Der Anker der magnetelektrischen Maschine muß, um einen elektrischen

Strom zu liefern, ziemlich rasch gedreht werden. Wir befestigen deshalb

auf der Achse eine aus Hartholz gedrechselte Welle, über die wir einen

Riemen oder eine Schnur zu einem Schwungrade leiten. Wir können dazu

das Schwungrad einer Nähmaschine mit Fußbetrieb verwenden, wenn wir

die Nähmaschine von dem Tischchen abheben. Wir können uns aber auch ein

Schwungrad folgendermaßen selbst herstellen: Wir sägen uns aus einem

breiten Brett, das wir eventuell aus anderen zusammenleimen, eine runde

Scheibe. Auf ihre beiden Seiten kleben wir je einen Ring aus starkem

Pappendeckel, der so groß ist, daß er den Rand der Scheibe um etwa 0,5

_cm_ überragt. Dadurch wird eine Rinne gebildet, in der eine Schnur

laufen kann, ohne abzugleiten. Es ist nun noch eine Kurbel anzubringen

und die Scheibe auf einer Achse an einem Gestelle zu befestigen. Dessen

Konstruktion ausfindig zu machen, überlassen wir der Phantasie des

jungen Bastlers.

[Illustration: Abb. 123. Schnitt durch die magnetelektrische Maschine

mit Hufeisenanker.]

[Sidenote: Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine.]

Die Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine erklärte Rudi im

Anschluß an die Experimente über Magneto- und Elektroinduktion. Dort

haben wir gesehen, daß in einem Leiter elektrische Ströme entstehen,

sobald Kraftlinien sich in ihm bewegen. Dabei konnten wir beobachten,

daß das ~Ein~- oder ~Aus~treten der Kraftlinien für die Stromrichtung

bedingend war. Maxwell hatte eine Regel aufgestellt, die uns gestattet,

die Richtung des Induktionsstromes sicher festzustellen. Betrachten wir

die Abb. 124, die die Kraftlinien eines Magnetstabes _NS_ darstellt;

wir sehen an den eingezeichneten Pfeilen, daß diese Linien, vom Nordpol

nach allen Seiten ausstrahlend, sich nach dem Südpol hin bewegen.

Die Maxwellsche Regel heißt: ~Betrachtet man eine Drahtspule, die

sich in einem magnetischen Felde[5] bewegt, in der Richtung der

Kraftlinien, so bringen eintretende Kraftlinien einen Strom hervor, der

der Uhrzeigerbewegung entgegengesetzt ist, austretende dagegen einen

solchen, der dieselbe Drehungsrichtung hat wie der Uhrzeiger.~

[Illustration: Abb. 124. Drahtringe, die sich in einem magnetischen

Feld bewegen.]

In Abb. 124 sind fünf Drahtringe eingezeichnet. Nehmen wir an, daß sich

I und II von links nach rechts bewegen und III, IV und V von rechts

nach links, so werden die induzierten Ströme in der eingezeichneten

Richtung fließen.

