gemacht werden, daß wir diesen Apparat mit einem völlig geschlossenen
Metallkasten überdecken. Auch kann das Relais weiter vom Fritter
entfernt aufgestellt werden.
Wollen wir nun, daß die vom Sender gegebenen Zeichen vom Empfänger
nicht nur durch das Ertönen der Glocke angezeigt, sondern auch gleich
niedergeschrieben werden, so müssen wir zu den bereits erwähnten
Apparaten noch einen Morseapparat (Seite 115) schalten.
Wie die einzelnen Apparate zu verbinden sind, ersieht man aus dem
Schema Abb. 209; in dieser Abbildung ist auch die Schaltungsweise der
Sendeapparate angegeben.
[Illustration: Abb. 209. Anordnung der Apparate zur drahtlosen
Telegraphie.]
Mit _Akk._ ist die Akkumulatorenbatterie bezeichnet, die den
Funkeninduktor _J_ speist. Die Leitung ist durch den Taster _T_
unterbrochen, mit dessen Hilfe wir den Strom nach Belieben kurz oder
lang einschalten können. Die Sekundärpole des Induktors verbinden wir
unter Einschaltung eines Kondensators _K_ mit den Kugeln _B_ und
_B′_ des Senders _S_. Unter Umständen funktionieren die Apparate aber
~ohne~ Kondensator besser, was sich, wie auch die günstigste Größe des
Kondensators, leicht durch einige Versuche ausfindig machen läßt. An
die beiden Klemmen _K₁_ und _K₂_ des Senders (Abb. 207) schließen wir
die beiden frei endenden, 50 bis 100 _cm_ langen und völlig gerade
gestreckten Drähte _s_ an, die beide genau in einer Linie verlaufen
sollen.
Genau in der gleichen Weise werden die beiden Drähte _h_ (siehe auch
Abb. 196) an die Klemmen α und β des Fritters _F_ angeschlossen. α
von _F_ wird dann mit dem einen Pol eines Salmiakelementes, dessen
anderer Pol mit der Klemme α des Relais _R_ und dessen Klemme β mit
β von _F_ verbunden. Die Glocke (_Gl_) und der Morseapparat (_M_)
werden nebeneinander geschaltet mit den Klemmen γ und δ des Relais und
Batterie (_Bttr._) verbunden, wie das hinreichend deutlich aus der
Abbildung hervorgeht.
Sollte sich, was man durch einen Versuch feststellen mag, ein
Hintereinanderschalten von Glocke und Morseapparat als vorteilhafter
erweisen, so fallen die Verbindungen von β_M_ nach β_Gl_ und von α_M_
nach α_Gl_ weg, dafür wird α_M_ mit β_Gl_ verbunden.
Da zum Zeichengeben auf größere Entfernungen der Fritter möglichst
empfindlich sein soll, so füllen wir, im Gegensatz zu den oben
erwähnten Versuchen (vergleiche Seite 248) eine ziemlich hohe Schicht,
etwa 5 bis 10 _mm_, von Feilspänen in das Röhrchen. Da beim Gebrauch
des Morseapparates das fortdauernde Tönen der Glocke unnötig ist,
die Erschütterung des Fritters durch den Glockenklöppel aber nicht
ausbleiben darf, so steckt man unter die Glockenschale, um deren Schall
etwas zu dämpfen, etwas Papier.
Rudi erklärte, während Käthe die einzelnen Apparate zeigte, die
ganze Einrichtung, wie sie in Abb. 209 dargestellt ist. Dann machte
sich die eifrige Assistentin daran, die Türen der drei hinter dem
Vortragsraum gelegenen Zimmer zu öffnen und die ~Send~apparate auf
einen im hintersten Zimmer bereitgestellten Tisch zu transportieren.
Unterdessen stellte Rudi die Empfangsapparate so auf, daß die
Fangdrähte (_hh_ Abb. 209) des Empfängers denen des Senders (_ss_)
parallel verliefen, und wies auf die Notwendigkeit dieses Umstandes
hin. Ferner erwähnte er, daß die Entfernung der beiden Apparate jetzt
etwa 17 bis 18 _m_ betrage.
