Wir kommen nun zur Herstellung des Kolbens. Eine 2 bis 3 _mm_ starke

Messing- oder Eisenscheibe _l_, die gerade in das Rohr hineinpaßt,

erhält in der Mitte eine Bohrung (ohne Gewinde), durch die man das

mit einem Gewinde versehene Ende der Eisenstange _m_ hindurchschieben

kann. An dieser Stange ist das Messingscheibchen _p_ angelötet, dessen

Halbmesser um etwa 2 _mm_ kleiner ist als der von _l_. Dann schneiden

wir uns von alten Glacéhandschuhen drei bis vier runde Scheibchen, die

in der Mitte mit einem Loch versehen sind, und deren Halbmesser etwa um

5 _mm_ größer ist als der von _l_ und legen sie einige Zeit in reines

Maschinenöl. Wenn sie vollständig durchtränkt sind, bringen wir sie auf

das Messingscheibchen _p_, wie aus der Abb. 179 zu erkennen ist (_o_);

darauf wird _l_ mit der auf _m_ aufgeschraubten Mutter _n_ fest gegen

_p_ angepreßt. Das Blechscheibchen _q_ dient zur Führung der Stange _m_.

Das Kolbenende der Stange _m_ soll so lang sein, daß es durch den

Ansatz des Hahnes bis auf den Stöpsel hindurchgeht; es soll auch

möglichst genau in jene Öffnung hineinpassen, damit der sogenannte

schädliche Raum _s_ möglichst klein wird. Aus dem gleichen Grunde

müssen wir auch noch die leeren Kanten bei _r_ mit Wachs oder Paraffin

ausfüllen.

Wir nehmen zu diesem Zweck den Stöpsel aus dem Hahne heraus und machen

letzteren etwas warm, dann schieben wir den Kolben so weit in den

Zylinder hinein, daß die Öffnung _s_ gerade noch frei bleibt. Jetzt

stellen wir die Pumpe so auf, daß der Hahn oben ist, gießen durch

letzteren möglichst heißes Paraffin in den Zylinder und drücken dann

den Kolben so weit als möglich hinein, wobei natürlich wieder etwas

Paraffin herausgetrieben wird. Nach dem Erkalten wird das Loch für den

Stöpsel und der äußere Rohransatz vom Paraffin gereinigt. Letzterer

wird nun, wie aus Abb. 179 zu erkennen ist, mit dem Rohre _d_ verbunden.

Wir können uns auch noch eine Glasglocke, den Rezipienten, selbst

herstellen. Wir beschaffen uns eine starkwandige, möglichst weite

Flasche aus weißem Glas, deren Boden wir möglichst glatt entfernen

müssen. Wir umkleben sie deshalb da, wo sie gesprengt werden soll,

mit zwei mehrmals herumgewundenen Papierstreifen, die einen nur 2

bis 3 _mm_ breiten Raum zwischen sich frei lassen. In dieser Rinne

legen wir eine gut gezwirnte, möglichst harte Schnur einmal um die

Flasche, befestigen an dem einen Schnurende ein 1 bis 2 _kg_ schweres

Gewicht und an dem anderen einen runden Holzstab. Die Flasche lassen

wir von einer zweiten Person halten und ziehen nun, die Schnur an dem

Holzgriff fassend, das Gewicht auf, lassen es sinken, ziehen es wieder

auf u. s. f., bis infolge der Reibung die Hitze so groß wird, daß die

Schnur durchbrennt und das Gewicht zu Boden fällt. Jetzt wird das

Bodenende der Flasche so rasch als möglich in kaltes Wasser getaucht.

Entlang der von der Schnur berührt gewesenen Stelle springt der Boden

ab. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man zuerst die Flasche

unter ständigem Drehen über einer Flamme auf etwa 250° erhitzt und

dann da, wo der Sprung entstehen soll, einen mit Salzwasser benetzten

Bindfaden herumschlingt.

Der dadurch entstandene Rand der Flasche ist jetzt noch eben zu

schleifen; diese Arbeit nehmen wir auf einer möglichst ebenen

Sandsteinplatte mit Wasser und Schmirgel vor.

[Illustration: Abb. 181. Der Rezipient als Entladungsröhre.]

