden ein solches
Stück an einem Ende an und rauchen es, als wär’s eine Zigarre. Stelle
ich nun dieses Stück Rohr auf einen Teller, worauf sich etwas Benzin
befindet (eine Flüssigkeit, die in ihren allgemeinen Eigenschaften dem
Paraffin ähnlich ist), so wird dieses genau auf die Weise, wie soeben
die blaue Lösung in der Salzsäule, in dem Rohr emporsteigen; und zwar
muß alles nach oben, da sich seitlich keine Poren finden, so daß es
sich in dieser Richtung nicht bewegen kann. Seht, da ist das Benzin
schon in der Spitze angelangt, und da es leicht brennbar ist, kann ich
es anzünden und als Kerze gebrauchen.
[Illustration: Fig. 2.]
Der einzige Grund nun, weshalb eine Kerze nicht ohne weiteres längs
des Dochtes herabbrennt, liegt darin, daß geschmolzener Talg die
Flamme auslöscht. Ihr wißt, daß eine Kerze sofort ausgeht, wenn man
sie umdreht, so daß der geschmolzene Brennstoff im Docht zur Spitze
hinfließen kann. Es kommt dies daher, daß die Flamme nicht Zeit genug
hat, den jetzt in größerer Menge schmelzenden Brennstoff gehörig zu
erhitzen, wie sie es von oben tut, wo nur kleinere Quantitäten nach und
nach schmelzen, im Docht aufsteigen und die Hitze ihre volle Wirkung
auf dieselben ausüben kann.
[Sidenote: Brennbare Dämpfe in der Kerzenflamme.]
Wir gelangen jetzt zu einem sehr wichtigen Punkt in unserer
Betrachtung, ohne dessen eingehende Erörterung Ihr nicht imstande
wäret, den Vorgang in der Kerzenflamme vollkommen zu verstehen; ich
meine den gasförmigen Zustand des Brennstoffs. Damit Ihr mich recht
versteht, will ich Euch ein ebenso niedliches wie einfaches Experiment
zeigen. Wenn Ihr eine Kerzenflamme vorsichtig ausblast, seht Ihr Dämpfe
davon emporsteigen; Ihr habt sicherlich schon oft den Dampf einer
ausgeblasenen Kerze gerochen – es ist ein sehr unangenehmer Geruch.
Geschieht aber, wie ich sagte, das Ausblasen recht vorsichtig, so kann
man ganz deutlich den Dampf sehen, in welchen sich die feste Masse der
Kerze verwandelt hat. Ich werde jetzt eine dieser Kerzen so ausblasen,
daß die Luft ringsherum dabei nicht bewegt wird, nämlich mit Hilfe
beständig anhaltender Einwirkung meines Atems; und wenn ich nun einen
brennenden Span dem Docht auf 2 bis 3 Zoll nähere, so bemerkt Ihr einen
Feuerschein, der durch den Dampf hindurchzuckt, bis er zur Kerze
gelangt. Mit all dem muß ich sehr rasch fertig werden, weil sich der
Dampf, wenn ich ihm Zeit zum Abkühlen lasse, in flüssiger oder fester
Form verdichtet, oder der Strom entzündbarer Substanz sich zerstreut.
[Illustration: Fig. 3.]
Jetzt kommen wir zu Umriß und Gestalt der Flamme. Es ist von
Wichtigkeit für uns, den Zustand kennen zu lernen, in welchem sich
die Kerzenmasse zuletzt an der Spitze des Dochtes befindet, wo sich
in der Flamme ein Glanz und eine Schönheit zeigt, wie sie bei keinem
anderen Vorgang zu beobachten ist. Ihr kennt die glänzende Schönheit
des Goldes und des Silbers, das noch hellere Schimmern und Glitzern
der Edelsteine, wie Rubin und Diamant – aber nichts von alledem kommt
dem Glanz und der Schönheit einer Flamme gleich. Welcher Diamant
kann leuchten wie die Flamme? Er verdankt seinen Glanz zur Nachtzeit
nur eben dieser Flamme, die ihn beleuchtet. Die Flamme erhellt die
Finsternis – das Licht des Diamanten aber ist ein Nichts, es ist erst
da, wenn der Strahl einer Flamme auf ihn fällt. Die Kerze allein
leuchtet durch sich selbst und für sich selbst, oder für die, welche
ihre Bestandteile zu einander geordnet haben!
[Illustration: Fig. 4.]
[Sidenote: Gestalt und Schichtung der Flamme. Der Schatten einer
Flamme. Niedersteigende Flamme.]
Betrachten wir nun etwas näher die Gestalt der Flamme, wie sie sich
hier unter dem Glaszylinder zeigt! Sie ist beständig und gleichmäßig,
und hat im allgemeinen die Form, welche in vorliegender Zeichnung
wiedergegeben ist, die sich aber je nach den Einwirkungen der Luft und
nach der Größe der Kerze mannigfach ändert. Sie bildet einen unten
abgerundeten Kegel, oben heller als unten, den Docht in der Mitte.
Unten, in der Nähe des Dochtes, unterscheidet man deutlich einen
dunkleren Teil, in welchem die Verbrennung noch nicht so vollständig
ist, als in den höheren Partien. Ich habe hier die Zeichnung einer
Flamme, die schon vor vielen Jahren _Hooker_ angefertigt hat, als er
seine Untersuchungen ausführte. Sie stellt eine Lampenflamme dar,
aber sie paßt auch auf die Kerzenflamme; das Ölgefäß vertritt das
Schälchen der Kerze, das Öl das geschmolzene Material der Kerze und
der Docht ist ja beiden gemeinsam. Auf dem letzteren hatte er das
Flämmchen abgebildet und dann in der Umgebung des letzteren ganz
richtig eine Schicht dargestellt, die man aber nicht sehen kann,
und von der Ihr nichts wissen werdet, wenn Ihr nicht schon früher
hier waret, oder sonst mit der Sache vertraut seid. Er hat hier die
umgebende Luft dargestellt, welche sehr wesentlich für die Flamme
ist und sich stets in ihrer Nähe befindet. Hier hat er ferner den
Luftstrom angedeutet, der die Flamme emporzieht; denn die Flamme, die
Ihr hier seht, wird wirklich durch den Luftstrom hinaufgezogen, und
zwar zu einer bedeutenden Höhe; gerade wie es _Hooker_ hier durch die
Verlängerung des Luftstromes in der Zeichnung dargestellt hat. Man
kann sich davon am besten überzeugen, wenn man eine brennende Kerze
in die Sonne stellt und ihren Schatten auf weißes Papier fallen läßt.
Es ist doch merkwürdig, daß eine Flamme, die selbst leuchtend genug
ist, um andere Körper Schatten werfen zu lassen, auch selbst einen
Schatten werfen kann. Dabei sieht man deutlich, wie etwas um die Flamme
herumströmt, das kein Teil der Flamme selbst ist, sondern neben ihr
aufsteigt und sie mit sich emporzieht. Ich werde jetzt das Sonnenlicht
nachahmen, indem ich diese _Volta_’sche Säule mit einer elektrischen
Lampe in Verbindung setze. Hier seht unsere selbstgeschaffene Sonne
und ihre große Lichtfülle! Wenn ich nun zwischen sie und diesen Schirm
eine Kerze stelle, so erhalten wir hier den Schatten der Flamme. Ihr
unterscheidet deutlich den Schatten der Kerze und des Dochtes; dann
hier den dunklen Teil, wie er auch in _Hooker’s_ Zeichnung dargestellt
ist, dann eine hellere Partie. Es ist merkwürdig, daß wir den Teil
der Flamme im Schatten als den dunkelsten sehen, der in Wirklichkeit
der hellste ist. Hier endlich zeigt sich, gleichfalls mit _Hookers_
Zeichnung übereinstimmend, der aufsteigende Luftstrom, der die Flamme
nährt, sie mit sich emporzieht und den Rand des Brennschälchens abkühlt.
[Illustration: Fig. 5.]
Ich kann Euch hier durch einen anderen Versuch zeigen, wie die Flamme
je nach der Richtung des Luftstroms steigt oder sinkt. An dieser Flamme
beabsichtige ich, den aufsteigenden Luftstrom in einen absteigenden
umzuwandeln, was ich mit Hilfe des kleinen Apparates, der hier vor
mir steht, leicht ausführen kann. Die Flamme ist, wie Ihr seht, keine
Kerzenflamme, sondern eine Alkoholflamme, welche keinen Rauch erzeugt;
aber Ihr werdet ohne Zweifel das Gemeinsame mit der Kerzenflamme
genügend erkennen, um beide mit einander zu vergleichen. Da die Flamme
an sich zu schwach leuchtet, als daß Ihr ihre Richtung genau verfolgen
könntet, so werde ich sie durch einen anderen Stoff färben. Ich zünde
nun den Spiritus an, und frei in der Luft gehalten, steigt die Flamme
naturgemäß aufwärts, wie es jede Flamme unter gewöhnlichen Umständen
zufolge des die Verbrennung unterhaltenden Luftstroms tun muß, was Ihr
ja nun genau versteht. Jetzt aber seht Ihr, daß ich die Flamme durch
Niederblasen in diesen kleinen Schornstein abwärts zu gehen nötigen
kann, indem ich so die Richtung der Strömung umkehre. Vor Abschluß
dieser Vorlesungen werde ich Euch eine Lampe vorzeigen, in welcher die
Flamme nach oben und der Rauch nach unten, oder der Rauch nach oben und
die Flamme nach unten geht. Ihr seht also, daß wir es auf diese Weise
in der Gewalt haben, der Flamme verschiedene Richtungen anzuweisen.
