Jetzt richten wir uns ein starkes Grundbrett (_a_) aus hartem Holze

her, ferner zwei starke rechteckige Holzsäulen (_g_), die ihrer

ganzen Länge nach zu durchbohren sind. Die Höhe der beiden Säulen muß

folgender Summe ~genau~ gleich sein: der Entfernung der unteren Seite

von _b_ bis zur oberen Fläche von _e_ plus 1 _mm_ plus der Dicke des

bewickelten Ankers plus 1 _mm_ plus der Entfernung der unteren Fläche

von _e¹_ bis zur unteren Seite von _b¹_. Durch die Längsbohrung von

_g_ und durch entsprechend einzubohrende Löcher in _b_, _b¹_ und _a_

wird eine an ihren Enden mit Gewinden versehene ~Messingstange~ (_h_)

gesteckt, und durch Aufschrauben der Muttern _i_ und _i¹_ werden

die einzelnen Teile fest zusammen gezogen. Es ist vorteilhaft, für

die Mutter _i_ in dem Grundbrett eine Versenkung einzubohren. Auf

der Unterseite von _g_ ist ein Einschnitt einzusägen, in den der

Bandeisenstreifen _b_ genau hineinpaßt, so daß die Säule nicht auf _b_

sondern auf _a_ aufsteht; natürlich darf der Einschnitt nur so groß

sein, daß auch _b_ noch genügend fest gehalten wird.

Für die Achse (_k_) des Ankers wählen wir eine je nach der Größe der

Maschine 5 bis 10 _mm_ starke Messingstange. Nach ihrer Dicke muß sich

die Weite der Bohrung durch den Holzkern (_l_) des Ankers richten.

Letzterer wird dadurch an der Achse befestigt, daß wir ihn an einem

an dieser angelöteten Messingblechscheibchen (_m_) anschrauben. Das

untere Ende der Achse ist ein wenig abzurunden und zuerst mit gröberer,

dann mit feinerer und schließlich mit allerfeinster Schmirgelleinwand

abzureiben. Unter der mittleren Bohrung von _b_ ist ein starkes

Glasplättchen (_n_) in _a_ einzulassen; es dient der Achse als

Auflager. Die beiden Lager (_o_) in _b_ wie in _b¹_ werden auf die

bekannte Weise mit Kupferdraht hergestellt und in den betreffenden

Bohrungen eingelötet (siehe Seite 22 u. f.). Die Lager sind ~sofort~

einzuölen.

Sind nun die einzelnen Teile in der angegebenen Weise montiert, so muß

sich der Anker ohne zu streifen zwischen den Polschuhen, von denen er

~höchstens~ 1 _mm_ Abstand haben darf, drehen lassen.

Es wären nun noch die Schleiffedern anzubringen. Sie sollen so den

Kollektor berühren, daß die Magnetpole an den Punkten α und β (Abb.

