montieren wir auf einem mit Rückleisten versehenen starken Brette von
passender Größe. Oben in der Mitte wird das Mikrophon _M_ befestigt,
die Kohlenkontakte nach dem Brette zugekehrt (Abb. 228). Bei _P_ ist
der Drehpunkt eines Hebels _a_, der von einer hinreichend starken
Spiralfeder _F_ nach oben gezogen wird. Der Hebel wird aus einer dünnen
Eisenstange oder einem hinreichend starken, nötigenfalls doppelten
Blechstreifen hergestellt. An seinem Ende ist er so gebogen, daß
das Telephon _T_ eingehängt werden kann, von dessen Gewicht er nach
unten gezogen wird. Dieser Hebel wird mit einem mit Schellacklösung
getränkten Leinenstreifen umwickelt. Darauf wird an drei Stellen (1,
2, 3) je ein Streifen aus Messing- oder Kupferblech um den bewickelten
Hebel herumgewunden. Die drei Streifen müssen völlig voneinander
isoliert unverrückbar festsitzen, was man durch Anwendung von etwas
Schellackkitt (Seite 5) am sichersten erreicht.
[Illustration: Abb. 228. Schaltungsschema der Telephonanlage.]
Jetzt schrauben wir unter dem mittleren (2) Blechring zwei
Messingblechstreifen parallel nebeneinander so auf dem Grundbrett
fest, daß sie federnd von hinten gegen den Ring 2 des niedergezogenen
Hebels drücken und dadurch zwischen ihnen eine metallische Verbindung
hergestellt wird. Zwei andere Paare von Messingblechstreifen stehen in
ähnlicher Beziehung zu den Blechstücken 1 und 3, mit dem Unterschied,
daß sie sich nicht unter, sondern über ihm befinden, der Kontakt also
nur dann hergestellt wird, wenn durch das Aushängen des Telephons der
Hebel von der Feder in die Höhe gezogen wird, in welcher Lage dann die
beiden Messingstreifen bei 2 wieder voneinander isoliert sind.
Ein zweiter Arm _b_ ist als zweiarmiger Hebel um die Achse _P¹_ drehbar
und wird durch eine Feder _F¹_ links nach unten, also rechts nach oben
gezogen. Er ist gerade wie der Hebelarm _a_ mit einem in Schellack
getränkten Leinenstreifen zu umwickeln und trägt zwei Blechstücke (4
und 5), die genau wie bei _a_ zu befestigen sind. ~Über~ 4 und ~unter~
5 sind ebenfalls zwei Blechstreifen angebracht.
Es ist nun noch zu besprechen, wie die einzelnen Teile miteinander
zu verbinden sind. In der Abb. 228 sind die einzelnen Drähte weit
auseinandergerückt gezeichnet, um das Schema übersichtlicher zu
gestalten. In Wirklichkeit bohren wir bei den Stücken, an welche die
Verbindungsdrähte angeschlossen werden sollen, Löcher durch das Brett
und führen den Draht auf der Rückseite den kürzesten Weg zur nächsten
Verbindungsstelle. Die Verbindungen sind mit isolierten, etwa 1 _mm_
starken Kupferdrähten herzustellen.
Der erste Stromkreis ist in der Abbildung durch einen ausgezogenen
Strich dargestellt: er beginnt bei dem Zinkpol der Batterie _B_ und
führt zur Klemmschraube _e_; von da führt eine weiche, etwa 1 _m_ lange
Leitungsschnur zu der Klemme α der primären Telephonwickelung, von
dessen Klemme β wiederum eine Leitungsschnur zu der Klemme _f_; sie
ist mit dem Drahtende _c_ des Mikrophons verbunden, dessen Drahtende
_d_ mit dem einen Metallstreifen bei 3 in leitender Verbindung steht.
Der andere Blechstreifen bei 3 ist mit dem positiven Pole der Batterie
verbunden.
Der Strom des zweiten Kreises nimmt folgenden Weg: er kommt durch die
Fernleitung _x_ zu Klemme _k_, geht von da durch eine Leitungsschnur zu
δ, durch die sekundären Spulen zu γ, von γ durch eine Leitungsschnur
zur Klemme _i_, von da zu dem einen Blechstreifen bei 1 und von dem
anderen Blechstreifen zur Fernleitung _y_. Dieser Weg ist in der Figur
einfach gestrichelt.