[Sidenote: Gestalt anderer Flammen.]
Nun muß ich Eure Aufmerksamkeit auf einige andere Punkte lenken.
Viele der hier brennenden Flammen weichen in ihrer Form bedeutend von
einander ab, und zwar wiederum infolge der Luftströme, die sie in
verschiedenen Richtungen umwehen. Andererseits aber können wir auch
Flammen herstellen, die wie feste Körper stehen bleiben, so daß wir sie
bequem photographieren können – und letzteres müssen wir auch wirklich
tun, um noch mancherlei daran zu untersuchen. Das ist aber nicht das
Einzige, was ich zu erwähnen wünsche. Nehme ich eine hinlänglich
große Flamme, so behält sie nicht die gleichmäßige bestimmte Gestalt,
sondern sie verzweigt sich mit einer ganz wunderbaren Kraft. Um dies
zu zeigen, benutze ich einen anderen Brennstoff, der mir das Wachs
oder den Talg der Kerze ersetzen soll. Ich habe hier einen großen
Baumwollenballen, welcher als Docht dienen mag. Jetzt, nachdem ich ihn
in Spiritus getaucht und entzündet habe – worin unterscheidet er sich
von einer gewöhnlichen Kerze? Nun, sehr bedeutend in der Lebhaftigkeit
und Gewalt des Brennens, wie wir es an einer Kerzenflamme niemals
beobachten können. Seht, wie die schönen Zungen fort und fort in die
Höhe schlagen? Die Richtung der Flamme ist dieselbe, von unten nach
oben; was man aber in keinem Fall bei einer Kerze wahrnimmt, ist dieses
merkwürdige Zerreißen in einzelne Zacken und Spitzen, diese lebhaft
hervorleckenden Zungen. Woher kommt das? Ich muß es Euch erklären;
denn wenn Ihr das vollkommen versteht, werdet Ihr besser imstande
sein, mir genau bei dem zu folgen, was ich später noch zu sagen habe.
Ich glaube, mancher von Euch hat das Experiment selbst schon gemacht,
das ich Euch zeigen will. Gewiß haben viele von Euch sich schon am
Snapdragon ergötzt, welches Spiel im wesentlichen darin besteht, im
Dunkeln Branntwein über Rosinen oder Pflaumen in einer Tasse abbrennen
zu lassen. Ich kenne keine schönere Erläuterung zu diesem Teil unseres
Gegenstandes, als jenes Spiel. Hier habe ich zunächst eine Schale und
bemerke dabei, daß man, um ein recht schönes Snapdragon zu bekommen,
eine vorher gut erwärmte Schale nehmen muß; auch sollte man die
Pflaumen und den Branntwein vorher erwärmen.
[Illustration: Fig. 6.]
Wie wir bei einer Kerze oben das Schälchen und darin den geschmolzenen
Brennstoff haben, so hier die Schale mit dem Spiritus darin, während
der Docht hier von den Rosinen vertreten wird. Ich zünde jetzt
den Spiritus an, und Ihr seht nun die wundervollen Flammenzungen
emporschlagen; Ihr seht, wie die Luft über den Schalenrand hineinsteigt
und diese Zungen emportreibt. Wieso? Nun, bei der Heftigkeit der
Luftströmung und der Unregelmäßigkeit des Vorganges kann die Flamme
nicht in einem Zuge gleichmäßig emporsteigen. Die Luft fließt so
unregelmäßig in die Schale hinein, daß Ihr das, was sich sonst als
einheitliches Bild darstellen würde, in eine Menge verschiedener
Gestaltungen zerrissen seht, von denen jede ihre eigene unabhängige
Existenz besitzt. Ich möchte fast sagen, wir sähen hier eine Anzahl
einzeln für sich bestehender Kerzen vor uns. Aber Ihr müßt Euch nicht
vorstellen, daß, weil man alle diese Zungen auf einmal sieht, ihr
Gesamtbild die eigentümliche Gestalt der Flamme darstelle. Niemals
hat ein Flammenkörper der Art, wie wir ihn von dem Ball sich erheben
sahen, eigentlich die Form, wie sie uns da erschien. Es ist eine
Menge von Formen, die so rasch auf einander folgen, daß das Auge sie
nicht einzeln zu fassen imstande ist, sondern den Eindruck von allen
gleichzeitig empfängt. Ich habe früher absichtlich eine Flamme von
so allgemeinem Charakter besprochen, und in der hier vorliegenden
Zeichnung seht Ihr einzelne Gruppen, aus denen sie zusammengesetzt
ist; sie sind nicht alle zugleich vorhanden; bei der so raschen
Aufeinanderfolge der verschiedenen Gestaltungen scheint es uns nur so.
Es tut mir leid, daß wir heute nicht weiter als zu meinem
Snapdragon-Spiel gekommen sind. Es soll mir aber für die Zukunft eine
Mahnung sein, mich strenger an die Sache zu halten, und Eure Zeit nicht
so sehr mit dergleichen Ausschmückungen in Anspruch zu nehmen.
Fußnoten:
[1] _Faraday und seine Entdeckungen_, eine Gedenkschrift von
_John Tyndall_; deutsch herausgegeben von _H. Helmholtz_.
Braunschweig bei Friedr. Vieweg & Sohn. 1870.
[2] 1 Penny = 10 Pfennige; Pence ist die Mehrzahl von Penny.
[3] Das Chlor ist einer der sogenannten chemischen Grundstoffe,
wie Schwefel, Kohle etc., aus denen alle Körper
zusammengesetzt sind. Es ist z. B. ein Bestandteil des
gewöhnlichen Kochsalzes.
[4] Das _Paraffin_ für die Kerzenfabrikation wird jetzt
aus einer besonderen Art Braunkohlen, aus sogenannten
bituminösen, d. h. von organischen Stoffen durchsetzten
Schiefern und ähnlichen Rohstoffen gewonnen, indem man
dieselben in geschlossenen Gefäßen stark erhitzt. Dadurch
erhält man Leuchtgas, Teer, Kokes und andere Produkte; das
Paraffin wird dann aus dem Teer durch weitere Verarbeitung
gewonnen. Auch bei der Reinigung des Petroleums erhält man
ein geringerwertiges Paraffin als Nebenprodukt.
Zweite Vorlesung.
Nähere Untersuchung der brennbaren Dämpfe in der Flamme.
Verteilung der Hitze in der Flamme. Bedeutung der Luft.
Unvollständige Verbrennung; Rußen der Flamme. Verbrennung
ohne Flamme (Eisen). Das Leuchten der Flamme. Kohle in der
Kerzenflamme. Verbrennungsprodukte.
Bei unserem ersten Zusammensein haben wir uns zunächst damit
beschäftigt, die Eigenschaften und das Verhalten des geschmolzenen
Teils an der Kerze im allgemeinen kennen zu lernen, und uns über den
Weg unterrichtet, auf dem er zum Verbrennungsherd gelangt. Wir sahen
ferner, daß eine Flamme, welche in einer gleichmäßig ruhigen Atmosphäre
brennt, eine bestimmte Form hat, ungefähr wie es in der Zeichnung
dargestellt war, und daß sie hübsch gleichmäßig, obwohl sehr merkwürdig
in ihrem Charakter erscheint.
[Sidenote: Brennbare Dämpfe in der Flamme.]
Heute wollen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Mittel richten, durch
die wir erfahren können, was in jedem einzelnen Teil der Flamme vor
sich geht, wie und warum es so vor sich geht, und was nach all diesem
zuletzt aus der Kerze wird. Denn Ihr wißt ja: eine Kerze, die da vor
uns brennt, verschwindet gänzlich, wenn sie ordentlich fortbrennt, ohne
im Leuchter eine Spur von einem Rückstand zu lassen – gewiß eine höchst
merkwürdige Erscheinung.
Um also die Kerzenflamme sorgfältig untersuchen zu können, habe ich
hier einen Apparat aufgestellt, dessen Anwendung Ihr gleich kennen
lernen sollt.
[Illustration: Fig. 7.]