115) entstehen. Wie aus dem Schema Abb. 108 erhellt, entstehen die

Pole da, wo der Strom ein- und austritt. Die Verbindungslinie der

Berührungspunkte müßte also senkrecht stehen zu der Verbindungslinie

der Mitten der Magnetkerne. In Wirklichkeit aber ist die günstige Lage

der Berührungspunkte etwas im Sinne der Ankerdrehung verschoben. Da

wir diese Lage nur durch Probieren herausfinden können, müssen wir die

Schleiffedern an einem drehbaren Gestelle anbringen. Die günstige

Stellung können wir daran erkennen, daß beim Gang der Maschine die auf

dem Kollektor auftretenden Funken kleiner sind, als bei jeder anderen

Lage. Eine Platte aus dünnem Holz (Ahorn) oder besser aus Vulkanfiber

oder Hartgummi, deren Form aus Abb. 115 _p_ -- _p_ zeigt nur die eine

Hälfte -- hervorgeht, ist in der Mitte durchbohrt und wird so auf _b_

aufgelegt, daß die Achse durch diese Bohrung hindurchgeht. In jeder

Ecke dieser Platte wird ein in Abb. 114 mit _q_ bezeichneter 2 bis

3 _mm_ starker Kupferdraht befestigt. An je zweien auf der gleichen

Seite sich befindenden Drähten wird ein federnder Kupferstreifen

_r_ angelötet. _r_ ist so zu biegen und die zweimal rechtwinkelig

umgebogenen Drähte _q_ sind so zu stellen, daß die Schleiffeder unter

gelindem Druck auf dem Kollektor aufliegt. Hart neben _p_ ist ein Loch

in _b¹_ einzubohren und mit einem Gewinde zu versehen, in das die

Metallschraube _s_ (mit breitem Kopf) hineinpaßt. Indem wir nun _p_

während des Ganges der Maschine um die Achse drehen, können wir, wie

bereits erwähnt, die günstigste Berührungsstelle für die Schleiffedern

ausfindig machen und sie in dieser Lage durch Anziehen der Schraube _s_

fixieren.

[Illustration: Abb. 117. Bewickelungsschema.]

Wie die Spulen zu bewickeln und untereinander zu verbinden sind, geht

aus dem Schema Abb. 117 hervor.

[Sidenote: Bestimmung der Drahtstärken.]

Jetzt wollen wir noch sehen, wie wir die Stärken und Längen der Drähte

für unsere Bewickelungen bestimmen können. Man beachte folgende Punkte:

1. Der Widerstand der Bewickelung des Feldmagneten soll stets etwas

größer sein als der der Ankerwickelung (Feldmagnet = ⅗, Anker = ⅖). Der

Widerstand eines Drahtes ist proportional seiner Länge und umgekehrt

proportional seinem Querschnitte. Der Querschnitt _q_ berechnet sich

aus dem Durchmesser des Drahtes nach der Formel: _q_ = π · (_d_/2)²,

worin π = 3,14 ist. (Man benutze auch die Tabellen am Schlusse des

Buches.)

2. Der Widerstand in einem Ringanker ist gleich ¼ des Widerstandes im

ganzen Ankerdraht, da dem Strom zwei Wege, die nur halb so lang sind

als die genannte Ankerwickelung, offenstehen.

3. Bauen wir einen Motor mit Rücksichtnahme auf eine bestimmte

Stromquelle, so kann er um so größer ausgeführt werden, je mehr

elektrische Energie uns zur Verfügung steht. Die Energie eines Stromes

wird in Watt gemessen und ist gleich dem Produkt aus Spannung und

Stromstärke. 1 Watt gleich 1 Volt mal 1 Ampere (siehe auch zweiter

Vortrag S. 84 u. f.). Haben wir bei gegebener Energie verhältnismäßig

hohe Spannung und geringe Stromstärke, so ist es nach dem Ohmschen

Gesetze (S. 86 u. f.) vorteilhafter, längere und dünnere Drähte für

die Bewickelung zu verwenden, als wenn wir eine geringe Spannung und

eine große Stromstärke haben. Um einen Anhaltspunkt für die absoluten

Maße zu geben, sei folgendes gesagt. Ist der Feldmagnet eines Motors

an Größe dem Magnet einer mittelgroßen elektrischen Klingel gleich

und steht uns eine Batterie von etwa 3 bis 6 Leclanché-Elementen zur

Verfügung, so mag die Bewickelung des Feldmagneten gleich der der

betreffenden elektrischen Klingel sein, also für jede Spule etwa 20 _m_

eines 0,5 _mm_ starken Kupferdrahtes.

4. Schalten wir die Magnet- und Ankerwickelung hintereinander

(~Hauptstrommaschine~), das heißt so, daß der Strom zuerst die

Magnetschenkel umkreist, dann durch den Ankerdraht fließt und

schließlich wieder zur Stromquelle zurückkehrt (siehe auch Abb. 125),

so ist der Gesamtwiderstand der Maschine größer, als wenn wir die

beiden Wickelungen nebeneinander (~Nebenschlußmaschine~) schalten,

also so, daß sich der Strom beim Eintritt in den Motor teilt und

einerseits um den Feldmagnet, anderseits um den Anker fließt, um beim

Austritt aus der Maschine sich wieder zu vereinigen und zur Stromquelle

zurückzukehren (Abb. 126). Wollen wir einen Motor von vornherein als

Nebenschlußmaschine bauen, so ist der Widerstand der Ankerdrähte

eben so groß oder etwas kleiner zu wählen, als der der Drähte des

Feldmagneten. Näheres über die Unterschiede dieser Schaltungsweisen ist

bei der Beschreibung der Dynamomaschine ausgeführt (S. 148).

