Schon im vorigen Vortrag wurde erwähnt, daß ein- und austretende

Kraftlinien in jedem Leiter der Elektrizität, von welcher

Beschaffenheit oder Gestalt er auch sei, Induktionsströme hervorrufen.

Wird eine Drahtspule von einem Strome durchflossen, den wir abwechselnd

öffnen und schließen, so werden in ihr die Kraftlinien, die eine der

vielen Windungen aussendet, die benachbarten Windungen treffen und

dadurch in diesen Induktionsströme hervorrufen. Es fließt also hier der

induzierende und der induzierte Strom in einem und demselben Drahte.

Dabei ist die Richtung des induzierten Stromes, wie wir mit Hilfe der

Maxwellschen Regel feststellen können, beim Schließen des primären

Stromes diesem entgegengesetzt, beim Öffnen mit ihm gleichgerichtet.

Diese Tatsachen können wir durch ein sehr einfaches Experiment

erläutern. Wir verbinden den einen Pol einer Stromquelle mit

einer Blechplatte, den anderen mit einem spitzen Nagel, den wir

zur bequemeren Handhabung durch das vordere Ende eines Holzstabes

geschlagen haben. Wir drücken abwechselnd den Nagel auf das Blech und

heben ihn wieder ab. In dem Augenblick, in welchem sich die Spitze von

dem Blech entfernt, können wir das Auftreten eines kleinen Fünkchens

beobachten. Diese Erscheinung wird etwas verstärkt, wenn wir einen

der Verbindungsdrähte, statt ihn ausgestreckt zu lassen, auf einen

Bleistift aufwickeln; noch mehr verstärkt wird sie, wenn wir die

Drahtspulen z. B. eines Elektromagneten in den Stromkreis einschalten.

Der beim Schließen des Stromes entstehende Induktionsstrom ist, wie man

auch schon an dem viel kleineren Funken erkennt, schwächer -- da er dem

Hauptstrom ~entgegen~fließt -- als der beim Öffnen entstehende. Die

beim Schließen und Öffnen auftretenden Funken nennt man Schließungs-

und Öffnungsfunken.

Diese Art von Induktion nennt man ~Selbstinduktion~, die dabei

auftretenden Ströme ~Extraströme~. Sie entstehen nicht nur beim Öffnen

und Schließen des Hauptstromes, sondern bei jeder Veränderung in seiner

Stärke oder Richtung.

[Sidenote: Wirbelströme.]

Wir wollen jetzt sehen, wie sich diese Ströme in Leitern verhalten, die

nicht die Gestalt eines Drahtes haben, z. B. in den Eisenankern von

Dynamomaschinen. Hier wären massive Eisenmassen der Induktionswirkung

derartig stark ausgesetzt, daß die darin auftretenden Induktionsströme,

die in diesem speziellen Fall ~Wirbelströme~ genannt werden, die

größten Verluste verursachen würden, weil sich dabei die zur Drehung

des Ankers aufgewandte Energie zum großen Teil statt in Elektrizität

in Wärme verwandeln würde. Es werden deshalb bei größeren Maschinen

die Anker nicht aus einem Stücke hergestellt, sondern quer zu der

Richtung der Wirbelströme unterbrochen, indem sie aus vielen dünnen

Eisenblechplättchen, die durch Papierscheiben voneinander isoliert

sind, zusammengesetzt werden.

[Illustration: Abb. 133. Apparat zur Demonstration der Wirbelströme

(von oben gesehen).]

[Illustration: Abb. 134. Derselbe von der Seite gesehen.]

Um zu zeigen, wie stark die Erwärmung von Leitern durch Wirbelströme

werden kann, können wir uns einen Apparat herstellen, den Abb. 133 von

oben, Abb. 134 von der Seite zeigt. _a_ ist ein starkes Grundbrett; auf

diesem ist an dem Gestell _b_ der starke Elektromagnet _c_ befestigt.

