2. Die Athener.

=1. Unterschied von der spartanischen Erziehung.= Die durch Solon (594

v. Chr.) geordnete öffentliche Erziehung der Athener unterschied sich

von der spartanischen in mehreren Punkten.

~a~) In Athen wurden Körper und Geist harmonisch ausgebildet.

~b~) Die Ausbildung erstreckte sich auf die Kinder aller freien

Bürger.

~c~) Der Vater selbst besaß das Recht, das neugeborene Kind

anzunehmen oder zurückzuweisen, und leitete dessen Erziehung.

~d~) Die athenische Erziehung war mehr eine humanistische und

nicht so sehr auf den Staatszweck bezogen.

Hiermit sind zugleich die +Lichtseiten+ der athenischen Erziehung

gegeben.

=2. Der Pädagog.= Das Kind wurde bis zum 7. Jahre im Elternhause

durch eine Amme, später durch eine Wärterin erzogen. Mit dem 7. Jahre

ging der Knabe in männliche Leitung und Beaufsichtigung über. Diese

übte aus der +Knabenführer+ oder Pädagog, ein Sklave, der seinem

Pflegebefohlenen äußeren Anstand beizubringen und denselben zur Schule

zu begleiten hatte, ihn aber nicht selbst unterrichtete.

=3. Der Schulunterricht.= Derselbe umfaßte folgende Fächer:

~a~) +Gymnastik+. Die Übungen im Klettern, Faustkampf, Ballspiel,

Bogenschießen, Schleudern, Wagenfahren wurden geleitet vom Pädotriben

(Turnlehrer) und bezweckten Anmut in der Haltung und Gewandtheit in

den Bewegungen des Körpers. Sie fanden statt in den Gymnasien und

Palästren. Neben diesen Unterrichtslokalen befanden sich Bäder, in

denen die Jugend das Schwimmen erlernte.

~b~) +Musik+ beim Kitharisten: Gesang, Zitherspiel, auch Lyra

und Flöte. -- Außer diesen obligatorischen Fächern erlernte der

athenische Knabe noch

~c~) +Lesen+ beim Grammatisten (nach der Buchstabiermethode),

+Schreiben+ (mit Griffel auf Wachstäfelchen) und +Rechnen+ (Kopf- und

Fingerrechnen für den gewöhnlichen Verkehr). Als Lesebuch dienten

die Gedichte Homers, die Fabeln des Äsop, die Werke Hesiods u. a.

Beim Lesen wurde vorzüglich auf richtige Aussprache, gute Betonung

und Beachtung des vorgeschriebenen Rhythmus gesehen. Da es aber nur

geschriebene Bücher gab, mußte viel memoriert werden.

=4. Eintritt ins öffentliche Leben.= Nach mehrjährigem Schulbesuche

gingen die armen Schüler zum Landbau, Handel oder Handwerk (auch

Kunstgewerbe) über. Söhne vornehmer Eltern verließen mit dem 18. Jahre

als +Epheben+ die Schule und bildeten sich jetzt noch in der Redekunst,

Philosophie, Mathematik und im Waffendienste aus. Feste, feierliche

Spiele und Wettkämpfe gaben die Vollendung. Mit dem 20. Jahre traten

sie in die Zahl der vollberechtigten Bürger. Doch konnte keiner Archont

werden, der seine Eltern verunehrt hatte; wer Vater oder Mutter

geschlagen hatte, mußte in der Volksversammlung schweigen.

Berühmte griechische Lehrer waren besonders Pythagoras und Sokrates.

Grundzüge der Geschichte der Pädagogik · 第 41 / 110 题