1 Kubikmeter wiegt

Wasserstoff 89 Gramm

Sauerstoff 1430 Gramm

Stickstoff 1250 Gramm

Atmosphärische Luft 1293 Gramm

Kohlensäure 1965 Gramm

[Illustration: Fig. 30.]

Also ein Kubikmeter Kohlensäure wiegt fast zwei Kilogramm. Diese

Schwere des Gases kann durch viele Experimente ersichtlich gemacht

werden. Hier nehme ich z. B. ein Glas, das nichts als Luft enthält, und

versuche, aus dem da, das voll Kohlensäure ist, etwas hineinzugießen;

ich bin nun begierig, ob etwas hineingeflossen ist oder nicht. Durch

den Augenschein ist das nicht zu erkennen, wohl aber am Brennen meines

Wachsstockes darin. Seht, da habt Ihr’s: die Flamme verlöscht, sobald

ich das Gas in das tiefere Gefäß hineingieße. Noch deutlicher würde

ich die Kohlensäure hier wiederum durch ihre Wirkung auf Kalkwasser

nachweisen, die Ihr nun schon so oft gesehen habt. Jetzt werde ich

einmal den kleinen Eimer da in unsern Kohlensäure-Brunnen hinablassen

– leider haben wir nur zu oft wirkliche Kohlensäurebrunnen – und wenn

Kohlensäure da unten ist, muß er sich damit füllen, als ob es Wasser

wäre; wir ziehen ihn wieder herauf, prüfen seinen Inhalt mit unserm

Wachsstock, und da sehen wir’s – er ist voll Kohlensäure.

[Illustration: Fig. 31.]

Noch augenfälliger zeigt sich die Schwere der Kohlensäure an folgendem

Experiment auf meiner Wage. Auf die eine Wageschale habe ich ein Glas

gestellt und durch Gewichte auf der andern Seite die Wage wieder ins

Gleichgewicht gebracht. Ich gieße nun dieses mit Kohlensäure gefüllte

Glas in das Gefäß auf der Wage aus, das erst nur atmosphärische Luft

enthielt, und Ihr seht, wie es sofort niedersinkt. Auch jetzt will ich

die Untersuchung mit meinem brennenden Wachsstock nicht unterlassen –

wir sehen, wie ihm das Fortbrennen in dem Gefäß auf der Wage unmöglich

wird, wissen also, daß sich wirklich Kohlensäure darin befindet.

Blase ich eine Seifenblase, natürlich mit gewöhnlicher Luft, und lasse

sie in dieses Gefäß mit Kohlensäure fallen, so wird sie schwimmen.

Aber ich will zuerst einen dieser kleinen, mit Luft gefüllten Ballons

nehmen. Ich bringe ihn in dieses, zum Teil mit Kohlensäure gefüllte

Gefäß. Er schwimmt auf der Kohlensäure, und wir können daran die Höhe

erkennen, bis zu welcher sie das Gefäß erfüllt. Gieße ich noch mehr

Kohlensäure hinein, so wird der Ballon gehoben. Jetzt ist das Gefäß

nahezu voll davon; und nun will ich sehen, ob ich eine Seifenblase

darauf blasen und sie in derselben Weise schwimmen lassen kann.

[Der Vortragende bläst eine Seifenblase, läßt sie in das Gefäß mit

Kohlensäure fallen, und sie schwimmt richtig mitten darin.] Sie

schwimmt wie vorher der Ballon, weil die Kohlensäure schwerer ist als

die Luft.

Wir haben nun die Kohlensäure kennen gelernt, sowohl hinsichtlich

ihrer Bildung aus der Kerze oder dem Marmor, als in ihren wichtigsten

physikalischen Eigenschaften, besonders in ihrer Schwere; und bei

unsrer nächsten Zusammenkunft denke ich Euch zu zeigen, wie sie

zusammengesetzt ist, d. h. aus welchen Elementen sie besteht.

Fußnoten:

[17] Dieses »Prüfgas« ist das sogenannte Stickoxyd der

Chemiker, eine Verbindung von Stickstoff (von welchem in

dieser Vorlesung ausführlich die Rede ist) und Sauerstoff.

Es ist ausgezeichnet durch die Eigenschaft, sich in

Berührung mit freiem Sauerstoff sogleich mit diesem zu

einer sauerstoffreicheren Verbindung zu vereinigen. Da

Stickoxyd und Sauerstoff farblose und unsichtbare Gase

sind, das Gas, welches durch ihre Verbindung entsteht,

aber dunkel rotbraun gefärbt ist, so zeigt in der Tat das

Stickoxyd die Gegenwart von freiem Sauerstoff in einer sehr

augenfälligen Weise an.

[18] Siehe Fig. 9, Seite 74.

[19] Bei unvollständiger Verbrennung.

[20] Fix kommt aus dem Lateinischen und bedeutet fest.

Sechste Vorlesung.

Chemische Zusammensetzung der Kohlensäure. Ihre Bildung durch

Verbrennung von Kohlenstoff. Mengenverhältnis der Bestandteile.

Zerlegung der Kohlensäure in ihre Elemente. Bildung von

Kohlensäure durch Verbrennung des Holzes und des Leuchtgases.

Feste und gasförmige Verbrennungsprodukte der Körper. –

Der Atmungsprozeß. Kohlenstoffgehalt der Nahrungsmittel.

Die Körperwärme. Wechselwirkung zwischen der Tier- und

Pflanzenwelt. – Einfluß der Temperatur auf den Eintritt

chemischer Prozesse.

Eine Dame, welche diese Vorträge mit ihrer Gegenwart beehrt, hat

mich noch weiter durch Übersendung dieser beiden Kerzen zu Dank

verpflichtet. Sie stammen aus Japan und sind vermutlich aus jenem

Material verfertigt, das ich Euch schon in der ersten Vorlesung

zeigte, dem sogenannten Japanischen Wachs. Ihr seht, sie sind noch

viel zierlicher gestaltet und ausgeschmückt als jene französischen

Kerzen, die ich ebenfalls damals vorwies, und ihrem ganzen äußeren

Aussehen nach möchte man sie wahre Luxuskerzen nennen. Außerdem aber

zeigen sie eine merkwürdige Eigentümlichkeit, nämlich einen hohlen

Docht – jene vorzügliche Verbesserung also, welche Argand an der Lampe

einführte und durch welche er ihren Wert so bedeutend erhöhte. Wer

schon öfter Sendungen aus dem fernen Osten erhielt, wird wohl bemerkt

haben, daß solche Gegenstände auf dem langen Transport ein mattes,

unscheinbares Aussehen bekommen haben; es ist aber ganz leicht, ihnen

die ursprüngliche Schönheit und das frische Äußere wiederzugeben; man

braucht sie zu diesem Zweck nur mit einem reinen seidenen Tuch gut

abzureiben, also die Unebenheiten und Rauhigkeiten ihrer Oberfläche

gleichsam zu polieren. Eine dieser beiden Kerzen habe ich so behandelt

und Ihr werdet den Unterschied von der andern nicht polierten bemerken,

die ich natürlich ebenso auffrischen könnte. Außerdem ist an diesen

japanischen Kerzen noch die Eigentümlichkeit hervorzuheben, daß sie

viel mehr kegelförmig gegossen sind, als es bei uns üblich ist.