Die Form des Elektromagneten, dessen Pole sich einander unmittelbar

gegenüberstehen müssen, geht zur Genüge aus der Abbildung hervor. Es

sei nur erwähnt, daß der die beiden Schenkel verbindende Bügel, da er

ziemlich lang ist, recht stark sein muß. Die Polenden sollen 4 bis

höchstens 5 _mm_ voneinander abstehen. Zwischen den Polen soll sich

der Rand einer 2 _mm_ starken Kupferscheibe _d_ bewegen. Wir können

auch ein anderes Metall verwenden als Kupfer, das ziemlich teuer ist;

nur Eisen ist ungeeignet, da es von dem Magneten angezogen wird; wir

müßten es ganz genau in der Mitte zwischen den beiden Polen drehen, was

aber nur sehr schwer zu erreichen ist, da man selten eine völlig ebene

Blechplatte bekommen wird. Die Scheibe wird von einer Achse getragen,

die in Lagern auf den beiden Lagerträgern (_e_) ruht. Die Lager sind

wie üblich herzustellen (siehe Seite 22). An dem einen Ende der Achse

wird eine kleine Welle (_f_) angebracht und darunter ein großes

Übersetzungsrad (_g_), das mit einer Kurbel (_h_) versehen wird und um

eine in dem Lagerträger befestigte Achse gedreht werden kann. Über das

große und das kleine Triebrad wird eine starke Schnur oder ein runder

Riemen gelegt, der sehr straff angespannt sein muß.

Schicken wir nun durch den Elektromagneten einen starken Strom und

lassen die Scheibe rotieren, so werden wir zuerst wahrnehmen, daß die

Scheibe unserer Kraft einen umso größeren Widerstand entgegensetzt, je

rascher wir sie drehen wollen. Erhalten wir die Kupferscheibe längere

Zeit in möglichst rascher Rotation, so wird sie sich so stark erhitzen,

daß daraufgegossenes Wasser laut zischend verdampft.

[Sidenote: Dämpfung.]

Ein zweiter Versuch zeigt, ~daß diejenigen Ströme, die in einem sich

in einem magnetischen Felde bewegenden Leiter entstehen, stets so

gerichtet sind, daß sie diesen Leiter in der entgegengesetzten Richtung

zu bewegen streben~. Dieses Gesetz ist zuerst von Lenz ausgesprochen

und nach ihm das ~Lenzsche Gesetz~ genannt worden. Um den Versuch

auszuführen, nehmen wir die Schnur von dem Triebrad und der kleinen

Welle herunter und versetzen, bevor der Elektromagnet erregt ist, die

Scheibe in rasche Rotation, indem wir das freie Achsenende zwischen

Daumen und Zeigefinger drehen. Wir werden jetzt längere Zeit warten

müssen, bis die Scheibe wieder zur Ruhe kommt; darauf drehen wir sie

nochmals an und schließen dann den Strom, der den Elektromagneten

erregt; fast sofort wird die Scheibe zur Ruhe kommen.

Diese Tatsache wird dazu benutzt, um die großen Schwingungszeiten

der Nadeln von empfindlichen Meßinstrumenten zu ~dämpfen~, indem die

z. B. auf eine Drahtspule reagierenden Magnete sich zwischen massiven

Kupferplatten bewegen müssen, in denen sie bei ihrer Bewegung Ströme

induzieren, die sie -- die Magnete -- in entgegengesetzter Richtung zu

bewegen bestrebt sind. Dadurch wird ein zu langes Hin- und Herschwingen

verhindert.

[Sidenote: Einfache Elektrisiermaschine.]

Wir haben gesehen, daß in einer einfachen Drahtspule beim Öffnen und

Schließen des Stromes Induktionsströme entstehen, die so hoch gespannt

sind, daß sie sogar einen kleinen Luftwiderstand unter Bildung eines

Funkens überwinden können. Daß ein solcher Strom, wenn er durch den

menschlichen Körper geleitet wird, in diesem deutlich gefühlt werden

muß, ist ziemlich klar.

[Illustration: Abb. 135. Schema einer elektrischen Klingel.]

