Wie der Generator, das ist die stromerzeugende Maschine, der

Transformator und der Motor miteinander zu verbinden sind, geht aus dem

Schema in Abb. 169 hervor. Setzen wir den Generator in Gang, so wird

sich auch der Motor drehen; je rascher wir den Anker des Generators

rotieren lassen, desto rascher wird auch der Motor laufen. --

[Illustration: Abb. 170. Schema des ersten Telephons.]

[Sidenote: Das Telephon.]

Zum Schlusse dieses Vortrages erklärte Rudi noch die Einrichtung

des Telephons, das eine der bedeutendsten Nutzanwendungen der

Induktionsströme darstellt.

Das erste Telephon war auffallend einfach: Ein Stahlmagnet war an dem

einen Pol mit einer Drahtspule versehen und in einem Gehäuse von Holz

untergebracht, in dem, kaum einen Millimeter vom Magnetpol entfernt,

eine dünne Eisenmembran befestigt war. Verband man nun die Spulen

zweier solcher Telephone, wie aus Abb. 170 hervorgeht, so konnte man

die Worte, die gegen die Membran I gesprochen wurden, bei II hören und

umgekehrt. Wodurch wird nun die Fernleitung des Schalles in den beiden

Drähten bewirkt?

Wir wissen, daß ein Stück Eisen, wenn es in die Nähe eines Magneten

gebracht wird, selbst magnetisch wird, somit selbst auch Kraftlinien

aussendet und die des Magneten aus ihrer ursprünglichen Richtung

ablenkt. Bei jeder Bewegung der Eisenmembran in unserem Telephon

werden sich deshalb die Kraftlinien des Stahlmagneten etwas verändern

und dadurch in der Drahtspule Induktionsströme erzeugen. Wird z. B.

die Membran I gegen den Pol hinbewegt, so wird ein Induktionsstrom

erzeugt, der so gerichtet ist, daß er den Magneten bei II verstärkt;

dadurch wird auch die Membran II stärker angezogen, macht also auch

eine Bewegung gegen den Pol hin. Entfernt sich die Membran I von ihrem

Magnete, so entsteht der Induktionsstrom in umgekehrter Richtung,

schwächt also in II den Magnet, und deshalb bewegt sich auch Membran II

von ihrem Pol weg. Kurz, die Membran der einen Station macht ganz genau

die Bewegung nach, in die wir die Membran der anderen bringen. Sprechen

wir also gegen die Membran I, so wird diese von den auftreffenden

Luftwellen (Schallwellen) in ganz bestimmter Weise in Schwingung

gebracht. Da die Membran II aber die Bewegungen der Membran I genau

mitmacht, so muß II ebenso schwingen wie I; dadurch werden der Luft in

der Nähe von II dieselben Schwingungen mitgeteilt, die der Membran I

die Bewegung erteilt haben; wir hören also bei II die gleichen Laute,

die gegen I gesprochen werden.

Eine derartig einfache Einrichtung hat aber den Nachteil, daß die

Tonstärke sehr gemindert wird; denn ein großer Teil der Energie des

Schalles wird dazu verbraucht, die Trägheit der ersten Membran zu

überwinden und sie in Schwingung zu versetzen, und dann geht wieder

ein Teil bei der Umsetzung der mechanischen Bewegungsenergie in

elektrische Energie verloren. Wie wir wissen, wird in dem Widerstand

eines Leiters die Energie eines elektrischen Stromes geschwächt; da

sie aber nach dem Gesetz der Erhaltung der Energie nicht verloren

gehen, nicht einfach verschwinden kann, so muß sie sich in eine andere

Energieform verwandelt haben. Elektrische Energie wird in Widerständen

zum Teil in ~Wärme~ umgesetzt, wie wir schon an den auf Seite 51 und

57 beschriebenen Experimenten gesehen haben. Man nennt diese durch

elektrische Ströme in Leitern hervorgerufene Wärme ~Joulesche~ Wärme.

Dieser Vorgang spielt sich zum Teil, je nach dem Widerstand (Länge) der

Leitung auch hier ab. Bei der zweiten Station finden in umgekehrter

Reihenfolge dieselben Verluste noch einmal statt.

