Genau in derselben Weise werden fünf Lagen eines 1,0 _mm_, drei

Lagen eines 1,5 _mm_ und eine Lage eines 2 _mm_ starken, isolierten

Kupferdrahtes über die ersten Windungen gelegt.

Auf diese Weise sind zwei verbundene Drahtspulen entstanden; aus

jeder ragen vier 10 _cm_ lange Drahtenden hervor. Die Windungen

müssen natürlich alle auf derselben Seite begonnen und in demselben

Drehungssinne ausgeführt sein.

Nun müssen die Spulen vom Holz abgenommen werden; da sie wahrscheinlich

sehr fest aufsitzen, muß man erst den Belag von Bindfaden unter der

Spule wegziehen. Um den Spulen mehr Halt zu geben, kann man jede quer

zur Längsrichtung der Drähte mit schmalem Isolierband umwickeln. Ein

dicker Schellacküberzug gibt auch hinreichend Halt.

Abb. 237 zeigt, wie das Spulenpaar _a_, _b_ auf einem Grundbrett _c_

befestigt wird: es erhalten die beiden Brettchen _e₁_ und _e₂_ je einen

Ausschnitt, in den das untere Ende der Spulen genau hineinpaßt. Die

beiden Brettchen werden auf _c_ befestigt und auf ihrer Oberseite durch

die Brettchen _i₁_ und _i₂_ verbunden.

[Illustration: Abb. 237. Befestigung der Spulen auf dem Grundbrett.]

Damit ist der erste Hauptteil des Apparates fertig. Der zweite, die

bewegliche innere Spule und ihre Lager, müssen mit besonderer Sorgfalt

hergestellt werden, da von der Genauigkeit der Ausführung dieser Teile

hauptsächlich die Zuverlässigkeit und Empfindlichkeit des Instrumentes

abhängt.

Wir kaufen uns ein 10 _cm_ langes, 3 _mm_ starkes Stück Rundstahl

(Nickelstahl), das wir, falls es hart sein sollte, tüchtig durchglühen.

Dabei ist aber darauf zu achten, daß sich das Stück nicht verbiegt.

Ferner drehen wir uns aus einem sauberen, faser- und astlosen Stück

Hartholz oder besser aus Hartgummi das in Abb. 238 im Schnitt mit

Maßangaben und in Abb. 239 in der Außenansicht wiedergegebene

Fassungsstück; dieses besteht aus drei Teilen, die in Abb. 239 mit _a_,

_b_, _c_ bezeichnet sind; es ist seiner ganzen Länge nach durchbohrt;

man achte darauf, daß die Längsbohrung genau zentrisch sei. In den

beiden mit _b_ bezeichneten Teilen sind je drei 2 bis 3 _mm_ weite

Löcher zu bohren, die in die Längsbohrung einmünden und um 120°

gegeneinander verschoben sein sollen; sie sind in Abb. 238 durch zwei

Paare punktierter Linien in _b_ angedeutet; in Abb. 239 sind natürlich

nur je zwei dieser Löcher zu sehen. Der Teil _c_ wird längs einem

seiner Durchmesser mit einer 2 _mm_ weiten Bohrung versehen. Ferner

schneiden wir von einem starkwandigen Messingrohr, das sich gerade noch

über _b_ schieben läßt, zwei 4 _mm_ breite Ringe ab und versehen sie

mit je drei Bohrungen, die denen in _b_ entsprechen, jedoch etwas enger

als diese sein sollen; sie werden außerdem mit Gewinden versehen, durch

welche sich Schrauben bis in die Längsbohrungen eindrehen lassen.

[Illustration: Abb. 238. Fassungsstück (Schnitt).]

[Illustration: Abb. 239. Fassungsstück (Außenansicht).]

