Unterdessen fertigen wir die beiden Achsen an. Dazu brauchen wir

zunächst zwei Messingstäbe, je 15 _cm_ lang und 5 bis 7 _mm_ dick,

ferner 50 _cm_ blanken, geglühten, 2 _mm_ starken Kupferdraht. Den

Draht reiben wir mit Glas- oder Schmirgelpapier sauber und wickeln

ihn dann in dicht nebeneinanderliegenden Windungen zu einer 3 _cm_

langen Spirale auf einen der Messingstäbe auf (Abb. 16); ein Stück

Lötzinn wird zu einem feinen Plättchen ausgehämmert und um die

mit Lötwasser bestrichene Spirale herumgebogen, aus der wir den

Messingstab herausziehen und sie dann in die Flamme eines Spiritus-

oder Bunsenbrenners halten, bis sich das Lot gleichmäßig zwischen den

Windungen verteilt hat. Nachdem sich dies so entstandene Rohr abgekühlt

hat, sägen wir es mit einer in den Laubsägebogen eingespannten

Metallsäge in vier gleiche Teile. Diese vier Ringe sollen sich immer

noch bequem über die Messingstange schieben lassen; sollte dies

Schwierigkeiten machen, weil vielleicht etwas zu viel Lot in das Innere

gedrungen ist, so entferne man dies mit der Rundfeile. Nun schneide man

aus Messingblech zwei Rechtecke von je 30 × 65 _mm_. Bei jedem machen

wir an dem einen Ende mit einer Blechschere 10 bis 12 Einschnitte

von je 2 _cm_ Länge parallel zu den Längskanten, so daß also 45 _mm_

uneingeschnitten übrig bleiben. Auf jedes Blech legen wir zwei von

den vier Ringen, den einen am inneren Ende der Einschnitte nach innen

zu, den anderen am entgegengesetzten nicht eingeschnittenen Rande,

so daß zwischen ihnen etwa 3 _cm_ Raum bleibt; dann rollen wir das

Blech fest um die Ringe. Es wird keinen vollständig geschlossenen

Zylinder bilden, vielmehr wird ein etwa 4 _mm_ breiter Zwischenraum

frei bleiben. Wir umwickeln nun diesen Blechzylinder fest mit Draht und

löten ihn mit den Kupferringen zusammen. Nach dem Abkühlen entfernt

man den Draht. Eines der so erhaltenen Achsenrohre zeigt Abb. 17:

_a_ sind die Kupferdrahtringe, _b_ ist der Blechzylinder mit den

durch Einschneiden entstandenen Streifen _c_. Um nachher diese beiden

Achsenrohre an den Glasscheiben ankitten zu können, schneiden wir uns

aus Messingblech zwei Scheiben von je 6 _cm_ Durchmesser und sägen

bei jeder genau in der Mitte ein Loch, durch welches das in Abb. 17

dargestellte Achsenrohr sich gerade noch hindurchschieben läßt; nachdem

wir das getan haben, biegen wir die Blechstreifen um und löten sie an

der Messingscheibe fest (Abb. 18). Nunmehr wird die ebene Blechscheibe

_a_ mit einer Flachzange am ganzen Rande, von der Achse weg ein wenig

krumm gebogen, wie das in der Abb. 19 deutlich zu sehen ist; aus dieser

Zeichnung geht auch hervor, wie dieser in der Abb. 18 abgebildete

Teil auf der Glasscheibe aufzukitten ist: _G_ ist die Glasscheibe,

_S_ der Schellackkitt, _B_ die Messingscheibe, _R_ die Kupferringe

und _H_ die Messinghülse. Das Aufkitten mit Schellack erfolgt genau

in der schon bei der Reibungselektrisiermaschine angegebenen Weise;

