Um den Begriff der Kraftlinien zu erläutern, legte Rudi einen

starken Stabmagneten unter einen weißen Karton, den er mit feinen

Eisenfeilspänen bestreute und durch Klopfen mit dem Finger leicht

erschütterte; dabei ordneten sich die Eisenspäne nach den Kraftlinien

des Magneten. Solche Kraftlinienbilder hatte sich Rudi schon vor dem

Vortrag mehrere hergestellt und sie durch sehr reichliches Bestäuben

mit Fixativ fixiert; diese gab er nun seinen Hörern, da die Linien

des anderen beim Herumgeben zu bald zerstört worden wären. Um zu

zeigen, daß sich um jeden Strom, auch wenn er geradlinig verläuft, ein

kreisförmiges magnetisches Feld ausbreite, steckte Rudi durch das Loch

einer dünnen Messingscheibe, die er mit Eisenfeile bestreute, einen 3

_mm_ starken Kupferdraht, mit dem er seine Akkumulatorenbatterie ~nur

einige Sekunden~ kurz schloß, während er gleichzeitig die Blechscheibe

etwas erschütterte; dabei ordneten sich die Feilspäne in konzentrischen

Ringen um den Draht herum. (Man sei bei diesem Versuche vorsichtig,

da der Draht durch den Kurzschluß bis zum Glühen oder gar Schmelzen

erhitzt werden kann!) Wie sich nun diese Kraftlinien bei einer Spule so

vereinigen, daß sie eine ähnliche Anordnung wie beim Magneten erhalten,

erläuterte Rudi an einer Tafel, auf der das in Abb. 83 wiedergegebene

Bild aufgezeichnet war. Bei dieser Gelegenheit wies er auch darauf hin,

daß die Größe der magnetischen Kraft mit der Zahl der Kraftlinien, die

z. B. durch 1 _qcm_ gehen, also mit der Dichte der Linien wächst.

[Illustration: Abb. 83. Verlauf der Kraftlinien in einer vom

elektrischen Strome durchflossenen Drahtspirale.]

[Sidenote: Der Elektromagnet.]

Für den nächsten Versuch stellte Rudi eine Spule (mit etwa 300

Windungen) so in der Nähe seiner Magnetnadel auf, daß diese, sobald

durch jene ein Strom in Stärke von drei Leclanché-Elementen floß, ein

wenig abgelenkt wurde. Ohne den Strom auszuschalten, schob er dann

einen Eisenstab in die Spule; dadurch wurde die magnetische Kraft

sofort um so viel stärker, daß die Magnetnadel ganz nach der Spule

hingezogen wurde. Dabei wies er darauf hin, daß jetzt die Kraftlinien

der Windungen nicht mehr ~allein~ wirken, sondern auch das Eisen

selbst magnetisch machen und dieses nun eigene Kraftlinien erzeugt.

Ferner erwähnte er, daß sich nicht alle Sorten von Eisen gleich stark

vom elektrischen Strome magnetisieren lassen und daß weiches Eisen

sich ganz anders verhalte wie Stahl. Er tauchte ein Stück eines gut

durchgeglühten 3 _mm_ starken Eisendrahtes in Eisenfeilspäne, welche

~nicht~ angezogen wurden; dann steckte er über den Draht eine kleine

vom Strom durchflossene Spule, und nun wurden die Feilspäne angezogen;

darauf entfernte er die Drahtrolle, und die Späne fielen herab.

Denselben Versuch machte er auch mit einer stählernen Stricknadel; als

er aber hierbei die Drahtspule entfernte, fielen die Feilspäne nicht

herab, sondern blieben hängen. Die Erklärung dieser Vorgänge führte

Rudi etwa folgendermaßen aus: Wir müssen uns die Moleküle des Eisens

als mit zwei magnetischen Polen versehen vorstellen. Für gewöhnlich

liegen diese kleinsten Teile gänzlich ungeordnet, so daß sie ihre

magnetischen Wirkungen gegenseitig aufheben. Durch die Kraftlinien

einer magnetischen Drahtspule werden die Moleküle so geordnet, daß nach

der einen Richtung alle ihre nordmagnetischen Pole, nach der anderen

alle südmagnetischen zeigen; dadurch summieren sich ihre Wirkungen,

so daß an den Enden des Stabes der stärkste Magnetismus auftritt,

wie dies ja auch beim gewöhnlichen Stahlmagneten der Fall ist. Wird

der elektrische Strom unterbrochen, so fallen beim weichen Eisen die

Moleküle wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück. Anders dagegen beim