Betrachten wir nun die Verhältnisse bei unserer magnetelektrischen

Maschine mit dem Hufeisenanker in der in Abb. 123 dargestellten Lage,

so gehen die Kraftlinien im Bogen vom +-Pol des Stahlmagneten durch den

Anker hindurch zum −-Pol. Dabei treten sie in die linke Drahtrolle von

vorn, in die rechte von hinten ein, da sie in einem Bogen von einem

Pol zum anderen gehen. Wird der Anker so gedreht, daß die linke Spule

gewissermaßen nach oben aus der Bildfläche heraustritt und die rechte

sich abwärts bewegt, so treten aus beiden Spulen Kraftlinien so lange

~aus~, bis der Anker eine Drehung von 90° gemacht hat. Wird er dann

weiter gedreht, so dringen Kraftlinien ~ein~, aber von der anderen, der

hinteren Seite her, bis die Pole des Ankers, nachdem er sich um 180°

gedreht hat, vor denen des Magneten stehen. Wir wollen die Richtung der

während der halben Umdrehung in den beiden Spulen induzierten Ströme

feststellen. Dabei soll „von vorn gesehen“ ~jedesmal~ die Richtung vom

Anker zum Feldmagneten, „von hinten gesehen“ die umgekehrte Richtung

angeben. Zuerst, während sich die linke Spule nach oben bewegt,

treten von hinten kommende Kraftlinien aus ihr heraus, oder, wie man

sich auch ausdrücken kann, die Zahl der von ~hinten~ in die Spule

eindringenden Kraftlinien wird ständig ~geringer~; der Strom wird also

von ~hinten~ gesehen im Sinne der Uhrzeigerbewegung durch die Spule

fließen. Beginnt die Spule nach einer Drehung von 90° sich wieder

abwärts zu bewegen, so wird die Zahl der von ~vorn~ eindringenden

Kraftlinien beständig ~größer~. Betrachten wir nun wie vorhin die

Spule von ~hinten~, so fließt der induzierte Strom immer noch im Sinne

der Uhrzeigerbewegung. Jetzt wollen wir sehen, was unterdessen in

der anderen Drahtrolle -- die ursprünglich rechts stand -- vor sich

gegangen ist. Hier sind zuerst die von ~vorn~ kommenden Kraftlinien aus

der Spule ~aus~getreten, dann -- nach einer Viertelumdrehung -- die von

~hinten~ kommenden ~ein~getreten, also gerade umgekehrt wie bei der

zuerst betrachteten Drahtrolle. Hier fließt demnach der Induktionsstrom

von hinten gesehen ~entgegen~ dem Sinne der Uhrzeigerbewegung. Daraus

folgt, daß der Strom in den Spulen, die sich oberhalb der Bildebene

bewegen, in der einen, in denen, die sich unterhalb der Ebene bewegen,

in der anderen Richtung fließt. Verbinden wir die Drahtenden der

Spulen so wie bei einem gewöhnlichen Elektromagnet, bei welchem der

Draht um den einen Magnetschenkel ~rechts~, um den anderen ~links~

herum aufgewickelt ist, so werden sich die in den beiden Drahtrollen

induzierten Ströme nicht entgegenfließen, sondern addieren; dagegen

werden sie die Drähte während der ersten halben Umdrehung in der einen,

während der zweiten in der anderen Richtung durchfließen, da ja in

beiden Spulen in dem Augenblick, in dem sie die Pole des Feldmagneten

passieren, der Induktionsstrom seine Richtung ändert.

Führen wir die Drahtenden der Ankerspulen zu zwei ganzen, voneinander

isolierten Ringen auf der Achse und leiten mittels zweier Schleiffedern

den Strom in einen Draht, so durchfließt er diesen unter fortwährender

Änderung seiner Richtung. Davon können wir uns überzeugen, wenn wir das

Vertikalgalvanoskop mit den Schleiffedern verbinden und die Maschine

ganz langsam in Gang setzen: nach je einer halben Ankerumdrehung wird

die Nadel des Instrumentes zuerst nach der einen, dann nach der anderen

Seite ausschlagen. Drehen wir aber den Anker sehr rasch, so bekommen

wir überhaupt keinen Ausschlag, weil die einzelnen Impulse, die ständig

ihre Angriffsrichtungen auf die Nadel ändern, so rasch nacheinander

eintreffen, daß die Trägheit der Nadel und des Magneten diesen nicht

erlauben, den Impulsen zu folgen. Wir können dagegen mit einer kleinen

Glühlampe das Vorhandensein eines Stromes nachweisen, denn der

Kohlenfaden wird in der gleichen Weise erhitzt, ob der Strom in der

einen oder anderen Richtung ihn durchfließt.

Um von der magnetelektrischen Maschine Gleichstrom abnehmen zu können,

haben wir auch den zweihälftigen Kollektor auf der Achse montiert. Daß

dieser als Kommutator, als Stromwender wirkt, haben wir schon auf Seite

123 gesehen.

[Sidenote: Die Dynamomaschine.]

