sind, ist ganz durchsetzt mit elektrischen Wellen. Ich habe hier zwei
Blechscheiben, die auf isolierenden Füßen stehen. Sie werden mit
den Elektroden des Teslaapparates verbunden und etwa 50 bis 70 _cm_
voneinander entfernt aufgestellt.“
Käthe stellte die Apparate auf und verfinsterte das Zimmer. Rudi
brachte in den Raum zwischen den Blechen verschiedene Geißlersche
Röhren, die, ohne die Bleche zu berühren, hell aufleuchteten. Ferner
brachte Rudi, während er den linken Blechschirm anfaßte, die rechte
Hand in die Mitte zwischen die beiden Bleche: Es sah aus, als wenn
die Hand eigenes Licht ausstrahlte Die Abb. 216 versucht annähernd,
derartige Erscheinungen wiederzugeben.
[Illustration: Abb. 217. Lichterscheinungen zwischen zwei mit dem
Teslatransformator verbundenen Drahtkreisen.]
Der nächste Versuch bestand darin, daß Rudi zwei Drahtkreise von
verschiedenen Größen (10 und 15 _cm_ Durchmesser), die wie die
Blechscheiben auf isolierenden Glasfüßchen standen, mit den Elektroden
des Teslatransformators verband. Die Aufstellung der Drahtkreise und
den Verlauf der Lichtstrahlen zeigt Abb. 217. Lebhafte Lichtbüschel
sprühten zwischen beiden Kreisen hin und her.
[Illustration: Abb. 218. Zum ersten Teslaschen Glühlampenversuch.]
Für den folgenden Versuch hatte Rudi um die Gewindefassung
(Edisonfassung) einer gewöhnlichen, etwa 16kerzigen Glühlampe einen 1,5
_mm_ starken, blanken Kupferdraht gewunden und dessen Ende in einer
der Transformatorklemmen befestigt, wie Abb. 218 zeigt. Als er dann im
Dunkeln die Apparate in Tätigkeit setzte, leuchtete der ganze Hohlraum
der Glühlampe in einem zarten, grünlichblauen Lichte. Der Kohlenfaden
sah wie mit feinen, leuchtenden Dornen besetzt aus. Näherte man der
Glasbirne den Finger, so schien dieser das Licht anzuziehen; an der dem
Finger gegenüberliegenden Stelle des Glases aber war unter Umständen
ein deutlicher hellgrüner Fleck zu sehen, der sich der Bewegung des
Fingers entsprechend hin und her bewegte.
Endlich wies Rudi noch auf die außerordentlich starke Induktionswirkung
der Wechselströme hoher Frequenz hin. Er hatte sich aus 1,5 _mm_
starkem isoliertem Draht eine einfache Schnecke von vier Windungen
gedreht. Der Durchmesser der Schnecke war nahezu gleich dem der
primären Wickelung seines Transformators (Seite 264). An die Enden des
Drahtes war eine Glühlampe angeschlossen, deren Voltzahl mit der der
zum Betriebe der Apparate nötigen Akkumulatoren übereinstimmte. Brachte
Rudi diesen einfachen Drahtkreis in die Nähe der primären Spule des
Transformators und parallel zu ihr -- die sekundäre Spule hatte er
entfernt -- so leuchtete die Glühlampe hell auf, aber nicht wie vorhin,
sondern der Faden glühte gerade so, als wenn die Lampe unmittelbar an
den Akkumulator angeschlossen wäre.
[Illustration: Abb. 219. Zum zweiten Teslaschen Lampenversuch.]
Für Transformatoren mit spiraligen statt schneckenförmigen Spulen muß
für diesen Versuch natürlich die Glühlampe auch an einen spiralig
gewundenen Draht angeschlossen werden, wie Abb. 219 zeigt. Dabei ist
aber darauf zu achten, daß die Steighöhe der Spirale (das heißt der
Abstand zwischen den einzelnen Windungen) ~gleich~ der der primären
Wickelung des Transformators ist. Die Längsachsen der Spiralen müssen
einander parallel sein, wenn Induktionswirkungen auftreten sollen.