Nun wird ein 10 _cm_ langer, 2 _mm_ starker Messing- oder Kupferdraht

(kein Eisen!) durch das Loch in _c_ geschoben, so daß nach beiden

Seiten gleiche Teile hervorragen; der Draht muß fest sitzen, was

man nötigenfalls dadurch erreichen kann, daß man ihn in der Mitte

ein klein wenig verbiegt. Über die beiden dadurch entstandenen

Drahtschenkel wickelt man einen gut isolierten 0,4 bis 0,5 _mm_

starken Kupferdraht in regelmäßigen Windungen auf. Die Bewickelung

beginnt man bei einem Drahtschenkel da, wo er aus dem Mittelstück _c_

heraustritt; an dem Ende des Drahtes angelangt, wickelt man wieder

bis zur Anfangsstelle zurück, wo man den Draht mit einem Bindfaden

anbindet, um ein Aufschnurren der Spirale zu verhindern. Darauf wird

er um _b_ herum zum anderen Drahtschenkel geführt, der gerade so wie

der erste bewickelt wird; dann wird wieder zum ersten, dann noch einmal

zum zweiten übergegangen. Es sind somit auf jeden Schenkel vier Lagen

aufzuwickeln. Das eine Drahtende ist auf dem einen, das andere auf dem

anderen Messingring anzulöten. Die beiden länglichen Drahtspulen sind

schließlich noch tüchtig mit Schellacklösung zu bestreichen.

Jetzt schneiden wir das schon oben erwähnte Stahlstäbchen in der

Mitte auseinander und feilen jedem an einem Ende eine etwa 2 _cm_

lange Schneide an. Die Schneide ist zuerst mit einer gröberen, dann

mit einer feinen Schlichtfeile sehr sorgfältig herzustellen. Die

beiden die Schneide bildenden Flächen sollen einen Winkel von etwa

50° einschließen. Nun werden die beiden Stäbchen (_h₁_ und _h₂_),

wie aus Abb. 240 zu ersehen ist, beiderseits in die Bohrung in _a_

gesteckt; sie dürfen aber nicht miteinander in leitende Berührung

kommen, weshalb man sie am besten durch zwei Kartonscheibchen von

dem durch _c_ laufenden Drahte trennt. Die Bohrung in _a_ ist etwas

weiter (3,5 _mm_) als die Lagerstäbchen dick sind (3 _mm_), weshalb

diese nun etwas Spielraum haben; die beiden Mündungen der Längsbohrung

werden deshalb durch eingeklebte Papierstreifen so weit verengt, daß

die Stäbchen _h_ nur noch knapp hineingehen. Das innere Ende von _h_

hat dann wieder mehr Spielraum, wird aber durch die Schräubchen in _b_

fixiert; mittelst dieser werden die beiden Stäbchen so gestellt, daß

ihre Schneiden ~genau in einer Geraden~ liegen.

[Illustration: Abb. 240. Fertiger Anker (Ansicht).]

Abb. 240 zeigt den fertigen Anker in der Ansicht; die Lager _f₁_ und

_f₂_ sind im Schnitt gezeichnet. Sie bestehen je aus einem rechteckigen

Eisenplättchen (_g₁_ und _g₂_), das in der Mitte durchbohrt ist.

Dies Eisenplättchen wird auf einem ebenen Sandstein mit feinem

Schmirgelpulver und Wasser völlig eben geschliffen und schließlich

mit dem Polierstahl (oder einem Glasstab) poliert. Darauf spannen wir

einen etwa 0,4 _mm_ dicken Federstahldraht in einen Laubsägebogen ein,

der ihn straff spannt. Das rechteckige Eisenplättchen befestigen wir

mit ein paar seitlich eingeschlagenen Nägeln auf einem starken Brett,

legen den gespannten Stahldraht parallel einer Seite quer über die

Mitte des Plättchens und geben auf den Draht, der sich aber dabei nicht

verschieben darf, ein paar kräftige Hammerschläge. Dadurch entsteht

in _g_ eine kleine Rinne, in welche später die Schneide von _h_

eingesetzt wird. Die beiden Lagerplättchen und die Achsenstäbe werden

nun auf helle Rotglut erhitzt, in Öl abgeschreckt und schließlich

dunkelbraun angelassen. An jedes der Plättchen _g_ wird ein einige

Zentimeter langer Kupferdraht angelötet. Diese Lager werden nun auf den

Holzklötzchen _f₁_ und _f₂_ befestigt, wie dies aus Abb. 237 erhellt.

Die oberen Flächen von _g₁_ und _g₂_ müssen ~genau in einer Ebene~, die

beiden mit dem Stahldraht hergestellten Rinnen ~genau in einer Geraden~

liegen. Um dies sicher zu erreichen, verfährt man folgendermaßen.