nur müssen wir, um das Achsenrohr mit dem schon erwähnten Winkelmaß

(Abb. 8) genau senkrecht zu stellen, eine der beiden Messingstangen

in das Rohr stecken und dann wie oben beschrieben verfahren (siehe

auch Abb. 20). Diese Achsenrohre müssen bei beiden Scheiben auf die

~zuerst~ bestrichenen Seiten aufgekittet werden. Sollte sich nach

dem Auftrocknen des Kittes herausstellen, daß die Achsenrohre doch

nicht genau senkrecht stehen, was man am deutlichsten erkennt, wenn

man die Scheiben auf ihren Achsen rotieren läßt, so kann man noch

folgende Vorkehrung treffen: Wir löten, wie aus Abb. 21 hervorgeht,

eine Messingscheibe _M_, ähnlich der Scheibe _B_, nur etwas kleiner,

aber dicker als diese mit ein paar Millimeter Abstand an. (Mit dem

Lötkolben rasch anlöten, damit sich das Glas nicht zu sehr erwärmt!) Am

sichersten geht man, wenn man diese Vorrichtung gleich von vornherein,

also schon vor dem Aufkitten, an dem Achsenrohr anbringt. Vorher haben

wir schon nahe dem Rande in gleichen Abständen drei Löcher gebohrt

und über jedes Loch eine Schraubenmutter (_R_) gelötet. (Wir können

auch das Muttergewinde in die Scheibe _M_ selbst bohren.) Mit drei

Metallschrauben, die wir durch diese Muttern eindrehen und verschieden

stark anziehen, können wir nun mit Leichtigkeit die senkrechte Stellung

der Achsenrohre erreichen. Nun müssen wir noch auf die Innenseite der

einen Scheibe genau in der Mitte, also dem Achsenrohr gegenüber, mit

einem Tropfen Schellack ein Zweipfennigstück aufkleben.

[Illustration: Abb. 19. Aufkitten auf die Glasscheibe.]

[Illustration: Abb. 20. Anlegen des Winkelmaßes.]

[Illustration: Abb. 21. Vorrichtung zur Erzielung der senkrechten

Achsenstellung.]

Während der übrigen Arbeit sollen die Scheiben unberührt liegen

bleiben. Wir richten uns deshalb zwei Holzklötzchen her, die wir je mit

einem Loch versehen, in das die Achsenrohre eingesteckt werden, so daß

die Scheiben in horizontaler Lage aufbewahrt werden können, ohne daß

das Glas selbst irgendwo aufliegt. An einem staubfreien abgeschlossenen

Platze werden die Scheiben bis auf weiteres aufbewahrt.

[Illustration: Abb. 22. Maschinengestell.]

[Sidenote: Das Maschinengestell.]

[Illustration: Abb. 23. Achsenträger.]

[Illustration: Abb. 24. Außenseite eines Achsenträgers.]

[Sidenote: Die Achsenträger.]

Wir wenden uns nun zu dem Maschinengestell. Zuerst schneiden wir uns

eine Pappscheibe, genau so groß wie die Glasplatten, und stecken

durch sie eine Messingstange, 30 _cm_ lang und genau so stark (5 bis

7 _mm_), wie die schon erwähnten Achsen. Abb. 22 zeigt das Gestell im

Grundrisse; _Gl_ sollen die später einzusetzenden Glasscheiben sein.

Entsprechend ihrer Größe wählen wir nach Anleitung des Grundrisses

ein starkes Grundbrett _a_ von ausreichender Länge und Breite. _c_ in

Abb. 22 zeigt die Befestigungsstelle der Achsenträger (Abb. 23). Man

fertige sie beide aus Holzstücken, deren Länge je um 7 _cm_ mehr als

der Scheibenradius beträgt und mache sie unten 10, oben 6 _cm_ breit.

