Der General bejahte. "Ich rede es ihm nicht aus."

- "Redet es ihm aus, Pate. Grassiert nicht Pest und Fieber in Morea?"

- "Zuweilen."

- "Liest man nicht von häufigen Schiffbrüchen im Adriatischen Meere?"

- "Hin und wieder."

- "Ist die Gesellschaft in Venedig nicht ganz entsetzlich schlecht?"

- "Die gute ist dort wie allenthalben und die schlechte ganz

vortrefflich."

- "Pate, er darf nicht hin, um keinen Preis!"

- "Gut. Also ein anderes Zweites verbunden mit dem Dritten: Berggeist,

mache den Kandidaten Pfannenstiel zum wohlbestellten Pfarrer von

Mythikon und gib mich ihm zur Frau!"

Rahel wurde feuerrot. "Ja, Berggeist", sagte sie tapfer.

Diese resolute Antwort gefiel dem General aus der Maßen.

"Er ist eine reinliche Natur", lobte er, "aber ihm fehlt die

Männlichkeit, welche die Figuren unwiderstehlich hinreißt--"

- "Bah", machte sie leichthin und fuhr entschlossen fort: "Pate, Ihr

habt ein Dutzend Feldschlachten gewonnen, Ihr verderbt Euern

listigsten Feinden in der Hofburg das Spiel, Ihr seid ein berühmter

und welterfahrner Mann--wendet ein Hundertteilchen Eures Geistes daran,

mich--was sage ich--uns glücklich zu machen, und wir werden es Euch

zeitlebens Dank wissen."

Der General ließ sich auf die leere Steinbank nieder und legte in

tiefem Nachdenken die Hände auf die Knie, wie eine ägyptische Gottheit.

So berührte er die beiden Pistolen in seinen Taschen; es blitzte in

seinen scharfen grauen Augen plötzlich auf, und er brach in ein

unbändiges Gelächter aus, wie er seit Dezennien nicht mehr gelacht

hatte, in ein wahres Schulbubengelächter. Da er zugleich

aufgesprungen war, rasch dem Innern der Halbinsel sich zukehrend,

wiederholte ein Echo diesen Ausbruch ausgelassener Lustigkeit in so

geisterhafter und grotesker Weise, daß es war, als hielten sich alle

Faune und Panisken der Au die Bäuchlein über einen tollen und

gottvergessenen Einfall.

Der General beruhigte sich. Er schien seinen Anschlag und die

Möglichkeit des Gelingens mit scharfem Verstande zu prüfen. Das

Wagnis gefiel ihm. "Zähle auf mich, mein Kind", sagte er väterlich.

- "Hört, Pate, dem Papa darf kein Leides geschehen!"

- "Lauter Gutes."

- "Pfannenstiel darf nicht gezaust werden!"

Wertmüller zuckte die Achseln. "Der spielt eine ganz untergeordnete

Rolle."

- "Und Ihr werdet Euern Spaß dabei haben?" fragte das Mädchen gespannt,

denn das Gelächter hatte sie doch etwas bedenklich gemacht.

- "Ich werde meinen Spaß dabei haben."

- "Kann es nicht mißlingen?"

- "Der Plan ist auf die menschliche Unvernunft gegründet und somit

tadellos. Aber etwas Chance gehört zu jedem Erfolg."

- "Und mißlingt es?"

- "So bezahlt Rudolf Wertmüller die Zeche."

Noch einmal besann sich das Mädchen recht ernstlich; aber ihre

resolute Natur trug den Sieg davon. Sie hatte überdies ein

unbedingtes Vertrauen zu der verwegenen Kombinationsgabe und selbst in

gewissen Grenzen zu der Loyalität ihres Verwandten. Daß ein

schadenfroher Streich mitlaufen werde, wußte sie--es war das eben der

Kaufpreis ihres Glückes--, aber sie wußte auch, daß Wertmüller sie

liebhabe und seinen Spuk darum nicht allzu weit treiben würde. Zudem

lag etwas in ihrem Blute, das eine rasche, wenn auch gewagte Lösung

einer nagenden Ungewißheit vorzog.

"Ans Werk, Rübezahl!" sagte sie. "Wann beginnst du dein Treiben,

Berggeist?"

- "Morgen mittag bist du Braut, Kindchen. Ich verreise Montag in der

Frühe."

- "Adieu, Berggeist!" grüßte sie enteilend und warf ihm eine Kußhand

zu, während er ihr nachsah und seine Freude hatte an ihrem schlanken

und sichern Gange.

Der Schuß von der Kanzel · 第 10 / 16 题