Das war Rudis letzter Versuch. Mit einem Dank für das zahlreiche
Erscheinen seiner Zuhörer schloß er den Vortrag ab.
Während nun Rudis Mutter die verschiedenen Tanten noch mit einem
Tee erfrischte, mußte der jugendliche Dozent noch manche Frage
beantworten; aber gar häufig blieb ihm nichts anderes übrig als zu
sagen: „Das wissen ~wir~ nicht.“ Dann kam auch sein uns schon bekannter
kritischer Onkel zu ihm und machte ihn auf manches Wissenswerte
aufmerksam. Wir halten es darum für angebracht, des Onkels Kritik der
Hauptsache nach noch anzuführen:
[Sidenote: Kritik.]
„In der Einleitung des Vortrages hast du gesagt, einen Naturvorgang
erklären heiße ihn mit einem anderen vergleichen. Das ist ja im
allgemeinen ganz richtig. Du führtest aber da ein Beispiel an, in
welchem der Vergleich eben gerade ~nicht~ einer Erklärung entspricht:
Ich vergleiche den elektrischen Strom mit dem Wasserstrom in einer
Leitung nur, um mir ein Bild zu machen. So sagt man z. B., der
elektrische Strom ~fließt~ vom positiven zum negativen Pol. Mit
diesem Ausdruck hantieren wir in dem ganzen Gebiet der praktischen
Elektrotechnik; aber eine Erklärung ist dieses Bild nicht.
Für wirkliche Erklärungen können die Vergleiche gelten, die wir
zwischen den Erscheinungen im Äther und den Wellenbewegungen der von
unseren Sinnen erkennbaren Materien wie Luft, Wasser, ausgespannte
Seile u. s. w. anstellen. Wenn mich also jemand fragte: ‚Was ist
Licht?‘ so würde ich sagen: Licht ist eine ~Wellenbewegung~, durch
bestimmte Ursachen hervorgerufen in einem Medium, das wir mit unseren
Sinnen nicht unmittelbar erkennen können. Bei dieser Erklärung liegt in
dem Worte ~Wellenbewegung~ der Vergleich. --
Eine Definition des Äthers geben zu wollen, ist heute noch sehr gewagt;
theoretisch müssen wir den Äther als festen Körper auffassen; aber
abgesehen von dem rein äußerlichen Widerspruch dieser Annahme wird sie
von einer ganz anderen Seite mit großem Erfolg angegriffen. Ebenso
haben auch die neuesten Forschungen auf dem Gebiet der Ätherphysik
die von dir zitierte Anschauung, daß alle Naturerscheinungen auf
die ~mechanischen~ Grundtatsachen zurückzuführen seien, vollkommen
überwunden; nicht mehr mechanisch, sondern ~elektromagnetisch~ erklärt
man heute alle Physik, auch die Mechanik.
Der Drehspiegelversuch ist ja scheinbar sehr schön gelungen, aber
nur scheinbar; dieser Versuch läßt sich mit so einfachen Mitteln gar
nicht ausführen, da die Schwingungen viel zu schnell sind, als daß
sie von einem so verhältnismäßig langsam rotierenden Spiegel zerlegt
werden könnten. Was man bei deinem Experiment sah, waren nicht die
Perioden der Oszillation, sondern wahrscheinlich die des Unterbrechers
am Funkeninduktor. Immerhin war das Experiment anschaulich und hat das
Wesen derartiger Untersuchungen gut wiedergegeben.
Ferner halte ich die Reihenfolge der einzelnen Experimente bei zwei
Gruppen von Versuchen für ungeschickt gewählt. Erstens hätte ich bei
dem Drehspiegelversuch das kontinuierliche Lichtband der Kerzenflamme
~vor~ den unterbrochenen Funkenbildern gezeigt. Ebenso wäre es bei der
Resonanz besser gewesen, zuerst den Pendelversuch, dann die akustische
und zuletzt die elektrische Resonanz zu zeigen, da es zum Verständnis
immer besser ist, das Einfachere, das am leichtesten Begreifliche
zuerst zu bringen.