Oben ist ein etwa 15 _mm_ weites Loch _a_ zu bohren, und daneben sägen

wir zu beiden Seiten einen Schlitz _b_ von 20 _mm_ Länge und 5 _mm_

Breite. Auf der Innenseite des Achsenhalters befestigen wir mit vier

Holzschrauben eine Eisen- oder Messingplatte (in Abb. 23 durch die

punktierte Linie und mit _b_ bezeichnet), die das Loch _a_, nicht aber

die seitlichen Schlitze verdeckt. Die Platte muß ziemlich stark sein

(3 _mm_) und kann nötigenfalls durch Aufeinanderlöten von zwei oder

drei Blechscheiben hergestellt werden. Ehe diese Platte aufgeschraubt

wird, ist sie mit einer mittleren Durchbohrung zu versehen, weit genug

(5 bis 7 _mm_), daß die Scheibenachse gerade noch hindurchgesteckt

werden kann. Die Platte ist so aufzuschrauben, daß ihre Durchbohrung

mit dem Loche _a_ konzentrisch wird. Abb. 24 zeigt in etwas größerer

Darstellung die Außenseite eines Achsenträgers und eine daraufliegende

Metallplatte _a_ von etwa 5 × 1 _cm_ Größe, die das Loch _c_ und die

beiden Schlitze _d_ bedeckt und drei Durchbohrungen hat: eine runde in

der Mitte (5 bis 7 _mm_ weit) und zwei viereckige, die Schlitze _d_

rechtwinkelig kreuzend. Diese Metallplatte wird jedoch folgendermaßen

befestigt: man steckt durch die einander kreuzenden Schlitze je eine

Metallschraube von 5 _mm_ Dicke, deren Kopf man durch Überschieben

eines breiten flachen Metallringes vergrößert, und schraubt eine

passende Schraubenmutter auf das Gewinde. Die Platte _a_ in Abb. 24

wird dadurch festgehalten und kann nach Lüftung der beiden Muttern nach

oben, unten und der Seite verschoben werden; denselben Teil zeigt Abb.

25 im Schnitt, _a_ ist die verstellbare Metallplatte, _b_ der hölzerne

Achsenträger, _c_ das runde Loch darin und _d_ die Achse.

[Illustration: Abb. 25. Achse im Träger.]

[Illustration: Abb. 26. Schematischer Aufriß der Maschine.]

Die beiden Achsenträger sind nun an den zwei in Abb. 22 mit _c_

bezeichneten Stellen auf dem Grundbrette zu befestigen, indem wir

zunächst von dessen Unterseite her je zwei Schrauben eindrehen, durch

das Brett hindurch bis in die Achsenträger. Da diese Befestigung

wahrscheinlich nicht ausreichen würde, so schneiden wir von einer

sogenannten Glaserlatte vier längere (je 10 _cm_) und vier entsprechend

kürzere Stücke ab und schrauben sie bei jedem Achsenträger um dessen

Fuß herum so auf das Grundbrett auf, daß sie seitlich ganz fest an den

Trägern anliegen und diese wie in einer Versenkung stehen. Zur Probe

und Abschätzung der Größenverhältnisse kann nun die Pappscheibe mit

ihrer Achse in die Achsenlager der Träger eingesetzt werden. Abb. 26

zeigt einen schematischen Aufriß der Maschine, wobei _S_ die Scheibe,

_T_ die Achsenträger bezeichnet.

[Sidenote: Die Spitzenkammträger.]

Nunmehr sind die Träger _g_ der beiden Spitzenkämme _Sp_ anzubringen.

Die Träger _g_ sind Glasstäbe oder dickwandige Glasröhren, etwa 2 _cm_

im äußeren Durchmesser und an Länge etwa gleich den Achsenträgern _T_.

Sie sind innen und außen genau so zu reinigen wie die Glasscheiben

und auch in der gleichen Weise ebenfalls innen und außen mit einem

Schellacküberzug zu versehen und dann 1 bis 2 Tage an einem staubfreien

Orte liegen zu lassen. Unterdessen besorgen wir uns zwei Holzklötze

(Abb. 26 _k_), jeden 4 × 4 _cm_ breit und 5 _cm_ hoch. Jeder dieser

Klötze erhält von oben nach unten eine 3 _cm_ tiefe Bohrung, die so

weit ist, daß wir die Glassäule bequem mit Siegellack oder Schellack

einkitten können. Das obere Ende der Röhre (wenn wir eine solche und

keinen Glasstab benutzt haben) wird mit einem Korke verschlossen und

dann, wenn wir sicher sind, daß keine Feuchtigkeit in dem Rohre ist,

das heißt, wenn es sich auf der Innenseite nach ein paar Stunden noch

nicht beschlagen hat, mit Siegellack abgedichtet. Nachdem letzteres

geschehen ist, krönen wir die Glassäule mit einem Holzklotz _f_, 4 × 4

_cm_ breit, 7 _cm_ hoch. Die Kammträger werden 3 _cm_ vom Scheibenrande

entfernt an den in Abb. 22 mit _b_ bezeichneten Stellen aufgeschraubt

und ebenso wie die Achsenträger mit Lattenstückchen umgeben.

[Sidenote: Die Triebräder.]