In meinem letzten Vortrag habe ich Euch bereits viel von der

Kohlensäure erzählt. Ich habe Euch besonders ihre Reaktion auf

Kalkwasser vorgeführt, dessen Bereitung ich Euch zeigte, so daß Ihr

es selbst machen könnt; und Ihr erinnert Euch, wie die in einer

Flasche aufgefangene Luft aus unserer Kerze in dem Kalkwasser einen

weißen Niederschlag hervorbrachte, daß ferner dieser Niederschlag

aus demselben Kalk bestand, der sich in den Muscheln, Korallen, wie

in vielen Gebirgsarten und Mineralien findet. Von ihrer eigentlichen

chemischen Natur indes habe ich noch nicht ausführlich und eingehend

genug gesprochen, und ich muß deshalb dieses Thema heute wieder

aufnehmen.

Wie wir bei Untersuchung der Verbrennungsprodukte unserer Kerze

bereits das aufgefundene Wasser in seine Elemente zerlegten, so müssen

wir jetzt auch die aus der Kerze entwickelte Kohlensäure auf ihre

Bestandteile prüfen, und einige Experimente werden uns auch hier zum

Ziele führen.

Ihr erinnert Euch, daß eine schlecht brennende Kerze Ruß entwickelt,

während bei einer gut brennenden davon nichts zu sehen ist; Ihr wißt

aber auch, daß die Helligkeit der Kerzenflamme gerade diesem Ruße

zu verdanken ist, welcher zunächst ins Glühen kommt und schließlich

verbrennt. Hier habe ich ein Experiment vorbereitet, an dem es sich

recht deutlich zeigt, wie hellleuchtend die Flamme wird, wenn alle

Kohlenteilchen innerhalb derselben zum Erglühen und Verbrennen

gelangen, so daß dabei durchaus nichts von schwarzen Flöckchen zu sehen

ist. Ich entzünde einen ungemein lebhaft brennenden Stoff, Terpentinöl

nämlich, mit dem dieser Schwamm getränkt ist. Seht den aufsteigenden

Ruß, wie er massenhaft in der Luft herumfliegt! Und nun denkt daran,

daß ich Euch sagte: von solchem Ruß, solcher Kohle, entsteht die

Kohlensäure, wie wir sie aus der Kerze erhielten. Das nun will ich Euch

jetzt beweisen. Ich bringe den Schwamm mit dem brennenden Terpentinöl

in ein Glas voll Sauerstoff, und da seht Ihr denn, wie prächtig jetzt

die Flamme leuchtet und daß aller Ruß vollständig verzehrt wird. Dies

ist aber erst die eine Hälfte unseres Experiments. Was folgt nun?

Die Kohle, welche Ihr soeben aus der Terpentinflamme in die Luft

fliegen saht, ist also völlig im Sauerstoff verbrannt, und wir werden

finden, daß wir bei diesem raschen ungestümen Vorgange ganz genau

dasselbe Ergebnis erlangten, welches uns die ruhige Verbrennung

unserer Kerze lieferte. [In die Flasche, in welcher das Terpentinöl

mit Sauerstoff verbrannte, wird Kalkwasser gegossen, welches beim

Umschütteln stark getrübt wird.] Ich habe Euch dieses Experiment

gezeigt, obwohl sein Erfolg eigentlich vorauszusehen war, damit Euch

der Gang unserer Untersuchungen bei jedem Schritt so klar und deutlich

werde, daß Ihr keinen Augenblick den Faden verlieren könnt, wenn Ihr

nur recht Achtung gebt.

Alle Kohle also, die in der Luft oder in reinem Sauerstoff verbrennt,

tritt als Kohlensäure aus der Flamme heraus; in den Teilchen dagegen,

welche nicht so verbrannt sind, stellt sich Euch der zweite Bestandteil

der Kohlensäure dar, nämlich Kohle, jener Körper, welcher die Flamme

so hell machte, als sie genug Sauerstoff zum Verbrennen erhielt,

welcher aber teilweise ausgeschieden wurde, als nicht genug Sauerstoff

vorhanden war, um ihn zu verbrennen.

Um Euch nun diese Vereinigung der Kohle und des Sauerstoffs zu

Kohlensäure noch verständlicher zu machen, wozu Ihr jetzt schon viel

besser befähigt seid als früher, habe ich hier einige Experimente

vorbereitet. Dieses Gefäß hier ist mit Sauerstoff gefüllt, und hier

ist etwas Kohle, die ich in einem Schmelztiegel zunächst rotglühend

mache. Ich will gleich voraus bemerken, daß ich Euch diesmal ein etwas

unvollkommenes Resultat zu bieten wage; aber es geschieht gerade, um

das Experiment deutlicher zu machen. Ich bringe jetzt Sauerstoff und

Kohle zusammen. Daß dies Kohle, gewöhnliche pulverisierte Holzkohle

ist, könnt Ihr an der Art sehen, wie sie an der Luft brennt. [Indem

er etwas von der rotglühenden Holzkohle aus dem Tiegel herausfallen

läßt.] Nun werde ich sie aber in Sauerstoff verbrennen; achtet auf den

Unterschied! In der Entfernung mag es Euch vielleicht scheinen, als

ob sie mit einer Flamme brenne; dem ist aber nicht so. Jedes einzelne

Stückchen Kohle brennt als ein Funke, und indem es so brennt, bildet es

Kohlensäure. Ich wünschte diese paar Experimente besonders auch deshalb

anzustellen, weil sie das recht deutlich vor Augen führen, worauf ich

später näher eingehen werde, nämlich: daß Kohle eben in _dieser_ Weise

brennt und nicht mit einer Flamme.

Statt aber so viele einzelne Kohlenstäubchen zu verbrennen, will ich

nun lieber ein größeres Stück Kohle benutzen, dessen Gestalt und

Umfang Ihr während des Brennens deutlich unterscheiden könnt. Ihr

werdet dann auch den ganzen Vorgang besser beobachten. Hier ist

das Gefäß mit Sauerstoff, und hier ist ein Stück Kohle, an das ich

einen Holzspan befestigt habe; diesen kann ich anzünden und so die

Verbrennung einleiten, welche sich sonst nur schwierig bewerkstelligen

ließe. Da seht Ihr nun die Kohle brennen, aber nicht mit einer Flamme

(oder wenn Ihr doch ein Flämmchen bemerkt, so ist es jedenfalls nur

ein ganz kleines; es rührt davon her, daß bei der Verbrennung sich

vorübergehend eine eigene Substanz, sogenanntes Kohlenoxyd an der

Oberfläche der Kohle bildet). Die Verbrennung geht diesmal langsam

vor sich, wie Ihr seht, und nach und nach entwickelt sich Kohlensäure

durch die Verbindung der Kohle mit dem Sauerstoff. Hier habe ich ein

anderes Stück Kohle, und zwar Borkenkohle, welches die Eigentümlichkeit

besitzt, beim Brennen in Stücke zu zerspringen, zu explodieren. Durch

die Hitze wird dieser Kohlenklumpen in einzelne Teilchen zerplatzen,

die in die Luft fliegen; indes brennt jedes Teilchen ebenso wie die

ganze Masse in dieser eigentümlichen Art – es brennt wie eben Kohle

brennt, ohne Flamme. Ihr bemerkt, daß eine Menge einzelner kleiner

Verbrennungen vor sich gehen, seht aber keine Flammen. Ich kenne kein

schöneres Experiment als dieses, um zu zeigen, daß die Kohle nur

glimmend brennt.

[Sidenote: Zerlegung der Kohlensäure.]

