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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1909 so weit
wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
fremdsprachliche Ausdrücke wurden nicht korrigiert.
Die Fußnoten wurden an das Ende des jeweiligen Kapitels verschoben.
Als Multiplikationszeichen wurde im Original ein Punkt auf der
Grundlinine (.) eingesetzt; in der vorliegenden Version wird
für dieses Zeichen der mittig gesetzte Punkt (·) verwendet, um
Verwechslungen mit einem Punkt am Satzende vorzubeugen.
Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; besondere
Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
Sonderzeichen gekennzeichnet:
fett: #Rautenzeichen#
gesperrt: ~Tilden~
Antiqua: _Unterstriche_
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Elektrotechnisches
Experimentierbuch
Eine Anleitung zur Ausführung elektrotechnischer
Experimente unter Verwendung einfachster, meist
selbst herzustellender Hilfsmittel.
Von Eberhard Schnetzler.
Mit 250 Abbildungen.
#Einundzwanzigste neubearbeitete Auflage.#
[Illustration]
Stuttgart, Berlin, Leipzig.
Union Deutsche Verlagsgesellschaft.
Alle Rechte,
insbesondere das der Übersetzung wie der sämtlichen
im Werke mitgeteilten Original-Konstruktionen vorbehalten.
Druck und Copyright 1909 der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in
Stuttgart.
[Illustration]
Vorwort
Bei der Ausarbeitung vorliegenden Buches war ich erstens bestrebt,
eine klare Anleitung zur Ausführung von Experimenten zu geben;
zweitens sollten die physikalischen Vorgänge soweit wissenschaftlich
erklärt werden, als es dem Zwecke des für die Jugend bestimmten Buches
entsprechen konnte; drittens habe ich dem Umstande Rechnung getragen,
daß unsere jungen Physiker sich oft mit sehr geringen Mitteln begnügen
müssen; ich habe deshalb bei jedem Kapitel eine eingehende Beschreibung
der ~Selbstherstellung~ der nötigen Apparate gegeben und auch hierbei
wieder keine zu großen Anforderungen an den Besitz von Werkzeugen oder
gar Werkzeugmaschinen gestellt. Diese Anleitungen sind die Ergebnisse
~praktischer~ Erfahrungen; nach Möglichkeit habe ich ungeprüfte Ideen
vermieden, da sie fast nie einer wirklichen Ausführung entsprechen.
Um den drei Teilen: Anfertigung der Apparate, Ausführung der
Experimente und theoretische Erklärung derselben durch das ganze
Buch hindurch einen inneren Zusammenhang zu geben, erkläre ich in
erzählender Form, wie sich ein Knabe, Rudi, Apparate herstellt für
Experimentalvorträge, die er vor einem Auditorium von Verwandten hält,
wie er in diesen Vorträgen die Experimente ausführt, und wie er die
Vorgänge erklärt. Was sich in diese Form nicht einpassen ließ, aber
dennoch nicht fehlen durfte, ist in einem Anhange nachgetragen.
Ich kann dem jungen Leser nichts näher ans Herz legen, als durch
Abhalten kleiner Vorträge sich selbst in seiner Liebhaberwissenschaft
zu prüfen; denn: _docendo discimus_. Ein zweiter Vorteil ist hierbei
auch der Umstand, daß man gezwungen ist, auf ein bestimmtes Ziel
hinzuarbeiten; das Experimentieren des jungen Physikers verliert dann
den Charakter der gedankenlosen Spielerei, den es sonst so oft trägt,
und macht seine Arbeit zu einer angenehmen, unterhaltenden, aber
dennoch ernsten und Nutzen bringenden.
Da die ersten Auflagen des Buches bei den jungen Physikern so großen
Anklang gefunden haben, sah ich mich veranlaßt, das Buch einer erneuten
Durchsicht zu unterziehen. Nur weniges, das sich als überflüssig
zeigte, konnte gestrichen werden, dafür mußte Neues, Wichtigeres an die
Stelle treten. Auch mußten manche älteren Versuchsanordnungen durch
neuere ersetzt werden, entsprechend den Fortschritten der Physik und
Elektrotechnik. Auch wurde der Bau einiger Apparate neu beschrieben.
Eberhard Schnetzler.
Inhalt.
Seite
1. Vortrag. Reibungs- und Influenzelektrizität 1
2. Vortrag. Der galvanische Strom 55
3. Vortrag. Die praktische Anwendung des elektrischen
Gleichstroms 112
4. Vortrag. Induktions- und Wechselströme 157
5. Vortrag. Von der Geissler- zur Röntgenröhre 209
6. Vortrag. Elektrische Schwingungen 230
Anhang 274
Telephonanlage 274
Rheostate 286
Taschenakkumulator 291
Universal-Volt-Ampere-Meter 294
Elektroskop 306
Anlage für Funkentelegraphie 307
Kraftmaschine mit Gewicht 311
Alphabetisches Sachregister 315
Verzeichnis der Abbildungen 319
[Illustration]
Erster Vortrag.
Reibungs- und Influenzelektrizität.
Es war ein schwüler, heißer Sonntagnachmittag, als unser Rudi in seinem
Dachkämmerchen, das er sich zur Werkstätte eingerichtet hatte, unwillig
die Werkzeuge beiseite legte: „Heute ist es da oben zu heiß,“ seufzte
er und ging hinunter in die Wohnung, um zu sehen, was denn seine
Geschwister machten. Er hatte noch zwei ältere Schwestern und einen
jüngeren Bruder; er fand sie alle drei beisammensitzen und sich eifrig
damit beschäftigen, eine Siegellackstange zu reiben und dann damit
kleine Papierschnitzelchen anzuziehen. Mit einiger Selbstgefälligkeit
fragte er, ob sie denn überhaupt wüßten, was sie da machten, und woher
das käme, daß diese Papierschnitzel von dem geriebenen Siegellack
angezogen würden. „Ja, der Siegellack wird elektrisch, und die
Elektrizität zieht an,“ meinte eine der Schwestern. Ob dieser naiven
Erklärung lachte Rudi seine Schwester aus, die ihm nun erwiderte: „Wenn
du alles Elektrische so gut verstehst, so könntest du uns auch ab und
zu etwas davon erklären; aber du sitzest den ganzen Tag in deiner
Dachkammer und läßt uns nichts wissen und nichts sehen von deinen
Experimenten.“ -- „Und wenn man einmal hinaufkommt,“ meinte die jüngere
Schwester, „dann sieht man überall mit großen Buchstaben geschrieben:
‚Berühren gefährlich‘, oder ‚Vorsicht, geladen‘, oder ‚Gift‘; man
traut sich kaum, etwas anzusehen.“ -- „Ja, das ist gar nicht schön
von dir,“ fiel der kleine Karl ein, und nun entspann sich ein kleiner
Streit zwischen den Kindern, in dem Rudi angeschuldigt wurde, daß
er seine Geschwister vernachlässige. Da kam zur rechten Zeit die
Mutter dazwischen und schlichtete den Streit. Sie machte nun Rudi den
Vorschlag, er solle in einer Reihe von kleinen Experimentalvorträgen
sie über die Geheimnisse seiner Spezialwissenschaft belehren.