[Illustration: Abb. 171. Schema des Mikrophones.]

[Sidenote: Das Mikrophon.]

Ein solches Telephon hatte eigentlich nur theoretisches Interesse;

zum praktischen Gebrauch war es kaum anzuwenden, da die Töne an der

Empfangsstation zu schwach wiedergegeben wurden. Dieser Mißstand

wurde durch die Erfindung des ~Mikrophones~ durch Hughes beseitigt.

Hughes befestigte auf einem Resonanzkästchen parallel nebeneinander

zwei Kohlestäbchen und legte auf diese ein drittes. Dann verband er

die eine der befestigten Kohlen mit einem Pol, die andere durch ein

Bellesches Telephon _T_ -- so genannt nach ~Graham Bell~, dem Erfinder

des vorher beschriebenen Telephones -- mit dem anderen Pol eines

Elementes _E_ (Abb. 171). Wird bei dieser Einrichtung durch irgend

eine Erschütterung der Deckel des Resonanzkästchens (_R_) rasch nach

unten bewegt und mit ihm die beiden Kohlen _a_ und _b_, so wird das

nur leicht aufliegende Stäbchen _c_ infolge seiner Trägheit nicht so

rasch folgen können, es wird in dem Augenblick nicht so fest auf _a_

und _b_ aufliegen als vorher; dadurch aber, daß der Kontakt geringer

wird, wird der Widerstand für den Strom größer, der Strom selbst also

schwächer. Wird umgekehrt der Resonanzboden gegen _c_ hinbewegt, so

wird der Kontakt inniger und der Strom stärker. Die Stromstärke gerät

demnach in Schwankungen, die den Schwingungen des Resonanzbodens analog

sind. In genau derselben Weise schwankt dann die Stärke des vom Strome

umflossenen Stahlmagneten, so daß schließlich die Membran des Telephons

die Schwingungen des Resonanzbodens genau mitmacht. Einen derartigen

Kohlenkontakt auf einem Resonanzboden nennt man ~Mikrophon~.

[Illustration: Abb. 172. Schema einer Telephonanlage.]

Jedoch auch diese Vorrichtung genügte nicht, wenn man auf sehr große

Entfernungen sprechen wollte; der Strom des Elementes wurde in

einer langen Leitung zu sehr geschwächt. Aber gerade der Umstand,

daß der durch das Mikrophon gehende Strom durch die Schallwellen in

Schwankungen gerät, ermöglicht es uns, ihn zu transformieren, auf eine

andere Spannung zu bringen, genau so, wie wir die Wechselströme in

den Transformatoren transformiert haben. Die sich dadurch ergebende

Schaltungsweise ist aus Abb. 172 zu erkennen: I und II bezeichnen die

beiden Fernsprechstationen. Wird nun in I gesprochen, so macht der

Strom folgenden Weg: er fließt von Element _E₁_ durch das Mikrophon

_M₁_ und durch die um einen Eisenkern _K_ gewundene primäre (dicke)

Wickelung _p_ der Induktionsrolle _J₁_ zum Element _E₁_ zurück. Beim

Durchgang durch das Mikrophon, gegen welches gesprochen wird, wird

er bald stärker, bald schwächer, gerät also in Schwankungen. Dieser

unstete Strom wird beim Durchgang durch _pp_ in _J₁_ in der sekundären

Wickelung _ss_ auf hohe Spannung und geringe Stromstärke transformiert,

so daß er jetzt ohne erhebliche Verluste in die Ferne geleitet werden

kann. Er geht von _J₁_ zuerst durch das Telephon _T₁_, durch den einen

Ferndraht zu dem Telephon _T₂_, durch _J₂_ und durch den anderen

Ferndraht nach _J₁_ zurück. Da er in den Telephonen deren Stahlmagnete

umkreist, teilt er ihrem Magnetismus seine eigenen Schwankungen mit,

dadurch gerät die Eisenmembran in Schwingung, so daß man die gegen _M₁_

gesprochenen Worte in _T₂_ hören kann. In der gleichen Weise kann man

von Station II nach Station I sprechen.

