Um bei den Versuchen mit Röntgenstrahlen nicht immer die Nacht

abwarten, oder ein Zimmer verdunkeln zu müssen, kann man sich um den

fluoreszierenden Karton herum einen Schirm legen, der die leuchtende

Fläche und die Augen vor Tageslicht schützt. Abb. 191 zeigt diesen

Apparat im Schnitt. _a_ ist der Fluoreszenzschirm, der in die Nute

_b_ des Rahmens _c_ eingeschoben werden kann. An diesem Rahmen ist

ein Tuchsack _d_ aus schwarzem, möglichst dichtem Tuch angeleimt. Der

Sack wird nach oben etwas enger und ist an dem Rahmen _e_ befestigt.

An letzterem sind zwei bogenförmig ausgeschnittene Kartonstücke

angebracht; _f₁_ (ausgezogen) soll sich der Wölbung der Stirne über

den Augen anschließen; _f₂_ (punktiert) hat einen Ausschnitt für

die Nase. Um den Lichtabschluß möglichst vollkommen zu machen, sind

diese Kartonstücke mit langhaarigem Samt überzogen. _g_ ist ein

Handgriff, und _h_ sind zwei Strebehölzer, die die beiden Holzrahmen

auseinanderhalten; sie sind abnehmbar, so daß man den ganzen Apparat

auch zusammenlegen kann.

[Illustration: Abb. 191. Schnitt durch den Lichtschutzschirm.]

Zum Gebrauche wird der Baryumplatincyanürschirm (_a_) mit der

fluoreszierenden Seite nach innen in den Rahmen eingeschoben. Dann läßt

man die Röntgenstrahlen von vorne oder von unten auf die Rückseite des

Schirmes, vor die man z. B. seine Hand hält, auffallen und nicht durch

die obere Öffnung in den Apparat hinein.

Zum Schlusse sprach Rudi noch einige Worte über die Verwendung der

Röntgenstrahlen in der Medizin. Er sagte: Die erste Verwendung der

Röntgenstrahlen in der Medizin lag sehr nahe; mit ihnen war den

Chirurgen ein Mittel an die Hand gegeben, vor operativen Eingriffen

sich von der Lage eines Fremdkörpers oder der Natur einer Fraktur

zu überzeugen. Ferner können Veränderungen im Knochengewebe, wie

solche z. B. bei Tuberkulose vorkommen, auf Radiogrammen, das sind

Photographien mit Röntgenstrahlen, sehr leicht erkannt werden. Ein ganz

neuer Zweig tat sich auf, als man entdeckte, daß die Röntgenstrahlen

auch auf das Gewebe des organischen Körpers verändernd einwirken. Wird

die Haut des menschlichen Körpers lange intensiv bestrahlt, so tritt

Entzündung der betreffenden Stelle ein und es entstehen schwer heilende

Wunden. Auch beim Arbeiten mit kleinen und schwachen Röntgenröhren ist

einige Vorsicht geboten; man soll sich nie unnötig lang den Strahlen

aussetzen und vor allem die Augen mit großen Schutzbrillen aus Bleiglas

schonen. Beim Experimentieren blende man mit dünnem Bleiblech oder

dicken Stanniolblättern die Röhre so ab, daß die Röntgenstrahlen nur an

ihren Bestimmungsort gelangen.

[Sidenote: Kritik.]

Auch nach diesem Vortrage fehlte die Kritik von Rudis Onkel nicht.

„Ich hätte“, meinte der Onkel, „noch etwa folgendes angeführt: Wie

bekannt, ist es in letzter Zeit gelungen, aus gewissen Mineralien

Stoffe zu isolieren, die die merkwürdige Eigenschaft haben, Strahlen

auszusenden, die in ihren Wirkungen denjenigen Strahlen gleich sind,

die in der Vakuumröhre beim Durchgang der Elektrizität entstehen. Man

hat drei verschiedene Arten der Strahlen unterschieden, die immer alle

drei von den aktiven Stoffen -- der bekannteste ist das Radium --

ausgesandt werden. Die Unterschiede sind bedingt durch die Quantität,

das Durchdringungsvermögen und durch die Beeinflussung des Magneten.

Man bezeichnet die verschiedenen Arten mit α-, β- und γ-Strahlen.