Um elektrische Ausgleiche in dem Rezipienten vornehmen zu können,

führen wir durch einen durchbohrten Gummistöpsel eine Messingstange

ein, die die eine Elektrode bildet; als die andere Elektrode dient uns

das durch den Teller führende Metallrohr. Der untere eben geschliffene

Rand der Glasglocke wird zur besseren Abdichtung mit Talg eingerieben.

Die ganze Anordnung geht aus Abb. 181 hervor: _a_ ist die Glocke, _b_

der Teller, _c_ das Rohr, das zur Pumpe führt, _d_ der Gummistopfen, in

dem die Messingstange _e_ steckt. Ein aus Draht gebogener und mit einer

Kugel versehener Dreifuß _f_ bildet auf das Rohrende gesetzt die zweite

Elektrode.

Wer sich selbst Geißlersche Röhren herstellen will, der muß im

Glasblasen einige Übung besitzen. Einfache Röhren sind nicht schwer

herzustellen. Wir schmelzen in das eine Ende eines 0,5 bis 1 _cm_

weiten Glasrohres -- die Länge richtet sich nach der Leistungsfähigkeit

unserer Apparate -- einen Platindraht ein; nahe diesem Ende setzen

wir ein etwas dünneres Röhrchen nach der Seite an und schmelzen

dann auch in das andere Ende einen Platindraht ein. Wie diese Röhre

mit dem Rezipienten zu verbinden ist, geht aus Abb. 182 hervor.

In den Schlauch _a_ ist, damit er nicht von dem äußeren Luftdruck

zusammengequetscht werde, eine eng gewundene Drahtspirale zu stecken.

Während des Auspumpens der Röhre läßt man den elektrischen Strom

hindurchgehen; ist dann die Lichterscheinung so, wie man sie wünscht

-- man kann sie natürlich nur im verdunkelten Zimmer gut sehen --, so

pumpt man noch etwas weiter und schmilzt dann die Röhre ab.

[Illustration: Abb. 182. Verbindung der Geißlerröhre mit dem

Rezipienten zum Auspumpen.]

Um die Verdünnungen in Röhren noch weiter treiben zu können, müssen

wir die Geißlersche Röhre samt dem Schlauch _a_ (Abb. 182) und der

Glasröhre, die durch den Gummistöpsel geht, mit Quecksilber anfüllen.

Nachdem wir uns überzeugt haben, daß nirgendmehr Luftblasen haften,

stecken wir den Gummistöpsel auf den Rezipienten und pumpen denselben

aus, bis alles Quecksilber aus der Röhre zurückgesunken ist, aber nicht

weiter, als bis zu der in Abb. 182 mit _b_ bezeichneten Stelle, da in

dem Schlauch _a_ meistens Luftbläschen haften bleiben. In der Mitte

zwischen _b_ und der Ansatzstelle wird das Röhrchen dann abgeschmolzen.

Wie weit wir mit diesen Apparaten die Verdünnung in einer Röhre bringen

können, hängt natürlich von ihrer Ausführung und Handhabung ab. Die

für gewöhnliche Geißlersche Röhren nötige Verdünnung ist leicht zu

erreichen; viel schwieriger ist es schon, Röhren für Kathodenstrahlen

herzustellen. In Röntgenröhren schließlich ist die Verdünnung der Luft

so stark, daß wir den Versuch, uns solche selbst herzustellen, von

vornherein aufgeben müssen. --

[Illustration: Abb. 183. Einfache Röhre auf dem Rezipienten.]

[Illustration: Abb. 184. Geißlersche Röhren, ungefüllt.]

[Sidenote: Experimente mit der Luftpumpe.]

Wir setzen auf den Rezipienten, wie aus Abb. 183 hervorgeht, eine

einfache Röhre mit eingeschmolzenen Platinelektroden, deren Abstand

größer als die Schlagweite unseres Funkeninduktors oder unserer

Influenzmaschine sein muß, und verbinden sie mit der Stromquelle.