Das war für Rudi ein neuer Gedanke, der ihn nun ganz fesselte. Er ging
gleich auf seine „Bude“, wie er sein Zimmer nannte, setzte sich in
den bequemsten Stuhl und besann sich nun, über was er seinen ersten
Experimentalvortrag halten und wen er dazu einladen sollte.
Da er ein kluger und ruhig überlegender Kopf war, so hielt er es
für das beste, mit dem Einfachsten anzufangen. „Reibungs- und
Influenzelektrizität,“ meinte er, „das wird wohl reichen für einen
Vortrag.“ Nun kam ihm aber ein Bedenken: er hatte ja gar nicht genug
Apparate für einen solchen Vortrag; aber auch das war schließlich kein
Hinderungsgrund für einen Jungen, der dem Grundsatz huldigte: „Hat man
keines, so macht man eines.“ Er stellte sich also zusammen, was er an
Apparaten schon habe, und was er sich noch machen müsse.
Eine Reibungselektrisiermaschine, ein Elektrophor, ein Elektroskop und
zwei Leidener Flaschen hatte er sich schon hergestellt; es fehlten ihm
nur noch eine Influenzelektrisiermaschine und einige zur Demonstration
besonders geeignete Apparate. So brauchte er zwei genügend große
Gestelle zum Aufhängen von elektrischen Pendeln und einen sogenannten
Konduktor, um die elektrische Verteilung zeigen zu können, ferner einen
Apparat zum Nachweis der ausschließlich oberflächlichen Verteilung
der Elektrizität auf Leitern. Außerdem wollte er auch zeigen, daß die
Elektrizität Wärme erzeugen könne; auch hierzu mußte er sich einen
geeigneten Apparat machen, und die Franklinsche Tafel durfte natürlich
nicht fehlen.
Wir wollen nun zunächst sehen, wie Rudi sich die
Reibungselektrisiermaschine und die Leidener Flaschen hergestellt hat
und wie man sich die übrigen Apparate mit einfachen Mitteln ohne große
Kosten herrichten kann.
[Sidenote: Glas, Hartgummi, Holundermark.]
Eine rote Siegellackstange, einen Hartgummistab, der aber auch durch
einen Hartgummikamm oder -federhalter ersetzt werden kann, sowie einen
Glasstab und einige Holundermarkkügelchen muß man sich kaufen. Glas
und Hartgummigegenstände beschafft man sich am besten und sichersten
bei einem Mechaniker. Das Holundermark kann man auch selbst gewinnen:
Im Winter sammelt man einige starke einjährige Triebe und macht das
Mark durch Abspalten des Holzes frei. Mit einem scharfen Messer werden
die Kügelchen roh geschnitzt und schließlich durch Rollen zwischen den
Händen schön rund gemacht.
[Sidenote: Seide.]
Außerdem brauchen wir eine Anzahl guter Seidenfäden. Nicht alle
Sorten sind gleich gut, da sehr oft das zum Färben verwandte Pigment
metallhaltig ist. Die äußere Seidenumspinnung der elektrischen
Leitungsschnüre (meist grün) ist ziemlich zuverlässig; man wickelt
davon einen Strang, etwa 30 bis 40 _cm_, ab und auf ein Stückchen
Karton auf.
[Sidenote: Elektrisches Pendel.]
Zwei Gestelle für die elektrischen Pendel werden folgendermaßen
hergestellt: Man richtet sich ein kreisrundes Brettchen von 10
_cm_ Durchmesser und 1 _cm_ Dicke, rundet die Kanten mit Feile und
Glaspapier ab und klebt auf die Unterseite an drei Stellen nahe dem
Rande je ein 3 bis 4 _mm_ starkes Korkscheibchen fest. Aus 2 _mm_
starkem Eisen- oder besser Messingdraht biegen wir nun einen Bügel,
dessen Maße, Form und Befestigungsart wohl zur Genüge aus Abb. 1
hervorgehen.
[Illustration: Abb. 1. Gestell zum elektrischen Pendel.]
[Sidenote: Verwendung von Messing.]
Es sei an dieser Stelle gleich noch einiges über die Verwendung von
Messing gesagt. Messing ist nicht gerade billig und kann wohl meistens
durch Eisen ersetzt werden. Da es sich aber viel leichter bearbeiten
läßt als Eisen und nicht rostet, so wird man es in den meisten
Fällen diesem vorziehen. Außerdem sind die blanken Messingteile an
physikalischen Apparaten viel schöner; sie sind leicht zu reinigen und
machen dann durch ihren Glanz einen erfreulichen, sauberen Eindruck.
Eisen darf oft wegen seiner magnetischen Eigenschaften gar nicht
verwendet werden.
[Sidenote: Elektrophor.]
Elektrophore können auf sehr verschiedene Arten hergestellt werden;
es sei hier nur eine angegeben; die Anfertigung erfordert einige
Aufmerksamkeit, sichert aber schließlich ein zweifellos gutes Resultat.
[Illustration: Abb. 2. Form zum Elektrophor.]
Wir machen uns aus starkem Papier, etwa Packpapier, einen
kuchenblechförmigen Behälter, 20 bis 30 _cm_ im Durchmesser, 1 bis 1,5
_cm_ hoch. Während der Boden nur eine Lage stark zu sein braucht, muß
das Papier für den Rand mindestens fünffach genommen werden. Zum Gießen
muß die Form auf eine ebene Unterlage gestellt werden, und der Boden
darf keine Falten werfen. -- Eine bessere Form erhält man, wenn man auf
ein völlig ebenes und glattes Brett ein kreisrundes, ziemlich starkes
und völlig glattes Stanniolblatt legt und darum herum einen Papierrand
wie oben aufklebt (Abb. 2).