Hier also sehen wir Kohlensäure aus ihren Elementen entstehen. Wenn wir

sie mit Kalkwasser prüfen, so werdet Ihr sehen, daß wir ganz denselben

Körper erhalten, den ich Euch bereits früher beschrieben habe. Wenn

sich 6 Gewichtsteile Kohle (mag sie von der Flamme einer Kerze oder von

pulverisierter Holzkohle herstammen) und 16 Gewichtsteile Sauerstoff

verbinden, so erhalten wir 22 Teile Kohlensäure; und 22 Teile

Kohlensäure geben mit 28 Teilen Kalk 50 Teile kohlensauren Kalk. Wenn

Ihr Austerschalen untersucht und ihre Bestandteile wägt, so werdet Ihr

finden, daß je 50 Teile davon 6 Teile Kohle und 16 Teile Sauerstoff

verbunden mit 28 Teilen Kalk enthalten. Indessen will ich Euch nicht

mit solchen Einzelheiten behelligen; wir wollen uns vielmehr an die

Natur unseres Gegenstandes im allgemeinen halten. Seht, wie die Kohle

nach und nach schwindet [der Vortragende zeigt auf das Stück Kohle, das

in dem Gefäß mit Sauerstoff ruhig fortbrennt]. Ihr mögt sagen, daß sich

die Kohle in der umgebenden Luft auflöst; und wenn das ganz reine Kohle

wäre (die wir übrigens leicht herstellen könnten), so würde auch gar

kein Rückstand übrig bleiben; vollkommen reine Kohle läßt keine Asche

zurück.

Die Kohle ist ein fester Körper, dessen Festigkeit durch Hitze allein

nicht aufgehoben werden kann; aber beim Verbrennen geht sie in ein

Gas über, welches sich unter gewöhnlichen Umständen nicht zu einem

festen oder flüssigen Körper verdichten läßt. Und noch wunderbarer

mag der Umstand erscheinen, daß durch diese Aufnahme der Kohle der

Sauerstoff durchaus nichts an seinem Rauminhalt ändert: er verwandelt

sich in Kohlensäure, und diese nimmt genau denselben Raum ein, wie der

Sauerstoff, welcher zu ihrer Bildung erforderlich war.

Ich muß Euch indes noch ein anderes Experiment zeigen, um Euch

hinreichend mit der Natur der Kohlensäure bekannt zu machen. Da sie

ein zusammengesetzter Körper ist, indem sie aus Kohle und Sauerstoff

besteht, so müssen wir auch imstande sein, sie in ihre Bestandteile

zu zerlegen; und das können wir auch in der Tat bei ihr so gut wie

beim Wasser. Der einfachste und kürzeste Weg ist der, einen Körper

auf die Kohlensäure einwirken zu lassen, welcher den Sauerstoff aus

ihr an sich zieht und die Kohle zurückläßt. Ihr erinnert Euch, wie

ich Kalium auf Wasser oder Eis legte, und Ihr saht, daß es imstande

war, den Sauerstoff vom Wasserstoff zu trennen. Nun, versuchen wir

einmal dasselbe bei der Kohlensäure. Ihr wißt, die Kohlensäure ist ein

schweres Gas, ich will sie nicht mit Kalkwasser prüfen, weil sich das

mit den folgenden Experimenten nicht vertragen würde, und ich denke,

die Schwere des Gases und seine Kraft, Flammen auszulöschen, wird Euch

seine Gegenwart hinlänglich beweisen. Ich bringe eine Flamme in das

Gas, und Ihr seht, das Licht geht aus. Vielleicht möchte das Gas sogar

Phosphor auslöschen, von dem Ihr doch wißt, daß er sehr heftig brennt.

Hier ist ein Stückchen Phosphor, das ich durch Erhitzen entzünde. Ich

bringe es in das Gas und Ihr seht, es löscht aus, wird aber in der

Luft wieder Feuer fangen und von neuem weiter brennen. Das Kalium nun

ist imstande, schon bei gewöhnlicher Temperatur auf die Kohlensäure

zu wirken, freilich nicht so kräftig, wie es unser augenblicklicher

Zweck erfordert, da sich bald eine umhüllende Schicht darüber bildet,

welche das Fortschreiten des Prozesses erschwert. Wenn wir es aber so

erwärmen, daß es in der Luft brennt, wozu wir ja das volle Recht haben

und wie wir’s auch mit dem Phosphor taten, so werdet Ihr sehen, daß

es auch in Kohlensäure brennen kann; und wenn es brennt, so tut es

dies eben, weil es sich mit dem Sauerstoff der Kohlensäure verbindet,

so daß Ihr dann sehen werdet, was dabei zurückbleibt. Ich werde also

dieses heißgemachte Kalium in der Kohlensäure verbrennen, um das

Vorhandensein des Sauerstoffs in der Kohlensäure nachzuweisen. [Beim

Erhitzen explodiert das Kalium.] Es kommt öfter vor, daß ein schlechtes

Stückchen Kalium beim Brennen explodiert oder sich auf irgend eine

Weise ungeeignet zeigt. Ich muß also ein anderes Stück nehmen; nun,

nachdem es erhitzt ist, bringe ich es in das Gefäß und Ihr seht, daß

es in der Kohlensäure brennt – nicht so gut wie in der Luft, weil

die Kohlensäure den Sauerstoff ziemlich festhält; aber es brennt

doch weiter und nimmt den Sauerstoff fort. Wenn ich dieses Kalium

nun in Wasser bringe, so finde ich, daß (außer Pottasche, um die Ihr

Euch jetzt nicht zu kümmern braucht) etwas Kohle gebildet ist. Ich

habe hier das Experiment nur auf rohe Art ausführen können; aber ich

versichere Euch, daß, wenn ich es sorgfältig machen und statt fünf

Minuten einen Tag darauf verwenden könnte, wir eine gehörige Menge

Kohle in dem Löffel oder an der Stelle, wo das Kalium verbrannte,

erhalten würden, so daß über das Ergebnis unseres Experiments

kein Zweifel obwalten könnte. Da seht Ihr also die Kohle in ihrem

gewöhnlichen schwarzen Zustande aus der Kohlensäure abgeschieden, als

sprechenden Beweis, daß diese aus Kohle und Sauerstoff besteht. Und nun

brauche ich Euch wohl kaum zu sagen, daß, wo auch immer Kohle unter

gewöhnlichen Umständen, d. h. bei gehörigem Luftzutritt verbrennen mag,

immer Kohlensäure gebildet wird.

[Sidenote: Feste Verbrennungsprodukte.]

In der Flasche hier ist etwas Kalkwasser und sonst nichts als

atmosphärische Luft; bringe ich dahinein einen Holzspan, so mag ich

diese drei Dinge mit einander umschütteln wie ich will, das Wasser

wird stets so klar bleiben, wie Ihr es jetzt seht. Verbrenne ich nun

aber den Holzspan in der Flasche, wie ich es jetzt tue, also in der

über dem Kalkwasser befindlichen Luft – daß Wasser dabei gebildet

wird, wißt Ihr schon – bekomme ich da vielleicht auch Kohlensäure?

Nun, da seht: da schlägt sich schon kohlensaurer Kalk nieder, welcher

sich nur aus Kohlensäure bilden kann; die Kohlensäure muß also aus der

Kohle entstanden sein, welche aus dem Holze stammt, wie in anderen

Fällen aus der Kerze oder irgend einem brennenden Körper. Ihr selbst

habt schon oft genug ein sehr einfaches Experiment ausgeführt, durch

welches Ihr die Kohle im Holze zu sehen bekamt; wenn Ihr ein Stückchen

Holz anzündet, es teilweise verbrennen laßt und es dann ausblaset,

so erhaltet Ihr Kohle, welche zurückbleibt. Nicht alle kohlehaltigen

Körper indes zeigen ihren Gehalt an Kohle so leicht; eine Kerze z.