Wir wählen Platin, weil es zum Einschmelzen in Glas das geeignetste

Metall ist, da es fast denselben Ausdehnungskoeffizienten hat wie

Glas. Für einfachere Instrumente, wie das oben erwähnte, genügt auch

Aluminiumdraht, der den Vorteil hat, wesentlich billiger zu sein; wenn

wir dann die Einschmelzstelle, solange sie noch warm ist, mit gutem

roten Siegellack überziehen, so hält sie sicher dicht. Im verdunkelten

Raum sieht man dann an den Elektroden nur sehr schwaches Glimmlicht.

Fängt man dann an, die Pumpe in Tätigkeit zu setzen, so wird der

Lichtbüschel an der Kathode (negative Elektrode) heller, größer und

schärfer abgegrenzt, und an der Anode (positive Elektrode) zeigt

sich ein kleines helles Lichtpünktchen. Pumpt man weiter, so beginnt

schließlich der ganze Raum zwischen den Elektroden schwach zu leuchten:

ein violettes Lichtband zieht sich durch die Röhre, ohne aber ihre

Breite ganz zu erfüllen. Bei weiterer Verdünnung wird der violette

Streifen breiter, und man kann sehen, daß das Licht nicht einheitlich,

sondern geschichtet ist; die Röhre scheint erfüllt von einzelnen hellen

Scheibchen mit dunkeln Zwischenräumen. Dieses geschichtete Lichtband

beginnt unmittelbar an der Anode, geht aber nicht ganz bis zur Kathode

hin; hier bleibt ein dunkler Raum, der bei noch weiter gesteigerter

Verdünnung immer größer wird. Das positive Licht wird immer kürzer und

seine Schichtung immer undeutlicher.

[Illustration: Abb. 185. Geißlersche Röhren. Zu füllen mit

fluoreszierenden Flüssigkeiten.]

[Illustration: Abb. 186. Hittorfsche (Crookessche) Röhre.]

Hier hörte die Leistungsfähigkeit der Pumpe, die sich Rudi selbst

gefertigt hatte, auf. Er hatte sich deshalb zur Demonstration der

Kathodenstrahlen eine sogenannte Crookessche Röhre (Abb. 186) gekauft.

Auch Geißlersche Röhren in verschiedenen Stufen der Evakuation und in

sehr mannigfaltigen Formen kommen in den Handel (Abb. 184 und Abb. 185).

[Sidenote: Die Kathodenstrahlen.]

Wird die Verdünnung in der Röhre noch weiter getrieben, so verschwindet

das positive Licht schließlich ganz, aber eine andere merkwürdige

Erscheinung tritt dafür ein. Es gehen nämlich von der Kathode Strahlen

aus, die man nicht sehen, sondern nur daran erkennen kann, daß sie die

Glaswand der Röhre da, wo sie sie treffen, zum Fluoreszieren bringen.

Bei unserer Röhre, in welche Drähte eingeschmolzen sind, wird das Glas

um die Anode herum grün leuchten. Besteht die Kathode aus einem runden

Blechscheibchen, so wird die dem Scheibchen gegenüberliegende Stelle

zum Fluoreszieren gebracht. Ist zwischen die negative Elektrode und die

gegenüberliegende Glaswand ein Gegenstand aus Metall gebracht, z. B.

ein Kreuz _b_ wie in Abb. 187, so zeichnet dieser einen deutlichen

Schlagschatten _d_ auf das Glas. Alle diese Erscheinungen weisen darauf

hin, daß die Kathodenstrahlen sich senkrecht zu der Fläche des Punktes

fortpflanzen, von dem sie ausgehen. ~Dabei ist es ganz einerlei, an

welcher Stelle sich die Anode befindet.~

[Illustration: Abb. 187. Crookessche Röhre.]

Eine weitere eigentümliche Eigenschaft dieser Strahlen ist die, daß sie

alle nicht metallischen Körper, die sie treffen, zur Phosphoreszenz

bringen. Man hat Röhren hergestellt, in denen verschiedene Mineralien

den Kathodenstrahlen ausgesetzt werden können; die Stoffe leuchten dann

je nach ihrer Natur in verschiedenen Farben auf.