Die Herstellung der Masse erfordert nun einige Sorgfalt: Wir wägen
5 Teile (ca. 250 _g_) ungebleichten Schellack, 1 Teil Terpentin und
1 Teil Wachs ab. In einer reinen Pfanne werden zuerst über mäßigem
Feuer das Wachs und das Terpentin zusammengeschmolzen; dann wird bei
stärkerer Hitze und unter ständigem Umrühren mit einem Glasstabe der
Schellack ganz langsam in kleinen Portionen zugegeben; man warte
mit der folgenden Portion jeweils so lange, bis die vorausgegangene
~völlig~ vergangen ist. Ist so aller Schellack zusammengeschmolzen,
so nimmt man das Gefäß vom Feuer und läßt es ein paar Minuten ruhig
stehen. Zum Gusse muß die Form ein wenig angewärmt und völlig eben
gestellt worden sein. Nun wird die Masse langsam eingegossen und
die etwa entstehenden größeren Luftblasen werden mit dem Glasstabe
beseitigt. Ist alle Masse eingelaufen und gleichmäßig verteilt, so darf
sie vor dem völligen Erkalten nicht mehr berührt werden. Am sichersten
ist es, man läßt sie 5 bis 6 Stunden stehen; nun wird der Papierrand
abgerissen, und etwa zurückbleibende Papierreste werden mit ~kaltem~
Wasser abgewaschen. Der Stanniolbelag auf dem Boden wird sorgfältig
abgezogen, und die Kanten rundet man mit Messer und Feile säuberlich
ab. Zum Gebrauche nehme man ~die~ Seite nach oben, welche beim Gusse
unten war.
Den Deckel für das Elektrophor kann man auf verschiedene Arten
herstellen. Er soll etwa 3 _cm_ kleiner sein als der Kuchen und kann
aus Messing-, Kupfer- oder Zinkblech gefertigt werden: man schneidet
eine kreisrunde Scheibe und wölbt durch Hämmern den Rand etwas nach
oben, doch achte man sehr darauf, daß die Scheibe selbst völlig eben
bleibe. In der Mitte der Scheibe wird ein Stückchen Messingrohr mit
etwa 1 _cm_ lichter Weite aufgelötet und in dieses ein Glasstab
eingekittet.
[Sidenote: Schellackkitt.]
Als Kitt kann gewöhnlicher roter Siegellack verwendet werden; besser,
aber etwas schwieriger herzustellen ist der Schellackkitt: Man gibt
in einen großen Blechlöffel oder in ein kleines Pfännchen etwa drei
Teelöffel Schellacklösung -- Schellack wird in Weingeist gelöst -- und
stellt das Gefäß auf einem großen Eisenblech, welches das Entzünden der
Masse verhindern soll, über die Flamme eines Bunsenbrenners.
Sobald die Lösung heiß geworden ist, wird ungelöster Schellack
beigegeben, und zwar so viel, bis eine dickflüssige Masse entstanden
ist. Nun gießt man noch einige Tropfen Spiritus zu, rührt mit einem
Glasstab um, zündet die Masse an, bringt sie ~brennend~ an die
zusammenzukittenden Teile, die schon vorher etwas angewärmt werden
mußten, und bläst dann sofort die Flamme aus; man hat nun noch Zeit,
die einzelnen Teile in die richtige Stellung zueinander zu bringen;
war das Verhältnis von geschmolzenem und gelöstem Schellack richtig,
so ist der Kitt nach 12 bis 24 Stunden trocken und ohne spröde zu
sein derartig fest, daß an ein Trennen der zusammengekitteten Teile
nicht mehr zu denken ist. Dieser Kitt erträgt sogar eine ziemlich hohe
Temperatur, ohne weich zu werden.
[Sidenote: Prüfung der Isolierfähigkeit des Glases.]
Zum Griff läßt sich nicht jedes Glas gleichgut verwenden, da manche
Sorten schlecht isolieren. Um die Isolierfähigkeit von Glas zu prüfen,
verfährt man folgendermaßen: Man hängt an zwei ~leinenen~ Fäden je ein
Holundermarkkügelchen auf und befestigt die Fäden an der Glasstange.
Das Glas muß vorher gründlich gereinigt, dann mit destilliertem Wasser
und endlich mit Weingeist abgewaschen werden. Ladet man nun die beiden
Kügelchen durch Berühren mit einer geriebenen Siegellackstange negativ
elektrisch, so stoßen sie sich ab und dürfen bei trockenem Wetter
während der ersten 20 Minuten sich nur wenig nähern, wenn das Glas
als ein hinreichend guter Isolator gelten soll. Zuverlässiger ist die
Prüfung mit dem Elektroskop, das auf Seite 9 beschrieben ist. Man
ladet das Elektroskop und beobachtet, wie weit die Blättchen in einer
bestimmten Zeit zusammengehen; dann ladet man wieder bis zum gleichen
Ausschlag und berührt mit dem Glasstab, den man fest in der Hand hält,
den Knopf des Elektroskopes; gehen jetzt die Blättchen merklich rascher
zusammen, als das erste Mal, so ist das Glas kein guter Isolator.
Wir können uns auch noch auf eine etwas einfachere Art einen
Elektrophordeckel herstellen: Wir überziehen eine Scheibe aus starker
Pappe sorgfältig mit Stanniol, das wir mit dem Eiweiß eines ungekochten
Eies aufleimen. Als Griff verwenden wir hierbei drei Seidenfäden, die
wir am einen Ende zusammenknüpfen; die drei freien Enden werden an der
Pappescheibe befestigt.
[Sidenote: Konduktor.]
Abb. 3 zeigt den Konduktor; er besteht aus einem viereckigen Brettchen
(_a_), das an den Ecken mit Korkstollen versehen ist, aus dem Glasfuß
(_b_), der mit Siegellack in ein entsprechendes Loch des Grundbrettes
eingekittet ist, und dem oberen, metallenen Teil; diesen stellen wir
uns aus einer etwa 3 _cm_ weiten und 15 _cm_ langen Messingröhre
her (_c_). Nun beschaffen wir uns zwei messingene Herdkugeln (_d_,
_d_), deren Durchmesser etwa 5 _mm_ größer ist als der der Röhre,
und welche so in diese eingelötet werden, daß die Ansätze der Kugeln
nach innen kommen. An der Mitte wird nun noch ein etwa 2 _cm_ langes
Messingröhrchen (_e_) angelötet, in welches das obere Ende des
Glasstabes eingekittet wird. Statt Messing zu verwenden, kann man sich
auch den oberen Teil des Konduktors bei einem Drechsler von Holz drehen
lassen; dieser Teil wird dann sorgfältig mit Stanniol überklebt, oder
mit Graphitstaub eingepinselt und dann galvanisch verkupfert.
[Illustration: Abb. 3. Konduktor.]
[Illustration: Abb. 4. Messingkugeln für den Konduktor.]
[Sidenote: Grosse Messingkugeln.]
Nun sollten wir noch eine Messingkugel von etwa 7 _cm_ Durchmesser
haben; diese sind oft sehr schwer zu beschaffen, aber wir können uns
auch hier mit einer mit Stanniol zu überziehenden Holzkugel begnügen.