Hier ist die Kerze; das Ende dieses Glasröhrchens bringe ich in die
Mitte der Flamme, in den Teil also, welchen der alte _Hooker_ in seiner
Zeichnung ganz dunkel dargestellt hat und den Ihr ja an jeder ruhig
brennenden Flamme genau unterscheiden könnt. Diesen dunkeln Teil also
wollen wir zuerst untersuchen.
Indem ich so den einen Schenkel des gebogenen Glasröhrchens
hineinhalte, könnt Ihr schon jetzt bemerken, daß etwas von der Flamme
herkommt und am andern Ende der Röhre austritt. – Stellt man eine
Flasche dorthin und läßt sie eine kurze Zeit dort stehen, so sieht man,
daß von dem mittleren Teil der Flamme nach und nach etwas ausgeschieden
wird, durch die Röhre in diese Flasche gelangt und daß dort sein
Zustand ganz verschieden ist von dem in der freien Luft. Es entweicht
nicht nur von dem Ende der Röhre, sondern es fällt auf den Boden der
Flasche nieder wie eine schwere Substanz, die es in der Tat auch ist.
Wir finden, daß dies das Wachs der Kerze ist, umgewandelt in ein
dampfartiges Fluidum – nicht in ein Gas. (Ihr müßt Euch den Unterschied
zwischen Gas und Dampf merken: ein Gas ist etwas Beständiges, der Dampf
aber wird leicht wieder verdichtet.)[5] Wenn Ihr eine Kerze ausblast,
so habt Ihr einen häßlichen Geruch, der von der Verdichtung dieses
Dampfes herrührt. – Dieser ist ganz verschieden von dem, was sich an
der Außenseite der Flamme findet; um Euch das deutlicher zu machen,
will ich eine größere Menge dieses Dampfes darstellen und anzünden –
denn was wir bei einer gewöhnlichen Kerze nur in geringer Menge finden,
müssen wir als Naturforscher in größerem Verhältnis produzieren,
wenn dieses erforderlich ist, damit wir es auf seine verschiedenen
Bestandteile prüfen können. Und jetzt wird Herr Anderson[6] mir eine
Wärmequelle verschaffen, um Euch zu zeigen, was dieser Dampf ist.
Ich habe hier Wachs in einer Glasflasche und mache es heiß, wie ja
das Innere der Kerzenflamme und das Brennmaterial um den Docht auch
heiß sind. [Der Vortragende bringt etwas Wachs in eine Glasflasche
und erhitzt es über einer Lampe.] Jetzt glaube ich, es ist heiß genug
für mich. Ihr seht, daß das hineingelegte Wachs flüssig geworden ist,
und daß ein wenig Rauch von demselben aufsteigt. Wir werden bald den
Dampf sich erheben sehen. Indessen mache ich das Wachs noch heißer,
damit wir mehr Dampf bekommen, und nun kann ich ihn aus der Flasche
in diese Schale gießen und ihn darin entzünden. Das ist alsdann genau
derselbe Dampf wie im Innern der Kerzenflamme; und damit Ihr Euch
überzeugt, daß dies wirklich der Fall ist, wollen wir untersuchen, ob
wir in dieser Flasche hier nicht einen brennbaren Dampf aus der Mitte
der Kerzenflamme erhalten haben. [Indem er die Flasche, in welche die
Röhre von der Kerze einmündet, nimmt und einen brennenden Wachsstock
hineinführt.] Seht, wie es brennt! Nun, dies ist der Dampf aus der
Mitte der Kerze, erzeugt durch ihre eigne Hitze; und das ist einer der
ersten Punkte, die Ihr Euch in der Reihenfolge der Verwandlungen zu
merken habt, welche das Wachs bei der Verbrennung erleidet. Ich will
jetzt eine andere Röhre vorsichtig in die Flamme bringen, und es soll
mich nicht wundern, wenn wir bei einiger Sorgfalt imstande sind, diesen
Dampf durch die Röhre bis zum andern Ende fortzuleiten, wo wir ihn
anzünden wollen und genau die Flamme einer Kerze an einer von derselben
entfernten Stelle erhalten werden. Nun, seht hier! Ist das nicht ein
recht niedliches Experiment? Sprecht von Gasleitung – wir können von
Kerzenleitung sprechen! Ihr erkennt hieraus, daß der Prozeß in zwei
deutlich verschiedenen Teilen vor sich geht: der eine ist die Erzeugung
des Dampfes, der andere die _Verbrennung_ desselben – beide spielen
sich an besonderen Stellen der Kerzenflamme ab.
[Illustration: Fig. 8.]
[Sidenote: Hitze der Flamme. Einfluß der Luft.]
Von dem schon verbrannten Teile kann ich keinen Dampf erhalten. Wenn
ich die Röhre in Fig. 7 zum obern Teil der Flamme hebe, so wird, sobald
der Dampf ausgeschlossen ist, das, was nun in die Röhre geht, nicht
mehr brennbar sein; denn es ist ja schon verbrannt! – Wie verbrannt?
– In der Mitte der Kerze am Docht befindet sich der brennbare Dampf;
außerhalb der Flamme ist die Luft, die wir für das Brennen einer Kerze
notwendig finden werden. Zwischen diesen beiden geht ein kräftiger
chemischer Prozeß vor sich, bei dem die Luft und der Brennstoff auf
einander wirken; und genau zu derselben Zeit, während der wir das Licht
erhalten, wird der Dampf zerstört. Wenn Ihr prüft, wo die heißeste
Stelle der Flamme ist, so werdet Ihr das merkwürdig eingerichtet
finden. Ich nehme z. B. diese Kerze und halte ein Stück Papier dicht
über die Flamme: wo ist die größte Hitze dieser Flamme? Ihr seht, daß
sie nicht im Innern ist. Sie ist in einem Ringe, genau an dem Orte,
von dem ich sagte, daß dort der chemische Prozeß vor sich geht, und
trotzdem ich dieses Experiment jetzt nicht mit der wünschenswerten
Sorgfalt ausführen kann, wird es immer ein Ring sein, wenn nicht gar
zu viel Unruhe herrscht. Das ist ein Experiment, das Ihr gut zu Hause
machen könnt. Nehmt einen Papierstreifen, sorgt dafür, daß die Luft
im Zimmer ruhig ist, und haltet das Papier gerade über die Mitte der
Flamme – doch ich darf nicht sprechen, während ich das Experiment mache
– Ihr werdet finden, daß es an zwei Stellen verbrannt, in der Mitte
aber nur wenig oder gar nicht angebrannt ist. Habt Ihr nun dieses
Experiment ein- oder zweimal gemacht, so daß es gut gelingt, so ist es
sehr interessant zu sehen, wo die größte Hitze ist, und zu finden, daß
sie da ist, wo Luft und Brennstoff zusammentreffen.
[Sidenote: Mangelhafter Luftzug. Ruß.]
Das ist bei unserm ferneren Vorwärtsgehen sehr wichtig für uns. Luft
ist unumgänglich notwendig zur Verbrennung; und was mehr ist: ich
muß betonen, daß _frische_ Luft nötig ist, denn sonst würden wir
unvollkommen kombinieren und experimentieren. Ich habe hier eine
Flasche voll Luft und stülpe sie über eine Kerze, die zuerst darin ganz
hübsch brennt und zeigt, daß das, was ich sagte, wahr ist. Bald aber
tritt eine Veränderung ein. Seht, wie sich die Flamme nach oben zieht,
nun schwach und schwächer wird und zuletzt verlöscht. Und verlöscht,
warum? Nicht weil sie nur nach Luft verlangt – denn die Flasche ist
noch ebenso voll wie vordem – sondern weil sie _reine_, _frische_ Luft
haben will. Die Flasche ist voll Luft, die teils verändert, teils nicht
verändert ist; aber sie enthält nicht genug reine Luft, wie es zur
Verbrennung einer Kerze nötig ist. Das alles sind Punkte, die wir als
junge Chemiker uns merken müssen, und wenn wir ein wenig genauer auf
derartige Vorgänge achten, so werden wir verschiedene Anknüpfungspunkte
zu sehr interessanten Betrachtungen finden. Zum Beispiel habe ich hier
die Öllampe, die ich Euch zeigte, eine vorzügliche Lampe für unsere
Experimente, es ist die bekannte _Argand_’sche Lampe. Ich verwandle sie
jetzt in eine Kerze (indem ich den Durchgang der Luft in das Innere
der Flamme verstopfe). Hier ist der Docht, hier steigt das Öl in ihm
empor, und da haben wir die kegelförmige Flamme. Sie brennt spärlich,
weil die Luft teilweise abgesperrt ist. Ich habe der Luft nur zu der
Außenseite der Flamme den Zutritt gestattet, weshalb sie nicht gut
brennt. Ich kann nicht mehr Luft von außen her zulassen, da der Docht
zu groß ist; wenn ich aber, wie es _Argand_ so sinnreich tat, einen
Durchgang zur Mitte der Flamme öffne, und so die Luft hineintreten
lasse, so werdet Ihr sehen, wie viel schöner sie brennt. Wenn ich die
Luft abschließe, so seht nur, wie sie raucht. Aber warum? Da haben wir
einige sehr interessante Punkte zu untersuchen. Wir hatten den Fall
der vollkommenen Verbrennung einer Kerze; wir hatten den Fall, daß
eine Kerze aus Luftmangel verlöschte und haben jetzt den Fall von
unzureichender Verbrennung, was für uns so interessant ist, daß ich
wünsche, Ihr möchtet es ebenso gut verstehen, wie die bestmögliche
Verbrennung einer Kerze. Ich will jetzt eine große Flamme machen,
weil wir Versuche in möglichst großem Maßstabe brauchen. Hier ist
ein größerer Docht, ein Baumwollenballen mit brennendem Terpentinöl.