Stahl oder auch schon beim gehärteten Eisen. Wir wollen einmal das

Stück von weichem Eisendraht, das, wie wir vorhin gesehen haben, nur so

lange magnetisch blieb, als es vom Strome umflossen war, härten, indem

wir es in glühendem Zustande in kaltes Wasser tauchen, und dann den

Versuch wiederholen. Nun verhält es sich, wie vorhin die Stricknadel,

es behält seinen Magnetismus; glühen wir es wieder aus, so verliert es

ihn wieder. Vollständig verliert dagegen selbst das weichste Eisen den

ihm einmal beigebrachten Magnetismus nicht; der zurückbleibende Rest

wird ~remanenter~ Magnetismus genannt. Darüber werden wir im nächsten

Vortrag noch ausführlicher sprechen.

In dem nächsten Versuch erläuterte Rudi die Beziehung zwischen

Stromrichtung und Magnetpol. Er stellte einen Elektromagneten so

weit von der großen Magnetnadel auf, daß diese gerade noch deutlich

sichtbar abgelenkt wurde. In den Stromkreis der Drahtspule hatte er den

Kommutator eingeschaltet, mit dessen Hilfe er -- nachdem er ihn zuvor

kurz beschrieben hatte -- die Stromrichtung änderte. Dadurch wurde die

vorhin angezogene Nadelhälfte jetzt abgestoßen, und die andere strebte

nun dem Elektromagneten zu. Rudi wies darauf hin, daß die Bezeichnung

der Pole von der Stromrichtung abhinge und zeigte diese Tatsache auch

an dem Vertikalgalvanoskop, dessen Zeiger bei der einen Stromrichtung

nach rechts, bei der anderen nach links hin ausschlug. An dieser Stelle

erwähnte Rudi auch die Amperesche Schwimmerregel: Denkt man sich in dem

Draht der Magnetisierungsspirale in der Richtung des positiven Stromes

schwimmend, so daß man mit dem Gesicht dem Magnetstab zugewendet ist,

so muß dessen Nordpol zur linken Seite des Schwimmers entstehen.

Über einige praktische Anwendungen des Elektromagneten, wie elektrische

Klingel, Telegraph u. s. w. werden wir im nächsten Vortrage hören;

jetzt wollen wir noch die Wirkungsweise der einzelnen Meßinstrumente

genauer kennen lernen.

[Sidenote: Die Wirkungsweise der Messinstrumente.]

Das einfache Nadelgalvanoskop ist nichts anderes als eine flache

Drahtspule, durch welche, sobald sie ein Strom durchfließt, Kraftlinien

laufen, die die Magnetnadel in ihre Richtung zwingen. In der gleichen

Weise kommt die Wirkung des Vertikalgalvanoskopes zu stande.

Ebenso verhält sich der Multiplikator; nur daß wir hier eine durch

vier Umstände erhöhte Empfindlichkeit haben. Erstens ist die

Beeinflussung der Erde auf das Nadelpaar sehr herabgesetzt, da die

beiden ungleichnamig übereinanderliegenden Pole nach entgegengesetzten

Richtungen streben. Sie spielen trotzdem in die Nord-Südrichtung ein,

da der Magnetismus der oberen (längeren) Nadel etwas stärker ist.

Zweitens haben wir bei diesem Instrument ~zwei~ Drahtspulen, also

mehr Amperewindungen und damit mehr Kraftlinien. Drittens wirken die

Kraftlinien nicht nur innerhalb der Spule auf das Nadelpaar, sondern

auch außerhalb, und zwar auf beide Nadeln in gleicher Weise -- obgleich

diese mit den ungleichnamigen Polen übereinanderliegen -- da die

Kraftlinien außerhalb der Windungen in entgegengesetzter Richtung

laufen, wie die innerhalb der Windungen. Viertens bietet die Art der

Aufhängung am Kokonfaden der Drehung nur einen sehr geringen Widerstand.