Sich selbst eine Dynamomaschine, die wirklich als Generator zu

gebrauchen ist, anfertigen zu wollen, ist ein Unternehmen, das meistens

daran scheitert, daß eben eine solche Maschine in allen ihren Teilen

ganz genau berechnet sein will. Wer sich nach den Berechnungsangaben

auf Seite 134 u. f. einen größeren Motor gebaut hat, kann unter

Umständen das Glück haben -- es wäre ein Zufall --, daß derselbe auch

als Generator zu verwenden ist. Unter den beschriebenen Motoren kann

in dieser Beziehung am meisten von den vierpoligen mit Hufeisenanker

oder von solchen mit Doppel-_T_-Anker erwartet werden. Wie wir die

Maschinen auf ihre Fähigkeiten dieser Art hin zu prüfen haben, wird am

Ende des Abschnittes erwähnt. Jetzt wollen wir zuerst hören, was Rudi

in seinem Vortrag über das Prinzip der Dynamomaschine ausführte.

[Illustration: Abb. 125. Schema einer Hauptstrommaschine.]

Wir haben gesehen, daß, wenn sich ein Drahtkreis in einem magnetischen

Felde bewegt, in diesem -- dem Drahtkreis -- ein elektrischer Strom

erzeugt wird. Der Strom ist umso stärker, je stärker das magnetische

Feld ist. Nun ist es eine bekannte Tatsache, daß wir ein Stück weiches

Eisen mit Hilfe eines elektrischen Stromes zu einem viel stärkeren

Magnet machen können als ein gleich großes Stück Stahl. Es lag deshalb

der Gedanke nahe, für magnetelektrische Maschinen statt Stahlmagnete

Elektromagnete zu verwenden und den Strom für diese entweder einer

Batterie, oder einer kleineren magnetelektrischen Maschine zu

entnehmen. Werner v. Siemens kam zuerst (i. J. 1867) auf den Gedanken,

den Ankerstrom selbst zur Erregung der Feldmagnete zu verwenden. Auch

das weichste Eisen, wenn es einmal magnetisch gemacht war, behält eine

Spur von Magnetismus, die genügt, einen wenn auch sehr kleinen Strom im

Anker zu erzeugen. Dieser kleine Strom wird um den Feldmagnet geleitet

und macht ihn ein wenig stärker, wodurch auch der induzierte Strom

wieder stärker wird und den Feldmagnet noch stärker macht u. s. f., bis

die Grenze der Magnetisierungsfähigkeit des Eisens erreicht ist. Zur

besseren Veranschaulichung dieses Vorganges stellte Rudi eine Tafel mit

der in Abb. 125 dargestellten Figur auf.

Diese Tafel zeigt die sogenannte ~Hauptstrom-~ oder ~Serienschaltung~,

weil der Hauptstrom, das ist der ganze im Anker erzeugt werdende Strom,

durch die Windungen des Feldmagneten fließt. Anders verhält sich das

bei der in Abb. 126 dargestellten Schaltungsweise, der sogenannten

~Nebenschlußschaltung~. Hier liegen die Feldmagnete im Nebenschluß zu

dem im Anker erzeugten und durch das Leitungsnetz (_X_) fließenden

Strom. Diese Schaltungsweise ist die gebräuchlichere, da durch einen

bei _R_ (Abb. 126) eingeschalteten Rheostaten (siehe Anhang) die

Spannung bequem reguliert werden kann. Mache ich den Widerstand in _R_

größer, so sinkt die Spannung, mache ich ihn kleiner, so steigt sie.

[Illustration: Abb. 126. Schema einer Nebenschlußmaschine.]

[Illustration: Abb. 127. Schema einer Maschine mit Fremderregung.]

Es können auch beide Schaltungsweisen kombiniert werden (Verbund-

oder Compoundmaschine), doch ist hier nicht der Platz, auf all diese

Einzelheiten einzugehen; wir wollen uns lieber nur mit solchen

Experimenten beschäftigen, die den Verhältnissen unseres einfachen

Laboratoriums angepaßt sind.

So wollen wir z. B. sehen, wie wir einen Elektromotor zur

magnetelektrischen Maschine machen können: Wir verbinden die Drahtenden

der Feldmagnetwickelung mit einer Batterie und können dann, wenn

der Anker gedreht wird, von den Schleiffedern Strom abnehmen. Diese

Schaltungsweise zeigt Abb. 127.