5. Um aus den hier gegebenen Anhaltspunkten die Drahtmaße für eine

der hier beschriebenen Maschinen berechnen zu können, vergleichen wir

zuerst den für den Motor zur Verfügung stehenden Strom mit dem, den

die unter 3. erwähnten 3 bis 6 Leclanché-Elemente liefern. Den inneren

Widerstand des oben erwähnten Motors berechnen wir mit Hilfe der

Widerstandstabelle (im Anhang) und erhalten für die Bewickelung des

Ankers 3,2 Ohm, dies sind ⅖ des gesamten Widerstandes: es kommen auf

den Feldmagneten ⅗, also 4,8 Ohm, so daß wir im ganzen einen Widerstand

von 8 Ohm erhalten. Haben wir einen Strom, der die doppelte Anzahl von

Watt liefert wie die 3 bis 6 Elemente, so sind die Dimensionen des

Motors etwa 1,5mal so groß auszuführen; der gesamte Widerstand (8 Ohm)

hat aber gleich zu bleiben für den Fall, daß auch das Verhältnis von

Spannung zu Stromstärke gleichgeblieben ist. Wollen wir dagegen den

Motor für einen Strom bauen, der zwar dieselbe Energie besitzt wie die

Leclanchébatterie, aber bei geringerer Stromstärke eine höhere Spannung

hat, so ist der Gesamtwiderstand der Maschine dadurch größer zu

machen, daß man mehr Windungen macht, also längeren und dünneren Draht

verwendet.

6. Sind wir nun über die Dimensionen und die Drahtwiderstände der

herzustellenden Maschine im klaren, so schätzen wir mit Hilfe der

Widerstandstabelle Länge und Stärke des Drahtes, der auf eine Spule

kommen soll, ungefähr ab. Um erkennen zu können, ob der Draht die

gegebene Spule auch ausfüllt oder auf ihr hinreichend Platz findet,

müssen wir den inneren Spulendurchmesser (also die Kerndicke) zu

dem äußeren Spulendurchmesser addieren -- die Maße sind immer in

Millimetern auszudrücken -- die Summe mit 2 dividieren und das Resultat

mit π (π = 3⅐) multiplizieren. Wir erhalten dadurch die mittlere Länge

einer Windung. Um die Zahl der Windungen festzustellen, müssen wir die

Dicke des Drahtes mit der Isolierung kennen.

Nehmen wir zum Beispiel an, der Kerndurchmesser sei 1 _cm_, der äußere

Spulendurchmesser 3 _cm_, die Spulenlänge 5 _cm_, der Widerstand des

Drahtes 1 bis 1,5 Ohm und die Drahtdicke hätten wir auf 0,5 _mm_,

mit der Isolierung also auf 0,7 _mm_, geschätzt. Wir wollen nun die

erforderliche Länge und den Widerstand berechnen.

Spulendurchmesser = 30 _mm_,

Kerndurchmesser = 10 _mm_,

somit mittlere Länge einer Windung

(10 + 30)/2 · π = 20 · ²²⁄₇ = 62,9 _mm_, rund 6,3 _cm_.

Wieviel Windungen haben auf der 50 _mm_ langen Spule eines mit der

Isolierung 0,7 _mm_ starken Drahtes Platz?

50 : 0,7 = #71,4# Windungen.

Wieviel Lagen gehen auf die Spule, wenn ihr Halbmesser 15 _mm_, der

Halbmesser des Kernes 5 _mm_ beträgt?

15 − 5 = 10 _mm_; 10 : 0,7 = #14,3# Lagen.

Somit ergeben sich 71,4 · 14,3 = #1021,02# Windungen. Jede Windung hat

eine durchschnittliche Länge von 6,3 _cm_, also ergibt sich für die

Gesamtlänge

rund 1021 · 6,3 _cm_ = #64,32# _m_.

Da die Dicke des Drahtes ohne die Umspinnung 0,5 _mm_ beträgt, so

ergibt sich nach der Tabelle ein Widerstand von

64,32 · 0,08 = #5,1# Ohm.