Die α-Strahlen sind die quantitativ vorherrschenden; sie haben ein

geringes Durchdringungsvermögen und werden vom Magneten nur wenig

beeinflußt. Die β-Strahlen werden stark vom Magneten abgelenkt und

dringen tiefer in die Materie ein als die α-Strahlen. Die γ-Strahlen

endlich haben die geringste magnetische Ablenkbarkeit und das größte

Durchdringungsvermögen. Ganz analoge Unterschiede bestehen zwischen den

unter verschiedenen Umständen entstandenen Strahlen der evakuierten

Entladungsröhren. Man kann u. a. auch mit radiumhaltigen Stoffen

Durchleuchtungsphotographien machen. Erwähnt sei endlich noch, daß in

der Umgebung radiumhaltiger Stoffe die Luft leitend wird, so daß z. B.

die statischen Ladungen isoliert aufgestellter Körper durch die Luft

zur Erde abgeleitet werden.“

[6] ~Argandbrenner~ sind Gasrundbrenner mit Zylinder.

[Illustration]

Sechster Vortrag.

Elektrische Schwingungen.

„Werte Zuhörer!

In meinem letzten Vortrage haben Sie von den rätselhaften Vorgängen

gehört, die sich beim Durchgang der Elektrizität durch verdünnte Gase

abspielen. Heute will ich Ihnen einige Erscheinungen vorführen, die

auf den Laien gewöhnlich einen noch wunderbareren Eindruck machen, für

die der Physiker aber verhältnismäßig leicht ungezwungene Erklärungen

gefunden hat. Es handelt sich heute um ~elektrische Schwingungen~.

Lassen Sie mich jedoch zuerst einige Worte über das verlieren, was man

in der Physik unter Erklärung versteht!

Hebe ich einen Stein in die Höhe und lasse ihn dann los, so fällt er zu

Boden. Den meisten Menschen ist dies etwas völlig Selbstverständliches,

und sie fragen gar nicht danach, ~warum~ der Stein fällt. Selbst

Galilei, der die Fallgesetze entdeckt hat, der sich jahrelang mit

fallenden Steinen experimentell beschäftigt hat, dachte nicht daran zu

fragen, ~warum~ die Steine fallen.

Erst der große Newton kam, als er -- so erzählt man -- einen Apfel vom

Baume fallen sah, auf die bedeutungsvolle Frage: ~Warum?~, eine Frage,

die in der Philosophie schon vor Jahrtausenden von den Gelehrten der

alten Kulturvölker aufgeworfen, die aber für naturwissenschaftliche

Ereignisse im engeren Sinne vor noch nicht 250 Jahren zum ersten Male

gestellt wurde.

Wenn Newton auch keine Antwort auf dieses ‚~Warum?~‘ fand, so ward

ihm doch klar, daß diese geheimnisvolle Tatsache des fallenden

Steines ~selbst~ die Antwort sei auf die Frage nach der Ursache

von tausend anderen Naturereignissen. Ja, nach dem jetzigen Stande

der Wissenschaften will es sogar den Anschein haben, daß wir

überhaupt alle Naturerscheinungen mit diesem Gesetz der ~Schwere~,

dem ~Gravitationsgesetz~, dem in erster Linie der fallende Stein

unterliegt, erklären können. Ich sage ~alle~ Naturerscheinungen, nicht

nur etwa die mechanischen, nein, auch die akustischen, die optischen,

die elektrischen, die chemischen, die Erscheinungen des organischen und

sogar des ~geistigen~ Lebens[7].

Man sagt kurz, alle Naturereignisse können mit dem Gesetz der Schwere

~erklärt~ werden. Wenn ich also z. B. frage: Warum dreht sich die Erde

um die Sonne, und ich behaupte, weil ihre Masse dem Gravitationsgesetz

unterliegt, kurz, weil sie schwer ist -- genauere Ausführungen hierüber

würden zu weit führen --, so habe ich nur ~scheinbar~ eine Erklärung

der Bewegung abgegeben, weil das Mittel, mit dem ich erklärt habe,

selbst noch ein Rätsel ist. Und so, wie es bei diesem Beispiel ist, ist

es mit allen Dingen unseres Erkennens; wir mögen forschen und suchen,

so lange wir wollen, wir mögen noch so viel entdecken, zuletzt bleibt

immer ein großes Fragezeichen stehen.

