Der zweispulige Elektromagnet _f_ wird ebenso hergestellt wie der

der elektrischen Klingel; er muß aber etwas größer und stärker sein.

Auf dem Hebel _d_ wird an dem Ankerende ein etwa 1 _cm_ breiter

Blechstreifen aus gehämmertem, 0,5 bis 0,7 _mm_ starkem Messingblech

angebracht. Dieser Streifen soll nahezu so lang sein wie der Hebel

selbst. Das vorderste Ende (1 _cm_) wird rechtwinkelig aufgebogen und

ein kurzes Stückchen Messingrohr mit etwa 5 _mm_ lichter Weite, in das

wir später einen weichen Bleistift stecken, wird daselbst festgelötet.

In den _Lagerträgern i₁_ und _i₂_ sind, wie dies in Abb. 98 zu sehen

ist, zwei gedrehte Holzwalzen (_k₁_ und _k₂_) eingelassen, die 1,5

bis 2 _cm_ dick sind. Der eine Lagerfortsatz der Walze _k₂_ muß etwas

länger sein, damit wir eine Kurbel an ihm befestigen können.

[Illustration: Abb. 98. Rollen zur Bewegung des Papierstreifens

(Schnitt).]

Da beide Walzen stets fest aufeinanderliegen müssen, so sind die

Lager von _k₁_ so einzurichten, daß sie vermittels zweier Schrauben

niedergedrückt werden können, wie dies aus Abb. 99 zu ersehen ist:

Aus dem oberen Ende des Lagerträgers _i_ wird ein rechteckiges Stück

(_a_), das die Bohrung für die Rollenachse enthält, herausgesägt und

der dadurch entstandene rechteckige Einschnitt noch etwas vertieft.

Damit _a_ nicht nach außen herausfallen kann, werden die Enden der

Rollenachsen, nachdem die Stückchen _a_ darübergeschoben sind, mit

kleinen Scheibchen (_c_, Abb. 98) beklebt. Durch Aufschrauben des

Leistchens _b_ (Abb. 98 und 99) wird _a_ niedergedrückt, und dadurch

werden die beiden Rollen, die wir noch je mit einem Stückchen

Gummischlauch überziehen, aufeinandergepreßt. Die Lagerträger _i_ sind

so auf _a_ anzuschrauben, daß _k₁_ gerade unter das Messingröhrchen,

das wir am Ende von _h_ angelötet haben, zu liegen kommt. Die beiden

Träger _l₁_, _l₂_ haben oben offene Einschnitte, so daß wir den runden

Holzstab, auf den wir die Papierstreifenrolle aufschieben, bequem

einsetzen können. Nun führen wir noch die beiden Drahtenden des

Elektromagneten zu zwei Klemmen an einem Ende des Brettchens _a_.

[Illustration: Abb. 99. Rollen zur Bewegung des Papierstreifens

(Seitenansicht).]

Wer etwa eine alte Wanduhr, die ihren Zweck als solche nicht mehr

erfüllt, besitzt, kann diese zum maschinellen Antrieb für die Rollen

_k_ benutzen. Alles für diesen Zweck Unnötige wird von der Uhr

entfernt; also Zifferblatt, Zeiger, auch die Zahnradübersetzung 1 : 12

für den Stundenzeiger; ferner wird Pendel, Anker und Ankerrädchen

herausgenommen. Das Rädchen, das zum Antrieb für das Ankerrädchen

gedient hat, wird durch Anlöten zweier Blechplättchen mit Windflügeln

versehen. Die Hauptachse, auf der der Minutenzeiger saß, wird mit der

Rolle _k₂_ verbunden. Die Uhr selbst wird auch auf dem Grundbrette

befestigt. In dem Werke bringen wir einen Hebel so verstellbar an,

daß er das Flügelrädchen entweder freigibt oder festhält. Sollte nun

die Geschwindigkeit, die die Uhr den Rollen erteilt, zu groß sein,

so können wir, falls der Antrieb mit einem Gewicht erfolgt, dieses

verkleinern. Bei Federantrieb geht das nicht; wir müssen deshalb das

Ankerrädchen wieder einsetzen und an dieses die Flügel anlöten; durch

Verbiegen der letzteren können wir die Geschwindigkeit noch weiter

regeln. War die Geschwindigkeit zu gering, so müssen wir eben noch ein

weiteres Übersetzungsrädchen herausnehmen.