Ferner kann man bemerken, daß das Glas einer Crookesschen Röhre,

da, wo es von den Kathodenstrahlen getroffen wird, also an der grün

fluoreszierenden Stelle, sich mit der Zeit stark erhitzt. Diese

Erwärmung kann so weit gehen, daß das Glas weich wird und dem äußeren

Luftdruck nachgibt. Von diesen Strahlen getroffene Metallteile können

bis zur Weißglut, ja bis zum Schmelzen gebracht werden.

Crookes entdeckte auch, daß die Kathodenstrahlen mechanische Wirkungen

ausüben können. Um das nachzuweisen, hat man in der Röhre ein leichtes

Flügelrädchen so angebracht, daß die obere Hälfte desselben sich gerade

zwischen den Elektroden befand. Wurde ein Strom durchgeleitet, so

drehte sich das Rädchen so, als ob von der Kathode ein Wind ausginge,

der, die oberen Flügelchen treffend, es zur Rotation brachte.

Bringen wir einen Magneten in die Nähe der Röhre, so sehen wir,

daß er die Kathodenstrahlen ablenkt. Wir können mit ihm den grünen

Fluoreszenzfleck von seiner ursprünglichen Stelle wegziehen; er

folgt genau den Bewegungen des Magneten. Rudi machte diesen Versuch

und verwendete dazu einen starken Elektromagneten, den er mit dem

Akkumulatorenstrom erregte.

Alle diese merkwürdigen Erscheinungen spielen sich ausschließlich in

der Röhre ab. Keine Spur von diesen geheimnisvollen Strahlen scheint

die Glaswand durchdringen zu können. Über die eigentliche Natur dieser

Strahlen, überhaupt über diese Entladungsvorgänge weiß man noch so gut

wie gar nichts.

Nur das eine steht ziemlich sicher fest, daß die Kathodenstrahlen

aus sehr kleinen Stoffteilen bestehen, die sich mit einer enormen

Geschwindigkeit durch den fast leeren Raum der Röhre bewegen. Mit

dieser Annahme lassen sich leicht für die oben erwähnten Eigenschaften

der Kathodenstrahlen Erklärungen geben, deren nähere Behandlung aber

hier zu weit führen würde.

Es sind verschiedene Versuche gemacht worden, die Kathodenstrahlen aus

der Röhre herauszuführen in die normale Atmosphäre, aber man ist bis

jetzt nicht weiter damit gekommen, als daß man eben nachweisen konnte,

daß die Strahlen auch außerhalb der Röhre bestehen können.

[Sidenote: Die Röntgenstrahlen.]

Lange boten die Kathodenstrahlen nur theoretisches Interesse, bis

Professor Röntgen im Jahre 1895 in Würzburg die Entdeckung machte, daß

von der von den Strahlen getroffenen Stelle der Crookesschen Röhre

andere Strahlen ausgehen, die sich wesentlich von den Kathodenstrahlen

unterscheiden. Röntgen selbst nannte sie _X_-Strahlen, während sie

sonst nach ihrem Entdecker ~Röntgenstrahlen~ genannt werden.

Diese geheimnisvollen Strahlen sind selbst unsichtbar und geben sich

nur durch verschiedene Wirkungen zu erkennen: Photographische Platten,

von ihnen getroffen, werden geschwärzt. Dabei hat sich auch gezeigt,

daß eine Papierverpackung oder eine Holzkassette der empfindlichen

Bromsilbergelatine keinen Schutz gegen diese Strahlen bietet; sie

gehen durch Holz und Papier fast ungeschwächt hindurch; nur dickere

Metallschichten können sie nicht durchdringen. Im allgemeinen kann man

annehmen, daß je dichter ein Körper ist, er sich desto undurchlässiger

für Röntgenstrahlen zeigt. Diese Eigentümlichkeit ist besonders

wichtig, und wir kommen später noch einmal darauf zurück.

Eine zweite für die Praxis sehr wertvolle Eigenschaft der

Röntgenstrahlen ist ihre Fähigkeit, Fluoreszenz zu erregen. So leuchtet

z. B. ~Baryumplatincyanür~, wenn es von den Röntgenstrahlen getroffen

wird, hell auf.

Wir haben schon oben gesehen, daß die _X_-Strahlen da entstehen, wo

die Kathodenstrahlen auf die Rohrwand auftreffen. Man hat nun durch

Versuche gefunden, daß die Röntgenstrahlen überhaupt überall da

entstehen, wo Kathodenstrahlen auf einen Gegenstand auftreffen.