Man bringt auf die Endflächen von _f₁_ und _f₂_ etwas Glaserkitt und

legt _g₁_ und _g₂_ darauf. Mit einem ausgespannten Faden prüft man

zuerst, ob die Rinnen genau in einer Linie liegen; nötigenfalls werden

die Plättchen verschoben, bis sie richtig liegen. Darauf werden sie

beide gleichzeitig mit einer hinreichend großen, ~ebenen~ Glasplatte

(Spiegelglas) oder sonst einem Gegenstand, der sicher eben ist, fest

aufgedrückt; dann prüft man nochmals mit dem Faden, ob die Rinnen noch

richtig liegen, drückt die Glasplatte nochmals auf u. s. f., bis man

sicher ist, daß die beiden Lagerplättchen genau richtig liegen.

Da wo die Schneiden der Achse über die Löcher in _g_ zu liegen kommen,

werden sie mit Schmirgelpapier gereinigt und mit 2 bis 3 Windungen

eines 1 _mm_ starken nackten Kupferdrahtes umwickelt; die Enden

des Drahtes werden auf der Unterseite fest zusammengedreht, kurz

abgeschnitten und verlötet (_e_).

Die Mühe, das Lager in der eben beschriebenen Weise herzustellen,

lohnt sich nur dann, wenn unbedingt genau und sorgfältig gearbeitet

wird. Wer nicht genügend Handfertigkeit in diesen Arbeiten besitzt,

der erhält mit den im folgenden angegebenen einfacheren Ausführungen

wahrscheinlich ein genauer arbeitendes Instrument.

[Illustration: Abb. 241. Einfachere Lagerung.]

Die Stäbchen _h_ erhalten keine Schneide, dagegen dreht man ihnen

nahe der Stelle, wo sie aus _a_ herausragen, eine Einschnürung an,

wie dies aus Abb. 241 zu erkennen ist. Mit der Einschnürung ruht

das Lagerstäbchen auf einem Streifen von Messingblech _d_, der an

_f_ befestigt ist. Ferner wird an _h_, das in diesem Fall auch aus

gewöhnlichem Rundeisen hergestellt werden kann, aus Kupferblech ein

Scheibchen _e_ angelötet und unter diesem in _f_ eine entsprechende

Vertiefung angebracht.

Noch mehr vereinfachen kann man das Lager, wenn man statt des

runden Stäbchens _h_ einen Messingblechstreifen verwendet, der

mit seiner Kante auf der des Lagerbleches _d_ aufliegt. Es fällt

damit der mittlere, in Abb. 238 und 239 abgebildete Teil ganz weg.

Es wird einfach der etwa 1 _mm_ starke Messingblechstreifen an

den Lagerstellen messerartig geschärft, und durch zwei eingesägte

Schlitze in der Mitte wird der Kupferdraht, der Kern der Spulen,

hindurchgesteckt und festgelötet. Die Zuleitungsdrähte zu den Spulen

werden nach rechts und links auf dem Blechstreifen nach außen geführt

und mit etwas Schellack- oder Kolophonium-Wachskitt auf dem Bleche

befestigt. Die Enden des Drahtes werden nach unten gebogen und von der

Umspinnung frei gemacht; sie sollen so lang sein, daß sie noch in die

in _f_ eingebohrte Vertiefung hinabreichen.

Abb. 242 zeigt diese Anordnung, die an Empfindlichkeit den beiden

anderen kaum nachsteht und zudem viel einfacher herzustellen ist; sie

hat aber den Nachteil, daß sie keine gleichmäßigen Ausschläge liefert,

da sich die Schneiden des Lagers ständig verändern. Wir werden also

auf diese Weise kein Präzisionsinstrument herstellen können. Immerhin

werden wir mit den letztgenannten Anordnungen, wenn sie auch nur

einigermaßen sauber ausgeführt sind, weit genauere Resultate erzielen

als mit der ersten, wenn diese nicht sehr zuverlässig gearbeitet ist.

[Illustration: Abb. 242. Lagerung mit einem Blechstreifen.]