[Illustration: Abb. 100. Morsetaster.]

Wir brauchen nun noch den Taster, der in Abb. 100 dargestellt ist.

Er besteht aus einem Grundbrett und einem 1 _cm_ breiten und etwa 7

_cm_ langen Streifen aus federndem Messingblech, ist an einem Ende

auf dem Grundbrett aufgeschraubt und am anderen, wie die Abbildung

zeigt, umgebogen. Unter dem umgebogenen Ende ist ein Nagel mit einem

Messingkopf angebracht. Dieser ist mit der einen, die Feder mit der

zweiten Klemme in leitender Verbindung; mit der dritten Klemme ist ein

Blechstreifen leitend verbunden, der über die Feder reicht und diese,

wenn sie nicht niedergedrückt wird, berührt. Es ist gut, wenn die

Verbindungsdrähte nicht nur eingeklemmt, sondern festgelötet werden.

Um den telegraphischen Verkehr zwischen zwei Stationen zu erläutern,

hatte Rudi sich zwei Apparate gemacht, die er an den beiden Tischenden

aufstellte und mit Batterie und Klingel so schaltete, wie die Abb.

101 zeigt. Hier sind die Apparate der beiden Stationen (I und II)

folgendermaßen bezeichnet: _M_ = Morseapparat, _T_ = Taster, _B_

= Batterie (3 bis 4 Leclanché-Elemente), _g_ = Glocke und _U_ =

Umschalter. Letzterer ist ähnlich konstruiert wie der Kommutator (siehe

Seite 101); er erlaubt mit einem Handgriff entweder die Glocke, oder

den Morseapparat einzuschalten.

[Illustration: Abb. 101. Schaltungsschema der Morseapparate.]

Angenommen, man will von Station I nach Station II telegraphieren, so

hat man folgendes zu tun: Der Umschalter ist so zu stellen, daß der

Morseapparat statt der Glocke eingeschaltet ist; dann wird der Taster

niedergedrückt, wodurch die Glocke bei II ertönt. Dabei macht der

Strom folgenden Weg: in _T₁_ wird der Kontakt _a₁_ geschlossen; von da

geht der Strom nach _B₁_, _b₁_, _c₁_, _d₁_, _M₁_, _e₁_, _k₁_, _l₁_,

_f_, _l₂_, und da hier _U₂_ noch auf die Glocke geschaltet ist, nach

_o₂_, durch _g₂_ hindurch nach _p₂_, _n₂_, _i_, _n₁_, _m₁_, _g₁_ und

_a₁_. Durch das Glockenzeichen aufmerksam gemacht, wird nun auf II der

Umschalter von _g₂_ auf den Morseapparat umgeschaltet und zum Zeichen,

daß dies geschehen, der Taster ein paarmal niedergedrückt; dies bemerkt

man in I an dem Aufschlagen des Ankers auf den Elektromagneten. In II

wird nun der Papierstreifen in Bewegung gesetzt und in I der Taster.

Drücken wir diesen längere Zeit nieder, etwa 1 Sekunde, so wird in II

ebensolang der Anker angezogen und dadurch der Bleistift auf das über

die Rollen gleitende Papier gedrückt, wodurch ein Strich aufgezeichnet

wird. Drückt man dagegen den Taster nur ganz kurz nieder, so wird

dadurch nur ein Punkt entstehen. Aus verschiedenen Zusammenstellungen

von Punkten und Strichen hat man ein Alphabet festgesetzt, das hier

wiedergegeben werden soll.

Die Zeichen für die Buchstaben sind:

a . -- j . -- -- -- s . . .

ä . -- . -- k -- . -- t --

b -- . . . l . -- . . u . . --

c -- . -- . m -- -- ü . . -- --

d -- . . n -- . v . . . --

e . o -- -- -- w . -- --

f . . -- . ö -- -- -- . x -- . . --

g -- -- . p . -- -- . y -- . -- --

h . . . . q -- -- . -- z -- -- . .

i . . r . -- . ch -- -- -- --

Die Zeichen für die Zahlen sind:

1 . -- -- -- -- 4 . . . . -- 8 -- -- -- . .

2 . . -- -- -- 5 . . . . . 9 -- -- -- -- .

3 . . . -- -- 6 -- . . . . 0 -- -- -- -- --

7 -- -- . . .