Der dritte Stromkreis (punktiert) geht von der Fernleitung _x_ durch
die Glocke _G_, den Kontakt 4, dann durch den Kontakt 2 zur Fernleitung
_y_.
Der vierte Stromkreis (strich-punktiert) nimmt vom negativen Pole der
Batterie seinen Weg durch den Kontakt 5 zur Fernleitung _x_ und kommt
durch _y_ zum positiven Pole der Batterie zurück.
Hiermit ist die Ausrüstung einer Station beendet; wenn zwei solcher
Stationen vorhanden sind, so braucht man sie nur noch durch eine
doppelte Fernleitung miteinander zu verbinden, also die beiden _x_
miteinander und ebenso die beiden _y_.
Ist die Fernleitung sehr lang, so wird es unter Umständen nötig, für
die ~Klingel~ ein Relais einzuschalten. Über die Herstellung eines
Relais und dessen Schaltung siehe Seite 121.
Will man nun von Station I mit Station II sprechen, so drückt man
kurze Zeit den Hebel _b_ herab, um zunächst anzurufen. Dadurch wird
folgender Stromkreis geschlossen: von dem positiven Pole der Batterie
_B_ nach _y_, von da durch die Fernleitung nach dem _y_ der Station
II, daselbst zum Kontakte 2, dann zum Kontakte 4, zur Glocke _G_, nach
_x_, durch die Fernleitung zurück zum _x_ der Station I, zum Kontakte
5 (der hier durch das Herabdrücken des Hebels _b_ geschlossen ist)
und zurück zur Batterie. Demnach wird an der Station II die Klingel
ertönen. Nun werden an beiden Stationen die Telephone abgehängt und die
Hebel _a_ gehen in die Höhe; dadurch ist an jeder Station folgender
Stromkreis geschlossen: von dem positiven Pole der Batterie _B_ durch
den Kontakt 3 nach _d_ am Mikrophone, durch dessen Kohlenkontakt 1 nach
_c_, von hier über _f_ nach β am Telephon, durch dessen primäre Spule
nach _d_ und _e_, endlich zurück zur Batterie. Durch den so fließenden
Strom wird der Elektromagnet des Telephons erregt. Wird nun gegen das
Mikrophon gesprochen, so wird die Membrane durch die aufschlagenden
Luftwellen erschüttert und mit ihr die Kohlenstücke. Durch die Bewegung
der letzteren schwankt aber der Widerstand des Kohlenkontaktes, damit
auch die Stärke des den Magnet umfließenden Stromes. Neben den hier
dargelegten Lokalstromkreisen ist aber auch noch ein Fernstromkreis
geschlossen, der beide Stationen verbindet; dieser verläuft von _x_
an der Station I nach _k_, dann nach δ am Telephon, durch dessen
sekundäre Spule nach γ, über _i_ durch den Kontakt 1 nach _y_ durch
die Fernleitung zum _y_ der Station II, daselbst durch den Kontakt 1
über _i_ nach γ, durch die sekundäre Spule des Telephons nach δ, über
_k_ nach _x_ und durch die Fernleitung zurück zum _x_ der Station I.
In Abb. 229 ist die Hauptsache dieser Darlegungen in einem Schema
übersichtlich zusammengefaßt: rechts ein Lokalstrom, der die Batterie
_B_, das Mikrophon _M_ und die primäre Spule des Telephons _T_ in sich
schließt, links ein ebensolcher mit _B₁_, _M₁_ und _T₁_; zwischen
beiden Stationen ist die Fernleitung, die rechts und links durch die
sekundären Spulen von _T_ und _T₁_ geschlossen ist.
[Illustration: Abb. 229. Wirkungsschema der Telephonanlage.]
Es wurde schon erwähnt, daß durch Sprechen gegen die Membran des
Mikrophons der Station I die Magnetkraft in dem dortigen Telephon
zum Schwanken komme; dieses Schwanken ruft in den sekundären Spulen
Induktionsströme hervor (vergleiche Seite 137), die durch die
Fernleitung fließen und an der Station II in den sekundären Spulen des
dortigen Telephons die Magnetpole umkreisen, deren Magnetkraft dadurch
ebenfalls ins Schwanken gebracht wird. Dieses Schwanken erfolgt genau
in dem Rhythmus der das Mikrophon treffenden Schallwellen, weshalb die
mit dem Blechscheibchen beklebte Pergamentmembran die gleichen Töne
wiedergibt, die gegen das Mikrophon gesprochen werden (vergleiche auch
Seite 200 bis 204).