[Illustration: Abb. 128. Einschaltung eines Hilfsstromes in den

Stromkreis der Dynamo.]

Wollen wir mit einem unserer Motoren unser Glück probieren, ob er auch

als Generator zu verwenden ist, so müssen wir folgendermaßen verfahren:

Wir schalten Anker und Feldmagnet hintereinander (Serienschaltung), in

den Stromkreis des Feldmagneten eine Stromquelle und in den äußeren

Stromkreis ein Amperemeter _X_ ein, wie aus Abb. 128 ersichtlich

ist. (Die Elemente können natürlich auch an einer anderen Stelle des

Stromkreises eingeschaltet werden.) Dieser Hilfsstrom braucht nicht

stärker zu sein, als daß er den Motor gerade noch in langsame Rotation

versetzt. Drehen wir nun den Anker gewaltsam in entgegengesetzter

Richtung, als er durch den Batteriestrom gedreht wurde, so wird er

einen Strom erzeugen, der gleichgerichtet mit dem der Elemente ist.

Während die Maschine im Gang ist, verbinden wir zuerst die beiden

Punkte _a_ und _b_ (Abb. 128) durch einen kurzen Kupferdraht und

schalten dann die Batterie aus. An dem angeschlossenen Amperemeter

können wir jetzt sehen, ob das Glück uns hold war und unseren Motor

auch als Generator arbeiten läßt.

Nachdem Rudi die wichtigsten theoretischen Dinge über Motoren und

Generatoren besprochen hatte, ging er dazu über, seinen aufmerksamen

Zuhörern die praktische Anwendung dieser Maschinen im Großbetriebe zu

erklären.

[Sidenote: Die elektrische Lokomotive.]

Zuerst führte er eine kleine elektrische Lokomotive vor. Er hatte sie

sich aus einer Spielzeugeisenbahn, an deren Maschine die Betriebsfeder

gebrochen war, hergestellt, indem er einen kleinen Elektromotor so

auf der Lokomotive, von der er Kessel und Uhrwerk entfernt hatte,

befestigte, daß die Welle des Motors unmittelbar auf dem oberen Rande

des Lokomotivenrades auflag. Um die Reibung zwischen diesen beiden

Rädern zu vergrößern, legte er in die Furche der Motorwelle einen

kleinen Gummiring.

Das Geleise der Bahn, das ein großes Oval bildete, befestigte er auf

einem entsprechend großen Pappendeckel, den er, um ihm mehr Halt zu

geben, auf der Unterseite mit Holzleistchen benagelte. In Abständen

von etwa 10 _cm_ stellte er Tragmasten aus Weidenholzstäbchen auf und

verband je zwei, die einander gegenüber standen, während das Geleise

zwischen ihnen hindurchlief, mit einer Schnur. An dieser wurde die

aus 1 _mm_ starkem Kupferdraht bestehende „Oberleitung“ befestigt.

Damit die Unterseite, an welcher der stromabnehmende Schleifbügel

entlanggleiten sollte, auch an den Befestigungsstellen völlig glatt

sei, lötete er auf der Oberseite Drahthäkchen an, die in Schlingen

der Aufhängeschnüre eingehängt wurden. Der Schleifbügel war in der

Form gebogen, wie wir sie an unseren Straßenbahnen sehen, isoliert von

dem übrigen Gestell auf der Lokomotive befestigt und mit der einen

Polklemme des Motors verbunden. Die andere Klemme wurde mit dem Gestell

der Maschine und außerdem mit einer auf der Radachse aufliegenden

Schleiffeder in leitende Verbindung gebracht. Die einzelnen Schienen

des Geleises waren untereinander verlötet. Der Strom eines kleinen

Akkumulators, der durch die Oberleitung in den Motor eintreten und

durch die Räder und Schienen wieder zurückfließen konnte, ließ unsere

elektrische Lokomotive ohne Schwierigkeiten eine stattliche Anzahl

kleiner Wagen mit ziemlich großer Geschwindigkeit hinter sich herziehen.