So hätte ich auch vor den Ausführungen über Ätherwellen ein
sinnenfälliges Beispiel gebracht. Du hättest z. B. ein Seil mit einem
Ende irgendwo befestigen können; das andere Ende hättest du dann in
die Hand genommen und das mäßig gespannte Seil geschlingert, so daß
es die Bewegung regelrechter Wellen deutlich zeigte. Außerdem hätte
ich den sehr wesentlichen Unterschied zwischen Schall- und Ätherwellen
hervorgehoben. Die Schallwellen sind sogenannte Longitudinalwellen,
das heißt Wellen, die dadurch entstehen, daß sich die einzelnen -- in
diesem Falle Luft- -- Teilchen ~in~ der Fortpflanzungsrichtung hin und
her bewegen. Die Ätherwellen dagegen sind Transversalwellen, bei denen
sich die einzelnen Teilchen ~senkrecht~ zur Fortpflanzungsrichtung
bewegen.
Eine richtige Longitudinalwelle kann man oft bei in Reih’ und Glied
aufgestellten Soldaten sehen. Wenn die einzelnen Leute mit zu großen
Abständen stehen, so daß man also überall noch hindurchsehen kann, und
der rechte Flügelmann macht, einem Befehl gehorchend, einen großen
Schritt nach links und dann, erkennend, daß der Schritt zu groß war,
einen kleinen wieder nach rechts, so kann man folgendes Bild sehen:
Bei dem ersten Schritt hat der Flügelmann seinen Nachbar angestoßen;
dieser stößt, ebenfalls nach links tretend, den dritten Mann, der
wieder den vierten u. s. f. Im ersten Augenblick kann man also
zwischen den ersten drei oder vier Mann ~nicht~ mehr hindurchsehen,
was zur Folge hat, daß diese Stelle des Gliedes gewissermaßen dunkler
erscheint. Nun geht aber der erste Mann, der zweite u. s. f. wieder
etwas zurück, dadurch werden die Abstände wieder etwas größer, die
Stelle im Glied, die eben uns dunkel erschien, sieht jetzt wieder
heller aus, dafür sieht die nächste Gruppe von drei oder vier Mann
wieder dunkel aus und wird dann wieder hell, und so geht das fort.
Es hat das Aussehen, als ob ein dunkler Fleck sich ziemlich rasch
vom rechten zum linken Flügelmann fortbewegte. Steht nun der linke
Flügelmann recht fest und weicht dem Anstoß nicht, so wandert der
dunkle Fleck wieder zurück. Man hat dabei nicht nur das ~Bild~ einer
Longitudinalwelle, sondern tatsächlich eine solche Welle selbst.
Die Vorstellung einer Ätherwelle ist schon viel schwieriger. Das vorhin
erwähnte Seil gibt nur ein unzulängliches Bild einer Ätherwelle, obwohl
beide, sowohl die Seil- wie die Ätherwelle Transversalwellen sind.
Jedoch zur Demonstration reicht das völlig aus.
Man hat ja Apparate konstruiert, welche Bilder der verschiedenen
Wellengattungen geben. Du hättest dir ganz einfach einen
Longitudinalwellenapparat konstruieren können. Den macht man so: Man
stellt sich aus Holzleisten einen 20 cm hohen rechteckigen Rahmen her,
der senkrecht stehend auf einem Grundbrett befestigt wird. Die eine der
senkrechten Seiten sei aus dickem Holz und gut im Grundbrett befestigt,
die andere eine dünne, elastische Leiste. Die Länge ergibt sich von
selbst. An der oberen Querleiste des Rahmens werden an 10 bis 15 _cm_
langen Fäden 20 bis 50 gleich große und gleich schwere schwarze Holz-
oder Steinkugeln so aufgehängt, daß zwischen je zwei eine 3 bis 5 _mm_
große Strecke frei bleibt. Die erste und die letzte Kugel soll gerade
an der betreffenden senkrechten Seite des Rahmens anliegen. Hinter den
schwarzen Kugeln stellt man einen weißen Karton auf.