Wie man sich Rheostate herstellen kann.
~Rheostate~ oder ~Regulierwiderstände~ sind beim Arbeiten mit stärkeren
Strömen fast unentbehrlich. Es sei darum im folgenden die Herstellung
von Rheostaten beschrieben.
Gewöhnlich verwendet man für Regulierwiderstände schlechtleitende
Metalllegierungen wie Nickelin oder Konstantan. Diese sind jedoch
ziemlich teuer, und es wird deshalb manchem jungen Physiker erwünscht
sein, zu erfahren, wie man sich Widerstände aus billigerem Material
herstellen kann.
[Illustration: Abb. 230. Graphitstäbe des Rheostaten mit ihren
Drahtansätzen.]
Wir verwenden den ziemlich schlecht leitenden Graphit, den wir in Form
von Stäben der geringsten Sorte von Bleistiften entnehmen. Auf die Güte
des Graphits und des Holzes zu Zeichenzwecken kommt es nicht an, es ist
nur darauf zu sehen, daß die Graphitsäulen nicht schon von vornherein
in der Holzfassung gebrochen sind. Das Holz entfernt man, indem man es
abbrennt.
Wir brauchen für unseren Rheostat sechs Graphitstäbe; jeder einzelne
Stab wird an beiden Enden mit dünnem, blankem Kupferdraht fest
umwickelt, und die einzelnen Windungen dieser Umwicklung werden
verlötet. Diese Drahtansätze sollen an den oberen Enden 5 _cm_, an
den unteren 10 _cm_ lang sein. Die kurzen Drähte von je zwei Stäben
drehen wir mit einem weiteren Drahte, der um 15 _cm_ länger als ein
Graphitstab ist, zusammen und erhalten so drei Stabpaare, deren jedes
unten drei Drahtenden (_a_, _b_, _c_ in Abb. 230) aufweist. Diese
drei Stabpaare werden auf einem quadratischen Brett von etwa 25 _cm_
Seitenlänge in Gips oder Zement eingebettet. Man streicht auf das
Brett eine 1 bis 1,5 _cm_ hohe Gipsschicht; der Gips soll nicht zu
dünnflüssig, aber doch gut plastisch sein. Nachdem man die auf den Brei
gelegten Graphitstäbe mit einem ebenen Brette gleichmäßig eingedrückt
hat, schlägt man an acht bis zehn Stellen je einen Nagel mit breitem
Kopf so weit in das Brett ein, daß er noch etwa 5 _mm_ weit über die
Gipsschicht herausragt, welche daraus reichlich mit Wasser übergossen
und dann mit einer zweiten Gipsschicht von etwa 1 _cm_ Dicke überdeckt
wird. Oberfläche und Ränder des Gipsblockes werden nun noch glatt
gestrichen und das Ganze läßt man dann in horizontaler Lage trocknen.
[Illustration: Abb. 231 Der fertige Graphitrheostat.]
Darnach wird, wie aus Abb. 231 hervorgeht, das Brett mit dem Gipsblock
auf ein zweites größeres Brett aufgeschraubt, auf welchem auch der
Schalthebel und die Klemmen angebracht werden.
Man schlägt um den Punkt _A_ einen Kreisbogen mit dem Radius _b_
und markiert sich darauf sieben Punkte, mit gegenseitigen Abständen
von etwa 2 _cm_. In jedem dieser Punkte wird ein Ziernagel mit
flachgewölbtem Messingkopf eingeschlagen, jedoch vorerst so, daß die
Köpfe das Brett nicht berühren. Um die sieben Ziernägel werden die
neun Drahtenden in folgender Weise herumgewickelt: Draht 1 um Nagel
1, Draht 2 um Nagel 2, Draht 3 und 4 um Nagel 3, Draht 5 um Nagel 4,
Draht 6 und 7 um Nagel 5, Draht 8 um Nagel 6, Draht 9 um Nagel 7, um
welch letzteren man außerdem einen nachher zur Klemme _F_ zu führenden,
dicken Kupferdraht schlingt. Darauf werden die Ziernägel vollständig
eingeschlagen und die Drähte außerdem noch mit den Nagelköpfen verlötet.