Man kann sich aber auch anders helfen: In jedem Metallwaren- oder
Küchengerätegeschäft kann man sich zwei gleichgroße, halbkugelförmige
Messingschöpflöffel kaufen, von denen man die meist angenieteten
Stiele entfernt, die Nietlöcher zu- und die beiden Halbkugeln
aufeinander lötet. Gleichzeitig kauft man sich noch zwei etwas größere
Schöpflöffel, die zusammengelegt einen genügenden Hohlraum bilden,
um die eben erwähnte Kugel völlig zu umhüllen. Auch hier werden die
Stiele entfernt. Die geschlossene Kugel erhält nun noch einen Ansatz
von Messingrohr, in den man den Glasfuß einkittet, der wie bei dem
Konduktor auf einem Holzbrettchen befestigt wird. Die beiden größeren
Halbkugeln erhalten, wie das aus der Abb. 4 zu ersehen ist, je einen
Glasgriff, der in der üblichen Weise befestigt wird. Da man mit ihnen
die Kugel soll völlig umschließen können, so müssen sie da, wo sie den
Fuß der Kugel umfassen sollen, je einen halbkreisförmigen Ausschnitt
von entsprechender Weite erhalten.
[Sidenote: Franklinsche Tafel.]
Die Franklinsche Tafel: Eine auf ihre Isolierfähigkeit geprüfte
Glastafel 30 : 30 _cm_ groß, bekleben wir beiderseits je mit einem
15 : 15 _cm_ großen Blatt Stanniol, so daß ringsherum ein 7½ _cm_
breiter Rand frei bleibt. Auf ein ovales Brett, 30 cm lang, 12 _cm_
breit, nageln wir zwei 2 _cm_ hohe Leistchen auf, die um etwa 2 _mm_
mehr, als die Glasdicke beträgt, voneinander entfernt sind, und kitten
die Scheibe in den so erhaltenen Spalt. Nun wird noch der freie
Glasrand mit dünner Schellacklösung bestrichen. (Über Schellackbezug
siehe bei der Influenzelektrisiermaschine, Seite 20.)
[Sidenote: Leidener Flasche.]
Die Leidener Flasche: Bevor wir uns eine solche herstellen, wollen
wir sehen, wie wir die guten Glassorten schon äußerlich, soweit
als das überhaupt möglich ist, von den schlechten unterscheiden
können. Betrachten wir ungefärbte Gläser im durchfallenden Lichte,
so erscheinen sie uns meist alle farblos; betrachten wir sie dagegen
auf der Schnittfläche, so scheinen die einen grün, die anderen
blau, seltener rot oder farblos. Gläser, die auf der Schnitt- oder
Bruchfläche bläulich oder rötlich erscheinen, sind von vornherein
für elektrische Zwecke unbrauchbar. Grünliches Glas, gewöhnliches
Fensterglas, ist oft recht gut; am sichersten geht man mit farblosem;
doch unterlasse man auch hier nicht, die zu verwendenden Gläser erst
auf ihre Isolierfähigkeit nach der oben angegebenen Methode zu prüfen.
Für Leidener Flaschen, an die keine allzugroßen Anforderungen gestellt
werden, kann man gewöhnliche Einmachgläser gut verwenden. Diese werden
gründlich gereinigt und zuletzt mit etwas Weingeist abgewaschen.
Nun wird das Stanniol zuerst innen, dann außen möglichst blasen-
und faltenlos mit ~Eiweiß~ aufgeklebt. Wer nicht sehr gewandt ist,
wird gut daran tun, den Belag nicht in einem Stück aufzukleben,
sondern in etwa 5 bis 10 _cm_ breiten Streifen. Die Höhe des Belags
soll bei kleinen Flaschen ¾, bei großen ⅔ der Gesamthöhe der Flasche
betragen. Der oben frei gebliebene Glasrand wird mit einem dünnen
Schellacküberzug versehen. Ähnlich wie es nachher beim Elektroskope
beschrieben ist, wird hier eine mit einer Messingkugel versehene
Metallstange in der Flasche befestigt. Um das untere Ende dieser Stange
wird ein aus mehreren Stanniolstreifen bestehendes Büschel herumgelegt
und mit Bindfaden befestigt; die freien Enden dieser Streifen sollen
auf dem Boden der Flasche aufliegen.
Wir können uns auch aus großen Reagenzgläsern eine große Anzahl kleiner
Leidener Flaschen machen und sie zu einer Batterie zusammenstellen,
indem wir alle inneren Beläge miteinander verbinden und ebenso alle
äußeren.
[Illustration: Abb. 5. Elektroskop.]
[Sidenote: Elektroskop.]
Zur Herstellung eines Elektroskopes brauchen wir eine etwa 10 _cm_
hohe, 7 _cm_ breite, sehr gut isolierende Flasche mit nicht zu engem
Hals. Ein etwa 5 _mm_ starkes Messingstängchen wird an einem Ende
meißelartig zugefeilt und an das andere Ende wird eine Messingkugel
oder ein Blechscheibchen, dessen Rand abgerundet ist, aufgelötet. Nun
wird diese Messingstange in ein Glasrohr gesteckt, in das sie aber
nur knapp hineingehen soll, und das so lang sein muß, daß nur das
zugeschärfte Ende frei bleibt. Ein Kork, der gut auf die Flasche paßt,
erhält ein Loch, durch das die Glasröhre mit der Messingstange so weit
hindurchgesteckt wird, daß das untere Ende der Stange etwa 7 _cm_ vom
Boden der Flasche entfernt ist. Aus ganz dünnem Stanniol, oder besser
aus unechtem Blattgold schneiden wir uns zwei 4 _mm_ breite, 5 _cm_
lange Streifen, die man übrigens auch von einem Goldschläger vorrätig
beziehen kann, und kleben sie mit einer möglichst geringen Spur von
Eiweiß so auf den beiden zugeschärften Seiten der Messingstange an, daß
sie dicht nebeneinander und parallel zueinander herunterhängen. Die
Arbeit des Aufhängens der Blättchen erfordert vollkommen ruhige Luft;
man halte womöglich auch den Atem an. Die Abb. 5 zeigt das fertige
Elektroskop. (Über die Herstellung eines feineren Instrumentes siehe im
Anhang.)
[Sidenote: Reibungselektrisiermaschine.]
Nun wollen wir sehen, wie sich Rudi seine Reibungselektrisiermaschine
mit verhältnismäßig wenig Mitteln hergestellt hat. -- Zuerst sah
er sich nach einer geeigneten Scheibe um. Sich eine solche bei dem
Mechaniker zu kaufen, war ihm zu teuer. Da er einmal einen alten, schon
mehrfach gesprungenen Spiegel in der Gerätekammer gesehen hatte, so
fragte er seine Mutter, ob er diesen für seine Zwecke verwenden dürfte,
und er erhielt die Erlaubnis. Ein ziemlich großes Stück des Glases war
noch unbeschädigt; dies trug er zum Glaser und ließ es sich zu einer
runden Scheibe schneiden, die einen Durchmesser von 30 _cm_ bekam.
[Illustration: Abb. 6. Angelötete Scheibe.]