Wir wollen nun sehen, wie wir eine einfache elektrische Klingel als

Elektrisiermaschine gebrauchen können. Wir verbinden die Klingel unter

Einschalten eines Kontaktknopfes wie üblich mit einer Stromquelle. Um

unnötiges Geräusch zu vermeiden, stopfen wir die Glockenschale mit

Papier aus. Die Stellschraube an der Kontaktfeder stellen wir so, daß

der Hammer sich möglichst rasch hin und her bewegt. Betrachten wir das

Schema einer elektrischen Klingel in Abb. 135, so fließt der Strom von

der Klemme _a_ durch die Windungen des Elektromagneten _b_ nach _c_ und

durch die Feder und den Anker zur Kontaktspitze _d_, von wo er über _e_

zur Batterie zurückkehrt. Wird nun der Anker angezogen und dadurch der

Strom unterbrochen, so entsteht bei _d_ ein Öffnungsfunke; in diesem

Augenblick muß also die Spannungsdifferenz zwischen _c_ und _d_ sehr

groß gewesen sein. Schließen wir den Strom, so daß der Hammer ständig

hin und her schwingt, und berühren wir mit der einen Hand _c_, mit der

anderen _d_, so wird der Öffnungsstrom lieber den geringeren Widerstand

unseres Körpers als den großen Luftwiderstand bei _d_ überwinden und

deshalb zum größten Teil unseren Körper durchfließen.

Wir können uns, um nicht immer _c_ und _d_ anfassen zu müssen, aus zwei

Messingrohrstücken Handeln machen. An dem einen Ende des Rohres löten

wir einen etwa 1 _m_ langen isolierten Kupferdraht fest und treiben

auf der gleichen Seite einen Holzzapfen, der als isolierender Griff

dienen soll, in die Röhre. Die freien Enden der Drähte werden dann

mit _c_ und _d_ verbunden. Wollen wir für weitere Versuche die Stärke

des elektrisierenden Stromes verändern, so müssen wir den Hauptstrom

entsprechend regeln.

[Sidenote: Der Induktionsapparat.]

Der einfache Induktionsapparat dient dazu, Ströme niederer Spannung

in solche hoher Spannung umzuwandeln. Man kann deshalb auch einen

derartigen Apparat als Transformator bezeichnen.

Im wesentlichen kennen wir den Apparat schon aus dem vorigen Vortrag.

Er besteht aus einer inneren Drahtspule mit wenig Windungen eines

dicken Drahtes und aus einer äußeren mit sehr viel Windungen eines

dünnen Drahtes. Da, wie wir gesehen haben, die elektromotorische Kraft

des Induktionsstromes mit von der Zahl der Kraftlinien abhängt, die

ihn erzeugen, so wickeln wir den inneren, den primären Draht auf einen

Eisenkern auf. Damit in diesem keine schädlichen Wirbelströme auftreten

können, fertigen wir ihn nicht aus einem massiven Stück, sondern setzen

ihn aus einzelnen Drahtstücken zusammen. Wir verwenden geglühten,

oxydierten Eisendraht von 0,5 bis 1,5 _mm_ Stärke. Bevor wir den Draht

in einzelne Stücke zerschneiden, müssen wir ihn strecken, da sonst,

wenn die Stäbchen verbogen und verbeult sind, in dem Kerne unnütze

Hohlräume entstehen. Zu diesem Zwecke befestigen wir in einem langen

Zimmer oder im Korridor etwa an einer Türklinke das eine Drahtende;

am anderen Ende des Raumes wickeln wir den Draht einige Male um einen

etwa fingerstarken Holzstab und ziehen nun, den Stab mit beiden Händen

umfassend, so lange und so stark an dem Draht, bis er an irgend einer

Stelle reißt. Man ziehe vorsichtig, daß man beim Riß nicht zu Boden

stürze. Den nun völlig geraden Draht läßt man ausgestreckt am Boden

liegen und schneidet ihn hier in die einzelnen Stäbchen auseinander.

Letztere werden mit dünner Schellacklösung bestrichen, nach dem

Trocknen zu einem Bündel zusammengelegt und fest mit Leinenfaden in

regelmäßig aneinanderliegenden Windungen umbunden.