Um nun eine Longitudinalwelle hervorzurufen, schlägt man mit einem
kleinen Hammer leicht außen an die Stelle der dünnen Seitenleiste,
an der innen die erste Kugel anliegt. Die Erscheinung ist dann genau
dieselbe, wie ich sie vorhin bei den Soldaten beschrieben habe. --
Jetzt noch eines. Bei den Teslaversuchen haben die Entladungsfunken
nicht nur durch ihren Lärm, sondern auch durch ihr sehr blendendes
Licht gestört. Du hättest das Funkenmikrometer in ein Kästchen aus
Hartgummi- oder Vulkanfiberplatten einschließen sollen. Man könnte auch
über die Zinkstücke runde Korkscheibchen schieben und darüber eine
hinreichend weite Glasröhre stecken.“
[Illustration: Abb. 220. Rudi an seinem Experimentiertisch.
Die Apparate sind von links nach rechts gesehen: Akkumulatorenbatterie,
Teslatransformator, Vertikalgalvanoskop, Rheostat, Funkenmikrometer,
Lichtschutz für den Fluoreszenzschirm, Röntgenröhre, Righischer
Radiator, Funkeninduktor, Influenzmaschine, Leidener Flasche.]
Das war der letzte Vortrag, den Rudi aus dem Gebiet der Elektrophysik
hielt. Er hatte sich noch eine ganze Anzahl von Apparaten hergestellt,
die für jeden jungen Elektrotechniker Interesse haben, und die darum
noch einzeln beschrieben werden sollen.
[7] Vergleiche die Kritik am Ende des Vortrages.
[8] Siehe die Kritik am Ende des Vortrags.
[9] Besser ist es, die Gabeln mit einem Cello- oder Baßgeigenbogen,
der reichlich mit Kolophonium zu versehen ist, anzustreichen; man
zieht den Bogen dabei über die Endflächen der Gabelzinken.
[10] Er kann viel einfacher sein; der Petroleumbehälter ist nicht
unbedingt nötig.
[Illustration]
Anhang.
Wie man sich eine Telephonanlage herstellen kann.
Da Stahlmagnete, wie sie für Telephone gebraucht werden, nicht im
Handel zu bekommen sind, auch ziemlich teuer wären und wir sie kaum mit
genügender Sorgfalt selbst herstellen könnten, so verwenden wir statt
dessen Elektromagnete. Wir können dann auch den immerhin umständlich
herzustellenden Transformator ganz weglassen, das heißt, ihn durch eine
ganz besondere Anordnung ersetzen.
Für eine Fernsprechanlage sind natürlich zwei vollkommen gleiche
Stationen nötig. Im folgenden werden alle Angaben nur für eine Station
gemacht, man hat sich also alles angegebene Material doppelt zu
beschaffen.
[Sidenote: Das Mikrophon.]
Aus Zigarrenkistenholz sägen wir uns zwei Ringe; ihr innerer
Durchmesser sei 7, ihr äußerer 9 _cm_. Zwischen sie wird mit gutem
Tischlerleim ein in Wasser aufgeweichtes Pergamentpapier geklebt;
dabei sollen die Fasern des Holzes der beiden Ringe einander senkrecht
kreuzen. Außerdem müssen die Ringe mit einer nicht zu geringen Anzahl
von Drahtstiftchen zusammengenagelt werden.
Die Kohlenkontakte stellen wir uns aus Reststücken von
Bogenlampenkohlen oder aus Elementkohlen her. Letztere dürfen aber
noch nicht viel in der Elementfüllung gestanden haben. Wir brauchen
zwei rechteckige Stücke; Form und Größe geben wir ihnen durch
Sägen und durch Schleifen auf einem rauhen Stein. Jedes Stück ist
40 : 15 : 10 _mm_ groß. Außerdem brauchen wir vier kleine Walzen mit
kegelförmig zugespitzten Enden; diese sind 20 _mm_ lang, 7 _mm_ dick.
In die rechteckigen Stücke werden mit einem Versenker (Krauskopf)
vier trichterförmige Vertiefungen gebohrt. Abb. 221 zeigt in _a_ und
_b_ diese Kohlenteile. Darauf werden, wie aus Abb. 222 hervorgeht,
die beiden Kohlenstücke, die mit ihren Vertiefungen die vier Rollen
zwischen sich aufgenommen haben, so auf die Pergamentmembrane _m_
aufgeleimt, daß die kleinen Walzen nicht herausfallen können, aber doch
völlig freien Spielraum haben, sich nirgends klemmen, und nur ganz lose
aufliegen.