Der Kontakthebel _C_ wird aus einem Streifen starken Kupfer- oder
Messingblechs hergestellt, das bei _A_ eine Bohrung erhält und dessen
eines Ende mit einem Holzgriff _a_ versehen wird. Die Befestigung des
Kontakthebels geschieht in folgender Weise (Abb. 232).
[Illustration: Abb. 232. Befestigung des Kontakthebels.]
Eine kreisrunde Scheibe _b_ aus dickem Kupfer- oder Messingblech wird
in der Mitte mit einem Loche versehen und dann mittels zweier Schrauben
mit versenkten Köpfen auf dem Holze _a_ befestigt; darauf legen wir den
Kontakthebel _c_ so auf die Scheibe _b_, daß seine Durchbohrung auf
deren Mitte liegt, bedecken diese Bohrung mit einer kleinen Spiralfeder
_d_ und stecken durch diese, durch den Hebel und durch die Scheibe die
Schraube _e_, die in _a_ eingeschraubt wird. An der Scheibe _b_ wird
ein Kupferdraht _f_ angelötet, der zu der Klemme _E_ (Abb. 231) führt.
Steht der Kontakthebel so wie in Abb. 231, so ist kein Widerstand
eingeschaltet. Wird er aber nach links gedreht, so muß der Strom seinen
Weg zuerst durch ~einen~, dann durch zwei und schließlich durch alle
sechs Graphitstäbe nehmen.
Die Graphitstäbe könnte man auch freistehend oder liegend befestigen;
da sie jedoch sehr zerbrechlich sind, so ist das angegebene Verfahren
vorzuziehen. Auch ist dann, wenn die Stäbe durch starke Ströme glühend
werden, eine Gefahr ausgeschlossen.
Haben die Graphitstäbe einen Querschnitt von 3 _qmm_, so ertragen sie
eine Stromstärke von 20 bis 25 Ampere. Soll ein solcher Rheostat auch
größeren Stromstärken standhalten, so müssen dickere Graphitstäbe
gebraucht oder jeweils zwei nebeneinander geschaltet werden.
Will man die Stromstärken feiner regulieren können, als es das
jeweilige Ein- oder Ausschalten eines ganzen Graphitstabes erlaubt,
so macht man das Grundbrett des oben beschriebenen Rheostaten etwas
größer und bringt noch einen zweiten Drehhebel an, der auch über eine
bogenförmige Reihe von Nagelköpfen schleift. Diese Nagelköpfe sind,
wie aus Abb. 233 hervorgeht, alle mit einem einzigen, ebenfalls in
den Gipsblock einzubettenden Graphitstab verbunden. Die Drähte, mit
deren Zahl die Feinheit der Regulierbarkeit wächst, sind in gleichen
Abständen voneinander um den Graphitstab herumzuwinden.
[Illustration: Abb. 233. Widerstand für feine Regulierung.]
Um schlechte Kontaktstellen zu vermeiden -- an solchen könnten bei
starken Strömen schädliche Lichtbogen auftreten -- stelle man die
Verbindung der Drähte mit dem Graphitstab folgendermaßen her. Man
windet einen mit Glaspapier gereinigten etwa 0,6 _mm_ starken,
~weichen~ Kupferdraht an der betreffenden Stelle in fünf regelmäßigen
Windungen ~fest~ um den Graphitstab herum und dreht dann den Anfang und
das Ende dieses Drahtstückchens fest zusammen. Auf diese Umwickelung
wird dann ein starker (1 bis 1,5 _mm_) Kupferdraht aufgelötet, der zu
den Kontaktköpfen führt.
Dieser Sonderrheostat wird zwischen dem siebten Kontaktkopf und der
Klemme _F_ eingeschaltet.
Da der eben beschriebene Apparat wohl allen Anforderungen des jungen
Lesers genügt, so will ich mit der Beschreibung anderer Konstruktionen
keine Zeit verlieren; sie seien nur der Vollkommenheit wegen kurz
erwähnt:
Der Rheostat mit Nickelin oder Konstantandrähten ist im Prinzip genau
so konstruiert wie der Graphitrheostat. Die Drähte werden aber nicht
in Gips eingelegt, sondern zu Spiralen gedreht, die in Holzrahmen
ausgespannt werden. Abb. 234 zeigt eine derartige Einrichtung.