Wie diese Teile nun montiert werden, geht wohl zur Genüge aus Abb. 237

hervor; es sei nur noch bemerkt, daß die beiden festen Spulen _a_ und

_b_, die ursprünglich einen Abstand von 1,5 _cm_ haben, jetzt so nahe

zusammengerückt werden, daß die Achse des Ankers gerade noch freien

Spielraum hat. Sie werden dann in der schon erwähnten Weise mit etwas

Schellackkitt auf dem Brettchen _e_ befestigt.

[Illustration: Abb. 243. Die Platte des Stöpselkontaktes.]

[Illustration: Abb. 244. Schema des Stöpselkontaktes.]

Es sind nun noch die zehn Drahtenden (_a¹|₂_, _b¹|₂_, _c¹|₂_,

_d¹|₂_, _l_ und _m_) mit einer aus _c_ (Abb. 237) anzubringenden

Schaltvorrichtung zu versorgen. Diese Schaltvorrichtung wird durch ein

System von sogenannten Stöpselkontakten hergestellt. Wir beschaffen uns

zu diesem Zweck ein 8 _cm_ langes, 3 _cm_ breites und 2 _mm_ starkes

Kupfer- oder Messingblech, in das wir die aus Abb. 243 hervorgehende

Einteilung einritzen; an den mit ⦶ bezeichneten Stellen werden 2 _mm_

weite Löcher gebohrt, durch welche die Schräubchen gehen sollen,

mit denen die einzelnen Teile auf ihrer Unterlage befestigt werden.

An den mit ⬤ bezeichneten Stellen werden 3 bis 4 _mm_ weite Löcher

eingebohrt. Darauf wird dieses Blech auf seine Unterlage gelegt, und

man bezeichnet genau die Stellen für die Schraubenlöcher. Dann werden

die einzelnen Teile auseinandergesägt und mit so langen Schrauben auf

ein Brettchen aufgeschraubt, daß sie durch das Brettchen hindurchgehen.

Die zehn Drahtenden werden nun so, wie dies aus dem Schema (Abb. 244)

hervorgeht, mit den einzelnen Teilen des Stöpselhalters verbunden,

indem sie an die unteren Enden der Schrauben angelötet werden. Außerdem

werden noch die beiden Klemmschrauben I und II mit den Stücken β und

δ verlötet. Ferner drehen wir uns noch aus einem 4 bis 5 _mm_ starken

Kupferdraht zehn ein wenig konische Stöpsel, die gut in die Löcher

passen; zur besseren Handhabung kann man sie oben zu einer Schlinge

biegen.

Es wäre endlich noch der Zeiger und die Skala herzustellen. Der Zeiger,

der an der Stirnseite des Stäbchens _h_ mittels eines Schräubchens

angebracht wird, muß aus dünnem Messingblech hergestellt werden und

zweiteilig sein. An der unteren Hälfte wird aus dem gleichen Blech ein

rundes, auf dem Zeiger verschiebbares Scheibchen angebracht; außerdem

verfertigen wir noch zwei andere aus dickerem Blech, so daß wir drei

verschieden schwere Scheibchen haben, die wir sowohl einzeln als auch

alle drei zugleich auf die untere Zeigerhälfte schieben können.

Hinter dem Zeiger befestigen wir an dem Klötzchen _f_ ein kreisrundes

Brettchen, dessen Durchmesser etwas mehr als die ganze Zeigerlänge

beträgt und auf dessen Vorderseite ein weißer Karton aufgeklebt

ist. In die in die Plättchen _g₁_ und _g₂_ gebohrten Löcher wird so

viel Quecksilber gegossen, das es sich etwas über die Fläche von

g herauswölbt. Im Falle daß die in Abb. 241 oder 242 angedeutete

Konstruktion verwendet wurde, werden die Vertiefungen in _f₁_ und

_f₂_, in die auch die Drähte _l_ und _m_ hineinragen, mit Quecksilber

ausgefüllt.

Nun bringen wir noch auf der Unterseite des mit Stollen zu versehenden

Grundbrettes drei verschiedene Nebenschlußwiderstände an. Über deren

genauere Bestimmung vergleiche Seite 108/109 und 97.