Darauf gab Rudi einer sich auf seine Frage hin freiwillig meldenden
Dame aus dem Kreise seiner Zuhörer einen Briefkarton mit Bleistift
und Umschlag und bat sie, einige Worte darauf zu schreiben und den
Karton dann in den Umschlag zu stecken und diesen zuzukleben. Er
begab sich gleich wieder hinter seinen Experimentiertisch. Als die
Dame mit Schreiben fertig war, winkte Rudi seiner Schwester, welche
den verschlossenen Brief mit in das hinterste Zimmer nahm, in dem die
Sendapparate standen. Die letzte Türe schloß Käthe, die beiden anderen
Türen -- damit man ja sah, daß alle drei Türen geschlossen seien --
schloß Rudi.
Er stellte sich ganz auf die Seite des Tisches, so daß er die Apparate
nicht erreichen konnte. Er bat seine Hörer, sich einen Augenblick
zu gedulden. Plötzlich begann das geheimnisvolle Geklapper des
Morseapparates -- Rudi hatte sich einen solchen mit einem Uhrwerk
hergestellt, so daß er ihn nicht bedienen mußte (siehe Seite 117
u. f.) -- und der stumpfe Ton der abgedämpften Klingel. Käthe, die die
Morseschrift (Seite 120) und die Handhabung des Morsetasters gelernt
hatte, hatte den Brief geöffnet und ließ durch kürzeres und längeres
Schließen und Öffnen des Primärstromkreises den Inhalt des Schreibens
durch die drei Zimmer wandern, so daß er in Form von kurzen und langen
Strichen auf dem Papierstreifen des Morseapparates niedergeschrieben
wurde.
Als die Apparate aufhörten zu arbeiten, riß Rudi den beschriebenen
Papierstreifen ab und schrieb dessen Inhalt zuerst in Morseschrift,
dann in Kursivschrift auf eine große Tafel, die er so aufstellte,
daß alle sie sehen konnten. Unterdessen war Käthe gekommen und hatte
den geöffneten Brief den Zuhörern zum Herumgeben überreicht, so daß
sie sich überzeugen konnten, daß auf der Tafel genau dieselben Worte
standen wie in dem Brief.
„So wunderbar diese drahtlose Telegraphie manchem erscheinen mag, so
ist sie im Grunde kaum wunderbarer als die Tatsache, daß Sie meine
Stimme vernehmen. Zwischen mir und Ihnen sind auch keine Drähte
gespannt; und da weder in meinem Halse noch in Ihren Ohren Drähte sind,
so kann ich das Sprechen mit viel größerem Rechte eine ‚drahtlose‘
Telegraphie nennen, als das Verfahren hier, zu dem ich Apparate
brauche, die nichts weniger als ‚drahtlos‘ sind.“
Damit schloß Rudi diesen Teil seines Vortrages ab, um zum zweiten
Teil, den er zu Anfang schon gestreift hatte, zu den Versuchen
mit Wechselströmen hoher Frequenz, den sogenannten ~Teslaströmen~
überzugehen.
Bevor wir jedoch Rudi in seinen Ausführungen fortfahren lassen, wollen
wir zuerst wieder erklären, wie die Teslaapparate herzustellen und die
Versuche auszuführen sind.
[Sidenote: Teslatransformatoren.]
Wir haben aus dem vierten Vortrage gelernt, daß der Grad der
Plötzlichkeit der Unterbrechung des Primärstromes in einem
Induktionsapparat und die Häufigkeit der Unterbrechung oder Änderung
der Stromrichtung in einer Sekunde von besonderer Bedeutung für den
sekundären Strom ist. Nun ist am Anfang dieses Vortrages schon darauf
hingedeutet worden, daß in dem Entladungsstromkreis einer Leidener
Flasche ein Wechselstrom von außerordentlich hoher Wechselzahl fließt,
sowie eine Entladung vor sich geht.
Einen solchen Entladungsstrom schicken wir durch die Primärspule
eines Transformators. In der Sekundärspule entstehen dann Ströme mit
scheinbar ganz abgeänderten Eigenschaften.