Bei einer praktischen Fernsprechanlage muß natürlich noch ein

Anrufwecker (Klingel) und eine Vorrichtung vorhanden sein, die es

gestattet, wenn nicht gesprochen wird, den Batteriestrom auszuschalten,

damit die Elemente nicht erschöpft werden. (Siehe auch ~Herstellung

einer Telephonanlage~ im Anhang.) --

An dieser Stelle sei noch die Beschreibung der Herstellung der beiden

vorerwähnten Meßinstrumente für Wechselstrom, dessen theoretische

Betrachtungen auf Seite 187 nicht unterbrochen werden sollten,

nachgeholt.

[Sidenote: Das Hitzdrahtinstrument.]

Ein genau arbeitendes Hitzdrahtinstrument können wir uns nicht

selbst herstellen, wenigstens nicht für geringe Stromstärken, da

es ohne korrigierende Vorrichtungen auch auf die Schwankungen der

Lufttemperatur reagiert. Da es aber theoretisches Interesse darbietet,

auch zur Demonstration sehr geeignet und, wenn keine Ansprüche an

Genauigkeit und Präzision gestellt werden, sehr leicht anzufertigen

ist, so sei seine Herstellung hier beschrieben.

[Illustration: Abb. 173. Das Hitzdrahtinstrument.]

[Illustration: Abb. 174. Lager für den Zeiger des Hitzdrahtinstrumentes

(Vertikalschnitt).]

[Illustration: Abb. 175. Dasselbe (Horizontalschnitt).]

Auf ein langes, schmales Grundbrett _a_ (Abb. 173), das mit Stollen

zu versehen ist, wird ein rechteckiges Brett _b_ aufgeschraubt. In

der linken oberen Ecke wird die Lagervorrichtung _c_ für den Zeiger

befestigt. Letztere ist in Abb. 174 und 175 besonders dargestellt.

Auf ein längliches, etwa 1 _mm_ starkes Messingplättchen _d_ wird der

zweimal rechtwinkelig gebogene Bügel _e_ aufgelötet, der aus einem

1 bis 1,5 _mm_ starken Messingblechstreifen gefertigt ist. Dieser

Bügel erhält auf der Innenseite bei _f_ einen ziemlich tiefen mit

einem Körner eingeschlagenen Punkt und bei _g_, genau dem Körnerpunkt

gegenüber, ein Loch, in das ein Muttergewinde geschnitten wird, damit

darin die Schraube _h_ eingedreht werden kann. Letztere erhält bei

_i_ ebenfalls einen Körnerpunkt. Ein etwa 2 _mm_ starkes, rundes

Eisenstiftchen _k_ wird auf beiden Seiten zugespitzt und muß zwischen

_f_ und _i_ eingespannt werden können. An dieses Stiftchen wird ein

2 _mm_ starker Eisendraht angelötet und an dem kurzen auch noch

etwas über _k_ hinaussehenden Ende zum Häkchen _m_ gebogen. Soll das

Instrument für Ströme mit mehreren Amperes bestimmt sein, so muß der

Zeiger, um stärker belastet werden zu können, aus einem Blechstreifen

hergestellt werden, etwa so, wie Abb. 176 zeigt.

[Illustration: Abb. 176. Zeiger für das Hitzdrahtinstrument.]

Das Stiftchen wird nun eingesetzt und die Schraube _h_ soweit

angezogen, daß _k_ nicht herausfallen, sich aber noch leicht drehen

kann. Dann wird ein Draht aus Nickelin (es kann auch Eisen, Platin,

sogar Kupfer verwendet werden), dessen Dicke sich nach den zu messenden

Stromstärken richten muß, an einem Ende mit einer Schleife versehen,

hiermit in das Häkchen _m_ eingehängt und, von vorn gesehen, einmal

links herum um _k_ gewunden und dann an der Klemme β befestigt. Der

Draht muß so gespannt werden, daß der Zeiger _l_ horizontal liegt.