Zuletzt ist das Instrument zu eichen. Wir können mit Hilfe unseres

Stöpselschalters die vier verschiedenen Wickelungen hinter- oder

nebeneinander schalten, können auch einzelne ausschalten, ganz wie

wir wollen. Soll das Instrument z. B. als Amperemeter für starke

Ströme benutzt werden, so schieben wir auf den Zeiger alle drei

Ballastplättchen, das schwerste zu unterst, und schalten alle

Drahtwindungen nebeneinander, was durch folgende Verbindung geschieht.

Es werden durch Stöpsel verbunden (siehe Schema Abb. 243 und 244): β

mit α mit 1, dann γ mit 3, dann γ mit 5, dann γ mit 7, dann δ mit 2,

dann δ mit 4, dann δ mit 6 und endlich δ mit 8. Wollen wir dagegen

sehr schwache Ströme messen, so müssen wir alle Drahtwickelungen

hintereinanderschalten; dies geschieht durch die Verbindung von β mit α

mit 1, 2 mit 3, 4 mit 5, 6 mit 7, 8 mit δ.

Auf dem Skalenbrett haben wir sechs konzentrische Kreise aufgezeichnet

und mit den Ziffern 1 bis 6 versehen. Für jede Skala gilt nur eine ganz

bestimmte Schaltung und für Stromstärken in bestimmten Grenzen. So die

Skala 1 als Voltskala für große Spannungen, Skala 2 als Ampereskala

für große Stromstärken, Skala 3 als Voltskala für mittlere Spannungen,

Skala 4 als Ampereskala für mittlere Stromstärken; Skala 5 als

Voltskala für geringe Spannungen, Skala 6 als Ampereskala für geringe

Stromstärken.

Wie schon erwähnt, gehört zu jeder Skala eine besondere Schaltung;

es wird darum von Vorteil sein, auf dem Grundbrett des Apparates ein

Schaltungsschema anzubringen, auf dem mit verschiedenen Farben die

verschiedenen Schaltungen angedeutet sind; dabei darf die Angabe der

verwendeten Ballastplättchen und ihrer Lage am Zeiger nicht vergessen

werden. Wie solche Instrumente durch Vergleich mit anderen geeicht

werden, ist schon auf Seite 97 und 108 eingehend besprochen worden.

Soll das Instrument auch für Wechselströme Verwendung finden, so muß

dafür eine besondere Skala geeicht werden, an der auch die Periode des

Wechselstromes angeschrieben ist. (Vergleiche Seite 188.)

Schließlich können wir uns noch einen Schutzkasten mit einer Glaswand

auf der Vorderseite herstellen, der so über das Ganze paßt, daß nur die

Schaltvorrichtung freiliegt.

Herstellung eines Elektroskopes.

Wollen wir uns ein empfindlicheres Elektroskop herstellen, als das

auf Seite 9 beschriebene, so können wir folgendermaßen zu Werke

gehen: Wir lassen uns einen Streifen aus 2 _mm_ starkem Eisen- oder

besser Messingblech schneiden, der 5 _cm_ breit und 45 bis 50 _cm_

lang ist. Den Streifen biegen wir über irgend einen zylindrischen

Gegenstand von etwa 15 _cm_ Durchmesser zu einem Reif zusammen, so

daß die Ränder des Blechstreifens etwa 2 _cm_ übereinandergreifen, in

welcher Lage sie verlötet werden. Wir lassen uns beim Glaser zwei etwa

3 _mm_ starke Glasscheiben schneiden, deren Durchmesser etwas größer

ist als der des Blechreifens. An der Lötstelle wird der Blechreifen

auf einen Fuß gesetzt, wie aus der Abb. 245 zu ersehen ist. Von oben

wird ein Messingstab in das Gehäuse eingeführt, der unten zugeschärft

ist. Die Goldblättchen (siehe auch Seite 9 und 10) werden diesmal

nicht aufgeleimt, sondern in einen feinen Sägespalt eingeklemmt. Die

Stange, die die Goldblättchen trägt, wird durch ein Hartgummirohr vom

Gehäuse isoliert mit gutem roten Siegellack eingekittet. Der Drehpunkt

der Goldblättchen soll etwas über der Mitte liegen. Eine Skala mit

Gradeinteilung wird so angebracht, wie aus der Abbildung ersichtlich

ist. Endlich werden die beiden Glasplatten mit Siegellack beiderseits

auf das Gehäuse aufgekittet. Ein kleines Häkchen am Fuß oder am Gehäuse

dient zum Einhängen eines Drahtes oder einer Kette, die das Gehäuse mit

der Erde in leitende Verbindung bringen soll.