Die nächste Arbeit besteht in der Anfertigung der Triebräder, die

in Abb. 27 mit _R_ bezeichnet sind. Man stellt sie aus Holz her und

versieht sie am Rande mit einer Furche zur Aufnahme der Triebschnur.

Die Achse dieser Triebräder muß durch entsprechende Löcher gehen, die

in _T_ einzubohren sind, und soll nahe unter den untersten Scheibenrand

zu liegen kommen. Um einen leichteren Gang zu erreichen, können

wir die Lager dieser Achse _T_ mit Lagerröllchen ausstatten, deren

Herstellung schon bei Abb. 16 beschrieben wurde. Zur Befestigung der

Triebräder bohre man an den entsprechenden Stellen dünne Löcher in

die Achse und treibe Drahtstifte hindurch, an welchen dann die Räder

so befestigt werden, daß sie sich auf der Achse nicht mehr drehen

können. Mit ebensolchen Drahtstiften ist die Achse selbst in ihren

Lagern zu fixieren. Am einen Ende feilt man die Achse vierkantig und

befestigt mit größter Vorsicht an ihr die Kurbel _k_, die mit einem

entsprechenden Loche versehen sein muß.

[Illustration: Abb. 27. Antrieb der Scheiben.]

[Sidenote: Das Einsetzen der Scheiben.]

Nun erfolgt das Einsetzen der Glasscheiben (Abb. 28). Die Scheiben

werden hervorgeholt und man steckt die zu Anfang unserer Betrachtung

erwähnten je 15 _cm_ langen Messingachsen _b_ von außen durch die

Metallplatten _c_ und durch _h_ in die Achsenrohre _a_, nachdem man

an entsprechenden Stellen die ebenfalls mit einer Furche versehenen

Triebrollen _d_ auf ihnen befestigt hat. Die Achsen _b_ werden so weit

nach innen geschoben, daß die beiden Glasscheiben _g_ in der Mitte

sitzend nur noch durch das auf der einen aufgekittete Geldstück _f_

voneinander getrennt sind; durch Verstellen der Platten _c_ muß man

es dahin bringen, daß die Scheiben _g_ genau vertikal und zueinander

vollkommen parallel stehen. Da wo sich die Achsenrohre auf den Achsen

drehen, werden diese ~gleich~ etwas eingeölt.

[Illustration: Abb. 28. Achsenlager der Scheiben.]

[Illustration: Abb. 29. Stellung der Spitzenkämme.]

[Illustration: Abb. 30. Durchschnitt des Spitzenkammträgers.]

[Illustration: Abb. 31. Spitzenkammträger.]

[Sidenote: Die Spitzenkämme.]

Wir kommen nun zur Herstellung der Spitzenkämme. Ihre Größe im

Verhältnis zu den Scheiben, sowie ihre Stellung zu denselben geht aus

dem schematischen Grundriß der Abb. 29 hervor; dabei sind _c_, _c_ die

Holzklötze, welche die schon erwähnten Spitzenkammträger krönen. Nun

sind zuerst einmal alle Ecken und Kanten dieser Holzklötzchen völlig

abzurunden; dann erhalten sie auf zwei einander gegenüberliegenden

Seiten je eine Furche, die so weit und tief ist, daß sie die nachher

für den Spitzenkamm zu verwendende Röhre genau zur Hälfte in sich

aufnimmt; Abb. 30 ist ein Schnitt, Abb. 31 eine Ansicht dieses Teiles.

Die Spitzenkämme selbst werden bei kleinen Maschinen aus mindestens

5 _mm_, bei großen aus mindestens 10 _mm_ weiten Messingröhren

hergestellt. Wir brauchen vier gleichlange Stücke, welche in Abb. 29

mit _Sp_ bezeichnet sind. Ferner benötigen wir zwei etwa 3 _cm_ weite

Messingrohre, wie wir solche schon zu dem in der Abb. 3 dargestellten

Konduktor verwendet haben, ihre Länge soll etwa gleich dem Abstand der

beiden Achsenträger _T_ sein. Jedes dieser Rohre erhält drei Bohrungen.