B. tut das nicht, von der wir doch recht gut wissen, daß sie Kohle

enthält. Auch im Leuchtgas, das beim Verbrennen sehr viel Kohlensäure

entwickelt, seht Ihr nichts von der Kohle; aber ich kann sie Euch ganz

leicht sichtbar machen. Hier habe ich eine Flasche voll Leuchtgas; ich

zünde es an, und die Verbrennung wird andauern, so lange noch etwas Gas

in dem Gefäß ist. Die Kohle freilich seht Ihr jetzt nicht, sondern nur

die Flamme; aber schon aus deren hellerem Leuchten werdet Ihr nach den

früher gewonnenen Erfahrungen vermuten, daß feste Kohlenteilchen darin

zum Erglühen und Verbrennen gelangen. Indes will ich Euch die Kohle mit

Hilfe eines anderen Prozesses wirklich mit Augen schauen lassen. In

einer anderen Flasche – in dieser hier – habe ich etwas von demselben

Leuchtgas mit einem Körper vermischt, der bloß den Wasserstoff des

Gases verbrennen wird, nicht aber die Kohle.[21] Ich will diese

Mischung nun mit meinem Wachslicht anzünden, und da habt Ihr’s; der

Wasserstoff wird verbrannt, die Kohle aber bleibt als ein dichter

schwarzer Rauch zurück. Ich denke, durch diese Experimente habt Ihr

die Gegenwart von Kohle in einer Flamme erkennen gelernt und zugleich

begriffen, welcher Art die Verbrennungsprodukte sind, wenn Leuchtgas

oder andere kohlehaltige Körper in freier Luft vollständig verbrannt

werden.

[Sidenote: Gasförmige Verbrennungsprodukte.]

Bevor wir indessen die Kohle verlassen, wollen wir noch ein paar

Versuche anstellen, durch welche wir noch weitere Einblicke in ihr

wunderbares Verhalten bei der gewöhnlichen Verbrennung erhalten werden.

Ich habe Euch gezeigt, daß die Kohle beim Verbrennen nur verglimmt,

wie feste Körper es immer tun; dabei bemerktet Ihr jedoch, daß sie

nach dem Verbrennen nicht als fester Körper zurückbleibt. Es gibt nur

sehr wenige Brennstoffe, die sich in dieser Hinsicht ebenso verhalten.

Eigentlich tut dies nur jene große Gruppe unserer gewöhnlichen

Brennstoffe: die kohlenartigen Substanzen, die Steinkohlen, die

Holzkohlen und die Hölzer. Ich kenne außer der Kohle keinen Stoff,

welcher bei der Verbrennung dasselbe Verhalten zeigt; und wenn dem

nicht so wäre, was würde uns zustoßen? Wenn alle Brennstoffe sich

so wie das Eisen verhielten, welches ja bei der Verbrennung einen

festen Körper gibt, – wie könnten wir dann in unseren Öfen eine solche

Verbrennung haben, wie wir sie gewohnt sind? – Hier in dem Glasrohr

ist noch eine andere Art Brennstoff, ein sehr leicht brennender

Körper, so leicht entzündlich, daß er an der Luft von selbst Feuer

fängt, wie Ihr seht [indem er das Rohr zerbricht]. Das ist schwarzer

Blei-Pyrophor, und Ihr seht, wie wunderschön er brennt[22]. Er ist

pulverförmig, so daß die Luft wie bei einem Haufen Kohlen im Ofen von

allen Seiten hinzutreten kann, und so brennt er nun. Aber warum brennt

die Substanz nicht ebenso fort, wenn sie in einer Masse zusammenliegt?

[Er schüttet den übrigen Inhalt der Röhre auf eine eiserne Platte

zu einem Haufen aus.] Einfach genug, weil die Luft nicht allseitig

dazutreten kann. Auch entwickelt sich dabei große Hitze, so groß, wie

wir sie in unseren Öfen und unter unseren Kesseln gebrauchen; aber der

durch die Verbrennung gebildete Körper ist nicht flüchtig, kann nicht

in die Luft entweichen, sondern haftet als Decke über der übrigen

Masse, so daß diese nicht mit neuer Luft in Berührung kommen kann, also

unverbrannt unter der Decke liegen bleiben muß. Worin unterscheidet

sich dieses Brennen von dem der Kohle? Die Kohle brennt zunächst ganz

in derselben Weise wie dieser Körper; aber sie unterhält auch ein

kräftiges Feuer auf dem Herd oder wo wir sie sonst brennen mögen, weil

eben die Kohlensäure, die durch die Verbrennung erzeugt wird, als Gas

in die Luft entweicht, so daß fort und fort reine Kohle dem Zutritt

frischer Luft bloßgelegt wird. Ich habe Euch auch gezeigt, daß die

Kohle beim Verbrennen in Sauerstoff keine Asche zurückläßt; aber hier

bei unserem Häufchen Blei-Pyrophor haben wir augenblicklich mehr Asche

als Brennstoff; denn er ist durch den Sauerstoff, der sich mit ihm

verbunden hat, schwerer geworden. Da seht Ihr denn, worin der große

Unterschied zwischen dem Verbrennen der Kohle und dem des Bleis oder

Eisens besteht, und warum wir das Eisen so gut bei den mannigfachen

Einrichtungen zur Feuerung, zum Leuchten oder zum Heizen verwenden

können. Das Eisen überzieht sich sehr bald mit einer dünnen Kruste

seines Verbrennungsproduktes, welche es dann vor dem Zutritte der Luft

schützt und macht, daß seine Verbrennung nur langsam fortschreitet.

Wenn die Kohle beim Verbrennen sich zuerst verflüchtigte und dann als

Verbrennungsprodukt einen festen Körper bildete, so würde unser Zimmer

bald mit einer undurchsichtigen Substanz angefüllt sein, ähnlich wie

wir’s beim Verbrennen von Phosphor sahen; statt dessen geht alles

flüchtig in die Luft. Vor der Entzündung ein fester, unveränderlicher

Körper, geht die Kohle bei der Verbrennung in ein Gas über, welches

sich nur sehr schwer wieder in festen oder tropfbar flüssigen Zustand

überführen läßt.

[Illustration: Fig. 32.]

[Sidenote: Das Atmen eine Verbrennung.]

Ich führe Euch nunmehr zu einem sehr interessanten Teil unseres Themas

– zu der Beziehung zwischen der Verbrennung unserer Kerze und jener

lebendigen Art von Verbrennung, welche in unserem Körper vorgeht. Ja,

in uns Allen findet ein lebendiger Verbrennungsprozeß statt, ganz

ähnlich dem der Kerze; und ich will versuchen, ihn Euch klar zu machen.

Die Vergleichung des menschlichen Lebens mit einer Kerze ist nicht

nur im poetischen Sinne wahr; wenn Ihr mir folgen wollt, denke ich es

euch deutlich machen zu können, daß sie auch naturwissenschaftlich

berechtigt und begründet ist.