Alle dergleichen Dinge sind ja ganz dasselbe wie Kerzen. Wenn wir
größere Dochte nehmen, müssen wir eine stärkere Luftzufuhr bewirken,
oder wir werden doch eine unvollkommene Verbrennung haben. Seht Euch
jetzt diese schwarze Substanz an, die in die Luft steigt, es ist ein
ganz regelmäßiger Strom. Ich habe jedoch Vorkehrungen getroffen, den
unvollkommen verbrannten Teil fortzuschaffen, damit er Euch nicht
beschmutzt. Seht den Ruß, der von der Flamme fortfliegt; seht, wie
unvollkommen die Verbrennung ist, da nicht genug Luft hinzutritt. Was
geschieht also? Nun, einige zur Verbrennung nötigen Dinge sind nicht
da, und infolgedessen werden schlechte Resultate erzielt. Indessen
sehen wir, wie es einer Kerze geht, wenn sie in reiner, also tauglicher
Luft brennt. Als ich Euch die Verkohlung durch den Ring der Flamme auf
der einen Seite des Papiers zeigte, hätte ich es auch umdrehen und Euch
zeigen können, daß bei der Verbrennung einer Kerze dieselbe Art von Ruß
– Kohle – entsteht.
[Sidenote: Flammen anderer Art.]
Aber bevor ich dieses zeige, ist es für unsern Zweck sehr notwendig,
noch einen anderen Gegenstand kennen zu lernen. Obgleich uns nämlich
die Kerze das allgemeine Resultat ihrer Verbrennung stets in Form einer
Flamme darstellt, so müssen wir doch zusehen, ob eine Verbrennung
immer in dieser Weise vor sich geht, oder ob es auch noch andere Arten
von Verbrennung gibt, und wir werden bald entdecken, daß letzteres
der Fall und daß dieses sehr wichtig für uns ist. Ich glaube, die
beste Art der Veranschaulichung für uns junge Leute ist vielleicht,
die Erscheinungen im stärksten Gegensatze zu zeigen. Hier habe ich
ein wenig Schießpulver – Ihr wißt, daß das Pulver mit einer Flamme
brennt – wir dürfen es Flamme nennen; es enthält Kohle und andere
Stoffe, welche verursachen, daß es mit Flamme brennt. Ferner habe ich
hier pulverisiertes Eisen oder Eisenfeilspäne. Jetzt will ich diese
beiden Dinge zusammen verbrennen. Ich habe hier einen kleinen Mörser,
in welchem ich sie mische. (Bevor ich an diese Experimente gehe, will
ich warnen, daß sie niemand von Euch aus Spielerei nachmacht und
sich dabei beschädigt. Dergleichen Dinge können wohl gemacht werden,
wenn man sich in acht nimmt; sonst aber kann man damit viel Unheil
anrichten.) Hier ist also ein wenig Pulver, welches ich auf den Boden
dieses kleinen Holzgefäßes lege und mit Eisenfeilspänen vermische; ich
beabsichtige nun, durch das Pulver die Feilspäne in Brand zu setzen
und sie in der Luft zu verbrennen, um hierbei den Unterschied zwischen
Substanzen, die mit, und solchen, die ohne Flamme brennen, zu zeigen.
Hier ist die Mischung, und wenn ich sie entzünde, wobei Ihr genau
auf die Verbrennung achten müßt, so werdet Ihr sehen, daß diese eine
zweifache ist. Ihr werdet das Pulver mit Flamme brennen und Feilspäne
aufgewirbelt sehen, und zwar auch sie brennend, jedoch ohne Flamme. Ein
jedes brennt für sich allein. [Der Vortragende setzt nun die Mischung
in Brand.] Hier das Pulver brennt mit einer Flamme; die Feilspäne
dagegen zeigen eine andere Art von Verbrennung. Da seht Ihr nun die
zwei verschiedenen Erscheinungen; und hiervon hängt alle Brauchbarkeit
und Schönheit der Flammen ab, die wir zur Beleuchtung benutzen wollen.
Wenn wir Öl, Gas oder Kerzen zur Beleuchtung gebrauchen, so beruht ihre
Brauchbarkeit auf diesen verschiedenen Arten der Verbrennung.
Der Verbrennungsprozeß bietet so viel Merkwürdiges dar, daß es einiger
Klugheit und Unterscheidungsgabe bedarf, um die einzelnen Arten der
Verbrennung eine jede in ihrer besonderen Art zu erkennen. Hier ist
zum Beispiel ein Pulver, welches sehr leicht verbrennt, und das, wie
Ihr seht, aus lauter einzelnen kleinen Körnchen besteht. Man nennt es
Lycopodium (Bärlappsamen, Hexenmehl), und jedes dieser Körnchen kann
einen Dampf entwickeln und seine eigene Flamme erzeugen; wenn man
sie abbrennt, so glaubt man, es sei alles _eine_ Flamme. Ich werde
einen Teil anzünden, damit Ihr die Erscheinung beobachten könnt. Wir
sehen eine Feuerwolke, augenscheinlich eine einzige Masse; aber jenes
knisternde Geräusch, das sich beim Abbrennen wahrnehmen läßt, ist ein
Beweis, daß die Verbrennung keine zusammenhängende und gleichmäßige
ist. Auf dem Theater wird damit der Blitz sehr gut nachgeahmt.
[Das Experiment wird zweimal wiederholt, indem der Vortragende das
Lycopodium aus einer Glasröhre durch eine Spiritusflamme bläst.] Es ist
dies kein Fall einer Verbrennung, wie die der Eisenfeilspäne, von der
ich gesprochen habe und auf die wir jetzt zurückkommen müssen.
[Sidenote: Kohle in der Kerzenflamme. Das Leuchten.]
Denkt Euch, ich nehme eine Kerzenflamme und prüfe den Teil derselben,
der unserem Auge am hellsten erscheint. Nun, da bekomme ich diese
schwarzen Teilchen, welche Ihr schon oft aus der Flamme sich
ausscheiden sahet, und die ich jetzt auf eine andere Weise ausscheiden
will. Ich werde dieses Licht nehmen und das Herabgeträufelte davon
entfernen, welches infolge der Luftströmungen entstanden ist. Wenn ich
nun eine Glasröhre gerade in diesen leuchtendsten Teil tauche, wie bei
unserem ersten Experiment, nur höher, so seht Ihr, was geschieht. Statt
des damals weißen, werden wir jetzt einen schwarzen Dampf haben. Er
steigt empor, so schwarz wie Tinte. Er ist in der Tat sehr verschieden
von dem weißen Dampf, und wenn wir ihm eine Flamme nähern, so finden
wir, daß er nicht brennt, sondern das Licht auslöscht. Nun, dieser
schwarze Stoff ist eben, wie ich sagte, der Rauch der Kerze, und
dies erinnert mich an die alte Anwendung, welche Dean Swift seinen
Dienstboten zur Unterhaltung empfahl, nämlich auf der Decke des Zimmers
mit einer Flamme zu schreiben. Aber was ist diese schwarze Substanz? Es
ist dieselbe Kohle, welche wir schon früher aus der Kerze erhielten.
Wie kann sie sich aus der Kerze bilden? Sie war offenbar in der Kerze
vorhanden, sonst könnte sie nicht hier sein. Und nun folgt mir genau in
meiner Auseinandersetzung. Ihr werdet wohl kaum glauben, daß alle die
Substanzen, die in Gestalt von Ruß und schwarzen Flöckchen in London
herumfliegen, gerade die Schönheit und das Leben der Flamme ausmachen,
und daß sie in derselben so verbrannt werden, wie die Eisenfeilspäne
hier. Hier ist ein Stück Drahtgeflecht, welches die Flamme nicht
hindurch läßt, und wenn ich es niedrig genug halte, daß es den Teil der
Flamme berührt, welcher sonst so hell ist, so werdet Ihr sehen, daß es
diesen sogleich hemmt und dämpft und eine Menge Rauch aufsteigen läßt.