[Illustration: Abb. 245. Elektroskop.]

Wie man mit selbst hergestellten Apparaten auf grössere Entfernungen

drahtlos telegraphieren kann.

Im letzten Vortrage Seite 254 u. f. haben wir gesehen, wie man mit den

dort beschriebenen Apparaten auf 20 bis 30 _m_ noch sehr gut Telegramme

übermitteln kann. Wir wollen nun noch darlegen, wie man es anzufangen

hat, wenn man auf eine Entfernung von etwa 500 _m_ sich mittels der

Funkentelegraphie verständigen will.

Für jede einzelne Station brauchen wir einen Funkeninduktor (oder eine

Influenzmaschine) mit Sender, Taster usw. und einen Fritter mit Relais,

Glocke, Morseapparat usw., also die in Abb. 209 (Seite 254) schematisch

wiedergegebene Zusammenstellung von Apparaten. Die beiden Fangdrähte

sowohl des Senders wie die des Fritters bleiben weg. Dafür müssen wir

einen möglichst langen, senkrecht hängenden Draht an den einen Pol des

Senders bezw. Fritters anschließen, und den anderen Pol mit der Erde in

leitende Verbindung bringen.

Wir verfahren dabei etwa folgendermaßen: Aus einem Fenster im obersten

Stock unseres Hauses oder aus einer Dachluke lassen wir einen Draht von

hinreichender Länge bis zur Erde niederfallen. Den Draht befestigen wir

an einem an einer Stange angebrachten Isolierknopf. Die Stange stecken

wir so weit zum Fenster heraus, daß der Draht, der mit der Erde nicht

in leitende Berührung kommen darf, völlig frei hängt. Er soll sich

womöglich gerade vor dem Fenster des Zimmers befinden, in dem wir die

Apparate aufstellen wollen. Letzteres geschieht natürlich am besten in

einem Zimmer des untersten Stockwerkes, oder in einem nicht zu tief

liegenden Keller (Souterrain).

Die Apparate selbst können wir in beliebiger Anordnung aufstellen. Je

einen Pol des Senders und des Fritters verbinden wir mit der Gas- oder

besser mit der Wasserleitung; es muß eben eine gute Erdverbindung

hergestellt sein. Den anderen Pol des Fritters verbinden wir mit dem

unteren Ende des Fangdrahtes, damit ankommende elektrische Wellen auch

gleich in Glocken- oder Schriftzeichen umgesetzt werden können. Wollen

wir selbst elektrische Wellen in die Ferne schicken, so müssen wir

deshalb die Verbindung zwischen Fangdraht und Fritter lösen und den

Fangdraht mit dem noch freien Pol des Senders verbinden. Im übrigen

verändern sich die auf Seite 254 beschriebenen Verhältnisse nicht. Die

Fangdrähte der beiden Stationen seien in Bezug auf Material, Dicke und

~Länge~ möglichst gleich.

Dieses System der Funkentelegraphie ist von Marconi zuerst angewendet

worden. Je nach den Umständen -- besonders bei Verwendung etwas

primitiver Apparate -- dürfte man jedoch mit dem von Professor Braun

angegebenen Verfahren bessere Erfolge erzielen. Das im folgenden

angegebene Verfahren entspricht nicht genau der Braunschen Schaltung,

sondern beruht nur auf dessen Grundprinzipien. Wir führen es hier an,

weil wir durch eigene Versuche gefunden haben, daß es bei Verwendung

einfacher Apparate -- besonders kleinerer Funkeninduktoren -- den

Anforderungen eines jungen Physikers am meisten entspricht.

[Illustration: Abb. 246. Schaltungsschema der Apparate für drahtlose

Telegraphie.]