[Illustration: Abb. 129. Einfache Bogenlampe.]

[Sidenote: Die Bogenlampe.]

Auch eine kleine Bogenlampe fertigte sich Rudi. Abb. 129 zeigt ihre

Einrichtung: Auf dem Grundbrett _a_ ist die Säule _b_ errichtet, in

welcher der Hebel _c_ mit dem Griff _d_ befestigt ist. Der Hebel ist

aus Holz und darf sich nicht zu leicht um seine Achse drehen, damit

er in jeder Lage, in die wir ihn bringen, stehen bleibt. Er hat bei

_e_ ein Loch, in welchem die Kohle _K₁_ festgesteckt werden kann;

für denselben Zweck ist in _a_, bei _f_ ein Loch. Für _K₁_ und _K₂_

verwenden wir möglichst dünne Bogenlampenkohlen, die wir, wenn wir nur

einen schwachen Strom zur Verfügung haben, mit dem Messer sehr fein

zuspitzen. Um die Kohlen wickeln wir blanke Kupferdrähte, die zu den

Klemmen _g_ und _h_ führen. Um den Lichtbogen zu erzeugen, verbinden

wir die beiden Klemmen mit unserer stärksten Stromquelle, bringen die

beiden Kohlespitzen zuerst miteinander in Berührung und rücken sie dann

ein paar Millimeter auseinander, in welchem Augenblicke der Lichtbogen

entsteht. Dies wird bei unserem einfachen Apparat aber nur kurze Zeit

dauern, da die Kohlespitzen abbrennen; wir müssen deshalb von Zeit

zu Zeit _K₁_, durch Verstellen des Hebels tiefer rücken. Bei großen

Bogenlampen werden die Kohlenstifte durch ein selbsttätig wirkendes

Uhrwerk auf dem richtigen Abstand erhalten.

[Sidenote: Der Kurzschluss.]

Um das Wesen des berüchtigten ~Kurzschlusses~ zu erklären, hatte

Rudi für den Vortrag eine kleine Spielerei hergerichtet. Er klebte

sich aus Packpapier ein kleines Häuschen und malte Fenster, Türen

u. s. w. auf. An beiden Giebeln ließ er zwei weiße Isolierknöpfe sehen.

Rechts und links vom Hause, den Giebeln gegenüber stellte er je eine

Telegraphenstange auf. Von den Isolierknöpfen am linken Giebel des

Hauses führten zwei starke Kupferdrähte über die Telegraphenstange nach

der Akkumulatorenbatterie. Diese Leitungen setzte er mit zwei dünnen

Eisendrähten durch das Haus hindurch über die Isolierknöpfe am rechten

Giebel bis zu der zweiten Telegraphenstange fort, an welcher eine

Leiter lehnte, auf der ein aus Papier geschnittener Arbeiter stand.

Der Arbeiter schien an einer Glühlampe zu arbeiten, die an die beiden

Eisendrähte angeschlossen war und glühte. In dem Papierhaus legte Rudi

auf die Leitung leicht zusammengeballtes mit ~wenig~ Tropfen Petroleum

beträufeltes Seidenpapier.

Er erklärte, daß hier von einer starken Stromquelle in einer durch das

Haus führenden Leitung der Glühlampe Elektrizität zugeführt werde.