Die Wirkungsweisen der beiden auf Seite 96 bis 99 beschriebenen

Instrumente ist dort schon hinreichend erklärt worden; wir wollen jetzt

nur noch hören, warum das Voltmeter, entgegengesetzt dem Amperemeter,

im Nebenschluß liegen muß. Doch bevor wir das verstehen können, müssen

wir die Spannungsverhältnisse an den verschiedenen Stellen eines vom

Strome durchflossenen Leiters kennen lernen.

[Sidenote: Das Spannungsgefälle.]

Zu dem Versuch, den wir dabei ausführen, müssen wir schon einen

praktischen Gebrauch von dem im Nebenschluß liegenden Voltmeter machen.

Wir verbinden die Pole eines Bunsenelementes mit einem etwa 1 _m_

langen, zum Kreise gebogenen Nickelindrahte von 0,5 _mm_ Stärke. Dann

führen wir von den beiden Stellen des Drahtkreises, die den Polen des

Elementes am nächsten liegen, je einen Kupferdraht zu den Klemmen

unseres Voltmeters, das, wenn wir es für diesen Versuch verwenden

wollen, mindestens Zehntelvolt anzeigen muß. Ist unser Instrument

nicht so empfindlich, so müssen wir statt ~eines~ 5 bis 10 Elemente

hintereinandergeschaltet oder unser Vertikalgalvanoskop verwenden,

das freilich nur die relativen, nicht die absoluten Spannungsgrößen

angibt. Verwenden wir das Voltmeter, so müssen wir den auf der Rückwand

angebrachten Nebenschlußdraht ~ausschalten~, da der Nickelindraht nun

seine Stelle vertritt. (Für die weiteren Betrachtungen nehmen wir an,

wir hätten das in Abb. 66 dargestellte Vertikalgalvanoskop verwendet.)

Nachdem wir also die genannte Verbindung hergestellt haben, werden

wir einen Ausschlag der Nadel nach rechts etwa bis zur Ziffer 6 der

Skala bekommen. Rücken wir nun die beiden Drahtenden, die wir um den

Nickelindraht herumgebogen haben, von den Polen des Elementes weg

und der Mitte des Drahtes zu, so wird der Ausschlag der Nadel immer

kleiner und kleiner, bis sie auf 0 zur Ruhe gekommen ist. Jetzt werden

die verschobenen Drahtenden noch 10 oder 20 _cm_ voneinander entfernt

sein. Wir schalten, ohne im übrigen etwas zu verändern, statt des

Galvanoskopes unseren Multiplikator ein, der, da er viel empfindlicher

ist, jetzt noch kräftig ausschlägt. Wir schieben nun die Drahtenden

noch weiter zusammen, bis auch dieses Instrument keinen Strom mehr

anzeigt; sie werden dann nur noch wenige Zentimeter voneinander

entfernt sein.

[Illustration: Abb. 84. Schematische Darstellung eines

Stromkreislaufes.]

Diese Erscheinung erklärte Rudi an zwei Zeichnungen, die er in großem

Maßstabe ausgeführt hatte und die in den Abb. 84 und 85 dargestellt

sind. Eine Glasröhre sei mit verdünnter Schwefelsäure gefüllt und

einerseits mit einer Kupferplatte _K_, anderseits mit einer Zinkplatte

_Z_ verschlossen, so daß sie ein Voltasches Element bildet; von _Z_

nach _K_ führt ein Draht. Wir haben dann einen geschlossenen Stromkreis

_K_--_a_--_Z_--_b_--_K_. Bei _K_ haben wir ½ Volt positiver Spannung;

wie wir vorhin gesehen haben, sinkt diese, je weiter wir uns der

Mitte (_a_) des Drahtes nähern, bis sie hier auf dem Wert 0 angelangt

ist. Gehen wir noch weiter, so sinkt die positive Spannung noch mehr,

das heißt sie geht in eine negative Spannung über, bis sie bei _Z_

den Wert −½ Volt erreicht hat. Verfolgen wir nun die Potentiale

auch in der Flüssigkeit, so finden wir, daß bei _Z_ ein plötzlicher

Wechsel eintritt: von −½ Volt (der Zinkplatte) steigt die Spannung

(der Flüssigkeit) auf +½ Volt, um von da ab wieder bis 0 (bei _b_)

zu sinken, bis sie bei _K_ wieder den Wert −½ Volt erreicht hat.