Weitere Zeichen sind noch für:

Punkt . . . . . Komma . -- . -- . -- Fragezeichen . . -- -- . .

Ausrufzeichen -- -- . . -- --

Nachdem Rudi seiner Schwester auf diese Weise ein Telegramm über

den Tisch hinüber gesandt und Käthe es übersetzt hatte, erwähnte er

noch, daß man in der Praxis die eine der beiden Leitungen nicht legt,

sondern den Strom durch die Erde leitet. Auch erklärte er, daß man

mit dieser einfachen Einrichtung nicht auf sehr große Entfernungen

telegraphieren könnte, da in dem großen Widerstand des langen Drahtes

der Strom so sehr geschwächt würde, daß er nicht mehr im stande wäre,

einen Morseapparat in Tätigkeit zu setzen. Man bediene sich deshalb der

sogenannten Relais. Rudi beschrieb nur die Einrichtung und Schaltung

des Relais, da er sich keines hergestellt hatte. Er mußte es jedoch

später für die drahtlose Telegraphie anfertigen, und es sei deshalb

schon hier beschrieben.

[Sidenote: Das Relais.]

Abb. 102 zeigt das Relais im Grundriß. Im wesentlichen ist es

konstruiert wie die elektrische Glocke; nur fehlt die Glockenschale,

und die Kontaktspitze befindet sich auf der Seite des Ankers, auf der

auch der Elektromagnet ist. Der Anker steht ~höchstens~ 0,5 _mm_ von

den Magnetpolen entfernt, und die Feder darf nicht sehr stark sein;

ihre Spannung kann mit der Stellschraube _e_ reguliert werden. Man darf

nicht vergessen, die Polenden mit Papier zu bekleben. Die Kontaktspitze

ist so zu stellen, daß sie etwa 0,5 _mm_ von der ihr gegenüberliegenden

Verlängerung der Feder absteht. Für normale Ansprüche genügt hier die

gleiche Bewickelung, wie bei der Klingel. Nehmen wir mehr und etwas

dünneren Draht, so wird das Instrument empfindlicher.

[Illustration: Abb. 102. Relais im Grundriß.]

Zum Gebrauche werden die Fernleitungen an die beiden Klemmen _a_

und _b_ angeschlossen; die Klemme _c_ wird mit der einen Klemme des

Morseapparates, _d_ mit dem einen Pol der Batterie und die andere

Klemme des Apparats mit dem anderen Pole der Batterie verbunden. Kommt

nun durch die Ferndrähte von der anderen Station ein Strom, so wird

er, auch wenn er sehr schwach ist, den Anker des empfindlichen Relais

anziehen; dadurch wird aber der lokale, durch den Morseapparat gehende

Batteriestrom geschlossen und der Schreibstift auf den Papierstreifen

niedergedrückt. Hört der Fernstrom auf, so geht der Anker des Relais

zurück und unterbricht damit auch den lokalen Strom u. s. w.

[Sidenote: Der Elektromotor.]

Eine weitere, in der Praxis ungeheuer wichtig gewordene elektrische

Maschine ist der Elektromotor.

Alle die Konstruktionen, nach denen man sich gute Elektromotoren

selbst anfertigen kann, hier zu beschreiben, würde zu weit führen. Es

seien deshalb nur die Haupttypen erwähnt.

[Illustration: Abb. 103. Elektromotor im Grundriß.]

_a_) ~Mit zweipoligem Hufeisenanker.~ Der einfachste Motor besteht aus

zwei einander mit den Polen gegenüberstehenden Elektromagneten, von

denen der eine fest (~Feldmagnet~), der andere drehbar ist (~Anker~).

Die Anordnung geht aus Abb. 103 hervor. _A_ ist der feste, _B_ der

bewegliche Magnet; beide sind im wesentlichen ebenso hergestellt wie

die der elektrischen Klingel, nur müssen hier die beiden Magnetschenkel

weiter auseinanderstehen, da zwischen ihnen die Achse und deren

Lagerträger Platz finden müssen. Das Verbindungsstück des drehbaren

Magneten ist in der Mitte mit einer Bohrung versehen zur Aufnahme der

Achse, die angelötet werden kann. Die Lager werden so hergestellt,

wie es schon früher (siehe Seite 22 u. f.) beschrieben wurde, und

müssen auch hier gleich eingeölt werden. Bei _c_ wird die Achse mit

einer Feile etwas aufgerauht und auf eine Strecke von 1 bis 2 _cm_ in

2 oder 3 Lagen mit Bindfaden umwunden. Dabei ist darauf zu achten,

daß alle Windungen regelmäßig nebeneinander liegen. Der dadurch

entstandene Wulst ist reichlich mit Schellacklösung (siehe Seite 20)