Abb. 246 stellt schematisch die Schaltungsweise der Apparate dar,

indem Geber- und Empfängerapparate getrennt gezeichnet sind. An jeder

Station müssen natürlich beide Einrichtungen vorhanden sein; jedoch

ist nur ~ein~ Fangdraht nötig. Durch einen einfachen Umschalter, den

zu konstruieren wir der Phantasie des Lesers überlassen, kann der

Fangdraht λ bei _x_ entweder an _s₂_ oder an _s₂′_ angeschlossen werden.

Der Sender besteht aus dem Induktor _J_, dessen Primärstrom von dem

Akkumulator _Akk._ geliefert wird und durch den Taster _T_ unterbrochen

werden kann. An den Induktor wird in der bereits beschriebenen

Weise (Seite 258) ein Teslatransformator (Seite 259 u. f.) _TTr_

angeschlossen: _K₁_ ist der Kondensator, _s₁_ die primäre Wickelung

des Transformators, _s₂_ dessen sekundäre Wickelung und _F_ die

Funkenstrecke (Abb. 210). Statt dieser Schaltung kann man auch bei

Verwendung von zwei Leidener Flaschen die in Abb. 247 angegebene

verwenden. Der eine Pol der sekundären Spule des Transformators wird

mit dem Luftdraht λ, der andere Pol mit der Erde verbunden.

[Illustration: Abb. 247. Schaltung mit zwei Kondensatoren.]

Für den Empfänger müssen wir uns zunächst zwei abstimmbare Spulen

herstellen, _s₂′_ und _S_. Zu diesem Zweck beschaffen wir uns zwei

weite, zylindrische Einmachgläser; auf jedes Glas sollen 20 bis 30

_m_ eines 1 bis 2 _mm_ dicken nackten Kupferdrahtes so aufgewunden

werden, daß die einzelnen Windungen einander nicht berühren. Die

Gläser müssen also ziemlich groß sein; statt ihrer kann man auch mit

Schellack überzogene Pappezylinder verwenden. Die Drahtspirale darf

nur lose auf dem Zylinder aufsitzen und wird nur an den beiden Enden

mittels Schellackkitt befestigt. Das eine Ende der Spule endet leer,

das andere in einer Klemmschraube. Bevor jedoch das leer auslaufende

Drahtende angekittet wird, wickeln wir um den Draht der Spirale einen

dünnen, nackten Kupferdraht in ein paar Windungen auf, und drehen die

Enden zusammen; es entsteht dadurch eine Hülse oder Öse, die sich

leicht auf der lose sitzenden Spirale verschieben läßt. Erst wenn

diese Hülse aufgeschoben ist, wird das leere Drahtende der Spirale

angekittet. Die zusammengedrehten Drahtenden der Hülse werden zu einem

Ringchen gebogen.

Wir brauchen also für jede Station zwei solcher Spulen, die wir

nebeneinander aufstellen. Die beiden mit Klemmen versehenen Drahtenden

werden bei _x_ an den Luftdraht λ angeschlossen. In das Ringchen des

Schiebers der einen Spule _s₂′_ wird ein Draht eingehängt, der mit

der Wasserleitung verbunden wird. Den Schieber der zweiten Spule _S_

verbinden wir mit der einen Elektrode des Fritters _Fr_, dessen andere

Elektrode unter Zwischenschaltung eines Relais _R_ und eines Elementes

_E_ mit dem zur Erde ableitenden Drahte verbunden wird. Parallel zu

diesem Stromkreis ist ein Kondensator _K₂_ (~kleine~ Leidener Flasche)

eingeschaltet, wie aus der Figur deutlich zu erkennen ist. Wie der

Klopfer _Kl_, der Morseapparat _Mr_, das Relais _R_ und die Batterie

_B_ zu schalten sind, ist aus den Ausführungen Seite 256 zu erkennen,

außerdem zeigt es Abb. 246 deutlich an.

Die günstigste Stellung der in der Abbildung mit Pfeilspitzen

bezeichneten Schieber an den Spulen _s₂′_ und _S_ ist durch Probieren

ausfindig zu machen. Für _S_ kann man im allgemeinen sagen, daß die

Länge des aufgewundenen Drahtes von _x_ bis zur Berührungsstelle des

Schiebers gleich der Länge des Luftdrahtes sein soll.

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 22 / 24 段