[Illustration: Abb. 221. Kohlen zum Mikrophon.]
[Illustration: Abb. 222. Mikrophon.]
Aus starkem Messingdraht biegen wir zwei hufeisenförmige Klammern,
löten an jeder einen Kupferdraht (_c_, _d_) fest, den wir zur Spirale
drehen. Die Klammern werden so über die Kohlen geschoben (Abb. 222),
daß diese mit Federkraft fest umschließen. Endlich wird der Holzring
_R_ noch mit drei je 2 _cm_ hohen Holzstollen _A_, _B_, _C_ versehen.
[Sidenote: Das Telephon.]
Weniger einfach gestaltet sich die Herstellung des Hörapparates, des
~Telephones~. Den Kern für den Elektromagnet biegt man sich (in kaltem
Zustande) aus gewöhnlichem Bandeisen in Hufeisenform. Aus Abb. 223
gehen alle Maße deutlich hervor. Die Enden des Hufeisens feilt man auf
eine Ausdehnung von 18 _mm_ zu Zylindern von 7 _mm_ Durchmesser (Abb.
224).
[Illustration: Abb. 223. Hufeisenmagnet für das Telephon.]
Die Rähmchen für die Drahtspulen fertigen wir aus dünnem (Messing-,
Kupfer- oder) ~Zinkblech~. Sie sollen genau über die Schenkel des
Magnetkernes passen und 4 _cm_ hoch sein. Ihre Form geht hinreichend
deutlich aus Abb. 225 hervor. Die Spulen werden mit einer dicken
Schellacklösung (Seite 5) überstrichen und nach dem Trocknen bewickelt.
[Illustration: Abb. 224. Zylinderende des Magneten.]
[Illustration: Abb. 225. Spule.]
Für jede Spule brauchen wir 6 bis 7 _m_ mit Baumwolle isolierten, 0,7
_mm_ starken Kupferdraht. Die Bewicklung ist sorgfältig auszuführen;
jede Lage ist von der nächsten durch ein in Schellacklösung getränktes
Papier zu trennen. Wir stellen vier oder fünf Lagen zu je 35 bis
40 Windungen her. Die fertigen Spulen werden über die Schenkel des
Magnetkernes geschoben und die zwei entsprechenden Drahtenden (siehe
Seite 105 u. 133) miteinander ~verlötet~.
Wir kommen jetzt zur Herstellung der sekundären Spulen, die auf
das 18 _mm_ lange zylindrische Ende der Magnetschenkel geschoben
werden sollen. (Über Anfertigung von Drahtspulen vergleiche Seite
91, 165, 174 u. f.) Zur Anfertigung einer solchen Spule verfahren
wir folgendermaßen. Wir umwinden eines der runden Schenkelenden mit
einer regelmäßigen Lage von Nähfaden. Darüber wickeln wir in 3 bis
4 Lagen dünnes Paraffinpapier in einem 16 _mm_ breiten Streifen.
Darauf wird diese Paraffinhülle über einer Flamme etwas erwärmt, so
daß sich das Paraffin zwischen den einzelnen Lagen vereinigt. Ist das
durch die Erwärmung weich gewordene Papier wieder erstarrt, so ziehen
wir den Faden zwischen Papier und Kern heraus und nehmen das kleine
Papierröllchen ab. Es bildet die Grundlage für die Drahtspule. Bevor
wir jedoch mit dem Bewickeln beginnen, umwickeln wir, wie vorhin das
Polende, ein 7 _mm_ dickes, rundes Holzstäbchen mit Faden und schieben
die kleine Papierhülle darauf, so daß sie fest sitzt.