[Illustration: Abb. 7. Die Stützen des Rohrs.]
[Sidenote: Befestigung der Achsen an Glasscheiben.]
Nun schabte er mit einem alten Messer den Quecksilberbelag ab und ging
mit der Scheibe zu einem Glasgraveur, um sich ein Loch in die Mitte der
Platte bohren zu lassen. Da der Graveur aber keine Garantie für die
Platte übernehmen wollte und sagte, bei dem Bohren springe jede dritte
Platte, so besann sich Rudi, wie er diesem Übel abhelfen könnte. Mit
Flußsäure ätzen, das wäre ihm bei dem dicken Glase zu langsam gegangen;
aber er hatte eine andere Idee: ließe sich denn nicht die Notwendigkeit
eines Loches umgehen? Gewiß, und zwar ganz leicht. Triumphierend über
den guten Einfall ging nun Rudi mit seiner Scheibe wieder nach Hause.
Hier suchte er zuerst nach einer geeigneten Metallstange oder Röhre für
die Achse und fand dann auch ein 20 _cm_ langes und 1,5 _cm_ dickes
Stück eines Gasrohres, das er in zwei gleiche Teile auseinandersägte,
worauf er die Schnittränder völlig eben feilte. Nun schnitt sich Rudi
aus 1 bis 2 _mm_ starkem Messingblech zwei 6 _cm_ große Scheiben aus
und lötete sie so auf die eben gefeilte Schnittfläche, wie es Abb. 6
zeigt; dabei mußte er besonders darauf achten, daß die Längsachse des
Rohres völlig senkrecht auf der Ebene der Blechscheibe stand; um einem
Verbiegen der Blechscheibe gegen die Achse vorzubeugen, lötete er vier
3 _mm_ breite Blechstreifen so an die Scheibe einerseits und an dem
Rohr anderseits an, wie dies in Abb. 7 zu erkennen ist. Den Rand der
Blechscheibe krümmte er mit einer Flachzange etwas von der Achse weg
um, wie dies ebenfalls aus der Abb. 7 hervorgeht. Nachdem nun so zwei
völlig gleiche Achsenstücke hergestellt waren, bezeichnete Rudi den
Mittelpunkt der Scheibe mit einem kleinen Tintenpunkt; er hatte die
Mitte mit Hilfe der beiden Mittelsenkrechten zweier Sehnen gefunden.
Nun bereitete er sich einen Schellackkitt, wie dies Seite 5 schon
beschrieben wurde, goß davon in genügender Menge um den Mittelpunkt
der Scheibe herum und drückte die Blechscheibe mit der angelöteten
Achse darauf; dann bemühte er sich, diese noch möglichst senkrecht zur
Glasscheibe zu stellen. Allein sein Bemühen war vergebens, denn der
Kitt war zu rasch hart geworden. Nun hieß es, die Achse nochmals von
der Scheibe los zu bekommen; Erwärmen hätte nicht viel geholfen und
zudem die Glasscheibe gefährdet; den Schellack mit Spiritus aufzulösen
ging auch nicht, da er zum größten Teil unter der Blechscheibe lag.
Rudi versuchte nun mit einem spitzen Instrument zwischen Glas- und
Blechscheibe einzudringen; dies brachte ihm schließlich Erfolg. Er
befreite beide Scheiben von dem alten Schellack und begann die Arbeit
von neuem. Was für Fehler trugen nun an dem Mißerfolge die Schuld?
Erstens hatte er den Schellackkitt beim Auftragen zu lange brennen
lassen; dadurch war nicht nur zu viel Spiritus verbrannt, sondern
der geschmolzene Schellack war überhitzt worden, was ihn in eine
fast unschmelzbare harte Masse verwandelte. Zweitens hätten beide
Gegenstände, Glas- und Messingscheibe, etwas vorgewärmt werden müssen;
doch daß er letzteres vergessen hatte, war sein Glück, denn sonst wäre
es ihm wohl kaum noch gelungen, die beiden Teile unbeschädigt wieder
zu trennen. Beim zweiten Versuch gelang ihm nun das Zusammenkitten
zu voller Zufriedenheit. Er hatte sich diesmal auch einer recht
praktischen Hilfseinrichtung zum raschen Senkrechtstellen der Achse
bedient: Er machte sich aus starker Pappe ein Winkelscheit, dessen
Form aus Abb. 8 hervorgeht; der Ausschnitt im Scheitel des rechten
Winkels dient dazu, daß das Winkelscheit, ohne durch die Messingscheibe
behindert zu werden, sowohl auf der Glasplatte, als auch an der Achse
angelegt werden kann; sobald er die Achse auf den Schellack aufgedrückt
hatte, überzeugte er sich mittels dieses Winkelscheites von ihrer
richtigen Stellung. In der gleichen Weise befestigte Rudi die andere
Achse, genau in der Verlängerung der ersten.
[Illustration: Abb. 8. Winkelscheit.]
[Sidenote: Glasätzen mit Flusssäure.]
Für solche, die es vorziehen, das Loch durch die Platte mit Flußsäure
zu ätzen, sei erwähnt, daß mit Flußsäure ~sehr vorsichtig~ umgegangen
werden muß, schon weil ihre Dämpfe den Schleimhäuten des Mundes und
der Nase äußerst gefährlich sind, und weil sie, auf die Haut gebracht,
sehr bösartige Wunden verursacht. Sie wird in Gummi- oder Bleigefäßen
aufbewahrt und ist in jedem Geschäft, das Chemikalien führt, zu
haben. Es ist sehr zu empfehlen, beim Hantieren mit dieser Säure ein
Fläschchen mit konzentriertem Ammoniak bereitzustellen; ist von der
Säure etwas an einen unrichtigen Platz gekommen, so gießt man reichlich
Ammoniak zu, wodurch ein Schaden sicher verhindert wird.
Um ein Loch in die Platte zu ätzen, muß man erst die ~ganze~ Platte
auf beiden Seiten mit einer Wachsschicht überziehen und dann an der
Stelle und in der Größe des erwünschten Loches das Wachs abschaben
und den Wachsrand noch bis zu 5 _mm_ wallartig erhöhen. In das dadurch
entstandene Näpfchen wird nun Flußsäure gegossen und mit einem
Papierhütchen wird es zugedeckt. So bleibt dann die Platte etwa 2
Stunden liegen, nach welcher Zeit das angeätzte Glas mit einem Nagel
oder sonst einem spitzen Gegenstand aufgeschabt wird; dies wird alle 2
bis 3 Stunden wiederholt. Über Nacht läßt man stehen; am nächsten Tag
wird mit Fließpapier die noch vorhandene Flüssigkeit aufgesaugt und
durch frische Flußsäure ersetzt. Dies setzt man fort, bis ungefähr die
Hälfte der Glasdicke durchgeätzt ist, und beginnt dann mit dem gleichen
Verfahren von der anderen Seite.