Die Klemme α wird noch durch einen Kupferdraht mit _c_ verbunden,

wonach eine Skala, wie in Abb. 173 zu sehen ist, auf _b_ angebracht

wird. Der Zeiger wird durch das Scheibchen _n_ aus Messing- oder

Bleiblech so weit beschwert, daß der Draht straff gespannt ist. Die

Drahtdicke muß sich, wie schon erwähnt, nach der Stromstärke richten.

Für die Wechselströme, die die auf Seite 138 u. f. beschriebenen

magnetelektrischen Maschinen liefern, wird ein 12 bis 15 _cm_ langer

(Strecke β bis _c_ Abb. 173), 0,1 bis 0,2 _mm_ starker Nickelindraht

richtig sein. Ist der Draht aus einem besser leitenden Metall, so muß

er dünner und nötigenfalls auch länger sein.

Die Wirkungsweise des Instrumentes ist sehr einfach. Fließt durch den

Draht ein Strom, so entwickelt sich infolge seines großen Widerstandes

Joulesche Wärme (von der wir auf Seite 202 sprachen); der Draht wird

deshalb länger und läßt den Zeiger sinken.

[Sidenote: Das Elektrodynamometer.]

Das ~Elektrodynamometer~ können wir bei sorgfältiger Ausführung

weit empfindlicher und genauer arbeitend herstellen als das

Hitzdrahtinstrument. Es besteht aus einer festen und einer beweglichen

Drahtspule. Da beide Spulen gleichzeitig vom Strome durchflossen

werden, so wird die bewegliche immer nach der gleichen Seite hin

abgelenkt, auch wenn sich die Stromrichtung umkehrt.

[Illustration: Abb. 177. Das Elektrodynamometer.]

Abb. 177 zeigt ein Elektrodynamometer von oben gesehen. Wir stellen aus

Messingblech einen Rahmen _a_ her, etwa 10 _cm_ lang, 2,5 _cm_ hoch

und 1,5 _cm_ breit. Dieser Rahmen wird mit etwa 20 _m_ eines 0,7 bis

0,8 _mm_ starken, isolierten Kupferdrahtes bewickelt. Je schwächer der

zu messende Strom ist, desto dünner und länger muß der Draht sein. Ein

zweiter Rahmen _b_, der in den ersten hineinpaßt, wird mit etwa 15 _m_

Draht bewickelt. In die Mitten der Langseiten werden bei beiden Rahmen

2 _mm_ weite Löcher gebohrt; auf diese Löcher werden bei dem größeren

Rahmen (_a_) außen kurze Stückchen eines 3 _mm_ weiten Messingrohres

aufgelötet, damit das Loch nicht von der Bewickelung verdeckt wird; bei

dem kleineren Rahmen (_b_) wird durch die beiden ein 2 _mm_ starkes

Messingstäbchen als Achse gesteckt; letzteres soll ziemlich fest

sitzen, aber in den Bohrungen von _a_ sich leicht drehen können. Das

eine Ende der Bewickelung von _b_ wird an der Achse angelötet; das

andere Ende wird zu einem runden Blechscheibchen _c_ geführt, das mit

Schellackkitt (Seite 5) auf _b_ befestigt wird. Auf diesem Scheibchen

liegt das eine Ende der Bewickelung von _a_ auf. Jetzt wird der

größere Rahmen, wie aus der Abbildung zu sehen ist, auf ein senkrecht

stehendes Brett _d_ mit Schellackkitt aufgekittet. Die Klemme α wird

mit dem noch freien Drahtende von _a_, die Klemme β mit einem an dem

Rahmen von _a_ angelöteten Draht verbunden. Sollte der Rahmen _b_ sich

im indifferenten Gleichgewicht befinden, so muß er so beschwert werden,

daß seine Längsachse in der Ruhelage lotrecht steht.

Wird das Instrument von einem Strome, sei es ein Gleich- oder ein

Wechselstrom, durchflossen, so wird der Rahmen _b_ aus seiner

lotrechten Lage abgelenkt. Wir können an dem beweglichen Rahmen einen

Zeiger und auf _d_ eine Skala anbringen und das Instrument durch

Vergleich mit einem anderen eichen; dabei müssen natürlich das zu

eichende und das Vergleichsinstrument hintereinander geschaltet werden

(siehe auch Seite 98).