Zur Bewicklung nehmen wir 0,15 bis 0,2 _mm_ starken, mit ~Seide~
isolierten Kupferdraht. Wir können eine Lage zu 60 Windungen rechnen,
20 bis 30 Lagen sind erforderlich; für eine Windung brauchen wir im
Durchschnitt 3,8 _cm_ Draht, somit brauchen wir für jede Spule (25
Lagen angenommen) 25 · 60 · 38 _mm_ gleich 57 _m_ von 0,2 _mm_ starkem
Draht. Sollen die beiden Stationen sehr weit auseinanderliegen (über
1 bis 2 _km_), so empfiehlt es sich, 0,15 bis 0,1 _mm_ starken Draht
zu gebrauchen und entsprechend mehr Windungen (bis 50 Lagen zu je 60
Windungen) zu nehmen.
Das Bewickeln führen wir am besten mit der Hand aus (Spulapparat Seite
165 ist hierfür nicht zu empfehlen). Wir nehmen das Holzstäbchen mit
dem Papierröllchen in die linke Hand, nachdem wir den Drahtanfang nahe
dem Röllchen am Holzstäbchen befestigt haben. Dann drehen wir das
Stäbchen zwischen Daumen und Zeigefinger der Linken und lassen den
Draht durch die Rechte gleiten, mit dessen Daumen und Zeigefinger wir
ihn lenken. Es muß Lage sorgfältig neben Lage gelegt werden. Sind wir
nahe dem Ende des Papierröllchens angelangt, so ist die erste Lage
beendet; sie wird mit heißem Paraffin bestrichen und mit einem dünnen
Paraffinpapierplättchen umgeben. Schellack eignet sich hier deshalb
nicht als Isoliermaterial, weil er zu langsam trocknet und die Finger
in unangenehmer Weise klebrig macht. Darauf wird die zweite Lage gelegt
u. s. w., bis die gewünschte Anzahl vorhanden ist.
Spulenrähmchen mit Randscheiben zu verwenden, ist nicht vorteilhaft, da
sie viel schwieriger zu bewickeln sind. Bei dem angegebenen Verfahren
ist nur darauf zu achten, daß jede Lage genau so viel Windungen
hat wie die vorhergehende; um das zu erreichen, brauchen die Lagen
nicht gezählt zu werden, denn man sieht durch das durchscheinende
Paraffinpapier, das beiderseits etwa 1 _mm_ überstehen soll, hindurch
und erkennt leicht, wenn die eine Lage gerade so weit gewickelt ist als
die vorhergehende.
Die fertigen Spulen werden schließlich noch 2 bis 3mal mit einer dicken
Schellacklösung überstrichen. -- Man achte darauf, daß die freien
Drahtenden nicht abbrechen. Ist der letzte Schellacküberzug getrocknet,
so werden die Spulen auf die Zylinderfortsätze der Elektromagnete
geschoben, und die entsprechenden Drahtenden in derselben Weise wie die
der primären Spulen miteinander verlötet.
Abb. 226 zeigt die Anordnung der weiteren Teile des Telephons. Die
primären Spulen (_B_, _a_ und _b_), -- die in der Abbildung übrigens
versehentlich anstatt oval mit kreisrundem Schnitt gezeichnet sind, wie
auch die Löcher in _a_ und _b_ oval sein müssen -- klemmen wir zwischen
zwei Brettchen _c_ und _c₁_, die wir mittels der Holzschrauben _x_,
_y_ und _z_ zusammenziehen. Auf diese Brettchen leimen wir eine aus
Zigarrenkistenholz gesägte runde Scheibe (_C_, _I_), die zwei ovale
Öffnungen (_a_ und _b_) hat, um die beiden Primärspulen des Magneten
durchzulassen. Bei _A_ sehen wir die primären Spulen _a_ und _b_, das
vordere Brettchen _c_, die Köpfe der drei Schrauben _x_, _y_ und _z_
(in der Ansicht) und die Scheibe _I_ (im Schnitt) an dem Elektromagnet
befestigt.
[Illustration: Abb. 226. Die einzelnen Teile zum Telephon.]
Am Rande der Scheibe _I_ errichten wir vier oder sechs nicht zu
schwache Holzsäulen _S_, die in gleichmäßigen Abständen von unten her
festzuschrauben sind. Diese Säulen müssen einen Rahmen _R_ tragen, der
genau so hergestellt wird, wie der Rahmen _R_ des Mikrophons (Abb.