Ich habe mir dazu einen kleinen Apparat ersonnen, den ich gleich

vor Euch aufbauen werde. Hier ist ein Brettchen, in das eine Rinne

eingeschnitten ist, und diese Rinne kann ich von oben mit einer etwas

kürzeren Platte zudecken, so daß auf jeder Seite eine Mündung frei

bleibt; den so entstandenen Kanal kann ich ferner durch aufgesetzte

Glasröhren an jeder Mündung aufwärts leiten, so daß das Ganze einen

freien Durchgang bietet. Wenn ich nun einen Wachsstock oder eine Kerze

(wir dürfen jetzt frei im Gebrauch des Wortes »Kerze« sein, seitdem

wir seine ganze Bedeutung verstehen) in eine von den Röhren stelle,

so wird die Verbrennung sehr gut vonstatten gehen. Ihr merkt, daß die

Luft, welche die Flamme unterhält, in der Röhre auf der linken Seite

hinabsteigt, dann durch die horizontale Rinne geht und in der Röhre am

andern Ende, in der die Kerze brennt, aufsteigt. Wenn ich die Öffnung,

durch welche die Luft eintritt, verstopfe, so hemme ich alsbald die

Verbrennung, wie Ihr begreift. Ich schneide die Luftzufuhr ab, und

die Kerze geht aus. Aber was können wir nun weiter daran knüpfen? In

einem früheren Experimente[23] zeigte ich Euch, was geschieht, wenn die

Luft von einer brennenden Kerze zu einer anderen gelangt. Würde ich

nun hier Luft, die von einer anderen Kerze kommt, durch eine geeignete

Vorrichtung in diese Röhre einleiten, so wißt Ihr, daß dieses Licht

verlöschen müßte. Indes, was werdet Ihr sagen, wenn ich behaupte, daß

auch mein Atem die Kerze zum Verlöschen bringt? Ich meine nicht etwa

durch Ausblasen, sondern einfach: die Natur meines Atmens ist derart,

daß die Kerze darin nicht zu brennen vermag. Ich werde jetzt meinen

Mund über die Öffnung halten und, ohne daß ich die Flamme im geringsten

anblase, keine andere Luft in die Röhre gelangen lassen, als die aus

meinem Munde kommt. Da seht Ihr schon das Ergebnis. Ich habe die Kerze

durchaus nicht ausgeblasen; ich ließ nur die Luft, die ich ausatmete,

in die Mündung des Kanals eintreten, und das Licht auf der andern Seite

verlöschte aus keinem andern Grunde als aus Mangel an Sauerstoff. Etwas

anderes – nämlich meine Lunge – hatte den Sauerstoff aus der Luft

fortgenommen, und so war keiner mehr da, die Verbrennung der Kerze

zu unterhalten. Ich halte es für recht interessant, zu beobachten,

wieviel Zeit die schlechte Luft gebraucht, die ich auf dieser Seite

in den Kanal hineinatme, bis sie auf der andern Seite zur Kerze

gelangt; anfangs brennt diese noch ganz ruhig weiter, sobald aber die

ausgeatmete Luft sie erreicht, löscht sie aus.

[Illustration: Fig. 33.]

[Sidenote: Atmungsprodukte.]

Jetzt werde ich Euch noch ein anderes Experiment zeigen, um Euch diesen

wichtigen Teil unserer Untersuchung möglichst vollständig zu erläutern.

Hier ist eine Glasglocke, die nichts als Luft enthält, was Ihr daran

sehen könnt, daß meine Kerze oder die Gasflamme darin gleichmäßig

fortbrennt. Ich verschließe sie mit einem Stöpsel und mittelst einer

Glasröhre im Kork bringe ich meinen Mund so darüber, daß ich die darin

enthaltene Luft einatmen kann. Wenn ich die Glocke auf Wasser setze,

wie Ihr es hier seht, so bin ich imstande, die Luft herauszuziehen

(natürlich muß der Kork ganz luftdicht schließen), sie in meine Lungen

gelangen zu lassen und sie dann zurück in das Gefäß auszuatmen. Nun

können wir sie untersuchen, um den Erfolg zu erfahren. Daß ich die Luft

zuerst aussog und sie dann zurückatmete, konntet Ihr deutlich an dem

Auf- und Niedersteigen des Wassers beobachten. Ich bringe nun einen

brennenden Wachsstock in diese ausgeatmete Luft, und ihr werdet ihren

Zustand an dem Verlöschen der Flamme erkennen. Ein einziger Atemzug

hat diese Luft, wie Ihr seht, vollständig verdorben, so daß es ganz

nutzlos sein würde, sie nochmals einatmen zu wollen. Nun begreift

Ihr auch den Grund der Unzweckmäßigkeit vieler Einrichtungen in den

Häusern besonders der ärmeren Klassen, welche es bedingen, daß dieselbe

Luft immer und immer wieder eingeatmet werden muß, weil der Mangel

geeigneter Ventilation die Zufuhr frischer Luft erschwert. Wenn schon

ein einziger Atemzug die Luft so verdirbt, wie Ihr es hier gesehen, wie

wesentlich muß da für unsere Gesundheit frische Luft sein!

[Illustration: Fig. 34.]

Um über diesen wichtigen Gegenstand noch klarer zu werden, wollen wir

doch einmal sehen, was mit dem Kalkwasser geschieht, wenn es mit der

Ausatmungsluft in Berührung kommt. Hier ist ein Glaskolben, der etwas

Kalkwasser enthält; durch die Glasröhren im Stöpsel kann Luft hinein-

und heraustreten, so daß wir die Einwirkung der geatmeten, wie der

frischen Luft bequem beobachten können. Ich kann nun entweder durch

~A~ Luft einsaugen und so in meine Lungen gelangen lassen, nachdem sie

durch das Kalkwasser gegangen ist; oder ich kann die Luft aus meinen

Lungen durch die bis auf den Boden gehende Röhre ~B~ treiben und ihre

Wirkung auf das Kalkwasser zeigen. Gebt Acht – ich werde bei ~A~

beginnen –; jetzt habe ich also längere Zeit die äußere Luft in das

Kalkwasser gezogen und dann durch dasselbe hindurch in meine Lungen;

es zeigt sich aber nicht die geringste Veränderung, das Kalkwasser ist

durchaus nicht trübe geworden. Nun will ich’s aber umgekehrt machen,

also die Luft _aus_ meinen Lungen durch das Kalkwasser hindurchtreiben

(indem ich sie durch ~B~ einblase); da seht, hier zeigt sich die

Wirkung sofort, das Kalkwasser wird durch die ausgeatmete Luft weiß

und milchig. »Aber dieser weiße Niederschlag im Kalkwasser ist uns ja

von früher schon ganz gut bekannt«, sagt Ihr, »das ist ja kohlensaurer

Kalk, der bei Berührung des Kalkwassers mit _Kohlensäure_ entsteht«.

Ganz recht; es ist Kohlensäure, welche die durch das Atmen unbrauchbar

gewordene Luft verdirbt; die Reaktion auf Kalkwasser läßt keinen

Zweifel daran.

[Illustration: Fig. 35.]

Ich habe hier zwei Flaschen, welche beide mit Kalkwasser gefüllt und

durch Röhren verbunden sind, wie Ihr’s hier seht. Der Apparat ist

zwar nur roh, wird aber doch für unsern Zweck genügen. Wenn ich nun

an diesen Flaschen hier (bei ~a~) ein- und dort (bei ~b~) ausatme,

so bewirkt die Einrichtung der Röhren, daß die Luft in beiden Fällen

durch das Kalkwasser streicht. Zunächst bemerkt man nun, daß die gute

Luft beim Einatmen in dem Kalkwasser wiederum gar keine Veränderung

hervorbringt; und alsdann seht ihr die Wirkung beim Ausatmen: das

Kalkwasser wird getrübt; und es ist doch nichts als mein Atem damit in

Berührung gekommen. Der Unterschied ist wohl auffallend genug!