Das im Anhang beschriebene Universalinstrument ist ebenfalls

für Wechselströme verwendbar. Wir können uns, wenn uns der oben

beschriebene Apparat zu einfach und das Universalinstrument zu

umständlich ist, etwa in der Mitte zwischen beiden halten.

So können wir z. B. das oben beschriebene Instrument dadurch wesentlich

verfeinern, daß wir die Lager der beweglichen Spule sorgfältiger

herstellen, indem wir folgendermaßen verfahren: In die Mitten der

Längsseiten der äußeren Spule wird, wie auch schon oben beschrieben, je

ein Messingröhrchen eingesetzt. Nun darf aber die Achse der beweglichen

Spule nicht in diesen Röhrchen gelagert sein, sondern muß freien

Spielraum in ihnen haben und besonders gelagert werden. Zu diesem

Zweck wird das Brett _d_ so durchbohrt, daß das Loch eine Fortsetzung

zu den durch die Messingröhrchen gebildeten Öffnungen in der äußeren

Spule darstellt. Die Lagerung der Achse kann dann in der auf Seite 205

beim Hitzdrahtinstrument beschriebenen Weise hergestellt werden; die

Stromzuführung geschieht in dem Fall entweder durch zwei auf der Achse

sitzende Schleifringe oder nach der im Anhange beim Universalinstrument

beschriebenen Methode. Auch ist es besser, die innere Spule so zu

gestalten, daß ihre Längsachse die größere Ausdehnung hat.

[5] Unter einem magnetischen Feld versteht man den von Kraftlinien

durchdrungenen Raum in der Nähe eines Magneten.

[Illustration]

Fünfter Vortrag.

Von der Geissler- zur Röntgenröhre.

Um anschauliche Experimente über den Durchgang der Elektrizität durch

verdünnte, das heißt unter geringem Druck stehende Gase vorzuführen,

brauchen wir vor allem eine hinreichend starke Quelle für hochgespannte

Elektrizität. Für geringe Ansprüche genügen schon Funkeninduktoren

von 1 bis 2 _mm_ Funkenlänge. Je größer und leistungsfähiger unser

Apparat ist, desto glänzender und vielseitiger können wir unsere

Versuche gestalten. Für sehr viele hierher gehörende Experimente ist

die Influenzelektrisiermaschine dem Funkeninduktor vorzuziehen, da bei

ihr, wenn man keine Kondensatoren einschaltet, die Lichterscheinungen

ruhiger sind. Sie hat freilich den Nachteil, daß wir zu ihrer Bedienung

eine zweite Person brauchen, und ferner, daß sie bei feuchtem Wetter

nie sicher arbeitet.

Da sich für die Verwendung von Leidener Flaschen beim Gebrauch der

Influenzmaschine für die einzelnen Fälle keine genauen Angaben

machen lassen, so sei hier ein für allemal gesagt, daß man sämtliche

Experimente mit verschiedenen Kapazitäten anstellen soll; es ist auch

hier der im Anhang beschriebene variable Kondensator recht brauchbar;

es ist dann leicht zu erkennen, in welchem Falle man die bessere

Wirkung erzielt. Der Kondensator verstärkt meist die Wirkung, die

Lichterscheinungen werden aber unruhig und zuckend.

Rudi bediente sich seiner selbstgefertigten Influenzmaschine

(Seite 19 u. f.), die wir noch vom ersten Vortrage her kennen. Er

hatte ja eine unermüdliche Assistentin, seine Schwester Käthe, die

ihm bei allen Versuchen die Maschine drehte. Außerdem hatte er

sich eine Trockenvorrichtung hergestellt, so daß er auch von dem

Feuchtigkeitsgrade der Luft nur noch wenig abhängig war.

[Sidenote: Der Trockenapparat.]