Wir haben also nicht sehr gut geschätzt; der Widerstand ist etwa 4mal

zu groß. Wir müssen deshalb die gleiche Rechnung nochmals für einen

etwas stärkeren Draht durchführen. Nehmen wir zum Beispiel für den

nackten Draht 0,7, für den umsponnenen 1 _mm_ an, so brauchen wir davon

31,5 _m_, deren Widerstand sich auf etwa 1,25 Ohm beläuft.

7. Die hier angegebenen Verhältnisse brauchen nur dann berücksichtigt

zu werden, wenn wir von dem Motor unter größtmöglicher Ausnützung

der vorhandenen elektrischen Energie Arbeit verlangen. Soll die

Maschine nur ein Spielzeug sein, das sich dreht, wenn man einen Strom

hineinleitet, so sind wir daran nicht gebunden und können die Maße für

die Bewickelungsdrähte ganz willkürlich wählen.

[Sidenote: Induktionsströme.]

Nachdem Rudi seine verschiedenen Motoren vorgeführt und erklärt hatte,

ging er dazu über, soviel über Induktionsströme zu sprechen, als

unbedingt zum Verständnisse der magnetelektrischen Maschine und der

Dynamomaschine nötig war. An einigen kurzen Experimenten zeigte er

zuerst die Haupterscheinungen der Magnetinduktion und dann die der

Elektroinduktion.

[Sidenote: Magnetinduktion.]

Zur Demonstration der Entstehung von Induktionsströmen hatte sich Rudi

eine große hohle Drahtspule gemacht, auf der nahezu 80 _m_ eines 0,5

_mm_ starken Drahtes aufgewickelt waren. (Es genügen für diesen Versuch

aber auch kleinere Spulen.) Eine größere Anzahl von Stricknadeln hatte

er einzeln magnetisiert (Magnetisieren siehe Seite 90 u. 140) und dann

so zu einem Bündel zusammengebunden, daß alle gleichnamigen Pole auf

derselben Seite waren. Dadurch war ein starker Stabmagnet entstanden.

Die Drahtenden der Spule verband Rudi mit seinem Vertikalgalvanoskop.

Sobald er dann den Stabmagnet in die Spule hineinschob, schlug die

Nadel des Instruments einen Augenblick nach der einen Seite aus;

als er ihn herauszog, geschah der Ausschlag nach der anderen Seite.

Das gleiche Experiment wiederholte er, indem er den Magnet viel

rascher hineinsteckte und herauszog; dabei wurden die Ausschläge des

Galvanoskopes größer als vorher.

Nach diesem Versuche schob Rudi eine kurze Betrachtung über die

Kraftlinien ein, über die er ja schon im zweiten Vortrag eingehend

gesprochen hatte. Er erklärte fernerhin, daß, wenn ein Leiter der

Elektrizität von Kraftlinien durchschnitten wird, in ihm elektrische

Ströme auftreten. In einem beliebig geformten Leiter sind die Ströme

ungeordnet und kommen nicht zur Geltung. Geben wir aber dem Leiter die

Form eines langen, zur Spule aufgewickelten Drahtes, so summieren sich

die kleinsten Stromimpulse zu einem durch seine Wirkungen erkennbaren

elektrischen Strome. Ein Strom wird nur so lange erzeugt, als die

Kraftlinien in Bewegung sind. Je rascher sie sich bewegen, desto

stärker ist der Strom. Der Strom, der beim Eintritte von Kraftlinien in

einem Leiter entsteht, ist in seiner Richtung dem Strom, der durch die

austretenden Kraftlinien hervorgerufen wird, entgegengesetzt.

[Sidenote: Elektroinduktion.]

Ähnlich wie ein Stahlmagnet wirkt eine von einem Strome durchflossene

Spule. Um auch das zu zeigen, hatte sich Rudi eine kleinere Spule

gemacht, die in die größere eingesteckt werden konnte. Auch die

kleinere Spule war hohl, so daß es möglich war, einen Eisenkern in sie

hineinzuschieben. Rudi führte den Versuch zuerst ohne, dann mit dem

Eisenkern aus. In letzterem Falle war die Wirkung bedeutend stärker, da

durch die Gegenwart des Eisens die Zahl der Kraftlinien sehr vergrößert

wurde.