Unmittelbar auf den Eisenkern, der auf beiden Seiten höchstens 0,5

_mm_ frei bleiben soll, wird der primäre Draht in zwei bis vier Lagen

(genaueres über Drahtmaße siehe Seite 134 u. f.) und in einer Stärke

von 0,8 bis 2 _mm_ möglichst regelmäßig aufgewunden. Das Anbringen von

Randscheiben ist gänzlich überflüssig und hindert nur nachher beim

Wickeln der sekundären Spule.

Nachdem die Enden des primären Drahtes durch Anbinden vor dem Aufrollen

bewahrt sind, wird die Spule mit zwei bis drei Lagen eines starken in

Schellack getränkten Papiers umgeben. Der Rand der Papierhülle soll auf

beiden Seiten genau mit der untersten Drahtlage abschneiden.

Sobald der Schellack getrocknet ist, können wir mit dem Wickeln

der sekundären Spule beginnen. Am geeignetsten ist ein möglichst

dünner mit Seide umsponnener Kupferdraht. Verwenden wir einen mit

Baumwolle isolierten Draht, so muß dieser während der Bewickelung mit

Schellacklösung bestrichen werden. Die einzelnen Windungen müssen

sauber und genau nebeneinander gelegt und jede Lage muß, bevor die

nächste darüber gewickelt wird, mit einem dünnen, in Schellack oder

heißes Paraffin getauchten Papier umgeben werden. Alle Lagen sollen

gleichviel Windungen haben, damit sie alle gleich lang sind. Die

dazwischen gelegten Papiere sollen auf jeder Seite 1 _mm_ über die

äußerste Windung hinaussehen. Sollte beim Wickeln der Draht reißen,

oder werden von vorneherein mehrere Drähte verwendet, so dürfen die

Verbindungsstellen, die zu verlöten sind, nicht mitten in der Lage

sein, sondern sind an ihren äußersten Rand zu verlegen. Wir müssen

also den Draht, wenn er nicht zufällig aufgeht, da abschneiden, wo er

eine Lage beendet hat. Bei kleinen Apparaten, an die wir keine großen

Anforderungen stellen, braucht dieser Umstand nicht berücksichtigt zu

werden, und man kann den Draht sparen.

[Sidenote: Die Spulmaschine.]

Das Bewickeln führt man am besten mit der Hand aus. Es ist ein

zeitraubendes und mühsames Geschäft, namentlich wenn der Draht sehr

dünn ist; wir können es aber, die nötige Geduld vorausgesetzt, mit

der Hand pünktlicher machen, als mit einer Spulmaschine, die freilich

den großen Vorteil der Zeitersparnis für sich hat. Abb. 136 zeigt

eine solche Einrichtung. Die Spule, auf die wir aufwickeln, ist

mit _c_ bezeichnet und sitzt fest auf einer aus starkem Eisendraht

hergestellten Kurbel. _b_ ist die Rolle, von der der Draht abgenommen

wird; damit er immer straff gespannt bleibt, wird _b_ durch die Feder

_a_ gehemmt. Je breiter die Spule _c_, desto größer muß ihr Abstand von

_b_ sein.

[Illustration: Abb. 136. Spulmaschine.]

Ist auch die sekundäre Spule fertig gewickelt, so werden ihre beiden

Drahtenden vorläufig in der Mitte über der Rolle zusammengedreht.

Dann können die Randscheiben aus dünnem Holz oder aus schellackierter

Pappe angebracht werden. Diese Scheiben sitzen an den freien Enden des

Drahtkernes fest auf. Der etwa noch vorhandene Zwischenraum zwischen

ihnen und der Spule wird mit Paraffin ausgegossen. Ist dies erkaltet,

so umgeben wir die ganze Rolle mit einer Schutzhülle aus Karton, die

mit den Randscheiben abschneidet. Die Enden des die Hülle bildenden

Kartonstreifens werden zusammengeleimt oder durch Umwickeln mit einer

Lage Bindfaden zusammengehalten. Die Drahtenden der sekundären Spule

werden durch zwei Löcher in der Kartonhülle herausgeleitet.

In zwei quadratische Brettchen sägen wir je einen runden Ausschnitt,

der gerade so groß ist, daß wir die fertige Spule hindurchschieben

können. Auf einem Grundbrett von passender Größe werden diese beiden

Brettchen so befestigt, daß die durch die beiden Löcher geschobene und

hier angeleimte Spule auf beiden Seiten etwa 1 _cm_ frei herausragt.