Ich bitte Euch nun, auf das Folgende zu achten. Wenn eine Substanz
brennt, wie die Eisenfeilspäne in der Pulverflamme, ohne dabei
dampfförmig zu werden (sei es, daß sie flüssig wird oder fest
bleibt), so leuchtet sie sehr stark. Ich habe hier einige Beispiele
gewählt, welche von der Kerze unabhängig sind, um Euch diesen Punkt
zu erläutern; denn was ich sagte, gilt von allen Substanzen, ob sie
brennen oder nicht brennen, – daß sie nämlich ausnehmend leuchtend
sind, wenn sie ihren festen Zustand auch in der Hitze behalten. Und
die Kerze verdankt der Anwesenheit fester Teilchen in der Flamme ihre
Leuchtkraft.
[Sidenote: Das Kalklicht.]
Hier ist ein Platindraht, ein Körper, der sich durch Hitze nicht
verändert. Wenn ich ihn in dieser Flamme erhitze, so seht nur, wie
außerordentlich hell er leuchtet. Ich werde die Flamme klein machen,
damit sie nur wenig Licht gibt, und dennoch werdet Ihr sehen, daß
die Hitze, die sie diesem Platindraht mitteilen kann, obwohl viel
geringer, als die eigene, doch imstande ist, dem Drahte bedeutend mehr
Leuchtkraft zu geben. Diese Flamme enthält Kohle; jetzt will ich aber
eine Flamme nehmen, die keine Kohle enthält. In dem Gefäß hier ist
ein Material, eine Art Brennstoff – eine Luftart oder ein Gas, wie
Ihr es nennen wollt –, und darin sind _keine_ festen Teile enthalten.
Ich wähle diesen Stoff, weil er uns das Beispiel einer Flamme geben
wird, welche brennt, ohne daß irgend ein fester Körper dabei auftritt.
Wenn ich nun diesen festen Körper hineinhalte, so seht Ihr, welche
intensive Hitze die Flamme hat und wie hell sie den festen Körper
erglühen macht. Durch diese Röhre leiten wir dieses absonderliche Gas,
welches wir _Wasserstoff_ nennen, und welches Ihr bei unserer nächsten
Zusammenkunft näher kennen lernen sollt. Und hier ist eine Substanz
Namens _Sauerstoff_, mit deren Hilfe der Wasserstoff brennen kann;
aber obwohl wir durch die Verbindung beider eine bedeutend höhere
Temperatur als durch die Verbrennung einer Kerze erzeugen können, so
leuchtet die Flamme doch nur wenig. Bringe ich dagegen einen festen
Körper hinein, so erhalten wir ein sehr intensives Licht. Wenn ich ein
Stück Kalk nehme, eine Substanz, die nicht brennt und durch Hitze nicht
verflüchtigt wird (also fest bleibt), so werdet Ihr bald sehen, was
geschieht, wenn der Kalk glüht. Bei der Verbrennung von Wasserstoff in
Sauerstoff wird sehr große Hitze, aber sehr wenig Licht entwickelt,
letzteres also nicht aus Mangel an Hitze, sondern an Teilchen, welche
fest sind und auch in ihrem festen Zustande verharren. Halte ich aber
dieses Stück Kalk in die Flamme – seht, wie es glüht! Es ist dies das
berühmte Kalk-Licht, welches mit dem _Volta_’schen Licht wetteifert
und dem Sonnenlicht beinahe gleich kommt. Hier habe ich ein Stück
Holzkohle, welche brennt und uns genau in derselben Weise Licht gibt,
als ob sie als Bestandteil einer Kerze verbrannt würde. Die Hitze einer
Kerzenflamme zersetzt den Wachsdampf und macht die Kohlenteile frei;
diese steigen erhitzt und glühend empor, wie dies hier glüht, und
entweichen dann in die Luft – freilich nicht in Form von Kohle, sondern
in vollkommen unsichtbarer Gestalt, worüber wir später sprechen werden.
Ist es nicht von großem Reiz, Einsicht in einen Prozeß zu gewinnen,
durch den ein so schmutziges Ding wie eine Kohle so hell leuchtend
werden kann? Ihr seht, es kommt darauf hinaus, daß alle hellen
Flammen solche festen Teile enthalten. Alle Körper, welche brennen
und dabei feste Teilchen entwickeln, entweder während der Entzündung,
wie die Kerze, oder unmittelbar danach, wie das Schießpulver und die
Eisenfeilspäne, alle solche Körper geben uns ein helles und schönes
Licht.
[Illustration: Fig. 9.]
[Sidenote: Phosphor, chlorsaures Kali und Schwefelantimon, Zink.]
Ich will Euch das durch ein paar weitere Experimente zu
veranschaulichen suchen. Hier ist ein Stück _Phosphor_, der mit heller
Flamme brennt. Wir müssen hieraus schließen, daß dieser Phosphor
entweder in dem Moment der Entzündung oder später solche feste Teilchen
absondert. Ich zünde nun den Phosphor an und bedecke ihn mit einer
Glasglocke, um die Verbrennungsprodukte aufzufangen. Was bedeutet all
der Rauch? Dieser Rauch besteht eben aus jenen Teilchen, die durch die
Verbrennung des Phosphors gebildet werden. – Hier haben wir zwei andere
Stoffe. Dies ist _chlorsaures Kali_ und dies ist _Schwefelantimon_.
Ich werde sie zusammenmischen, und dann können sie auf verschiedene Art
in Brand gesetzt werden. Ich will sie zunächst, um Euch ein Beispiel
chemischer Reaktion zu geben, mit einem Tropfen Schwefelsäure berühren
und sie werden augenblicklich brennen. [Der Vortragende entzündet die
Mischung durch Schwefelsäure.] Nun könnt Ihr schon aus dem Augenschein
selbst schließen, ob diese Stoffe feste Produkte liefern. Ich habe Euch
ja den Weg zu dieser Schlußfolgerung gezeigt; denn wodurch ist diese
Flamme sonst so hell, als durch die emporsteigenden glühenden festen
Teile?
Herr Anderson hat da in dem Ofen einen Tiegel stark erhitzt, in den
ich einige Zinkfeilspäne werfen will, die dann mit einer Flamme wie
Schießpulver brennen werden. Ich mache Euch dieses Experiment hier vor,
weil Ihr es zu Hause gut nachmachen könnt. Jetzt sollt Ihr sehen, was
das Verbrennungsprodukt des Zinkes ist. Hier brennt das Zink. Es brennt
wundervoll wie eine Kerze. Aber was bedeutet all dieser Rauch? Was sind
diese kleinen Wollenflöckchen, die zu Euch hinfliegen, da Ihr nicht
zu ihnen kommen könnt? Es ist dies die sogenannte Philosophenwolle
der Alten. Wir werden finden, daß auch in dem Tiegel noch eine Menge
dieser wolligen Substanz zurückgeblieben ist. Doch will ich das
Experiment noch ein wenig anders machen und doch dasselbe Resultat
erzielen. Hier habe ich ein Stückchen Zink; hier [indem er auf einen
Wasserstoffbrenner zeigt] ist der Verbrennungsherd, und wir wollen ans
Werk gehen und das Metall zu verbrennen versuchen. Ihr seht, wie es
glüht; da haben wir die Verbrennung und hier die weiße Substanz, zu der
es verbrennt. Und wenn ich also diese Wasserstoffflamme als Vertreter
der Kerze nehme und Euch eine Substanz wie das Zink in der Flamme
brennend zeige, so werdet Ihr sehen, daß diese Substanz allein während
der Verbrennung glühte, so lange sie heiß erhalten wurde; und wenn ich
nun diese weiße Substanz wieder in die Wasserstoffflamme bringe, so
seht nur, wie schön sie glüht und zwar gerade darum, weil es eine feste
Substanz ist.
[Sidenote: Die Leuchtgasflamme.]
Ich will nun eine Flamme nehmen, wie ich sie schon einmal benutzt habe,
und will aus ihr die Kohlenteilchen in Freiheit setzen. Ich nehme etwas
Benzin, das mit viel Rauch brennt; aber ich lasse die Rauchteilchen
durch diese Röhre in die Wasserstoffflamme gehen, wo Ihr sie brennen
und leuchten sehen werdet, weil ich sie zum zweiten Male erhitze. Seht
jetzt! Da sind die Kohlenteilchen zum zweiten Male entzündet. Ihr
werdet diese Teilchen besser sehen, wenn ich ein Stück Papier hinter
sie halte; so lange sie sich innerhalb der Flamme befinden, glühen sie
durch die Hitze derselben und erzeugen eben so lange diese Helligkeit.
Werden solche Teilchen nicht abgeschieden, so erhält die Flamme keine
Leuchtkraft. Auch die Leuchtgasflamme verdankt ihre Helligkeit der
Ausscheidung solcher Kohlenteilchen während des Brennens; denn sie
sind im Leuchtgas ebenso vorhanden, wie in einer Kerze. Ich kann diese
Anordnung schnell umändern. Hier ist z. B. eine Gasflamme. Wenn ich
dieser Flamme so viel Luft zuführe, daß alles verbrannt ist, bevor
jene Teilchen frei geworden sind, so erhalte ich keine Helligkeit.