Hat man also eine durchbohrte Scheibe, so kann man die Achse aus einem
Stück machen. Etwas mehr als halbe Glasdicke neben der Mitte der Achse
wird auf diese eine Messingscheibe aufgeschoben und angelötet, und
daran wird nun die Glasscheibe mit Schellack angekittet. Dann wird eine
zweite Messingscheibe auf die Achse geschoben und auf der Glasplatte
festgekittet; diese auch noch an der Achse anzulöten ist unnötig.
[Illustration: Abb. 9. Reibungselektrisiermaschine.]
Nachdem nun Rudi die Achsen in der erwähnten Weise an der Scheibe
angebracht hatte, schritt er zur Anfertigung des Gestelles. Abb. 9
zeigt die fertige Maschine. (Da die einzelnen Maße von der Größe der
Scheibe abhängen, geben wir keine Zahlen an, sondern verweisen nur auf
die aus der Abbildung hervorgehenden Größenverhältnisse.) _a_ ist ein
starkes Brett aus hartem Holz; Rudi hatte zuerst Tannenholz verwendet;
doch da dieses sich nach gar nicht langer Zeit warf, so mußte er es
durch Nußbaumholz ersetzen. Wer dennoch Tannenholz verwenden will,
muß auf der Unterseite mindestens drei Leisten aus hartem Holz quer
zu den Fasern des Brettes aufleimen und anschrauben (Leimen oder
Schrauben allein genügt nicht!); _b_, _b_ sind die beiden Lagerträger,
die aus Tannenholz gefertigt sein dürfen; sie werden an die Seiten
des Brettes _a_ angeschraubt. Um ihnen noch mehr Halt zu geben,
schraubte Rudi in der Art Leisten an den Rand des Brettes, daß die
Träger gewissermaßen in einer Vertiefung festsaßen. Die Lager selbst
machte er folgendermaßen: er wickelte um die Achse einen 2 _mm_ starken
Kupferdraht, Windung hart an Windung, bis er auf diese Weise ein 6
_cm_ langes Stück umwunden hatte, das er von der Achse abstreifte,
mit Lötwasser bestrich, mit einem Plättchen dünn gehämmerten Lotes
umgab und so lange in eine Bunsenflamme hielt, bis alles Lot sich
schön zwischen den Windungen verteilt hatte. Es war so ein Röhrchen
entstanden, das er nun in zwei gleiche Teile zersägte, welche die
Achsenlager bilden sollten; als er sie jedoch wieder auf die Achse
schieben wollte, paßten sie nicht mehr darauf, denn es war etwas zu
viel Lot in das Innere gelaufen; dies entfernte er mit der Rundfeile,
bis sie sich ohne zu großen Spielraum aber doch leicht auf der Achse
hin und her schieben ließen. Nun bohrte Rudi in die oberen Enden der
Lagerträger je ein Loch, das so groß war, daß ein Lagerröhrchen gerade
noch hindurchgesteckt werden konnte, und sägte, die Mitte dieses Loches
kreuzend, den oberen Teil des Lagerträgers ab (siehe Abb. 10). Mit
zwei Holzschrauben konnte er diesen wieder aufschrauben und so das
Lagerröhrchen fest einklemmen.
[Illustration: Abb. 10. Lagerträger.]
[Illustration: Abb. 11. Gestell des Reibzeugs.]
Für die Kurbel benutzte Rudi eine 4 _mm_ starke Eisenstange (_l_ in
Abb. 9), die er rechtwinkelig umbog, worauf er über das eine Ende einen
hohlen Griff (_m_) stülpte und das andere in das an dem einen Ende der
Achse angebrachte Loch einnietete.
Abb. 11 zeigt das Gestell des Reibzeuges. Hierbei bediente sich Rudi
eines starken massiven Glasstabes (_b_), den er in den Holzklotz _a_
fest einkittete; den Holzklotz _c_ machte er etwas höher und bohrte
ein Loch ein, in das der Glasstab nur knapp hineinging; hier kittete
er ihn ~nicht~ ein. Nun sägte er sich aus starkem (3 bis 4 _mm_)
Zigarrenkistenholz zwei gleiche rechteckige Brettchen, deren Länge etwa
⅔ des Scheibendurchmessers betrugen und die halb so breit als lang
waren. Diese Brettchen beklebte er je auf einer Seite mit einer nicht
zu dicken Lage von gewöhnlicher Watte. Dann richtete er sich aus 1 bis
2 _mm_ starkem Messingblech vier etwa 5 _mm_ breite Streifen (_d_ in
Abb. 11), die er einerseits an dem Brettchen _e_, anderseits an _c_
festschraubte und derart zusammenbog, daß sich die gepolsterten Seiten
der Brettchen _e_, die nach innen gerichtet waren, berührten.
[Illustration: Abb. 12.]
[Illustration: Abb. 13. Reibfläche.]
Aus Kalbleder fertigte Rudi die Reibfläche: er schnitt sich zwei
Stücke, deren Form aus Abb. 12 hervorgeht; die Löcher am Rande
dienten dazu, um das Leder auf die in Abb. 13 angegebene Art über
das Reibzeugbrettchen zusammenzuschnüren; er hatte dabei auch nicht
vergessen, daß die ~Fleischseite~ des Leders das Glas berühren muß.
[Sidenote: Amalgamieren.]
Obgleich Rudi die Amalgamierung der Reibkissen erst zuletzt vornahm,
so sei dies doch schon hier beschrieben. Er holte sich das Amalgam bei
einem Mechaniker, hätte es sich aber auch selbst bereiten können: man
schmilzt in einem Tontiegel zuerst 1 Gewichtsteil Zinn, und wenn alles
geschmolzen ist, gibt man in kleinen Stücken 1 Gewichtsteil Zink zu;
hat sich auch dieses alles verflüssigt, so wird der Tiegel vom Feuer
genommen, und es werden unter Umrühren 2 Gewichtsteile Quecksilber,
das vorher etwas angewärmt wurde, zugeschüttet; das Ganze wird nun
unter ständigem, tüchtigem Umrühren -- man kann dazu den Stiel einer
Tonpfeife verwenden -- in Wasser gegossen. Die dabei entstandenen
Amalgamkörnchen werden zwischen Filtrierpapier getrocknet und in einem
Reibschälchen zu Pulver verrieben. -- Mit solchem Amalgam rieb er die
Fleischseite der beiden Lederlappen tüchtig ein und spannte sie dann
wieder auf die Reibzeugbrettchen.
An dem Holzklotze _c_ (Abb. 11) kann man nun entweder eine große
Herdkugel oder eine mit Kugelenden versehene Messingröhre anbringen,
ähnlich der in Abb. 3 dargestellten, aber kürzer als diese; dieser Teil
der Maschine ist in den Abbildungen nicht gezeichnet; Rudi ließ ihn
auch anfangs weg, brachte ihn aber später doch noch an.