Das Schema dieser Anordnung zeigt Abb. 210. _J_ ist der Funkeninduktor
mit den Klemmen _K_ und _K′_. Von _K_ geht ein Draht zu dem äußeren
Belag einer Leidener Flasche _L_, von hier zur Klemme _K₁_ des
Transformators _T_; _K₁_ ist mit dem einen Ende der Primärspule
_S_ von _T_ verbunden, das andere Ende der Spule führt über die
verstellbare Funkenstrecke _F_ zur Klemme _K₂_, und von hier geht
ein Verbindungsdraht über den inneren Belag der Leidener Flasche zu
_K′_. Wenn also der Funkeninduktor in Tätigkeit ist, so wird _L_
geladen und entladet sich durch _F_. In der Spule _S_ fließt also der
Entladungsstrom der Leidener Flasche und induziert in der sekundären
Spule _S′_, die im Verhältnis zu _S_ aus vielen Windungen eines dünnen
Drahtes besteht, einen sehr hochgespannten Strom, der an den Kugeln
_E₁_ und _E₂_ zur Entladung kommt.
[Illustration: Abb. 210. Schaltungsschema des Teslatransformators.]
Die Anordnung von primärer und sekundärer Spule ist beim Teslaschen
Transformator etwas anders als bei den gewöhnlichen Induktoren. So
ordnet man z. B. die primäre Spule gewöhnlich außerhalb der sekundären
an. Ferner sind die Verhältnisse der Drahtmaße ganz anders. Die
Primärspule besteht aus einem sehr dicken Draht mit nur einigen, weit
voneinander abstehenden Windungen; die Sekundärspule aus einem sehr
dünnen Draht, der aber bei weitem nicht so lang sein muß, als bei dem
gewöhnlichen Funkeninduktor.
Die im folgenden angegebenen Maße eignen sich besonders bei Verwendung
von Funkeninduktoren von 10 bis 20 _cm_ Funkenlänge, oder einer etwa
entsprechenden Influenzmaschine. Beim Gebrauch von kleineren Induktoren
nehme man von den angegebenen Maßen ⅔ bis ½. Näheres über Drahtlängen
ist bereits auf Seite 134 u. f. gesagt.
[Illustration: Abb. 211. Teslatransformator (Schnitt).]
[Illustration: Abb. 212. Teslatransformator (Seitenansicht).]
Abb. 211 zeigt den Apparat im Schnitt, Abb. 212 von der Seite gesehen.
Wir fertigen uns zuerst die primäre Spule. Dazu beschaffen wir uns
einen Zylinder (_Zy_) von einem Auerbrenner; der Zylinder darf keine
Einschnürung haben, die Wandungen müssen ihrer ganzen Länge nach
parallel sein. Auf den Zylinder winden wir einen 2,5 bis 3 _mm_
starken, gut durchgeglühten, blanken Kupferdraht so auf, daß jede
Windung von der folgenden einen Abstand von 1 _cm_ hat (_Sp_ in Abb.
211). Läßt man nach dem Wickeln den Draht los, so wird die Spirale
etwas auseinanderfedern und somit nicht mehr dicht am Zylinder
anliegen. Wir überziehen deshalb und auch zur besseren Isolation
letzteren nachträglich mit einer möglichst gleichmäßigen Schicht
von Schellackkitt (Seite 5), dem wir, um leichtere Arbeit zu haben,
ziemlich viel Schellacklösung zusetzen. Der Überzug muß so dick sein,
daß die über den Zylinder geschobene Spirale fest aufsitzt. Der Draht
an dem einen Ende der Spirale wird so gebogen, daß ein geschlossener
Kreis entsteht. An diesen Kreis wird ein flacher Ring (_S_) aus
Kupfer- oder Messingblech gelötet, dessen innerer Durchmesser gleich
dem der Spirale ist, und dessen äußerer etwa 5 _mm_ mehr beträgt. Auf
der anderen Seite endet die Spirale offen. Um ihr noch mehr Halt auf
dem Zylinder zu geben, streicht man den Raum zwischen den einzelnen
Windungen mit einer dicken Schellacklösung aus. Dabei ist jedoch
besonders darauf zu achten, daß die Außenseite des Drahtes, besonders
da, wo sie das Kontakträdchen _Rd_ berühren soll, nicht mit Schellack
überzogen wird. An einem Rande des Zylinders wird nun noch ein 1 bis
1,5 _cm_ breiter Ring _H_ aus Hartgummi mit Schellackkitt angekittet,
der dazu dient, den Zylinder, während der Apparat in Tätigkeit ist, zu
drehen.
