IV. Anhänger Basedows.

~A.~ Nationalistische Richtung.

=1. Campe= (1746–1818).

=1. Leben.= Joachim Heinrich Campe, geboren zu Deensen in

Braunschweig, war Feldprediger zu Potsdam, darauf Erzieher

Wilhelms und Alexanders v. Humboldt und 1777–78 Leiter des

Dessauer Philanthropins. Er ist der eigentliche Schriftsteller des

Philanthropinismus.

=2. Schriften.= Von diesen sind bemerkenswert:

~a~) Das sogenannte „+Revisionswerk+“, 16 Bände, ein Sammelwerk für

Erziehung und Unterricht.

~b~) Viele +Jugendschriften+ und Reisebeschreibungen, wodurch er den

Grund zu der Kinderliteratur und dem Jugendschriftenwesen gelegt hat.

Unter diesen ist besonders hervorzuheben:

~c~) „+Robinson der Jüngere+“, Übersetzung und Bearbeitung einer

Seemannsgeschichte des Engländers Defoe.

Campe hat das englische Vorbild leider verschlechtert und namentlich

die poetische Seite des Robinson ganz unbeachtet gelassen. Daniel

+Defoe+ zeigt (ähnlich wie Chr. v. Schmid in seinem „Gottfried der

junge Einsiedler“), in welcher Weise der Einsame Gott kennen und

lieben, wie er beten und sich heiligen lernt. +Campe+ stellt dar,

wie der Mensch sich +durch Nachdenken+ und +eigene Kraft+ hilft und

sich allmählich allerlei Bequemlichkeiten verschafft. Daher war auch

Campes „Robinson“ das +Lieblingsbuch Rousseaus+, es ist das erste

Buch, welches Emil lesen soll.

=3. Beurteilung.=

~a~) Campe predigt in allen seinen Schriften den flachsten +Unglauben+.

Das große Werk der Erlösung ist ihm ein verschlossenes Buch. Jedes

positive Glaubensbekenntnis haßt er aus Grund der Seele.

~b~) Er betont beständig das +materiell Nützliche+. Was ihm materiell

nicht nützt, das soll der Mensch nicht treiben, der Schüler nicht

lernen. Seine niedere Auffassung des Lebens bekundet er in dem

Ausspruche: „Derjenige, der die Kartoffeln bei uns eingeführt, hat sich

ein größeres Verdienst erworben als der Dichter der Ilias und Odyssee.“

=2. Salzmann= (1744–1811).

=1. Leben.= Christian Gotthilf Salzmann wurde zu Sömmerda bei

Erfurt geboren. Nachdem er 3 Jahre Lehrer am Dessauer Philanthropin

gewesen, errichtete er 1784 zu +Schnepfenthal+ bei Gotha eine eigene

Erziehungsanstalt. Er erstrebte +Gesundheit+ des Körpers, +Klarheit+

des Geistes und +Frieden+ des Herzens -- aber ohne positives

Christentum. Da er die Abgeschmacktheiten Basedows vermied, auf eine

vernünftige Körperpflege hielt und die Kräfte des Geistes am Realen

zu entwickeln suchte, so erhielt sich seine Anstalt in der Gunst des

Publikums. Sie besteht noch heute.

=2. Schriften.= Unter seinen Schriften sind zu nennen:

~a~) „+Konrad Kiefer+ oder Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung

der Kinder.“ (Der deutsche Emil.)

~b~) Das ironische „+Krebsbüchlein+ oder Anweisung zu einer

unvernünftigen Erziehung der Kinder“.

Dasselbe enthält 90 Geschichten, in denen gezeigt wird, wie man den

Kindern allerlei Unarten angewöhnen könne. Auf dem Titel ist ein

Teich abgebildet, in welchem ein alter und drei junge Krebse sich

befinden; darunter stehen die Worte: „Ich werd’s tun, mein Väterchen,

wenn ich zuvor sehen werde, daß du es tust.“

~c~) Das „+Ameisenbüchlein+ oder Anweisung zu einer vernünftigen

Erziehung der Erzieher“.

Auf dem Titelblatt sind Ameisen abgebildet, welche sich um

Ameisenlarven bemühen (Lehrer); darüber in der Luft unbesorgte

Ameisen (Eltern). Stellen: „Was der Mensch will, das kann er;

und wenn er sagt: ich kann nicht, so will er nicht.“ „+Von allen

Fehlern und Untugenden seiner Zöglinge muß der Erzieher den Grund

in sich selbst suchen.+“ Salzmann nennt diesen Satz sein +Symbolum+

und erklärt ihn in folgender Weise: „Dieses Symbolum ist nicht so

zu verstehen, als ob die Unarten der Schüler nicht auch andere

Ursachen hätten. Die Erzieher aber machen sich oft der Fehler ihrer

Zöglinge schuldig, 1. weil ihnen die +Geschicklichkeit abgeht+,

ihren Zöglingen dieselben abzugewöhnen; 2. weil sie denselben

wirklich Anleitung dazu geben durch ihr +Beispiel+; 3. dadurch, daß

sie willkürliche, +unnatürliche Vorschriften+ und Regeln geben; 4.

dadurch daß sie die +Eigenheiten+ der Zöglinge für Untugenden ansehen

und zu den +Fehlern+ rechnen.“

=3. Guts-Muts= (1759–1839).

=1. Leben.= Guts-Muts wurde in Quedlinburg geboren. Nachdem er seine

Studien in Halle vollendet, erhielt er eine Stelle als Hauslehrer in

einer angesehenen Familie seines Geburtsorts. Als das Institut zu

+Schnepfenthal+ errichtet wurde, brachte er seinen Schüler (+Karl

Ritter+, den späteren berühmten +Geographen+) dorthin, trat selbst

als Lehrer in die Anstalt ein und wirkte an derselben bis zu seinem

Ende.

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 94 / 110 题