Auf den beiden Brettchen bringen wir zwei Klemmschrauben an, mit denen

wir die freien Enden des sekundären Drahtes verbinden.

[Illustration: Abb. 137. Schnitt durch einen einfachen

Induktionsapparat.]

Die Abb. 137 und 138 veranschaulichen diese Anordnung im Schnitt und im

Grundriß. _a_ zeigt das Grundbrett, _b_ die quadratischen Brettchen,

in deren runden Löchern die Spule ruht. _c_ ist der Eisenkern, _d_

die primäre, _e_ die sekundäre Wickelung und mit _f_ sind die beiden

Klemmen bezeichnet.

Daß wir Induktionsströme erzeugen können, indem wir den primären

Strom abwechselnd schließen und öffnen, haben wir bereits gesehen.

Wir bringen deshalb an unserem Apparat eine Vorrichtung an, die

die Unterbrechung in regelmäßigen, sehr rasch aufeinanderfolgenden

Intervallen selbsttätig ausführt. Eine solche Einrichtung kennen

wir schon von der elektrischen Klingel her (Seite 113). Die von der

Klingelkonstruktion kaum abweichende Form des ~Unterbrechers~ an

unserem Induktionsapparat ist aus den beiden Figuren zu erkennen:

_g_ ist ein Eisenanker, der an der Feder _h_ angelötet ist; letztere

ist an der Messingsäule _i_ so befestigt, daß _g_ gerade vor dem

Eisendrahtkern steht, und zwar in einem Abstande von 2 bis 3 _mm_. _k_

ist die in einer Messingsäule verschraubbare Stellschraube, die mit

einer Kontaktspitze aus Platin versehen ist. Wie die Enden des primären

Drahtes mit den Klemmen α und β verbunden werden, ist aus der Abb. 138

ersichtlich.

[Illustration: Abb. 138. Einfacher Induktionsapparat von oben gesehen.]

Bei diesem Apparat können wir die Stärke des Induktionsstromes nicht

unmittelbar regeln. Da es jedoch oft von Vorteil ist, diese je nach

Bedarf ändern zu können, so sei weiterhin noch eine andere Form der

Elektrisiermaschine beschrieben, die auch für die Ausführung der oben

schon beschriebenen Versuche (Seite 137 u. f.) sehr praktisch ist.

Der Hauptunterschied gegenüber dem zuvor angeführten Apparat besteht

darin, daß die sekundäre Spule beweglich ist. In Abb. 139 bezeichnen

die gleichen Buchstaben wieder die gleichen Teile wie in den beiden

vorhergehenden Abbildungen. Der Eisenkern _c_ ist nach rechts 1,5

bis 2 _cm_ länger als die primäre Spule _d_, mit der er links eben

abschneidet. Er ist in dem starken Brettchen _b_ so befestigt, daß er

mit seiner Bewickelung nach links hinausragt. Die sekundäre Spule

_e_ wird auf eine Kartonhülle aufgewickelt, die glatt über _d_ paßt.

Sie wird wie oben mit Randscheiben und einer Schutzhülle aus Karton

versehen und auf dem Brettchen _l_ angeleimt, das so dick ist, daß,

wenn es auf _a_ aufliegt, die darauf befestigte sekundäre Spule über

die primäre geschoben werden kann. Rechts und links von dem Brettchen

_l_ sind Leistchen auf _a_ anzunageln, damit es in der dadurch

entstandenen Rinne Führung hat und ohne Beschädigung der Spulen hin und

her geschoben werden kann. Der Unterbrecher wird hergestellt, wie oben

schon beschrieben.

[Illustration: Abb. 139. Induktor mit verschiebbarer sekundärer Rolle.]

Es ist klar, daß der Induktionsstrom umso schwächer wird, je weiter

wir die sekundäre Spule herausziehen; wir können also durch ihr Hin-

und Herschieben die Stärke des sekundären Stromes ohne Abänderung des

primären regeln.