[Illustration: Abb. 234. Nickelinrheostat.]
[Illustration: Abb. 235. Glühlampenrheostat.]
Abb. 235 zeigt einen Glühlampenrheostat. Je mehr Glühlampen
~nebeneinander~ in einen Stromkreis eingeschaltet werden, desto
geringer wird der Widerstand. Mit der Zahl der ~hintereinander~
eingeschalteten Lampen wächst der Widerstand. Bei dem in Abb. 235
gezeichneten Apparat können 1 bis 20 Lampen nebeneinander in einen
Stromkreis eingeschaltet werden.
Es ist vorteilhaft, wenn die Widerstände, mit denen man arbeitet,
~geeicht~ sind. Über das Messen von Widerständen siehe Seite 109.
Der Taschenakkumulator.
Die Selbstherstellung eines Akkumulators wurde schon auf Seite 72 bis
80 ausführlich beschrieben. Abgesehen davon, daß ein Akkumulator, den
man in der Tasche tragen können soll, viel kleiner, leichter und enger
gebaut sein muß, ist ein vollkommen dichter Abschluß des Gefäßes von
größter Wichtigkeit.
Die Außenmaße für den Behälter sollen betragen: 10 _cm_ in der Breite,
13 _cm_ in der Höhe und 1,7 _cm_ in der Dicke. Der Akkumulator soll
aus drei Zellen bestehen, also 6 Volt liefern; jede Zelle enthalte
3 Platten, die parallel der Breitseite oder 5 Platten, die parallel
der Schmalseite eingebaut werden. Die Platten werden aus 1 _mm_
dickem Bleiblech genau so hergestellt, wie schon auf Seite 73 u. 74
beschrieben wurde. Zwischen den beiden äußersten (negativen) Platten
einer Zelle und der Gefäßwand braucht kein Zwischenraum zu bleiben.
Es handelt sich also nur noch um das Material, aus dem wir das Gefäß,
und um die Masse, aus der wir den Verschluß herstellen.
Für das Gefäß ist Zelluloid bei weitem das geeignetste, freilich auch
das teuerste Material. Wir beschaffen uns Platten in passender Größe
von etwa 1 _mm_ Dicke. Dabei ist nicht zu vergessen, daß das flache
Gefäß drei Abteilungen, also zwei querteilende Zwischenwände haben muß.
Die Zelluloidplatten bestellen wir uns am besten schon in passender
Größe, andernfalls schneiden wir sie mit einer guten Schere zurecht,
was sich aber nur dann gut bewerkstelligen läßt, wenn das Zelluloid
nicht spröde ist. In diesem Falle wird es mit der Messerspitze
angeschnitten, so zwischen zwei scharfkantige Brettchen gelegt, daß der
Schnitt mit den Kanten der Brettchen zusammenfällt, und dann gebrochen.
Zum Zusammenkitten der einzelnen Teile verwenden wir eine Lösung von
Zelluloid in ~Essigäther~. Haben wir nicht genügend Abfallstückchen,
die wir zum Auflösen verwenden können, so befreien wir einen alten oder
schlechten Rollfilm von den Gelatineschichten -- die nichtrollenden
Films sind auf ~beiden~ Seiten mit einer Gelatineschicht versehen
-- durch Abwaschen mit heißem Wasser, schneiden ihn dann in kleine
Stückchen und legen diese in Essigäther. Die Lösung soll ~dickflüssig~
sein. Die zu verbindenden Teile werden beide mittelst eines Pinsels mit
dieser Lösung bestrichen und dann rasch zusammengesetzt. Nach völligem
Trocknen wird noch etwas von der Zelluloidlösung in die Kanten, die von
den Wandungen gebildet werden, eingegossen. Daraufhin lasse man das
Gefäß einen Tag trocknen.
Einfacher und billiger, aber weniger dauerhaft ist ein Behälter aus
Pappe. Diesen kleben wir aus den Teilen zusammen, die wir aus hartem,
nicht zu dünnem Pappendeckel schneiden. Zum Kleben verwendet man
möglichst wenig Syndedikon (Fischleim). Nach dem Trocknen des Leimes
wird der Behälter in Kolophonium-Wachskitt (Seite 66 u. 80) mit viel
Leinöl etwa 30 Minuten lang gekocht. Darauf nimmt man ihn heraus und
läßt alles überschüssige Kolophonium abfließen. Die Außenseite wird
mit dünnem weißem Fließpapier belegt, welches ohne weiteres sofort
festklebt, wenn man es mit dem Handballen ein wenig ausstreicht.