Gehen wir nun weiter zu der Frage: Was hat dieser ganze Prozeß zu

bedeuten, der in uns vorgeht, ohne den wir nicht sein können, weder am

Tage, noch bei Nacht, und welcher vom Schöpfer so eingerichtet ist,

daß er im Wachen wie im Schlaf ganz unabhängig von unserem Willen

sich fortsetzt? Wenn wir den Atem dauernd anhielten – was wir aber

bekanntlich nur für ganz kurze Zeit vermögen – so würden wir uns selber

zerstören. Auch im Schlaf sind die Atmungswerkzeuge und die mit ihnen

verbundenen Organe in beständiger Tätigkeit; so notwendig ist der

Atmungsprozeß für unser Leben, so unentbehrlich diese unausgesetzte

Berührung der Luft mit unsern Lungen. Ich muß Euch diesen Prozeß in

möglichster Kürze auseinandersetzen. Wir nehmen Nahrung zu uns; diese

Nahrung gelangt durch die Speiseröhre zunächst in den Magen und dann

weiter in die übrigen Teile des Verdauungskanals, wo die für den Körper

brauchbaren Stoffe gelöst und von eigens dazu eingerichteten Gefäßen

aufgesogen werden. Die so umgewandelten Nahrungsstoffe werden nun,

nachdem sie zu Bestandteilen des Blutes geworden, durch eine besondere

Reihe von Gefäßen in die Lungen eingeführt und wieder herausgeschafft;

gleichzeitig wird durch eine andere Reihe von Gefäßen die Luft in die

Lungen ein- und wieder ausgepumpt. Luft und Nahrungsstoff kommen auf

diese Art in sehr nahe Berührung mit einander; sie sind nur getrennt

durch ganz dünnhäutige Scheidewändchen, wobei denn die Luft auf das

Blut eine Wirkung ganz derselben Art ausübt, wie wir sie an der Kerze

kennen gelernt haben. Der Sauerstoff der Luft verband sich mit dem

Kohlenstoff der Kerze zu Kohlensäure, und dabei wurde Wärme entwickelt;

dieselbe eigentümliche Umsetzung findet in den Lungen statt. Der

Sauerstoff der eingeatmeten Luft verbindet sich mit Kohlenstoff (nicht

Kohle in freiem Zustande, sondern hier gerade im Augenblick der

Verwendung erst frei werdend) und bildet damit Kohlensäure, welche

dann in die Atmosphäre ausgeatmet wird. So gelangen wir denn zu der

merkwürdigen Folgerung, daß wir den Nahrungsstoff als Brennstoff

anzusehen haben. Ich will ein Stückchen Zucker nehmen, und Euch daran

das eben Gesagte noch deutlicher machen. Der Zucker ist zusammengesetzt

aus Kohle, Wasserstoff und Sauerstoff; aus denselben Elementen besteht,

wie wir wissen, auch die Kerze, nur die Gewichtsverhältnisse sind

andere. Der Zucker enthält:

Kohle 72

Wasserstoff 11 } 99

Sauerstoff 88 }

Es ist sehr merkwürdig, und es ist gut, wenn Ihr das beachtet, daß

Wasserstoff und Sauerstoff sich hier genau in demselben Verhältnis

vorfinden wie im Wasser, so daß man also auch sagen könnte: der Zucker

besteht aus 99 Teilen Wasser und 72 Teilen Kohle. Eben diese Kohle

im Zucker ist es, welche sich mit dem Sauerstoff der eingeatmeten

Luft in den Lungen verbindet, also uns gleichsam zu Kerzen macht

und durch diesen so schönen und einfachen Prozeß die für den Körper

unentbehrliche innere Wärme neben manchen anderen notwendigen Wirkungen

hervorbringt. Um dies noch deutlicher zu machen, nehme ich ein wenig

Zucker – oder, um Zeit zu sparen, nehme ich etwas Syrup, der aus

ungefähr ¾ Teilen Zucker und ¼ Teil Wasser besteht, und gieße etwas

Schwefelsäure hinzu. Die Schwefelsäure nimmt aus dem Zucker das Wasser

fort, mit dem sie sich kräftig verbindet, und zurück bleibt, wie Ihr

seht, eine kohlschwarze Masse – wirkliche Kohle; Ihr seht, wie die

Kohle sich abscheidet, und nach kurzer Zeit werden wir einen einzigen

festen Kohlenklumpen in dem Gefäß haben, welcher allein aus dem Zucker

stammt. Der Zucker gehört, wie Ihr wißt, zu den Nahrungsmitteln –

und schwerlich hättet Ihr die Bildung von Kohle aus einem solchen

erwartet. Meine Beweisführung wird indes noch vollständiger werden,

wenn ich diese aus dem Zucker erhaltene Kohle verbrenne, d. h. chemisch

ausgedrückt: wenn ich sie mit Sauerstoff – Oxygen – verbinde, wenn ich

sie _oxydiere_. Hier habe ich einen Körper, der kräftiger oxydierend

wirkt als die atmosphärische Luft[24], und die Oxydation der Kohle

wird darin zwar dem Anschein nach anders vor sich gehen als beim

Atmungsprozeß, im wesentlichen aber ist es ganz derselbe Vorgang, hier

wie dort Verbrennung der Kohle durch Verbindung mit dem zugeführten

Sauerstoff. Ich lasse jetzt die Einwirkung stattfinden, und Ihr seht

nun sofort die Verbrennung erfolgen. Ich wiederhole es: ganz dasselbe,

was in den Lungen durch den Sauerstoff der Luft geschieht, vollzieht

sich hier in einem rascheren Prozesse[25].

[Sidenote: Atmung und Verbrennung.]

Es wird Euch in Erstaunen setzen, wenn ich Euch mitteile, welch’

hohe Gewichtsmengen Kohle bei dieser merkwürdigen Umwandlung in den

Lungen verarbeitet werden. Schon wenn Ihr berücksichtigt, wie eine

so kleine Kerze vier bis sieben Stunden brennt und so lange auch

fortwährend Kohlensäure entwickelt, werdet Ihr eine Ahnung bekommen,

daß die Menge der Kohle, welche täglich in Form von Kohlensäure in

die Luft aufsteigt, sehr bedeutend sein muß. Welche Masse Kohlensäure

mag wohl jeder von uns ausatmen! Welch ungeheurer Umsatz an diesem

Brennstoff muß in der ganzen Natur, bei aller Verbrennung, aller

Oxydation, aller Atmung stattfinden! Ein erwachsener Mann verwandelt

in 24 Stunden etwa 240 Gramm, also nahezu ein halbes Pfund Kohle in

Kohlensäure; eine Kuh verbraucht täglich ungefähr 2 Kilogramm Kohle,

und ein Pferd 2¼ Kilogramm beim Atmen; also: das Pferd verbrennt in

seinem Körper binnen 24 Stunden 2¼ Kilogramm Kohle, um während dieser

Zeit seine natürliche Wärme zu unterhalten. Alle warmblütigen Tiere

entwickeln so ihre Blutwärme einzig und allein durch Verbrennen der in

den Nahrungsstoffen eingeführten Kohle[26]. Und welcher großartige

Einblick ergibt sich daraus in die Vorgänge, welche sich in unserer

Atmosphäre vollziehen! In London allein werden innerhalb 24 Stunden

548 Tonnen, also 5,000,000 Pfund Kohlensäure allein durch Atmung

entwickelt. Und wo bleibt all diese Kohlensäure? Sie geht in die Luft.