Die Glühlampe biete dem Strom einen sehr großen Widerstand, so daß er

eine gewisse Stärke nicht überschreiten könne. Wenn nun aber der an

der Leitung arbeitende Mann aus Unachtsamkeit ein Werkzeug, z. B. eine

Zange fallen ließe, und sie würde so auf die beiden Leitungsdrähte zu

liegen kommen, „wie dieses Stückchen Draht hier“ -- dabei legte er ein

Stückchen Kupferdraht auf die beiden Eisendrähte --, so würde auch im

großen das gleiche Ereignis eintreten wie hier im kleinen. Kaum hatte

er das Kupferdrahtstückchen auf die Leitung gelegt, als diese anfing

glühend zu werden und durchschmolz; einen Augenblick später stand das

Haus in Flammen. Dadurch, daß der Strom, statt den schwierigen Weg

durch die Glühlampe nehmen zu müssen, durch das Drahtstückchen ~kurz

geschlossen~ -- daher das Wort „~Kurzschluß~“ -- war, wurde er so

stark, daß die Leitungsdrähte zu glühen anfingen und das auf ihnen

liegende Papier im Hause entzündeten. In Wirklichkeit liegt zwar kein

Seidenpapier auf den Leitungsdrähten, diese sind aber meist mit leicht

entzündlichen, sehr stark brennenden Materialien wie Pech, Wachs,

Guttapercha u. s. w. isoliert.

[Sidenote: Die Sicherungen.]

Mit obigem Versuch kann man gleichzeitig auch noch einen zweiten

verbinden, der zeigt, in welcher Weise die Sicherungen wirken. Zu

diesem Zweck unterbrechen wir den einen der Zuleitungsdrähte zu dem

Häuschen und überbrücken die Unterbrechung mit einem dünnen Streifchen

von Stanniolpapier, das so viel Strom durchläßt, daß das Lämpchen

noch hell leuchtet, aber doch so dünn ist, daß es ~sofort~ schmilzt,

wenn die Leitung kurz geschlossen wird. Wir machen den Versuch dann

zuerst mit der Sicherung, die so rasch durchschmilzt, daß der Strom

unterbrochen wird, bevor der dünne Eisendraht im Häuschen zum Glühen

kommen kann. Darauf verbinden wir die unterbrochene Stelle direkt und

stellen den Kurzschluß noch einmal her, wobei nun wie vorhin das Haus

in Flammen aufgehen wird.

[Illustration: Abb. 130. Drahtschnecke für den Zigarrenanzünder.]

[Sidenote: Der elektrische Zigarrenanzünder.]

Rudi erwähnte nun noch die Verwendung der Elektrizität zu Heizzwecken,

doch konnte er dazu keine Apparate oder Experimente vorführen, obgleich

ein hierher gehöriger Apparat, zu dessen Betrieb nur ein paar kleine

Akkumulatorenzellen nötig sind, nicht schwer herzustellen ist. Es ist

der elektrische Zigarrenanzünder. Wir stellen durch einige Versuche

fest, wie stark ein etwa 7 bis 10 _cm_ langer Eisendraht sein muß,

damit er von dem ungeschwächten Strome unserer Akkumulatorenbatterie

bis zur Weißglut erhitzt wird, ohne aber durchzuschmelzen. Der Draht

wird zu einer Schnecke zusammengebogen, wie Abb. 130 zeigt. Dann

besorgen wir uns -- bei einem Mechaniker wird das zu haben sein --

ein kleines Stückchen Asbestpappe, von der wir ein rundes Scheibchen

abschneiden, das so groß ist, daß es unsere Drahtschnecke reichlich

überdeckt. Ein zweites Scheibchen von derselben Größe muß durch Spalten

~möglichst dünn~ gemacht werden. Nunmehr richten wir uns einen runden

Holzstab her von etwa 10 _cm_ Länge und mit einem Durchmesser, der

dem der Asbestscheibchen gleich ist. Ferner brauchen wir noch einen

mit mehreren Löchern versehenen Ring aus Messingblech, dessen äußerer

Durchmesser ebenfalls gleich dem der Scheibchen und dessen innerer

etwas größer als der der Drahtschnecke ist. Auf die eben abgefeilte

Stirnseite des Holzstabes wird zuerst die dicke Asbestscheibe gelegt,

dann die Drahtschnecke so, daß ihre Enden _a_ und _b_ (Abb. 130)

rechts und links heraussehen, darauf kommt die dünne Asbestscheibe,

und schließlich wird das Ganze durch Aufnageln des Messingringes

zusammengehalten. Die freien Drahtenden löten wir an zwei dicken

isolierten Kupferdrähten an; diese führen wir in Rinnen, die in den

Holzstab geschnitten werden, nach dessen unterem Ende, wo sie an zwei

Klemmschrauben enden. Den einen dieser Drähte können wir auch durch

eine Kontaktfeder ersetzen, deren Befestigung aus der den ganzen

Apparat darstellenden Abb. 131 hervorgeht. Wird ein hinreichend starker

Strom durch die Drahtschnecke geleitet, so fängt diese an zu glühen,

und dadurch wird auch die dünne Asbestscheibe glühend, an welcher

dann die Zigarre angezündet werden kann. -- Für die Drahtschnecke

~Platin~draht statt Eisendraht zu verwenden, ist, von dem hohen Preis

des Platins abgesehen, natürlich weit vorteilhafter.

