2. Schriften.

~a~) „+Unterricht+ für Lehrer in niederen Landschulen.“

„Ich denke doch nicht, daß man die Seele eines +Bauernkindes+ für ein

Ding anderer Gattung hält als die Seelen der Kinder höherer Stände.“

„Es ist dem +Staate nicht nützlich+, wenn der +Bauer dumm bleibt+,

nicht schädlich, wenn er klug und verständig wird.“

~b~) „+Instruktion+ für die Landschulmeister.“

„+Der Schulmeister muß fortstudieren+; er darf nicht aufhören,

+selbst zu lernen+. Er muß sich auf jede Katechisation ordentlich

vorbereiten.“ Für diese Vorbereitung stellt Rochow folgende +Regeln+

auf: „1. Man muß sich vor der Stunde genau fragen: Welches ist in

diesem Stück die +Haupt+wahrheit? Denn über alle Wahrheiten kann man

doch auf einmal nicht lehren. 2. Welchen Nutzen hat diese Wahrheit

für +Kinder+? Wozu können +meine+ Kinder die Wahrheit gebrauchen? 3.

+Wie frage ich am besten+, um durch Fragen auch die rechten Antworten

zu bekommen? Welche +Neben+umstände, die mich von meinem Ziel

abführen würden, lasse ich heute unerwähnt? Auf welche Hauptumstände,

die zum Verständnisse der Wahrheit dienlich sind, gehe ich um so mehr

ein? 4. Wie wende ich die Lehre auf das +sittliche Leben+ an?“

~c~) „+Der Kinderfreund+“, 1775; das erste gute Schullesebuch, welches

sehr beifällig aufgenommen wurde und auch in katholischen Schulen

Eingang fand.

=3. Verdienste.= Rochow sorgte

~a~) für gute +Schulhäuser+ und eine angemessene Ausstattung der

Schulzimmer;

~b~) für geschulte +Lehrer+ mit ausreichendem Einkommen;

Mit Handwerkern und unwissenden Dienern („Bedienten“) sollte keine

Schulstelle mehr besetzt werden.

~c~) für Einführung der +Naturwissenschaften+ als „gemeinnützige

Kenntnisse“ oder „+Realien+“ in die Volksschule;

Doch gab er ihnen keine besondere Lehrstunden, sondern zog beim

+Leseunterricht+ passende Lesestücke aus der Naturkunde heran.

+Rochow benutzte+ überhaupt die +Leseübungen gern+ dazu, um die

Kinder in mancherlei Sachen, selbst in der Religion, zu unterrichten

oder zu befestigen.

~d~) für Verbesserung der +Unterrichtsmethode+.

α) Der Unterricht der neu eintretenden Kinder sei so +sinnlich und

angenehm+ wie möglich und nicht von vornherein Bücherunterricht.

β) Der Unterricht muß überhaupt +anschaulich+-entwickelnd sein und

sich der +katechetischen+ Lehrform bedienen, um das Verständnis zu

fördern. Das Lernen ohne Verständnis nützt dem Menschen ebensowenig,

als ihn das Essen ohne Verdauung körperlich stärkt.

γ) Zur Bildung des Verstandes und der Sprache soll der Lehrer +Denk-+

und +Sprechübungen+ an das Lesestück knüpfen.

δ) In der Oberklasse ist tuliche +Konzentration+ der Lehrgegenstände

anzustreben.

=4.= Zu =tadeln= ist:

~a~) die +einseitige+ Bildung des +Denkvermögens+.

Rochow wollte +kluge und verständige Landleute+ heranbilden und

deshalb die Jugend vornehmlich zum Denken anleiten. +Gemüt+ und

+Wille+ wurden +wenig+ berücksichtigt.

~b~) der +verkümmerte Religionsunterricht+.

Zwar soll der Glaube an Gott eine Grundlage des Unterrichts bilden,

allein dieser Glaube soll aus der +Vernunft+ abgeleitet werden und

die Sittenlehre sich nur auf den Verstand gründen. Die Bibel ist

ihm nur ein Unterrichtsbuch wie andere und +Christus+ ein +weiser

Lehrer+ wie andere; die Erlösung durch den Kreuzestod erkennt er

nicht an. Rochow steht somit ganz +außerhalb des Christentums+, und

die einseitige Bildung des Denkvermögens in seinen Schulen enthielt

eine um so größere Gefahr, als das Gegengewicht positiv-christlicher

Unterweisung und gemütbildender Religionsübung fehlte.

B. Die christlich-gläubige Richtung.

=1. Hecker= (1707–1768).