Der dritte Versuch bestand darin, daß Rudi die kleine Spule mit dem

Eisenkern in der großen stehen ließ und den Strom zur kleinen plötzlich

ein- und ausschaltete. Beim Einschalten des Stromes erhielt er den

Ausschlag des Galvanoskopes nach derselben Seite wie beim Eintauchen

des Magneten; das Ausschalten entsprach in dieser Beziehung seinem

Herausnehmen.

Nach diesen einleitenden Versuchen ging Rudi zur Erklärung der

Wirkungsweise der magnetelektrischen Maschine über. Er hatte sich

selbst eine solche gefertigt, und wir wollen nun sehen, wie man dabei

zu Wege gehen muß, um zu einem sicheren und guten Ergebnisse zu

gelangen.

[Sidenote: Die magnetelektrische Maschine.]

Um eine gutgehende magnetelektrische Maschine herstellen zu können,

bedürfen wir vor allem eines starken Stahlmagneten, dessen Form von

der des Ankers abhängt. Von den drei uns schon bekannten Ankerformen

kommen nur die beiden in Abb. 118 dargestellten in Betracht.

[Illustration: Abb. 118. Ankerformen für magnetelektrische Maschinen.]

Für die Stahlmagnete eignet sich der dänische Stahl am besten; für

unsere Zwecke jedoch genügt gewöhnlicher Werkzeugstahl, der in 50 bis

70 _cm_ langen Stäben als Rund- und Bandstahl von den verschiedensten

Querschnittdimensionen in den Handel kommt. Es können auch Sägeblätter

verwendet werden.

Die Doppel-_T_-Anker sind für solche Maschinen geeigneter als die

sogenannten Hufeisenanker, haben aber den Nachteil, daß wir sie nicht

selbst herstellen können. Man kann sie dagegen bei jedem Mechaniker

kaufen.

Der Werkzeugstahl kommt meist in weichem, geglühtem Zustand in den

Handel; trotzdem ist es vorteilhaft, ihn vor der Bearbeitung nochmals

durchzuglühen. Da es sich hier um ziemlich starke Stücke handelt, wird

allerdings in den meisten Fällen selbst ein guter Bunsenbrenner nicht

mehr genügen, die Eisenstäbe richtig zum Glühen zu bringen.

[Illustration: Abb. 119. Die improvisierte Schmiedeesse (Schnitt).]

[Sidenote: Die Schmiedeesse.]

Wir müssen uns deshalb rasch eine kleine ~Schmiedeesse~ anfertigen. An

das eine Ende eines Gummischlauches stecken wir einen alten Trichter

aus Eisenblech, an das andere einen Blasebalg. Der Trichter wird mit

der Öffnung nach oben in eine mit Sand gefüllte Kiste gesteckt und

der Schlauch zu einem in die Seite eingebohrten Loche hinausgeleitet.

Die Trichteröffnung wird etwa zur Hälfte mit etwas mehr als nußgroßen

Kieselsteinen angefüllt. Den Schnitt durch diese Einrichtung zeigt Abb.

119.

Nehmen wir nun an, unser Anker habe einen Durchmesser von 25 _mm_

und eine Länge von 30 _mm_, so brauchen wir ein 60 _cm_ langes, 12

_mm_ breites und 3 _mm_ dickes, ferner ein 18 _cm_ langes, 15 _mm_

breites und 3 _mm_ dickes Stück Bandstahl. Ersteres wird in zehn, je

6 _cm_ lange, letzteres in vier, je 4,5 _cm_ lange Stäbe zerlegt. Wie

diese später zu einem Magnetstock angeordnet werden, geht aus Abb.

120 hervor. Um den Anker an einer möglichst großen Fläche nahe zu

umschließen, müssen in den einander gegenüberstehenden Magnetschenkeln

der Ankerkrümmung entsprechende Aushöhlungen angebracht werden

(siehe Abb. 120 _A_). Um die einzelnen Stäbe zu einem festen Ganzen

zusammenzuhalten, müssen die längeren an dem dem Ankerausschnitt

entgegenliegenden Ende, die kürzeren an beiden Enden durchbohrt

werden. Es erübrigt nun noch, alle Kanten, mit Ausnahme derer der

Ankerausschnitte, mit Feile und Schmirgelpapier wohl abzurunden.