Den plötzlichen Wechsel der Potentiale bei _K_ und _Z_ verursacht

die elektrische Scheidekraft, die Kraft, der wir das Entstehen der

elektromotorischen Kraft verdanken. In Abb. 85 sei _~KZ~_ ein vom

Strome durchflossener Leiter. Bei _K_ hat die Spannung den positiven

Wert _~KA~_, bei den Punkten _a_, _b_, _c_, _d_ sinkt sie ständig (die

Längen der Linien _~aa₁~_, _~bb₁~_, _~cc₁~_, _~dd₁~_ u. s. w.), bei _M_

ist sie gleich 0 und bei _Z_ gleich dem negativen Wert _~ZB~_.

[Illustration: Abb. 85. Schema des Spannungsgefälles.]

[Illustration: Abb. 86. Schaltungsschema für Volt- und Amperemeter.]

[Sidenote: Die Voltmeterschaltung.]

Jetzt ist auch leicht zu verstehen, warum ein Voltmeter nicht wie

das Amperemeter in den Hauptstromkreis eingeschaltet werden darf.

Betrachten wir das Schema in Abb. 86: _A_ ist eine Stromquelle, _X_ ein

Leitungsnetz, _B_ das in den Hauptstrom eingeschaltete Amperemeter,

das, um dem Strom möglichst wenig Widerstand zu bieten, aus wenig

Windungen eines dicken Drahtes besteht. Weil der Widerstand des

Instrumentes nahezu gleich 0 ist, besteht auch zwischen den Klemmen

α und β fast kein Spannungsunterschied. Anders verhält sich dies

bei den beiden Punkten γ und δ, an welchen die Zuleitungsdrähte zum

Voltmeter _C_ angeschlossen sind: Hier herrscht die Spannungsdifferenz,

die die elektromotorische Kraft der Stromquelle bei dem Widerstand

des Leitungsnetzes _X_ hervorzurufen im stande ist. Das Voltmeter

besteht aus vielen Windungen eines dünnen Drahtes, damit es der

Hauptleitung nicht zu viel Strom entziehe; denn durch den großen

Widerstand des langen dünnen Drahtes fließt nur ein geringer

Bruchteil des Hauptstromes, dem nur der vielmal kleinere Widerstand

_X_ entgegensteht. Fehlt ein natürlicher Hauptstromkreis bei einer

Stromquelle, deren Spannung gemessen werden soll, so muß er künstlich

hergestellt werden (vergleiche Seite 97).

[Sidenote: Widerstandsbestimmung.]

Wir haben jetzt gesehen, wie wir Stromstärken und Spannungen messen

können, und wollen nun noch eine einfache Art der Widerstandsbestimmung

kennen lernen.

[Illustration: Abb. 87. Wheatstonesche Brücke.]

Lassen wir ~einen~ elektrischen Strom durch zwei gleiche Drähte

fließen (_a_, α, _b_ und _a_, β, _b_ in Abb. 87) und verbinden zwei

beliebige Stellen (α und β) dieser Leitungen miteinander, so wird nur

dann ein Strom durch diese Verbindung, die auch ~Brücke~ genannt wird,

fließen, wenn die Spannungen an den beiden Anschlußstellen (α und β)