Nach ~völligem~ Erkalten des Behälters werden seine drei Fächer mit
~reinem~ Kolophonium (das heißt solchem ~ohne~ Leinöl), das man bis
zur Dünnflüssigkeit erhitzt hat, bis etwa 1 _cm_ vom oberen Rande
angefüllt; man achte darauf, daß nichts auf die äußere Papierbekleidung
fließt. Diese Füllung darf nur einige Sekunden in dem Behälter bleiben,
dann ist sie rasch auszugießen. Dadurch werden die Innenwände mit einem
Überzug versehen, der nach dem Erkalten nicht mehr klebrig ist. Dem
zuletzt erwähnten Kolophoniumguß kann man etwas (⅒) Asphalt zusetzen.
Schließlich wird der äußere Papierbelag noch mit Eisenlack angestrichen.
Die präparierten Bleiplatten werden, wie schon auf Seite 76 erwähnt
wurde, eingesetzt; sie sollen auch auf Glasröhrchen, nicht unmittelbar
auf dem Boden des Gefäßes stehen. Der obere Plattenrand soll 2,5 _cm_
unterhalb des oberen Gefäßrandes zu liegen kommen. Die Fortsätze der
Platten sollen schmal sein und müssen kurz vor der Herstellung des
Verschlusses mit Schmirgelpapier sorgfältig gereinigt werden.
Die Platten werden eingesetzt und die Zellen bis 2 _cm_ vom oberen
Rande mit Wasser gefüllt. Statt der Glasröhrchen, die bei dem oben
beschriebenen Akkumulator zum Entweichen der Gase dienen, werden in
derselben Weise kleine, etwa 4 _cm_ lange Gummischlauchstückchen
eingesetzt, in jede Zelle zwei. Der Abschluß wird durch fünf
verschiedene, je 4 _mm_ dicke Güsse hergestellt.
Der erste Guß wird sorgfältig auf das Wasser aufgegossen und besteht
aus Kolophonium, dem man bis zu ⅓ Asphalt zusetzen kann. Nach dem
Erkalten werden die noch herausragenden Bleistreifen und die Wände des
Behälters mit Filtrierpapier ~sorgfältig getrocknet~.
Der zweite Guß besteht aus Kolophonium-Wachskitt (Leinöl ziemlich
reichlich), der möglichst heiß eingegossen werden muß. Ein guter
Kontakt dieses Gusses mit den Wänden und mit dem Blei ist besonders
wichtig. Man führt ihn am sichersten herbei, wenn man an den
Berührungsstellen von Wand und Blei mit dem Kitt letzteren mit einem
dicken, weißglühenden Nagel noch einmal in Fluß bringt.
Der dritte Guß kann genau wie der zweite hergestellt werden. Weit
sicherer ist jedoch folgendes Verfahren: Wir beschaffen uns eine kleine
Blechbüchse mit Deckel, deren Boden- und Seitennaht nicht gelötet,
sondern durch Falz hergestellt ist. In den Deckel wird ein kleines
Loch geschlagen. Die Büchse umwickeln wir mit einem starken Draht, den
wir zu einem langen Stiel biegen. In diese Büchse geben wir kleine
Stückchen von einem alten Gummischlauch und halten sie über einen
Bunsenbrenner. Der Gummi schmilzt, und ein sehr übelriechender, grauer
Dampf strömt aus dem Loch des Deckels hervor. Der Dampf ist brennbar;
wir zünden ihn an, und vermindern dadurch den peinlichen Geruch dieses
Verfahrens ganz wesentlich. Ist der Gummi völlig geschmolzen, dann
geben wir eine mittelgroße Tube voll Gummilösung -- wie man solche
zum Pneumatikflicken gebraucht -- zu und vermischen diese tüchtig
mit dem geschmolzenen Gummi; darauf wird die Masse noch einmal unter
ständigem Umrühren kurz erhitzt; dann wird die Flamme gelöscht -- in
einem Raum, in dem mit Benzin umgegangen wird, darf niemals eine offene
Flamme brennen -- und so viel Benzin zugerührt, bis die Mischung ihre
Zähigkeit etwas verliert. Jetzt wird sie aufgegossen; dabei helfen
wir mit einem Holzstäbchen nach, damit sie sich überall gleichmäßig
verteilt. Man achte darauf, daß dieser erst nach vielen Monaten völlig
trocknende Gummibrei nur an die Stellen gelangt, für die er bestimmt
ist, da man ihn dort, wo er einmal klebt, nur sehr schwer entfernen
kann.