Aber wenn man nichts erklären kann, was bedeutet denn dann das Wort

~erklären~? Es bedeutet so viel wie ~vergleichen~. Ich vergleiche

die Gesetze, nach denen der Stein fällt, mit denen, nach welchen die

Himmelskörper sich bewegen, und finde, daß sie ähnlich oder gleich

sind, oder daß sie in bestimmten Beziehungen zueinander stehen.

Wenn ich jetzt die Erscheinungen der elektrischen Schwingungen zu

~erklären~ versuche, so vergleiche ich die Vorgänge mit Erscheinungen,

die uns aus dem alltäglichen Leben geläufig sind. So habe ich früher

schon z. B. den elektrischen Strom im Drahte mit dem Wasserstrom in

einer Leitung verglichen[7].

Doch nun zur Sache!

Sie wissen, daß man einen elektrischen Strom transformieren kann, das

heißt, daß man einen starken Strom mit geringer Spannung in einen

schwachen Strom mit hoher Spannung umwandeln kann. Die Konstruktion und

Wirkungsweise der Transformatoren, der Induktionsapparate haben Sie in

meinem vorletzten Vortrage kennen gelernt.

Es wird Ihnen noch erinnerlich sein, daß wir von den Funkeninduktoren

eine umso größere Wirkung erhoffen durften, je plötzlicher wir

den induzierenden Strom unterbrachen. Ich habe seinerzeit als

den wirksamsten Unterbrecher den von Wehnelt, der bis zu 2000

Unterbrechungen in der Sekunde macht, erwähnt. Tatsächlich haben

wir aber in einem Ihnen wohl vom ersten Vortrag her noch bekannten

Apparat, in der Leidener Flasche ein Mittel, das uns erlaubt, durch

den Induktionsapparat einen Strom zu senden, der in der Sekunde seine

Richtung einige Millionenmal wechselt.

Um diese Erscheinung zu erklären, muß ich auf die Natur der

elektrischen Funkenentladungen im allgemeinen näher eingehen.“

So weit vorläufig sei Rudis Vortrag wörtlich angeführt. Im folgenden

wollen wir den Inhalt seiner Erklärungen und Experimente rein sachlich

wiedergeben.

[Sidenote: Elektrische Oszillation.]

Wenn wir eine Leidener Flasche durch einen Funken entladen, so gleichen

sich nicht etwa die entgegengesetzten Elektrizitäten der beiden Beläge

einfach aus, sondern die Entladung geht recht umständlich vor sich.

Während der Strom im ersten Augenblicke vom inneren zum äußeren Belege

fließt, geht er im zweiten Augenblick in umgekehrter Richtung, im

dritten wieder in der ursprünglichen und so fort, etwa 10- bis 20mal

während der Dauer eines ungefähr ¹⁄₈₀₀₀₀ Sekunde andauernden Funkens,

eine Entdeckung, die man dem Physiker Feddersen zu Leipzig verdankt.

[Illustration: Abb. 192. _U_-Röhre zur Versinnlichung elektrischer

Oszillation.]

Dieses Hin- und Hergehen der Ladungen kann man durch ein einfaches

Experiment leicht versinnlichen. Man füllt die beiden Schenkel einer 1

bis 2 _cm_ weiten, _U_-förmig gebogenen Glasröhre bis zur Hälfte mit

irgend einer farbigen Flüssigkeit (Abb. 192). Darauf stellt man die

Röhre schief, so daß sich der eine Schenkel ganz füllt, während der

andere leer wird, verschließt den gefüllten Schenkel mit dem Daumen und

richtet dann die _U_-Röhre wieder auf. Nun soll der von der Flüssigkeit

ausgefüllte Schenkel -- es sei der rechte -- die positive Ladung des

einen Belages einer Leidener Flasche darstellen, der leere die negative

Ladung des anderen Belages. Läßt man dann den Daumen los, so fließt die

Flüssigkeit nicht etwa langsam zurück, bis sie auf beiden Seiten gleich

hoch steht, wie bei dem Beispiel auf Seite 49, sondern sie schießt in

dem linken Schenkel ~beinahe~ ebenso hoch in die Höhe, als sie zuerst

im rechten war. Dann geht sie wieder zurück und so fort, bis sie erst

nach einiger Zeit zur Ruhe kommt. In ähnlicher Weise, nur in viel

kürzerer Zeit, schwanken die Ladungen der beiden Beläge einer Leidener

Flasche hin und her.