Die Träger _T₁_ und _T₂_ des Zylinders werden aus Holz oder besser
aus Vulkanfiber hergestellt. Sie erhalten, wie aus den beiden Figuren
deutlich hervorgeht, runde Ausschnitte, welche die beiden Enden des
Zylinders in sich aufnehmen.
Ferner werden die beiden Träger _T₁_ und _T₂_ unterhalb des eben
erwähnten Ausschnittes noch mit zwei Bohrungen versehen, in die ein
Glasstab oder ein dickwandiges Glasrohr aus gut isolierendem Glas
eingekittet werden kann. Dieser Stab ist nur in Abb. 211 zu sehen und
mit _Gl_ bezeichnet. Nahe dem rechten Ende dieses Stabes wird ein
kurzes Messingrohrstückchen _r_ aufgekittet, an dem die Schleiffeder
_F_ (aus gehämmertem Kupferblech) und der Kupferdraht β angelötet wird.
_F_ soll an dem schon oben erwähnten Messingring _S_ schleifen.
Außerdem kitten wir ein Messingrohr _R_, das etwa ⅓ so lang ist als
der Glasstab, nahe dessen linkem Ende fest. An _R_ wird der Draht α
angelötet. Auf _R_ soll sich das Rädchen _Rd_ leicht drehen und hin und
her schieben lassen. _Rd_ wird aus Messing hergestellt und erhält auf
seiner Peripherie eine halbkreisförmige Rinne, in welche gerade der
Draht der primären Spirale hineinpaßt, wie aus Abb. 211 hervorgeht. Die
Größe des Rädchens und der Abstand des Glasstabes vom Zylinder sind
natürlich entsprechend zu wählen.
Durch Drehen des Zylinders kann man bei dieser Anordnung bewirken, daß
das Rädchen entweder das äußerste Ende der Drahtspirale berührt, oder
eine beliebig weiter innen gelegene Stelle. Man kann also den bei α
ein- und bei β austretenden Strom nach Belieben durch mehr oder weniger
Windungen der Spirale gehen lassen, was deshalb große Vorteile bietet,
weil wir dadurch das günstigste Verhältnis der Windungszahlen zwischen
primärer und sekundärer Spule durch Probieren ausfindig machen können.
Da sich dieses günstigste Verhältnis bei Verwendung verschiedener
Leidener Flaschen, ja sogar verschiedener Verbindungsdrähte ändert, so
ist der Vorteil, den diese Möglichkeit der Abstimmung bietet, nicht zu
unterschätzen.
Wir kommen jetzt zur Herstellung der sekundären Spule. Wir
beschaffen uns ein gut isolierendes Glasrohr (_Glr_) oder besser
noch der Sicherheit halber ein gleich bemessenes Hartgummirohr (über
Isolierfähigkeit des Glases siehe Seite 6), 6 bis 8 _cm_ länger als der
Lampenzylinder und 2 bis 3 _cm_ weit. Das Rohr wird, indem jedes Ende
1 _cm_ weit frei bleibt, mit einem ohne Umspinnung 0,5 bis 0,7 _mm_
starken, mit ~guter~ Seide isolierten Kupferdrahte bewickelt, indem wir
Windung dicht an Windung legen. Wir stellen nur eine Lage her, die wir
mit heißem Paraffin bestreichen. Besser ist es, das ganze bewickelte
Rohr in einem geeigneten Gefäß so lange in kochendes Paraffin zu legen,
bis keine Luftbläschen mehr aus den Drahtwindungen aufsteigen.
Dies ist das einfachere Verfahren zur Herstellung der sekundären
Wickelung. Eine viel sicherere Isolation -- und die ist bei den
hochgespannten Strömen sehr wichtig -- erzielen wir folgendermaßen.