Das erste Loch sei möglichst nahe dem einen Ende; die Mitte des zweiten

Loches sei von der Mitte des ersten genau um die Dicke des Holzklotzes

_c_ (4 _cm_) entfernt; das dritte Loch ist nahe dem anderen Ende. Diese

Bohrungen sollen so weit sein, daß wir die Messingröhren _Sp_ und _b_

gerade noch hindurchschieben können. Die Röhren _Sp_ erhalten da, wo

sie an _c_ anliegen sollen, je eine Bohrung, durch welche sie mittels

einer Holzschraube an _c_ festgeschraubt werden können. Statt hierbei

Holzschrauben zu verwenden, können wir uns bei einem Mechaniker vier

Messingkügelchen drehen und je mit einem Muttergewinde versehen lassen,

ebenso zwei 3 _mm_ starke Messingstäbchen etwa 6 _cm_ lang, und an den

Enden ebenfalls mit Gewinde versehen. Wir durchbohren nun nicht nur

die Rohre _Sp_, sondern auch _c_, so daß wir die Messingstäbchen ganz

hindurchstecken und durch beiderseitiges Aufschrauben der Kugelmuttern

die Rohre _Sp_ an _c_ anklemmen können.

Nun müssen wir die Spitzenreihen auflöten. Die Spitzen sollen etwa 1

_mm_ Abstand von den Glasscheiben haben. Wir besorgen uns eine große

Anzahl von Stecknadeln von passender Größe. Wir dürfen für eine 20

_cm_ lange Spitzenreihe 80 bis 100 Nadeln rechnen. Die Rohre _Sp_

werden auf einer Seite etwas flach gefeilt, die Nadeln werden einzeln

mit Schmirgelpapier abgerieben und mit den Spitzen in entsprechenden

Abständen in einen Pappstreifen gesteckt und mit ihren Kopfenden --

die Köpfe selbst sind alle mit einer Drahtzange abgezwickt worden --

auf die abgeflachte Seite des Rohres gelegt; durch Beschweren und

Unterstützen werden beide Teile in dieser Lage festgehalten und mit

Lötwasser bestrichen; unter Anwendung von ziemlich viel Lot werden die

Nadeln aufgelötet. Nach dem Erkalten wird die ganze Lotstelle sorglich

rund gefeilt. Sollte sich nachher herausstellen, daß einige Nadeln zu

lang sind und die Glasscheiben berühren, so kann man sie durch Biegen

nach oben oder unten auf ihren richtigen Abstand bringen. Ist dies

alles geregelt, so können wir die Rohre _a_ über die noch frei über _c_

hinausragenden Endstücke von _Sp_ schieben und anlöten. An die Enden

selbst löten wir kleine Kugeln _k_. Die Enden der Rohre _a_ haben wir

schon vorher, wie bei dem Konduktor in Abb. 3, mit Kugelhauben versehen.

[Sidenote: Die Elektrodenstangen.]

Nun wären noch die Elektrodenstangen anzubringen; ihre Form geht aus

Abb. 29 hervor; sie werden aus dem gleichen Material gefertigt wie

die Spitzenkämme und müssen sich in der für sie bestimmten Bohrung in

_a_ hin und her schieben lassen. Die inneren Enden werden mit Kugeln

versehen, die äußeren müssen isolierende Griffe erhalten. Diese können

wir uns selbst in der Weise herstellen, daß wir die mit einer groben

Feile aufgerauhten Enden mehrfach mit in Schellackfirnis getränktem

Bindfaden umwickeln und nach dem Auftrocknen des Schellacks mit einer

dicken Schicht roten Siegellacks überziehen.

[Sidenote: Die Ausgleicher.]

Abb. 26 zeigt nun noch die beiden Ausgleicher _A_, die wir aus zwei

Kupferdrähten von 3 _mm_ Stärke herstellen; die Länge der Drähte darf

etwas weniger als der Durchmesser der Scheiben betragen. Sie werden

mit ihren Mitten an den Achsenträgern befestigt und erhalten an ihren

Enden aus Metalldresse hergestellte Pinselchen, die auf den Scheiben,

etwa 4 _cm_ vom Rande, leicht aufliegen sollen. Die Stellung der beiden

Ausgleicher ist aus Abb. 26 zu ersehen: _A₂_ ist der vordere und bildet

mit den Kämmen einen Winkel von 45°, _A₁_ befindet sich auf der anderen

Seite der Scheiben und kreuzt _A₂_ unter einem rechten Winkel.

[Illustration: Abb. 32. Stanniolbeläge an den Außenseiten der Scheiben.]