[Sidenote: Der Drehspiegel.]

Rudi führte auch vor, wie man diese Tatsache nachgewiesen hat.

Er hatte sich einen sogenannten Drehspiegel hergestellt; das ist

eine Kombination von drei oder vier Spiegeln, die zu einem Prisma

zusammengestellt und so montiert sind, daß sie sehr rasch um ihre

Längsachse gedreht werden können.

[Illustration: Abb. 193. Der Drehspiegel.]

Rudi stellte sich diesen Drehspiegel folgendermaßen her: Er ließ

sich von einem Glaser drei belegte Spiegelscheiben schneiden,

jede 15 _cm_ lang und 9 _cm_ breit. Diese Scheiben klebte er mit

Kolophonium-Wachskitt (Seite 79) auf ein aus Brettchen gefertigtes

dreiseitiges Prisma so auf, daß die ~langen~ Seiten der Spiegel die

Längskanten des Prismas bildeten. Das Aufkitten mußte sorgfältig

geschehen und es durfte mit dem Kolophonium dabei nicht zu sparsam

umgegangen werden, da die Scheiben, um nicht von der Zentrifugalkraft

abgeschleudert zu werden, sehr fest sitzen müssen. Oben und unten

wickelte Rudi über sie je einige Lagen Schnur und überstrich diese mit

Tischlerleim. Die übrige Anordnung und die Vorrichtung zum Drehen geht

wohl hinreichend deutlich aus der Abb. 193 hervor. Es sei nur noch

erwähnt, daß die Achse des Spiegelprismas nicht zu schwach (mindestens

8 _mm_ stark) gemacht werden durfte und ~ganz genau zentral~ sein

mußte. Zum Antriebe verwendete Rudi das Übersetzungsrad der in Abb.

134 (Seite 160) dargestellten Maschine. Die stets gut zu ölenden Lager

wurden in der üblichen Weise (Seite 22) hergestellt.

Den Versuch führte Rudi folgendermaßen aus: Er stellte so, wie das aus

der Abbildung zu erkennen ist, eine Leidener Flasche (Seite 46 u. f.)

dem Spiegel gegenüber auf. Um den äußeren Belag der Flasche legte er

einen Blechstreifen, an dem ein 2 _mm_ starker Kupferdraht angelötet

war; letzterer endete in eine kleine Messingkugel, die der durch eine

Messingstange mit dem inneren Belag verbundenen gegenüber stand. Die

Flasche wurde im mäßig verdunkelten Raum mit einem Funkeninduktor

geladen, so daß ein kontinuierlicher Funkenstrom zwischen den Kugeln

übersprang. Während nun Käthe den Funkeninduktor bediente, drehte

Rudi den Spiegel und wies seine Hörer darauf hin, das Spiegelbild des

Funkens zu betrachten. Dieses sah nicht, wie die meisten erwarteten,

ebenso aus, wie der Funke selbst, sondern bei der Entladung sah man

in dem Spiegel einen Lichtstreifen, der aber nicht zusammenhängend,

sondern unterbrochen war; der Funke erschien im Spiegel als eine Reihe

heller Punkte. Bevor Rudi diese Erscheinung näher erklärte, stellte

er an Stelle der Leidener Flasche eine brennende Kerze auf, deren

Spiegelbild beim Rotieren des Apparates zu einem kontinuierlichen

Lichtband ausgezogen wurde.