verschieden sind, das heißt, wenn an den Enden des Verbindungsstückes

eine Potentialdifferenz besteht. Ist diese nicht vorhanden, so kann in

αβ auch kein Strom fließen. Denken wir uns nun das Spannungsgefälle

der beiden Drähte _a_, α, _b_ und _a_, β, _b_ graphisch dargestellt,

so bekommen wir zweimal die Abb. 85. Markieren wir hier auf den

beiden Abbildungen zwei Punkte gleicher Spannungen, z. B. _e_, so ist

das Verhältnis _~Ke~_ : _~eZ~_ bei der einen Abbildung gleich dem

Verhältnis _~Ke~_ : _~eZ~_ bei der anderen. Nehmen wir auch an, der

Widerstand der beiden Zweigdrähte sei verschieden, so gilt doch das

Gleiche. In Abb. 88 sei I der Zweigdraht mit größerem, II der mit

geringerem Widerstand; die Spannung ist an den Enden beider gleich

_~KA~_ und _~ZB~_, und nur die durch die Länge von _~KZ~_ ausgedrückten

Widerstände sind verschieden. Zeichnen wir nun hier zwei Punkte

gleicher Spannungen ein, z. B. in I ~α_x_~ und in II ~β _x_~, so ist

auch hier ~_K_α~ : ~α_Z_~ = ~_K_β~ : ~β_Z_~. Das Gleiche gilt auch

dann, wenn wir annehmen, daß einer der Zweigdrähte aus zwei Teilen mit

verschiedenen Widerständen bestehe.

[Illustration: Abb. 88. Spannungsgefälle in zwei verschiedenen

Widerständen.]

[Illustration: Abb. 89. Wheatstonesche Brücke.]

Wir spannen nun einen homogenen, an allen Stellen gleichstarken Draht

gerade aus, wie ~_ab_~ in Abb. 89, und betrachten ihn als einen Zweig

unserer Doppelleitung, die vom Element _E_ gespeist wird; den anderen

Zweig stellen wir zusammen aus einem unbekannten Widerstande _X_ und

einem bekannten _V_ (Vergleichswiderstand). In die Brücke ~αβ~ schalten

wir unseren Multiplikator _G_. Wenn es nicht der Zufall gerade gewollt

hat, so ist jetzt die Spannung bei α nicht gleich der bei β, weshalb

uns der Multiplikator einen Strom anzeigen wird. Verschieben wir nun

das Drahtende bei β nach rechts oder links, so werden wir leicht die

Stelle finden, die mit α auf gleicher Spannung ist, was wir daran

erkennen, daß der Multiplikator keinen Strom mehr anzeigt. Daß der

ausgespannte Draht ~_ab_~ dem Nickelindraht (_a_) unserer Meßbrücke

(Seite 100) und das Drahtende β dem Schieber (_c_) gleichkommt, braucht

nicht näher erwähnt zu werden. Da auf unserer Meßbrücke ein Maßstab

angebracht ist, so können wir leicht das Verhältnis ~_a_β~ : ~β_b_~

ablesen; wir wissen aber auch, daß dies gleich ~_a_α~ : ~α_b_~ ist.

Nehmen wir an, daß der Schieber unserer Brücke, die in 100 Teile

(Zentimeter) geteilt ist, bei 75 steht, ferner daß unser bekannter

Widerstand 10 Ohm habe, so können wir folgende Proportion aufstellen:

75 : 25 = _X_ : 10; daraus ergibt sich _X_ = 30 Ohm.

Wollen wir genaue Messungen machen, so müssen wir zu den Verbindungen

der einzelnen Apparate möglichst kurze und dicke Drähte verwenden,

damit wir ihre Widerstände vernachlässigen können, ohne dabei einen

merkbaren Fehler zu begehen.

Will man Widerstände bei Anwendung von Wechselströmen (siehe vierter

Vortrag) messen, so können zur Bestimmung der Stromlosigkeit der

Brücke unsere bisher gebrauchten Apparate nicht verwendet werden. Man

bedient sich in diesem Falle des Telephons (siehe Anhang). Wird dieses

von einem Wechselstrom durchflossen, so gerät durch den Wechsel der

Magnetpole die Membrane in Schwingung und gibt einen Ton von sich;

ist es tonlos, so ist es auch stromlos. Hat man kein Telephon zur

Verfügung, so genügt es, einen einfachen kleinen Elektromagneten mit

möglichst vielen Windungen eines dünnen Drahtes in einem Kästchen

einer Membran gegenüber zu bringen, wie das auch bei dem im Anhang

beschriebenen Telephon gemacht ist.

[2] Schwefelsäure zersetzt sehr rasch jede organische Substanz,

weshalb man seine Hände und Kleider vorsichtig vor ihr schützen

soll. Verdünnte Schwefelsäure wirkt nicht so rasch, doch hat man

damit sich oder seine Kleider begossen, so unterlasse man es

nicht, sofort mit Ammoniak (Salmiakgeist) die betreffenden Stellen

abzuwaschen.