[Illustration: Abb. 131. Der Zigarrenanzünder.]

[Sidenote: Schluss.]

Zum Schluß seines Vortrages erklärte Rudi noch kurz das wichtigste vom

Akkumulator und vom Telephon. Bei der Erklärung des Akkumulators führte

er ein einfaches Experiment aus: Er stellte in ein mit verdünnter

Schwefelsäure (1 : 10) angefülltes Standglas zwei Bleiblechstreifen,

die er kurz vorher mit einem Messer blank geschabt hatte. Durch diese

Zelle leitete er den Strom von zwei Akkumulatoren, worauf die eine

der Platten sich bräunte, die andere ihren Glanz verlor und grau

wurde. Bevor er die Bleiplatten an den Akkumulator anschloß, brachte

er sie mit dem Vertikalgalvanoskop in Verbindung, welches keinen

Strom anzeigte; nachdem dann die eine Platte stark gebräunt war, tat

er dasselbe nochmals, wobei nun die Nadel des Instrumentes so weit

ausschlug, als es ihr möglich war.

Endlich sprach Rudi noch über das Telephon. Dieser Apparat wird im

nächsten Vortrag ausführlich behandelt werden.

[Illustration:]

Vierter Vortrag.

Induktions- und Wechselströme.

Schon im dritten Vortrag haben wir die grundlegenden Begriffe über

Induktionsströme und ihr Entstehen kennen gelernt. In diesem Vortrage

nun behandelte Rudi die schwierigeren Induktionserscheinungen, nämlich

die Selbstinduktion und die Wirbelströme.

Wir haben gesehen, daß, wenn wir in einer hohlen Drahtspule eine

zweite von einem Strome durchflossene bewegen, in der äußeren Ströme

induziert werden, deren Richtung wir mit Hilfe der Maxwellschen Regel

(Seite 146) bestimmen können, wobei es natürlich einerlei ist, ob

die induzierte Spule die äußere und die induzierende die innere

ist, oder umgekehrt. Wir wollen nun auch noch sehen, wie sich die

elektromotorische Kraft des induzierten (sekundären) Stromes zu der

Intensität des induzierenden (primären) Stromes und der außerdem noch

mitwirkenden Größen verhält.

[Illustration: Abb. 132. Rudi mit den Vorversuchen für seinen Vortrag:

„Wechselströme höherer Frequenz“ beschäftigt.]

[Sidenote: Regeln zur Bestimmung der elektromotorischen Kraft des

Induktionsstromes.]

1. ~Je stärker der induzierende Strom (oder Magnet) ist, umso größer

ist unter sonst gleichen Verhältnissen die elektromotorische Kraft des

induzierten Stromes.~

2. ~Je größer die Anzahl der Windungen des sekundären Stromkreises ist,

umso größer ist die elektromotorische Kraft in diesem.~

3. ~Je rascher die Entfernung des primären Stromes (oder Magneten)

von der sekundären Spule geändert wird, oder je plötzlicher der

primäre Strom geschlossen oder geöffnet wird, umso größer ist die

elektromotorische Kraft des Induktionsstromes.~

Aus diesen drei Regeln können wir folgendes allgemeine Gesetz ableiten.

~Je größer die Zahl der Kraftlinien ist, die während der Zeiteinheit

in die mit Drahtwindungen erfüllte Flächeneinheit ein- oder austreten,

umso größer ist die elektromotorische Kraft des Induktionsstromes.~

[Sidenote: Selbstinduktion.]

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 11 / 24 段