[Sidenote: Aufkleben des Scheibenbelages.]

Nun geht die Maschine ihrer Vollendung entgegen. Wir nehmen die

Scheiben nochmals heraus und bestreichen alle Holzteile mit Schellack.

Die Scheiben selbst versehen wir jetzt mit den Stanniolbelägen: Wir

zeichnen auf einen Bogen Papier einen Kreis, dessen Durchmesser gleich

dem Scheibendurchmesser ist. Dieser Kreis ist in Abb. 32 mit _a_

bezeichnet; außerdem zeichnen wir mit einem 2 bis 2,5 _cm_ kleineren

Radius einen zweiten (_b_) und mit einem je nach Scheibengröße 6 bis

10 _cm_ kleineren Radius einen dritten konzentrischen Kreis (_c_). Den

Umfang der Kreise _b_ und _c_ teilen wir dann in 16 bis 24 gleiche

Teile und verbinden die Teilpunkte paarweise. Endlich zeichnen wir wie

in Abb. 32 um diese Linien schraffierte Flächen auf, die etwa halb

bis ein Drittel so breit sind als ihre Zwischenräume. Einen dieser

Sektoren schneidet man heraus und fertigt sich nach seinem Muster die

doppelte Anzahl (32 bis 48) Beläge aus starkem Stanniol. Man legt

nun zunächst die eine, dann die andere Scheibe auf die Zeichnung und

beklebt eine jede da, wo die schraffierten Flächen durchscheinen, mit

Stanniolbelägen. Das Bekleben geschieht folgendermaßen: man bestreicht

den Stanniolstreifen auf einer Seite mit einem Pinsel mit Spiritus,

legt ihn mit der bestrichenen Seite auf die Glasplatte, gleich genau an

seinen Platz, und streicht ihn dann mit dem Finger fest auf, ohne ihn

aber dabei zu verschieben.

[Illustration: Abb. 33. Auflegen der Treibschnüre.]

[Sidenote: Die Treibschnüre.]

Sind die Sektoren alle aufgeklebt, so kann die Maschine wieder

zusammengesetzt werden, und es fehlen dann nur noch die Treibschnüre.

Da sich die Scheiben in entgegengesetzter Richtung drehen müssen, so

können wir dies nur dadurch erreichen, daß wir auf der einen Seite

die Schnur direkt, auf der anderen sich kreuzend über Triebrad und

Triebrolle führen. Abb. 33 veranschaulicht diese Anordnung.

Pünktliche, saubere Arbeit ist die erste Bedingung für das Gelingen.

Wer alle hier gegebenen Anweisungen genau befolgt, dem bleibt der

Erfolg sicher nicht aus. Die Maschine selbst muß auch nach der

Fertigstellung sehr sorglich behandelt werden. Vor allem muß sie bei

Nichtgebrauch vor dem schädlichen Verstauben bewahrt bleiben, weshalb

es sehr ratsam ist, eine Papierhülle herzustellen, wie dies schon

bei der Reibungselektrisiermaschine (Seite 17) beschrieben wurde. --

Läßt bei ein- bis zweijährigem Gebrauche die Wirkung der Maschine

nach, so sind die Scheiben völlig von ihrem Überzug und ihren Belägen

zu befreien und müssen von neuem hergerichtet werden, genau so, wie

das erste Mal. -- Für den Besitzer einer Influenzelektrisiermaschine

ist eine Reibungselektrisiermaschine überflüssig; diese hat nur den

Vorzug, daß sie einfacher herzustellen ist; dagegen ist sie weniger

leistungsfähig und erfordert viel mehr Arbeit, um aus ihr die benötigte

geringe Menge von Elektrizität zu erhalten. Die Influenzmaschine kann

für viele Versuche einen Funkeninduktor ersetzen.

[Sidenote: Die letzten Vorbereitungen zum Vortrag.]