[Sidenote: Spitzenkamm.]
Wir wollen nun noch sehen, wie der Spitzenkamm hergestellt und an der
Maschine angebracht wird. Rudi verwendete als Träger wieder einen
starken Glasstab, doch es genügt hier auch eine starke Glasröhre. Den
Stab kittete er wie bei dem Reibzeug in die Ausbohrung des Klötzchens
_f_ (Abb. 9). Auf ihn setzte er das etwas größere Holz _g_ und kittete
auch dieses, nachdem er das Brettchen _i_ und die Kugel _k_ daran
befestigt und alle seine Kanten und Ecken wohl abgerundet hatte, fest;
_k_ soll möglichst groß sein und kann wie die in Abb. 4 ersichtliche
Kugel des Konduktors hergestellt werden. Das Brettchen _i_ hatte Rudi
nur angeleimt; da es ihm aber später einmal wegbrach, so ist es ratsam,
es mit einer Schwalbenschwanzfuge in _g_ einzulassen.
Für den Spitzenkamm sägte sich Rudi zwei handspiegelförmige Brettchen
aus Zigarrenkistenholz und schnitt sich zwei gleichgeformte
Pappscheiben; letztere beklebte er beiderseits mit starkem
Stanniolpapier und steckte in je drei konzentrischen Kreisen eine große
Anzahl kurzer Stecknadeln hindurch. Diese stacheligen Pappescheiben
klebte er nun mit der Seite, auf welcher die Köpfe der Stecknadeln
waren, auf dem Holzbrettchen fest, das er an das Brettchen _i_
anschraubte. Dabei zeigte sich aber, daß sich jetzt die Spitzen so
nahe gegenüberstanden, daß sich die Glasscheibe nicht zwischen ihnen
hätte drehen können, ohne verkratzt zu werden oder die Nadelspitzen
umzubiegen; er legte deshalb zwei kleine Pappestückchen zwischen _i_
und die Spitzenkämme _h_, wodurch diese, nachdem sie wieder befestigt
waren, den richtigen Abstand erhielten. Die Kugel _k_ mußte nun noch
mit den Nadeln in leitende Verbindung gebracht werden; Rudi bohrte
durch _g_ in Abb. 9 ein Loch, das hart neben dem Ansatz von _k_ begann
und neben dem Brettchen _i_ bei dem Ansatz des einen Spitzenkammes
endete. Durch dieses Loch führte er einen Kupferdraht, den er
einerseits mit dem Stanniolbelag des Spitzenkammes in innige Berührung
brachte, anderseits an den Ansatz der Kugel _k_ anlötete.
Nun mußte Rudi noch den Reibzeug- und den Spitzenkammträger auf dem
Grundbrett _a_ befestigen, was er dadurch erreichte, daß er beide mit
je vier Schrauben von unten her an _a_ festschraubte. Das Reibzeug
ließ sich trotzdem noch leicht abnehmen, da ja das Klötzchen _c_ (Abb.
11) nicht auf _b_ aufgekittet, sondern nur darübergeschoben war. An
diesem Reibzeug befestigte Rudi nachträglich zwei Flügel aus Seide (man
kann auch Wachstaffet verwenden), die sich beiderseits an die Scheibe
anlegen sollten und die an ihrem äußeren Rande zusammengenäht waren;
ihre Form ist aus Abb. 9, _o_ zu ersehen. Sie sollen verhindern, daß
auf dem Wege vom Reibzeuge zum Spitzenkamme die Glasscheibe von ihrer
Elektrizität verlöre.
Zuletzt überzog Rudi alle Holzteile und die beiden Glassäulen mit
Schellackfirnis.
Um diese Maschine vor dem für viele elektrische Apparate sehr
schädlichen Verstauben zu bewahren, fertigte er sich als Schutz aus
starkem Packpapier eine große Hülle, die er, wenn die Maschine nicht
gebraucht wurde, käseglockenartig darüber stülpte.
[Sidenote: Elektrisches Flugrad.]
Das elektrische Flugrad ist sehr einfach herzustellen: man schneidet
sich aus gewöhnlichem Weiß- oder Messingblech ein rundes Scheibchen,
das man genau in der Mitte mit einem Körnerpunkt versieht; auf dieses
Scheibchen lötet man nach den vier verschiedenen Seiten radial nach
außen gerichtet vier lange Stecknadeln, deren Spitzen dann alle
rechtwinkelig nach der gleichen Seite umgebogen werden. Ein 20 _cm_
langes und 4 bis 5 _mm_ starkes Glasröhrchen wird in ein Fußbrettchen
eingekittet, und mit Siegellack wird eine lange Stecknadel im oberen
Ende befestigt. Das Flugrädchen wird nun mit dem Körnerpunkt auf
die Stecknadelspitze aufgesetzt und muß in horizontaler Lage im
Gleichgewichte schweben; sollte dies nicht zutreffen, so kann man durch
Auftropfen von etwas Siegellack auf die Unterseite des Scheibchens das
Flugrädchen ausbalancieren.
[Sidenote: Lanesche Massflasche.]
Es sei nun noch die elektrische Maßflasche von Lane erwähnt: auf
einem mit Stanniol überzogenen Grundbrettchen wird eine kleine
Leidener Flasche aufgeleimt oder festgekittet, jedoch so, daß der
äußere Flaschenbelag in leitender Verbindung bleibt mit dem Belag des
Brettchens; 5 _cm_ neben der Flasche wird ein Messingstab in dem Brette
befestigt, der oben in Höhe der Kugel der Leidener Flasche ein 2 bis 3
_mm_ weites Loch erhält, in welchem sich ein entsprechend starker etwa
10 _cm_ langer Messing- oder Kupferdraht leicht hin und her schieben
läßt; diesen Draht versieht man an dem einen Ende mit einer Kugel, am
anderen biegt man ihn zu einer kleinen Schleife.
[Illustration: Abb. 14. Luftthermometer.]
[Sidenote: Luftthermometer.]