Verhielte sich die Kohle beim Verbrennen ebenso wie Blei oder Eisen –

Ihr habt gesehen, daß diese Körper feste Oxydationsprodukte liefern

– was würde da geschehen! Niemals könnte in gewöhnlicher Luft eine

lebhafte Verbrennung vor sich gehen. Die Kohle aber wird durch die

Oxydation zu einem Gas, das sich in die atmosphärische Luft erheben,

sich mit ihr vermischen kann und nun von diesem gewaltigen Träger

fortgeschafft wird.

Was aber wird nun aus der Kohlensäure? Wahrhaft wunderbar ist es zu

sehen, daß dieses Atmungsprodukt, welches für uns so nachteilig zu sein

schien, als wir seine Unbrauchbarkeit zu fernerem Atmen erkannten, –

daß dieser gleiche Stoff wiederum zur Lebensquelle einer anderen Klasse

von Geschöpfen wird; die Pflanzenwelt auf unserer Erdoberfläche saugt

die Kohlensäure als Nahrungsstoff ein. Und auch unter der Oberfläche,

in den großen Wassermassen der Meere und Seen findet derselbe Austausch

statt; die Fische und anderen Seetiere atmen im Wasser in eben dieser

Weise, wenn auch nicht in unmittelbarer Berührung mit der freien Luft.

Seht da diese Goldfische in der Glaskugel! Sie ziehen fortwährend das

Wasser durch ihre Kiemen hindurch und atmen dabei den Sauerstoff ein,

welchen das Wasser aus der Luft aufgenommen hat, und Kohlensäure atmen

sie aus.

Und so sehen wir denn alles sich regen zu dem einen großen Werke, die

beiden lebendigen Reiche der Schöpfung einander dienstbar zu machen.

Alle Bäume, Sträucher und Kräuter der Erde nehmen Kohlenstoff auf; sie

nehmen ihn durch die Blätter aus der Luft, in die wir und alle Tiere,

ihn in Gestalt von Kohlensäure entsendet haben, und sie wachsen und

gedeihen darin. Gebt ihnen ganz reine Luft, wie sie uns am dienlichsten

ist – sie werden dahinwelken und absterben: gebt ihnen Kohlensäure, und

sie werden wachsen und sich wohlbefinden. Alle Kohle in diesem Stück

Holz, ebenso wie in allen Pflanzen, stammt aus der Atmosphäre, welche

die Kohlensäure aufnimmt, die uns schädlich, jenen aber nützlich ist –

was dem einen den Tod brächte, dem andern bringt es Leben. Und so sehen

wir Menschen uns abhängig nicht nur von unseren Nebenmenschen, sondern

abhängig von aller Mitkreatur, sehen uns mit dem All der Schöpfung zu

einem großen Ganzen verbunden durch die Gesetze, nach denen jedes Glied

zum Heile der anderen lebet und webet und schafft.

Bevor wir nun zum Schluß kommen, muß ich Eure Aufmerksamkeit noch

auf einen Umstand lenken, der bei allen unseren chemischen Arbeiten

eine wichtige Rolle spielt. Ich zeigte Euch kürzlich Blei-Pyrophor,

der sich entzündete; Ihr saht, daß er gleich beim Zerbrechen der

Röhre, als er kaum mit etwas Luft in Berührung gekommen, und ehe er

noch aus dem Röhrchen heraus war, Feuer fing. Nun, das geschah in

Folge chemischer Verwandtschaft – dieser den Elementen innewohnenden

Hinneigung zu einander, vermöge welcher alle chemischen Prozesse,

die wir ausführen, vor sich gehen. Beim Atmen wirkt sie in unseren

Lungen, beim Brennen unserer Kerze in der Flamme; und hier wirkt sie

zwischen dem Blei und dem Sauerstoff der Luft; stiege auch hier das

Verbrennungsprodukt des Bleies von der Oberfläche in die Luft auf,

so würde immer wieder eine neue Schicht Feuer fangen und das Blei

ganz bis zu Ende verbrennen. Wie ganz anders aber verhält sich die

Kohle! Während wir dort bei der ersten Berührung der Luft sofortige

Entzündung beobachten, bleibt die Kohle Tage, Jahre, Jahrhunderte lang

unverändert an der Luft liegen. Die in dem verschütteten Herkulanum

aufgefundenen Schriften waren mit einer Tinte geschrieben, welche Kohle

enthielt, und sie haben sich über 1800 Jahre unverändert erhalten,

haben durch den Einfluß der Luft nicht im geringsten gelitten, obwohl

sie mit ihr in vielfache Berührung kamen. Nun, worin besteht also diese

große Verschiedenheit der Kohle von jenem andern Körper? Es ist eine

wirklich erstaunliche Erscheinung, daß gerade der Körper, der von der

Natur recht eigentlich zum Brennstoff bestimmt erscheint, auf seine

Entzündung _wartet_! Unsere Kohle fährt bei Berührung mit der Luft

nicht flammend auf wie jenes Bleipräparat und noch so mancher brennbare

Körper, den ich Euch hätte zeigen können; sondern sie wartet ihre

Verwendung ab. Ist dieses Warten nicht eine absonderliche, eine ganz

wunderbare Eigenschaft? Unsere Kerze fängt nicht von selbst Feuer an

der Luft, gerät nicht auf einmal in Brand, wie jenes Bleipräparat; sie

wartet Jahre, sie wartet ganze Zeitalter ab, ohne einer Veränderung

zu unterliegen, bis wir sie in Tätigkeit setzen. Drehe ich den Hahn

hier an der Gaslampe auf, so strömt das Gas kräftig aus dem Brenner

aus; aber Ihr seht, Feuer fängt es nicht an der Luft – es tritt

heraus in die Luft, wartet aber, bis ich es entzünde; und blase ich

die Flamme wieder aus, so strömt es abermals ohne zu brennen heraus

und wartet von neuem, bis ich meinen Wachsstock daran halte. Ich muß

die Kerze oder das Gas erst _erwärmen_, wenn es sich entzünden soll.

Dabei ist es merkwürdig, wie die verschiedenen entzündlichen Stoffe

verschiedener Hitzegrade bedürfen, damit sie sich entzünden; manche

brauchen nur geringe Temperaturerhöhung, andere verlangen stärkere

Erhitzung. Hier habe ich z. B. zwei explodierende, also sehr kräftig

feuerfangende Substanzen, Schießpulver und Schießbaumwolle; sogar diese

weichen in den Temperaturgraden ab, bei denen sie sich entzünden.

Das Schießpulver besteht aus Kohle und einigen andern Stoffen, die

es sehr leicht brennbar machen; und die Schießbaumwolle wird durch

eigentümliche Behandlung aus der gewöhnlichen Baumwolle angefertigt,

enthält also ebenfalls viel Kohle, denn die Baumwolle stammt ja aus

dem Pflanzenreiche. Beide entzünden sich nicht von selbst; und sie

werden bei verschiedenen Hitzegraden, oder sonst unter verschiedenen

Bedingungen in Tätigkeit versetzt. Berühre ich diese beiden Substanzen

mit einem heißen Draht, so werdet Ihr sehen, welche sich zuerst

entzündet. Da seht – die Schießbaumwolle ist explodiert, während

selbst der heißeste Teil des Eisendrahtes das Schießpulver nicht zu

entzünden vermag. Wie schön zeigt sich an diesem Beispiel die Tatsache,

daß verschiedene Körper zur Entwickelung ihrer eigentümlichen Tätigkeit

verschiedene Bedingungen verlangen! Der eine Körper wartet es ruhig

ab, bis die gehörige Wärme seine Tätigkeit weckt; der andere aber

wartet gar nicht – wie es beim Atmungsprozeß der Fall ist. Sofort beim

Eintritt der Luft in die Lungen verbindet sich der Sauerstoff mit der

Kohle; noch bei der niedersten Temperatur, welche der Körper ertragen

kann, wenn er selbst dem Erfrieren nahe ist, findet die Wirkung des

Atmens ohne weiteres statt: es wird Kohlensäure gebildet, und alle

Funktionen gehen ihren normalen Gang.