Schrauben wir die Stellschraube des Unterbrechers so weit nach vorn,

daß der Anker am Eisenkern fest anliegt, so kann keine Unterbrechung

des Stromes mehr stattfinden. Bewegen wir jetzt die sekundäre Spule hin

und her, so erhalten wir, wie wir schon im dritten Vortrag (Seite 137

u. f.) sahen, ebenfalls Induktionsströme.

[Illustration: Abb. 140. Schaltungsschema des Kondensators.]

[Sidenote: Der Funkeninduktor.]

[Sidenote: Der Kondensator.]

Wir wissen, daß die Spannung des Induktionsstromes mit von der

Geschwindigkeit abhängt, mit welcher der erregende Strom unterbrochen

wird. Ferner wissen wir, daß an der Unterbrechungsstelle jeweils

ein Funke auftritt, wenn der Strom geöffnet wird. Das Auftreten des

Funkens zeigt uns aber, daß der Strom nicht plötzlich unterbrochen

wird, das heißt nicht in der kurzen Zeit von seinem normalen Wert auf

0 herabsinkt, in der die tatsächliche Trennung des Leiters erfolgt,

sondern daß er infolge der Selbstinduktion den Luftzwischenraum

anfangs überwindend, nur allmählich schwächer wird, bis er ganz

unterbrochen ist. Wollen wir also die Wirkung eines Induktionsapparates

verstärken, so müssen wir danach trachten, den Funken an der

Unterbrecherstelle möglichst zu verkleinern. Wir betrachten das

Schema Abb. 140, in welchem _K_ den Eisenkern, _P_ die primäre, _s_

die sekundäre Wickelung, _E_ die Stromquelle, _A_ den Eisenanker und

_~ab~_ die Unterbrecherstelle bezeichnet. Wenn wir den zwischen _a_

und _b_ entstehenden Funken verkleinern wollen, so müssen wir die

Spannungsdifferenz dieser Punkte verringern, was wir dadurch erreichen,

daß wir ihre Kapazität vergrößern, indem wir einen Kondensator

(_Ko_) an sie anschließen, wie das auf der Abb. 140 zu ersehen

ist. Der Kondensator muß eine große wirksame Fläche haben und wird

deshalb aus einzelnen Stanniolblättern hergestellt, die durch Papier

voneinander isoliert sind. Er wird in einem Kasten untergebracht,

der zugleich die Grundlage für die Induktorrolle bildet, und von der

Größe dieser hängen auch die Maße des Kastens ab. Die isolierenden

Papierblätter schneiden wir aus nicht zu dünnem Seidenpapier (oder

dünnem Paraffinpapier) so groß, daß sie mit etwa 0,5 _cm_ Spielraum

in dem Kasten Platz finden. Die Stanniolblätter müssen 1 bis 2 _cm_

kleiner sein als die Papiere und auf einer Seite einen 4 bis 5 _cm_

langen Fortsatz haben (siehe Abb. 141). Um die Isolierfähigkeit der

Seidenpapiere zu erhöhen, werden sie in Schellacklösung gebadet. In

ein flaches Gefäß, etwa eine hinreichend große Entwicklungsschale, wie

sie in der Photographie gebraucht werden, gießen wir den Schellack.

Die zugeschnittenen Seidenpapiere werden dann einzeln durch die Lösung

durchgezogen und mit je zwei Stecknadeln an einer ausgespannten Schnur

zum Trocknen aufgehängt. Danach werden die Stanniolblätter, durch die

schellackierten Papiere voneinander getrennt, so aufeinandergelegt,

daß beim ersten der Fortsatz nach rechts, beim zweiten nach links,

beim dritten wieder nach rechts u. s. w. herausragt, wie dies in Abb.

141 zu sehen ist. Den fertigen Kondensator zeigt Abb. 142 _A_. Um die

Fortsätze der Stanniolblätter fest zusammenzuhalten und gut mit einem

Draht verbinden zu können, biegen wir uns aus Messingblech eine Klammer

_a_ (Abb. 142 _B_) und versehen sie mit einem Muttergewinde und einer

Schraube _b_. Damit sich letztere beim Zusammenklemmen der Fortsätze

nicht in das Stanniol einbohrt, wird das Blechstückchen _c_ dazwischen

gelegt.