zu bestreichen. Er muß so dick sein, daß wir gerade noch ein etwa 1,5

_cm_ langes Stückchen Messingrohr darüberschieben können. Letzteres

wird in zwei Halbzylinder zersägt und so auf dem Wulste befestigt, daß

die beiden Hälften einander nicht berühren. Ihre Befestigung erfolgt

dadurch, daß wir sie nahe den äußeren Rändern mehrmals mit einem

starken Seidenfaden umwinden (siehe auch Seite 143, Abb. 121). Diesen

Teil der Maschine nennt man den ~Kollektor~, obgleich die Bezeichnung

hier nicht ganz richtig ist; besser wäre es, diesen Teil Kommutator zu

nennen; denn er bewirkt, daß die Stromrichtung im Anker im geeigneten

Moment geändert wird. Der Ausdruck Kollektor ist von den Ring- und

Trommelankermaschinen übernommen. -- Die Enden der Ankerbewickelung

sind an den beiden Halbröhrchen, deren Stellung zu den Magnetpolen

aus Abb. 104 zu erkennen ist, anzulöten. Der Strom wird dem Anker

durch zwei auf dem Kollektor schleifende Federn aus Kupferblech (_a_

und _b_) zugeführt. Wie die einzelnen Drähte zu verbinden sind, geht

aus Abb. 103 hervor. Der Strom tritt bei _d_ ein, geht durch die

beiden Spulen des Feldmagneten zur oberen Schleiffeder (_b_), durch

die Ankerwickelung zur unteren Schleiffeder (_a_) und durch _e_ zur

Stromquelle zurück.

[Illustration: Abb. 104. Wirkungsschema des Elektromotors.]

Betrachten wir nun die drei schematischen Bilder der Abb. 104. In

_A_ geht der Strom so durch den Draht, daß die Pole die vermerkten

Vorzeichen erhalten. Die Folge davon ist, daß die Ankerpole von denen

des Feldmagneten angezogen werden, bis sie die in _B_ angedeutete

Stellung erreicht haben. Hier wird nun die Stromrichtung in der

Ankerwickelung gewechselt, da der zur unteren Schleiffeder eintretende

Strom jetzt durch die andere Kollektorhälfte in die Ankerwindungen

eintritt; dadurch werden die einander gegenüberstehenden Pole

gleichnamig magnetisch und stoßen einander ab, wodurch die Stellung _C_

erreicht wird u. s. w.

[Illustration: Abb. 105. Vierpoliger Hufeisenanker.]

[Illustration: Abb. 106. Verlauf des Stromes beim vierpoligen Anker.]

_b_) ~Mit vierpoligem Hufeisenanker.~ Wollen wir die Wirkung dieses

Motors verstärken, so können wir statt eines zweipoligen einen

vierpoligen Anker verwenden, wie ihn Abb. 105 zeigt. Dementsprechend

ist auch der Kollektor vierteilig zu machen, und es sind die

Drahtenden der einzelnen Spulen so mit den vier Kollektorlamellen zu

verbinden, wie das Abb. 106 zeigt. Hier sind die beiden Schleiffedern,

das heißt die Stellen, an denen der Strom ein- und austritt, mit

den Pfeilen α und β bezeichnet. Wie dann der Strom die Magnetpole

umkreist, ist durch kleine Pfeile angedeutet. Wir können uns neben der

Ampereschen Schwimmerregel zur Bestimmung der Magnetpole noch eine

andere, etwas einfachere Regel merken. Sehen wir auf die Polfläche

eines Elektromagneten und lassen den Strom ~gegen~ die Richtung der

Uhrzeigerbewegung, also ~links~ herum kreisen, so wird der Pol ein

~Nordpol~; geht dagegen der Strom in gleicher Drehungsrichtung wie der

Uhrzeiger, also rechts herum, so wird der Pol ein ~Südpol~.

Wir können noch weiter gehen und auch den Feldmagnet vierpolig

machen. Dann müssen aber die einander ~gegenüberstehenden~ Pole des

Ankers jeweils ~gleichnamig~ magnetisch sein und ebenso die Pole des

Feldmagneten. Die Stromumkehr im Anker muß immer dann erfolgen, wenn

Anker und Feldmagnetpole einander gegenüberstehen.