Wir überziehen das Glasrohr mit einer 3 bis 4 _mm_ dicken Schicht
von Schellackkitt und drehen auf der Drehbank -- falls wir keine
besitzen, lassen wir das von einem Mechaniker machen -- diesen Überzug
bis auf etwa 2 _mm_ Dicke ab. In diesen Schellacküberzug schneiden
wir dann ein Schraubengewinde ein. In den Gewindegängen wird dann
ein 0,5 bis 0,7 _mm_ starker ~nackter~ Kupferdraht aufgewunden. Das
Gewinde dient also nur dazu, daß man den unisolierten Draht aufwickeln
kann, ohne daß die einzelnen Windungen einander berühren. Dasselbe
kann man aber auch dadurch erreichen, daß man auf den mit einem
gleichmäßigen Schellackkittüberzug versehenen Glasstab zwei Drähte
gleichzeitig nebeneinander aufwickelt, die Enden des einen festbindet
und den anderen wieder entfernt. Die beiden Drahtenden müssen
selbstverständlich einige Zentimeter frei von der Spule abstehen.
Jetzt wird das bewickelte Glasrohr ganz etwa zehn Minuten in Spiritus
gelegt und gleich nach dem Herausnehmen mit einer nicht zu dicken
Schellacklösung bestrichen. Nach dem ~völligen Trocknen~ dieses
Überzuges wird ein zweiter, dann ein dritter und vierter Überzug
hergestellt, bis die Drahtwindungen völlig in Schellack eingebettet
sind. Zur Herstellung der Schellacklösung verwende man nur ganz reinen
Spiritus und achte darauf, daß in die Lösung kein Staub und dergleichen
gerät. Die Schellacküberzüge, vor allem der erste, müssen völlig
luftblasenfrei hergestellt werden.
Ist so die sekundäre Spule fertiggestellt, so wird sie so in den
beiden Trägern aus Holz (oder Vulkanfiber) befestigt, daß sie genau in
der Mitte des Zylinders _Zy_ liegt. Diese Anordnung geht hinreichend
deutlich aus den beiden Abb. 211 und 212 hervor.
Zur Fertigstellung des Apparates wären jetzt nur noch die Drahtenden
α und β der primären und γ und δ der sekundären Spule zu Klemmen zu
führen.
Die Klemmen dürfen, wie Abb. 212 zeigt, keine scharfen Kanten oder
Ecken haben. Die beiden Klemmen α und β werden in einem Abstande, der
etwa der Länge des Zylinders _Zy_ entspricht, nahe der einen Längsseite
des Grundbrettes _G_ in diesem isoliert befestigt. Wir kitten zu
diesem Zweck für jede Klemme mit rotem Siegellack ein hinreichend
weites Stückchen Glas- oder Ebonitrohr in eine entsprechende Bohrung
des Holzes. In dieses Rohr wird dann die Klemme mit Schellackkitt oder
Siegellack eingekittet.
Die Klemmen, zu denen die Drahtenden γ und δ führen sollen, werden
auf hohen Glasfüßen befestigt, wie Abb. 212 zeigt. (Wegen Befestigung
der Glasfüße vergleiche Seite 5.) Die Drahtenden der sekundären Spule
werden nicht, wie in der Abb. 212 der Deutlichkeit halber gezeichnet
ist, in Spiralwindungen zu den Klemmen geführt, sondern möglichst
gestreckt ausgespannt. Außerdem wird ein enger, aber dickwandiger
Gummischlauch (Ventilschlauch) über sie gezogen.
Damit ist der Teslatransformator für unsere Versuche fertig, und es
fehlt uns nur noch das Funkenmikrometer.
[Sidenote: Das Funkenmikrometer.]
Abb. 213 zeigt diesen Apparat im Querschnitt und von der Seite gesehen.
_G_ ist das Grundbrett, auf das längs der langen Seiten zwei Leistchen
_L_ geleimt sind, zwischen denen sich der Schlitten _Sch_ mit ein wenig
Reibung hin und her schieben läßt. In dem Schlittenbrettchen _Sch_ ist
das Messingröhrchen _R_ und in diesem die Glassäule _Gl_ eingekittet.
Ebenso ist an dem einen Ende des Grundbrettes eine Glassäule befestigt.