Der vierte Guß darf erst nach zwei bis drei Tagen auf den dritten
aufgegossen werden; er besteht aus Kolophonium, dem man nur wenig
Leinöl zugefügt hat.
Darauf kommt der fünfte Guß, der aus der käuflichen sogenannten
Akkumulatorenvergußmasse oder aus Paraffin hergestellt wird.
Die Bleistreifen werden in der richtigen Reihenfolge untereinander
verlötet (siehe Seite 77) und am negativen Pol der ersten und am
positiven der dritten werden Klemmschrauben angebracht.
Das Wasser läßt man jetzt durch die Schläuche abfließen. Mit Hilfe
eines Glastrichters, dessen Rohr zu einer hinreichend feinen Spitze
ausgezogen ist, um in die engen Gummischläuche eingesteckt werden zu
können, wird die Schwefelsäure eingegossen; sie soll den oberen Rand
der Platten gerade noch bedecken, so daß zwischen ihr und dem Verguß
ein 3 bis 4 _mm_ breiter Raum frei bleibt. In die oberen Enden der
Gummischläuche werden zum Verschluß runde Holzstäbchen (Streichhölzer)
eingesteckt.
Herstellung eines Universal-Volt-Ampere-Meters.
Das im folgenden beschriebene Instrument ist ein sogenannter
Dynamometer (Seite 207). Es ist deshalb sowohl für Wechsel- wie für
Gleichstrom zu verwenden; zufolge seiner Konstruktion kann es,
was Spannungen und Stromstärken betrifft, in sehr weiten Grenzen
gebraucht werden. Ferner kann es bei sauberer Arbeit zu einem richtigen
Präzisionsinstrument gemacht werden.
[Illustration: Abb. 236. Brett zum Wickeln der Spule.]
Die Arbeit beginnt damit, daß man einem 1,5 _cm_ dicken, 10 _cm_
breiten und beliebig langen Brettchen durch Abrunden der Kanten die
Abb. 236 zu erkennende Form gibt. Dieses Brettchen umwickelt man nahe
dem einen Ende mit einem nicht zu starken Bindfaden auf eine Strecke
von etwa 7 _cm_, so daß Windung genau an Windung liegt. Darüber spannt
man einen Streifen Pergamentpapier, dessen Enden man zusammenklebt,
wobei man aber darauf achten muß, daß er nicht an dem Bindfadenbelag
kleben bleibt. Darüber wird ein in einer dicken Schellacklösung
getränktes Seidenpapier gelegt; ist das etwas angetrocknet, so wickelt
man einen isolierten 0,4 bis 0,5 _mm_ starken Kupferdraht darauf[11],
wiederum Windung genau an Windung, bis man einen 2 _cm_ breiten
Belag erhalten hat. Darauf läßt man, indem man den Draht auf einer
Schmalseite des Holzes quer herüberführt, einen 1,5 _cm_ breiten
Zwischenraum und legt einen zweiten, ebenfalls 2 _cm_ breiten Belag an
(Abb. 236, _a_ und _b_). Die beiden Beläge werden mit Schellacklösung
bestrichen und mit Papier überzogen. Darauf wickelt man die zweite
Lage; hat man von links nach rechts zu wickeln begonnen, so wickelt man
nun von rechts nach links. Den Übergang von _b_ nach _a_ macht man auf
der dem ersten Übergang entgegengesetzten Seite; dann wird wieder mit
Schellack bestrichen, mit Papier belegt u. s. w., bis wir fünf oder
sieben Lagen gewickelt haben. Der Übergang von _a_ zu _b_ wird oben,
von _b_ zu _a_ immer unten gemacht. Die Drahtenden sollen je 10 _cm_
frei von der Spule abstehen.