Das kann ich folgendermaßen bewerkstelligen: Wenn ich diese Kappe aus
Drahtgeflecht auf den Brenner setze und dann darüber das Gas anzünde,
so brennt es mit einer nichtleuchtenden Flamme, und das kommt daher,
daß sich das Gas mit viel Luft mischt, ehe es zum Brennen gelangt.
Und wenn ich das Drahtgeflecht emporhebe,so seht Ihr, daß es darunter
nicht brennt. Im Gas ist viel Kohle; aber weil die atmosphärische Luft
hinzutreten und sich vor dem Brennen damit mischen kann, so brennt es
mit der blassen blauen Flamme, die Ihr hier sehet. Und wenn ich auf
eine helle Gasflamme blase, so daß alle Kohle verbrannt wird, bevor
sie zum Glühen kommt, so wird sie gleichfalls blau brennen. [Der
Vortragende veranschaulicht diese Bemerkung, indem er auf ein Gaslicht
bläst.] Der einzige Grund, weshalb ich nicht dasselbe helle Licht
erhalte, wenn ich so auf die Flamme blase, ist, daß die Kohle mit einer
hinreichenden Luftmenge zusammenkommt, um zu verbrennen, ehe sie in der
Flamme in freiem Zustande ausgeschieden wird. Der Unterschied wird nur
dadurch hervorgerufen, daß keine festen Teilchen ausgeschieden werden,
ehe das Gas verbrannt ist.
[Illustration: Fig. 10.]
[Sidenote: Verbrennungsprodukt.]
Ihr seht, daß sich bei der Verbrennung einer Kerze bestimmte Produkte
bilden, und daß ein Teil derselben in Kohle oder Ruß besteht. Die
Kohle liefert, wenn sie nachher selbst verbrannt wird, ein anderes
Verbrennungsprodukt, und es ist für uns sehr wichtig, die Natur dieses
letzteren Produktes zu bestimmen. Wir haben gesehen, daß bei der
Verbrennung etwas entweicht, und ich muß Euch nunmehr auch dartun, wie
viel in die Luft geht. Zu diesem Zweck wollen wir eine Verbrennung in
etwas größerem Maßstabe vornehmen. Von dieser Kerze steigt erhitzte
Luft auf und zwei oder drei Experimente werden Euch den aufsteigenden
Strom zeigen. Um Euch aber die Menge der auf diese Art aufsteigenden
Stoffe bemerkbar zu machen, will ich ein Experiment ausführen, bei
dem ich eine gewisse Menge dieser Verbrennungsprodukte aufzufangen
gedenke. Zu diesem Zwecke habe ich hier einen Feuer-Ballon, wie ihn
die Knaben nennen, den ich gleichsam als Meßgefäß für die gebildeten
Verbrennungsprodukte benutze. Ich will mir auf die leichteste und
einfachste Art eine Flamme herstellen, wie sie meinem augenblicklichen
Bedarf am dienlichsten ist. Diesen Teller wollen wir als das
»Schälchen« der Kerze ansehen, dieser Spiritus ist unser Brennstoff,
und darüber setze ich nun einen Schornstein; es ist besser für mich,
es so zu machen, als aufs Geratewohl ans Werk zu gehen. Herr Anderson
wird jetzt den Spiritus anzünden, und hier oben werden wir die
Verbrennungsprodukte auffangen. Was wir am Ende dieser Röhre erhalten,
das ist, allgemein gesprochen, ganz dasselbe, was man beim Verbrennen
einer Kerze erhält; hier aber bekommen wir keine leuchtende Flamme,
weil wir ein Brennmaterial anwenden, das arm an Kohlenstoff ist. Ich
werde nun den Ballon aufsetzen, nicht um ihn steigen zu lassen – denn
das ist nicht meine Aufgabe – sondern um Euch die Verbrennungsprodukte
zu zeigen, die von der Kerze ebenso aufsteigen, wie hier aus dem
Schornstein. [Der Ballon wird über den Schornstein gehalten und beginnt
sich sogleich zu füllen.] Ihr seht, wie gern er aufsteigen möchte; aber
wir dürfen das nicht zulassen, weil er sonst mit den Gasflammen dort
oben in Berührung kommen könnte, was recht unangenehm wäre. [Die oberen
Flammen werden auf Wunsch des Vortragenden ausgedreht, und nun darf
der Ballon aufsteigen.] Zeigt Euch das nicht, was für eine große Menge
Stoff sich hierbei entwickelt?
[Sidenote: Wasser als Verbrennungsprodukt.]
Durch diese Röhre [der Vortragende hält eine weite Glasröhre über eine
Kerze] nehmen alle Verbrennungsprodukte der Kerze ihren Weg, und Ihr
werdet gleich bemerken, wie die Röhre ganz undurchsichtig wird. Ich
nehme nun eine andere Kerze, setze sie unter eine Glasglocke und stelle
dahinter ein Licht, damit Ihr deutlich beobachten könnt, was darin
vor sich geht. Ihr seht, die Wände der Glocke werden trübe, und die
Kerze beginnt schwach zu brennen. Es sind die Verbrennungsprodukte,
welche das Licht so verdunkeln und welche zugleich die Glocke so
undurchsichtig machen. Wenn Ihr nach Hause kommt und einen Löffel
nehmt, der in der kalten Luft gelegen hat, und haltet ihn über eine
Kerze – aber nicht so, daß er berußt wird – so werdet Ihr finden, daß
er ein ebenso mattes Ansehen bekommt, wie die Glocke hier. Wenn Ihr
eine silberne Schale bekommen könnt oder etwas der Art, so wird Euch
das Experiment noch besser gelingen. Und nun, um Eure Gedanken schon
im voraus auf unsere nächste Zusammenkunft zu lenken, will ich Euch
noch sagen, daß es _Wasser_ ist, was das Mattwerden bewirkt, und das
nächste Mal werde ich Euch zeigen, wie wir dasselbe ohne Schwierigkeit
nötigen können, die Form einer Flüssigkeit anzunehmen.
Fußnoten:
[5] Die Luft ist ein Gas; auch unser gewöhnliches Leuchtgas
ist ein solches. Luft und Leuchtgas bewahren unter den
verschiedensten Umständen ihre luftartige Beschaffenheit.
Die stärkste Winterkälte vermag nicht, sie ihnen zu nehmen.
– Anders ein Dampf. Das Wasser z. B. können wir leicht
in Dampf verwandeln. Wir tun es, wenn wir es zum Sieden
erhitzen. Wird Wasser in einer offenen Schale gekocht, so
bemerkt man, daß der Inhalt des Gefäßes sich allmählich
vermindert. Das Wasser ist aber nicht verschwunden, es hat
sich nur als Dampf in der Luft verbreitet. Dieser Dampf
ist unsichtbar wie die Luft selbst, er ist nichts anderes
als luftförmiges Wasser. Aber der Wasserdampf verliert
seine luftförmige Beschaffenheit ebenso leicht, wie er
sie annahm. Durch bloße Abkühlung wird er wieder flüssig,
wie wir im Winter in jeder Küche beobachten können. Das
Wasser, welches als Dampf den Kochtöpfen entsteigt und sich
unsichtbar in der Luft verteilt, schlägt sich an den kalten
Wänden und Fensterscheiben nieder und rinnt daran in dicken
Tropfen herab. – Leiten wir Luft durch kaltes Wasser, so
sehen wir die Blasen ungehindert hindurchgehen. Tun wir
dasselbe mit dem Dampfe, der aus einem Gefäße mit kochendem
Wasser entweicht, so verschwindet jede eintretende
Dampfblase, indem sie durch die Berührung mit dem kalten
Wasser sogleich selbst in flüssiges Wasser verwandelt
wird. – Auch wenn wir eine kalte Platte, einen Deckel oder
dergleichen über ein Gefäß mit siedendem Wasser halten, so
sehen wir, wie alsbald der aufsteigende Wasserdampf sich
tropfbar flüssig an dem kalten Körper niederschlägt.
Aber auch ohne besondere Erwärmung und ohne Sieden geht
die Verwandlung des Wassers in Dampf vor sich. Ein
Wassertropfen, der auf dem Fußboden vergossen wird, ist
nach kurzer Zeit verschwunden; die nasse Wäsche trocknet
in wenigen Stunden, wenn sie in der Luft frei aufgehängt
wird. Auch dieses beruht auf einer Verwandlung des Wassers
in Dampf, aber sie geht langsamer von statten als beim
Sieden und nur an der Oberfläche. Vom Spiegel des Meeres
verdunsten unausgesetzt ungeheure Massen von Wasser. Der
dadurch gebildete Wasserdampf erhebt sich in die Luft, in
der er sich zunächst unsichtbar verteilt. Sobald er aber
in der Höhe mit kälteren Luftschichten in Berührung kommt,
so kann er nicht mehr als Dampf fortbestehen, er wird zu
Wasser und es bilden sich Wolken, Regen oder Schnee. (Auch
die Wolken bestehen aus flüssigem Wasser in Gestalt ganz
feiner Bläschen, die sich in der Luft schwebend erhalten.)