Da es, wie wir späterhin noch sehen werden, für photographische

Aufnahmen mit Röntgenstrahlen nicht vorteilhaft ist, wenn die die

Strahlen aussendende Fläche groß ist, so hat man die Röhren so

konstruiert, daß die Kathodenstrahlen im Innern der Röhre auf ein

Platinblech auftreffen. Von diesem Platinbleche gehen sie dann wie von

~einem~ Punkt kegelförmig aus.

[Illustration: Abb. 188. Röntgenröhren.]

Abb. 188 zeigt eine der gangbarsten Formen der Röntgenröhren. In der

Mitte des kugeligen Teiles der Röhre befindet sich das Platinblech,

das, von den Kathodenstrahlen getroffen, die Röntgenstrahlen aussendet

und als ~Antikathode~ bezeichnet wird. Diesem gegenüber (rechts) steht

die Kathode, und in dem dritten Ansatz ist die Anode, die durch einen

Draht mit der Antikathode verbunden ist.

Nach diesen theoretischen Ausführungen ging Rudi dazu über, eine

größere Anzahl von Experimenten mit der Röntgenröhre vorzuführen.

Er bediente sich dabei des Funkeninduktors, da dieser besonders

für diese Versuche geeigneter ist. Für solche, die keinen größeren

Induktor, aber eine gute Influenzmaschine besitzen, sei gesagt,

daß für photographische Aufnahmen die Maschine ~mit~ Leidener

Flaschen verwendet werden kann. Will man dagegen ein Schattenbild

auf dem Fluoreszenzschirm erzeugen, so kann man die Kondensatoren

nicht gebrauchen, da das Bild dann derartig flimmert, daß die

Augen schmerzen. Die besten Bilder erzielt man, wenn man vor jeder

Elektrode der Röhre eine Funkenstrecke einschaltet, deren günstigste

Größe man durch Probieren herausfinden muß. Abb. 189 zeigt eine

durch Funkenstrecken mit der Influenzelektrisiermaschine verbundene

Röntgenröhre. Die viereckigen Rähmchen, zwischen denen sich die Kugeln

befinden, müssen natürlich aus einem isolierenden Material, etwa aus

Hartgummi bestehen.

Rudi hatte versucht, sich den Fluoreszenzschirm selbst herzustellen,

indem er Kreide, Kochsalz und wolframsaures Natron zu gleichen

Teilen innig mengte und die Mischung dann in einem Tontiegel drei

Stunden lang mit einem Knallgasgebläse durchglühte. Die beim Erkalten

zusammengesinterte Masse pulverte er, mengte sie mit einem Bindemittel

(Gelatine) und strich sie auf einen Karton.

Obwohl Rudi genau nach Vorschrift verfahren war, war seine Mühe hier

von keinem guten Erfolg gekrönt, so daß er sich gezwungen sah, doch

noch einen fertigen Fluoreszenzschirm zu kaufen.

[Illustration: Abb. 189. Influenzmaschine und Röntgenröhre nach

Bonetti.]

Bevor Rudi die Durchleuchtung auf dem Fluoreszenzschirm zeigte,

machte er ein ~photographisches~ Durchleuchtungsbild der Hand seiner

Schwester. Er hatte zu diesem Zweck eine photographische Platte von der

Größe 13 × 18 _cm_ in ein lichtdichtes schwarzes Papier so eingehüllt,

daß die Schichtseite der Platte nur von ~einer~ Papierlage bedeckt

war. Die Röhre befestigte er an einem Gestell derart, daß der von der

Antikathode ausgehende Strahlenkegel senkrecht nach unten wirkte. Dann

legte er die eingewickelte Platte mit der Schichtseite nach oben unter

die Röhre in einem Abstand von etwa 30 _cm_ auf den Tisch. Auf die

Platte legte dann Käthe ihre ausgestreckte Hand, und Rudi schaltete den

Strom ein. Nach kurzer Zeit -- je nach der Größe der Röhre beträgt die

Dauer etwa drei bis sechs Minuten -- stellte er die Bestrahlung ab.