Je dünner die einzelnen Stäbe sind, desto besser lassen sie sich

magnetisieren, weshalb sich Sägeblätter sehr gut eignen. Auch können

wir dann das Magnetisieren in Ermangelung eines starken Stromes durch

Streichen mit einem Stahlmagneten bewerkstelligen (siehe unten). Zum

Ausfeilen der Rundung für den Anker klemmen wir dann eine größere

Anzahl solcher Blätter zusammen in den Schraubstock und befeilen sie

mit der halbrunden Eisenfeile.

[Sidenote: Härten und Magnetisieren von Stahlstäben.]

Jetzt müssen die Stahlstäbe gehärtet werden. In einem Holzkohlenfeuer,

das wir auf unserer Schmiedeesse entfachen, werden sie einzeln bis

auf helle Rotglut erhitzt und dann direkt aus dem Feuer heraus in

kaltes Wasser geworfen. Nachdem so alle Stäbe gehärtet sind, werden

sie mit Schmirgelleinwand von der durch das Glühen entstandenen

Oxydschicht etwas befreit und müssen dann magnetisiert werden.

Zu diesem Zweck stellen wir uns eine Drahtspule her, in die die

Stahlstäbe gerade hineinpassen. Die Bewickelung muß so gewählt werden,

daß mit der uns zur Verfügung stehenden Stromquelle ein möglichst

~starker~ Gleichstrom durch möglichst ~viele Windungen~ fließt. Mit

Hilfe des Ohmschen Gesetzes (Seite 86 u. f.) ist es nicht schwer,

das festzustellen. Ist unsere Stromquelle überhaupt schwach, so

müssen wir den Strom entsprechend länger wirken lassen, was jedoch

den Mangel an Intensität bei weitem nicht ersetzen kann. Es ist weit

vorteilhafter, 12 Ampere 2½ Minuten wirken zu lassen, als z. B. 1

Ampere 30 Minuten. Nach einem andern Verfahren, das aber auch einen

starken Strom erfordert, verfährt man folgendermaßen: Man windet sich

aus 2 bis 2,5 _mm_ starkem, isoliertem Kupferdraht eine Spule, die

aber für die kürzeren Magnetstäbe nicht länger als 2 _cm_, für die

längeren nicht länger als 2,5 bis 3 _cm_ sein darf. In diese Spule

bringen wir den zu magnetisierenden Stab so, daß die Spule genau über

seiner Mitte liegt; erst jetzt wird ein möglichst starker Strom durch

die Windungen geschickt und der Stab so in der Spule etwa 15 bis 20

mal hin und her geschoben, daß das Stabende der einen Seite immer nur

bis zum Spulenende der gleichen Seite geführt wird. Man hört wieder in

der Mitte auf und zwar so, daß jede Stabhälfte gleich oft durch die

Spule gegangen ist; dann wird der Strom abgestellt. Steht uns kein

starker Strom zur Verfügung, so tun wir gut daran, das Magnetisieren

von einem zuverlässigen Mechaniker besorgen zu lassen. Stehen uns gute,

starke Stahlmagnete zur Verfügung, so können wir unsere Stäbe auch

durch Streichen magnetisch machen. Das einfachste Verfahren, wozu wir

auch nur ~einen~ Magneten brauchen, besteht darin, daß man erst den

einen, z. B. den Nordpol des Strichmagneten, in der Mitte auf den zu

magnetisierenden Stab aufsetzt, ihn unter starkem Aufdrücken nach dem

Ende zu führt, da hochhebt, in der Luft im Bogen zurückgeht, wieder

in der Mitte aufsetzt u. s. f. 10 bis 20 mal; dann wiederholt man

das gleiche Verfahren mit dem anderen Pol nach der anderen Seite des

Stabes. Bessere Resultate gibt folgendes Verfahren: Wir legen zwischen

2 Stabmagnete ein Holz, das so dick wie die Magnete und 1 bis 2 _cm_

kürzer als die zu magnetisierenden Stäbe ist; rechts liegt der Nordpol,

links der Südpol am Holz an. Darauf wird der Stahlstab so gelegt, daß

seine Enden auf den Magnetpolen aufliegen. Zwei weitere Stabmagnete

werden, durch ein 5 _mm_ dickes Hölzchen getrennt, so in der Mitte des

Stabes aufgesetzt, daß sie mit diesem Winkel von 45° bilden und daß

rechts der Nord-, links der Südpol aufliegt. Nun fährt man erst an das

eine Ende (nicht darüber hinaus!), dann über die Mitte weg nach dem

anderen u. s. f. 10 bis 20 mal und hört so in der Mitte auf, daß man

gleich oft über jede Hälfte gefahren ist.

