VI. Die Schulen der Benediktiner.

1. Dem Benediktinerorden verdankt das Abendland vom 6.–13.

+Jahrhundert+ fast ausschließlich die Segnungen des öffentlichen

Unterrichts. Die kleineren Stifte bildeten die Jugend der Umgegend

in Elementarkenntnissen, die größeren Klöster waren Sammelplätze der

Gelehrsamkeit.

2. Der Stifter des Benediktinerordens ist der heil. +Benedikt von

Nursia+, zugleich Vater des Mönchswesens im Occident. Er gründete

seinen weltberühmten Orden 520 zu Subiaco (südlich von Rom), siedelte

529 nach +Monte Cassino+ (nördlich von Neapel) über und gründete hier

das eigentliche +Stammkloster+ des Ordens. Er starb daselbst 543.

3. In seiner +Ordens-Regel+ nimmt er vorzugsweise auf die Pflege der

Jugend Rücksicht.

+Arme+ so gut als +reiche+ Knaben dürfen vom +frühen Alter+ an durch

die Eltern dem Kloster übergeben werden. -- Sie sollen im Kloster

in +strenger Ordnung+ und draußen unter Aufsicht gehalten werden.

-- Die Schwächen der Knaben sind zu berücksichtigen, dagegen die

+Vergehen+ derselben mit +Fasten oder Rutenstreichen+ zu züchtigen.

4. Nach dem Muster des Stammklosters wurden mit allen

Benediktinerklöstern +Schulen+ verbunden. Bei den größeren Klöstern

bestanden Doppelschulen, eine +äußere+ und eine +innere+. Die äußeren

Schulen wurden von Knaben besucht, welche sich zu einem weltlichen

Berufe vorbereiteten; die innere Schule war für solche, die sich dem

Ordensberufe widmen wollten. Beide Schulen aber waren +Internate+,

da die Benediktinerklöster nach der Ordensregel außerhalb der

Ortschaften aufgeführt werden mußten.

5. Der Vorsteher des Klosters (Abt) beauftragte einen geeigneten

Mönch mit der besonderen +Leitung+ der Schule. Dieser hieß ~magister

scholae~, war sehr angesehen und wählte sich aus den übrigen Mönchen

~seniores~ (Helfer).

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 53 / 110 题