„Was beweist dieser Versuch?“ begann unser junger Dozent die

Erläuterung. „Sie wissen, daß ein Lichtstrahl von einem Spiegel

unter demselben Winkel zurückgeworfen wird, in dem er auffällt; in

der gleichen Weise, wie ein Ball, der schief gegen die Wand geworfen

wird, eben so schief, aber nach der anderen Seite, zurückprallt. Wenn

die Lichtstrahlen der Kerzenflamme den ~ruhenden~ Spiegel treffen, so

wird man ein unverändertes Bild sehen; dreht sich aber der Spiegel,

so fallen die Lichtstrahlen in jedem Augenblick in einem anderen

Winkel auf die reflektierende Fläche, werden deshalb auch in anderer

Richtung zurückgeworfen. Die Folge davon ist, daß wir einen breiten

zusammenhängenden Lichtstreifen sehen. Ist nun aber das Lichtband nicht

zusammenhängend, sondern unterbrochen, so ist das ein Beweis dafür,

daß die Lichtquelle nicht fortdauernd Licht aussendet. Dies Schwanken

des Lichtes des elektrischen Funkens können wir mit unseren Augen

deshalb nicht unmittelbar erkennen, weil jeder Lichteindruck länger

empfunden wird, als er in Wirklichkeit andauert. Deshalb sehen wir

auch die hellen Punkte des Lichtbandes gleichzeitig auftreten, während

der folgende tatsächlich erst dann erscheint, wenn der vorausgegangene

verschwunden ist[8].

Diese Art einer elektrischen Entladung nennt man eine ~oszillierende~

Entladung und den dabei die Leiter durchfließenden Strom einen

Wechselstrom ~hoher Frequenz~.

Der Physiker Hertz hat nachgewiesen, daß von einem geladenen

Leitersystem, das sich durch einen oszillierenden Funken ausgleicht,

~Wellen~ ausgingen, die selbst zwar unsichtbar waren, aber sich

nach denselben Gesetzen fortpflanzen wie die Lichtstrahlen, deren

Wellennatur zuerst von ~Newton~ geahnt, später von Maxwell erkannt und

in bestimmte Gesetze formuliert wurde.

Die Versuche, die beweisen, daß sich von einem oszillierenden Funken

aus elektrische Wellen in den Raum ausbreiten, will ich nun hier

vorführen. Ich muß jedoch vorher noch auf ein von Hertz angestelltes

Experiment hinweisen, das ich leider nicht vorführen kann, da es mir

trotz vieler Versuche infolge unzureichender Hilfsmittel nie gelang.

Hertz konstruierte einen Apparat, den Sie im Schema auf der Tafel hier

aufgezeichnet sehen. (Käthe hängte eine Tafel auf, deren Zeichnung

Abb. 194 wiedergibt, und zeigte die von Rudi genannten Teile.) Mit _J_

ist der Funkeninduktor bezeichnet, dessen sekundäre Pole durch eine

Funkenstrecke _F_ miteinander verbunden sind. Von dieser Funkenstrecke

sind nach beiden Seiten hin die Drähte _L_ gespannt, die in Kugeln

enden. Wurde der Funkeninduktor in Tätigkeit gesetzt, so ging bei _F._

ein Funkenstrom über und von den mit _F._ verbundenen Drähten gingen

elektrische Wellen aus, die im stande waren, in dem fast zu einem Kreis

geschlossenen Leiter _A_ Ströme hervorzurufen. Diese äußerten sich

durch Entstehen von kleinen Fünkchen bei _F′_.

[Illustration: Abb. 194. Schema des Hertzschen Wellenversuches.]

[Illustration: Abb. 195. Der Fritter (Schema).]

[Sidenote: Der Fritter.]

Aber gerade in der Kleinheit dieser Fünkchen liegt die Schwierigkeit

der Versuche. Ich bediene mich deshalb im folgenden eines Apparates,

der von Branly erfunden wurde, des sogenannten ~Fritters~ oder

~Kohärers~. Sie sehen auf der zweiten Tafel das Schema eines Kohärers

aufgezeichnet. (Hier hielt Käthe eine Tafel vor, auf der die in Abb.

195 wiedergegebene Zeichnung zu sehen war.) In einer Glasröhre befinden

sich zwei Metallkolben, zwischen denen sich feine Metallfeilspäne

befinden. Da der Kontakt der losen Feilspäne sehr schlecht ist, so

bietet eine derartige Röhre dem Strom eines galvanischen Elementes

einen fast unüberwindlichen Widerstand. Wenn wir also diese Röhre, den

Fritter, mit einem Galvanoskop _G_ in den Stromkreis eines Elements

_E_ schalten, so zeigt das Galvanoskop auf Stromlosigkeit. Wird aber

der Fritter von elektrischen Wellen getroffen, so sinkt der Widerstand

der Feilspäne sofort bis auf ein ganz geringes Maß, und die Nadel des

Galvanoskopes schlägt kräftig aus. Diesen Versuch kann ich Ihnen hier

vorführen.“

[Illustration: Abb. 196. Der Fritter.]