Julius Hecker, Sohn des Rektors Hecker zu Werden a. d. Ruhr, war

zuerst Lehrer am Franckeschen Pädagogium zu Halle, dann Inspektor

des Waisenhauses in Potsdam, zuletzt 30 Jahre Prediger an der

Dreifaltigkeitskirche in +Berlin+.

Er gründete außer vielen Freischulen für die Armen 1739 in seiner

Pfarrei eine +Volksschule+ mit 6 Lehrern, welche sich allmählich

zu einer „ökonomisch-mathematischen Realschule“ (+ohne Latein+)

erweiterte. So wurde Hecker der +Gründer+ der +Gewerbe-+ und

+Realschulen+. Im Jahre 1748 eröffnete er an seiner Realschule einen

Kursus für auszubildende Elementarlehrer. Dieses Heckersche Seminar

wurde 1753 zum Königlichen kurmärkischen Landesseminar erhoben und

war +die erste staatliche Lehrerbildungsanstalt Preußens+. 1825 wurde

es nach Potsdam, 1851 nach Köpenik verlegt. So ist Hecker auch der

Vater der preußischen +Lehrerseminarien+ geworden.

In seinen Bestrebungen wurde er nicht wenig +unterstützt+ durch

+Friedrich den Großen+. Die Mahnung Friedrich Wilhelms I.: „Er muß

den Leuten auf der Friedrichsstadt +Jesum+ predigen und sich der

+Jugend+ annehmen, denn daran ist das meiste gelegen“ -- hat Hecker

treulich befolgt.

=2. Hähn= (1710–1789).

Wie Rochow an Bruns, so hatte Hecker an Hähn einen tüchtigen Helfer.

Hähn war Theologe und zuerst Lehrer am Halleschen Waisenhause, dann

von 1753 an Inspektor der +Heckerschen+ Realschule und starb als

Konsistorialrat in Aurich.

Er wollte allen Unterricht in logisch geordneter Aufeinanderfolge

behandelt wissen. Daher kam er auf den Gedanken, für die einzelnen

Unterrichtsfächer tabellarische Übersichten zu entwerfen

(+Tabellarmethode+). Diese Tabellen sollten während des Unterrichts

mit den +Anfangsbuchstaben+ der Wörter (daher auch Literalmethode

genannt) angeschrieben, dann von den Schülern abgeschrieben und

auswendig gelernt werden.

Mit dieser Methode konnten +nur Meister+ wie +Hähn+ selbst und später

+Felbiger+ Erfolge gewinnen. Im allgemeinen verdient das Verfahren

+mechanisch+, +unnatürlich+ und +geisttötend+ genannt zu werden.

Trotzdem erlangte die Tabellarmethode, allerdings nur für kurze Zeit,

zahlreiche Anhänger.

=3. Felbiger= (1724–1788).

=1. Leben.= Johann Ignaz von Felbiger, geboren zu Groß-Glogau als

Sohn des Kaiserlichen Postmeisters von Felbiger, studierte in Breslau

Theologie, trat in das Stift der Augustiner-Chorherren zu +Sagan+ und

ward 1758 +Abt+ desselben. In dieser Eigenschaft hatte er die Aufsicht

über das Schulwesen der Stadt und einer Anzahl dazu gehöriger Dörfer.

Die +Religiosität+, +Bildung+ und +Gewerbetätigkeit+ des +gemeinen

Volkes+ durch +Unterricht+ zu heben, war sein einziges Bemühen. Nachdem

er die unter Hecker aufblühende Realschule in Berlin besucht, wurde er

der erfolgreichste Vertreter der Tabellar- oder Literalmethode, die

deshalb auch +Sagansche Methode+ genannt wird.

Eine königliche Verordnung übertrug ihm 1763 die besondere

Aufsicht über die katholischen Schulen +Schlesiens+. Felbiger

verfaßte infolgedessen das „+Landschul-Reglement+ für die

+Römisch-Katholischen+ des souveränen Herzogtums +Schlesien+ und der

Grafschaft Glatz“, welches von Friedrich dem Großen am 3. November

1865 unterzeichnet wurde. Auf Felbigers Vorschlag wurden ferner die

+Lehrerbildungsanstalten+ zu Leubus, Grüssau, Rauden und Breslau (1765)

gegründet. Auch im Amte stehende Lehrer mußten diese Anstalten 6 Wochen

lang besuchen.

Im Jahre 1774 wurde Felbiger von der Kaiserin +Maria Theresia+

nach +Wien+ berufen zur Einrichtung des deutschen Schulwesens in

+Österreich+. Hier machte er sich verdient durch die Ausarbeitung der

„Allgemeinen +Schulordnung+“.

In diesem Plane verlangt Felbiger:

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 96 / 110 题