[Illustration: Abb. 107. Sechspoliger Elektromotor.]

_c_) ~Mit sternförmigem sechspoligem Anker.~ Abb. 107 zeigt eine

sechspolige Maschine, bei der aber Feldmagnete und Anker etwas anders

angeordnet sind als bei der oben beschriebenen Maschine. Diese nach

einer photographischen Aufnahme wiedergegebene Maschine kann sich jeder

mit sehr geringen Hilfsmitteln anfertigen. Der Anker besteht aus einem

sechsteiligen Stern, der aus geglühtem Eisendraht zusammengesetzt ist.

Jeder Teil dieses Sternes besteht aus einem Drahtbündel, das fest

mit dünnem Bindfaden zu umwinden ist. Durch die Mitte geht eine als

Achse dienende Messingstange, die mit den Drähten verlötet ist. Damit

die Polenden des Ankers alle gleichweit von der Mitte entfernt seien

-- und das ist sehr wichtig --, wurden die einzelnen Drähte zuerst

etwas länger genommen und die umwundenen Bündel dann an der richtigen

Stelle abgesägt; denn feilen lassen sich die Enden solcher Drahtbündel

nicht gut. Die einzelnen Schenkel des Feldmagneten sind gleichfalls

aus Drahtstücken hergestellt, die in ein aus vier Bandeisenstreifen

hergestelltes und mit Draht umwundenes Sechseck eingeklemmt sind. In

die vier Eisenbänder wurden an den sechs Stellen der Magnetschenkel

halbrunde Ausschnitte eingefeilt, in welche die runden Drahtbündel

eingeklemmt werden konnten, ohne ihre Form zu verlieren. Die Maschine

ist für zweiphasigen Wechselstrom von 120 Volt gebaut, kann aber

auch für Gleichstrom verwendet werden und dient zum Antrieb für eine

Influenzelektrisiermaschine von 50 _cm_ Scheibendurchmesser. Der

Abstand zweier Sechseckseiten beträgt 20 _cm_. Werden die Magnetenden

noch mit Polschuhen versehen (siehe unten), so wird die Wirkung erhöht.

_d_) ~Mit Doppel-_T_-Anker.~ Die Motoren mit dem Doppel-_T_-Anker sind

zwar in ihrer Konstruktion sehr einfach, haben aber den Nachteil, daß

wir uns den Anker, wie den Feldmagnet nicht selbst herstellen können.

Wir kommen auf diese Ankerform bei der magnetelektrischen Maschine

(Seite 138 u. f.) nochmals zurück und gehen darum hier nicht näher

darauf ein. Bei all den hier beschriebenen Maschinen sind die Lager für

die Achsen nach der auf Seite 22 u. f. angegebenen Weise anzufertigen

und sofort zu ölen.

_e_) ~Mit Ringanker.~ Rudi erklärte in diesem Vortrag auch den

Grammeschen Ring ziemlich ausführlich. Er hatte sich einen

Ringankermotor gebaut, der ihn allerdings sehr viel Zeit und Arbeit

kostete, wobei er sich aber durch manchen Mißerfolg nicht abschrecken

ließ.

Es möge hier die Herstellung einer solchen Ringmaschine beschrieben

werden; doch es sei vorher erwähnt, daß nur sauberste und sorgfältigste

Arbeit einen guten Erfolg verbürgt.

Zuerst wollen wir jedoch das Wesen des Grammeschen Ringes kennen

lernen, das Rudi mit einem einfachen Experiment seinen Hörern klar

machte. Er umwickelte zwei halbkreisförmig gebogene kleine Eisenstangen

nach der in Abb. 108 angegebenen Weise in wenig Windungen mit je

einem isolierten Kupferdrahte, durch den er dann in einer bestimmten

Richtung den Strom schickte und die dabei entstehenden Magnetpole

durch die Ablenkung der Magnetnadel erkennen ließ. Als er nun die

beiden Halbkreise so mit den gleichnamigen Polen zusammenhielt, daß

ein geschlossener Kreis entstand, wirkte der Ring wie ein einziger,

zweipoliger Magnet.

[Illustration: Abb. 108. Entstehung der Pole im Grammeschen Ring.]