[3] Das Schmelzen dieser sehr leicht entzündbaren Stoffe darf ~nie~

auf dem ~offenen~ Feuer geschehen. Zwischen Schmelzgefäß und

Flamme soll sich immer ein großes Stück Eisenblech oder ein Stück

starken Drahtstramines befinden.

[4] Man kann sich für diese Versuche auch des Vertikalgalvanoskopes

(Abb. 66) bedienen, dessen Empfindlichkeit man durch Entfernen des

Regulierschiebers an der Nadel herabgemindert hat.

[Illustration]

Dritter Vortrag.

Die praktische Anwendung des elektrischen Gleichstroms.

[Illustration: Abb. 90. Rudi hält seinen dritten Vortrag.]

Den dritten Vortrag bestimmte Rudi wieder für solche Hörer, bei denen

er keinerlei Vorkenntnisse, außer solchen, die sie sich in seinem

ersten Vortrag erworben hatten, vorauszusetzen brauchte. Er sprach

deshalb auch hier nochmals, aber kürzer, über die ~Entdeckung des

galvanischen Stromes~ und die ~Beschaffenheit eines Elementes~ sowie

über die Zusammenstellung mehrerer Elemente zu einer ~Batterie~. Dann

ging er dazu über, an der Hand der bereits bekannten Experimente

den ~Einfluß des galvanischen Stromes auf den Magneten~ zu zeigen

und die Beschaffenheit und Wirkung eines ~Elektromagneten~ zu

erklären. Dann kam er auf die Beschreibung der ~elektrischen

Klingel~, des ~Telegraphen~ und der ~Elektromotoren~ zu sprechen.

Um auch das Wesen der Dynamomaschine erklären zu können, sprach

er eingehender über ~Magnetinduktion~ und ~Induktionsströme~,

beschrieb die ~magnetelektrische Maschine~ und führte schließlich die

~Dynamomaschine~ vor. Die verschiedenen ~Ankerkonstruktionen~, wie

~_T_-, Ring- und Trommelanker~, berührte er nur kurz. Damit hatte er

hinreichend über die Erzeugung des galvanischen Stromes gesprochen

und erklärte nun die ~elektrische Straßenbahn~, ~die Bogenlampe~,

~das Glühlicht~, elektrisch betriebene ~Ventilatoren, Heiz- und

Kochapparate~ u. s. w. Dann ging er zur Beschreibung des ~Akkumulators~

über und sprach noch kurz über ~Spannungen~, ~Leitungsnetze~,

~Sicherungen~ und ~Kurzschluß~, um mit einer an seine Ausführungen

über Induktionsströme anschließenden Beschreibung des ~Telephons~ den

Vortrag zu schließen.

Auf dem Bild Seite 112 sehen wir Rudi, wie er nach dieser Disposition

unter Käthes Assistenz die Herstellung der dabei benutzten Apparate und

die mit ihnen ausgeführten Experimente beschreibt.

[Illustration: Abb. 91. Die elektrische Klingel.]

[Sidenote: Die elektrische Klingel.]