[Illustration: Abb. 141. Lage der Stanniolblätter mit ihren Ansätzen.]

[Illustration: Abb. 142. Der fertige Kondensator.]

Da der Kondensator aber nicht nur die Unterbrecherfunken abzuschwächen,

sondern auch oszillatorische Schwingungen zu erzeugen hat, muß die

Größe seiner Kapazität in einem bestimmten Verhältnis zu der Größe

des ganzen Apparates stehen; die günstigste Bemessung findet man,

wenn man zuerst nur wenig Blätter in den Kondensator legt und die

damit erzielte Funkenlänge des Induktors mißt. Darauf legt man einige

Blätter mehr ein und mißt -- natürlich unter sonst gleichen Bedingungen

-- wieder die Funkenlänge. Ist sie größer geworden, so legt man noch

mehr Blätter ein u. s. f., bis die Länge der Funken wieder abnimmt.

Als Anhaltspunkt mag folgendes dienen: nehmen wir an, die Länge der

Stanniolblätter verhielte sich zur Breite wie ⅗ zu ⅖ und sie seien

jeweils so lang wie die Induktorrolle, so mögen für kleine Apparate 30

bis 40 Blätter genügen, für größere wird sich deren Zahl auf 200 bis

250 belaufen. Wie der Kondensator einzuschalten ist, wurde oben schon

besprochen.

Solche Induktionsapparate, die mit Kondensatoren versehen sind, nennt

man Funkeninduktoren, da man ziemlich starke Funken mit ihnen erzeugen

kann; häufig werden sie auch mit dem Namen ihres ersten Erbauers

~Ruhmkorff~ bezeichnet.

Je größer wir die Funkeninduktoren bauen, desto mehr Sorgfalt ist auf

die Isolierung der einzelnen Windungen und besonders der einzelnen

Lagen zu verwenden. Denken wir uns einen Leiter, der gewissermaßen

selbst elektromotorisch tätig ist, wie z. B. ein Element, so ist die

Spannungsdifferenz zweier seiner Punkte um so größer, je weiter die

Punkte von der Mitte entfernt sind (siehe Seite 106 u. f.). Ein solcher

Leiter ist z. B. der sekundäre Draht eines Induktionsapparates. Ein

Punkt des Drahtes in einer Lage ist von dem direkt über ihm liegenden

Punkt des Drahtes in der nächsten Lage nur um einen Bruchteil eines

Millimeters durch das jede Lage bedeckende Papier getrennt; da sich

zwischen zwei solchen Punkten eine große Anzahl wirksamer Windungen

befindet, so kann je nach der Größe des Apparates eine recht

beträchtliche Potentialdifferenz zwischen diesen Punkten auftreten, die

unter Umständen stark genug ist, die Isolierung zu durchschlagen und

damit den Apparat sehr zu schädigen. Wir müssen deshalb bei Induktoren,

deren Spulenmaße 10 bis 12 _cm_ in der Länge und 5 _cm_ im Durchmesser

übersteigen, schon stärkeres Papier, das tüchtig mit Schellack oder

heißem Paraffin zu bestreichen ist, zur Isolierung der einzelnen Lagen

anwenden. Bei größeren Apparaten soll zur Isolierung ausschließlich

~reines~ Paraffin, das in ~sauberen~ Gefäßen flüssig zu machen ist,

angewendet werden.

Sollen die Funkeninduktoren für eine Funkenlänge von zehn oder noch

mehr Zentimeter gebaut werden, so genügt diese einfache Art der

Isolierung auch nicht mehr. In diesem Falle müssen wir die Spule in

zwei Teilen herstellen, die durch einen mehrere Zentimeter breiten

Zwischenraum voneinander getrennt sind. Abb. 143 zeigt den Schnitt

durch die Rolle eines solchen Apparates. Die Drahtenden der beiden

Spulen _e₁_ und _e₂_ sind natürlich so miteinander zu verbinden, daß

ein die Windungen durchfließender Strom den Kern stets in gleicher

Richtung umkreist.

[Illustration: Abb. 143. Schnitt durch die Rolle eines Funkeninduktors.]

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 12 / 24 段