Auf jeder Glassäule ist ein kurzes, zylindrisches und an beiden Enden
abgerundetes ~Zinkstück~ _Z_, das mit einer Querbohrung versehen ist,
aufgekittet. Diese beiden Zinkstücke sind von einem noch ungebrauchten
Zinkstab eines Salmiakelementes abgesägt, und die Enden sind rund
gefeilt oder auf der Drehbank abgedreht worden. Außerdem ist an jeden
ein Haken _H_ angelötet oder eingeschraubt. Der einfache in Zentimeter
und Millimeter geteilte Maßstab _M_ ist so auf _L_ angeschraubt, daß er
übergreifend den Schlitten _Sch_ am Herausfallen verhindert. Letzterer
trägt eine Marke, die, wenn sich die beiden Zinkköpfe gerade berühren,
auf den Nullpunkt des Maßstabes zeigt.
[Illustration: (Querschnitt.) Abb. 213. Funkenmikrometer. (Von der
Seite gesehen.)]
[Sidenote: Einfacher Teslatransformator.]
Man kann sich auch einen etwas einfacher konstruierten Teslaapparat
fertigen. Abb. 214 zeigt einen solchen in perspektivischer Ansicht.
Die primäre Drahtspule steht mit senkrechter Längsachse frei; in ihr
steht die sekundäre Drahtspule, die ähnlich herzustellen ist wie die
für den oben beschriebenen Apparat. Der Durchmesser beider Spulen kann
hier etwas größer gewählt werden: für die primäre Spule 7 bis 8 _cm_,
für die sekundäre etwa 4 _cm_. Man kann in diesem Fall den Glaszylinder
eines Auerbrenners als Träger für die sekundäre Spirale verwenden.
Das Funkenmikrometer ist hier auf dem Grundbrette des Apparates
selbst angebracht. Im übrigen müssen die entsprechenden Teile in
derselben Weise sorgfältig isoliert sein wie bei dem oben beschriebenen
Transformator.
[Illustration: Abb. 214. Teslascher Transformator.]
Ein dritter Typus von Teslatransformatoren, dessen Herstellung aber
nicht sehr zu empfehlen ist, unterscheidet sich von den beiden
anderen dadurch, daß der primäre Draht nicht zu einer Spule, sondern
zu einer in ~einer~ Ebene liegenden Spirale (Schnecke) aufgewunden
ist. Die sekundäre Spule ist ebenfalls scheibenförmig und wird genau
so hergestellt, wie die einzelnen Scheiben des auf Seite 168 u. f.
beschriebenen Funkeninduktors. Die Drahtmaße der primären Spule sind
hier den oben erwähnten gleich. Die sekundäre Wickelung wird jedoch aus
einem 0,2 bis 0,3 _mm_ starken und etwa 4- bis 5mal so langen Draht,
als wir für den erstbeschriebenen Apparat benötigten, in der bereits
erwähnten Weise hergestellt. Einen derartig gefertigten Apparat besaß
Rudi. Wir sehen diesen auf dem die Reproduktion einer Photographie
darstellenden Bilde Seite 157.
[Sidenote: Teslaversuche.]
Wir kommen jetzt dazu, die Experimente zu besprechen, die Rudi in
seinem Vortrag mit dem Teslatransformator ausführte.
Rudi erklärte zuerst die Konstruktion und die Schaltungsweise der
Teslatransformatoren und wies dann auf die abgeänderten Eigenschaften
der Wechselströme hoher Frequenz hin:
„Ich habe hier zum Betrieb meiner Apparate einen Akkumulator, der mir
10 Volt liefert. Ich kann die Polklemmen anfassen, ohne irgend etwas
zu spüren. Der Strom hat eine zu geringe Spannung, um durch den Körper
hindurchzugehen. In dem Funkeninduktor, der eine Schlagweite von 15 bis
20 _cm_ besitzt, wird der Strom auf Kosten seiner Intensität auf einige
tausend Volt transformiert. Würde ich ~beide~ Pole dieses Apparates
~gleichzeitig~ anfassen, wenn er in Tätigkeit ist, so bekäme ich einen
Schlag, der unter Umständen heftig genug wäre, mir einen oder beide
Arme für mein ganzes Leben zu lähmen. Nun wird dieser Strom durch
die Leidener Flaschen in einen Wechselstrom von sehr hoher Frequenz
verwandelt; darüber sprach ich ja zu Anfang. Diesen Wechselstrom
transformiere ich, wie schon erwähnt, im Teslatransformator auf eine
noch höhere Spannung.