Diese Trockenvorrichtung bestand aus einem Eisenblech, das etwa 30

_cm_ länger und breiter war als das Grundbrett der Maschine und an

dessen vier Ecken je eine lange Eisenstange eingenietet war, so daß das

Eisenblech auf den vier Füßen hoch genug stand, um die Influenzmaschine

unter sich aufzunehmen. Rechts und links von der Maschine stellte Rudi

dann zwei Argandbrenner[6] mit Asbestzylinder so auf, daß der obere

Zylinderrand sich etwa 6 _cm_ unter dem Eisenblech befand. Etwa zehn

Minuten vor Gebrauch der Maschine zündete er die Lampen an; solange er

die Maschine benützte, stellte er sie aber beiseite und ließ nur noch

das heiße Eisenblech über ihr (Abb. 178).

[Illustration: Abb 178. Trockenapparat für die Influenzmaschine.]

Da an dem Tag des Vortrages die Luft außerordentlich trocken war,

hielt es Rudi für überflüssig, den Trockenapparat zu verwenden. Er

probierte kurz vor dem Vortrag alle wichtigen Experimente noch einmal

durch, und sie gelangen mit seltener Leichtigkeit. Aber während des

Vortrages wurde die Wirkung der Maschine immer schlechter, und er mußte

schließlich entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben den Funkeninduktor

verwenden.

Es war Rudi bald klar, daß diese Störung nur daher kommen konnte, daß

durch die Anwesenheit der vielen Personen die Luft im Zimmer ständig

feuchter wurde. Er ließ deshalb bei dem nächsten Vortrage seine Hörer

sich in einem anderen Zimmer versammeln und erst kurz vor Beginn

in den Vortragsraum eintreten. Ferner hatte er die Maschine, bis er

sie zum ersten Male gebrauchte, im angrenzenden Zimmer unter dem

Trockenapparate stehen. Erst zum Beginn der ersten Experimente brachte

Käthe die Maschine samt dem heißen Blechdach, aber ohne die Lampen,

herein.

[Illustration: Abb. 179. Schnitt durch die Vakuumpumpe.]

[Sidenote: Die Vakuumpumpe.]

Um zu zeigen, wie sich der Ausgleich der Elektrizitäten einer

Influenzelektrisiermaschine in einem abgeschlossenen Raum bei

zunehmender Verringerung des Luftdruckes verändert, bedürfen wir einer

Luftpumpe, einer sogenannten Vakuumpumpe, die man sich in einfacher

Form ziemlich leicht selbst herstellen kann.

Abb. 179 zeigt den Schnitt durch eine solche Pumpe, die an jedem Tische

befestigt werden kann, und für die wichtigsten Versuche ausreicht.

(In der Abbildung ist der Zylinder der Pumpe im Verhältnis zum Teller

größer gezeichnet, damit die einzelnen Teile deutlicher sichtbar sind.)

Den Teller _a_ sägen wir aus einem 1 bis 2 _cm_ dicken Brette von

Hartholz; er soll einen Durchmesser von 20 bis 25 _cm_ bekommen und

muß vollkommen eben und in der Mitte mit einer Bohrung versehen sein.

Um einem Verziehen des Holzes vorzubeugen, bestreichen wir ihn mit

geschmolzenem Paraffin, das wir ziemlich reichlich auftragen und dann

mit einem recht heißen Plätteisen nochmals überfahren, damit es gut in

alle Poren des Holzes eindringt.

Solange das Brett noch warm ist, wird auf die Oberseite eine 2 bis

3 _mm_ dicke Schicht unseres bekannten Kolophonium-, Wachs- oder

Leinölkittes, der ziemlich ~hart~ sein soll (Seite 66), aufgetragen.

Darauf wird eine runde, ebenfalls mit einem Loch versehene angewärmte

Glasplatte (_c_) (womöglich Spiegelglas) vorsichtig aufgepreßt (über

das Durchbohren von Glas siehe Seite 12 und 13).