Nun können wir uns noch einen einfachen Apparat herstellen, mit dem
wir die Erwärmung von Leitern beim Durchgang von Elektrizität durch
sie nachweisen können. Abb. 14 zeigt diesen Apparat im Schnitt: auf
dem Grundbrett _a_ wird ein kleineres Brettchen _b_ befestigt; darauf
wird ein Glaszylinder _c_ aufgekittet. Für diesen Glaszylinder kann
man den Lampenzylinder eines Auerlichtes verwenden, von dem man sich
ein entsprechendes Stück absprengen läßt. _d₁_ und _d₂_ sind zwei
in Paraffin gekochte Korke, durch welche ein innen und außen zu
Häkchen _f_ umgebogener Draht führt; in _d₁_ ist außerdem noch eine
Öffnung, in die die Glasröhre _g_ einmündet, deren Form aus der Figur
hervorgeht; _e_ ist eine aus dünnem Eisendraht gewundene Spirale. Wer
einem gelegentlichen Durchschmelzen dieser Spirale vorbeugen will,
muß Platindraht verwenden. Die Spirale wird auf folgendem Wege in
den Zylinder gebracht. Sie wird mit ihrem einen Ende in den Haken
des Korkes _d₁_ eingehakt, worauf dieser, die Spirale voran, in den
Zylinder geschoben wird; nun zieht man von der anderen Seite das noch
freie Ende der Spirale vorsichtig aus dem Zylinder heraus, hakt es
in den Haken von _d₂_ und drückt darauf _d₂_ in den Zylinder. Darauf
bringt man in die Glasröhre _g_ etwas gefärbtes Wasser und steckt sie,
wie aus der Abbildung ersichtlich, in die Öffnung von _d₁_.
[Sidenote: Die Influenzelektrisiermaschine.]
Rudi brauchte nun zu seinem Vortrag noch eine
Influenzelektrisiermaschine; diese lieh er sich einstweilen bei
einem Schulkameraden, weil er die Anfertigung dieser Maschine für
später aufschieben mußte. Da es jedoch für manchen jungen Bastler
von Interesse sein wird, zu erfahren, wie man die verschiedenen
Schwierigkeiten, die sich der Selbstanfertigung einer Influenzmaschine
entgegenstellen, leicht umgehen kann, so wollen wir schon jetzt davon
eine Beschreibung geben.
[Sidenote: Glasscheiben.]
Wir beginnen zunächst mit den Glasscheiben; die Scheiben, die für
Reibungselektrisiermaschinen gut verwendet werden können, sind für
Influenzmaschinen nicht immer die geeignetsten; die Hauptsache ist, daß
das Glas gut isoliert. Wir suchen zuerst, ob wir in unserem Glasvorrat
etwas Geeignetes finden[1]; wenn nicht, dann suchen wir bei einem
Glaser die beste Glassorte aus, wobei auch darauf zu achten ist, daß
die Glastafeln möglichst eben sind. Wir lassen uns nun zwei kreisrunde
Scheiben schneiden, deren Durchmesser womöglich 60 _cm_, keinesfalls
aber weniger als 30 _cm_ betragen darf. Wer ganz sicher gehen will und
größere Auslagen nicht scheut, besorgt sich die Glasscheiben bei einem
Mechaniker oder von ~Warbrunn, Quilitz u. Co. zu Berlin~, welche Firma
auch ausgezeichnete Gläser für Leidener Flaschen liefert.
[Illustration: Abb. 15. Rudi bei der Anfertigung einer
Influenzelektrisiermaschine.]
[Sidenote: Der Schellacküberzug.]
Durch die Mittelsenkrechten zweier Sehnen finden wir die Mitten der
Scheiben und bezeichnen sie je mit einem Tuschepünktchen; ist die
Tusche fest aufgetrocknet, so werden die Scheiben zuerst mit Seifen-,
dann mit reinem, gewöhnlichem, endlich mit destilliertem Wasser und
zuletzt mit Weingeist abgewaschen; der Weingeist muß selbst rein sein
und darf nur mit einem ganz reinen Schwämmchen aufgetragen werden.
Die zweite Aufgabe ist, beide Scheiben mit einem feinen Überzug von
Schellackfirnis zu versehen. Wir lassen 30 _g_ Schellack in ¼ Liter
Spiritus sich vollständig lösen und gießen kurz vor dem Gebrauch noch
100 _ccm_ reinen Spiritus zu und schütteln kräftig; die Lösung wird
noch filtriert und ist dann gebrauchsfertig; soll sie längere Zeit
aufbewahrt werden, so lege man, um die Feuchtigkeit zu binden, ein paar
Gelatinestreifen hinein und halte die Flasche stets gut geschlossen.
Das Auftragen der Lösung geschieht mit einem ~großen, weichen~ Pinsel,
der vor dem Gebrauch durch Klopfen und Waschen von allem Staub befreit
werden muß. Es ist ziemlich wichtig, einen schönen gleichmäßigen
Schellacküberzug zu erzielen, und es dürfte wohl manchem nicht auf
das erste Mal gelingen. Die Scheibe wird auf eine Zigarrenkiste oder
besser auf eine runde Pappschachtel gelegt, deren Durchmesser etwa
handbreit kleiner ist, als der der Scheibe. Die Schellacklösung wird
in ein offenes Gefäß gegossen. Doch bevor wir mit dem Überstreichen
beginnen, muß die Scheibe angewärmt werden; ist es Sommer, so können
wir sie einfach etwa eine halbe Stunde den Sonnenstrahlen aussetzen,
andernfalls muß die Erwärmung künstlich geschehen (am besten über einer
Dampf- oder Warmwasserheizung). Die Scheibe darf so warm sein, daß wir
sie gerade noch mit der Hand anfassen können. Nun wird sie auf die oben
erwähnte Unterlage gelegt, so daß der äußere Rand auf der Unterseite
frei bleibt. Das Überstreichen muß recht gewandt ausgeführt werden; mit
großen Strichen überfahren wir die Fläche und achten darauf, daß keine
Stelle frei bleibt, aber auch keine zweimal überstrichen wird, damit
wir einen möglichst gleichförmigen Überzug erhalten. Wir streichen mit
der rechten Hand, in der linken haben wir ein in Spiritus getauchtes
Läppchen, mit welchem wir alles, was von der Lösung am Rand auf die
Unterseite der Scheibe gelangt, sofort abwischen. Hat man keinen
gleichmäßigen Überzug erzielt, so tut man am besten, die ganze Scheibe
mit Spiritus abzuwaschen und von vorn zu beginnen. Ist der Anstrich bei
beiden Seiten gelungen, so läßt man sie an einem staubfreien Orte, etwa
in einer großen Tischschublade, einen Tag liegen. Die anderen Seiten
der Scheiben werden genau so behandelt, nur dürfen sie diesmal nicht
so stark erwärmt werden und es muß ein Überlaufen von Schellackfirnis
unbedingt vermieden werden. ~Man bezeichne sich die zuerst bestrichenen
Seiten der Scheiben.~ Diesmal lassen wir sie nur 5 bis 6 Stunden in der
Schublade liegen und stellen sie dann ~senkrecht~ an einem staubfreien
Orte so auf, daß sie außer an den Kanten nirgends anliegen; so lassen
wir sie 2 Tage unberührt stehen.
[Illustration: Abb. 16. Anfertigung der Achsenrohre.]
[Illustration: Abb. 17. Achsenrohr.]
[Illustration: Abb. 18. Aufgelötete Messingscheibe.]
[Sidenote: Die Achsenansätze.]