[Illustration: Abb. 190. Hand, von Röntgenstrahlen durchleuchtet.]

Während nun Rudi noch einige erklärende Worte sprach, zündete Käthe

eine Lampe mit rotem Zylinder an und löschte alle übrigen Lichter

aus -- näheres über die Raumverdunkelung siehe unten. Alle nötigen

Utensilien zum Entwickeln waren schon gerichtet. In wenigen Minuten, in

denen Rudi auch noch das Wesentlichste über die photographische Platte

und ihre Eigenschaften sagte, hatte die eifrige Assistentin das Bild

fertiggestellt, und während er das äußerlich anhaftende Fixiernatron

mit Wasser abspülte, machte seine Schwester wieder Licht und reichte

dann die Platte herum. Man sah ganz deutlich die einzelnen Knochen der

Hand, da an den unter diesen gelegenen Stellen die Bromsilbergelatine

nicht geschwärzt, also fast ganz durchsichtig war. Auch die Konturen

der Fleischteile waren deutlich zu erkennen, und besonders schön konnte

man den Fingerring sehen.

Die Kopie, das heißt das Positiv einer solchen Aufnahme gibt das Bild

auf Seite 224 wieder.

Man kann die photographische Platte auch so verpacken, daß man sie in

der Verpackung, also bei hellem Licht, entwickelt und fixiert. Man

verfährt dabei folgendermaßen: Aus starkem, englischem, dunkelrotem

Fließkarton stellt man sich drei flache vierseitige Tüten her, die je

auf einer Seite offen und so groß sind, daß in die erste eine Platte 13

× 18 _cm_ eingeschoben werden kann, die zweite Tüte muß sich wiederum

über die erste und die dritte schließlich über die zweite stülpen

lassen. Hat man beim Einlegen der Platte die Öffnung der Tüte links,

so muß die der zweiten rechts und die der dritten wieder links sein.

Die Platte wird natürlich in der Dunkelkammer in die Papierhüllen

gebracht und dann in eine lichtdichte Schachtel gelegt, der man sie

erst kurz vor Gebrauch entnimmt. Nach der Exposition wird sie samt

ihren Papierhüllen erst 1 bis 2 Minuten in Wasser gelegt, wobei man

durch Streichen und leichtes Drücken die Luft aus den Hüllen zu

entfernen sucht. Dann wird die äußerste der drei Hüllen unter Wasser

entfernt und die jetzt nur noch von zwei Hüllen umschlossene Platte

in einen ziemlich starken Entwickler mit ein wenig Bromkalium gelegt.

Nach etwa 5 bis 10 Minuten (je nach Expositionsdauer, Platten- und

Entwicklersorte) ist die Entwicklung beendet; dann kommt die Platte,

immer noch eingehüllt, 5 Minuten in Wasser und darauf 15 bis 20 Minuten

in ~frisches~, starkes Fixierbad. Nunmehr kann sie ihren Hüllen

entnommen und bei Tageslicht betrachtet werden.

Zum Schlusse wollte Rudi noch jedem einzelnen seiner Hörer ein

Durchleuchtungsbild auf dem Fluoreszenzschirm zeigen. Er stellte

deshalb die Röhre so am vorderen Rande des Experimentiertisches auf,

daß die Strahlen schief nach oben und vorne fielen. Darauf zeigte

er, bevor er den Raum verdunkeln ließ, wie der zu durchleuchtende

Gegenstand und der Fluoreszenzschirm zu halten sind, und erklärte

dabei die Wirkungsweise des letzteren etwa folgendermaßen: Wie

wir vorhin schon gehört haben, ist Baryumplatincyanür ein Stoff,

der in hohem Grade die Eigenschaft besitzt, von Röntgenstrahlen

zur Fluoreszenz gebracht zu werden, das heißt er leuchtet an den

bestrahlten Stellen, je nach der Stärke der Bestrahlung mehr oder

weniger hell auf. Dieser Stoff wird auf einem schwarzen Karton

gleichmäßig verteilt. Bringt man zwischen die Röntgenröhre und den

Schirm, dessen fluoreszierende Seite natürlich von der Röhre ab-, dem

Auge zugewandt sein muß, einen Gegenstand, z. B. einen Geldbeutel, oder

ein Reißzeug, eine Hand, einen Arm, einen Regenschirm, so wird man

jeweils von den dichtesten Teilen, im Beutel also von den Geldstücken,

in der Hand von den Knochen usw., die schwarzen Silhouetten sich

deutlich von der helleren Umgebung abheben sehen.