Wie sich nun die hierbei entstehenden Ströme verhalten, will ich Ihnen
hier zeigen. Ich habe in die eine Polklemme des Transformators einen
senkrecht in die Höhe stehenden Draht eingeschraubt, der frei endet.“
Käthe verdunkelte das Zimmer, und Rudi setzte die Apparate in
Tätigkeit. Von allen freien Metallteilen, besonders von den Klemmen der
Apparate, zuckten feine blaue Lichtfädchen, die mitunter dichte Büschel
bildeten, nach allen Seiten. Der blendende Entladungsfunke (siehe
die Kritik Seite 270) der Leidener Flaschen, der am Funkenmikrometer
übersprang, machte einen solchen Lärm, daß Rudi nicht weitersprechen
konnte. Der senkrecht in die Höhe ragende, mit einer Klemme des
Transformators verbundene Draht war zu einem funkensprühenden
Lichtstreif geworden, von dessen Ende sich ein blauer, fein verästelter
Lichtbaum unheimlich hin und her schwebend im Dunkel verlor. Jetzt
faßte Rudi, der von dem unheimlichen Lichtschimmer schwach beleuchtet
war, zum großen Erstaunen der Zuschauer mit der rechten Hand die freie,
feuersprühende Klemme des Teslaapparates an und näherte den Zeigefinger
der linken Hand, den er durch ein aufgeschobenes Stückchen Messingrohr
verlängert hatte, dem vorhin erwähnten senkrecht stehenden Draht. Unser
Bild Seite 157 zeigt die dabei auftretende Lichterscheinung. Rudi
spürte kaum ein leichtes Zucken durch den Körper. Wenn man die nackte
Haut den einschlagenden Funken aussetzt, so können brandwundenähnliche
Verletzungen entstehen; man schützt sich deshalb, indem man die Funken
in ein Metallstück, das man in der Hand hält, oder in der erwähnten
Weise auf den Finger steckt, schlagen läßt.
Darauf machte Käthe Licht, und Rudi stellte die Apparate ab.
„Sie haben gesehen, daß ich den ganzen Strom durch meinen Körper gehen
lassen konnte, ohne im mindesten Schaden zu nehmen. Man erklärt diese
Tatsache damit, daß die Wechselströme von so außerordentlich hoher
Wechselzahl überhaupt nicht in den leitenden Körper eindringen, sondern
sich nur über dessen Oberfläche verbreiten.
Interessant sind auch die Induktionserscheinungen dieser Wechselströme.
Sie werden sich von meinem vorletzten Vortrag her erinnern, was
man unter Impedanz versteht (Seite 189). Die Impedanz tritt bei
Teslaströmen so stark auf, daß der Strom eher einen großen Widerstand
zu überwinden, als durch einen fast widerstandslosen Draht zu fließen
vermag.
[Illustration: Abb. 215. Zu Versuchen über Induktionserscheinungen.]
Ich habe hier (Abb. 215) einen Bogen aus dickem Kupferdraht; an den
beiden Enden des Bogens ist diese Glühlampe befestigt. Würde ich
die beiden Pole eines Akkumulators mit den Enden des Drahtes hier
verbinden, so ginge aller Strom durch den dicken Kupferdraht, und die
Lampe bliebe so gut wie stromlos. Leitet man dagegen einen Teslastrom
durch dieses System -- Käthe führte den Versuch aus, indem sie die
Elektroden des Teslaapparates mit den mit Klemmen versehenen Enden des
Drahtbogens verband und dann die Apparate in Tätigkeit setzte -- so
geht, wie Sie sehen, fast der ganze Strom durch den großen Widerstand
der Lampe, da in dem dicken Kupferdraht die Selbstinduktion so groß
ist, daß die Extraströme den ursprünglichen Strom fast aufheben
(vergleiche vierter Vortrag Seite 189).
[Illustration: Abb. 216. Versuche am Teslaschen Transformator.]