Nach dem Erkalten muß die Glasplatte eben, bei Spiegelglas nur

leicht matt abgeschliffen werden. Wir befreien eine unbrauchbare

photographische Platte in der Größe von 9 × 12 _cm_ von ihrer

Gelatineschicht und kitten mit Kolophonium-Wachskitt ein etwa 5 × 8

_cm_ großes und 2 _cm_ dickes Holzklötzchen auf. Jetzt beschaffen

wir uns die drei feinsten Nummern Schmirgelpapier, überschwemmen die

ganze Glasplatte mit Wasser, streuen reichlich von dem wenigst feinen

Schmirgel darauf und schleifen mit der Glasplatte die Platte des

Tellers eben, wobei wir den an der Glasplatte befestigten Holzklotz

als Griff benutzen. Beide Glasplatten werden matt, aber zuerst nur

an einzelnen, an den erhabenen Punkten. Um sich von Zeit zu Zeit von

dem Fortgang der Arbeit zu überzeugen, spült man den Glasteller mit

Wasser ab und reibt ihn dann mit einem Tuche trocken. Die geebneten

Stellen sind dann, da sie matt sind, leicht von den noch unebenen zu

unterscheiden. Ist die ganze Platte gleichmäßig matt, was nach etwa

einer halben Stunde tüchtigen Schleifens erreicht sein dürfte, dann

schleifen wir während der Hälfte der bis jetzt aufgewendeten Zeit

mit dem feineren, ebensolange mit dem feinsten Schmirgelpulver und

schließlich ohne solches -- nur mit Wasser -- nach.

Jetzt besorgen wir uns ein rechtwinkelig gebogenes Gasleitungsrohr

_d_; beide Enden werden mit Gewinden versehen. Das Rohr muß sich

gerade durch das Loch von _a_ hindurchschieben lassen. An dem kürzeren

Schenkel wird der Ring _e_ angelötet, auf welchem _a_ aufliegt. Dann

wird ein das Rohr eng umschließender Gummiring _f_ aufgelegt und mit

der Schraubenmutter _g_ gegen _c_ gepreßt. Die Schraubenmutter wird

schließlich an _d_ angelötet.

Die Verbindungsstelle zwischen Rohr und Teller wird mit der Zeit leicht

undicht; man kann deshalb gleich von vornherein alle in Frage kommenden

Fugen mit Schellackkitt (Seite 5), auch Siegellack oder Emaillack

überziehen, hauptsächlich auf der Seite, von welcher der Luftdruck

wirkt, also auf der Außenseite.

Der zweite wichtige Bestandteil unseres Apparates ist der sogenannte

~Zweiwegehahn~. Er ist in der Abb. 179 im Querschnitte gezeichnet. Wir

stellen ihn aus einem einfachen Gashahn (Abb. 180) her, den wir am

besten neu kaufen. Ein solcher Hahn besteht aus einem kugelförmigen

Mittelstück und zwei mit Gewinden versehenen Rohransätzen. In dem

Mittelstück kann ein konischer Bolzen, der quer durchbohrt ist, gedreht

werden. Steht diese Bohrung senkrecht zur Achse der Rohransätze, so ist

der Hahn geschlossen, wird dieser um 90° gedreht, so ist er geöffnet.

An den meisten Gashähnen sind in den Bolzen kleine Stifte, die eine

Drehung von mehr als 90° verhindern; diese müssen entfernt werden, so

daß man den Bolzen vollständig umdrehen kann. Jetzt wird letzterer

so gestellt, daß der Hahn geöffnet ist; dann bohren wir durch das

Mittelstück und durch die Hälfte des Bolzens ein Loch, wie dies aus den

Abbildungen deutlich zu sehen ist (_h_ in Abb. 179).

[Illustration: Abb. 180. Der in einen Zweiwegehahn veränderte Gashahn.]

Der dritte Bestandteil ist die Pumpe. Wir kaufen uns ein 2 bis 3

_cm_ weites, etwa 30 _cm_ langes starkwandiges Messingrohr (_i_).

In dem einen Ende dieses Rohres wird der Ring _k_ eingelötet, der

mit einem Muttergewinde versehen ist. In letzteres wird der Hahn _h_

eingeschraubt und ebenfalls verlötet.

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 15 / 24 段