222). Sein äußerer Durchmesser sei gleich dem der Scheibe _I_, sein
innerer mindestens 7 _cm_. Genau in die Mitte der Pergamentmembrane
_m_, auf die von den Magnetpolen abgewendete Seite, ist ein dünnes
~kreisrundes~ Blechscheibchen _e_ aufzukleben, dessen Durchmesser 4 bis
4,5 _cm_, also etwas mehr betragen soll, als der Abstand der äußeren
Ränder der Polenden des Elektromagneten. Die Blechscheibe schneide man
aus möglichst dünnem ~Weißblech~ mit einer gewöhnlichen Schere aus und
achte dabei darauf, daß die Scheibe völlig eben und frei von Beulen
bleibe. Das Aufleimen geschieht mit gewöhnlichem Tischlerleim oder
Schellack.
Darauf wird ein hinreichend langer Streifen Pergamentpapier, der so
breit ist, als die Säulen _S_ hoch sind, etwas angefeuchtet, mit einem
Ende an einer der Säulen angeklebt, dann mehrmals außen um die übrigen
Säulen herumgewunden, und schließlich wird sein Ende wieder angeklebt.
Es entsteht dadurch zwischen den Säulen ein völlig geschlossener Raum,
in welchem die Magnetpole mit den sekundären Spulen eingeschlossen sind.
An den Brettchen _c_ und _c₁_ bringen wir noch vier kleine
Klemmschrauben α, β, γ und δ an. In der Abb. 226 sind die Klemmen β
und δ so gezeichnet, als säßen sie auch an _c_, während sie an dem
verdeckten _c₁_ zu befestigen sind. Die Drahtenden der primären Spule
werden an α und β, die der sekundären an γ und δ angelötet. Wo es sich
irgend ermöglichen läßt, sollen Drahtverbindungen immer angelötet
werden.
[Illustration: Abb. 227. Schnitt durch den Schallbecher.]
Wir müssen jetzt noch über der Membrane einen Schallbecher anbringen.
Wer eine Drehbank besitzt, dreht sich den Schallbecher aus einem Stück
Holz. Wir können ihn aber auch ohne Drehbank sehr einfach auf folgende
Weise herstellen. Wir sägen aus ~dünnem~ Zigarrenkistenholz oder aus
starkem Pappendeckel sieben runde Scheiben (1 bis 7 in Abb. 227) von
der Größe der in Abb. 226_c_ dargestellten und versehen jede mit
einer einzigen zentralen Öffnung; die in Nr. 1 soll 1,5 bis 2 _cm_
Durchmesser haben, die von Nr. 2 etwas mehr u. s. w. bis bei Nr. 7 der
Durchmesser 6 bis 7 _cm_ groß ist. Diese sieben Brettchen -- wenn wir
dickere Brettchen verwenden, genügen auch fünf -- werden, wie aus Abb.
9 zu erkennen ist, aufeinandergeleimt; dann feilen wir die Kanten der
treppenartigen Innenseite (in Abb. 227 ~rechts~) etwas rund (in Abb.
227 ~links~) und leimen den Schalltrichter auf den Ring _R_ auf.
Die Entfernung der Membrane von den Magnetpolen soll 0,5 bis 1 _mm_
betragen; jedenfalls darf sie nicht zu nahe stehen, so daß sie durch
die Anziehung des Elektromagneten auf das Blechplättchen mit den
Magnetpolen in Berührung kommt. Man kann den Abstand leicht regulieren,
indem man die Schrauben _x_, _y_, _z_ (in Abb. 226) etwas lockert, die
Membrane mit dem ganzen Gehäuse in die richtige Lage bringt und danach
die drei Schrauben wieder fest anzieht.
Die für jede Station nötige Anrufklingel können wir uns ebenfalls
selbst herstellen, nach der auf Seite 113 gegebenen Beschreibung.
Ferner brauchen wir für jede Station 3 bis 4 gute Salmiakelemente
(siehe Seite 58 u. f.).
[Sidenote: Die Schaltvorrichtung.]