Da unser Rudi alles, was er einmal anfing, auch pünktlich und gut

ausführte und lieber etwas mehr Zeit aufwandte, als etwas schlecht

zu machen, so war es über seinen Vorbereitungen Winter geworden. Die

nötigen Apparate waren fertig, auch wäre es in seinem Dachkämmerchen

jetzt zu kalt gewesen, um noch darin zu arbeiten. Es handelte sich

nun noch darum, den Vortrag selbst auszuarbeiten und schließlich denn

auch wirklich zu halten. Die Ausarbeitung des Vortrags machte unserem

Rudi zwar mehr Mühe, als er sich anfangs vorgestellt hatte, doch wurde

er verhältnismäßig bald damit fertig, und nun wurden die Zuhörer und

Zuhörerinnen geladen auf einen Sonntagnachmittag 6 Uhr.

Es galt zunächst, das größte Zimmer der Wohnung in ein Auditorium

umzuwandeln. Zu diesem Zwecke wurde, von den schweren Möbeln abgesehen,

alles aus dem Zimmer herausgeräumt; zwei Schritte von der einen

kürzeren Wand entfernt wurde ein langer Tisch aufgestellt und vier

Schritte davon begannen die Stuhlreihen. Auf dem Tisch hatte Rudi die

Apparate so aufgestellt, wie er sie nacheinander in seinem Vortrag

brauchte. Die Mitte des Tisches hatte er freigelassen. Außerdem versah

er die einzelnen Lampen des Kronleuchters nach der Seite der Zuhörer

mit Lampenschirmen, so daß der Experimentiertisch zwar hell beleuchtet,

die Stuhlreihen aber im Schatten waren. Mit der Ausführung der

einzelnen Experimente hatte Rudi bereits seine jüngere Schwester Käthe

vertraut gemacht; sie sollte ihm während des Vortrags assistieren.

[Sidenote: Der Vortrag.]

Unter allerlei Vorkehrungen, die noch getroffen werden mußten, verging

der Nachmittag, die geladenen Gäste begannen zu kommen, und als die

letzte Tante eingetreten war und Platz genommen hatte, erschien Rudi,

gefolgt von seiner Schwester, die sich auf der einen Seite auf einen

Stuhl setzen mußte, stellte sich hinter seinen Tisch, schlug bedächtig

sein Vortragskonzept auf, ließ einen forschenden Blick über die Zuhörer

schweifen und begann also zu sprechen:

„Meine Herren und Damen! Zuerst meinen besten Dank für Ihr zahlreiches

Erscheinen. Ich hoffe, daß es mir gelingt, Ihnen heute einige

interessante und lehrreiche Experimente vorzuführen, Experimente aus

dem Gebiet der Reibungs- und Influenzelektrizität.“

[Sidenote: Die geriebene Siegellackstange.]

„Das Wort Elektrizität stammt von dem griechischen Worte Elektron,

das Bernstein bedeutet. Es war schon den alten Griechen bekannt,

daß Bernstein, wenn er gerieben wird, die Fähigkeit erlangt, kleine

leichte Gegenstände anzuziehen. Wie Sie alle wissen, ist Bernstein

ein Harz, und wir können daher dieses bekannte Experiment mit jeder

Siegellackstange wiederholen (Käthe war aufgestanden, rieb nun die

bereitgelegte Siegellackstange mit einem wollenen Lappen und führte

das Experiment aus), wie Sie hier sehen. Es gibt nun noch eine ganze

Reihe von Körpern, die durch Reibung diese Fähigkeit erlangen, die,

wie wir uns ausdrücken, elektrisch werden. So werden wohl manche von

Ihnen schon die Beobachtung gemacht haben, daß beim Kämmen der Haare

mit einem Kautschukkamme dieser elektrisch wird und die Haare anzieht;

oft hört man dabei ein Knistern, und im Dunkeln sieht man kleine

Fünkchen überspringen. Hier wird ein Stab aus Hartgummi gerieben, er

zeigt die gleiche Fähigkeit, ebenso dieser Glasstab. Wer eben den

Vorgang genau beobachtet hat, konnte sehen, daß einige der angezogenen

Papierschnitzel, kaum daß sie an dem Glasstab hingen, gleich wieder

weggeschleudert wurden. Woher mag das kommen?“

[Sidenote: Anziehung und Abstossung.]

[Sidenote: Leiter und Nichtleiter.]

[Sidenote: Die verschiedenen Elektrizitäten.]

[Sidenote: Erklärungen über die elektrischen Erscheinungen.]

Elektrotechnisches Experimentierbuch: Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer Experimente unter Verwendung einfachster, meist selbst herzustellender Hilfsmittel · 第 2 / 24 段