– Im Regen fällt der zu Wasser verdichtete Dampf auf die
Erde nieder; in Quellen, Bächen, Flüssen strömt er zum
Meere zurück, um dann den großen Kreislauf von neuem zu
beginnen.
[6] Dieser Herr _Anderson_ – Faraday’s Gehilfe – war, wie
_Tyndall_ erzählt, ein sehr achtbarer, zugleich aber auch
ein etwas wunderlicher Mensch. Er sagte wohl gelegentlich
von Faraday’s Vorlesungen: »Ich mache die Experimente
und Faraday macht die Redensarten dazu.« In seiner
liebenswürdigen und heiteren Weise behandelte Faraday
den alten Mann auch immer so, als sei dies wirklich ihre
gegenseitige Stellung.
Dritte Vorlesung.
Wasser als Verbrennungsprodukt der Kerze. Eigenschaften des
Wassers; seine Aggregatzustände. Wasserstoff als Bestandteil
des Wassers. Darstellung und Eigenschaften des Wasserstoffs.
Wasser als Verbrennungsprodukt des Wasserstoffs. Die Volta’sche
Säule.
Ihr werdet Euch erinnern, daß ich vor unserem Auseinandergehen das
Wort »Verbrennungsprodukte« gebrauchte, und daß wir imstande sind,
mit entsprechenden Vorrichtungen verschiedene derartige Produkte von
einer brennenden Kerze aufzufangen. Den einen Stoff konnten wir nicht
erhalten, wenn die Kerze ordentlich brannte: die Kohle oder den Rauch;
ferner lernten wir auch einen Stoff kennen, der von der Flamme aufstieg
und nicht als Rauch erschien, sondern eine andere Form annahm und einen
Teil des unsichtbaren Stromes ausmachte, der von der Kerze aufsteigt
und entweicht. Es waren aber noch andere Produkte zu erwähnen. Ihr
erinnert Euch, daß wir in dem von der Kerzenflamme aufsteigenden
Strome einen Bestandteil fanden, der sich an einem kalten Löffel
oder an einem reinen Teller oder an irgend einem kalten Gegenstande
verdichten ließ, und daß wiederum ein anderer Teil nicht verdichtbar
war.
[Sidenote: Wasser als Verbrennungsprodukt.]
Wir wollen den verdichtbaren Teil zuerst genauer untersuchen; seltsam
genug finden wir, daß er nichts als Wasser ist. Das vorige Mal
sprach ich beiläufig davon, indem ich nur sagte, daß Wasser unter
den kondensierbaren[7] Produkten einer Kerze sei; heute aber möchte
ich Eure Aufmerksamkeit eingehender auf das Wasser lenken, das wir
sorgsam untersuchen wollen, namentlich in seiner Beziehung auf
unsern Gegenstand, wie auch in Rücksicht auf sein Vorkommen auf der
Erdoberfläche.
[Illustration: Fig. 11.]
Nun, nachdem ich sorgfältig ein Experiment zur Verdichtung des Wassers
aus den Verbrennungsprodukten einer Kerze vorbereitet habe, will ich
Euch zunächst dieses Wasser zeigen; das beste Mittel, die Gegenwart
des Wassers so Vielen zugleich zu beweisen, ist vielleicht, eine recht
sichtbare Wirkung des Wassers zu zeigen, und diese dann als Prüfstein
für das, was sich als Tropfen an dem Boden des Gefäßes gesammelt
hat, anzuwenden. Ich habe hier eine eigentümliche Substanz, das von
_Humphry Davy_ entdeckte _Kalium_, welches eine sehr energische Wirkung
auf Wasser übt, und dieses werde ich benutzen, um die Gegenwart des
Wassers nachzuweisen. Ich nehme ein Stückchen davon und werfe es in
diese Schüssel, und Ihr seht, wie es die Gegenwart von Wasser anzeigt,
indem es sich entzündet und emporschnellt, mit violetter Flamme
brennend. Ich nehme jetzt die Kerze fort, die unter dieser Schale
mit Eis und Salz gebrannt hat, und Ihr seht einen Wassertropfen, als
kondensiertes Produkt der Kerze, an der untersten Stelle des Gefäßes
hängen. Ich will Euch zeigen, daß das Kalium dieselbe Wirkung darauf
ausübt, wie auf das Wasser in dem Gefäße, mit dem wir es soeben
versucht haben. Seht, es fängt Feuer und brennt in derselben Weise. Ich
werde einen andern Tropfen auf diese Glasplatte bringen, und wenn ich
Kalium hinzufüge, so werdet Ihr aus dem Umstand, daß es Feuer fängt,
sogleich schließen, daß Wasser vorhanden ist. Nun, dieses Wasser ist
aus der Kerze entwickelt worden. Ebenso werdet Ihr sehen, wenn ich
die Spirituslampe unter das Gefäß stelle, daß dieses von dem Tau, der
sich an demselben niederschlägt, feucht wird – in dem Tau haben wir
wieder dasselbe Verbrennungsprodukt – und an den Tropfen, die auf
ein untergehaltenes Stück Papier herabfallen, könnt Ihr sehen, daß
sich eine ziemliche Menge Wasser bei der Verbrennung bildete. Ich
will es jetzt beiseite stellen, und Ihr mögt nachher sehen, wie viel
Wasser sich angesammelt hat. Nehme ich eine Gaslampe und bringe ich
irgend eine abkühlende Vorrichtung darüber, so erhalte ich gleichfalls
Wasser, welches ebenso durch die Verbrennung des Gases gebildet
wird. In dieser Flasche hier ist eine Quantität Wasser, ganz reines
destilliertes Wasser[8], welches aus einer Gasflamme aufgefangen wurde;
es ist in keiner Weise verschieden von anderem destillierten Wasser,
mag man es aus Quell-, Fluß- oder Seewasser destillieren; immer ist
destilliertes Wasser ein und dasselbe, es ist ein Körper von stets
gleicher Beschaffenheit. Wir können es absichtlich mit anderen Dingen
vermischen, oder wir können es zersetzen und andere Dinge daraus
darstellen: aber Wasser als solches bleibt immer dasselbe, ob in
festem, flüssigem oder luftförmigem Zustand. Hier ferner [eine andere
Flasche emporhaltend] habe ich Wasser, das aus einer Ölflamme gewonnen
wurde. Ein Maß Öl liefert bei der Verbrennung über ein Maß Wasser.
Hier ist Wasser, das durch ein längeres Experiment aus einer Wachskerze
entwickelt wurde. Und so können wir mit fast allen brennbaren
Substanzen verfahren, die mit einer Flamme ähnlich der Kerze brennen,
und wir werden finden, daß sie Wasser erzeugen. Ihr könnt diese
Experimente selbst machen; der Kopf eines Schüreisens z. B. eignet sich
ganz gut zu solchen Versuchen, er bleibt über der Flamme lange genug
kalt, so daß man an demselben Wasser in Tropfen kondensiert erhalten
kann; auch jedweden Löffel oder irgend ein ähnliches Instrument könnt
Ihr dazu brauchen, vorausgesetzt, daß es rein ist und die Wärme gut
ableitet, so daß dadurch das Wasser verdichtet wird.
Um nun dem Wesen dieser wunderbaren Bildung des Wassers aus
Brennstoffen und durch Verbrennung näher zu treten, muß ich zunächst
von den verschiedenen Formen sprechen, in denen das Wasser auftritt;
und obgleich Euch dieselben wohl alle bekannt sein mögen, so ist
es doch für unsern augenblicklichen Zweck nötig, sie etwas näher
zu betrachten, damit Ihr seht, wie das Wasser, während es seine
Proteus-Verwandlungen durchmacht, doch immer ganz und gar dasselbe
Ding ist, ob es nun durch Verbrennung aus einer Kerze oder durch
Destillation aus Fluß- oder Meerwasser gewonnen wurde.
Zunächst: wenn das Wasser stark abgekühlt ist, so bildet es das Eis.
Wir als Naturforscher – ich darf Euch und mich in diesem Falle wohl so
nennen – wir sprechen vom Wasser als Wasser, es sei im festen oder
flüssigen oder gasförmigen Zustand; wir haben es hier stets nur mit
Wasser im chemischen Sinne zu tun. Das Wasser ist aus zwei Stoffen
zusammengesetzt, von denen wir den einen aus der Kerze genommen
haben, während wir den andern an einem andern Orte finden werden.