So werdet Ihr erkennen, in wie weit Atmung und Verbrennung

übereinstimmen.

Und so wünsche ich Euch denn zum Schluß unsrer Vorlesungen, daß Ihr

Euer Leben lang den Vergleich mit einer Kerze in jeder Beziehung

bestehen möget, daß Ihr wie sie eine Leuchte sein möget für Eure

Umgebung, daß Ihr in allen Euren Handlungen die Schönheit einer

Kerzenflamme widerspiegeln möget, daß Ihr in treuer Pflichterfüllung

Schönes, Gutes und Edles wirket für die Menschheit.

Fußnoten:

[21] Dieser Körper ist das _Chlor_, ein Element, welches große

Neigung besitzt, sich mit Wasserstoff zu verbinden.

[22] Einen solchen Pyrophor kann man auf mannigfache Art

erhalten, z. B. indem man zitronensaures Blei in einem

geschlossenen Gefäße glüht. Das Blei bleibt dann in einem

sehr fein verteilten Zustande zurück, gemischt mit Kohle,

welche aus der Zitronensäure stammt. Sobald die Luft mit

der schwammigen Masse in Berührung kommt, entzündet sie

sich, wobei die Kohle zu Kohlensäure, das Blei zu Bleioxyd

verbrennt.

[23] Siehe Fig. 29, Seite 125.

[24] Der gewöhnliche Salpeter – bekanntlich ein Bestandteil des

Schießpulvers – kann zu diesem Zwecke verwendet werden.

Auch das chlorsaure Kali eignet sich gut dazu. Es enthält

viel Sauerstoff und gibt denselben, wie aus dem S. 124

Gesagten hervorgeht, beim Erhitzen leicht ab.

[25] Einige Nahrungsmittel gleichen hinsichtlich ihrer

Zusammensetzung dem Zucker, welcher Wasserstoff und

Sauerstoff in demselben Verhältnisse enthält wie das

Wasser. Beispielsweise ist dies auch bei der Stärke der

Fall, welche den Hauptbestandteil aller Mehlarten ausmacht

und daher zu den wichtigsten Nahrungsstoffen gehört. Bei

den Fetten dagegen, sowie bei den Hauptbestandteilen des

Fleisches trifft dieses Verhältnis nicht zu: sie enthalten

weit weniger Sauerstoff als Zucker und Stärke. Damit sie

im menschlichen oder tierischen Körper verbrennen, bedarf

es einer größeren Sauerstoffzufuhr von außen, da nicht nur

der Kohlenstoff zu Kohlensäure, sondern auch ein großer

Teil des Wasserstoffs zu Wasser oxydiert werden muß.

Wie bei der Kerze haben wir also auch in unserem Körper

als Verbrennungsprodukte Kohlensäure und Wasser. Beide

befinden sich in der Ausatmungsluft, die erstere als Gas,

das letztere als Dampf. Die Anwesenheit der Kohlensäure in

der Ausatmungsluft wurde durch die im Texte angegebenen

Versuche bewiesen; das Vorhandensein von Wasserdampf zeigt

sich sehr leicht, wenn wir mit unserem Atem einen kalten,

blanken Körper anhauchen; sogleich wird er durch einen

Niederschlag von feinen Wassertröpfchen blind werden. –

Auch das Beschlagen der Schlafzimmerfenster, welches man

im Winter des Morgens beobachtet, rührt von dem durch die

Lungen (und die Haut) ausgeschiedenen Wasserdampf her; der

letztere wurde, wenigstens teilweise, durch die Oxydation

des in den Nahrungsmitteln enthaltenen Wasserstoffs

gebildet.

[26] Die Erzeugung der Körperwärme ist nicht die einzige

Folge des im Körper stattfindenden Oxydationsprozesses.

Eine Eigentümlichkeit des Tieres (und des Menschen) ist

die Bewegung. Das Tier kann den eigenen Körper bewegen

und außerdem noch äußere Lasten in Bewegung setzen: es

_arbeitet_. Man weiß jetzt, daß jede Arbeit den Aufwand

einer Kraft erfordert, welche nicht aus nichts entstehen

kann. Soll eine Dampfmaschine Arbeit liefern, so müssen

wir unter ihrem Kessel einen Brennstoff – Holz, Kohlen

etc. – verbrennen, und die geleistete Arbeit steht im

geraden Verhältnis zu dem aufgewendeten Brennstoff.

Gerade so bedarf der Körper des Menschen und der Tiere

eines Brennstoffes zur Leistung der Arbeiten, welche ihm

zugemutet werden. Dieser Brennstoff ist die eingenommene

Nahrung, von der wir ja sahen, daß sie in ihrer

Zusammensetzung den gewöhnlichen Brennstoffen gleicht.

Auch die Produkte der Verbrennung sind in beiden Fällen

dieselben. Kohlensäure und Wasserdampf, welche wir durch

die Lungen ausatmen, entweichen auch aus dem Kamine einer

Dampfmaschinenfeuerung. – So sind die Nahrungsmittel,

welche wir aufnehmen, und welche durch den eingeatmeten

Sauerstoff verbrannt werden, die Quelle, aus welcher fort

und fort die Wärme des Tierkörpers und zugleich seine

Arbeitsleistungen fließen. Diese Nahrungsmittel liefern uns

die Pflanzen; sie besitzen die merkwürdige Fähigkeit, aus

Kohlensäure und Wasser diejenigen Stoffe zu bilden, welche

zum Aufbau ihres eigenen Körpers erforderlich sind und

zugleich den Tieren zur Nahrung dienen; und so zeigen sich

diese beiden großen Reiche in einer höchst wunderbaren und

für beide gleich notwendigen Wechselwirkung. – Die Pflanzen

aber bedürfen zur Ausübung ihrer Lebensfunktionen eines

mächtigen Agens, und dieses ist kein anderes als das Licht

der Sonne. Eine Pflanze, welche den Sonnenstrahlen entzogen

wird, verkümmert bald und geht zuletzt zugrunde. Und genaue

Untersuchungen haben zweifellos ergeben, daß nur unter

dem Einflusse des Sonnenlichts jener wichtige Prozeß in

den Pflanzen sich vollzieht. Das Sonnenlicht ist also die

eigentliche Quelle allen Lebens auf der Erde. Es vermittelt

den großen Kreislauf, welcher den Kohlenstoff und den

Wasserstoff – und nebenbei noch einige andere Stoffe –

zuerst zu Bestandteilen der Pflanze und dann zu solchen

des Tierkörpers macht, damit sie dann, von den Tieren

ausgeschieden, wiederum in den Pflanzenkörper gelangen, und

so den Lauf von neuem beginnen.

Naturgeschichte einer Kerze · 第 8 / 9 题