Eine elektrische Klingel ist sehr einfach herzustellen. Abb. 91 zeigt

uns eine solche im Grundriß. _a_ ist ein Grundbrett von beliebigem

Holz; _b_ ist ein Elektromagnet, den Abb. 92 im Schnitt zeigt: _a_ ist

ein Stück Bandeisen, in das die beiden Magnetschenkel _b₁_ und _b₂_

eingenietet sind. _c_, _c_ sind die Drahtspulen. Die Rähmchen für diese

drehen wir aus Holz oder kleben sie aus Karton zusammen. Das Bewickeln

von Drahtspulen haben wir im zweiten Vortrag Seite 93 behandelt. Für

eine Drahtrolle verwenden wir je nach Größe 12 bis 20 _m_ eines 0,4

bis 0,6 _mm_ starken Kupferdrahtes (für geringere Ansprüche genügen

auch 8 bis 10 _m_ eines etwas stärkeren Drahtes). ~Die Endflächen der

Magnetpole werden mit Papierscheibchen beklebt, weil sonst der Anker

infolge des remanenten Magnetismus ab und zu haften bleiben könnte.~

_c_ (Abb. 91) ist ein federnder Blechstreifen, den wir aus einer alten

Uhrfeder oder aus Messingblech herstellen, das wir durch kräftiges

Hämmern auf dem Ambos elastisch machen, daran wird _e_, der Eisenanker

(ein Stück Bandeisen), angenietet oder angelötet. Die Magnetkerne und

der Anker müssen gut durchgeglüht werden. _d_ ist ein Holzklotz, an

dem das eine Ende der Feder _c_ befestigt ist, das andere Ende wird

mit einem Messinghämmerchen oder einer Messingkugel versehen; etwa in

der Mitte wird ein Stückchen Platinblech aufgelötet, dem gegenüber die

Kontaktspitze _f_ auf einer kleinen Messingsäule ruht. Es ist gut,

wenn man _f_ mit einem Muttergewinde versieht, durch das eine Schraube

eingedreht werden kann; an dieser lötet man vorn ein kurzes Stückchen

Platindraht auf, das die Kontaktspitze bildet. Am Ende des Brettchens

_a_ wird die Glockenschale _g_ angebracht. Wie die einzelnen Teile

untereinander in leitende Verbindung zu setzen sind, geht aus der

Abbildung hervor. Über dem ganzen kann eine Schutzhülle aus Holz oder

Pappe angebracht werden; die Glocke selbst muß natürlich frei bleiben.

[Illustration: Abb. 92. Elektromagnetkern mit Spulen (Schnitt).]

[Illustration: Abb. 93. Schnitt durch den Kontaktknopf.]

[Sidenote: Der Kontaktknopf.]

Wir können uns auch ohne Drehbank recht hübsche Kontaktknöpfe

herstellen: Auf ein rundes Grundbrettchen _a_ (Abb. 93) wird in

der Mitte ein Nagel mit einem breiten Messingkopf _b_ (Reißnagel)

eingeschlagen. Aus gehämmertem Messingblech schneiden wir einen

spiralförmigen Streifen (Abb. 94), den wir so mit dem breiteren Ende

neben _b_ anschrauben, daß das etwas in die Höhe gebogene schmälere

genau über _b_ zu stehen kommt. Die Kapsel stellen wir uns durch

Übereinanderleimen von 3 bis 4 Ringen aus Zigarrenkistenholz her.

(Siehe Abb. 93.)

[Illustration: Abb. 94. Feder für den Kontaktknopf.]

[Illustration: Abb. 95. Schaltungsschema einer Klingelanlage.]

[Illustration: Abb. 96. Der Morseschreiber (Seitenansicht).]

Zur Erklärung der Schaltungsweise der elektrischen Hausklingel stellte

Rudi eine Tafel auf, deren Zeichnung Abb. 95 zeigt.

[Sidenote: Der Morsesche Telegraph.]

Der Morsesche Telegraphenapparat ist nicht so schwer herzustellen, wie

es vielleicht manchem scheinen möchte. Die ganze Konstruktion ist aus

den beiden Abb. 96 (Seitenansicht) und 97 (Grundriß) zu erkennen. _a_

ist das Grundbrett; _b₁_ und _b₂_ sind die Achsenträger für die Achse

(_c_) des gleicharmigen Hebels _d_, der aus einem Holzstäbchen mit

quadratischem Querschnitte herzustellen ist. Für _c_ nehmen wir ein

Messing- oder Eisenstäbchen, eventuell einen starken Nagel. Die Achse

soll im Hebel fest sitzen, sich in ihren Lagern in _b₁_ und _b₂_ aber

leicht drehen lassen. In das eine Ende des Hebels wird der Anker, der

mindestens 4 _mm_ dick und 1 _cm_ breit sein soll, eingelassen; das

andere Ende wird mit einer Drahtöse versehen, in welche die Spiralfeder

_g_ eingehängt werden kann; letztere wird aus 0,6 bis 0,7 _mm_

starkem Messingfederdraht durch Aufwickeln auf ein bleistiftstarkes

Metallstäbchen hergestellt. Die Spannung regulieren wir erst später

durch Verlängern oder Verkürzen des Aufhängehakens _p_. Statt der

Spirale kann auch einfach eine Gummischnur verwendet werden.

[Illustration: Abb. 97. Der Morseschreiber (Aufsicht).]

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 8 / 24 段