[Illustration: Abb. 197. Zum Fritter.]

Rudi führte den Versuch hierauf mit einem selbstgefertigten Fritter

aus, dessen Konstruktion hier beschrieben sei.

An das Ende eines etwa 7 _cm_ langen und 2 _mm_ starken Kupferdrahtes

(_a_ in Abb. 196 und 197) wird ein etwa 3 _mm_ großes dünnes

Silberplättchen _b_ gelötet, das man aus einem Silberdraht durch

Hämmern herstellt. Aus dem Rest des Silberdrahtes, den man sich von

einem Juwelier beschafft -- es braucht kein reines Silber, sondern kann

eine geringere Legierung sein --, biegt man den Ring _c_, der etwa

4 bis 5 _mm_ weit sein soll. Man kann übrigens hierzu statt Silber

auch ~Nickel~, im Notfall auch ~Zinn~ verwenden. Andere Metalle, wie

Kupfer oder Eisen, sind nur bei den gröbsten Versuchen verwendbar.

Jetzt wird ein etwa 5 bis 6 _mm_ dicker Kork (_k_) in der Mitte

durchbohrt, und der Draht _a_ wird so hindurchgesteckt, wie dies

aus den Abbildungen hervorgeht. Seitlich erhält der Kork eine Rinne

zur Aufnahme des Drahtes _c_. Diese Teile werden so in eine passend

weite Glasröhre (_Gl_) eingesteckt, daß _b_ konzentrisch in _c_

liegt; beide Teile sollen in derselben Höhe auf dem oberen Korkrand

aufliegen. Kork und Glas werden noch mit heißem Siegellack abgedichtet.

Wie dieser Apparat auf einem Grundbrett angebracht wird, geht aus

der Figur hinreichend deutlich hervor. Die Klemmschrauben seien

mit zwei übereinanderliegenden, zueinander rechtwinkelig stehenden

Bohrungen versehen. Die Feilspäne stellen wir uns durch Befeilen

eines Fünfpfennigstückes -- Nickel -- so her, daß gröbere und feinere

Feilspäne entstehen. Je mehr Späne in das Röhrchen eingefüllt werden,

um so empfindlicher ist der Apparat. Für die meisten Versuche genügt

eine etwa 2 _mm_ hohe Lage von Feilspänen.

Zur Vorführung des ersten Experimentes schaltete Rudi den Fritter

mit dem Vertikalgalvanoskop (Seite 91 u. f.) in den Stromkreis eines

Elementes und ließ dann etwa 50 _cm_ von dem Fritter entfernt aus einem

Elektrophordeckel (Seite 5) ein Fünkchen in seinen Finger überspringen.

In demselben Augenblick zeigte das Galvanoskop einen starken Strom an.

Die Erklärung für diese Erscheinung lautet folgendermaßen: Wird der

Fritter von elektrischen Wellen getroffen, wie sie immer von einem

elektrischen Funken ausgehen, so treten zwischen den einzelnen einander

nur lose berührenden Feilspänen kleine Fünkchen auf -- aus demselben

Grunde, weshalb bei dem Hertzschen Versuch bei _F′_ in Abb. 194

Fünkchen auftreten --, die die kleinen Metallkörnchen gewissermaßen

zusammenschweißen, welcher Umstand dann das Herabsinken des Widerstands

zur Folge hat. Diese Erklärung ist einfach und bei oberflächlicher

Betrachtung sehr einleuchtend, wird aber aus verschiedenen Gründen, auf

die ich hier nicht näher eingehen kann, stark angegriffen.

Wird der leitende Fritter, nachdem er von elektrischen Wellen getroffen

wurde, erschüttert, so werden dadurch die verschweißten Feilspäne

wieder voneinander getrennt. Das Galvanoskop wird deshalb zurückgehen

und wieder Stromlosigkeit anzeigen, sobald man den Fritter z. B. mit

einem Holzstäbchen anschlägt.