Endlich wies Rudi noch auf den für einfache Verhältnisse ziemlich hohen

Preis der Röntgenröhren und der Fluoreszenzschirme hin und bat seine

Hörer, in dem dunklen Zimmer nicht zu drängen.

Daß diese Bitte nicht unbegründet war, bewies ein kleiner Unfall, der

trotz der Mahnung eintrat.

Die meisten Anwesenden hatten schon das Geld in ihrem Beutel, ohne ihn

zu öffnen, gezählt, oder ihr Handskelett oft nicht ohne ein heimliches

Grausen bewundert, als eben eine Freundin Käthes, die von den Apparaten

zurücktrat, dabei an eine hinter ihr stehende Person stieß, ausglitt

und mit der unwillkürlich nach einem Halt ausgestreckten Hand gerade

die eine Elektrode des Funkeninduktors ergriff. Mehr erschrocken als

vor Schmerz fuhr sie, nach Mädchenart laut aufschreiend, zurück und

fiel zu Boden; dabei riß sie die Röntgenröhre samt ihrem Träger mit.

Weiteres Unheil wurde durch die geistesgegenwärtige und gewandte

Handlungsweise Käthes verhindert, die trotz der völligen Finsternis

sofort an dem unten beschriebenen Beleuchtungsmechanismus war und Licht

machte. Jetzt war die Ordnung gleich wiederhergestellt. Niemand hatte

Schaden gelitten, auch die Röhre nicht, da sie an den Drähten hängen

geblieben und deshalb nicht zu Boden gestürzt war.

Um nun bei den Personen, die noch nicht an der Reihe waren, einen

ähnlichen Fall zu verhindern, stellte Rudi einen kleinen Tisch so vor

den Experimentiertisch, daß jeweils nur ~eine~ Person an die Apparate

herantreten konnte. --

Ich will nun noch anführen, was für einen Beleuchtungsmechanismus Rudi

für diesen Vortrag konstruiert hatte. Der Raum mußte nämlich, um die

zarten Lichter in den Geißlerschen Röhren möglichst sichtbar zu machen,

öfters verdunkelt werden. Da Rudi kein elektrisches Licht zur Verfügung

hatte, mußte er das Gaslicht so einrichten, daß er es ohne Umstände

öffnen und schließen konnte.

In der Mitte des Zimmers hing ein Kronleuchter mit einem mittleren und

vier äußeren Brennern. Den mittleren benutzte er nicht. Es handelte

sich also darum, ohne zwischen die unter den Lampen sitzenden Leute

treten zu müssen, das Licht anzünden und löschen zu können. Zur

Entzündung des Gases verwendete Rudi die bekannten „~Selbstzünder~“.

Sie haben für Auerbrenner die Form von Staubhütchen und bergen in sich

Platinschwamm, an dem sich das Gas entzündet. ~Um einem Versagen dieser

Selbstzünder vorzubeugen, hatte er sie vorher über einem Bunsenbrenner

vorgeglüht.~

Um die vier Gashähne von der Wand aus hinter seinem Tisch öffnen und

schließen zu können, befestigte er an jedem einen Hebel aus dickem

Draht mit einem kleinen Bleigewicht derart, daß das Gewicht den Hahn

zuzog. Ferner befestigte er an jedem Hebel einen Bindfaden, den er

durch einen nahe der Decke an der Gasleitung befestigten Porzellanring

zog. Die vier Fadenenden verband er mit einer Schnur, die er an der

Decke entlangführte, bis an die Wand, wo er sie wieder durch einen

Porzellanring steckte und dann gerade herunterhängen ließ. Hing die

Schnur lose, so war kein Licht; wurde sie angezogen, so öffneten sich

die Hähne, und es wurde hell. Die Schnur konnte mit einer Öse in einen

Nagel an der Wand eingehängt werden.

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 16 / 24 段