[Illustration: Abb. 109. Form f. d. Grammeschen Ring.]

So einfach die Herstellung dieses Modells des Grammeschen Ringes ist,

soviel Mühe und Sorgfalt erfordert der richtige Ringanker.

Der Kern des Ankers, der die Form eines flachen Ringes erhält, wird

aus 0,5 _mm_ starkem gut durchgeglühtem Eisendraht hergestellt, indem

wir den Draht auf eine entsprechende Form aufwinden. Den Schnitt durch

diese Form zeigt Abb. 109. Ein rundes Brettchen, dessen Durchmesser

gleich dem der Öffnung des Ringes ist, wird beiderseits mit zwei

größeren Brettchen begrenzt, so daß eine Rinne entsteht, in die der

Draht hineingewickelt wird. (Die Größenverhältnisse der einzelnen Teile

kann man der Abb. 114 entnehmen.) Zwischen die einzelnen Lagen wird

reichlich eine dicke Schellacklösung gegossen, die nach dem Trocknen

den Draht zusammenhält, so daß die runden Brettchen entfernt werden

können.

Der Ring wird nun mit zwölf kleinen Drahtspulen umgeben, wie wir

aus Abb. 110 ersehen können. Um diese Spulen möglichst regelmäßig

anbringen zu können, bezeichnen wir die betreffenden Stellen durch

Papierstreifchen, die wir mit Schellack aufkleben. Jede Spule erhält

drei bis vier Lagen eines ~gut~ isolierten Kupferdrahtes. Über die

Drahtstärken wird weiter unten (Seite 134) noch ausführlich gesprochen

werden. Kommt mit Baumwolle umsponnener Draht zur Verwendung, so ist

dieser während des Aufwickelns mit Schellacklösung zu bestreichen.

Bei doppelt mit Seide umsponnenem Draht ist das nicht nötig, es trägt

jedoch zur größeren Festigkeit der Spulen bei. Die Drahtenden werden

von ihrer Isolierung befreit, und jeweils wird der Anfang des Drahtes

der einen Spule mit dem Ende des Drahtes der nächsten zusammengedreht.

[Illustration: Abb. 110. Der mit 12 Spulen bewickelte Grammesche Ring.]

[Illustration: Abb. 111. Holzkern für den Grammeschen Ring (Schnitt).]

[Illustration: Abb. 112. Schnitt durch Holzkern und Ring.]

Um den Anker bequem auf eine Achse montieren zu können, lassen wir uns

einen Holzkern drehen, den Abb. 111 im Durchschnitt zeigt. Der dickere

Teil soll gerade in den bewickelten Ring hineinpassen und der dünnere

einen Durchmesser von mindestens 1,5 _cm_ haben. Abb. 112 zeigt diesen

Kern nochmals im Schnitt mit dem darübergeschobenen Ring, der an seiner

Stelle genau senkrecht zu der Richtung der Längsbohrung fest sitzen

muß. Um den Ring möglichst fest mit dem Holze zu verbinden, bestreichen

wir beide Teile vor dem Zusammenfügen mit Schellackkitt (siehe Seite 5).

Der dünnere Teil des Holzkerns wird nun in zwölf gleiche Teile

eingeteilt; auf den Teilstrichen sollen Kupferblechstreifen befestigt

werden, die, wie Abb. 113 zeigt, alle an ihrem hinteren Ende umgebogen

sind und an dem dickeren Teil des Kernes anliegen. Die Streifen

(~Kollektorlamellen~) sollen so breit sein, daß die Zwischenräume

zwischen den einzelnen nur etwa 1 _mm_ betragen. Um die Lamellen sicher

und regelmäßig befestigen zu können, verfahren wir folgendermaßen: Wir

bestreichen den Kern mit sehr dicker Schellacklösung und drücken die

heißgemachten Blechstreifen auf, wenn der Schellack fast getrocknet

ist. Die Streifen müssen sofort genau an ihre richtige Stelle gebracht

werden, da sie nachträglich nicht mehr verschoben werden können. Um zu

verhindern, daß sie beim Gange der Maschine durch die Zentrifugalkraft

abgeschleudert werden, müssen wir sie nahe dem vorderen und hinteren

Ende mit in Schellack getränktem Bindfaden umwinden (siehe auch Abb.

114). Nun werden die an dem dickeren Teil des Holzkernes anliegenden

Enden der Kupferstreifen gereinigt und mit den zusammengedrehten

Drahtenden der Spulen verlötet.