„Mit diesem Fritter“, erklärte Rudi weiter, „haben wir nun ein

empfindliches Reagens auf elektrische Wellen. Mit der Erfindung dieses

Apparates war auch der erste Schritt getan zur praktischen Verwendung

dieser geheimnisvollen Kraft, zur sogenannten ~drahtlosen Telegraphie~

oder ~Funkentelegraphie~. Letztere Bezeichnung ist die bessere, da man

kaum zu anderen Apparaten so viel ~Draht~ braucht, als gerade zu denen

der ~drahtlosen~ Telegraphie.

Bevor ich jedoch die Funkentelegraphie bespreche, möchte ich einige

Versuche vorführen, die geeignet sind, Sie über das Wesen der

elektrischen Wellen aufzuklären.

Wir können die elektrischen Wellen in vielen ihrer Erscheinungsformen

ungezwungen mit entsprechenden Erscheinungen der Luftwellen

vergleichen. Man nimmt deshalb auch an, daß es ein Medium gebe, das

sich zur Elektrizität ebenso verhält, wie die Luft zum Schall. Der

Schall ist eine Wellenbewegung der Luft; wo keine Luft ist, kann auch

kein Schall sein. Den Schall erzeuge ich dadurch, daß ich die Luft

in rhythmische Schwingungen versetze, etwa durch Anschlagen einer

Stimmgabel, einer Saite u. s. w. Das Medium nun, in dem sich die

Elektrizität und das Licht fortpflanzt, ist für keinen unserer Sinne

wahrnehmbar; man hat ihm den Namen Äther gegeben. Der Äther muß eine

ungemein leichte, alle Stoffe durchdringende und den ganzen Weltenraum

erfüllende Substanz sein. Wie ähnlich die elektrischen Schwingungen

einerseits analogen Erscheinungen beim Licht, anderseits beim Schall

sind, will ich Ihnen durch einige Experimente beweisen.“

Bevor wir nun Rudis weitere Erklärungen wiedergeben, wollen wir zuerst

wieder die Herstellung der Apparate beschreiben, die Rudi zu seinen

Demonstrationen gebrauchte.

[Sidenote: Die Resonanz.]

Das erste hierhergehörige Experiment Rudis zeigte die elektrische

~Resonanz~. Zum Vergleich mit den analogen Erscheinungen des

Schalles führte er zuerst die akustische Resonanz vor. Er hatte zwei

Stimmgabeln, die auf kleinen Resonanzkästchen befestigt waren und von

denen die eine durch einen verstellbaren Gleitschuh auf verschiedene

Töne abgestimmt werden konnte. Er stellte die beiden Stimmgabeln, die

in der Tonhöhe um eine Terz differierten, so auf, daß sich die offenen

Seiten der beiden Resonanzkästchen in einem Abstand von etwa 20 _cm_

gegenüberstanden. Rudi schlug zuerst beide Gabeln kurz nacheinander

mit einem Holzhämmerchen an, so daß man die Tondifferenz hören konnte;

dann schlug er eine allein an[9], ließ sie ein paar Sekunden tönen und

brachte sie dann durch Umfassen mit der Hand zum Schweigen. Letzteres

wiederholte er noch zweimal und forderte seine Zuhörer auf, genau

aufzumerken. Dann stimmte er die eine Gabel durch Verstellen des

Gleitschuhes genau auf die andere ab und schlug beide nacheinander kurz

an, so daß man die Tongleichheit erkennen konnte. Darauf versetzte

er wieder eine allein in Schwingung und umfaßte sie nach ein paar

Sekunden, wie zuerst mit der Hand; trotzdem hörte man den Ton noch ganz

deutlich weiter klingen. Bevor jedoch der Ton von selbst verklungen

war, berührte er auch die zweite Gabel, und sofort war nichts mehr zu

hören. Auch diesen Versuch wiederholte Rudi noch ein paarmal.

Diese Experimente führte Rudi aus ohne ein Wort dazu zu sprechen,

von kurzen Aufforderungen zum Aufmerken abgesehen. Ebenso schweigend

verhielt er sich bei dem folgenden Versuch, der die entsprechende

elektrische Erscheinung vorführte.

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 17 / 24 段