Wasser kann uns als Eis begegnen, und Ihr habt im Winter die beste
Gelegenheit, es als solches zu sehen. Das Eis wird wieder zu Wasser,
wenn die Temperatur steigt, und das Wasser geht in Dampf über, wenn es
hinlänglich erhitzt wird. Das flüssige Wasser, welches wir hier vor uns
haben, befindet sich in seinem dichtesten Zustande. Ob wir es nämlich
durch Abkühlung in Eis oder durch Erhitzen in Dampf verwandeln, es
nimmt stets an Volumen zu – in dem einen Falle auf sehr merkwürdige
Art und mit großer Gewalt, im anderen in sehr bedeutendem Grade. Ich
werde z. B. jetzt diesen Blechzylinder nehmen und ein wenig Wasser
hineingießen. Ihr seht, wie viel ich Wasser hineingieße, und daraus
könnt Ihr leicht abschätzen, daß es in dem Zylinder ungefähr zwei Zoll
hoch stehen wird. Nun werde ich das Wasser in Dampf verwandeln, um Euch
zu zeigen, wie verschieden der Raum ist, den das Wasser einnimmt, je
nachdem es sich in flüssigem oder dampfförmigem Zustand befindet.
Nehmen wir inzwischen die Verwandlung des Wassers in Eis vor, die
wir durch Kühlung mit einer Mischung aus Salz und gestoßenem Eis
bewerkstelligen können. Ich will das tun, um Euch die Ausdehnung des
Wassers bei dieser Verwandlung zu zeigen. Diese Flaschen [indem er eine
emporhält] sind von Gußeisen gemacht, sie sind sehr stark und dick, ich
glaube ¹/₃ Zoll dick; sie wurden sorgfältig mit Wasser gefüllt, so daß
alle Luft ausgeschlossen ist, und dann fest zugeschraubt. Wir werden
sehen, wenn wir das Wasser in diesen eisernen Gefäßen gefrieren lassen,
daß sie nicht mehr imstande sind, das Eis eingeschlossen zu halten; die
Ausdehnung wird sie in Stücke wie diese [indem er einige Bruchstücke
vorzeigt] zersprengen, die von Flaschen ganz derselben Art herrühren.
Ich werde diese beiden Flaschen in die Mischung von Salz und Eis
setzen, um Euch zu zeigen, wie das Wasser, indem es zu Eis wird, sein
Volumen in so auffälliger Weise vergrößert.
In der Zwischenzeit beobachtet hier die Veränderung, welche mit dem
Wasser eingetreten ist, das wir heiß gemacht haben; es verlor seine
flüssige Form. Dies bringt verschiedene weitere Veränderungen mit
sich. Ich habe den Hals dieser Glasflasche, in der Wasser kocht, mit
einem Uhrglas bedeckt. Seht Ihr, was geschieht? Es rasselt wie ein
klapperndes Ventil, weil der von dem kochenden Wasser aufsteigende
Dampf das Glas auf- und niederstößt und sich selbst hinauszwängt.
Ihr könnt leicht einsehen, daß die Flasche ganz voll Dampf ist, der
sich sonst einen Ausgang nicht zu erzwingen brauchte. Ihr seht auch,
daß die Flasche eine Substanz enthält, die einen viel größeren Raum
erfüllt als vorher das Wasser; denn sie füllt die ganze Flasche immer
und immer wieder, hebt den Deckel und entweicht in die Luft; und bei
alledem ist gar keine große Verminderung der Wassermasse zu bemerken,
woraus Ihr seht, daß die Raumvergrößerung bei der Verwandlung des
Wassers in Dampf eine sehr bedeutende ist.
Nun wieder zurück zu unsern eisernen Flaschen in der Kältemischung, um
zu sehen, was da geschieht. Ihr bemerkt, daß zwischen dem Wasser in den
Flaschen und dem Eis in dem äußeren Gefäß keine Verbindung stattfindet.
Aber dennoch wird von dem einen zum andern Wärme übergehen, und wenn
wir Glück haben – wir machen unser Experiment freilich in zu großer
Hast – so erwarte ich, daß wir mit der Zeit, sobald die Flaschen und
ihr Inhalt kalt geworden sind, einen Knall hören werden, der vom
Zerbersten der einen oder der anderen herrührt. Wenn wir dann die
Flaschen untersuchen, werden wir als ihren Inhalt Eismassen finden,
die teilweise von der Eisenumkleidung bedeckt sind, welche zu eng für
sie geworden war, weil die Eismasse größer wurde als die Wassermasse
vorher. Ihr wißt, daß eine Eisscholle auf dem Wasser schwimmt. Wenn
jemand durch ein Loch ins Wasser fällt, so sucht er wieder aufs Eis zu
kommen, welches ihn oben halten soll. Warum schwimmt das Eis? – Denkt
darüber nach und erklärt es mir! Nun, weil die Eisscholle größer ist
als die Masse Wasser, aus der sie entstand; und deshalb muß das Eis
weniger wiegen, als eine gleichgroße Wassermenge.
[Illustration: Fig. 12.]
Kehren wir zur Wirkung der Hitze auf das Wasser zurück. Seht, was
für ein Dampfstrom aus dem Blechgefäß entweicht. Ihr bemerkt, daß es
völlig mit Dampf angefüllt sein muß, der ja sonst nicht in dieser
großen Menge herausströmen würde. Und nun, wie wir das Wasser durch
Hitze in Dampf verwandeln können, so verwandeln wir es zurück in
flüssiges Wasser durch Anwendung von Kälte. Wenn wir ein Glas oder
irgend einen kalten Gegenstand über den Dampf halten – seht nur, wie
bald es durch den Wasserdampf undurchsichtig wird; es verdichtet sich
das Wasser, das nun an den Seiten herabläuft, und diese Verdichtung
wird fortdauern, bis das Glas erwärmt ist; gerade so wie der Dampf,
den wir früher als Verbrennungsprodukt einer Kerze erhielten, am
Boden einer Schale als flüssiges Wasser verdichtet wurde. – Ich werde
nun noch einen anderen Versuch anstellen, um die Zurückführung des
Wassers aus dem dampfförmigen Zustand in den flüssigen und zugleich
die große Raumveränderung, welche damit verbunden ist, zu zeigen. An
dem Blechzylinder, in welchem wir Wasser zum Kochen erhitzen, und
welcher jetzt ganz mit Dampf gefüllt ist, befindet sich ein Hahn. Ich
schließe diesen und wir werden sehen, was geschieht, wenn wir diesen
Wasserdampf in die flüssige Form zurückzukehren zwingen, indem wir die
Außenseite des Zylinders mit kaltem Wasser begießen. [Der Vortragende
gießt kaltes Wasser über das Gefäß, welches augenblicklich nach innen
zusammenknickt.] Ihr seht, was sich ereignet hat. Wenn ich den Hahn
geschlossen und das Gefäß erhitzt hätte, so würde es zersprungen
sein. Wenn aber der Dampf wieder zu Wasser wird, so fällt das Gefäß
zusammen, da durch die Verdichtung des Dampfes inwendig ein leerer
Raum entsteht[9]. Ich zeige Euch diese Versuche, um den Satz zu
bekräftigen, daß bei all diesen Vorgängen nichts geschieht, wodurch
das Wasser in irgend etwas anderes verwandelt würde – es ist und
bleibt Wasser; und so muß das Gefäß nachgeben und knickt zusammen, wie
es im entgegengesetzten Fall, infolge weiterer Erhitzung, nach außen
zersprengt worden wäre.
[Illustration: Fig. 13.]
Und wie groß stellt Ihr Euch den Umfang vor, den das Wasser in
dampfförmiger Gestalt annimmt?
Ihr seht diesen Würfel [indem er auf einen Kubikfuß deutet], daneben
steht ein Kubikzoll, genau von derselben Form wie der Kubikfuß.
Nun, diese Wassermenge (der Kubikzoll) ist imstande, sich zu dieser
Dampfmenge, (dem Kubikfuß) auszudehnen, oder umgekehrt, diese große
Quantität Dampf zieht sich durch Erkaltung zu dieser kleinen Menge
Wasser zusammen. [In diesem Augenblick zerplatzt eine der eisernen
Flaschen.] Ah! Eine unserer Flaschen ist geborsten, und hier seht
Ihr einen Sprung längs der einen Seite von ¹/₈ Zoll Breite. [Jetzt
explodiert auch die andere und schleudert die Kältemischung nach allen
Richtungen umher.] Auch die andere Flasche ist zersprengt, obgleich
sie beinah ½ Zoll stark war. Derartige Veränderungen gehen stets im
Wasser vor sich und sie brauchen nicht etwa immer durch künstliche
Mittel hervorgerufen zu werden – wir gebrauchten sie hier nur, um einen
kleinen Winter um diese Flaschen herum herzustellen, statt eines langen
und strengen. Wenn Ihr nach Kanada oder auch nach dem Norden von Europa
geht, so werdet Ihr finden, daß dort die Temperatur vor der Haustür
ganz dasselbe tut, was hier die Kältemischung bewirkte.