Es ist besonders darauf zu achten, daß die eine Hälfte, also

fünf Stück, der längeren Stahlstäbe an dem mit dem Ausschnitt

versehenen Ende + (nord-) magnetisch, die andere Hälfte der Stäbe

an dem ausgeschnittenen Ende − (süd-) magnetisch werden. Mit einer

freischwebenden Magnetnadel stellen wir die Nord- und Südpole der

einzelnen Magnete genau fest und bezeichnen sie deutlich mittels

Tinte mit den Zeichen + und −. Nun werden diese Magnete in der aus

Abb. 120 hervorgehenden Anordnung zusammengestellt. Zwei Eisenstäbe,

die an beiden Enden mit Gewinden versehen sind, werden durch die

Löcher geschoben, und mit je zwei Muttern werden die Magnete fest

zusammengepreßt. Sollten an den Berührungsflächen der einzelnen

Magnete infolge des Glühens oder eines anderen Umstandes Unebenheiten

aufgetreten sein, so müssen diese durch Schleifen, was aber vor dem

Magnetisieren auszuführen ist, mit Schmirgel beseitigt werden, feilen

läßt sich gehärteter Stahl nicht mehr!

Den so gewonnenen Magnetstock können wir dadurch verstärken, daß wir

uns noch Magnete von passender Größe herstellen, mit denen wir die

Zwischenräume zwischen den einzelnen Stäben ausfüllen, natürlich unter

richtiger Berücksichtigung der Pole.

[Illustration: Abb. 120. Der aus einzelnen Stäben zusammengesetzte

Magnetstock.]

[Illustration: Abb. 121. Gleich- und Wechselstromabnehmer auf einer

Achse.]

Wir kommen nun zur Bewickelung des Ankers. Je länger und dünner der

Draht ist, den wir verwenden, desto höher ist die Spannung und desto

geringer die Stromstärke. Für eine Maschine in den hier angegebenen

Dimensionen dürfte ein 0,3 bis 0,5 _mm_ starker Draht die besten

Resultate ergeben. Die Drahtenden werden zu einem Kollektor geführt,

wie er schon auf Seite 123 beschrieben worden ist. Die Stellung der

Schleiffedern ist hier genau dieselbe wie dort. Außer diesem Kollektor,

der den in den Spulen induzierten Wechselstrom in Gleichstrom

umwandelt, können wir auch einen solchen zur Abnahme von Wechselstrom

auf der Achse anbringen. Er besteht einfach aus zwei nebeneinander

liegenden, aber voneinander isolierten Metallringen. Abb. 121 zeigt

beide Kollektoren nebeneinander auf einer Achse. Die Drahtenden der

Spule, die zu dem äußeren der beiden Kollektoren führen, müssen

natürlich ~unter~ dem inneren hindurchgehen.

[Illustration: Abb. 122. Verschiedene Formen für Feldmagnete.]

Verwenden wir statt des Doppel-_T_-Ankers den in Abbildung 118 _B_

abgebildeten, so ist der dazu nötige Stahlmagnet etwas einfacher

herzustellen. Abb. 122 zeigt drei verschiedene Formen. Für die

Verwendung von Sägeblättern dürfte die Form _C_ am geeignetesten sein;

natürlich müssen dann mehr als drei Streifen zusammengelegt werden. Die

Stirnfläche des Feldmagneten soll mindestens 1 _qcm_ groß sein.

Abb. 123 zeigt den Anker mit den Spulen (_d_) und deren Stellung zum

Feldmagnet (_a_) im Schnitt; _c_ ist die Achse, _b_ der Ankerkern, _e_

der Kollektor. Diese Teile sind den entsprechenden des auf Seite 123

beschriebenen Elektromotors in jedem Punkte gleich. Für die Bewickelung

gilt das nämliche wie beim Doppel-_T_-Anker.

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 10 / 24 段