[Illustration: Abb. 113. Ringanker mit Kollektor.]

[Illustration: Abb. 114. Fertiger Motor (links Ansicht, rechts

Schnitt).]

Die übrigen Teile der Maschine sind alle aus Abb. 114 und 115 zu

erkennen. Die linke Hälfte der Abb. 114 ist als ~Ansicht~ von vorne,

die rechte als Horizontalschnitt gezeichnet; nur der Kollektor und

das Schleiffedergestell sind nicht geteilt, sondern ganz als Ansicht

gezeichnet.

Zur Erzeugung eines kräftigen magnetischen Feldes, in welchem sich der

Anker drehen soll, dienen zwei starke Elektromagnete. Für geringere

Ansprüche genügt auch einer; es ist dann nur der untere in Abb. 114

auszuführen.

Der untere Magnet wird ähnlich hergestellt, wie der, den wir auf Seite

113 kennen gelernt haben. In ein ziemlich langes Stück Bandeisen _b_

(Abb. 114) wird in die Mitte ein Loch gebohrt, das später das Lager für

die Achse aufnehmen soll. In einem Abstand von der Mitte, der sich aus

der Figur ergibt, sind zwei starke Stücke Rundeisen _c_ einzunieten,

die die Magnetschenkel bilden. Die Nietfortsätze (_d_) sind durch

Befeilen oder auf der Drehbank herzustellen. Wer im Besitze eines

Gewindeschneideapparates ist, tut am besten, alle in der Figur als

vernietet gezeichneten Teile zu verschrauben. Um den Ring auf einer

möglichst großen Fläche zu umfassen, werden die Pole mit sogenannten

Polschuhen (_e_) versehen. Die Form eines Polschuhes ist aus Abb. 116,

sein Größenverhältnis zum Anker an Abb. 115 (_e¹_) zu erkennen (_e¹_

sind zwar die Polschuhe des oberen Magneten; diese aber haben genau

dieselbe Form wie die des unteren). Bevor wir die Polschuhe aufnieten,

müssen die fertig gewickelten Drahtspulen (_f_) über die Kerne

geschoben werden. (Über Drahtstärken siehe unten.)

Die beiden Schenkel des oberen Magneten sind etwas anders geformt.

Damit die Gestelle der Schleiffedern Platz und Spielraum haben,

sitzen die Kerne, die hier flach sind, weiter außen. _b¹_ ist ein

Stück Bandeisen von derselben Stärke wie _b_. Es enthält in der Mitte

ebenfalls eine Bohrung zur Aufnahme des Lagers, ferner zwei Löcher für

die beiden Nietzapfen (_d¹_) des flachen Kernes _c¹_; dieser erhält auf

seiner Außenseite einen kurzen Fortsatz (in der Figur etwas zu lang

gezeichnet), der nach unten zeigt und dem Anker, wie dies aus der Figur

zu ersehen ist, möglichst nahe steht. Die übrigen Löcher in _b¹_ werden

jetzt auch gleich eingebohrt, doch soll erst später ihre Lage und Weite

mitgeteilt werden. Diese Teile können wir auch in Abb. 115 erkennen.

Die einzelnen Stücke sind da mit denselben Buchstaben bezeichnet wie

in Abb. 114. Die linke Hälfte der Abbildung ist als von oben gesehen

gezeichnet; die rechte ist so gedacht, als wäre die Maschine in Höhe

der Kollektormitte durchschnitten und ebenfalls von oben gesehen.

Entsprechend dem flachen Querschnitt der Kerne _c¹_ sind auch die

Drahtspulen _f¹_ flach, genau über den Kern passend herzustellen.

Die Polschuhe _e¹_ werden wie bei dem unteren Magneten erst dann

aufgenietet, wenn die bewickelten Spulen über die Kerne geschoben

sind. Da _c¹_ weiter von der Mitte entfernt ist als _c_, so muß _e¹_

so an _c¹_ angenietet werden, daß die Abstände von _e_, _e_ und _e¹_,

_e¹_ gleich sind; denn die Polschuhe sollen nachher beim Montieren der

Maschine genau übereinander liegen.

[Illustration: Abb. 115. Motor von oben gesehen (rechts Schnitt).]

[Illustration: Abb. 116. Gestalt eines Polschuhes.]

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 9 / 24 段