=1. Trotzendorf= (1490–1556).
=1. Leben.= Valentin Trotzendorf (eigentlich Friedland) wurde 1490 zu
Trotzendorf (jetzt Troitschendorf) bei Görlitz als Sohn schlichter
Bauersleute geboren. Da sein Vater ihn für ländliche Arbeiten sehr in
Anspruch nahm, so konnte er sich nur eine kümmerliche Jugendbildung
aneignen, obschon er treffliche Geistesgaben und große Lernbegierde
besaß. Die Zeit zum Lernen mußte er sich mühsam heraussuchen; so übte
er sich im Schreiben beim Hüten der Kühe, indem er Birkenrinde als
Papier benutzte, Schreibfedern aus Rohr sich schnitzte und Tinte aus
Ofenruß bereitete. Gern hätte ihn der Vater beim Pfluge behalten,
aber es war der dringende Wunsch des Sohnes, eine lateinische Schule
besuchen zu dürfen. Diesen Wunsch unterstützte mit ihren Bitten die
Mutter und der würdige Pfarrer des Ortes. Nach langem Zögern gab der
Vater endlich nach, und so bezog Valentin, bereits 18 Jahre alt und
mangelhaft vorgebildet, die lateinische Schule der Franziskaner zu
Görlitz, wo er sich bald vor allen anderen Schülern auszeichnete.
Vater und Mutter starben bald darauf an der Pest. Valentin verkaufte
sein kleines Erbe und begab sich nach Leipzig, um weiter zu
studieren. Das Auftreten Luthers veranlaßte ihn, nach Wittenberg zu
gehen, wo er zur neuen Lehre übertrat und sich eng an Melanchthon
anschloß, der über ihn urteilte, er sei zum +Schulmanne+ geboren wie
+Scipio+ zum +Feldherrn+.
Nach Beendigung seiner Studien wurde er Lehrer, dann Rektor der
lateinischen Schule zu +Goldberg+, der er 25 Jahre vorstand.
Die Anstalt gelangte unter seiner Leitung zu hoher Blüte, denn
Trotzendorf war ein ganzer Schulmann. Mit gründlichem Wissen und
rastlosem Eifer verband er hervorragende Lehrgaben und ein seltenes
Geschick in der Handhabung der Disziplin; sein lauterer Wandel und
sein freundlich ernstes Wesen erwarb ihm die unbedingte Achtung und
Liebe seiner Schüler. Die Anstalt zählte zuzeiten 1200 Schüler, und
bald galt in Schlesien und weit darüber hinaus niemand mehr für einen
gelehrten Mann, der nicht wenigstens eine Zeitlang zu Trotzendorfs
Füßen gesessen hatte. Die letzten Jahre seines Lebens wurden durch
mancherlei schmerzliche Erfahrungen und Unglücksfälle getrübt:
zunächst herrschte eine große Hungersnot in Goldberg, dann raffte die
Pest viele Menschen dahin, und endlich (1554) brannte die ganze Stadt
ab, wobei auch sein Schulgebäude in Flammen aufging. Trotzendorf
wanderte nun mit seinen Zöglingen nach +Liegnitz+, richtete sich
dort notdürftig ein und betrieb von hier aus den Wiederaufbau seiner
Schule. Aber noch ehe sie fertig war, ereilte ihn der Tod, i. J.
1556. Mitten in seiner Lehrtätigkeit wurde er vom Schlage getroffen,
gerade als er den 22. Psalm („Der Herr ist mein Hirt“) erklärte und
an dem schönen Verse stand: „Ob ich schon wanderte im finstern Tal,
so fürchte ich doch keinen Unfall; denn du bist bei mir, dein Stecken
und Stab tröstet mich.“ Er sank zurück mit den Worten: „Jetzt, meine
Zuhörer, werde ich in eine andere Schule abgerufen“; dann verlor er
Bewußtsein und Sprache und entschlief nach einigen Tagen sanft in den
Armen eines seiner Schüler. Sein Leichnam wurde in der Johanneskirche
in Liegnitz beigesetzt. Trotzendorf ist nie verheiratet gewesen,
sein Leben war ganz und völlig der Schule gewidmet. Er hätte, sagt
ein Biograph, zur Zeit der Blüte seiner Schule sich irdische Schätze
erwerben können, aber er tat Besseres: er gab reichlich den Armen und
sammelte himmlische Schätze.
=2. Schriften.= Er verfaßte für die Schule in Goldberg ~a~) eine
Christenlehre, „+Katechesis+“, enthaltend die 10 Gebote, Sakramente,
Gebet und gute Werke; b) das „+Rosarium+“, eine Sammlung von
Bibelsprüchen mit Erklärungen, die jeder Zögling sicher wissen mußte.
Im Auftrage des Herzogs (Friedrich II.) entwarf er die „+Goldberger
Schulordnung+“, und sieben Jahre nach seinem Tode erschienen „+Die
Gesetze der Goldberger Schule+“.